ComputerIn den Nachrichten
Nach­trag zum #34c3: Fünf­zehn­tau­send Sail­or Moons ver­sto­ßen gegen die Hacker­ethik.

Die­ser Arti­kel ist Teil 6 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Auf Twit­ter wur­de ich nach mei­nem Ablä­stern über den der­zeit voll abge­hen­den „Con­gress“, von dem Außen­ste­hen­de vor allem mit­be­kom­men, dass Teil­neh­mer vie­le Bil­der von bun­ten Lich­tern auf Twit­ter hoch­la­den, als wäre mei­ne Ver­mu­tung, die mei­sten Besu­cher kämen nur dort­hin, um sich bun­te Lich­ter anzu­gucken, weil ihr Ver­ständ­nis von Tech­nik bei sol­chen bun­ten Lich­tern bereits endet, gar nicht all­zu abwe­gig gewe­sen, ver­schie­den­fach ankla­gend gefragt, wie­so ich „Ben­gel“ (ebd.) mir denn die Behaup­tung erlau­be, dass die Anwe­sen­den gar kei­ne Hacker sei­en, und ich „Opa“ sol­le doch bit­te „das Maul hal­ten“ (eben­falls ebd.), als sei­en die Linux­kas­per mit den Mac­Books heut­zu­ta­ge die neu­en Hacker und die alten Hacker sei­en kei­ne mehr.

Zur Defi­ni­ti­on von „Hacken“ soll­te ich, wur­de mir ent­ge­gen­ge­schleu­dert, doch bit­te mal im Duden nach­gucken, aber das war nicht sehr ergie­big, wes­halb ich mich im wei­te­ren Ver­lauf wie­der auf die Folk­lo­re stütz­te. Was einen Hacker zufol­ge die­ser Folk­lo­re vor allem aus­macht, ist neben dem krea­ti­ven Umgang mit Tech­nik – Sozi­al­ar­bei­ter, ich wie­der­ho­le mich, sind eben kei­ne Hacker – auch und gera­de das Befol­gen der Hacker­ethik, in der laut offi­zi­el­ler Ver­laut­ba­rung des Cha­os Com­pu­ter Clubs unter ande­rem dies steht:

Beur­tei­le einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach übli­chen Kri­te­ri­en wie Aus­se­hen, Alter, Her­kunft, Spe­zi­es, Geschlecht oder gesell­schaft­li­che Stel­lung.

Dies ist, wie regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Aus­füh­run­gen zum „Con­gress“ genervt erken­nen soll­ten, eine ver­qua­ste Aus­drucks­wei­se für Meri­to­kra­tie: Kann­ste was, dann biste was, alle wei­te­ren Eigen­schaf­ten dei­ner Per­son sind dei­ne Pri­vat­an­ge­le­gen­heit. So weit, so pri­ma. Nun hat sich gestern ein groß­ar­ti­ger Troll auf Twit­ter dahin­ge­hend geäu­ßert, dass mit ihm „die Iden­ti­tä­ren“, die lamb­da­tra­gen­den Buh­män­ner irra­tio­na­ler „Lin­ker“, auf dem „Con­gress“ zuge­gen sei­en. Hei, da war die Stim­mung am Sie­den: Die Genos­sen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis weg­klat­schen. „Hacker“, kom­mu­ni­zier­te man mir gegen­über, hät­ten sich ja schon immer gegen Mör­der und Pack gestellt, was geschicht­lich natür­lich frag­wür­dig, im gege­be­nen Kon­text aller­dings auch eine Ant­wort auf eine über­haupt nicht gestell­te Fra­ge ist, denn der gei­sti­ge Sprung von „sym­pa­thi­siert mit Iden­ti­tä­ren“ zu „bringt Leu­te um“ ist doch schon einer, für den man ein ziem­lich schie­fes Welt­bild haben muss. Hacker hat­ten schon immer ein schie­fes Welt­bild.

Ich habe kei­ne Ahnung, was die­je­ni­gen, die nun gau­lan­des­que zum Weg­klat­schen von jeman­dem auf­ru­fen, des­sen ein­zi­ges Ver­ge­hen es sein soll, ihre poli­ti­schen Wer­te nicht zu tei­len, nun zu sein glau­ben – mit der Hacker­ethik jeden­falls kol­li­die­ren sie in einem wich­ti­gen Punkt: Wer­te tut man nicht, Wer­te hat man. Ein ver­nünf­ti­ger „Con­gress“ wür­de Ver­stö­ße gegen die Hacker­ethik mit einem Haus­ver­bot ahn­den, aber einen ver­nünf­ti­gen „Con­gress“ sucht man ver­ge­bens.

Was zu bewei­sen war.


Nach­trag vom 30. Dezem­ber 2017: War­um sind „Hacker“ auf einem „Con­gress“ eigent­lich immer so sehr von bun­ten Lich­tern begei­stert? Na, wegen der Kopf­schmer­zen natür­lich.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2017 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 19 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ein selt­sa­mes Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in sei­ner zwei­ten Jah­res­hälf­te noch schnell ein paar ein­fluss­rei­che Musi­ker, dar­un­ter die Hälf­te von Can (Jaki Lie­be­zeit und Hol­ger Czu­kay), John Aber­crom­bie, Wal­ter Becker und Charles Man­son, den jeweils näch­sten Tag nicht mehr erle­ben las­sen. Zum Glück wach­sen immer wie­der neue Musi­ker nach, die sich auf alte Tugen­den besin­nen. Von eini­gen von ihnen soll heu­te anläss­lich des zwei­ten Teils der besten Musikal­ben 2017 die Rede sein.

Da der erste Teil merk­lich kür­zer als üblich gera­ten war, blieb für den zwei­ten natür­lich eine Men­ge Musik übrig. Vor­zei­tig befasst hat­te ich mich seit Juli bereits mit den aktu­el­len Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflec­tions in Cos­mo, Igorrr, L’Ef­fon­dras und The Nar­co­tic Daf­fo­dils. Den­noch war das Jahr noch pro­duk­tiv genug für eine lan­ge Liste an noch unaus­ge­spro­che­nen Emp­feh­lun­gen.

‘Musik 12/2017 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenMontagsmusik
Cos­mic Trig­gers – Quant Um

Schlaf in himmlischer SchuhuEs ist Mon­tag. Fast wäre er unbe­merkt geblie­ben, aber merk­wür­dig schmecken­der Kaf­fee ist nor­ma­ler­wei­se ein siche­res Zei­chen dafür, dass man lie­ber auf den Kalen­der gucken soll­te, um sich sogleich dar­an zu erin­nern, wie es war, als man noch glück­lich war. Oh, du fröh­li­che. Kein Pan­da­bär unter dem Baum.

Was ist Frosch? Min­de­stens: ein Erken­nungs­zei­chen „der Rech­ten“, denn Pau­scha­li­sie­rung erleich­tert das ange­nehm ent­span­nen­de Unver­ständ­nis. Die Gegen­sei­te stol­zier­te am ver­gan­ge­nen Mitt­woch durch aus­ge­rech­net Deg­gen­dorf und beschwer­te sich dort dar­über, wie man hier in Deutsch­land behan­delt wür­de. Was, Arbeits­lo­se? Nein, es waren natür­lich Flücht­lin­ge. Arbeits­lo­se haben vor lau­ter Sank­tio­nen gar kei­ne Zeit zum Demon­strie­ren und kein Geld zur Anrei­se, aber es heißt natür­lich auch nicht „Arbeits­lo­se wel­co­me“, denn dann wäre der Schritt nicht weit, die rechts­po­pu­li­sti­sche „gro­ße Koali­ti­on“ statt des will­kom­me­nen Prü­gel­kna­ben AfD als Unheil aus­zu­ma­chen, und das wür­de ja bedeu­ten, dass „die Rech­ten“ nicht all­zu falsch lie­gen. Darf nicht sein, weil es nicht sein darf. Der Deut­sche an sich sym­bol­pro­te­stiert eben ger­ne gegen die Wir­kung der Ursa­che.

Selbst die christ­li­chen Kir­chen las­sen ver­lau­ten, sie teil­ten nicht die Welt­an­schau­un­gen der AfD. Ver­ständ­lich: In der AfD sind ver­mut­lich zu vie­le Frau­en in hohen Ämtern. Die Kunst­fi­gur Jan Fleisch­hau­er fragt inzwi­schen in einer aus­nahms­wei­se lesens­wer­ten Kolum­ne auf „SPIEGEL ONLINE“, ob die „Sozi­al­de­mo­kra­ten“ an Angst­neu­ro­sen lit­ten, die sie dazu ver­lei­te­ten, an Regie­rungs­bil­dun­gen in bei­de Rich­tun­gen nur krie­chend teil­zu­neh­men. – Ande­re Stö­run­gen machen reich, nicht arm: Ein Eis­tee­pro­du­zent hat­te plötz­lich den drei­fa­chen Bör­sen­wert, nach­dem er „Block­chain“ als Namens­be­stand­teil adap­tiert hat­te. Lecker Geld­gier.

In eige­ner Sache: Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de habe ich aus Ver­se­hen eine neue Ver­si­on mei­ner furcht­ba­ren Blog­soft­ware einer nichts ahnen­den Welt­öf­fent­lich­keit um die Ohren gehau­en. Maso­chi­sten wird ein Aus­pro­bie­ren emp­foh­len. Freun­de der schö­nen Kün­ste hin­ge­gen soll­ten die Woche statt­des­sen mit Musik begin­nen.

Cos­mic Trig­gers – Quant Um

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Fami­li­en­spaß mit „ZEIT ONLINE“

Ah, die Weih­nachts­fei­er­ta­ge – für vie­le Men­schen tra­di­tio­nell ein Ärger­nis, denn wer nicht über­zeu­gend genug sei­ne Kri­tik an fal­scher Besinn­lich­keit äußert, der sieht sich bald in einen Sitz­kreis aus Ver­wand­ten ver­setzt, mit denen man über irgend­et­was reden soll.

Es fehlt ein geeig­ne­tes Gesprächs­the­ma? „ZEIT ONLINE“ hilft gern aus:

Kei­ne Debat­te war 2017 so grund­sätz­lich wie die über Sexis­mus. Zum Jah­res­ab­schluss zehn Posi­tio­nen aus der ZEIT-ONLINE-Redak­ti­on als Gesprächs­grund­la­ge für Fami­li­en­fei­ern

Fro­hes Fest.

In den NachrichtenNerdkrams
UEFIs Rache

Stimmt schon, ist viel bes­ser als Win­dows:

Unter bestimm­ten Umstän­den zer­stört die Desk­top-Aus­ga­be des aktu­el­len Ubun­tu 17.10 das Bios vor allem (aber nicht nur) von Leno­vo-Rech­nern. (…) Auf den genann­ten Rech­nern zer­stört Ubun­tu 17.10 Desk­top die Firm­ware der­art, dass sich des­sen Ein­stel­lun­gen nicht mehr spei­chern las­sen.

Dass Tim Schür­mann ein BIOS („Bios“) nicht von einem EFI unter­schei­den kann: Geschenkt, ist halt „Golem.de“. Nun ist aller­dings einer der gro­ßen Vor­tei­le eines BIOS („Bios“) gegen­über einem EFI, dass es nicht ein­fach pro­gram­mier­bar und erwei­ter­bar ist. Ich ver­ste­he schon: Heu­ti­ge Com­pu­ter­nut­zer wol­len ihre Start­pa­ra­me­ter mit der Maus zusam­men­klicken kön­nen, mit einem BIOS geht das halt nicht so gut.

Muss wirk­lich jeder einen Com­pu­ter benut­zen dür­fen?

Netzfundstücke
Die iro­ni­sche Aus­beu­tung von Kin­dern durch Star­bucks­lin­ke

Es hat die „lin­ke“ Blog­ge­ria wie­der ein­mal einen Anlass gefun­den, sich über Sze­ne­frem­de lustig zu machen:

Ein Poli­zist, der als Zeu­ge aus­sag­te, erin­ner­te sich an die lin­ken Pro­te­stie­ren­den bei der Neo­na­zi-Kund­ge­bung: „Und dann rie­fen die ihren Schlacht­ruf!“ (…) Und der Poli­zist so: „Ich kann kein Spa­nisch, ‚Bari­sta, Bari­sta anti­fa­sci­s­ta‘ oder so.“

(Wort­laut aus dem qua­li­täts­jour­na­li­sti­schen Ori­gi­nal über­nom­men.)

Das ist jetzt, „nach G20“, da Anti­ka­pi­ta­lis­mus wie­der an schlech­tem Ruf gewinnt, natür­lich eine amü­san­te Anek­do­te für all jene Ber­li­ner Trend­lin­ke, die über For­men der Kri­tik an kapi­ta­li­sti­scher Aus­beu­tung am lieb­sten mit ihrem Mac­Book bei einer vega­nen Star­bucks-Him­beer-Lat­te – hehe, „Lat­te“ – sin­nie­ren; dern­ma­ßen amü­sant gar, dass schleu­nigst Shirts bedruckt wur­den, die die bei­den wich­tig­sten Errun­gen­schaf­ten der Zivil­ge­sell­schaft ver­ei­ni­gen; Kapi­ta­lis­mus und Kin­der­ar­beit.

Dass nie­mand zu fra­gen scheint, was auf dem Weg vom Baum­woll­feld zum bedruck­ten und gelie­fer­ten Shirt so alles pas­siert, ist wenig ver­wun­der­lich. Über den feh­len­den Vega­nis­mus der lebens­not­wen­di­gen App­le­pro­duk­te dis­ku­tie­ren Salon­lin­ke ja tra­di­tio­nell auch eher ungern. Ohne Kin­der­ar­beit ist Kaf­fee selbst jedoch undenk­bar: Klei­ne Hän­de pflücken bes­ser.

Schö­nes neu­es Logo haben die „Lin­ken“ da. Da schmeckt der Klas­sen­kampf gleich noch bit­te­rer.

MusikIn den Nachrichten
„Und dar­um zünd ich dein Radio an.“

Das Jahr endet für US-Ame­ri­ka­ner bit­ter:

[Mariah Careys] Weih­nachts-Ever­green „All I Want for Christ­mas Is You“ fei­ert sein Come­back in den Top Ten der USA – 23 Jah­re nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung.

So amü­sant ich es auch fin­de, dass kon­sum­ori­en­tier­te Kauf­häu­ser das gar grau­si­ge Gejam­mer, in dem es text­lich immer­hin dar­um geht, dass man eben kei­ne teu­ren Geschen­ke kau­fen soll, all­jähr­lich für eine geeig­ne­te Beglei­tung des beab­sich­tig­ten Kauf­rauschs hal­ten: Das Schlimm­ste an Weih­nachts­lie­dern sind und blei­ben die Weih­nachts­lie­der.

Und dar­um hack ich (hack ich) dein Radio klein.

:zensur:

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kein Sex ohne Antrag, kei­ne Ehe mit Geneh­mi­gung.

Wel­che kon­kre­ten Fol­gen hat­te eigent­lich die unsäg­li­che „Me-Too“-Kampagne außer ein biss­chen Pres­se­quä­le­rei? Nun, hier­zu­lan­de nicht beson­ders vie­le, der noch amtie­ren­den Bun­des­re­gie­rung liegt anschei­nend noch ihr Ein­satz für das „Team Gina-Lisa“ schwer im Magen; im ehe­mals libe­ra­len Schwe­den jedoch dreht die natür­lich rot-grü­ne Koali­ti­on ein wenig durch:

Dies ist ein histo­ri­scher Geset­zes­vor­schlag, der immer die Zustim­mung bei­der Sexu­al­part­ner ein­for­dert. Er regelt das, was eigent­lich selbst­ver­ständ­lich ist, dass Sex frei­wil­lig sein soll­te. Ist er es nicht, dann ist er straf­bar.

Dass es ziel­füh­rend wäre, wenn der Part­ner frei­wil­lig mit­macht, steht für ver­nünf­ti­ge Men­schen außer Fra­ge, unge­klärt ist aber, wie im Zwei­fel die Beweis­füh­rung ver­lau­fen soll: Müs­sen in schwe­di­schen Dis­co­the­ken künf­tig Nota­re vor den Toi­let­ten bereit­ste­hen oder genügt es, die Anbah­nungs­ge­sprä­che in Bild und Ton auf­zu­zeich­nen? – Aus den Rei­hen der schwe­di­schen „Grü­nen“ wur­de zur Unter­füt­te­rung des Vor­ha­bens aber­mals die Behaup­tung ange­führt, es sei Frau­en – ande­ren Men­schen anschei­nend nicht – mit­un­ter erst Tage spä­ter klar, dass sie trotz anfangs anders­ar­ti­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on eigent­lich gar kei­nen Geschlechts­ver­kehr haben woll­ten. Zu erken­nen, dass das dem Prin­zip, man sol­le sich gefäl­ligst vor­her bezüg­lich mög­li­chen Fickens eini­gen, grund­le­gend wider­spricht, ist eine gei­sti­ge Trans­fer­lei­stung, die zu erbrin­gen von „Grü­nen“ auch in Schwe­den ver­mut­lich zu viel ver­langt wäre.

In der „Ber­li­ner Zei­tung“ schrieb Film­wis­sen­schaft­le­rin (u.a.) Regi­ne Syl­ve­ster im Novem­ber die­ses Jah­res:

Ich fra­ge mich, wel­che sexu­el­len Prak­ti­ken durch eine „aus­ge­klü­gel­te Ver­ein­ba­rung“ ihr Feu­er behal­ten.

Spaß am Sex ist Unter­drückung! :motz:


„Flücht­lin­ge will­kom­men“ des Tages: „Mit den neu­en geflüch­te­ten Men­schen aus ara­bi­schen Län­dern wird die Tra­di­ti­on der Zwangs­ver­hei­ra­tung auch bei uns All­tag wer­den.“

In den Nachrichten
Kurz notiert zu säch­si­schen Pan­zern

In einer Gesell­schaft, deren ein­zig wahr­nehm­ba­re Kri­tik dar­an, dass eine föde­ra­le Poli­zei sich mal eben ein paar neue Pan­zer besorgt, dar­in besteht, dass ihr die Sitz­be­zü­ge nicht gefal­len (obwohl die Kom­bi­na­ti­on aus anti­fa­schi­sti­scher Frak­tur und deut­scher Eiche sehr ange­nehm iro­nisch wirkt), möch­te man ja auch nicht unbe­dingt leben müs­sen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Grumbling Fur (aber­mals) – The Bal­lad of Roy Bat­ty // Spen­den­samm­ler außer Atem

Kalt, ne?Es ist Mon­tag. Vor der Tür hau­sie­ren aber­mals etli­che Spen­den­samm­ler, die ihr eige­nes Wohl­erge­hen für den größ­ten Zweck der aus mensch­lich ratio­na­ler Sicht ekli­gen „Weih­nachts­zeit“ hal­ten, obwohl doch längst jeder weiß, dass, wer das drin­gen­de Bedürf­nis ver­spürt, Geld zu ver­schen­ken, die­ses viel lie­ber in die Ret­tung von Pan­da­bä­ren, Vögeln mit ulki­gem Namen und so Com­pu­ter­krams inve­stie­ren soll­te; obwohl es mir eher merk­wür­dig erscheint, anzu­neh­men, gera­de in einer Zeit des besin­nungs­lo­sen Geschen­ke­kaufs sit­ze das Geld bei Pas­san­ten locke­rer als sonst.

Trotz des Wochen­tags (Mon­tag!) gibt es gute Nach­rich­ten: Die NSA saugt gar nicht grund- und ziel­los Daten ab, heißt es, denn die längst legen­dä­re Spio­nie­rerei habe sowohl Grund als auch Ziel. Dann ist ja alles in bester Ord­nung. Kei­nes­wegs in Ord­nung ist die Gesund­heit von Rad­sport­lern: Anschei­nend ist Asth­ma kei­ne aus­rei­chen­de Beein­träch­ti­gung, um sich von doch recht for­dern­der kör­per­li­cher Betä­ti­gung zurück­zu­zie­hen. Wenn ich Atem­pro­ble­me habe, gehe ich ja auch immer erst zum Aus­dau­er­sport.

Immer mal was Neu­es von Fire­fox: Mit etwas Pech zeigt es Web­sites auch mal absicht­lich falsch an, weil es Rekla­me für die – zuge­ge­be­ner­ma­ßen – recht sehens­wer­te Serie „Mr. Robot“ her­un­ter­lädt, ohne vor­her nach­zu­fra­gen. Es soll ja nie­mand behaup­ten, dass es Mozil­la an Krea­ti­vi­tät man­ge­le. Wer auf dem Lau­fen­den blei­ben will, der fil­tert das Web sowie­so via RSS vor, das erspart Ent­täu­schun­gen.

Apro­pos Ent­täu­schun­gen: Im Fern­se­hen und in Zei­tun­gen wird schon wie­der das Jahr gerück­blickt, als sei ab sofort nichts mehr los. Dabei ist es nicht unwahr­schein­lich, dass noch in die­sem Monat manch gute Musik erscheint oder ein guter Mensch stirbt. Erste­res wäre aller­dings wün­schens­wer­ter. Viel­leicht kommt sie schnel­ler, wenn man sie anlockt? Ver­su­chen wir es doch mal!

Grumbling Fur – The Bal­lad of Roy Bat­ty (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Grumbling Fur – Fur­four

Grumbling Fur - FurfourIrgend­wann im Jahr 2011 taten sich in Lon­don Alex­an­der Tucker und Dani­el O’Sul­li­van, der anson­sten Bands wie Ulver, Gua­po, Moth­li­te und Sunn O))) ange­hört, zusam­men, um gemein­sam etwas auf­zu­neh­men, was sie selbst als „psy­che­de­li­schen Pop“ bezeich­nen, aber eigent­lich gar kein Pop ist. Als Grumbling Fur ver­öf­fent­lich­ten sie bis­her in ver­schie­de­ner Beset­zung vier Stu­dio­al­ben, deren aktu­el­les von 2016 tref­fend „Fur­four“ (Bandcamp.com, Amazon.de) heißt. Als Gast­mu­si­ker haben sie dies­mal Iso­bel Sol­len­ber­ger (Bar­do Pond) und Charles Bul­len (This Heat) gewin­nen kön­nen, um ein wei­te­res Stück hörens­wer­ter Ein­ma­lig­keit zu schaf­fen.

Es scheint, als habe jeder betei­lig­te Musi­ker die Gele­gen­heit genutzt, die Musik sei­ner Stamm­band in das Pro­dukt ein­flie­ßen zu las­sen: Schlep­pen­der Post­rock („Sunea­ters“) und effekt­be­rei­cher­ter Psy­che­de­lic Rock sor­gen für die not­wen­di­ge medi­ta­ti­ve Stim­mung, die sich wie auch die unge­zähl­ten Instru­men­te selbst ange­nehm ver­dich­tet.

Grumbling Fur – Hea­vy Days (Offi­ci­al Music Video)

Eti­ket­tie­rung und Schub­la­di­sie­rung sind hier, wie so oft, fehl am Platz: Beat­les­que Har­mo­nien („Gol­den Simon“), instru­men­ta­ler Shoe­ga­ze („Mol­ten Fami­li­ar“) und Gän­se­haut erzeu­gen­der 80er-New-Wave mit einer per­fek­ten Dosis geziel­ten Vio­li­nen­ein­sat­zes („Silent Plans/Black Egg“) erge­ben ein gro­ßes Gan­zes, das mit jedem Hören noch an Wär­me gewinnt.

Grumbling Fur ★ Acid Ali Khan [HQ]

So lan­ge es drau­ßen kalt ist, heizt „Fur­four“ von innen. Ich bin höchst erfreut und bit­te um Nach­schlag.

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Schmal­hans des Tages: Uffa Jen­sen, TU Ber­lin.

Die­ser Arti­kel ist Teil 15 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

(Vor­be­mer­kung: Oh, ein hei­ßes Eisen. Gleich mal anfas­sen!)

Auf „SPIEGEL ONLINE“ trom­pe­te­te gestern Uffa Jen­sen vom Zen­trum für Anti­se­mi­tis­mus­for­schung an der TU Ber­lin zwecks Inter­views anläss­lich mus­li­mi­scher Beschwer­den über die Ernen­nung Jeru­sa­lems zur israe­li­schen Haupt­stadt unter ande­rem fol­gen­de Anmer­kun­gen über das Anti­se­mi­tis­mus­pro­blem, das hier­zu­lan­de ja eigent­lich kein beson­ders gro­ßes mehr sei, her­aus:

Wir haben in Deutsch­land bereits ein sinn­vol­les Geset­zes­werk, wie etwa das Ver­bot der Holo­caust­leug­nung und ande­re Para­gra­phen, um uns gegen Fein­de der Demo­kra­tie zu schüt­zen.

Dar­über, ob es aus demo­kra­ti­scher Sicht sinn­voll ist und irgend­ei­nen grö­ße­ren Scha­den in der Zukunft ver­hin­dern kann, das Lügen über Poli­t­hi­sto­ri­sches gesetz­lich zu ahn­den, wird vor­aus­sicht­lich noch zu dis­ku­tie­ren sein. Dass der Holo­caust nicht das Gegen­teil, son­dern ein zuläs­si­ges Extrem der Demo­kra­tie (wenn schon nicht der Men­schen­rech­te) war, darf hin­ge­gen nicht über­se­hen wer­den: Ist eine Mas­se von Men­schen erst ein­mal erhitzt genug für mensch­lich unfei­ne Ent­wick­lun­gen, dann wird die Demo­kra­tie ihnen kein Keil, son­dern der Motor sein. Demo­kra­tie funk­tio­niert nur wie ursprüng­lich gewünscht, wenn es der legis­la­ti­ven Mehr­heit nicht an der Bil­dung für klu­ge Ent­schei­dun­gen fehlt. Pla­ce­bo­de­mo­kra­tisch legi­ti­miert ist jeden­falls auch das andau­ern­de zahl­rei­che Ertrin­ken im Mit­tel­meer. Die größ­ten Fein­de einer funk­tio­nie­ren­den Demo­kra­tie sind meist jene, die behaup­ten, ein Par­la­ment aus auf­stre­ben­den Mit­tels­män­nern sei demo­kra­tisch gewünscht.

Dass die plötz­li­che Exi­stenz des Staa­tes Isra­el aus­ge­rech­net auf dem sehr unjü­di­schen Gebiet Palä­sti­nas seit sei­ner Grün­dung im Jahr 1948 die demo­kra­ti­schen Rech­te der damals deut­li­chen mus­li­mi­schen Mehr­heit, die ihr Über­le­ben durch fort­wäh­ren­de Angrif­fe einer von Drit­ten instal­lier­ten Min­der­heit zu Recht gefähr­det sieht (das nennt man dann „Nah­ost­kon­flikt“, als wäre der Zwei­te Welt­krieg auch bloß ein „Euro­pa­kon­flikt“ gewe­sen), ver­letzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natür­lich nicht the­ma­ti­siert. Macht man nicht als deutsch­spra­chi­ges Leit­me­di­um, wäre ja rechts. Ein von der fort­wäh­ren­den Zer­fet­zung sei­nes Nach­wuch­ses durch israe­li­sche Abwehr befrei­tes Palä­sti­na passt nicht zur west­li­chen Dis­kus­si­ons­kul­tur.

Die Kur­ve zur Rela­ti­vie­rung mus­li­mi­scher Isra­el­feind­lich­keit bekommt Uffa Jen­sen aber schnell; dar­auf ange­spro­chen, dass sich in Deutsch­land leben­de Juden vor allem vor die­ser fürch­te­ten, weiß er zu ant­wor­ten:

Zumal die Bedro­hung für Juden in Deutsch­land vor isla­mi­sti­schen Ter­ror­an­grif­fen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutsch­land die über­wie­gen­de Mehr­zahl der anti­se­mi­tisch moti­vier­ten Straf­ta­ten von Rechts­extre­men ver­übt wird.

Der Fach­mann von der TU Ber­lin erkennt hier mes­ser­scharf, dass Isla­mi­sten und Rechts­extre­me zwei voll­kom­men unter­schied­li­che Grup­pen von Men­schen sind; was natür­lich Blöd­sinn ist, denn Extre­mis­mus ist kein von deut­scher Kul­tur beding­tes Phä­no­men, son­dern ein mensch­li­ches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gel­sen­kir­chen.

Man möge, nach­dem das klar­ge­stellt ist, nur nicht zwecks Abgren­zung auf die Idee kom­men, zwi­schen Anti­se­mi­tis­mus und Anti­zio­nis­mus zu unter­schei­den, indem man irgend­wel­che Wör­ter erfin­de, denn das durch­schaut Uffa Jen­sen sofort:

„Isra­el­kri­tik“ als Wort selbst ist ein­ma­lig. Es gibt kei­nen ent­spre­chen­den Begriff für ein ande­res Land. Nie­mand spricht doch zum Bei­spiel von „Spa­ni­en­kri­tik“.

Nun ist Uffa Jen­sen natür­lich nicht immer in der Nähe eines recher­che­taug­li­chen Geräts und kann daher nicht wis­sen, dass sowohl „Deutsch­land­kri­tik“ ein medi­al ver­wen­de­tes Wort ist, das in letz­ter Zeit gern im Zusam­men­hang mit dem unge­lieb­te­sten US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten seit Geor­ge W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kri­tik“ nicht nur exi­stiert, son­dern bei einer gro­ßen deut­schen Such­ma­schi­ne gar als ein ande­res Wort für Anti­ame­ri­ka­nis­mus auf­ge­führt ist – der, um den Kreis zu schlie­ßen, laut ver­schie­de­nen Quel­len angeb­lich oft gemein­sam mit Anti­se­mi­tis­mus auf­tritt, wor­aus unge­üb­te Leser viel­leicht einen Umkehr­schluss zie­hen möch­ten, sofern ihnen denn danach zumu­te ist. Wie israe­li­sche Anti­se­mi­ten in den Plan pas­sen, erläu­tern Uffa Jen­sen und „SPIEGEL ONLINE“ an die­ser Stel­le nicht.

Der „Nah­ost­kon­flikt“ jeden­falls ist ein wirt­schaft­li­ches Pro­blem, kei­nes­falls ein kul­tu­rel­les und auch nur ein gering­fü­gig poli­ti­sches, wenn­gleich er von einer rein poli­ti­schen Ent­schei­dung über­haupt erst aus­ge­löst wur­de. Die Ver­zweif­lung über die­se Kurz­sich­tig­keit spült schließ­lich das Gewäsch von Uffa Jen­sen direkt in den Nach­rich­ten­le­ser; so weit ist es schon. Wor­um es über­haupt geht? Um Soli­da­ri­tät mit häss­li­cher Gesell­schaft hier oder mit tra­di­tio­nell Auf­ge­scheuch­ten dort? Quatsch: Um Reflek­ti­on natür­lich. Ande­ren Län­dern den Frie­den ein­zu­prü­geln (oder ein­zuu­boo­ten) hat noch kei­nen Staat zum Licht­brin­ger gemacht. Der Schul­di­ge ist mei­ner­seits aus­ge­macht: Die Über­kom­pen­sa­ti­on eher nicht so guter gesell­schafts­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen in den 1930ern und 1940ern durch eine inter­na­tio­na­le Wer­te­ge­mein­schaft wird all­mäh­lich teu­er.

Was wür­de Kishon tun?

Netzfundstücke
Twit­ter ist ein Chat. // Künst­li­che Roma­ne. // Aus­ge­lö­ste Emo­tio­nen.

Dass die unge­schrie­be­ne Regel, Twit­ter sei kein Chat, von Nach­züg­lern, die zu faul für Blogs sind, grund­sätz­lich gern igno­riert wird, war bis­her zu ver­schmer­zen, denn man konn­te in den mei­sten Twit­ter­cli­ents ein­fach das Wort „Thread“ stumm­schal­ten und schon war Ruhe. Das geht jetzt nicht mehr so ein­fach:

Län­ge­re Nach­rich­ten, Gedan­ken und Argu­men­ta­tio­nen kön­nen bei Twit­ter jetzt in Ein­zelt­weets anein­an­der­ge­kop­pelt wer­den: Das Threads-Fea­ture ver­bin­det Tweets und stellt die­se in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge dar.

Scha­de, dass Twit­ter noch kein Farm­Ville hat.


Die War­te­zeit bis zur kom­men­den Akte-X-Epi­so­de ist zu lang? Künst­li­che Intel­li­genz hilft:

Muld­er enters fol­lo­wed by a cop. The cop looks at Scul­ly. The cop is Scul­ly. Scul­ly, wea­ring a pota­to, knocks Muld­er slight­ly on the bot­tom.

Falls Außer­ir­di­sche nicht das bevor­zug­te Sujet sind: Es gibt auch ein auto­ma­tisch geschrie­be­nes Kapi­tel von Har­ry Pot­ter.


Emo­jis, klärt uns das Team von Three­ma auf, sei­en gar kei­ne unnö­ti­ge Erfin­dung, denn sie kön­nen Emo­tio­nen nicht bloß abbil­den:

Unter Android und iOS wer­den die­sel­ben Emo­jis dar­ge­stellt. So kön­nen Sie sicher sein, dass Ihre Emo­jis beim Emp­fän­ger in unver­än­der­ter Form dar­ge­stellt wer­den und die gewünsch­te Emo­ti­on aus­lö­sen.

Zu mei­ner Zeit haben wir ja auch zum Aus­lö­sen von Emo­tio­nen noch Text benutzt, aber Schrei­ben ist oft mit Arbeit ver­bun­den und Arbeit ist was für uncoo­le Leu­te.

Netzfundstücke
Mobi­le Benutzerfreundl[jetzt wei­ter­le­sen]

Wann und war­um kam es eigent­lich in Mode, in „mobi­len“ Ange­bo­ten wie die­sem aus einem nicht mal beson­ders lan­gen Text ohne einen ver­nünf­ti­gen Anlass eine HTML gewor­de­ne Benut­zer­z­er­fah­rung zu machen, indem man mit­ten in einem Absatz ein Knöpf­chen mit der Auf­schrift „jetzt wei­ter­le­sen“ ein­fügt, das nichts ande­res macht als den bereits gela­de­nen Text auf­zu­klap­pen?

Wenn ich die „poli­ti­sche“ For­de­rung höre, es soll­ten unge­ach­tet der unge­zähl­ten arbeits­lo­sen Pro­gram­mie­rer noch mehr Men­schen unbe­dingt pro­gram­mie­ren ler­nen, dann habe ich immer genau sol­che Web­sites vor Augen.

Web­de­si­gner. Auch so ein „Beruf“.