PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 11. April 2019

Unter dem Namen “KAMELEO” existiert eine Soft­ware, die vor Browseri­den­ti­fizierung und damit Nutzerver­fol­gung im Web schützen soll. Auf der Web­site kommt Google Ana­lyt­ics zum Ein­satz. Dieses Web ist ein einziges großes Ärg­er­nis gewor­den.


Am 3. April 2019 zeigte Andrew Chael, der unge­fähr 850.000 der unge­fähr 900.000 Codezeilen für das Pro­jekt selb­st schrieb, der Weltöf­fentlichkeit eine Sim­u­la­tion, wie das zu schießende Foto des Ereignishor­i­zonts wohl ausse­hen kön­nte. Die Begeis­terung hielt sich in Gren­zen. Eine Woche später wurde ein Foto bekan­nt, auf dem Dr. Katie Bouman, eine der Frauen im sel­ben Team, sich über das nun vor­liegende Foto des Ereignishor­i­zonts freut. Umge­hend wurde sie zur Vor­bild­fig­ur erk­lärt, denn Frauen hät­ten nun mal beson­deren Ruhm ver­di­ent, wenn ihnen auch mal was in der Wis­senschaft gelingt. Fefe bere­it­et let­ztere Fest­stel­lung zu Recht schlechte Laune: “Solange ihr da jedes­mal drauf herumtrom­melt, wenn mal eine Frau irgend­wo was schafft, dürft ihr euch nicht wun­dern, wenn eure Töchter lieber Fem­i­nis­mus oder was mit Medi­en studieren!”


Der frühere Papst hat endlich scho­nungs­los aufgedeckt, wer neben dem Teufel noch Schuld daran trägt, dass Priester ständig ihr Glied in Kinder steck­en wollen: Die Grü­nen natür­lich.

Zur Phys­iog­nomie der 68er Rev­o­lu­tion habe es gehört, dass auch Pädophilie erlaubt gewe­sen sei.

Wenn das Daniel Cohn-Ben­dit erfährt!


In Israel fan­den jüngst Wahlen statt. Zu nie­man­des Über­raschung hat der palästi­nafeindliche Erober­er von Leben­sraum im Osten, Ben­jamin Netan­jahu, gegen seinen größten Her­aus­forder­er, den palästi­nafeindlichen Anhänger der Eroberung von Leben­sraum im Osten, Ben­ny Gantz, gewon­nen. 1945 wurde dieser Art der Poli­tik ja noch anders begeg­net als mit Waf­fen­liefer­un­gen und dem Schwin­gen des jour­nal­is­tis­chen Zeigefin­gers, aber damals ging es auch um Frankre­ich und Polen und nicht bloß um ein paar Araber.


Bernie Sanders, erstaunlich vernün­ftiger Kan­di­dat um den über­be­w­erteten Posten des Präsi­den­ten der Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka, hier jedoch bish­er nur als Musik­er in Erschei­n­ung getreten, wird mir zuse­hends sym­pa­this­ch­er: “Es gibt eine Menge Armut auf der Welt, und Sie wollen Men­schen aus der ganzen Welt [im Land] haben. Und ich glaube nicht, dass das etwas ist, was wir ger­ade tun kön­nen.” Das witzige Kolum­nen­blatt “ZEIT ONLINE” nen­nt Bernie Sanders seit Jahren einen “demokratis­chen Sozial­is­ten”. In Berlin läuft mehr falsch als bish­er angenom­men.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Faust — Rien

Faust - RienLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Die deutsche Avant­garde­band Faust, die bis Mitte der 1970er Jahre diverse Musik, sowohl im Grup­penge­füge als auch mit anderen Musik­ern wie Tony Con­rad, aufgenom­men hat­te, ver­s­tummte danach für län­gere Zeit, sieht man von der Archivauf­nahme “71 Min­utes Of…” (1979) ab. Bis 1990 ver­schwan­den Faust völ­lig von der Bild­fläche, danach gaben sie ein paar Konz­erte, von denen Livemitschnitte veröf­fentlicht wur­den. Anschließend erschien nichts.

Dieses Wort­spiel ist zwar recht bil­lig, aber nicht unbe­ab­sichtigt: Das 1995 veröf­fentlichte “Rien” (Amazon.de), mithin das erste wirk­lich neue Stu­dioal­bum seit “Faust IV” von 1974, begin­nt mit Stille, anschließend spricht eine Frau die Worte “C’est rien de Faust”. Dies ist nichts von Faust. Den­noch geschieht hier manch­es.

Faust — Eroberung der Stille, Teil II

Mal wird die Stille erobert (und das gle­ich in zwei Teilen, von denen überdies der zweite vor dem ersten Teil zu hören ist), mal wird ein­dringlich darum gebeten, dem Fisch zu lauschen. Das ist nicht nur musikalisch inter­es­san­ter als der Kram zeit­genös­sis­ch­er Pop­stars, son­dern auch textlich weniger blöde. Wenige Jahre später began­nen Faust in zwei Grup­pen zu zer­fall­en (dazu habe ich schon 2011 etwas mehr geschrieben), hier aber ist die Band noch zu fün­ft, zwei Gitar­ris­ten (Kei­ji Haino — der­selbe von Mon­tag — und Steven Wray Lob­dell) ergänzen die drei Grün­dungsmit­glieder “Zap­pi” Dier­maier (Schlagzeug), Hans-Joachim Irm­ler (Orgel, Key­boards) und Jean-Hervé Péron (Bass, Mikro­fon), was “Rien” beina­he ein wenig rock­ig wirken ließe, siegte nicht auch hier die Avant­garde: Es zwitschert, sägt, häm­mert und zis­cht, als wären Faust nie weg gewe­sen. “Keine leichte Kost” kon­sta­tierte ein Rezensent ander­swo, unter den Alben von Faust ist “Rien” aber sicher­lich noch eines der zugänglich­sten — und ich mag Lärm sowieso.

Faust — Lis­ten To The Fish

“Fin” beschließt das Album mit gle­ichzeit­ig links (deutsch-) und rechts (englis­chsprachig) vorge­le­se­nen cred­its, danach wird aber­mals fest­gestellt: “C’est rien de Faust”. Sel­ten mochte ich das Nichts lieber hören.

PolitikIn den Nachrichten
Christlich schnüffelnde Union

Während die Deutsche Bahn, Fördererin des Evan­ge­lis­chen Kirchen­t­ages, aktiv etwas gegen die lästige Säku­lar­isierung untern­immt, unter­gräbt ihre par­la­men­tarische Vertre­tung nach dem Grundge­setz kün­ftig neben dem als sowieso abgeschafft gel­tenden Recht auf Pri­vat­sphäre auch noch das Strafrecht: “Erstaunlich an der Vorschrift ist u.a., dass der Verdächtigte verpflichtet sein soll, die Zugangs­dat­en zu seinem Account her­auszugeben und die Her­aus­gabe auch zwangsweise mit­tels Ord­nungs­geld und Ord­nung­shaft durchge­set­zt wer­den soll”, d.h. ein wirk­samer Pass­wortschutz ist kün­ftig straf­bar, wenn das Geschützte auch Behör­den nicht offen ste­ht, sobald man Verdächtiger ist; und je nach Wort­laut der noch zu beschließen­den Geset­ze zum Umgang mit dem “Dark­net” ist man das gegebe­nen­falls bere­its, sobald man seine IP-Adresse zu ver­schleiern ver­sucht: nur, wer nichts ver­birgt, kann unschuldig sein.

Ich freue mich schon jet­zt darauf, wenn der Entwurf im Bun­destag einge­bracht wird und “mit Bauch­schmerzen” von der SPD, ger­adezu begeis­tert hinge­gen von den Grü­nen (denn gegen “Hass im Netz”, zum Beispiel Penisse, ist ihnen jedes Mit­tel recht) angenom­men wer­den wird. Wir kön­nen sie ja abwählen.

Das wird immer ein­er der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Tod­fein­den die Mit­tel sel­ber stellte, durch die sie ver­nichtet wurde.
Hans Schwarz van Berk, 1935

In den Nachrichten
Mittelfingerzwang

Manch­mal ver­spüre ich den unbe­d­ingten Drang, nach Berlin zu reisen und vor sämtlichen Fen­stern des Axel-Springer-Ver­lagshaus­es riesige Mit­telfin­ger auf­steigen zu lassen, wie es gute antike Tra­di­tion ist, um den Insassen ein wenig Kul­tur zu liefern. Bis­lang hielt mich davon allein der Umstand ab, dass dort nie­mand gezwun­gen wird, meine Mit­telfin­ger anzuse­hen, und sog­ar jed­er die Möglichkeit haben dürfte, das Fen­ster ein­fach zu ver­dunkeln, um meinen Plan zu vere­it­eln.

Heute habe ich gele­sen, dass diese Vor­sicht unbe­grün­det ist, denn die Mitar­beit­er des Ver­lags seien laut rechtlich­er Auf­fas­sung ihres Arbeit­ge­bers über­haupt nicht dazu befugt, fremde Inhalte ein­fach auszublenden:

“Wer­be­block­er verän­dern die Pro­gram­mier­codes von Web­seit­en und greifen damit direkt in das rechtlich geschützte Ange­bot von Ver­la­gen ein”, begrün­det Claas-Hen­drik Soehring, Leit­er Medi­en­recht bei Axel Springer, die neue Klage. (…) Im Zuge der bish­eri­gen Ver­fahren habe der Konz­ern durch Unter­suchun­gen und Gutacht­en fest­stellen lassen, dass Wer­be­block­er eine unzuläs­sige Umar­beitung oder Vervielfäl­ti­gung der Web­site-Pro­gram­mierung vornehmen und damit gegen Para­graph 69c des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes ver­stießen.

Dies ist meine Chance: Wenn sie die Mit­telfin­ger zu verdeck­en ver­suchen, zeige ich sie unter Beru­fung auf das Urhe­ber­recht an. Immer­hin sind die Mit­telfin­ger mein Werk und ich erwarte Respekt für diese schöpferische Leis­tung.

Ich bin dann mal unter­wegs.

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Zeitkratzer und Keiji Haino — Sinfonia // Grünes am Montag

Es ist Mon­tag. Zum Glück bin ich zu müde, um das angemessen zu würdi­gen. Man fasse mich kurz.

Poli­tisch kann, nein: muss die Woche mit Grünem begin­nen, mit densel­ben Grü­nen näm­lich, die offen­sichtlich der Ansicht sind, das Kli­ma höre endlich auf, sich zu wan­deln, wenn man nur ein paar Fün­fzehn­jährige laut genug Kalen­der­sprüche vor­lesen lässt. In Berlin demon­stri­eren die regieren­den Parteien unter inter­na­tionalem Kopf­schüt­teln fol­gerichtig gegen die Poli­tik der in Berlin regieren­den Parteien. Von “Rot-Rot-Grün”, gemis­cht ein unge­sund wirk­ender Braun­ton, wird Enteig­nung in Erwä­gung gezo­gen. Opfer der sozialdemokratis­chen Poli­tik haben es längst am eige­nen Leib erfahren: Besitz ist Dieb­stahl!

Ähn­lich­es denkt sich offen­sichtlich der noch immer amtierende Min­is­ter­präsi­dent des Schurken­staats Israel, der zu ver­ste­hen gibt, dass er in sein­er näch­sten Amt­szeit die von seinem Volk gestohle­nen Teile Palästi­nas in das Staats­ge­bi­et Israels einzuk­leben gedenkt. Die Exis­tenz Palästi­nas, behauptete er, gefährde die “nationale Sicher­heit”. His­torische Par­al­le­len über­lasse ich eben­so wie eine Wer­tung an dieser Stelle der Fan­tasie mein­er Leser. Fast genau so geschichtsvergessen arbeit­et zurzeit die GEMA, die die DNS-basierten Web­sites­per­ren, die, damals noch als “Zen­sur­su­la” zusam­menge­fasst, der Piraten­partei 2009 ihren ersten größeren Höhen­flug ver­schafften, wieder ein­set­zen lässt. An dieser Stelle alles Gute zum Jubiläum.

Wer heute “Männlichkeit” sage, denke “tox­isch” fast automa­tisch mit, desin­formiert ein Tex­tkas­ten, der aus unver­ständlichem Anlass mit “Info” beschriftet wurde, auf “ben­to”. Wer heute aber “Musik” sagt, der denkt sel­ten an Gutes. Das ist ein Zus­tand, der zu ändern ist. Wie wär’s damit?

Sin­fo­nia

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeNerdkrams
Der Mensch als Hilfsutensil des Computers

Vor langer Zeit, es kön­nten die 1960er Jahre gewe­sen sein, wur­den die damals noch “Elek­tro­nenge­hirn” genan­nten, zim­mer­großen Com­put­er als Geräte betra­chtet, die dem Men­schen von Nutzen sein wür­den. Seit­dem ist viel passiert: Die Größe von Bauteilen nahm geschwind ab, die Pro­duk­tion wurde immer preiswert­er, die Geräte wur­den immer leis­tungs­fähiger. Irgend­wann set­zte sich schließlich das Konzept eines Heiman­wen­der-PCs, meist auf Intel­ba­sis, durch.

Neuerun­gen wie die Notwendigkeit, seinen Web­brows­er aus­giebig gegen die Überwachungs­fan­tasien von Ver­la­gen abzu­sich­ern, ließen Zweifel daran aufkom­men, ob man wirk­lich noch der Herr des Com­put­ers sei oder nicht längst sein Angestell­ter. Als Gegengewicht ließen sich die Her­steller der inzwis­chen nur noch hosen­taschen­großen gad­gets — das scheint ein größen­ab­hängiger Begriff zu sein — die Entwick­lung von Pro­gram­men ein­fall­en, die sie als “per­sön­liche Assis­ten­ten” ver­mark­ten, sozusagen als das, was früher ein­mal die haupt­säch­liche Auf­gabe eines Com­put­ers war.

Über einen dieser “Assis­ten­ten” ist seit gestern dies zu lesen (bei­de Über­set­zun­gen von mir):

Die Aktu­al­isierung kommt (…) mit ein­er Änderung daher, die keine Verbesserung ist: abhängig von der Anfrage kön­nte der [Google] Assis­tant mit Reklame wie der­jeni­gen antworten, die man in nor­malen Google­suchen sieht.

“Com­put­er, zeig mir mehr Wer­bung!” Das klingt absurd? Nein, natür­lich hat sich Google was dabei gedacht, behauptet jeden­falls Google:

Wir pro­bieren ständig neue Möglichkeit­en aus, die Erfahrung auf Tele­fo­nen zu verbessern[.]

Denn genau diese “Erfahrung” hat­te mir auf “Tele­fo­nen” — für die Jun­gen: damit haben wir früher miteinan­der kom­mu­niziert, ohne im sel­ben Haus sein zu müssen — noch gefehlt: Endlich kann ich mich auch unter­wegs mit Reklame berieseln lassen.

Wäre es nicht eine für die “Erfahrung” noch viel angenehmere Neuerung, ersönne Google stattdessen den virtuellen Nutzer, der die angezeigte Reklame anstelle des ver­meintlichen Besitzers selb­st anguckt?

In den Nachrichten
New Yorks Qualitätsdemagogie

“SPIEGEL ONLINE”, qual­ität­sjour­nal­is­tis­ches Heimatmedi­um eines mehrfach mit Jour­nal­is­ten­preisen aus­geze­ich­neten Märch­en­erzäh­lers, 12. Jan­u­ar 2019:

Der “New York Times”, die für ihren Qual­ität­sjour­nal­is­mus mehrfach mit Jour­nal­is­ten­preisen aus­geze­ich­net wurde, hat Trump wieder­holt Falschberichter­stat­tung vorge­wor­fen.

“New York Times”, 4. April 2019:

Don­ald Trump ver­sucht Sie umzubrin­gen!

(Aus­rufeze­ichen und Über­set­zung von mir.)

Das muss diese Leis­tung sein, die sie auch in der EU schützen wollen.

In den NachrichtenWirtschaft
Medienkritik in Kürze: Rettet die Verlagslaptops!

Der Ver­band Deutsch­er Zeitschriften­ver­leger, bekan­ntlich ein namhafter Her­steller von Smart­phones, Lap­tops und Lesegeräten für E‑Books sowie Anbi­eter von Such­maschi­nen, sozialen Net­zw­erken, web­basiert­er Bürosoft­ware und Medi­en­stream­ing­di­en­sten, somit also im Wet­tbe­werb mit Google, Ama­zon, Face­book und Apple ste­hend, gibt bekan­nt:

“Nur durch den Schul­ter­schluss der Ver­lags­man­ag­er und in Zusam­me­nar­beit mit der Poli­tik haben wir eine faire Chance im Wet­tbe­werb mit Google, Ama­zon, Face­book und Apple”, sagte sie in einem Inter­view der Deutschen Presse-Agen­tur.

Face­books bekan­ntem Zeitungsver­lag muss man schle­u­nigst Ein­halt gebi­eten! :motz:

(via Fefe)

In den NachrichtenWirtschaft
Die Mina und die Ausbeutung, die die Freiheit ist

Was macht eigentlich die Mina (provoziert mehr als Ramm­stein, Twit­ter) heute so? Richtig: Sie begrün­det in der heuti­gen Aus­gabe der “ZEIT” auf Seite 50, dass sie trotz eines hin­re­ichen­den Einkom­mens weit­er­hin Klei­dung trägt, die in fer­nen Län­dern von Kindern zusam­mengek­lebt wer­den. Das tut sie nicht etwa um Entschuldigung bit­tend, son­dern “erhobe­nen Hauptes” (ebd.):

Finde ich mehr als zwei Teile, ste­he ich nicht noch lange in der Kabine und wäge ab, welch­es Stück ich wieder zurück­hän­gen muss, weil es das Bud­get sprengt, son­dern ich kaufe ein­fach alles. Nicht weil ich heute reich bin, son­dern weil es geht. Auch wenn es fünf, sechs oder zehn Sachen sind. Das ist Frei­heit, ver­dammt.

Bankiers und deutsche Fem­i­nistin­nen wis­sen: Mehr Prof­it durch effizien­tere Aus­beu­tung ist Frei­heit, ver­dammt! :ja: Arme Men­schen sind halt wider­lich. Men­schen mit eigen­em Einkom­men kom­men in der Welt der Mina — beru­flich am Sprechen und Schreiben — nicht vor, Moral haben nur Kinder reich­er Eltern und die sollen sich gefäl­ligst nicht so anstellen:

Und die lasse ich mir nicht von heuch­lerischen Mit­telschichts­men­schen nehmen, die statt mit Hartz IV mit den Geldgeschenken ihrer Eltern haushal­ten.

Freie Fahrt für freie Bürg­er in bil­li­gen Klam­ot­ten!


Wo bleibt eigentlich die Rev­o­lu­tion?

PersönlichesMir wird geschlecht
Anatol und die schwachen Frauen: Ein unerwarteter Nachtrag.

Zu den weni­gen Din­gen, die ich auch mit mehreren Jahren Abstand über mich immer noch gern erzäh­le, gehört die Geschichte, die dazu führte, dass die “EMMA” ein­mal in Druck­form dazu aufrief, mir zu wider­sprechen. Ich hat­te näm­lich in der deutschsprachi­gen Wikipedia ein Mei­n­ungs­bild erstellt, das das gener­ische Maskulinum als Stan­dard­form etablieren sollte. Unter lautem Getöse seit­ens aggres­siv­er Gen­der­rit­ter jed­welchen Geschlechts, das zeitweise sog­ar zu Sper­ren führte (denn schon damals war die Leitung der hiesi­gen Wikipedia nicht für ihre Objek­tiv­ität in Fem­i­nis­mus­fra­gen bekan­nt), wurde das Mei­n­ungs­bild schließlich mehrheitlich abgelehnt. Man wolle ja nie­man­dem vorschreiben, wie er sich in ein­er Enzyk­lopädie auszu­drück­en habe.

Ich kann nun, über fünf Jahre später, dieser Erzäh­lung einen neuen Abschnitt hinzufü­gen: Unter Beru­fung auf mein Mei­n­ungs­bild pla­nen diesel­ben tösenden Rit­ter ein weit­eres Mei­n­ungs­bild, das das behin­derten­feindliche Han­nover­an­er Ver­ständ­nis von ein­er anständi­gen Sprache in der Wikipedia etablieren soll. Auf der Diskus­sion­s­seite tum­meln sich diesel­ben Knal­lköpfe wie früher, denn Inter­essen sind oft von Sturheit getra­gen. Die Plan­er haben den zurzeit drei Kon­traar­gu­menten noch kein einziges Proar­gu­ment ent­ge­genge­set­zt.

Immer­hin: Im Brock­haus wäre all das so nicht möglich gewe­sen.

(via Schw­erdt­fe­gr)

NetzfundstückeComputer
Medienkritik in Kürze: Smartphoneblues auch mit der ZEIT

Es beruhigt mich ein wenig, dass auch Qual­itätsme­di­en in meinen Smart­phoneblues ein­stim­men, etwa “ZEIT ONLINE” let­zten Mittwoch:

In der gesamten IT-Branche ver­lor die Hard­ware an Bedeu­tung. (…) Die Hard­ware von Apple, und auch deren Kom­bi­na­tion mit hau­seigen­er Soft­ware, ist nicht mehr so viel bess­er als die der Konkur­renz. Zeit­gle­ich ist die Entwick­lung der Geräte ins­ge­samt ins Stock­en ger­at­en.

Wirk­lich schade, dass Autor Götz Hamann, Fach­mann für “rechte” Gewalt, Lob­by­is­mus und Wirtschaft, die Jahre ver­wech­selt:

Worin unter­schei­det sich denn noch das iPhone X von der Ver­sion davor?

Das ist die Ver­sion davor. Alle iPhones, die davor kamen, sahen so ähn­lich aus und haben die Gestal­tung von anderen Smart­phones seit 2007 maßge­blich bee­in­flusst.

Das ist das iPhone X. Alle iPhones, die seit­dem erschienen sind, sehen so ähn­lich aus und haben die Gestal­tung von anderen Smart­phones seit 2017 maßge­blich bee­in­flusst.

Details, Details.

MontagsmusikIn den Nachrichten
The Asteroids Galaxy Tour — Push the Envelope // Goldene Kameras und ein Rammstein

Wie, Montag‽Es ist Mon­tag. Ganz Deutsch­land debat­tiert über ein vielschichtiges Musikvideo ein­er deutschen “Rock­band” (Wikipedia), dessen wesentliche Eigen­schaft eine berech­nende Pro­voka­tion ist. Wie lang­weilig!

Apro­pos lang­weilig: Bei der diesjähri­gen Gold­e­nen Kam­era, dem Preis für her­aus­ra­gende Leis­tun­gen deutsch­er Darsteller in Film und Fernse­hen, wurde die deutsche Schaus­pielerin Gre­ta Thun­berg geehrt, die sehr überzeu­gend eine schwedis­che Kli­maak­tivistin spielte. Weit­er so, Gre­ta! Wirk­liche Kli­maschützer sind der­weil kreativ: Mit dem Fahrrad wärst du schon da! Ich begrüße diesen trock­e­nen Humor und biete ihm ein kleines Stück Kuchen an.

Sebas­t­ian Kurz erwägt ein Ver­bot der öster­re­ichis­chen Iden­titären Bewe­gung, weil ein Atten­täter ihr Geld gespendet hat­te. Ich rufe alle Atten­täter unter meinen Lesern hier­mit dazu auf, reich­lich Spenden an die ÖVP zu hin­ter­lassen, bevor sie ihrem Tagew­erk nachge­hen. Diese zu ver­bi­eten scheint nicht unvernün­ftig zu sein. Etwas unvernün­ftiger ist wieder ein­mal die Mozil­la-Stiftung, die kün­ftig die Sicher­heit ihres Haupt­pro­duk­ts ChroFire­fox zu senken beab­sichtigt. Ich wün­schte, das würde mich noch neg­a­tiv über­raschen.

Begin­nen wir die Woche mit unblöder Pop­musik. Immer nur Ramm­stein zu hören ist ja auch nicht inter­es­sant auf die Dauer.

Aster­oids Galaxy Tour — Push The Enve­lope — Low­lands 2014

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeNerdkrams
Klima retten, Python meiden

Wer der Pro­fes­sion der Soft­wa­reen­twick­lung nachge­ht, aber sich auch um das Kli­ma sorgt, dem mag eine Sta­tis­tik helfen, die die Energien­utzung von Pro­gram­mier­sprachen miteinan­der ver­gle­icht. Ihr zufolge zählen Python, JavaScript und Java zu den am wenig­sten energieef­fizien­ten und damit kli­maschädlich­sten Sprachen, während C und das weniger gute Rust erwartungs­gemäß die Liste anführen.

Ihr wisst, was zu tun ist.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Goat — Commune

Goat - CommuneLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Die schwedis­che Band Goat, anscheinend ein Quin­tett absichtlich unbekan­nter Beset­zung, veröf­fentlicht seit ihrem Beste­hen gele­gentlich Alben, Sin­gles und Konz­er­tauf­nah­men, zuerst 2012 das tre­f­fend benan­nte Album “World Music”. Heute soll es hier um das 2014 veröf­fentlichte Stu­diow­erk “Com­mune” (Amazon.de, TIDAL, Band­camp) gehen. Das hätte allerd­ings eben­so tre­f­fend auch “World Music 2” heißen kön­nen, denn auch auf ihm lassen sich Goat von Musik aus aller Welt inspiri­eren, ins­beson­dere von der eher krauti­gen kreativ­en Leis­tung des jew­eili­gen Lan­des.

Daher ist “Welt­musik” auch als bere­its etablierte Gen­re­beze­ich­nung natür­lich völ­liger Unsinn, denn hier wird immer noch so viel miteinan­der vere­int, dass kaum eine Gemein­samkeit zu find­en ist, die über die psy­che­delis­che Stim­mung hin­aus­ge­ht, die über diesem Album schwebt. Wie wär’s mit “Hip­piemusik”? Naja, fast!

Goat — Words (not the video)

“Com­mune” ist ein fast 39 Minuten langer musikalis­ch­er trip zwis­chen Afrobeat, Folk­musik, Ston­er Rock und 60er-Psy­che­del­ic, gar­niert mit Anflü­gen von New Wave (“Words”), die aber schnell und geschickt ins große Ganze einge­bun­den wer­den. Ich erkenne an, dass in jün­ger­er Zeit ver­mehrt Grup­pen auftreten, die sich auf ähn­liche Vor­bilder berufen. Das ist ein­er der Gründe, die es beson­ders erfreulich machen, wenn eine von diesen Grup­pen ein so bemerkenswertes Album wie “Com­mune” vor­legt.

Goatchild

Die Chance für das nahe liegende Wort­spiel mit dem Com­mu­nis­mus möchte ich hier ungenutzt ver­stre­ichen lassen, um so früher kann der Musik­genuss begin­nen. “Com­mune” gefällt mir wirk­lich gut. :ja: