In der medialen Diskussion über den MDR Sachsen, der gestern eine Diskussionsrunde über “politische Korrektheit” — also das vermeintliche Schönformulieren von grobem Unfug — abhalten wollte, scheint es einen Konsens zu geben, der mit dem erfolgreichen Wegbrüllen der Sendung seine endgültige Form erreicht zu haben scheint. Dieser Konsens lautet offenbar, dass man selbstverständlich “Neger” nicht mehr sagen dürfe, weil sich davon unter Umständen irgendein Anwesender verletzt fühlen könnte.
Nun leben wir in einer Zeit, in der eine größer werdende Gruppe eine ständige Verletztheit zum Lebensstil erhoben hat und diese, von US-amerikanischen Hochschulen ausgehend, auch in Deutschland zu kultivieren versucht, was vor nicht allzu langer Zeit einen sehr anstrengenden Streit über ein Gedicht an einer Wand anfeuerte, der mit der Entfernung des Gedichts endete und viele Menschen als erschreckend dumm entlarvte. Insofern scheint es nicht immer die richtige Entscheidung zu sein, in jeden Sprechakt möglicherweise verletzte Gefühle einzubeziehen; zumal die Empörung oft eine Stellvertreterempörung ist: Dem MDR Sachsen wurde eine gewaltige Welle an Aufregung entgegengespült, weil man doch “Neger” nicht sagen dürfe, weil dunkelhäutige Mitmenschen das bestimmt nicht gut finden. Keiner der Aufgeregten war selbst betroffen. Der Volkssport des vertretenden Beleidigtseins erscheint mir gegenüber den angeblich Betroffenen unverschämt, weil entmündigend, und ist damit eine Herabwürdigung dieser angeblich Betroffenen, die doch gerade angeprangert werden sollte.
Ansonsten ist die Frage falsch formuliert: Selbstverständlich darf man “Neger” sagen und sogar schreiben, wie ich es hier gerade erst getan habe, und “Zigeuner” sowie “Fettwanst”, der Fett-ist-schön-“Bewegung” (als ginge es ihnen um Bewegung!) zum Trotz, ebenso. Kein Gesetz verbietet die Verwendung von einzelnen Wörtern unter allen Umständen, was gut und richtig so ist. Man darf auch Phil Collins hören, was wahrscheinlich niemanden unglücklicher macht als mich. Nicht alles, was man darf, ist jedoch auch empfehlenswert, und sobald eine nicht allzu persönlich vertraute und nicht unsympathische Person der Adressat ist, ist ein gewisses Grundniveau empfohlen. Es besteht ein nicht nur oberflächlicher Unterschied zwischen der Anrede eines alten Schulfreunds und eines Fremden als “du Neger”. Man darf also, wenngleich mit begründeter Ausnahme des ollen Hitlergrußes, beinahe alles sagen, nur nicht zu jedem.
Aber das passt so natürlich nicht in einen Tweet.

Da hast Du aber sowas von vollkommen Recht!!!
Der Arier tux läßt sich nicht vorschreiben, wie er den “Untermenschen” zu bezeichnen hat.
Moin,
also ich mach mal den “NEGER” für den Tux:
Der “Anarchist” will also dem weißen, reichen Tux vorschreiben das er nicht Neger zu sagen hat.
Merkt ihr noch was.
p.s. ich mach mir jetzt ein Negerkussbrötchen.
In diesem Sinne
Heute schon die 1. und 2. Strophe des Deutschlandliedes gesungen? Historisch verbrieftes Liedgut und nicht verboten.
Tux: Mein längerer Kommentar dürfte verdeutlichen, warum “Betroffene” kein Interesse habe, an derartigen Talkrunden teilzunehmen. Evtl. Roberto Blanco. Der MDR ist sowieso ein ganz spezifischer ÖR-Sender.
Dass Betroffene nicht zu Wort kommen, zeigt die Themenferne des Autors tux. Das Thema ist dermaßen durchgenudelt, dass es sich nicht lohnt, darauf ernsthaft einzugehen. Trotzdem ein erneuter Versuch.
Die Musikerin und Autorin Noah Sow ist in ihrem Buch “Deutschland schwarz-weiß” und auf ihrem Blog
http://blog.derbraunemob.info/2013/01/19/zur-aktuellen-n-wort-debatte-stimmen-der-vernunft/
als “Betroffene” und PoC-Aktivistin bereits vor Jahren intensiv darauf eingegangen.
Vielleicht ist es der Reiz des Tabubruchs oder die Freude an der Provokation, die es so manch deutschem Sprachvorbild besonders schwer zu machen scheint, auf dieses Wort aus der Kolonialzeit einfach zu verzichten.
PS.:Jetzt kommen erwartungsgemäß die üblichen Trolle aus der Ecke mit ihrem “Sprachpolizei”, Zensur, “Ne..kuss” und dem Sänger Ernst Neger etc. oder “Schwarze bezeichnen andere Schwarze doch auch als Nigger”. Aufgewärmte Kartoffelsuppe.
Mein eigentlicher Punkt ist unabhängig von der Wortwahl zu betrachten: dass Dürfen nie das Problem war.
Dass Altautonome (vermutlich noch weiß und männlich, YUCK!) sich Neger und andere „POC“ als Opfer-Haustierchen halten in der Hoffnung, dass diese sie von ihrem Selbsthass erlösen ist ja auch nichts neues.
Erziehung ist Nazi. deal with it.
Bei der aktuellen US-Frauenmeisterschaft im Schach spielt eine Dame mit, die mit Vornamen “Nazi” heisst und obendrein noch blondes Haar hat. Man sollte mal dagegen vorgehen, ich finde mindestens eine Demo in Berlin oder so sollte es schon sein.
Abgesehen davon: Ich glaube 95% derer die (insbesondere in Abwesenheit der Betroffenen, dafür aber in Anwesenheit von SJWs) “Neger” etc. sagen, tun das um sich darüber lustig zu machen, dass andere ihnen vorschreiben wollen, dass man sich z.B. gefälligst PC umgeschriebene Versionen von Kinderbuchklassikern zulegen soll usw usf.. Ist jedenfalls bei mir so.
Wow, nicht schlecht. Vom Mansplainer zum Blacksplainer. Erklär uns die Welt, Alda.
Come stop your crying
It will be alright
Just take my hand
And hold it tight
tux: Weißt Du, warum der Sender “Mitteldeutsch” im Namen hat? Wo ist denn dann Ostdeutschland? Polen?
Auf Anfrage leierten sie sich damit heraus, das sei historisch begründet.