NetzfundstückeNerdkrams
Smart an, Licht aus.

Zur lästi­gen EU-Daten­schutz­grund­verord­nung, die offen­sichtlich jed­er, der was mit Inter­net macht, zwei Jahre lang völ­lig ver­schlafen hat, empfehle ich sämtliche Blog­a­r­tikel, die nach 2016 von aufgescheucht­en Hüh­n­ern (sog. “Alph­ablog­gern”) eilig unter großem Ein­satz von Wer­be­ban­nern und Influ­encer­links ins Web geschmiert wur­den, bis auf Weit­eres zu ignori­eren, denn das jew­eilige Gegen­teil des Geschriebe­nen ist nach aktueller Recht­sauf­fas­sung immer genau so falsch.

Stattdessen empfehle ich mit einem angenehmen Getränk in der Hand und guter Musik im Ohr vom Beck­en­rand zuzuse­hen, wie der nuk­leare Nieder­schlag dumme Geschäft­sideen ertränkt:

Ich wollte Sie nur wis­sen lassen, dass Sie Ihre Lam­p­en nicht mehr benutzen kön­nen, weil wir Ihre Dat­en ver­scher­beln und die DSGVO jet­zt da ist.

(Freie Über­set­zung von mir.)

Natür­lich spricht nichts dage­gen, auch weit­er­hin Kraftwerke und Herz­schrittmach­er an das Inter­net anzuschließen. Es ist nur zu hof­fen, dass die jew­eili­gen Admin­is­tra­toren rechtzeit­ig in die angepasste Daten­schutzerk­lärung ein­willi­gen. :ja:


Was macht eigentlich die ehe­ma­lige Daten­schutza­k­tivistin Katha­ri­na Nocun heute so? Richtig: Sie ver­schenkt in Zusam­me­nar­beit mit dem Reklamev­er­mark­ter Mozil­la ihre Büch­er auf Twit­ter. Mit der Net­zpoli­tik in Deutsch­land ste­ht es anscheinend nicht zum Besten.

Netzfundstücke
Summa pfui laude

Was ich in Bezug auf die US-amerikanis­che Einkauf­s­ge­sellschaft im Übri­gen auch nicht ein­mal in Ansätzen so recht zu ver­ste­hen ver­mag:

  • Was hat es mit der dor­ti­gen Rabattmarkenkul­tur wie nach dem Krieg sowie der Beschäf­ti­gung von bezahlten Begrüßern und Tüten­pack­ern auf sich und wäre das nicht auch ein inter­es­santes Mod­ell zur Senkung der hiesi­gen Arbeit­slosen­zahlen?
  • Warum gibt es dort anscheinend in jedem beliebi­gen Super­markt Abschlusskuchen, also beson­ders beschriftete Kuchen als Stan­dard­glück­wun­sch zum Beste­hen von irgend­was?
  • Warum greift die Selb­stzen­sur, das Über­piepen oder Weg­ster­nen von ver­meintlichen Igit­twörtern, aus­gerech­net in dem Land mit den Bier- und Waf­fen­nar­ren so weit um sich, dass selb­st “Sum­ma cum laude” den Fil­ter nicht durch­quert?

Darüber hin­aus aber meine sum­mam lau­dem der The-Root-Redak­teurin: Ich weiß mis­er­able Wort­spiele sehr zu schätzen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: David Cross & David Jackson — Another Day

David Cross & David Jackson - Another DayWas macht eigentlich David Jack­son?

Nach­dem seine ein­stige Stamm­band Van der Graaf Gen­er­a­tor sich, wie man hört, einiger­maßen unfriedlich von ihrem über­ra­gen­den Sax­o­phon­is­ten tren­nen musste, hat­te er meine Aufmerk­samkeit nur noch sel­ten bekom­men, etwa 2013 mit dem fürchter­lichen “Grid­lock”. 2018 ist ein gutes Jahr, daran etwas zu ändern, denn im Früh­jahr dieses Jahres erschien “Anoth­er Day” (Amazon.de, TIDAL), ein Album, auf dem er nicht etwa als weit­ge­hend egaler Gast­musik­er zu hören ist, son­dern sog­ar auf dem Titel­bild zu lesen ist. Neben ihm ist dort auch ein ander­er David namentlich abge­druckt, näm­lich David Cross, in den 1970er Jahren Vio­lin­ist für die damals schon bemerkenswerten King Crim­son.

Ihnen zur Seite ste­hen Craig Blun­dell, der unter anderem für Frost* am Schlagzeug sitzt, und Mick Paul, anson­sten Bassist der David Cross Band. Gesang gibt es nicht, aber das stört kaum; stattdessen höre ich instru­men­tal­en, ärg­ern­isfreien und mitunter recht freiför­mi­gen Pro­gres­sive Rock mit einem nicht zu leug­nen­den Jazzein­schlag. Ich mag Jazz.

Das Stück “Bushi­do” ist entsprechend selb­stver­ständlich kein dum­mer Rap, son­dern passt voll ins Konzept. Man möge nun nicht annehmen, dass auf “Anoth­er Day” nicht auch mal eskaliert würde: Etwa in “Break­ing Bad” erlaubt sich die Band einen für dieses Album ungewöhn­lichen Aus­bruch. Ins­ge­samt betra­chtet haben wir es hier aber mit fast ein­er Stunde Wohlk­lang zu tun. Wer wäre ich, dies zu bemän­geln?

Gefällt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Hällas — Astral Seer

Huhu!Es ist Mon­tag. Doch, wirk­lich! Damit dieser angemessen begin­nen möge, habe ich in der ver­gan­genen Nacht aber­mals ein wenig die Inter­na von Word­Press beansprucht, um nicht mehr ständig hin­ter WPtouch aufräu­men zu müssen. Beab­sichtigter Neben­ef­fekt: Auf Smart­phones sieht diese Web­site jet­zt genau so schäbig aus wie auf einem richti­gen Com­put­er. Ich bitte viel­mals um Nach­sicht.

Auch auf anderen Kon­ti­nen­ten wird um Nach­sicht gebeten: In Japan haben Züge nicht etwa mehrere Stun­den Ver­spä­tung, son­dern fahren mitunter auch zu früh los. Die dor­ti­gen Lok­führer sind untröstlich, Sep­puku ist allerd­ings aus der Mode gekom­men. — Apro­pos “aus der Mode gekom­men”: Beim ZDF wird jet­zt fehlge­gen­dert. Beim FreeB­SD-Pro­jekt kön­nen die nichts mehr wer­den.

Was auch nichts mehr wird, ist die hiesige Net­zpoli­tik. Ver­schlüs­selung von E‑Mails wird kri­tisiert, weil es mit Aufwand ver­bun­den sei. Autos und Woh­nungstüren abzuschließen sei, stellt Fefe fest, jedoch auch Aufwand, dessen Notwendigkeit den meis­ten Men­schen klar ist. Es wäre viel gewon­nen, ließe man com­put­er­ferne Men­schen, die diese Analo­gie nicht ver­ste­hen, kün­ftig nur noch in Berufen arbeit­en, in denen sie an einem Com­put­er keinen Schaden mehr anricht­en kön­nen. Für rus­sis­che Hack­er wären sie aber immer­hin ein viel zu lang­weiliges Ziel.

Keineswegs zu lang­weilig ist und bleibt Musik.

HÄLLAS — ASTRAL SEER (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Mondkalb royal.

Anscheinend haben die Mach­er von “heise online” (“News und Foren zu Com­put­er, IT, Wis­senschaft, Medi­en und Poli­tik”, ebd.) beschlossen, Mar­tin Hol­land bevorzugt in The­men­bere­ichen einzuset­zen, mit denen er sich grob ausken­nt, und nicht mehr in physikalis­chen oder anderen “Nerd”-Themen.

Stattdessen durfte er gestern den Monar­chis­ten unter den Lesern von “heise online” eine Freude machen:

Wenn sich der britis­che Prinz Har­ry und die US-Schaus­pielerin Meghan Markle am Sam­stag das Ja-Wort geben, kön­nen Inter­essierte hierzu­lande nicht nur im Fernse­hen zuschauen, son­dern auch auf Youtube.

Ist auf YouTube, ist also “IT-News”. Nur noch wenige Monate bis zu den ersten Schmink­tipps, nehme ich an.

Müde, so müde.

PolitikIn den Nachrichten
Annahmen zum Linkssein (2): Sechzehn Prozent.

Die “Split­ter- und Rand­grup­pen­partei” (H. Danisch) SPD, eine der bei­den “großen Volksparteien” also, erre­icht, wie man heute in diversen Medi­en, die wegen des Leis­tungss­chutzrechts oder aus anderen Grün­den nicht ver­linkt wer­den möcht­en, lesen kann, zurzeit bun­desweit noch 16 Prozent der Stim­men in lei­der nicht ergeb­nis­rel­e­van­ten Umfra­gen. In Berlin, wo sie zudem einen Teil der Lan­desregierung stellt, ist sie nur mehr die viert­stärk­ste Kraft. Zu meinem Bedauern reichte es noch für einen eige­nen Balken auf ARD und ZDF.

Im März 2018 schrieb ich:

Parteipoli­tik an sich ist nicht die Poli­tik der Zukun­ft.

Es ste­ht also außer Frage, dass der Nieder­gang der “Volksparteien” diejeni­gen Parteien am stärk­sten trifft, die sich durch aktive Poli­tik her­vor­tun. Je weniger Poli­tik und je mehr Beliebigkeit verübt wird (wen­ngle­ich sich aus­gerech­net die Bun­des-SPD, wie gle­ich­falls heute in nicht ver­linkt wer­den wol­len­den Medi­en zu lesen ist, von der Bun­des-SPD-Forderung nach Fam­i­li­en­nachzug für Gefährder momen­tan dis­tanziert), desto weniger bemerken das Wäh­ler. CDU und AfD sind nicht deswe­gen ver­gle­ich­sweise stark, weil sie so schöne “Ideen” haben, son­dern, weil von ihnen kaum jemand etwas mit­bekommt; und das Umfrage­hoch der F.D.P. fand ein eher plöt­zlich­es Ende, als klar wurde, dass die Partei außer dem Herumzeigen ihres Vor­sitzen­den auch poli­tisch irgend­was mit­teilen möchte.

Vielle­icht ist das der wesentliche Fehler des poli­tis­chen Sys­tems: Das ver­bis­sene Fes­thal­ten an der Vorstel­lung, als Partei könne man eine homo­gene Gruppe aus von anderen Grup­pen sozial weit­ge­hend abgeschot­teten Men­schen ziel­gerichtet vertreten. Die per­fek­te Partei hätte alle Flügel.


Nach­trag vom 12. Okto­ber 2018: “Die Epoche der Partei (und der Poli­tik über­haupt) ist zuende, aber aus alter Gewohn­heit und weil die betr­e­f­fend­en Insti­tu­tio­nen noch vorhan­den sind, gestikuliert man noch weit­er in der bekan­nten Art.”

PolitikIn den Nachrichten
Schlimmer Verdacht: Sind bayrische Politiker politisch motiviert?

Wie schlimm ste­ht es eigentlich um Sach­sen? So schlimm:

Die Anti-Ter­ror-Fahrzeuge ver­fü­gen bere­its jet­zt über mod­ern­ste Videotech­nik und kön­nen Reiz- sowie Nebel­gas ver­schießen. (…) Sie sollen mit Maschi­nengewehren aus­ges­tat­tet wer­den. (…) “Sind zur Erfül­lung der geset­zlich definierten Auf­gaben der Polizei Maschi­nengewehre erforder­lich”, sehe der Geset­zen­twurf diese Möglichkeit vor.

In Sach­sen regiert seit 2014 eine Koali­tion aus CDU und SPD. Sofern die Bun­de­spoli­tik bei­der Parteien etwas über ihre Lan­despoli­tik in Sach­sen aus­sagt, möchte ich an dieser Stelle aufs Schärf­ste kri­tisieren, dass mit solchen Mit­teln gegen Arbeit­slose vorge­gan­gen wird.

Dass diese Nachricht während bun­desweit­er Proteste gegen das bayrische Polizeiauf­gabenge­setz veröf­fentlicht wurde, ist auch Kai Kol­len­berg von der “Freien Presse” nicht ent­gan­gen, und bis zum Bersten gefüllt mit Jour­nal­is­tik fragt er im sel­ben Text:

Ist das bay­erische Polizeige­setz poli­tisch motiviert?

Aufmerk­same Beobachter wis­sen, dass diese Frage nur rhetorisch gemeint sein kann: Als wäre jemals ein zu erlassendes Gesetz poli­tisch motiviert gewe­sen! So ein Schlin­gel, der Kai Kol­len­berg.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 15. Mai 2018

Der Anbi­eter von reCAPTCHA, einem Dienst, mit dessen Hil­fe man ver­hin­dern kön­nen soll, dass Maschi­nen sich als Men­schen aus­geben, prahlt mit ein­er Mas­chine, die sich als Men­sch aus­geben kann. (via web­shit week­ly)


Baut mehr hässliche Web­sites!


Die aus­tralis­che Armee hat 1932 einen Krieg gegen Emus ver­loren.


Deutsche Hochschulen, Hort der Erziehung zu selb­st­ständi­gem Denken: Die Uni­ver­sität Köln schreibt nun dort täti­gen Bauar­beit­ern vor, was sie anziehen dür­fen.


“warum zum hack­enden henker muss ein kraftwerk oder ein wasser­w­erk übers inter­netz fer­nad­min­istrier­bar gemacht wer­den?!”


GnuPG ist kaputt — Sig­nal nutzen? Sig­nal ist kaputt — GnuPG nutzen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: E‑Mails missverstehen dank “heise online”.

Irgendwelche “Forsch­er” haben zu nie­man­des bleiben­der Über­raschung her­aus­ge­fun­den, dass der bis heute nicht vernün­ftig stan­dar­d­isierte Denkun­fall “HTML-Mails” sich mit den etablierten Sicher­heit­skonzepten S/MIME und GnuPG nur wenig gut verträgt, und auf ein­er frag­würdig gestal­teten Web­site mit einem von ganzen zwei Per­so­n­en “gestal­teten” Logo dieses “Prob­lem” unter dem Namen “EFAIL” beschrieben. (Vaschtehnse, “E‑Mail”, “E‑Fail”, tihi­hi.)

In den dor­ti­gen FUCK FAQ ist zu lesen, dass ein Schutz gegen die mögliche Entschlüs­selung vor­rangig dadurch gegeben sei, dass man in seinem Mail­client die Anzeige von HTML-Mails unterbindet, was in den meis­ten mir bekan­nten Exem­plaren dieser Art Soft­ware ohne großen Aufwand möglich ist.

Oder man hält sich an die Empfehlun­gen vom ehe­ma­li­gen Fach­magazin “heise secu­ri­ty”:

Als grund­sät­zliche Alter­na­tive bietet sich die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­selung des Mes­sen­gers Sig­nal an. Diese set­zt – anders als OpenPGP und S/MIME – Kryp­tografie nach aktuellen Stand der Tech­nik um und ist vor den bei E‑Mail jet­zt diag­nos­tizierten Prob­le­men gefeit.

Mes­sen­ger — vor allem Sig­nal — sind die Zukun­ft, denn sie sind sich­er vor Angrif­f­en auf HTML-Mails; schon, weil sie gar keine freie Textfor­matierung unter­stützen. Ein biss­chen wie vernün­ftig eingestellte E‑Mail-Pro­gramme also.

Aber wer benutzt schon noch E‑Mail-Pro­gramme, wenn es doch Mes­sen­ger gibt? :ja:

In den NachrichtenMontagsmusik
Dot Legacy — Grey Cardinal

Kann man schon Kaffee?Es ist Mon­tag. Belei­di­gen will gel­ernt sein. Schade, dass man den Mon­tag nicht anrufen kann. Was man, ander­er­seits, auch nicht anrufen kann: Pand­abären. So toll kann dieses Anrufen also gar nicht sein.

Auch nicht so toll ist, was über das geistige Moorhuhn “Bibi” — sie hat ihr Studi­um in Fir­lefanz “auf­grund ihrer erfol­gre­ichen Inter­ne­tak­tiv­itäten”, wie es in der Wikipedia zurzeit for­muliert ist, abge­brochen — in den ein­schlägi­gen Medi­en zu lesen ist: Sie erwarte Nach­wuchs, wom­öglich mit Absicht, und bekommt von anderen verzicht­baren “Influ­encern” hier­für manchen Zus­pruch. Sie wird wohl allmäh­lich zu endezwanzig für Schminkvideos. Welche Auswirkun­gen diese Neuigkeit auf ihre vie­len Anhän­gerin­nen haben wird, bleibt abzuwarten. Wer, das sollte nicht ungeschrieben bleiben, seine Zukun­ft vorzeit­ig auf die Voraus­set­zung stellt, dass ein finan­zori­en­tiert­er Anbi­eter von Bewegt­bildern noch für lange Zeit bere­it ist, Reklame für abwaschbare Ersatz­gesichter zu belohnen, der ist trotz allen schnellen Reich­tums und sonst­wie augen­schein­lich glam­ourösen Lebens zu bedauern.

Apro­pos Kanaillen: Laut der CSU gibt es ein “Bay­ern-Gen”, das unter anderem das CSU-Wählen bedinge. Offen­bar gibt es in Teilen Deutsch­lands tat­säch­lich ein Prob­lem mit frem­den Kul­turen. Eine Ober­gren­ze für Träger des “Bay­ern-Gens” würde sicher­lich sowohl Ras­sis­ten als auch ihre poli­tis­chen Gegen­spiel­er in Zus­tim­mung vere­inen. — Dazu passt: Die besten Teams für den Cyber-Krieg beste­hen aus sozial Gestörten. Die, die nicht am Krieg teil­nehmen möcht­en, find­en sich stattdessen auf irgendwelchen Mail­inglis­ten ein und lassen sich dort von Richard M. Stall­man die Hack­erkul­tur erk­lären. Soziale Gerechtigkeit macht anscheinend humor­los.

Am ver­gan­genen Woch­enende “gewann” irgen­dein Land den Wettstre­it der belan­glosen Liebess­chnulzen. Sollte unter meinen Lesern ein­er sein, der sich für dessen Ken­nt­nis­nahme nicht zu schade war, so möge er sich an dieser Stelle mit Spott bedacht fühlen und sein Wis­sen bitte keineswegs weit­ergeben. Uns Übri­gen eröffnet sich eine weit­ere Woche voller großar­tiger Musik.

Zum Beispiel dieser:

Dot Lega­cy — Grey Car­di­nal (To The Oth­ers album 2016) — heavy pro­gres­sive Ston­er Rock from France

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Messa — Feast for water

Messa - Feast for waterDie Musik­gruppe Mes­sa hat­te auf diesen Seit­en erst Ende April den Platz als Spenderin der Mon­tagsmusik ein­genom­men, ihr feines “Babalon” gehört sicher­lich nicht zu den schlecht­esten Stück­en ital­ienis­ch­er Musikkun­st. Im Jahr 2018 erschien ihr neues Album “Feast for water” (Amazon.de, Band­camp, TIDAL), das ich auf keinen Fall unemp­fohlen lassen möchte.

Es begin­nt mit einem Plätsch­ern: “Naunet” kön­nte als Titel­stück von “Feast for water” durchge­hen, denn ein Lied gle­ichen Namens ist auf dem Album nicht zu find­en. Zu ein wenig Stre­icher­musik wird also vor­ge­nan­ntes Geräusch einge­spielt. Bei­des zusam­men wird zu einem selt­samen Lo-fi-Pfeifen und leit­et so, sozusagen als intro, das erste eigentliche Stück “Snake­skin Drape” ein, in dem zwar auch noch ein wenig Wass­er zu hören ist; dann aber begin­nt die Gruppe ihren schw­er zu wider­ste­hen­den, sehr dun­klen Postrock (oder ist das schon Post­punk?) zu Gehör zu brin­gen und nimmt umge­hend gefan­gen.

MESSA “Leah” Offi­cial video­clip 2018

Auf “Feast for water” gibt es nur wenig Eskala­tion (“Tul­si”), jedoch immer wieder auch ruhige Momente, die ihre Stim­mung daraus ziehen, dass eigentlich nichts passiert (“She Knows”), aber Mes­sa lassen keinen Zweifel daran aufkom­men, dass das zum Konzept gehört. Das alte Laut-Leise-Spiel haben andere Bands schon zur Genüge durchex­erziert, nach Perlen muss man inzwis­chen etwas tiefer tauchen. Wo andere Vertreter ihres Stils (um nicht schon wieder “Gen­res” zu erfind­en) entwed­er aggres­siv oder wein­er­lich zu Werke gehen, ver­suchen Mes­sa ihre ganz eigene Gefühlswelt zu erschaf­fen und schaf­fen das sog­ar. Sie selb­st nen­nen das, was sie her­vor­brin­gen, “Dark Jazz” und gegen Jazz gibt es von mir schon aus Prinzip kein bös­es Wort.

“The Seer” — MESSA album: Feast for water

Je mehr Musik ich höre, desto schw­er­er bin ich, dies hoffe ich jeden­falls, zu beein­druck­en. Mes­sa über­sprin­gen diese Hürde ohne sichtliche (hier: hör­bare) Mühe. Bonus­punk­te gibt es für die Unmöglichkeit, “Feast for water” als Hin­ter­grund­musik zu miss­brauchen: Nicht hinzuhören gelingt nicht. Meinen Dank und meine Anerken­nung sende ich hier­mit also nach Ital­ien und meine Empfehlung an die Leser. Möge sie zün­den!

PersönlichesIn den Nachrichten
Kurz angemerkt zum Recht auf Rausch

Während Bier­brauer sich über­rascht zeigen, dass Schriftze­ichen auf Flaggen eine Bedeu­tung haben kön­nen, nutzten Men­schen, die für das frag­würdi­ge Recht ein­ste­hen, anderen Leuten, die sich schon am befreien­den Duft von Tabak und Teer nicht so recht erfreuen kön­nen, kün­ftig auch son­stige Sub­stanzen in die Atem­luft zu blasen, wie jedes Jahr das erschreck­end erträgliche Wet­ter für einen ihrer Aufmärsche, und obwohl ich jedes Ver­ständ­nis für die Idee habe, dass es, wenn schon die Tödlichkeit von Zigaret­ten bere­its mit aufge­druck­ten Warn­hin­weisen poli­tisch akzep­tiert wird, eine bedauer­liche Fehlen­twick­lung ist, dass erstens man sich und andere mit Tabakqualm, nicht aber nur sich selb­st mit Hero­in oder Kokain, als läge die Entschei­dung über die Dul­dung allein in der Größe und Kaufkraft der agieren­den Lob­by­is­ten und als wäre die Besteuerung von Hero­in und Kokain also alles, was sie von ein­er hiesi­gen Legal­isierung tren­nt, umbrin­gen darf und zweit­ens Her­stel­lung und Ver­trieb von hoch­prozentigem Fusel, der allein den Zweck der Selb­stvergif­tung erfüllt, was auf uns Sin­gle-Malt-Genießer ein eher schäbiges Licht wirft, obwohl wir jew­eils aufzuhören zu trinken ver­suchen, bevor wir eine Wirkung bemerken, weil uns alles Weit­ere des Genuss­es beraubte, erlaubt bleibt, schlüge ich, würde ich gefragt, eine Ergänzung zur Forderung der Cannabis­be­für­worter vor, die besagte, dass erlaubt sein möge, was nie­man­den stört, also zunächst ein­mal alles, was geruch­sarm zu kon­sum­ieren ist, und anschließend alles, was in den eige­nen vier Wän­den stat­tfind­et, und alles Weit­ere in dem Moment, in dem es — nicht: der Kon­sument selb­st, denn für dessen etwaige, legale Dachschä­den sind bere­its Spezial­is­ten ver­füg­bar — irgen­deinem unbeteiligten Pas­san­ten die Leben­squal­ität ein­schränkt, mit hohen Strafen belegt wer­den sollte, aber aus genau diesem Grund werde ich wahrschein­lich nicht gefragt; Glück gehabt.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: Vatertag gegen Muttertag, Gewalt gegen Blumen.

Der Bin­sen­weisheit, dass der Unter­schied zwis­chen Vater- und Mut­tertag vor allem der sei, dass Väter am Vatertag etwas mit ihren Kindern unternehmen und Müt­ter am Mut­tertag bloß mit Blu­men und Essen beschenkt wer­den wollen, sei ein Überblick über die aktuellen Nachricht­en hinzuge­fügt:

Vatertag:

  • “(…) das hier sind die abge­fahren­sten Boller­wa­gen” (“wat­son”)
  • “Wenn Pinkeln ohn­mächtig macht” (“NDR.de”, Rubrik “Rat­ge­ber”)
  • “Alko­hol: Die Deutschen trinken nicht nur am Vatertag” (“Euronews”)
  • “Bügeleisen für die Mama und Bier für den Papa” (“Stuttgarter Nachricht­en”)
  • “Vatertag startet ruhig” (“RTL Online”)
  • “Vatertag: Von Frei­heit und Vögeln” (“West­deutsche Zeitung”)
  • “Promille nach Vatertag und Bier­garten: Was der Restalko­hol-Test am näch­sten Mor­gen ver­rät” (“stern TV”)
  • “Prügeleien am Vatertag” (“NDR.de”)
  • “Vatertag im gestohle­nen Roll­stuhl gefeiert” (“WELT ONLINE”)
  • “Wüste Prügelei: Polizeiein­satz am Vatertag” (“NDR.de”)
  • “33 Ein­sätze am Vatertag wegen Kör­per­ver­let­zun­gen” (“RTL Online”)
  • “52 Ver­let­zte in Bran­den­burg” (“RTL Online”)
  • “Aus­flü­gler feiern am Vatertag im ganzen Land friedlich” (“Antenne Nieder­sach­sen”)
  • “Der Vatertag endet mit Gewit­tern” (“rbb|24”)
  • “Tipps gegen den Kater” (“SPIEGEL ONLINE”)

Mut­tertag:

  • “Mut­tertag 2018: Die schön­sten Geschenkideen” (“T‑Online”)
  • “Wiesen­blu­men zum Mut­tertag” (“SZ-Online”)
  • “Bügeleisen für die Mama und Bier für den Papa” (“Stuttgarter Nachricht­en”, passt auch hier)
  • “Mut­tertag: Das Geschäft mit den Blu­men” (ZDF, “mor­gen­magazin”)
  • “Mut­tertag: 14 Last-Minute-Geschenkideen für alle, die super spät dran sind” (“ZEITjUNG”)
  • “Danke Mama! Schöne Geschenkideen zum Mut­tertag” (“ben­to”)
  • “Fünf Ideen für selb­st gebastelte Geschenke zum Mut­tertag” (“T‑Online”)
  • “Müt­ter fliegen am Mut­tertag bil­liger” (“Main-Post”)
  • “Leck­er­er Erd­beerkuchen pünk­tlich zum Mut­tertag” (“5vier.de”)
  • “Blu­men und ihre Bedeu­tung — Welch­es ist der richtige Strauß?” (“Stuttgarter Zeitung”)
  • “Geschenk zum Mut­tertag: Das sind die besten Büch­er” (“FOCUS Online”)
  • “Geschenkideen zum Mut­tertag aus der BRIGITTE-Redak­tion” (“Brigitte”)

Lidl, heißt es beim “HORIZONT”, trete “zum Mut­tertag ins Klis­chee-Fet­tnäpfchen”, indem die Laden­kette “sex­is­tis­che Kackscheiße”, was der brüllfem­i­nis­tis­che Begriff für “tra­di­tionelle Frauendinge” ist, verkaufe. Die haben vielle­icht ein­fach zu viel Zeitung gele­sen.