NerdkramsPiratenpartei
Suchmaschinenoptimierung dank Lesezeichenignoranz

Als ich noch ein wenig jün­ger und das Web noch inter­es­sant war, galt bei Gestaltern die­ses Webs, zu denen zeit­wei­se auch ich gehö­ren woll­te, allen FRAMEs zum Trotz die von Tim Berners-Lee höchst­per­sön­lich tra­dier­te Regel, dass es kei­nen ersicht­li­chen Grund gebe, war­um coo­le URIs über­haupt geän­dert wer­den soll­ten, jedoch eini­ge gute Gründe, die dage­gen sprechen.

Zu die­sen Gründen zählt, dass es durch­aus denk­bar ist, dass es Menschen geben könn­te, die einen URI zwecks spä­te­rer Wiederverwendung in ihren Browserlesezeichen hin­ter­legt haben. Ändert sich die­ser URI und gibt es kei­ne ser­ver­sei­ti­ge Umleitung der alten auf die neu­en URIs, so lau­fen die Lesezeichen ins Leere, was nicht nur unprak­tisch, son­dern zudem oft höchst uner­freu­lich ist. Mit Xanadu wäre das nicht passiert.

Nun mag man es digi­ta­len Laien noch ver­zei­hen, wenn sie über die Folgen ihres Handelns nicht nach­den­ken, weil sie zum Beispiel statt Lesezeichen ein­fach eine Suchmaschine benut­zen und alles ab Seite 2 der Ergebnisse - als sei­en die­se unver­än­der­lich - sie ohne­hin nicht inter­es­siert, aber sol­che Laien wer­den auch eini­ger­ma­ßen sel­ten als Webentwickler ein­ge­stellt. Schwerer wie­gen Verstöße bei denen, die dar­um bit­ten, sich auf das Neuland zu freu­en, und sich so als die­je­ni­gen dar­stel­len, die ver­stan­den haben wol­len, wie das Netz funk­tio­niert: Seit der letz­ten Erneuerung der Website der Piratenpartei Deutschland sind wie­der ein­mal man­che alte Verweise auf Besucherseite aus SEO-Gründen kaputt. Muss man ja ver­ste­hen: Wenn man sei­ne Seitenstruktur aus Kosmetikgründen über den Haufen wirft, dann ist es wich­tig, dass zuerst ein­mal die gro­ßen Suchmaschinen dar­über in Kenntnis gesetzt wer­den, denn eine poli­ti­sche Partei, die sich der Transparenz ver­schrie­ben zu haben behaup­tet, soll­te zwar jeder­zeit ihre bis­he­ri­gen Aktionen publi­ziert haben, aber doch nicht immer an der glei­chen Stelle. Bürger lang­wei­len sich, wenn sie nicht dau­ernd suchen müssen.

„Coole“ URIs wer­den nicht geän­dert? Einer der Websitetechniker sieht das so:

Ach, die alte Diskussion wie­der. „Cool URLs dont chan­ge“. Jaja klar. Damals.
Wir leben aber heu­te und machen Webseiten für Menschen.

Denn anders als Computer wol­len Menschen gar nicht, dass ihre Lesezeichen mor­gen noch funk­tio­nie­ren. Bemerkenswert ist aller­dings, dass ähn­lich alte Verweise auf das berüch­tig­te Piratenpartei-Wiki sich, Diskussionsalter hin oder her, bis heu­te einer bemer­kens­wer­ten Lebendigkeit erfreuen.

Wer war noch mal die Zielgruppe der Piratenpartei?

Senfecke:

  1. Das Problem pflegt typi­scher­wei­se mit Publikationnssoftware (CMS, Blogs) zu ent­ste­hen, hat sei­ne Ursache m.E. aber tat­säch­lich dar­in, dass die Stabilität von Inhalten und URLs bzw. URIs meist kei­ne beson­de­re Rolle zu spie­len scheint: wir ver­öf­fent­li­chen heu­te, was geht mich mein Geschwätz von gestern an?

    Es geht aber m.E. auch anders. Ich bemü­he mich um sta­bi­le URIs und ggf. (bei einer Neustrukturierung oder einem Technikwechsel) um Redirects und hal­te u.a. des­halb seit mehr als einem Jahrzehnt einen Webhostingaccount am Leben, damit der Redirect auf die eige­ne Domain wei­ter funktioniert.

    Damit soll­ten fast alle Angebote, die vor 20 Jahren ver­füg­bar waren, auch heu­te noch ver­füg­bar sein, und alles jün­ge­re sowieso.

    Es geht also, wenn man will. (Ja, ggf. auch beim Wechsel des Blogsystems, je nachdem.)

  2. Worum gehts egtl.? Die Seite: https://www.piratenpartei.de/ ? Hat mir für mei­nen Geschmack etwas über­trie­ben viel Weissraum, eine „A4-„Seite wür­de voll­kom­men reichen.

    -thh:
    wir ver­öf­fent­li­chen heu­te, was geht mich mein Geschwätz von gestern an?

    Nicht mal zwin­gend, heu­ti­gen „Webdesignern“ geht es meist nur um die Seite, die machen sich gar kei­ne Gedanken dar­über, die machen sich gar kei­ne Gedanken, dass es um Informationen (und damit ein­her­ge­hend die Struktur der Informationen) geht.

    Es geht also, wenn man will. (Ja, ggf. auch beim Wechsel des Blogsystems, je nachdem.)

    Mit Faulheit, Inkompetenz, Gedankenlosigkeit und - tada! - Seo-Trotteln geht eini­ges. Gefühlt 50% des Webs ist damit kaputt­ge­macht wor­den und es wird täg­lich mehr, der Kampf ist verloren.

    • Um sel­bi­ge. Das neue „Corporate Design“ (als wäre eine Partei Corporate) ist zum Kotzen, aber ja, die­ser „Relaunch“ - viel­leicht sogar schon der davor von 2013 oder so - hat Artikel von 2009 plötz­lich ver­schwin­den bezie­hungs­wei­se aus der Seitenstruktur ent­fer­nen las­sen. Geschwätz von gestern, tjaja.

      Mir sind mei­ne uralten Texte hier auch pein­lich, aber wenig­stens sind sie noch da, wo sie 2009 schon waren. Ist ja auch schon seit knapp zehn Jahren unter die­ser Domain hier zu fin­den und ich habe nicht vor, noch mal was an der Struktur zu ändern. Wieso auch?

      Ich wäre eine schlech­te Partei.

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