Zwei Jahre danach ist wenigstens auf Weihnachtsmärkten wieder die Normalität eingekehrt:
Beton-Absperrungen sowie miteinander verschraubte Metallgitter-Körbe gefüllt mit Sand stehen ringsum dem Markt, in den am 19. Dezember 2016 der vom Verfassungsschutz beobachtete Islamist Anis Amri mit einem gestohlenen 40-Tonner gezielt hineinraste.
Um die Stimmung soll ja auch niemand gebracht werden. Auf „WELT ONLINE“ (möchte wg. LSRs nicht verlinkt werden) spricht daher ein Herr zu einem Bild von mit Sternen beklebten Mauern:
Nun muss trotz aller Zäune, Poller und Polizisten aber auch noch weihnachtliche Stimmung aufkommen; so manche der Absperrungen sind deshalb zumindest schon ein wenig aufgehübscht worden.
Es ist Montag. Nur noch vierhundertzweiunddreißig Ochnös bis Neujahr, man hat sich ja einen gewissen Fatalismus angewöhnt. Wenn schon die Sonntage nichts mehr hergeben, dann sollte man wenigstens den Montag noch angemessen abhalten.
Nicht abgehalten wurde vor einiger Zeit ein dummer US-Amerikaner, der festgestellt hatte, dass die Einwohner von North Sentinel Island, einer zu Indien gehörenden Insel, immer noch nicht die good news (in den USA ist das mit den Neuigkeiten ja immer so eine Sache) vom Christentum gehört haben, und darum unbedingt da hinfahren und die Einwohner bekehren wollte. Die Einwohner wiederum haben das gemacht, was jeder vernünftige Mensch machen würde, wenn man ihm ungebeten das Leben mit Geistlichkeit versalzen möchte, nämlich den „Abenteurer“ (CNN) seinem Gott zukommen lassen. Wenn das alle Völker so machen würden, wäre die Welt eine so viel angenehmere. Demnächst ist wieder „Weihnachten“, da könnte man das ja ergebnisoffen ausprobieren. – Manchmal ist „keine Experimente“ allerdings die bessere Idee: „Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema.“ Dieses Internet wird sich wohl nie so recht durchsetzen.
Mit dem Web geht es auch immer weiter bergab: Firefox 64, heißt es, werde mit einer eingebauten Prozessverwaltung ausgeliefert, mithilfe derer man noch einfacher sehen könnte, warum das Ding so elend langsam reagiert. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo voranschreitet, werden wir noch 2019 einen kleinen, schnellen Webbrowser erleben, der als Prozess in Firefox gestartet werden kann. Ein eigenes Bewusstsein erlangt Firefox dann ungefähr 2029, den Rest könnte man später sicher sehenswert verfilmen.
Käffchen?
ART AGAINST AGONY – Coffee For The Queen (official video)| www.pitcam.tv
YouTube-Nutzer: „Wir finden es nicht gut, dass uns dauernd eine Werbung die Videos unterbricht.“ YouTube: „Na gut, hier habt ihr zwei Werbungen.“
Im Sommer 1967 gründete der schwedische Musikstudent Bo Anders Persson, angeblich beeindruckt von einem Besuch von Terry Riley, die generationstypisch psychedelische Musikgruppe Pärson Sound, die sich mehrfach umbenannte und schließlich jahrzehntelang Träd, Gräs och Stenar („Baum, Gras und Steine“) hieß. 2009 veröffentlichte diese Gruppe ihr letztes reguläres Album „Hemlösa katter“, von der Gründungsbesetzung waren außer Bo Anders Persson (Gesang, Gitarre) noch Torbjörn Abelli (Bass) und Thomas Mera Gartz (Schlagzeug) dabei, die 2010 (Abelli) beziehungsweise 2012 (Gartz) starben, während der Bandgründer sich nach diesem letzten Album endlich zur Ruhe setzte. Übrig gebliebene Aufnahmen von 2006 bis 2012 wurden 2017 als „Tack för kaffet / So long“ veröffentlicht.
Die überlebenden Musiker, allesamt erst nach dem Debütalbum von Träd, Gräs och Stenar zur Band gestoßen, beschlossen, dass Musik ihnen trotzdem immer noch Spaß macht, und gründeten die wenig überraschend benannte Nachfolgegruppe Träden („Bäume“), deren Debütalbum (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL), langweilig nach dem Bandnamen betitelt, nun vorliegt.
Nun soll niemand annehmen, dass sich seit 1967 in der Musik der wechselnden Herren nichts verändert habe, konsequent beginnt das Album, das ich fortan „Träden“ nennen möchte, daher mit „När lingonen mognar“. Dieses Stück, seinerzeit deutlich kürzer, spielte die Band, die damals gerade Harvester hieß, bereits auf ihrem 1970 veröffentlichten Album „Hemåt“ und es war wohl am ehesten dem heute von jedenfalls mir als staubig wahrgenommenen Folk zuzuordnen. Wie viel frischer doch die Version von 2018 klingt!
När lingonen mognar (Lingonberries Forever)
Den elektrischen Instrumenten sei’s gedankt, dass diese Weiterentwicklung möglich war: Statt öder Hippiemusik dringt psychedelische Rockmusik, gar Postrock aus dem Kopfhörer, es wird in die Breite gegangen und gitarrt, gern auch dreckig verzerrt. Die Hälfte der Stücke auf „Träden“, mit Ausnahme der Eröffnung anscheinend neu, ist über neun Minuten lang. Fein.
Gitarrist und Sänger Jakob Sjöholm, seit 1970 gelegentlich und seit 1995 festes Bandmitglied, leistet gute Arbeit, fehlt aber in Stücken wie dem effektgeladenen „OTO“ auch nicht unbedingt. Träden kriegen beides hin und das ist mindestens bemerkenswert.
In der „New York Times“ wurde im Februar 2018 eine Kolumne veröffentlicht, der zufolge sich eines Mannes Musikgeschmack im Alter von 14 Jahren für endgültig erklärt. Es ist insofern denkbar, dass ich eines fernen Tages – vor meinem Ableben – noch einmal erklären soll, warum ich damals außer meinen ersten zaghaften Gehversuchen mit den Ärzten, den Toten Hosen, den Fantastischen Vieren und ein paar Punk- und Neopunkbands zweifelhafter Qualität vor allem Funktionsmusik für die für mich geeignete hielt; unter meinen ersten gekauften CDs (das kennen die Jüngeren ja gar nicht mehr, „CDs“ und „kaufen“) befanden sich mehrere von Künstlern, die sich DJ nannten oder wenigstens einen solchen zur Aufführung ihrer Werke benötigten.
Dass ich vieles, was ich heute für unverzichtbare Musik halte, mit 14 Jahren als störendes Relikt aus Nachkriegszeiten wahrgenommen habe, ist mir heute nicht einmal peinlich, sondern vielmehr ein Zeichen für den Willen zur Selbstverbesserung. Ich weiß nicht, ob ich dereinst, wenn mein schon jetzt gelegentlich Dummheiten ausheckender Verstand sich aufs Altenteil zurückgezogen haben wird, plötzlich wieder großes Interesse an der aus wenigstens qualitativer Sicht einigermaßen schlimmen Musik aus den Neunzigern haben werde, wahrscheinlich wird mich aber auch das dann nicht mehr besonders stören. Allein: Ist es nicht wundervoll, dass es so viel zu entdecken gibt? Und sollten nicht diejenigen, die gelegentlich feststellen, dass mein Musikgeschmack nicht der ihre ist, sich vielmehr darüber freuen, dass ich nur anstrengende Rock- anstelle blöder Stampfmusik für fantastisch halte?
Der Autor der „New York Times“, Seth Stephens-Davidowitz, ungefähr in meinem Alter, schließt seinen Text mit der nahe liegenden Frage: Wenn die Zahlen stimmen – warum hat er sich nur so abnormal entwickelt? Eigentlich ist das ein prima Ziel für jeden, dem der große Plan noch fehlt: Die Vierzehn überwinden und sich abnormal entwickeln. Man bekommt so ein angenehmes Lebensgefühl dadurch.
Die Deutsche Telekom, diese Deutsche Bahn unter den Telekommunikationsunternehmen, dieser Schrecken der Aktionäre, diese Post ohne Rechtsanspruch, versucht auf dem freien Markt der Mobilfunknetze ihr eigenes Angebot seit langer Zeit mittels vermeintlicher Vorzüge von der Konkurrenz abzuheben. Seit einiger Zeit ist auch in Deutschland alles inklu, nur die Netzneutralität nicht: YouTube, Spotify und noch mancher Schwachsinn fließt bei Telekomkunden nicht in den verbrauchten „Traffic“ ein. Wenn man ständig sein Volumen sprengt, weil man zu geizig für Schallplatten ist, dann ist man bei der Telekom möglicherweise genau richtig. Dass das bestimmte Dienste bevorzugt, nämlich die „Partner“ der Telekom, hat bisher nur wenige gestört.
Darunter auch die Richter vom Verwaltungsgericht Köln, die nicht nur irgendwas zum Thema EU-Ausland festgestellt haben, sondern auch, dass Netzneutralität anders aussieht:
Außerdem hat die Telekom in einigen Tarifen die Übertragungsrate für Streamingdienste auf maximal 1,7 Mbit/s gedrosselt, zu wenig für Videos in HD-Qualität. Das verstoße gegen den Gleichbehandlungsvorgabe für den gesamten Datenverkehr.
Jetzt könnte man annehmen, dass die Telekom das Problem einfach lösen könnte, indem sie diese Drosselung einfach sein lässt, wohl wissend, dass dann erst mal mehr Infrastruktur hermüsse; oder man macht es wie die Telekom und denkt lieber über die Einstellung der Vorteile als über nachhaltige Investitionen nach:
Im Interesse unserer Kunden werden wir weiterhin alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit StreamOn weiterhin angeboten werden kann.
(Schreckliche Übersetzung von mir.)
Die Bundesrepublik Deutschland besitzt 14,5 Prozent der Unternehmensanteile an der Deutschen Telekom AG. Nur, falls noch jemand Fragen dazu hatte.
Es sprach die – vermutlich aus Angst, dass das Internet sonst keinen Platz mehr hat – von Qualitätsmedien grundsätzlich als „AKK“ abgekürzte Hoffnungsträgerin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, voller Tatendrang:
Ergebnis der Zuhör-Tour: Allgemeine Dienstpflicht. Brauchen einen Dienst der deutlich macht, dass Staatsbürger nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben.
Es ist Montag. Naturgemäß dauert alles ein bisschen länger, aber die Arbeit macht ja auch keinen Urlaub; nicht einmal dann, wenn man ein Pandabär ist – Bambusessen und Schlaf sind eine Ganztagsaufgabe. Falls noch jemand nicht wusste, was er einmal werden möchte.
Andere werden Expertasteriskin und sagen dann unter anderem, dass der „Genderstern“ vorerst kein Teil des Dudens wird, denn man solle bis auf Weiteres „zunächst den Sprachgebrauch weiter (…) beobachten“, was mich hoffen lässt, dass die Dudenverantwortlichen niemals spätabends oder bei Schulschluss mit dem Bus fahren, denn sonst wird der Duden demnächst noch grauenvoller als bislang („Känguru“, „Portmonee“).
Wer keine Probleme (außer einer lächerlich klingenden Sprache) hat, der macht sich welche: „In mehreren Städten protestierten Dutzende Menschen bei Umzügen gegen den „Zwarte Piet“ („Schwarzer Peter“). Die Helfer des Nikolaus seien ein rassistisches Symbol.“ Gegen die Verkleidung als alter weißer Mann („Nikolaus“) hat aber niemand was einzuwenden, oldwhitemalefacing ist allenfalls ein gelungener Witz. Ich werde schon ganz grün im Gesicht.
Neues von Apple, der Firma mit dem unfreiwillig komischenAssistenten Siri: Nachdem unter Häme seitens applenaher Blogger immer mal wieder Samsung-Geräteexplodierten, hat man dem Gesetz von Angebot und Nachfrage – Samsung ist immerhin Marktführer in Smartdingsbums – endlich nachgegeben und selbst ein Explosionsupdate für iOS 12 freigegeben.
Da das nicht Teil der Liste an Standardfunktionen eines iPhones ist, könnte diese Neuigkeit die Kunden dennoch überraschend treffen. Bedeutet das, dass man künftig häufiger damit rechnen muss? Nein:
Das ist eindeutig kein erwartetes Verhalten.
Apple-Support auf Twitter
Bereits zum zweiten Mal – zuvor im März 2017 – trifft sich die Piratenpartei Deutschland am kommenden Wochenende in der Heinrich-Heine-Gesamtschule („Heinrich Heine Gesamtschule“, war wohl ein Budgetname) in Düsseldorf, um über Ferkelpenisse, Lizenzen und Ackerbau zu diskutieren. Dass unter den eingereichten Anträgen einige sind, denen ein liberal denkender Mensch unmöglich guten Gewissens zustimmen kann, etwa die Forderung nach einer supranationalistischen EU, steht, wie von dieser Partei gewohnt, außer Frage. Zuvor muss jedoch ein völlig neuer Bundesvorstand gewählt werden, da der bisherige heillos zerstritten ist. Das geht so weit, dass erst vor wenigen Wochen das Bundesschiedsgericht und, wie man andernorts lesen konnte, ein ordentliches Berliner Gericht den amtierenden Bundesvorstand dazu zwingen mussten, der gewählten politischen Geschäftsführerin die weitere Erfüllung ihrer Aufgaben zu ermöglichen, was eines seiner Mitglieder zu der Äußerung (lokale Kopie) veranlasste, man werde mal sehen, ob man Lust darauf habe, sich an Satzung und Parteiengesetz zu halten. Inmitten dieses Brimboriums nahm der stellvertretende Bundesvorsitzende, ein „Zahlen- und Zukunftsexperte“, seinen Hut – nur um in der aktuellen Kandidatenliste, als wäre nichts gewesen, als möglicher neuer Bundesvorsitzender wieder aufzutauchen. Auch das Generalsekretariat wird vermutlich mangels Kandidaten nicht völlig anders besetzt werden, woraus man folgern könnte, dass die Achtung vor demokratischen Grundregeln beim Aufstieg in der Piratenpartei eher hinderlich ist.
Worüber ich mich aber eigentlich auslassen wollte, ist, dass dieselbe Partei, deren Lieblingsthemen gerade Geldgeschenke für Faulpelze ein bedingungsloses Grundeinkommen, Alten- und Krankenpflege, Poposex, AfD-Wähler-Beleidigen und die Freigabe von Stinkdrogen zu sein scheinen, wenn ich mir diesen Querschnitt durch das Material typischer „Infostände“ erlauben darf, sich zurzeit in den sozialen Netzwerken selbst dafür feiert, dass die tschechische Piratenpartei ähnlich erfolgreich ist wie vor noch nicht langer Zeit die isländische; in Prag nämlich ist sie zweitstärkste Partei geworden. Warum? Nun, das steht eigentlich im Artikel:
Sie ist eine moderne liberale Partei, die (…) ein hohes Maß an innerparteilicher Demokratie durchsetzt. Ihre politischen Schwerpunkte sind politische Transparenz, persönliche Verantwortung der Politiker, e‑Government, Unterstützung der klein- und mittelständischen Unternehmen. (…) Einen wichtigen Punkt stellen die Finanzierung der regionalen Entwicklung, sowie die Teilnahme der Öffentlichkeit am demokratischen Entscheidungsprozess dar.
„Der Wähler“, heißt es in der deutschen Piratenpartei mit erschreckender Mehrheit, habe gar kein Interesse an einer liberalen Partei, die bloß die blöden Ideen von 2006 bis 2009 vertritt. Die Piratenpartei müsse linker werden, teilhabender, gegenrechtser. Niemand wähle mehr eine Partei, die so rückständig auf wenige gemeinsame Ideale setzt.
Lernen durch Schmerz, dann aber das Lernen weglassen.
Suizid wegen „Momo-Challenge“ bei WhatsApp: Ein 14-Jähriger hat sich in Frankreich im Zuge des Spiels erhängt. (…) Seit Monaten geistert das Phänomen der „Momo-Challenge“ durch die Medien. (…) Demnach werden Telefonbenutzer über WhatsApp aufgefordert, einen Benutzer namens „Momo“ zu kontaktieren. Wenn sie dies machen, sollen sie verstörende und grausige Bilder von „Momo“ erhalten. Mit Drohungen sollen sie aufgefordert werden, eine Reihe gefährlicher Aufgaben auszuführen. Bei der letzten dieser Aufgaben soll es sich um den Selbstmord des Spielers bzw. der Spielerin handeln.
Einige Eltern möchten jetzt Facebook dafür haftbar machen, dass ihre Kinder ein bisschen dumm waren:
Der Vater des verstorbenen Jungen hat auch eine Klage gegen Youtube, Whatsapp und gegen den französischen Staat eingereicht. Er meint: Die sozialen Netzwerke und der Staat schützen Jugendliche nicht gut genug.
Es ist Montag. Horst Seehofer möchte, wie verschiedene Medien berichten, 2019 von seinen verbleibenden Ämtern zurücktreten. Der Jubel hierüber übersieht, wie so oft, dass seine möglichen Nachfolger keineswegs aus dem gemäßigt konservativen Flügel stammen. Es gibt keine friedlichen Innenminister; klar, denn sonst hießen sie ja Innenpandabären.
Überraschend hat sich herausgestellt, dass Verlage lügen. Vielleicht sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass ein gewaltfreier Staat auch keine vierte mehr braucht. Andererseits hat sich das mit dem Journalismus mittlerweile ohnehin anders ergeben: Bei der „ZEIT“ widmet man dem Umstand, dass über die Kleidung Angela Merkels nur noch wenig geredet wird, einen unnötig langen „Magazin“-Artikel. Von einem „Role-Model“, einem rolligen Modell also, ist die Rede. Was die sich traut! Im „SPIEGEL“ steht (online) derweil, dass von der Idee einer gesamteuropäischen Armee zwar keineswegs der US-amerikanische, wohl aber der russische Präsident begeistert ist. Sind diejenigen, die dennoch diesem Plan nachgehen, jetzt eigentlich Putinversteher?
Apropos „ZEIT“: Dort weiß man, was wirklich wichtig ist; dass nämlich der nächste CDU-Vorsitzende der christlichste sein möge. Säkularismus? Ha, Ketzerei! Liberale Zeitungen habe ich mir immer ein bisschen anders vorgestellt. Im „Wall Street Journal“ wird mittlerweile auch nicht mehr besonders weit gedacht: Dort darf spekuliert werden, dass Hillary Clinton sich 2020 als liberale (das ist US-Englisch und heißt so viel wie „grüne“) Fackel im Sturm beweisen könne. Tja, noch eine Amtszeit für Donald Trump.
Paul McCartney hat in einem seiner neueren Interviews gesagt, er möge Lärm. Er mag also vermutlich nicht nur Berichte wie diesen, sondern auch manche Musik, zum Beispiel die von TesseracT.
TESSERACT – Of Matter (Live at Sphere Studios)
Einen weiteren Beleg für meine Vermutung, die Existenz „linker“ Parteien sei frei erfunden, erbrachte dieser Tage Katharina Schulze von den bayrischen Grünen, die schrieb, man möge doch das Wahlrecht ändern, denn die bestehende Gleichbehandlung aller Kandidaten bevorzuge kein Geschlecht und das sei unfair gegenüber Frauen. Wie nämlich jeder weiß, würde niemand freiwillig eine Frau wählen, es sei denn, er wird dazu gezwungen. Ansonsten wäre diese Idee doch reichlich bedenklich.
Mir hingegen scheint dieses Pochen auf eine Eigenschaft, die man sich nicht ausgesucht hat (etwa Sexualität, Herkunft, Geschlecht), keineswegs geeignet, um ein besseres Miteinander zu erzielen, sondern, um weiter zu spalten. Es lässt sich nur noch schwer leugnen, dass in weiten Teilen der Grünen ein Identitarismus (der schlechte, spaltende, nicht der gute, verteidigende) herrscht, der nicht mehr zu bändigen ist, weil das schlicht nicht gewünscht ist. Warum man ein Gesellschaftsbild, in dem Menschen nach ihren angeborenen Eigenschaften und nicht nach ihren Fähigkeiten sortiert werden, links und progressiv und nicht etwa rechts und regressiv nennt, weiß ich nicht, ist aber so:
Die deutschen Grünen haben die Europaabgeordneten Ska Keller und Sven Giegold zu ihren Spitzenkandidaten für die EU-Wahl im kommenden Mai gewählt. (…) „Wir stellen uns gegen den Rechtsruck, wir schützen unsere Grundrechte.“
Progressiver Identitarismus muss ein Grundrecht bleiben. Wir hatten ja nichts.