NerdkramsNetzfundstücke
Foren sind das neue Darknet

Anlässlich der zahlreichen Proteste gegen diverse EU-Gesetze ließen es sich auch ein paar Betreiber von Webforen (für die Jüngeren: das hatten die Älteren früher vor Facebook; für die Älteren: das hatten die Jüngeren nach dem Usenet) nicht nehmen, ihrem Unmut nicht nur Ausdruck, sondern auch eine eigene Website zu verleihen, die „Foren gegen Upload-Filter“ heißt und also schon von einer ganz falschen Prämisse ausgeht.

In einem „offenen Brief“ – wäre Versenden nicht sinnvoller? – teilen 27 Forenadmins, auch im Namen ihrer „mehr als 15 Millionen“ Mitglieder, unter anderem mit, warum sie der Ansicht sind, die Notwendigkeit der Einführung von Uploadfiltern sei ein massives Problem für sie und ihre Mitglieder. Selbst mir fallen mehrere Gründe ein, warum besagte Uploadfilter auch für sich an gesetzestreue Menschen richtende Foren schnell ein großes Problem werden könnten. Den 27 Forenadmins aber fiel überdies einer ein, den sie vermutlich noch bereuen werden:

Foren fallen unter die zentrale Definition in Artikel 2 (5): der Hauptzweck ist das Hochladen, Organisieren und Darstellen geschützter Werke[.]

Dieser Einwand, der sich darauf bezieht, dass ja auch etwas, was zum Beispiel ich in ein Forum reinschreibe, mein „geistiges Eigentum“ ist, verkennt, dass die Nutzungsbedingungen der meisten Foren dort ein Nutzungsrecht vorsehen: Ein Beitrag, den ich verfasse, ist damit automatisch an den Betreiber lizenziert worden. Darum geht es also nicht.

Webforen dienen außerhalb des darknets und einiger langlebiger Tauschbörsen eben nicht dem „Hochladen, Organisieren und Darstellen“ geschützter Werke wie zum Beispiel professionell gemachter Fotos oder ganzer Kinofilme. Täten sie das, wäre ich vermutlich viel häufiger in ihnen zugegen. Sie dienen dem Austausch von Neuigkeiten, Meinungen, gelegentlich eigener Werke mit ausreichender Schöpfungshöhe. Man kann sich im Web prima austauschen, ohne dabei jemandes Rechte zu verletzen. Das kann ich auch nur weiterempfehlen.

Wäre ich Axel Voss, wenn auch nicht ganz so dumm und kurzsichtig, empfähle ich den „offenen Brief“ jedoch als ein weiteres Argument für „meinen“ Gesetzesentwurf. Ich befürchte, das wird uns allen noch sehr viel Ärger bereiten.

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