In den Nachrichten
Säkularismus wann anders. (3)

Ihr habt keinen Bock auf Schule, aber das Kli­ma inter­essiert euch ein­fach nicht genug und/oder ihr seid zu ehrlich, um den Fre­itags­demon­stra­tio­nen beizu­wohnen? Fürchtet euch nicht, der HErr erlöset euch:

Wegen des 37. Deutschen Evan­ge­lis­chen Kirchen­tags fällt in Dort­mund die Schule aus, weil die Schul­ge­bäude den Kirchen­tags­be­such­ern als Über­nach­tungsmöglichkeit dienen.

Im postaufgek­lärten Gottesstaat sind Bil­dung und Wis­senschaft eine verzicht­bare Last. Das christliche Abend­land hat eine einge­baute Vor­fahrt. Schule ist ja auch unspan­nend für die hip­pen kids, da lässt man sich lieber zweitausend Jahre alte Märchen vor­lesen:

“Die Kinder haben dann die Gele­gen­heit, ein echt­es Mega-Event zu erleben”, schreibt ruhr24.de denn auch frei her­aus.

Wer braucht schon Schule, wenn er auch ein Mega-Event haben kann? :ja:

Piratenpartei
Bomber Harris’ später Sieg

Der Wahlkampf begin­nt, die schmutzige Wäsche wird aus­gepackt: Unter medi­alem Beifall ist Julia Reda aus der Piraten­partei aus­ge­treten und emp­fiehlt in einem viel (daher nicht hier) zitierten Video auf YouTube, die Piraten­partei nicht mehr zu wählen. Der Grund dafür sei, dass ihre Partei rechtlich keine Hand­habe hat, den von ihr selb­st als ihren Nach­fol­ger aufge­baut­en Zweit­platzierten von der ein­gere­icht­en Liste stre­ichen zu lassen.

Von der unvorteil­haften Sit­u­a­tion abge­se­hen, dass die Piraten­partei nach dem über­wälti­gen­den Zus­pruch der let­zten Wochen einen der­ar­ti­gen Schlag in die Magen­grube von der­jeni­gen Abge­ord­neten, ohne die sie diesen Zweit­platzierten ver­mut­lich nicht mal ken­nen würde, zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht so ein­fach weg­steck­en kann und wird, da sich auf Twit­ter bere­its die üblichen Mobs for­men, die geschlossen zur Wahl ander­er Parteien aufrufen, über­rascht mich weniger die schi­er idi­o­tis­che Vorstel­lung, der bish­er einzugssichere Erst­platzierte — der höchst bemerkenswerte Net­zpoli­tik­er Patrick Brey­er — sei ein Opfer, dessen Fehlen im Par­la­ment in den näch­sten fünf Jahren nie­man­dem wirk­lich weh tun würde (als sei EU-Net­zpoli­tik nicht ger­ade jet­zt ein wichtiges Feld!), als die Ver­strick­un­gen erledigt geglaubter Gestal­ten: Es grat­ulierte zum Ausstieg neben Jas­na “Gum­mibär” Strick auch der ehe­ma­lige Bun­desvor­sitzende Thorsten Wirth mit Dankesworten an Julia Reda ein­er- und die Antifa ander­er­seits. Anscheinend ist ein Aus­tritt aus der Piraten­partei auch dann ein großer Erfolg, wenn man sich viere­in­halb Jahre lang über­haupt nicht wesentlich um ihr Schick­sal geschert hat.

Das alles passiert, während bei den bayrischen Pirat­en die ersten Kar­ri­eris­ten wieder ihren hässlichen Kopf aus der Erde reck­en. Dort trage sich, wie man hört, zurzeit zu, dass die jew­eili­gen Vor­sitzen­den des Münch­en­er und des bayrischen Ver­bands aktiv gegen einen jun­gen Aktivis­ten aus ihren Rei­hen opponieren, weil sie ver­hin­dern möcht­en, dass er bekan­nter wird als sie. Anscheinend tut dieser Partei ein biss­chen Auftrieb nicht gut.

Es ist den­noch beruhi­gend zu sehen, dass Zeitun­gen mit der alten Vorstel­lung, eine Kle­in­st­partei mit Dreck bew­er­fen zu lassen sorge für zuver­läs­sig hohe Klick­zahlen, immer noch nicht falsch liegen. Wenn mein Beruf mir irgend­wann nicht mehr genug Geld ein­bringt, gründe ich vielle­icht eine Zeitung, die nur während eines Wahlkampfes erscheint und als Quellen auss­chließlich “soziale” Web­sites akzep­tiert. Das scheint leicht ver­di­entes Geld zu sein.


Nach­trag I: Zu nie­man­des beson­ders großer Über­raschung lässt sich die Antwort des inkri­m­inierten Parteim­it­glieds so inter­pretieren, dass aus den Rei­hen der 2014 abgewählten Parteilinken auss­chließlich Manip­u­la­tio­nen und Lügen zu erwarten sind. Mein über­rascht­es Gesicht sieht merk­würdi­ger­weise genau so aus wie mein ganz nor­males Gesicht.

Nach­trag II: Die deutsche Entsprechung der thun­ber­gis­chen Klima­panikpartei find­et plöt­zlich, Angst sei ein Zeichen von Schwäche. Men­sch, fast wie früher!

In den NachrichtenNerdkrams
Staatstrojaner (2019)

Ich war schon beina­he in Sorge: In den Wirrun­gen um die Urhe­ber­recht­sre­form, deren Abbruch einzig die Blöd­heit der SPD ver­hin­dert zu haben scheint, schien gar keine weit­ere Schweinerei aus den Rei­hen der CDU/CSU vor­bere­it­et zu wer­den. Es beruhigt mich ein biss­chen, dass der inzwis­chen über 2.727 Tage alte Staat­stro­jan­er die Sta­tis­tik ret­tet:

See­hofer will dem Ver­fas­sungss­chutz kün­ftig das Mitle­sen von Mes­sen­ger­di­en­sten wie What­sApp erlauben. Dafür dürfte der Geheim­di­enst „Staat­stro­jan­er“ ein­set­zen, mit denen Nachricht­en noch vor ein­er Ver­schlüs­selung abge­fan­gen wer­den kön­nten – eine soge­nan­nte Quellen-Telekom­mu­nika­tion­süberwachung. (…) Bei den Betrof­fe­nen sollen Dat­en, die „den Kern­bere­ich pri­vater Lebens­gestal­tung betr­e­f­fen“, nicht erhoben wer­den – „soweit möglich“.

Und da das auf einem Gerät, das über­wiegend intim­ste Lebens­bere­iche erfasst, kaum sin­nvoll möglich ist, ahne ich, wie groß das Bedauern sein wird, wenn es lei­der zu einem größeren Daten­abfluss kam. Manch­mal wün­schte ich, CDU/CSU wären tat­säch­lich, wie heute vielerorts zu lesen, zu blöd und nicht zu skru­pel­los für das freie Inter­net. Abzuwarten bleibt, ob dig­i­tale Selb­stvertei­di­gung nicht zur Straftat erk­lärt wird.

Wo bleibt eigentlich die Rev­o­lu­tion?

PolitikIn den Nachrichten
Befreit Katarina Barley!

Offen­sichtlich wer­den deutsche Par­la­men­tari­er in franzö­sis­ch­er Geisel­haft gehal­ten:

Bun­desjus­tizmin­is­terin Kata­ri­na Bar­ley (SPD) sei gegen die Upload­fil­ter, sagte der SPD-Abge­ord­nete Tiemo Wölken. Sie habe sich aber Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel (CDU) beu­gen müssen, die “einen Deal mit Frankre­ich geschlossen hat”.

Schnell, wir müssen sie da raus­holen! Bun­deswehrein­satz in Frankre­ichs Innerem jet­zt!

In den NachrichtenMontagsmusik
Windhand — Red Cloud // Der Programmierpapst

Noch fünf Minuten, MutterEs ist Mon­tag. Ciao, Anti-AKW! Trot­tein, trot­taus; wie lange ist der let­zte echte Son­ntag her? — Ohne Sod­bren­nen wäre man ja nur ein hal­ber Men­sch, also kann die Woche angemessen begin­nen. Gle­ich mal in die Nachricht­en guck­en, worüber es sich aufzure­gen lohnt.

Über das alt­bekan­nte Prob­lem, dass Funk­tas­taturen unsich­er sind, lohnt es sich nicht ein­mal mehr die Nase zu rümpfen. Es soll doch jed­er selb­st zwis­chen Kom­fort und Sicher­heit die falsche Entschei­dung tre­f­fen. Span­nend wird es in der Zukun­ft, wenn der Staat (und damit jed­er aufgeweck­te Drei­jährige) in “ver­net­zten” Autos rumhack­en darf. Das ist ja alles so prak­tisch in dieser Zukun­ft.

An Pro­gram­mier­ern man­gelt es wenig­stens nicht: Selb­st der Papst habe jet­zt was pro­gram­miert, wird mit­geteilt. Da kann ja nichts mehr schiefge­hen. Wenn sich bei der Benutzung irgen­dein­er neuen Soft­ware also kün­ftig der Aus­ruf “oh Gott!” anbi­etet: Da hat­te wohl Papst Franz die Fin­ger im Spiel.

Noch eine schlechte Nachricht zum Wochenan­fang? Gern: Das Man­neken Pis uriniert kein Trinkwass­er mehr. Das ist vor allem für diejeni­gen ärg­er­lich, die beim Anblick eines Urin­strahls spon­tan Durst bekom­men, von denen es ja manche geben soll. Habe ich gehört.

Was ich außer­dem höre: Musik.

WINDHAND — Red Cloud (Offi­cial Music Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Regal Worm — Pig Views

Regal Worm - Pig ViewsLange nichts mehr über Musik geschrieben.

2011 grün­dete Jar­rod Gosling, der zuvor seine vielin­stru­men­tal­en Fähigkeit­en ander­norts ausüben durfte, sein eigenes Band­pro­jekt Regal Worm, das bis heute nominell nur aus ihm selb­st beste­ht. Auf dessen aktuellem Stu­dioal­bum “Pig Views” (Amazon.de, TIDAL, Band­camp), im Juli 2018 erschienen, sind es über zwanzig ver­schiedene Instru­mente von Mel­lotron bis Schlagzeug. Das heißt natür­lich nicht, dass “Pig Views” eine reine Solo­plat­te ist: Sieben Gäste, darunter zwei Sän­gerin­nen und ein Sänger, ste­hen ihm zur Seite. Ich behaupte: Das war eine kluge Entschei­dung.

Dem Cover­bild entsprechend spie­len Regal Worm weit­ge­hend Retro-Prog mit deut­lichem Can­ter­burye­in­fluss, es lassen sich aber auch spacige Klang­ef­fek­te aus­machen. Was ein passendes Adjek­tiv ange­ht, so bin ich unentsch­ieden zwis­chen “beschwingt” und “fröh­lich”. Nehmen wir “beschwöh­lich”. Camel, Car­a­van und mitunter Mag­ma lassen fre­undlich grüßen.

Huge Machine, You Are so Heavy

Mag­ma? Ja, wahrlich: Der immer wieder mal auf­tauchende Chorge­sang hat tief in Zeuhl gebadet. Ein Kaltherz, wer hier nicht min­destens einen Ohrwurm abzu­greifen ver­mag.

You can’t burn me, I’m the Win­ter man
You can’t burn me, I’m the cold man

Jawoll.

Der Gesang ist über­haupt ein entschei­den­der Bestandteil dieses Albums: Wie — um im Genre zu bleiben — Hat­field and the North ohne die Nor­thettes nicht das­selbe gewe­sen wären, so formt auch der Chor auf “Pig Views” die Musik maßge­blich, wie nicht zulet­zt seine Leis­tung in “Revealed as a True Future Tyrant” beweist.

Revealed as a True Future Tyrant

Das mit Abstand läng­ste, dre­it­eilige Stück auf dem Album, “The Dread­ed Lurg”, schiebt Regal Worm dank der Flöte und der all­ge­mein auss­chweifend­en Klang­land­schaft wieder in Camel­nähe, was ja auch nicht schlecht ist. Dass das kurze out­ro “But­ter­fly” eigentlich verzicht­bar ist, schmälert meine Begeis­terung nicht im Ger­ing­sten.

Ich nenne die Artikel­rubrik, in der ich diese Kri­tiken veröf­fentliche, ja dur­chaus nicht unüberzeugt “Kauf­be­fehle” statt “Kaufempfehlun­gen”. “Pig Views” zu hören sollte Grund genug sein.

PolitikIn den Nachrichten
Vom “Brexit” für die EU lernen

Der Vor­sitzende der Lib­er­al Democ­rats, der britis­chen F.D.P., ver­meldete gestern auf Twit­ter einen großar­ti­gen Erfolg der Stop-Brex­it-Kam­pagne sein­er Partei: Auf zwei Fotos ist eine anscheinend große Zahl an Men­schen zu sehen, die Schilder bei sich tra­gen, auf denen unter anderem “We demand a people’s vote” (“Wir ver­lan­gen eine Volksab­stim­mung”), “Put it to the peo­ple” (“Über­lasst es dem Volk”) und “I want a say on Brex­it” (“Ich würde beim Brex­it gern mitre­den dür­fen”) ste­ht. Dem Vor­sitzen­den zufolge habe man nun eine Mehrheit von 60 Prozent beisam­men, die einen Ausstieg Großbri­tan­niens aus der Europäis­chen Union ablehne.

Es ist wahrschein­lich nicht notwendig, darauf hinzuweisen, dass solche Zahlen meist von der Sit­u­a­tion sowie von der Auswahl der Befragten abhän­gen. Ich halte es aber für bemerkenswert, dass sich nicht ein­mal drei Jahre nach ein­er Volksab­stim­mung, bei der es dem Volk über­lassen wurde, was mit der EU-Zuge­hörigkeit kün­ftig passieren solle, aus­re­ichend viele Men­schen zusam­men­find­en, die, unzufrieden mit der Entschei­dung des Volkes, gern so oft abstim­men lassen wür­den, bis ihnen das Ergeb­nis passt.

Ander­er­seits birgt dieses Ver­hal­ten eine große Chance auch für die Europäis­che Union und Deutsch­land: Bekom­men die angenomme­nen 60 Prozent der Briten ihren Willen und dür­fen ein­fach noch mal abstim­men, dann sollte es kein großes Prob­lem darstellen, das auch in anderen Mit­gliedsstaat­en der EU durchzuführen. Wer nicht unzufrieden mit der Arbeit sein­er Regierung ist, werfe den ersten Kugelschreiber. Wählen wir doch kün­ftig ein­fach wöchentlich und ret­ten wir die Demokratie. Die, die regelmäßig unanständi­gen Parteien in Berlin (Land) und Berlin (Bun­de­shaupt­stadt) zu Ein­fluss ver­helfen, sprechen sel­ten für die Mehrheit: 78 Prozent der Deutschen seien unzufrieden mit der Bun­desregierung, zitierte “ZEIT ONLINE” let­zten Juli. Keine Ahnung, wo die Wäh­ler immer herkom­men.

Vielle­icht sollte man Wahlen an sich kün­ftig durch die Frage erset­zen, mit welch­er Regierung man am ehesten zufrieden wäre. Das wären amüsante Ergeb­nisse für uns Zyniker.

NetzfundstückePiratenpartei
Metamedienkritik (mehr oder weniger): Mit Fakenewsfakes gegen Uploadfilter

Fefe fragt zu Recht:

Ver­ste­ht eigentlich jemand, wieso die Piraten­partei das Bohei um Artikel 13 nicht genutzt hat, um sich wieder ins Gespräch zu brin­gen?

Sieht man von den europaweit­en Demon­stra­tio­nen gegen die unsag­bar dumme Poli­tik der Europafrak­tio­nen von CDU/CSU und SPD, die sich heute zumin­d­est einig darin sind, nicht schuld sein zu wollen, ab, die hierzu­lande meist von den örtlichen Pirat­en maßge­blich mit­gestal­tet oder — etwa in Han­nover — über­haupt erst organ­isiert wur­den, bemerke jeden­falls ich aus der Partei her­aus einen unvor­sichti­gen Über­mut. Endlich ein Geg­n­er!

Dass man sich da — wie etwa Gre­go­ry Engels, Platz 6 der Europal­iste der Piraten­partei — zur Auf­gabe von Vor­sicht hin­reißen lässt, ist zwar ver­ständlich, aber gefährlich:

Der Thomas Thiel von @FAZ_Feuilleton denkt auch, wir sind alle #bots! Und er schreibt auch “Blog­ger wer­den für poli­tis­che Beiträge auf Youtube von Youtube bezahlt.” Braucht noch jemand ein Beispiel für den Wörter­buch für die Def­i­n­i­tion von #Fak­e­News?

Man mag von der “FAZ” hal­ten, wonach einem selb­st der Sinn ste­ht, aber in diesem Punkt hat der Thomas Thiel nicht Unrecht: Viele YouTube-Selb­st­darsteller, auch im deutschen Sprachraum, leben inzwis­chen von ihren Videos und den damit ver­bun­de­nen Ver­mark­tungstätigkeit­en; und das wohl nicht so schlecht. Ob man nun einen poli­tis­chen Beitrag ver­fasst, die aber­tausend­ste Cov­erver­sion von “Yes­ter­day” singt oder sich scheiße anmalt: Sobald es genug Leute sehen wollen, ist ein Geldgewinn nicht aus­geschlossen. Das bedeutet, dass die Aus­sage, YouTu­ber wür­den für Videos, in denen sie die bescheuerte Poli­tik von CDU/CSU und SPD kri­tisieren, von YouTube (und damit Google) bezahlt, so erst mal nicht falsch ist. Diese Aus­sage nun aus strate­gis­chen Grün­den als “Fak­e­news” zu etiket­tieren ist vor­eilig und erweist der Sache auch nicht ger­ade den erhofften Dienst.

Für das poli­tis­che Kli­ma zwis­chen denen und uns wäre es manch­mal sin­nvoll, die Bar­rikaden nicht durch Laut­sprech­er auszuwech­seln.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Laktating Yak — Origin of the Yak

Laktating Yak - Origin of the YakLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Bei Lak­tat­ing Yak, was über­set­zt “Milch abson­dern­der Yak” heißt, han­delt es sich um ein tex­anis­ches Sex­tett, das sich selb­st in RIO-Tra­di­tion sieht und 2018 mit “Ori­gin of the Yak” (Band­camp) sein bish­er anscheinend einziges Album veröf­fentlicht hat. Was es mit dem Yak auf sich hat, erläutert der Pres­se­text: Anscheinend ist der Kon­sum von Yak­milch ein wichtiger Bestandteil ein­er Bergbestei­gung. Für mich wäre das ja nichts.

In sechs von sieben Stück­en auf dem Album kommt das Wort Yak im Titel vor, lediglich “The Error­ist” (“Sobald die Yak­milch getrunk­en wor­den ist, inter­agiert sie chemisch ähn­lich wie Adren­a­lin mit der men­schlichen Anatomie und min­imiert während ein­er Expe­di­tion die Ver­rück­theit­en des ‘Error­is­ten’ ”, teilt besagter Pres­se­text mit) bildet eine Aus­nahme. Ich bin geneigt, ein Konzept hin­ter dem Album anzunehmen, obwohl es an Tex­ten man­gelt. Zu hören gibt es jeden­falls instru­men­tal­en Zeuhl, psy­che­delis­chen Krautrock und Folk­musik mit Didgeri­doo (Didgeri­doo!).

Lak­tat­ing Yak — Ori­gin of the Yak FULL ALBUM (2018)

Es dominieren Perkus­sion und Sax­o­phone, auch wenn Char­lie Bryan an der Gitarre in Fripp’scher Manier hier und da (“Invoka­tion of the Yak Pt. 2”) einen laut­en Ein­wand erheben darf. Talk Talk (Mark Hol­lis lebe ewig fort), Renais­sance, Mag­ma und Pink Floyd seien hier namege­droppt, die haben die Musik­er offen­bar mit der Yak­milch aufge­so­gen. Ein empfehlenswertes Album, das auf mehr hof­fen lässt.

Die Milch macht’s.

PersönlichesNerdkrams
Smartphoneblues (fin)

Im Sep­tem­ber 2010 erzählte ich sichtlich begeis­tert von mein­er damals neuesten Spiel­erei, meinem Android-Smart­phone. In den fol­gen­den Jahren bis heute hat­te ich Android nicht aufgegeben, obwohl mir schon 2016 aufge­fall­en war, wie lang­weilig dieses Sys­tem und die es umgebende Medi­en­land­schaft gewor­den war. Es ging nur noch um Belan­glosigkeit­en: Noch mehr noch bun­tere Kam­eras, noch lautere Laut­sprech­er bei noch weniger Kopfhör­eran­schlüssen zu noch höheren Preisen.

Dass es auch gün­stigere Androidgeräte als die jew­eili­gen “Flag­gschiffe” Sam­sungs gab und gibt, ist ein Umstand, der auf die Qual­ität und Updatepoli­tik dieser Geräte keine Rück­sicht nimmt — um die ist es oft nicht gut bestellt. Nicht, dass Sam­sung es noch bess­er machte! In einem viel beachteten Test der im März 2019 aktuellen “Flag­gschiffe” (das Wort erin­nert mich regelmäßig an Pira­terie) von Apple und Sam­sung kam als Faz­it her­aus, dass das Sam­sung­gerät unter Umstän­den zwar etwas schneller als das iPhone arbeit­et, jedoch Apps während der Benutzung des Öfteren abgestürzt sind. Ich ver­mute, das hat die gewonnenen Sekun­den mehr als nur aus­geglichen.

Ich stellte vor eini­gen Monat­en die Ver­mu­tung auf, dass Sam­sung mit seinen zweifel­sohne gut gemacht­en Mobil­geräten vielle­icht lieber Soft­ware ander­er Her­steller aus­liefern sollte, denn Sam­sungs Android­soft­ware zeich­net sich — von sein­er iTunes-Alter­na­tive KIES bis hin zu seinen Bedienober­flächen Touch­Wiz, Expe­ri­ence und inzwis­chen One UI — vor allem dadurch aus, dass man sie nach der ersten Benutzung lieber kün­ftig weglässt. Über die weit­eren Prob­leme Androids muss man angesichts der Geräte selb­st schon fast gar nicht mehr reden: Nicht nur sind die ver­füg­baren Apps, kosten­los oder nicht, oft von wenig erbaulich­er Qual­ität, man muss außer­dem eini­gen Aufwand treiben, wenn man nicht das virtuelle Pen­dant zu ein­er großen Wer­betafel bei sich tra­gen möchte, während man sein Gerät benutzt. Ist es wirk­lich zu ver­nach­läs­si­gen, einen nen­nenswerten Teil seines Lebens unter den wach­samen Augen des Mark­t­führers in blöder Reklame (wenn nicht gar: Schad­soft­ware) zu führen?

Angesichts des let­zten anste­hen­den Neukaufs eines Smart­phones — wie üblich hat auch mein let­ztes Androidgerät beschlossen, dass Ladegeräte ihm ins­ge­samt zuwider sind — habe ich also noch ein­mal darüber nachgedacht, was ich eigentlich nach neun Jahren mit Android eigentlich — von gele­gentlichen Tele­fonat­en abge­se­hen — mit dem Gerät anstelle und was nicht. Zu meinem eige­nen Erstaunen sind mir neben sein­er Kosten­loskul­tur und der von mir noch nie genutzten, anscheinend aber von iOS über­nomme­nen Möglichkeit, in den Code des Sys­temk­erns reinzuguck­en, noch ein paar andere Dinge völ­lig egal:

  • Appen­twick­lung betreibe ich pri­vat über­haupt nicht mehr — ich habe gar keine Zeit dafür und gar keine Lust mehr, daran etwas zu ändern.
  • Die Anpass­barkeit manch­er Ver­sio­nen von Android reizt mich nicht mehr. Der von mir instal­lierte Microsoft Launch­er “kann” zwar manch­es, aber fast nichts davon habe ich jemals wirk­lich gebraucht; und für Sym­bol­pakete und Klin­geltöne bin ich, fürchte ich, inzwis­chen ein­fach zu alt.
  • Das Zusam­men­spiel zwis­chen Mobil­gerät und richtigem Com­put­er erledi­ge ich seit jeher über Drop­box, OneDrive und/oder meine eige­nen Serv­er. Ich mei­de die ver­meintlichen Annehm­lichkeit­en, die man ver­sprochen bekommt, wenn auf möglichst vie­len essen­ziellen Kom­po­nen­ten dieselbe Marke klebt, nach Möglichkeit.
  • Eben­so besitze ich keine gad­gets von Sam­sung, Google oder der­gle­ichen, die mich in ein “Ökosys­tem” ein­schließen wür­den: “Smarte” Heimau­toma­tisierung und ‑dig­i­tal­isierung inter­essiert mich nicht mal the­o­retisch, die Neben­wirkun­gen recht­fer­ti­gen die Aufwand­serspar­nis längst noch nicht.

Das macht mich eigentlich zu einem dankbaren Kun­den für jeden Smart­phone­hersteller, denn meine activ­i­ties, die ich immer­hin zumeist im Sitzen aus­führen kann, sind fast egal: Ich höre Musik, küm­mere mich um meine voll laufend­en Mail­post­fäch­er, “surfe” im Web, in Gopher und im Usenet, unter­halte mich gele­gentlich, fer­tige Noti­zen an, plane Ter­mine, lese die Nachricht­en, warte meine Serv­er, navigiere über mehrere Verkehrsmit­tel und kann schlecht leug­nen, dass dann und wann auch mal ein Tweet abge­set­zt wird.

Fol­gerichtig habe ich nach Abwä­gung aller genan­nten Punk­te die, wie ich hoffe, einzig vernün­ftige Entschei­dung getrof­fen: Auf meinem Neuer­werb klebt ein angekn­ab­bert­er Apfel; wohl um die qua­si jährlichen Rufe wis­send, das Unternehmen sei so gut wie am Ende, erscheint es mir zurzeit als das kle­in­ste Übel.

So tief musste Android ja auch erst mal sinken.

In den NachrichtenMontagsmusik
Univers Zéro — Dense

PandaohreuleEs ist Mon­tag. Die schäbige SPD, die die Ein­führung von Upload­fil­tern mit ihrer Stimme begün­stigt hat, find­et, die CDU solle gefäl­ligst dage­gen stim­men. Ange­wandtes Arschlochtum scheint ein Neben­fach der Poli­tik­wis­senschaften zu sein. Ich möchte das nicht, aber ich bekomme ohne­hin sel­ten, was ich möchte (i.e. einen Pand­abären).

Immer­hin “fol­gerichtig” wird Axel Voss von Idioten bombenbedro­ht. Es ist ja nicht so, dass ein biss­chen mehr Mil­i­tanz der Net­zpoli­tik vielle­icht manch­mal helfen kön­nte, aber doch nicht so. Ander­swo wer­den Men­schen inzwis­chen danach beurteilt, wem sie den Geburt­stagskuchen wegfressen bzw. mit wem sie ihn teilen, und ist es Matussek, dann ist es schlecht. Mat­tusseks Geburt­stage ver­bi­eten! Wie haben die Men­schen es früher nur hin­bekom­men, so viel entspan­nter zu sein als heute? Ach, vielle­icht sind es die mod­er­nen gad­gets, die wir ja früher noch nicht hat­ten: Die Action-Cam für den Schniedel, Penisvlog­ger aufge­merkt. Alle bek­loppt, alle rest­los bek­loppt.

Wis­sen wollen sie ja auch nichts mehr: Bei Google wird ein­er der Grün­der von Green­peace der damna­tio memo­ri­ae über­ant­wortet, nach­dem er schwänzende Kinder nicht so vor­be­halt­s­los grandios fand, wie es sich dieser Tage geziemt. Willkom­men im 21. Jahrhun­dert. Ich wieder­hole mich ungern: Ich möchte das nicht.

Grund­sät­zlich kön­nte Musik aus dem 20. Jahrhun­dert Abhil­fe schaf­fen, wenn man sie nur laut genug hört.

UNIVERS ZERO live at GOUVEIA ART ROCK 2005 — “Dense”

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeNerdkrams
Foren sind das neue Darknet

Anlässlich der zahlre­ichen Proteste gegen diverse EU-Geset­ze ließen es sich auch ein paar Betreiber von Web­foren (für die Jün­geren: das hat­ten die Älteren früher vor Face­book; für die Älteren: das hat­ten die Jün­geren nach dem Usenet) nicht nehmen, ihrem Unmut nicht nur Aus­druck, son­dern auch eine eigene Web­site zu ver­lei­hen, die “Foren gegen Upload-Fil­ter” heißt und also schon von ein­er ganz falschen Prämisse aus­ge­ht.

In einem “offe­nen Brief” — wäre Versenden nicht sin­nvoller? — teilen 27 Fore­nad­mins, auch im Namen ihrer “mehr als 15 Mil­lio­nen” Mit­glieder, unter anderem mit, warum sie der Ansicht sind, die Notwendigkeit der Ein­führung von Upload­fil­tern sei ein mas­sives Prob­lem für sie und ihre Mit­glieder. Selb­st mir fall­en mehrere Gründe ein, warum besagte Upload­fil­ter auch für sich an geset­zestreue Men­schen rich­t­ende Foren schnell ein großes Prob­lem wer­den kön­nten. Den 27 Fore­nad­mins aber fiel überdies ein­er ein, den sie ver­mut­lich noch bereuen wer­den:

Foren fall­en unter die zen­trale Def­i­n­i­tion in Artikel 2 (5): der Hauptzweck ist das Hochladen, Organ­isieren und Darstellen geschützter Werke[.]

Dieser Ein­wand, der sich darauf bezieht, dass ja auch etwas, was zum Beispiel ich in ein Forum rein­schreibe, mein “geistiges Eigen­tum” ist, verken­nt, dass die Nutzungs­be­din­gun­gen der meis­ten Foren dort ein Nutzungsrecht vorse­hen: Ein Beitrag, den ich ver­fasse, ist damit automa­tisch an den Betreiber lizen­ziert wor­den. Darum geht es also nicht.

Web­foren dienen außer­halb des dark­nets und einiger lan­glebiger Tauschbörsen eben nicht dem “Hochladen, Organ­isieren und Darstellen” geschützter Werke wie zum Beispiel pro­fes­sionell gemachter Fotos oder ganz­er Kinofilme. Täten sie das, wäre ich ver­mut­lich viel häu­figer in ihnen zuge­gen. Sie dienen dem Aus­tausch von Neuigkeit­en, Mei­n­un­gen, gele­gentlich eigen­er Werke mit aus­re­ichen­der Schöp­fung­shöhe. Man kann sich im Web pri­ma aus­tauschen, ohne dabei jeman­des Rechte zu ver­let­zen. Das kann ich auch nur weit­erempfehlen.

Wäre ich Axel Voss, wenn auch nicht ganz so dumm und kurzsichtig, empfäh­le ich den “offe­nen Brief” jedoch als ein weit­eres Argu­ment für “meinen” Geset­ze­sen­twurf. Ich befürchte, das wird uns allen noch sehr viel Ärg­er bere­it­en.