KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ver­stär­ker – Akti­vi­tät

Verstärker - AktivitätLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Um 1972 her­um, in der Blü­te­zeit des „Kraut­rocks“ also, for­mier­te sich eine lose Grup­pe von Musi­kern, die das Benut­zen klas­si­scher Musik­in­stru­men­te für zu beschrän­kend hielt und statt­des­sen ander­wei­tig Geräu­sche erzeug­te. Zu die­sen Musi­kern gehör­ten Klaus Schul­ze und Die­ter Moe­bi­us eben­so wie Bands wie Tan­ge­ri­ne Dream und Kraft­werk, die etwa zu die­ser Zeit die Rock­mu­sik hin­ter sich lie­ßen, sofern sie sie nicht – wie etwa Zweit­ge­nann­ter – von vorn­her­ein gemie­den hat­ten. Das Ergeb­nis nann­te sich mal kos­mi­sche, mal elek­tro­ni­sche Musik und wird heut­zu­ta­ge gele­gent­lich als „Ber­li­ner Schu­le“ sub­su­miert, weil dort anschei­nend mehr los was als anders­wo.

Anders­wo ist zum Bei­spiel Ken­tucky. Dort nahm die Musik­grup­pe mit dem urame­ri­ka­ni­schen Namen Ver­stär­ker, bestehend aus drei Musi­kern, deren Vor­na­me mit einem J beginnt, im Jahr 2015 das Album „Akti­vi­tät“ (Amazon.de, Bandcamp.com) auf, das noch im sel­ben Jahr ver­öf­fent­licht wur­de und im Wesent­li­chen instru­men­ta­le kos­mi­sche Musik – so auch die Eigen­be­schrei­bung der Band – ent­hält.

Das Album ist geprägt von einer hohen Dich­te. Schicht auf Schicht wird getürmt, die Abrun­dung nimmt eine Viel­zahl an elek­tro­ni­schen Effek­ten aus Syn­the­si­zern vor. Ich möch­te gar kei­ne Ver­glei­che anstel­len, sol­che wären immer unfair, aber Kraft­werk schei­nen den Ver­stär­ker­mu­si­kern durch­aus nicht unbe­kannt zu sein.

Über­tra­gung

Dass hier nicht ein gan­zes Album mit weni­gen Varia­tio­nen gefüllt wird, erklärt sich nach dem gest­ri­gen Album eigent­lich fast von selbst; „Abstrakt/Konkret“ rockt schon ziem­lich, „Über­tra­gung“ wird dem Titel ent­spre­chend mit Stör­ge­räu­schen unter­legt. Details gibt es hier in aus­rei­chen­dem Maße zu fin­den.

Das ist doch mal eine ange­neh­me Sonn­tags­ak­ti­vi­tät.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Tony Con­rad & Faust – Out­side the Dream Syn­di­ca­te

Tony Conrad & Faust - Outside the Dream SyndicateLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1963 ent­stand, wie auf­merk­sa­me Leser längst wis­sen, in den USA das von La Mon­te Young geführ­te Theat­re of Eter­nal Music, ein Kol­lek­tiv von Musi­kern, das mini­ma­li­sti­sche Kom­po­si­tio­nen dar­bot. Drei ihrer Auf­nah­men wur­den spä­ter in der Rei­he „Insi­de the Dream Syn­di­ca­te“, über­wie­gend unter dem Namen John Cales, der eben­falls ein Mit­glied des „Thea­tres“ war, her­aus­ge­bracht.

Eini­ge der „Theatre“-Musiker, dar­un­ter Tony Con­rad und John Cale, spiel­ten ab 1964 außer­dem mit dem Stu­dio­mu­si­ker und Lied­schrei­ber Lou Reed in wech­seln­der Beset­zung und unter ver­schie­de­nen Namen zusam­men. In Tony Con­rads ehe­ma­li­ger Woh­nung fan­den Mit­glie­der der Grup­pe, die inzwi­schen aus John Cale, Ster­ling Mor­ri­son, Angus MacLi­se und Lou Reed bestand, spä­ter das Buch „The Vel­vet Under­ground“ von Micha­el Leigh und nann­ten sel­bi­ge anschlie­ßend so. Tony Con­rad selbst wand­te sich statt­des­sen dem Film zu.

Der Pro­du­zent der deut­schen Avant­gar­de­band Faust, Uwe Net­tel­beck, zeig­te jedoch Inter­es­se an sei­ner bis dahin her­vor­ge­brach­ten Musik und lud ihn nach Ham­burg ein, um gemein­sam mit Faust etwas auf­zu­neh­men. So ent­stand 1972 „Out­side the Dream Syn­di­ca­te“ (Amazon.de, TIDAL), das bis heu­te in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen ver­öf­fent­licht und aus­zugs­wei­se 1995 auch live gespielt wur­de.

Zu hören ist natür­lich mini­ma­li­sti­sche Musik, die weit über das hin­aus­geht, was vie­le ver­mut­lich unter „mini­mal“ ver­ste­hen wür­den. Im ersten Stück („From the Side of Man and Woman­kind“, auf der CD von 1993 zusätz­lich in einer alter­na­ti­ven, etwas kür­ze­ren Ver­si­on als „The Side Of Woman And Man­kind“ zu hören) ver­ur­sacht Tony Con­rads Vio­li­ne Dro­nes zu ein­fach­stem Rhyth­mus­fun­da­ment (hier von „Zap­pi“ Dier­mai­er, der abwech­selnd auf Becken und Bas­strom­mel schlägt, und Jean-Her­vé Péron, der fort­wäh­rend den glei­chen Ton auf dem Bass spielt, errich­tet), das sich kaum merk­lich ver­än­dert. Das Stück dau­ert 27 Minu­ten. Das kann sehr lang sein, ist aber durch­aus loh­nens­wert.

Tony Con­rad with Faust – From the Side of Man and Woman­kind (1973) HQ

Etwas mehr pas­siert danach („From the Side of the Machi­ne“): Hyp­no­ti­sche, jedoch vari­ie­ren­de Per­kus­si­on unter­mau­ert aber­mals sich zum Ende hin merk­lich ver­dich­ten­de Gei­gen­dro­nes, mit­ge­tra­gen vom Bass, der auch mal mehr als nur eine Note her­vor­brin­gen darf. Ist das noch Mini­ma­lis­mus? Im Hin­ter­grund erzeugt ein Syn­the­si­zer (Rudolf Sosna) aller­lei Geräu­sche. Aus Sicht der Maschi­ne ist anschei­nend mehr los. Auch die­ser Teil belegt eine gan­ze LP-Sei­te.

The Side of the Machi­ne

Und er ist, wie ich fin­de, jede Minu­te wert. Musi­ka­li­sche Ent­schleu­ni­gung – war­um nicht öfter? :ja:

ProjekteNerdkrams
Schö­ner lese­zeich­nen mit ymarks

(Vor­be­mer­kung: Etwas Wer­bung in eige­ner Sache.)

Vor etwas über einem Jahr schrieb ich:

Nun ist Xmarks offen­bar bis heu­te die ein­zi­ge Anwen­dung ihrer Art, die die Lese­zei­chen­lei­sten meh­re­rer Brow­ser in alle Rich­tun­gen mit­ein­an­der syn­chro­ni­sie­ren kann.

Das war selbst­ver­ständ­lich ein unzu­rei­chen­der Zustand, den es zu ver­bes­sern galt. Seit dem 1. Mai 2018 steht Xmarks über­dies nicht mehr zur Ver­fü­gung, was die Suche nach Alter­na­ti­ven noch wich­ti­ger macht. Aus­rei­chend getrie­ben vom vor­he­ri­gen Ist­zu­stand habe ich im Herbst 2017 begon­nen, eine Alter­na­ti­ve zu Xmarks zu pro­gram­mie­ren. Seit gestern ist die­se fer­tig genug.

Sie trägt den unfass­bar krea­ti­ven Namen ymarks, besteht aus einer Ser­ver­kom­po­nen­te und Brow­ser­er­wei­te­run­gen. Der Ser­ver funk­tio­niert unter Win­dows und diver­sen UNIX-/unixo­iden Syste­men, Erwei­te­run­gen ste­hen für Fire­fox, Chromium/Chrome und dar­auf basie­ren­de Brow­ser (auch Vival­di soll­te funk­tio­nie­ren) zur Ver­fü­gung, Micro­soft Edge ist unge­te­stet. Lei­der beherr­schen mobi­le Brow­ser das not­wen­di­ge book­marks-API noch nicht.

Den Quell­code gibt es hier. Ich wün­sche viel Ver­gnü­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Quo­te / Kei­ne Quo­te

Die For­de­rung nach einer geschlech­ter­pa­ri­tä­ti­schen Ver­tei­lung von Straf­ge­fan­ge­nen war bis­her ein, wie ich fin­de, durch­aus gelun­ge­ner Witz. Die Poin­te hat offen­bar nicht jeder ver­stan­den: Eine Frau­en­quo­te soll es tat­säch­lich künf­tig in bri­ti­schen Gefäng­nis­sen geben, und zwar nach oben statt nach unten. Für nicht beson­ders schwe­re Ver­ge­hen sol­len künf­tig nur noch Män­ner weg­ge­sperrt wer­den.

Wäh­rend­des­sen erhebt sich in Deutsch­land ein Wider­stand gegen die Geschlech­ter­pa­ri­tät: In Ham­burg wet­tern Frau­en und Art­ver­wand­te gegen die Gleich­stel­lung von Män­nern in Beru­fen, in denen die­se unter­re­prä­sen­tiert sind, weil dies gegen das Grund­ge­setz ver­sto­ße, so lan­ge Frau­en kei­nen Nut­zen dar­aus zie­hen. Ich begin­ne zu ver­ste­hen, war­um eine Kom­pe­tenz­quo­te aus die­sen Krei­sen so vehe­ment bekämpft wird.

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Musik 06/2018 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 20 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Kaum ist es mal schier uner­träg­lich warm gewor­den, schon ist wie­der ein hal­bes Jahr vor­bei. Das kann nur eines bedeu­ten: Es ist wie­der Zeit für die besten Musikal­ben des ersten Halb­jah­res 2018. Dass seit der letz­ten Rück­schau sowohl Mark E. Smith und mit ihm wohl auch The Fall als auch Den­nis Edwards (The Temp­t­ati­ons) und Jon Hise­man (Colos­se­um, Colos­se­um II, JCM) sich für immer aus der Musik und vor­aus­sicht­lich auch aus der Welt der Leben­den ver­ab­schie­det haben, mahnt zur Eile. Wer weiß, wie vie­le Künst­ler ster­ben, wäh­rend ich dies hier schrei­be?

Sicher­heits­hal­ber griff ich der Liste bereits vor: Die aktu­el­len Stu­dio­al­ben von awa­ke­but­stil­lin­bed, Mes­sa und den bei­den Davids Cross und Jack­son blei­ben Teil der dies­jäh­ri­gen Emp­feh­lun­gen, auch das Debüt­al­bum „Dan­ger Dance“ von Nose­holes, deren titel­lo­se EP mich Anfang Janu­ar zu einer Rezen­si­on ver­an­lass­te, ist erwar­tungs­ge­mäß gut gewor­den.

Was sonst noch los war, folgt sofort.

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PolitikNetzfundstückeWirtschaft
Annah­men zum Links­sein (4): Wohl­stand ist links­extrem.

Manch­mal ist es magen­scho­nend, nicht alle Nach­rich­ten zeit­nah, wie man auf Neu­deutsch sagt, zu ver­fol­gen. Zu mei­ner nach­träg­li­chen Freu­de hat­te ich bis gestern völ­lig ver­passt, dass Yanis Varou­fa­kis, ehe­ma­li­ger grie­chi­scher Finanz­mi­ni­ster, bereits 2016 eine „lin­ke pan­eu­ro­päi­sche poli­ti­sche Bewe­gung“ (Wiki­pe­dia) unter dem bemer­kens­wer­ten Titel „Demo­cra­cy in Euro­pe Move­ment 2025“, kurz: „DiEM25“, gegrün­det hat­te.

Es geht den Orga­ni­sa­to­ren dar­um, mit­tels der För­de­rung des star­ken Über­staa­tes „Euro­pa“, also dem alt­be­kann­ten Supra­na­tio­na­lis­mus, die tota­le Demo­kra­tie zu errei­chen. Natür­lich exi­stiert ein „Mani­fest“, das den Auf­ruf ent­hält, Euro­pa sei bis spä­te­stens 2025 zu „demo­kra­ti­sie­ren“, und viel zu lang ist. Wenn ich einen Auf­ruf zur Demo­kra­ti­sie­rung irgend­wel­cher Staa­ten – und ein sol­cher ist Euro­pa in den Augen der Supra­na­tio­na­li­sten – lese, habe ich immer ein biss­chen Angst um sei­ne Ein­woh­ner. Afgha­ni­stan steckt tief.

Für den Fall, dass jemand, etwa ich, kei­ne Lust haben soll­te, den gan­zen Senf bis zum Ende durch­zu­le­sen, haben die Ver­fas­ser in „Kür­ze“ in ihr Mani­fest hin­ein­ge­schrie­ben, was sie eigent­lich wol­len:

Unse­re vier Grund­sät­ze lau­ten:

Kein Land kann frei sein, wenn die Demo­kra­tie eines ande­ren ver­letzt wird.
Kein Land kann in Wür­de leben, wenn einem ande­ren die Wür­de vor­ent­hal­ten wird.
Kein Land kann auf Wohl­stand hof­fen, wenn ein ande­res in per­ma­nen­te Zah­lungs­un­fä­hig­keit und wirt­schaft­li­che Depres­si­on gedrängt wird.
Kein Land kann wach­sen, ohne dass sei­ne schwäch­sten Bür­ger Zugang zu grund­le­gen­den Gütern haben, ohne das Ziel mensch­li­cher Ent­wick­lung, öko­lo­gi­schen Gleich­ge­wichts und der Über­win­dung der Ära der fos­si­len Brenn­stof­fe.

(Unter­strei­chun­gen von mir.)

Frei­heit, Wür­de, Wohl­stand, Wachs­tum und Wind­kraft für Euro­pa. Fedidw­gugl. Wenn das links ist, fär­be ich mir gleich mor­gen die Haa­re rot und ram­me mir eine Sicher­heits­na­del ins Gemächt. Zum Glück schei­nen die Noch-nicht-Macher sich selbst noch nicht ganz sicher zu sein, was sie eigent­lich sind: „Wir wol­len (…) ein rea­li­sti­sches Euro­pa, das sich radi­ka­le, aber erreich­ba­re demo­kra­ti­sche Refor­men vor­nimmt“ (ebd.), also radi­kal erreich­ba­re Demo­kra­tie für die rea­li­sti­sche Über­na­ti­on. Ich habe mir Radi­ka­lis­mus immer irgend­wie anders vor­ge­stellt.

Wer steckt denn nun dahin­ter? Natür­lich ein „Kol­lek­tiv“:

DiEM25 ist eine euro­pa­wei­te, grenz­über­schrei­ten­de Bewe­gung von Demo­kra­ten.

Und die Demo­kra­ten stecken vol­ler Furcht, denn sie sehen Natio­na­lis­mus und fin­den die­sen nur gut, wenn es der eige­ne ist, und sonst eher nicht:

Zur glei­chen Zeit wie das Ver­trau­en in die EU schwin­det, sehen wir einen Anstieg von Men­schen­ver­ach­tung, Frem­den­feind­lich­keit und Natio­na­lis­mus. Wenn die­se Ent­wick­lung nicht been­det wird, befürch­ten wir eine Rück­kehr zu den 1930er Jah­ren.

Wie schon in „den 1930er Jah­ren“ hilft es bei der Wahr­heits­fin­dung, die bei­den Jahr­zehn­te davor nicht gänz­lich zu igno­rie­ren: In der „Wei­ma­rer Repu­blik“ genann­ten Pha­se der deut­schen Geschich­te, die 1933 ende­te, war die SPD, ob nun mehr­heit­lich oder unab­hän­gig, trotz (oder wegen?) der Zustim­mung zu den Kre­di­ten für den Ersten Welt­krieg und des anschlie­ßen­den Meu­chelns von Karl Lieb­knecht und Rosa Luxem­burg eine ähn­lich ein­fluss­rei­che Par­tei wie sie es heu­te seit inzwi­schen fast zwan­zig viel zu lan­gen Jah­ren ist. Wie aber (außer, indem man nicht die SPD wählt) kann man die Zeit­rei­se denn ver­hin­dern?

Na, indem man Pro­fis fragt!

Des­halb sind wir (…) zusam­men gekom­men, – Grü­ne, radi­ka­le und libe­ra­le Lin­ke, – um die EU zu repa­rie­ren. Die EU muss wie­der eine Gemein­schaft für gemein­sa­men Wohl­stand, Frie­den und Soli­da­ri­tät für alle Euro­pä­er wer­den.

So geht die neue demo­kra­ti­sche Revo­lu­ti­on: Gemein­sam mit Grü­nen und Links­ra­di­ka­len für gemein­sa­men Wohl­stand in einem neu­en, noch bes­se­ren, weil grö­ße­ren und damit soli­da­ri­sche­ren Natio­nal­staat.

Ich wün­sche mir manch­mal, es wären noch mehr Leu­te poli­tik­ver­dros­sen. Zum Bei­spiel jetzt gera­de.

Jeder war ein­mal Sozi­al­de­mo­krat.
Adolf Hit­ler, 1922


Nach­trag: Anders­wo wer­de ich kor­rekt als libe­ral, die­ser Bei­trag jedoch als spöt­tisch wahr­ge­nom­men. Dann habe ich ja alles rich­tig gemacht.

MontagsmusikMir wird geschlechtIn den Nachrichten
Pond – Eye Pat­tern Blind­ness

Hellwach (Vorher-Bild)Es ist Mon­tag. Den­noch ist eine aus­ge­las­se­ne Stim­mung zu spü­ren, als wären alle schlim­men Din­ge, die auf der Welt pas­sie­ren, über Nacht ein­fach ver­schwun­den. Ein Blick in die Medi­en bestä­tigt: Hun­ger und Elend sind ver­ges­sen, denn in Russ­land wird Fuß­ball gespielt. Dann fehlt ja nicht mehr viel für eine per­fek­te Welt, allen­falls ein Pan­da­bär.

Mit dem Recht auf freie Rede ist es in den USA, glaubt man Fefe, bald auch außer­halb von Uni­ver­si­tä­ten vor­bei. Klar: Mei­nungs­frei­heit, die Befind­lich­kei­ten im Weg steht, muss aus sel­bi­gem geräumt wer­den. Wir leben in einer moder­nen, auf­ge­klär­ten Gesell­schaft und sind nicht mehr wie frü­her. Sogar unser Krieg hat kei­ne Loot­bo­xen mehr. Sobald ich her­aus­ge­fun­den habe, was eine Loot­box ist, kann ich mich viel­leicht sogar qua­li­fi­ziert dazu äußern. – Apro­pos Qua­li­fi­ka­ti­on: Was macht man eigent­lich als Frau, wenn man einen der begehr­ten, weil bes­ser bezahl­ten Füh­rungs­po­si­tio­nen in einer Behör­de oder einem Unter­neh­men zuge­wie­sen bekom­men möch­te? Här­ter dafür arbei­ten? Haha, nein, natür­lich nicht: Man schreibt sei­nem Vor­ge­setz­ten einen Brief, in dem steht, dass man wegen sei­nes Geschlechts doch bit­te eine Füh­rungs­po­si­ti­on ver­dient habe. Sich die erar­bei­ten zu müs­sen ist sexi­stisch und frau­en­feind­lich, dar­un­ter machen sie’s nicht.

Vie­len Arbeits­lo­sen fehlt das Geld für eine war­me Mahl­zeit. Tooo­or!; bezie­hungs­wei­se: Mahl­zeit.

Wohl bekommt dann doch eher Musik.

Pond – Eye Pat­tern Blind­ness (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Sach­sen auf Ita­lie­nisch

Es spe­ku­liert weni­ge Wochen nach dem Zustan­de­kom­men des Bünd­nis­ses aus „Links­po­pu­li­sten“ und „Rechts­po­pu­li­sten“ das Qua­li­täts­me­di­um „ZEIT ONLINE“ auf­grund der aktu­el­len Umfra­ge­wer­te der säch­si­schen AfD:

Die Rede ist von einem Bünd­nis der CDU mit der Lin­ken. Was heu­te fast jedes Mit­glied der bei­den Par­tei­en als Absur­di­tät weg­st­rei­ten wür­de, wäre im Lich­te so eines Wahl­er­geb­nis­ses die wah­re Ver­nunft­ent­schei­dung.

Was könn­te da schon schief­ge­hen? :ja:

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum EU-Lei­stungs­schutz­recht

Ob die­je­ni­gen, die laut­stark bekla­gen, dass Groß­bri­tan­ni­ens Aus­tritt aus der EU den wei­te­ren Zusam­men­halt „Euro­pas“ (hier: der in der Euro­päi­schen Uni­on zusam­men­ge­schlos­se­nen Staa­ten) gefähr­de, und wei­ter­hin behaup­ten, dass, wer an der EU zwei­felt, unbe­dingt in die Grup­pe der „Rechts­extre­mi­sten und Links­ra­di­ka­le, Popu­li­sten aller Cou­leur, Putin-Ver­tei­di­ger, Sta­lin-Nost­al­gi­ker, Erz­kon­ser­va­ti­ve und Abend­land-Kle­ri­ka­le, Anti­ka­pi­ta­li­sten und Befrei­ungs­schwär­mer“ gehö­ren müs­se, wohl die glei­chen sind wie die­je­ni­gen, die jetzt laut­stark bekla­gen, dass ein maro­die­ren­der Ein­zel­tä­ter aus der rechts­po­pu­li­sti­schen CDU das in Deutsch­land geschei­ter­te „Lei­stungs­schutz­recht“ – ohne Anfüh­rungs­zei­chen täte das Wort noch mehr im Kopf weh als sowie­so schon – jetzt in ver­schärf­ter Form auf gesamt­eu­ro­päi­scher Ebe­ne ein­füh­ren zu las­sen beab­sich­tigt und dar­an kaum mehr gehin­dert wer­den kann, weil die Bür­ger­be­we­gung, die noch vor weni­gen Jah­ren schlag­kräf­tig genug schien, um das Inter­net fast im Allein­gang vor Polit­pflau­men zu ret­ten, näm­lich die Pira­ten­par­tei, auf­ge­ge­ben hat, mehr als die sonst­wie­viel­te Kopie sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Jugend­be­we­gun­gen sein zu wol­len, und die Bereit­schaft und/oder Fähig­keit der Bür­ger auch und gera­de wäh­rend der lästi­gen Fuß­ball­zeit, über das Schick­sal des Inter­nets noch selbst ent­schei­den zu wol­len, nach der unsäg­li­chen „Hatespeech“-Kampagne der dama­li­gen Bun­des­re­gie­rung, ange­spielt über Ban­de von bizarr­fe­mi­ni­sti­schen Zir­keln, in Ver­bin­dung mit immer nied­ri­ge­ren gei­sti­gen Hür­den zur Benut­zung von EDV-Hard­ware, was nicht sel­ten mit der wie­der­hol­ten Ver­brei­tung von Schad­soft­ware auf­grund schie­rer Nai­vi­tät einen wei­te­ren Höhe­punkt erklimmt, eine schwä­cher wer­den­de Erin­ne­rung ist?

PolitikIn den Nachrichten
Wochen­tags­bronx Ber­lin

Wie geht es eigent­lich der rot-rot-grü­nen Modell­stadt Ber­lin? Nun, unge­fähr so:

Für das kom­men­de Wochen­en­de hat die Ber­li­ner Bun­des­po­li­zei ein Ver­bot zum Mit­füh­ren von gefähr­li­chen Werk­zeu­gen (…) an ver­schie­de­nen Bahn­hö­fen erlas­sen (…). Auf Grund der Zunah­me der Gewalt­in­ten­si­tät hat die Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Ber­lin eine Ord­nungs­ver­fü­gung erlas­sen und weist in die­sem Zusam­men­hang auf das Ver­bot des Mit­füh­rens von gefähr­li­chen Werk­zeu­gen (Mes­ser jeg­li­cher Art, Reiz­gas, Schlag­ge­gen­stän­de usw.) hin.

Unklar ist, ob ein Schrau­ben­zie­her nun als Schlag­ge­gen­stand oder all­ge­mein als gefähr­li­ches Werk­zeug gilt. Dau­ert aber auch nicht lan­ge: Ab Mon­tag dür­fen an Ber­li­ner Bahn­hö­fen wie­der nach Her­zens­lust Klapp­mes­ser und Base­ball­schlä­ger benutzt wer­den. Das ist ja noch kein Zei­chen von Gewalt­ge­neigt­heit, viel­leicht ist man ja auch ein­fach nur ein Hob­by­sport­ler, der sich unter­wegs gern mal ein Bröt­chen schmiert.

PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Was Deutsch­land bewegt

Es des­in­for­miert noch heu­te Abend der gebüh­ren­fi­nan­zier­te Sen­der „Das Erste“ sei­ne Zuschau­er wie folgt:

War da was mit Özil? Wo ist Sané? Ist Putin böse? Und natür­lich: Wer­den wir wie­der Welt­mei­ster? Fra­gen, die jetzt Deutsch­land bewe­gen.

Böser Putin! Aus!

In den NachrichtenMontagsmusik
Aes­the­sys – Deci­pi­mur Spe­cie Rec­ti // Sport­nicht­nach­rich­ten.

Fußball (Symboleule)Es ist Mon­tag. Kame­le sind kei­ne Haus­tie­re. So trau­rig beginnt eine Woche nur sel­ten. Was wol­len die da oben wohl noch alles ver­bie­ten – etwa Hauspan­das?

Wenig­stens führ­te das viel­leicht zu ange­mes­se­ner Auf­merk­sam­keit. Die­sel­be wird, wirft man einen Blick in die Medi­en, momen­tan nur irgend­wel­chem Sport­kram zuteil, als pas­sier­te auf der Welt sonst gera­de nichts von Belang, als wür­de in kei­nem Krieg gemor­det, als sei die Bun­des­re­gie­rung im Urlaub und die der EU sowie­so. Dabei ist es offen­sicht­lich völ­lig egal, wie gut gespielt wird; ein 0:1 gegen irgend­ei­ne Quatsch­mann­schaft wird da schon mal als „histo­ri­sche Nie­der­la­ge“ (Aylin Güler) bezeich­net. Dabei lädt doch der Umstand, dass Deutsch­land in Russ­land ver­liert, zu viel lusti­ge­ren Ver­glei­chen ein! Aber das ist Sport-„Journalismus“, da wird nicht viel gescherzt. „Tho­mas Mül­ler fand offen­siv nicht wie gewohnt statt“ bild­un­ter­schrieb ein Unmensch auf „WELT ONLINE“ ein Foto von einem Was­ser trin­ken­den Fuß­bal­ler, auf „FAZ.net“, einer ehe­ma­li­gen Nach­rich­ten­sei­te, die 2018 für die von ihr „kura­tier­ten Tweets“ über den­sel­ben Quatsch wirbt, heißt es gleich­zei­tig, hin­ter dem Tor­wart „stan­den eini­ge Fra­ge­zei­chen“. Man emp­fin­det an die­ser Stel­le gro­ßes Unbe­ha­gen und wür­de auch lie­ber nicht statt­fin­den, bis der Unsinn vor­bei ist. Ein­zig Chri­sti­an Spil­ler von „ZEIT ONLINE“ fand die rich­ti­gen Wor­te („Selbst­ge­fäl­lig, behä­big und fast ein wenig dumm“), mein­te damit aber augen­schein­lich lei­der irgend­wel­che über­be­zahl­ten Sport­kas­per und nicht etwa die Jour­nail­le. In Mexi­ko-Stadt gab es zum Tor ein Erd­be­ben. Ich hät­te lie­ber Erd­bee­ren gehabt.

Von der Frak­ti­on aus CDU und CSU ist aller­dings zumin­dest kurz­fri­stig nicht viel Unheil zu erwar­ten, denn ein „erbit­ter­ter Streit“ („WELT ONLINE“) über die Dub­lin-III-Ver­ord­nung und ihre Fol­gen ist, glaubt man den Medi­en, der­zeit ihre größ­te Sor­ge und damit im Fokus der Medi­en. Wer braucht Poli­tik, wenn er statt­des­sen auch sol­chen Fir­le­fanz haben kann?

Was ein Mon­tag auf jeden Fall braucht, ist zumin­dest kei­ne Poli­tik, son­dern Musik. Zum Bei­spiel die­se:

Aes­the­sys – Deci­pi­mur Spe­cie Rec­ti (Live)

Guten Mor­gen.