PersönlichesNerdkrams
Smart­phone­blues (fin)

Im Sep­tem­ber 2010 erzähl­te ich sicht­lich begei­stert von mei­ner damals neue­sten Spie­le­rei, mei­nem Android-Smart­phone. In den fol­gen­den Jah­ren bis heu­te hat­te ich Android nicht auf­ge­ge­ben, obwohl mir schon 2016 auf­ge­fal­len war, wie lang­wei­lig die­ses System und die es umge­ben­de Medi­en­land­schaft gewor­den war. Es ging nur noch um Belang­lo­sig­kei­ten: Noch mehr noch bun­te­re Kame­ras, noch lau­te­re Laut­spre­cher bei noch weni­ger Kopf­hö­rer­an­schlüs­sen zu noch höhe­ren Prei­sen.

Dass es auch gün­sti­ge­re Andro­id­ge­rä­te als die jewei­li­gen „Flagg­schif­fe“ Sam­sungs gab und gibt, ist ein Umstand, der auf die Qua­li­tät und Update­po­li­tik die­ser Gerä­te kei­ne Rück­sicht nimmt – um die ist es oft nicht gut bestellt. Nicht, dass Sam­sung es noch bes­ser mach­te! In einem viel beach­te­ten Test der im März 2019 aktu­el­len „Flagg­schif­fe“ (das Wort erin­nert mich regel­mä­ßig an Pira­te­rie) von Apple und Sam­sung kam als Fazit her­aus, dass das Sam­sung­ge­rät unter Umstän­den zwar etwas schnel­ler als das iPho­ne arbei­tet, jedoch Apps wäh­rend der Benut­zung des Öfte­ren abge­stürzt sind. Ich ver­mu­te, das hat die gewon­ne­nen Sekun­den mehr als nur aus­ge­gli­chen.

Ich stell­te vor eini­gen Mona­ten die Ver­mu­tung auf, dass Sam­sung mit sei­nen zwei­fels­oh­ne gut gemach­ten Mobil­ge­rä­ten viel­leicht lie­ber Soft­ware ande­rer Her­stel­ler aus­lie­fern soll­te, denn Sam­sungs Andro­id­soft­ware zeich­net sich – von sei­ner iTu­nes-Alter­na­ti­ve KIES bis hin zu sei­nen Bedien­ober­flä­chen Touch­Wiz, Expe­ri­ence und inzwi­schen One UI – vor allem dadurch aus, dass man sie nach der ersten Benut­zung lie­ber künf­tig weg­lässt. Über die wei­te­ren Pro­ble­me Andro­ids muss man ange­sichts der Gerä­te selbst schon fast gar nicht mehr reden: Nicht nur sind die ver­füg­ba­ren Apps, kosten­los oder nicht, oft von wenig erbau­li­cher Qua­li­tät, man muss außer­dem eini­gen Auf­wand trei­ben, wenn man nicht das vir­tu­el­le Pen­dant zu einer gro­ßen Wer­be­ta­fel bei sich tra­gen möch­te, wäh­rend man sein Gerät benutzt. Ist es wirk­lich zu ver­nach­läs­si­gen, einen nen­nens­wer­ten Teil sei­nes Lebens unter den wach­sa­men Augen des Markt­füh­rers in blö­der Rekla­me (wenn nicht gar: Schad­soft­ware) zu füh­ren?

Ange­sichts des letz­ten anste­hen­den Neu­kaufs eines Smart­phones – wie üblich hat auch mein letz­tes Andro­id­ge­rät beschlos­sen, dass Lade­ge­rä­te ihm ins­ge­samt zuwi­der sind – habe ich also noch ein­mal dar­über nach­ge­dacht, was ich eigent­lich nach neun Jah­ren mit Android eigent­lich – von gele­gent­li­chen Tele­fo­na­ten abge­se­hen – mit dem Gerät anstel­le und was nicht. Zu mei­nem eige­nen Erstau­nen sind mir neben sei­ner Kosten­los­kul­tur und der von mir noch nie genutz­ten, anschei­nend aber von iOS über­nom­me­nen Mög­lich­keit, in den Code des System­kerns rein­zu­gucken, noch ein paar ande­re Din­ge völ­lig egal:

  • App­ent­wick­lung betrei­be ich pri­vat über­haupt nicht mehr – ich habe gar kei­ne Zeit dafür und gar kei­ne Lust mehr, dar­an etwas zu ändern.
  • Die Anpass­bar­keit man­cher Ver­sio­nen von Android reizt mich nicht mehr. Der von mir instal­lier­te Micro­soft Laun­cher „kann“ zwar man­ches, aber fast nichts davon habe ich jemals wirk­lich gebraucht; und für Sym­bol­pa­ke­te und Klin­gel­tö­ne bin ich, fürch­te ich, inzwi­schen ein­fach zu alt.
  • Das Zusam­men­spiel zwi­schen Mobil­ge­rät und rich­ti­gem Com­pu­ter erle­di­ge ich seit jeher über Drop­box, One­Dri­ve und/oder mei­ne eige­nen Ser­ver. Ich mei­de die ver­meint­li­chen Annehm­lich­kei­ten, die man ver­spro­chen bekommt, wenn auf mög­lichst vie­len essen­zi­el­len Kom­po­nen­ten die­sel­be Mar­ke klebt, nach Mög­lich­keit.
  • Eben­so besit­ze ich kei­ne gad­gets von Sam­sung, Goog­le oder der­glei­chen, die mich in ein „Öko­sy­stem“ ein­schlie­ßen wür­den: „Smar­te“ Heim­au­to­ma­ti­sie­rung und ‑digi­ta­li­sie­rung inter­es­siert mich nicht mal theo­re­tisch, die Neben­wir­kun­gen recht­fer­ti­gen die Auf­wands­er­spar­nis längst noch nicht.

Das macht mich eigent­lich zu einem dank­ba­ren Kun­den für jeden Smart­phone­her­stel­ler, denn mei­ne acti­vi­ties, die ich immer­hin zumeist im Sit­zen aus­füh­ren kann, sind fast egal: Ich höre Musik, küm­me­re mich um mei­ne voll lau­fen­den Mail­post­fä­cher, „sur­fe“ im Web, in Gopher und im Use­net, unter­hal­te mich gele­gent­lich, fer­ti­ge Noti­zen an, pla­ne Ter­mi­ne, lese die Nach­rich­ten, war­te mei­ne Ser­ver, navi­gie­re über meh­re­re Ver­kehrs­mit­tel und kann schlecht leug­nen, dass dann und wann auch mal ein Tweet abge­setzt wird.

Fol­ge­rich­tig habe ich nach Abwä­gung aller genann­ten Punk­te die, wie ich hof­fe, ein­zig ver­nünf­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen: Auf mei­nem Neu­erwerb klebt ein ange­knab­ber­ter Apfel; wohl um die qua­si jähr­li­chen Rufe wis­send, das Unter­neh­men sei so gut wie am Ende, erscheint es mir zur­zeit als das klein­ste Übel.

So tief muss­te Android ja auch erst mal sin­ken.

Senfecke:

  1. Ohne in die übli­che Jam­mer­li­ta­nei zu ver­fal­len habe ich fest­ge­stellt , daß ich Smart­phones *über­haupt nicht* brau­che (tat­säch­lich!). Die ein­zi­ge Moti­va­ti­on wäre die sozia­le Drang­sa­lie­rung dazu, mein (Beto­nung auf) ehe­ma­li­ger Arbeit­ge­ber konn­te es nicht ver­win­den, mich nicht Sonn­tags über Whats­app zu errei­chen.
    Aber ich betrach­te mein Dasein „ohne“ auch als inter­es­san­tes Expe­ri­ment…

    • Ich bezweif­le, dass es rech­tens ist, jeman­den zu Whats­App zu ver­don­nern.

      Ich bräuch­te auch kei­nes. Aber es ist so ange­nehm…

  2. Unsinn­fo­nisch!
    Gefällt mir seher…
    Sitzt,passt,waggelt und hat Luft!
    Kann man mit arbei­ten…
    Bin ganz grü­hen vor Nei­den!

  3. Klingt bei­na­he so, als wür­dest du Sam­sung mit Android ver­wech­seln. Puri­sten grei­fen eher zu Pixel oder One­Plus.
    Wie auch immer, viel Spaß am neu­en Gerät!

    • Von Sam­sung bin ich seit dem Gala­xy S5 weg, ab da ging es zu steil berg­ab. Mein letz­tes Android-Gerät war bis gestern ein One­Plus 5T. Lei­der hat es sich dazu ent­schie­den, nicht mehr so recht funk­tio­nie­ren zu wol­len, und die aktu­el­len Model­le sind nicht viel mehr als Nach­bau­ten vom iPho­ne, das Loch im Bild­schirm und die feh­len­de Klin­ken­buch­se ein­ge­schlos­sen. Scha­de, das war die letz­te ver­nünf­ti­ge Alter­na­ti­ve.

      (Das One­Plus 7 hat­te ich im Auge. Lei­der wird es zu spät erschei­nen.)

  4. Seit 3 Jah­ren nut­ze ich nen Moto­ro­la Moto g4. Wer­de wohl dem­nächst, weil es wegen exzes­si­vem Gebrauch phy­sisch auf­ge­ben dürf­te, auf das dann neue­ste oder zweit­neue­ste Moto wech­seln. Kostet max. 250€ inkl. zusätz­li­cher 64GB SD-Kar­te. Der 3–4fache Preis ist mir ein IPho­ne lei­stungs­tech­nisch nicht wert.

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