PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 11. Janu­ar 2018: Gefah­ren, über­all Gefah­ren!

Gefahr für die Ter­ror­ab­wehr: FBI-Chef Chri­sto­pher Wray mahnt, dass star­ke Ver­schlüs­se­lung auf elek­tro­ni­schen Gerä­ten mitt­ler­wei­le eine „drin­gen­de Ange­le­gen­heit für die öffent­li­che Sicher­heit“ dar­stel­le. Sofort ver­bie­ten und prä­ven­tiv ver­haf­ten!


Gefahr für die Rekla­me­ma­fia: App­les neu­er Safa­ri-Pri­vat­sphä­ren­schutz kostet Wer­ber rich­tig Geld, als sei das das wich­tig­ste Kri­te­ri­um für Soft­ware: dass sie Wer­bern nützt.


Gefahr für die Klar­heit der wirt­schaft­li­chen Bericht­erstat­tung: Steu­er­be­trug heißt jetzt Steu­er­tricks.


Gefahr für das poli­ti­sche Wer­te­sy­stem: „Die Grü­nen soll­ten die füh­ren­de Kraft der lin­ken Mit­te wer­den“, emp­fiehlt Anton Hof­rei­ter, ver­rät aber lei­der nicht, was dann mit der mitt­le­ren und halb­rech­ten Mit­te pas­sie­ren soll.


Gefahr für die Bit­co­in­bla­se: Auf „ZEIT ONLINE“ hat man fest­ge­stellt, dass das Inve­stie­ren in Fir­men, die Eis­tee her­stel­len, sich aber irgend­was mit „Block­chain“ nen­nen, nicht der klüg­ste Schach­zug der Bör­sen­spie­ler ist.


Kei­ne Gefahr hin­ge­gen besteht, jubi­liert wie­der­um „ZEIT ONLINE“, für die Wirt­schaft:

Die deut­sche Wirt­schaft ist 2017 so schnell gewach­sen wie seit Jah­ren nicht mehr. Der Haus­halts­über­schuss stieg zum vier­ten Mal in Fol­ge – auf einen Rekord­wert. (…) Die Lage auf dem Arbeits­markt ist histo­risch gut.

Im März 2017 schrieb das Fan­fa­ren­ma­ga­zin „Huf­fing­ton Post“, es sei von etwa 400.000 Obdach­lo­sen in Deutsch­land aus­zu­ge­hen. Sol­len die sich halt eine Arbeit suchen!

PolitikIn den Nachrichten
Zäh wie Leder, fly wie Krupp­stahl.

Wir sind wie­der wer:

Die Bun­des­wehr hat noch nie so vie­le Min­der­jäh­ri­ge aus­ge­bil­det wie im ver­gan­ge­nen Jahr. (…) Auch nach dem Absol­vie­ren ihrer sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit sei­en im ver­gan­ge­nen Jahr 90 Sol­da­ten noch nicht voll­jäh­rig gewe­sen.

In einem gesun­den Kör­per meu­chelt der gesun­de, noch unver­brauch­te Geist beson­ders frisch, fromm, fröh­lich und frei. Die Jugend sol­le sich sowie­so mehr bewe­gen und nicht immer bloß am Com­pu­ter vir­tu­el­le Geg­ner abknal­len, emp­feh­len Exper­ten. So haben alle was davon.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Von der Domi­nanz ver­meint­lich libe­ra­ler Ideo­lo­gien.

In Tei­len der USA ist seit der Wahl des amtie­ren­den Prä­si­den­ten das Mem von wei­nen­den Libe­ra­len unge­wöhn­lich beliebt. Ich habe die­ses Mem sehr lan­ge nicht ver­stan­den, denn ich hielt gera­de uns Libe­ra­le immer für eine zwar hete­ro­ge­ne, aber zumin­dest in dem Punkt, dass „links“ und „rechts“ kei­ne exi­sten­ten Bewer­tungs­sche­men sein dür­fen, recht eini­ge Grup­pe.

Nun hat es sich erge­ben, dass der bei Goog­le wegen über­schäu­men­der Rea­li­tät unsanft ent­glit­te­ne James Damo­re sei­nen ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­ber, hämisch beglei­tet von sich dem Femi­nis­mus anbie­dern­den, offen­sicht­lich also von Selbst­zwei­feln zer­fres­se­nen wei­ßen Män­nern auf Bou­le­vard­blogs, mit­hil­fe der Zusam­men­tra­gung aller­lei unap­pe­tit­li­cher Details aus dem ras­si­stisch-sexi­sti­schen Arbeits­all­tag von und mit hoch­ran­gi­gen Goo­gle­mit­ar­bei­tern ver­klagt. Außer der „FAZ“, die anschei­nend unge­le­sen eine ent­spre­chen­de dpa-Mel­dung über­nom­men hat, schwa­dro­niert auch „hei­se online“ davon, dass bei Goog­le eine „libe­ra­le Ethik“ herr­sche, hier aller­dings wenig­stens als Zitat gekenn­zeich­net:

die Domi­nanz libe­ra­ler Ideo­lo­gie bei Goog­le ver­hin­de­re eine offe­ne Dis­kus­si­on

Dass eine domi­nant libe­ra­le Ideo­lo­gie über­haupt erst die Bedin­gung für das Ent­ste­hen einer wirk­lich offe­nen Dis­kus­si­on ist, steht dabei sicher­lich außer Fra­ge. Ist James Damo­re blöd? Nein, die Über­set­zer sei­ner Kla­ge sind es: Der US-ame­ri­ka­ni­sche Begriff des „libe­ra­lism“ hat mit unse­rem guten Libe­ra­lis­mus, der dort wohl eher „liber­ta­ria­nism“ heißt und wie­der­um nicht iden­tisch mit Liber­ta­ris­mus ist, nichts zu tun und wird von so Blogs eher in die Nähe von Sozi­al­de­mo­kra­tie gerückt, wobei die real exi­stie­ren­de deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie den dor­ti­gen „Libe­ra­len“ wie aller­dings auch mir ver­mut­lich viel zu rechts wäre. Mit einer „libe­ra­len Ideo­lo­gie“ weist der geschlechts- und eth­nie­fo­kus­sier­te Kampf für die ein­zig rich­ti­ge Mei­nung, dass näm­lich wei­ße Hete­ro­män­ner das per­so­ni­fi­zier­te Unglück sei­en und drin­gend jeweils durch einen durch­schnitt­li­chen „Congress“-Besucher (wis­sen­schon: grü­ne Haa­re, schril­le Stim­me, Iden­ti­fi­ka­ti­on als Apa­che-Kampf­hub­schrau­ber) ersetzt wer­den müs­sen, auf dass es dem Land, das unter der Knecht­schaft Donald Trumps, unter dem die Arbeits­lo­sig­keit eigent­lich nahe­zu ver­schwun­den und der Wohl­stand auf einem Zehn­jah­res­hoch ange­kom­men ist, end­lich bes­ser (lies: weib­li­cher) gehen möge, kei­ne ersicht­li­che Über­ein­stim­mung auf; außer eben: Ideo­lo­gie.

Ich wür­de mir von poli­ti­schem Jour­na­lis­mus (wenn schon nicht von „hei­se online“) wün­schen, den Unter­schied zwi­schen libe­ra­lism, liber­ta­ria­nism und Libe­ra­lis­mus min­de­stens zu ver­ste­hen, im Best­fall beim Ver­fas­sen von angeb­lich der Infor­ma­ti­on der Leser die­nen­den Tex­ten auch irgend­wie ersicht­lich zu machen. Nicht alles, was im Eng­li­schen so heißt wie im Deut­schen, hat dort auch die glei­che Bedeu­tung. Zu fish and chips gibt es ja auch kei­nen Sals­adip.

Eine Kom­pe­tenz­quo­te wür­de dem Jour­na­lis­mus auch mal gut tun.

(Sie­he auch: War­um Deutsch­land den Libe­ra­lis­mus braucht.)


Apro­pos Quo­te: Im „Mor­gen­ma­ga­zin“ frag­te der in mei­ner Ach­tung plötz­lich merk­lich gestie­ge­ne „Grünen“-Politiker Cem Özd­emir, ob es nicht viel­leicht rat­sam sei, bei der künf­ti­gen Beset­zung der Par­tei­spit­ze zur Abwechs­lung ein­mal Kom­pe­tenz anstel­le Geschlecht und Flü­gel­zu­ge­hö­rig­keit zu berück­sich­ti­gen. Punk ist nicht tot.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik extern: Chef­re­dak­ti­on von „SPIEGEL ONLINE“ bezich­tigt „SPIEGEL ONLINE“ der Des­in­for­ma­ti­on.

Beim deutsch­spra­chi­gen Able­ger des bösen Pro­pa­gan­da­ma­ga­zins „Rus­sia Today“ ist zu lesen:

Mat­thi­as Streitz, sei­nes Zei­chens Mit­glied der Chef­re­dak­ti­on von Spie­gel Online (SPON), hat RT öffent­lich „Des­in­for­ma­ti­on“ vor­ge­wor­fen. Als Beweis dient ihm ein Foto in einem News­ticker-Bei­trag von RT Deutsch. (…) Die Quel­le, auf die Streitz sich berief, um RT Deutsch „Des­in­for­ma­ti­on“ vor­zu­wer­fen, war das bri­ti­sche Bou­le­vard­blatt Express. (…) Unge­ach­tet der schwe­di­schen Hin­wei­se im Bild, (sic! A.d.V.) mach­te die Redak­ti­on des Express aus der Stock­hol­mer U‑Bahnstation eine abge­sperr­te U‑Bahnstation in der Man­che­ster Oxford Road.

Wo bleibt das ver­damm­te Ver­lags­ster­ben?

In den NachrichtenMontagsmusik
Alpha Male Tea Par­ty – You Eat Hou­mous, Of Cour­se You Listen To Gene­sis

Nach dem Kaffee - vor dem KaffeeEs ist Mon­tag, Mon­tag ist – in einer bes­se­ren Welt – Pan­da­tag. Eine Par­tei, die einen sol­chen ver­sprä­che, hät­te mich als Wäh­ler gewon­nen.

Statt­des­sen tra­fen sich am Wochen­en­de Par­tei­gran­den vie­ler­lei Hin­ter­grunds zwecks Eigen­lobs und um noch ein­mal zu ver­si­chern, dass man selbst immer die besten Ideen von allen habe. Dass dabei man­ches weg­ge­las­sen wird, mag der Zeit zuschul­den kom­men; der Vor­sit­zen­de und Außen­händ­ler der F.D.P. etwa ver­liert über Steu­er­sen­kun­gen kein Wort mehr. Der Grund für das gesam­mel­te Auf­tre­ten von Par­tei­tref­fen zu die­ser Jah­res­zeit liegt kalen­da­risch im Tag der „drei Köni­ge“ Cas­par, Mel­chi­or und Bal­tha­sar begrün­det, es ist von „Drei­kö­nigs­tref­fen“ die Rede. Von Par­tei­en, die ein „Drei­kö­nigs­tref­fen“ abhal­ten und so welt­li­che Ent­schei­dun­gen wenig­stens ter­min­lich an reli­giö­sen Spin­ne­rei­en aus­rich­ten, möch­te ich im Übri­gen auch nie wie­der etwas zum The­ma Säku­la­ri­sie­rung lesen müs­sen.

Das ande­re gro­ße poli­ti­sche The­ma die­ser Tage, die lästi­ge Digi­ta­li­sie­rung, lei­det nicht nur am mise­ra­blen Tech­nik­ver­ständ­nis heu­ti­ger Com­pu­ter­nut­zer, son­dern auch an dem wohl auch mit die­sem begründ­ba­ren Irr­glau­ben, es sei emp­feh­lens­wert, so vie­le Din­ge mit­ein­an­der zu ver­net­zen wie mög­lich. Die Stra­fe folgt schnel­ler als erhofft: Wer des „Raub­ko­pie­rens“ bezich­tigt wird, dem macht der eige­ne Zugangs­an­bie­ter dann halt die Woh­nung kalt. Da muss mehr Inter­net rein. Wir haben 2018, da macht man das eben so.

Was mit einem Min­dest­maß an Ver­ständ­nis auch ver­meid­bar wäre: Angeb­li­che „Sicher­heits­soft­ware“ ver­hin­dert, dass Sicher­heits­up­dates ein­ge­spielt wer­den kön­nen. Der feh­len­de Nut­zen von Viren­scan­nern wird nur noch von ihrer Gefähr­lich­keit über­trof­fen.

Ganz und gar nicht gefähr­lich: Musik.

Alpha Male Tea Par­ty – You Eat Hou­mous, Of Cour­se You Listen To Gene­sis

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Nose­holes – EP

Noseholes EPAus der, wie ich fin­de, schön­sten Stadt Deutsch­lands, näm­lich aus Ham­burg, kommt die kür­ze­ste EP, die mir bis­her unter­ge­kom­men ist, näm­lich die im letzt­jäh­ri­gen April erfolg­te erste Ver­öf­fent­li­chung von Nose­holes, einer bis­her ver­se­hent­lich über­se­he­nen Grup­pe aus anschei­nend vier Musi­kern, deren anschei­nend feh­len­des Inter­es­se an Stil­gren­zen mit mei­nem recht kom­pa­ti­bel ist. Die drei Lie­der errei­chen zusam­men nicht ein­mal sie­ben Minu­ten Län­ge und das stört mich nicht im Gering­sten.

Das hier Gebo­te­ne ist ein groß­ar­ti­ges Durch­ein­an­der aus Ham­bur­ger Schu­le („Bed Smo­ker“), Post­punk, Krau­ti­gem (das immer­hin drei­mi­nü­ti­ge „Drug Owner“ mit Lo-Fi-Blues­rock­gi­tar­re und ängst­li­chem Saxo­phon) und Frei­form-Jazz. Für ein Video hat es aller­dings noch gereicht, das selbst ohne Ton genau so wirkt wie das zu Hören­de:

Nose­holes / Bed Smo­ker (offi­ci­al Video)

Im Febru­ar 2018, ver­kün­det Band­camp, soll das Debüt­al­bum „Dan­ger Dance“ erschei­nen, auf das es zumin­dest „Bed Smo­ker“ auch noch mal geschafft hat. Mei­ne Vor­be­stel­lung ist trotz des scheuß­li­chen Cover­bilds jeden­falls raus.

In den NachrichtenPiratenpartei
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Im „Neu­en Deutsch­land“ mit Eski­mos über India­ner reden.

Medi­al scheint es eine Art Win­terloch zu geben: Der sozia­li­sti­schen Tages­zei­tung „Neu­es Deutsch­land“ – nur echt mit Bet­tel­lay­er, denn Sozia­lis­mus ist teu­er – war es ein berich­tens­wer­tes Anlie­gen, dass der Libe­ra­lis­mus­kri­ti­ker Patrick Schif­fer, über den auf der hie­si­gen Web­site in der Ver­gan­gen­heit man­ches erzählt wur­de, die Pira­ten­par­tei ver­las­sen hat.

Wie es der guten Bericht­erstat­ter Art ist, wur­de sogleich der aber­ma­li­ge Tod der Pira­ten­par­tei ver­kün­det. Zu Wort kamen natür­lich aus­schließ­lich die­je­ni­gen, die es nicht betrifft; „Jour­na­list“ Seba­sti­an Wei­er­mann twit­ter­te stolz, er habe hier­über mit einem Grü­nen, einem Libe­ra­len und einem Lin­ken gespro­chen. Mit Eski­mos über India­ner reden.

Eine ver­meint­li­che Begrün­dung für die­ses Ver­hal­ten ist im letz­ten Absatz des „Arti­kels“ zu fin­den:

Bei den Pira­ten enga­gie­ren sich immer weni­ger Men­schen.

Dass die „Lin­ken“ wie alle ande­ren Par­tei­en auch seit der ersten Hoch­pha­se der Pira­ten­par­tei im Jahr 2009 eben­falls einen gewal­ti­gen Mit­glie­der­schwund ver­zeich­nen müs­sen und Par­tei­mit­glied­schaft im All­ge­mei­nen seit dem Ende der DDR nichts mehr ist, was die Mas­sen bewegt, steht natür­lich dann doch bes­ser anders­wo.

In den NachrichtenNerdkrams
„Melt­down“ und „Spect­re“ bewei­sen: Open Source bedeu­tet Kor­rup­ti­on.

Es gibt etwas zu fei­ern im Land der nie enden wol­len­den bizar­ren Lust an der Selbst­ent­man­nung, näm­lich in Linux­land, wo die mei­sten Sicher­heits­for­scher zu woh­nen schei­nen, sicht­lich berauscht von Din­gen, von denen ich lie­ber nichts abbe­kom­men möch­te: Es durf­ten wie­der bun­te Bild­chen gemalt und Wör­ter aus dem Eng­lisch­wör­ter­buch einer Zweit­ver­wen­dung zuge­führt wer­den. Ich fra­ge mich ja, wann wohl die erste Sicher­heits­lücke nur des­halb irgend­wo absicht­lich ein­ge­baut wird, damit man auch mal so ein Logo bekommt.

Das Dop­pel­loch aus „Melt­down“ und „Spect­re“ hat die unfei­ne Eigen­heit, dass es nicht etwa Betriebs­sy­ste­me, son­dern Pro­zes­so­ren betrifft und ver­mut­lich in Tei­len bereits in den 1980er Jah­ren auf DEC-Syste­men, von denen Intel sich man­ches abge­guckt zu haben scheint, zu fin­den war. Zu lösen ist das Pro­blem­chen letzt­lich also nur auf unter­ster Ebe­ne, not­dürf­tig geflickt wer­den die mei­sten Stel­len, aus denen die Feh­ler her­aus­trop­fen, aller­dings zunächst unter Win­dows, macOS und Linux.

Die­se Rei­hen­fol­ge über­rascht, wenn man weiß, dass sich die Ent­wick­ler von Open­BSD schon vor über zehn Jah­ren der poten­zi­el­len Ärger­nis­se in wenig­stens x86-kom­pa­ti­blen CPUs bewusst waren. Die Grün­de dafür sind aller­dings rein öko­no­mi­scher Natur:

Details of the vul­nerabi­li­ty within Intel’s sili­con are under wraps: an embar­go on the spe­ci­fics is due to lift ear­ly this month, per­haps in time for Microsoft’s Patch Tues­day next week. Inde­ed, patches for the Linux ker­nel are available for all to see but comm­ents in the source code have been redac­ted to obfusca­te the issue.

Das heißt über­setzt und zusam­men­ge­fasst: Der­je­ni­ge Her­stel­ler, der einen mit „Sicher­heits­lücke“ nur unzu­rei­chend beschrie­be­nen Feh­ler in einer Kern­kom­po­nen­te der mei­sten der­zeit ver­wen­de­ten Com­pu­ter ver­ur­sacht hat, trifft allein die Ent­schei­dung, wel­che Betriebs­sy­ste­me vor ihr sicher sein dür­fen und wel­che nicht, und ver­hängt auf der Grund­la­ge rei­nen Bauch­ge­fühls ein Embar­go gegen die Ver­öf­fent­li­chung von Details. Wer sich an ein sol­ches Embar­go nicht hält, der darf beim näch­sten Mal eben nicht mehr mit­spie­len; Open­BSD, des­sen Pro­jekt­lei­ter Theo de Raadt von irgend­wel­chen Geheim­nis­sen auf Kosten einer mög­lichst brei­ten Com­pu­ter­si­cher­heit aus­drück­lich nichts hält, hat jetzt (wie auch ande­re BSDs) das Nach­se­hen.

Open Source ist sicher – wenn die Wirt­schaft das so will. Aber Haupt­sa­che, das Logo ist schick.


Nach­trag vom 5. Janu­ar:
Der „heise“-Verlag bläst Alarm: Nicht nur gewöhn­li­che Intel­pro­zes­so­ren sind betrof­fen, son­dern sogar die in Apple-Geräten!!!11!

Netzfundstücke
Wixer

Vor ein paar Jah­ren zeig­te sich die Welt­öf­fent­lich­keit belu­stigt über Auto­mo­bi­le, die in Spa­ni­en aus Sprach­grün­den unter ande­rem Namen ver­trie­ben wer­den. In der Welt des Digi­ta­len ist man da nicht ganz so ängst­lich: Nach­dem wir Kinds­köp­fe nun seit über zehn Jah­ren vie­ler­lei Gele­gen­heit hat­ten und haben, Micro­softs Win­dows Instal­ler XML für einen sehr lusti­gen Namen zu hal­ten, ver­hin­dert jetzt aus­ge­rech­net die Musik­in­du­strie, dass der Witz irgend­wann lang­wei­lig wird:

Wixen kostet Spo­ti­fy womög­lich 1,6 Mil­li­ar­den Dol­lar

Sport­lich! :ja:

(Abt.: Erst mal das Nor­mal­ni­veau wie­der­her­stel­len.)

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Die Mina und die lästi­gen Erfolgs­frau­en

Was macht eigent­lich die Mina (kennt „oktroy­ie­ren“ nicht, Twit­ter) heu­te so? Rich­tig: Sie freut sich dar­über, wenn weib­li­che Füh­rungs­per­so­nen end­lich mal die Klap­pe hal­ten müs­sen:

Ali­ce Wei­del ist nicht nur eine Poli­ti­ke­rin. Sie ist ein Sym­bol für eine Welt, zu der kaum jemand Zutritt erlan­gen wird, der zur Arbeits­zeit ande­rer Leu­te eine Twit­ter­säu­be­rung beju­belt. (…) Femi­ni­stin­nen erzäh­len mir, mit Frau­en und Diver­si­ty an der Spit­ze wer­de die Gesell­schaft net­ter und freund­li­cher, und Wei­del beweist allein mit ihrer Exi­stenz jeden Tag, dass es über­haupt nicht stim­men muss. (…) Leu­te, die sich jah­re­lang beklag­ten, Frau­en wür­den vom Patri­ar­chat zum Schwei­gen gebracht, mel­den Frau­en mit einem reak­tio­nä­ren Zen­sur­ge­setz.

Der Twit­ter­fe­mi­nis­mus scheint die Waf­fe der­je­ni­gen Frau­en jeg­li­chen Geschlechts zu sein, denen das Erar­bei­ten von Ver­dien­sten zuwi­der ist. Man möge der Mina wün­schen, sozia­ler Auf­stieg und damit der in Hass umschla­gen­de Neid der Pro­gres­si­ven blei­be ihr auch wei­ter­hin erspart.

In den NachrichtenNerdkrams
Pass­wort­cloud dank Rekla­me im Web

Es freut sich Tech­nik­blog­ger „caschy“:

Nut­zer von Android 8.0 Oreo bekom­men näm­lich Auto­fill in die Hand gedrückt, der Ent­wick­ler greift hier­bei nach eige­nen Aus­sa­gen auf das neu geschaf­fe­ne Auto­fill-API zurück, wie es bereits meh­re­re Pass­wort-Mana­ger auf der Android-Platt­form machen. Bedeu­tet für euch, dass Inhal­te in Pass­wort-For­mu­la­ren auto­ma­tisch unter Android aus­ge­füllt wer­den kön­nen.

(Absatz zwecks Les­bar­keit umfor­ma­tiert.)

Was aber tut die­ses „Auto­fill-API“? Nun, laut Doku­men­ta­ti­on – Über­set­zung und Her­vor­he­bung von mir – unge­fähr das, was es auch in gewöhn­li­chen Web­brow­sern auf anstän­di­gen Rech­nern tut, nur eben auf Android- statt bloß auf Webe­be­ne:

Benut­zer kön­nen Zeit beim Aus­fül­len von For­mu­la­ren spa­ren, indem sie „Auto­fill“ auf ihren Gerä­ten nut­zen. Android macht das Aus­fül­len von For­mu­la­ren, etwa Kon­to- und Kre­dit­kar­ten­for­mu­la­ren, mit der Ein­füh­rung des Auto­fill-Frame­works ein­fa­cher. Die­ses Frame­work ver­wal­tet die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen der App und einem Dienst zum auto­ma­ti­schen Aus­fül­len.

Ist ja immer alles prak­tisch und wir leben nun mal im Jahr 2018, da muss man sich an so etwas gewöh­nen, nicht wahr?

Nein, nicht wahr:

For­scher haben zwei ver­schie­de­ne Scripts aus­ge­macht (…), die dar­auf aus­ge­rich­tet sind, iden­ti­fi­zier­ba­re Infor­ma­tio­nen aus brow­ser­ba­sier­ten Pass­wort­ma­na­gern aus­zu­le­sen. Die Scripts ver­rich­ten ihr Werk, indem sie unsicht­ba­re Anmel­de­for­mu­la­re im Hin­ter­grund der Web­site ein­fü­gen und alles, was die Brow­ser auto­ma­tisch ein­tra­gen, auf­schau­feln. (…) Die Plug­ins fokus­sie­ren sich über­wie­gend auf die Benut­zer­na­men, aber den For­schern zufol­ge gibt es kei­ne tech­ni­schen Vor­keh­run­gen dage­gen, dass sie auf dem­sel­ben Weg auch Pass­wör­ter sam­meln.

Bis­lang ent­stam­men die Fund­stücke der Rekla­mesze­ne, wer also – wie jeder ver­nünf­ti­ge Mensch – sei­nen Brow­ser von der­lei Krem­pel frei hält, der dürf­te nicht ganz so gefähr­det sein wie die Ziel­grup­pe tod­ge­weih­ter Ver­la­ge, die unbe­irr­bar der Ansicht sind, das Blockie­ren von Schad­soft­ware sei vor allem geschäfts­schä­di­gend. Eine noch wesent­lich ange­neh­me­re Atmo­sphä­re wird aller­dings geschaf­fen, wenn man ein­fach dar­auf ver­zich­tet, irgend­was auto­ma­tisch aus­fül­len zu las­sen. In Web­brow­sern und in Android selbst ist das noch eine optio­na­le, also abschalt­ba­re Funk­ti­on.

Dass das zwangs­läu­fig zu frag­wür­di­gen Kom­men­ta­ren sei­tens tech­nik­hö­ri­ger Zeit­ge­nos­sen füh­ren wird, denn es sei doch eh egal, weil Google/Facebook/Apple/NSA/Amazon sowie­so schon alles über den Prot­ago­ni­sten wis­sen, sei hier ein­mal freu­dig in Kauf genom­men. Digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung hieß frü­her Para­noia.

PersönlichesMontagsmusik
201∞ // Atrorum – Mensch­sein

Die­ser Arti­kel ist Teil 7 von 15 der Serie Neu­jahr

Es ist Mon­tag, aber. In unge­zähl­ten Fern­se­hern lau­fen die immer glei­chen drei Sketch- und Oldie­sen­dun­gen, um Fru­strier­te zu beru­hi­gen. Es ist ja alles gut, es ist ja alles wie 2017 und das ist auch schon das Pro­blem.

Die weni­ger Bedach­ten las­sen seit Tagen Spreng­stoff deto­nie­ren, erst­mals merk­lich, aber unwe­sent­lich medi­al gestört, denn es könn­te ja Fein­staub ent­ste­hen. Die Empö­rung über das Rich­ti­ge aus den fal­schen Grün­den hat Metho­de. Nichts erreicht, nichts gewon­nen. Blei­gie­ßen, ver­kün­de­te neu­lich „ben­to“, sei ein Spiel, das über­ra­schend viel Blei ent­hal­te. Unnüt­ze Sor­gen sind mensch­lich.

Mit jeder Rake­te ver­pufft ein neu­er Traum. Es ist kei­ne Glanz­lei­stung des ent­wickel­ten Men­schen, dass er in sei­nen ein­sam­sten Momen­ten am wenig­sten ver­ges­sen kann. Wohin, glaubst du, ver­rin­nen dei­ne Tage? Mit einem „leich­ten Schwips“, schlug der „bento“-Autor vor, sol­le man einen Blick „in die Zukunft“ wer­fen. So viel, dass sie rosig aus­sieht, kann man aller­dings kaum trin­ken. Der erste Gedan­ke des neu­en Jah­res ist der letz­te des alten: ob es näm­lich nicht bes­ser gewe­sen wäre, wäre es nicht schon vor Jah­ren irgend­wie anders gelau­fen. Zeit heilt nicht mal einen Schnup­fen. Irgend­wo ergreift gera­de jemand jeman­des Hand. Wer könn­te es ihnen ver­übeln?

Es ist Mon­tag, aber man hat gar kei­ne Lust auf Musik, auf die man mor­gen noch stolz sein kann.

Atrorum „Mensch­sein“ (Offi­ci­al Audio – 2015, Apa­thia Records)

Prost Neu­jahr.

ComputerNetzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 29. Dezem­ber 2017

Schlech­te Nach­rich­ten: Das Aus­schal­ten von Com­pu­tern hilft dank Intel nicht mehr dage­gen, dass sie ange­grif­fen wer­den.


Eine lesens­wer­te Jah­res­rück­schau gab es neben der mei­nen tat­säch­lich: Men­schen haben sich ver­schie­de­ne Din­ge in den Hin­tern gescho­ben.


Aus der Liste häss­li­cher Text­an­fän­ge: „Raf­fae­la hat eigent­lich schon alles, was eine Influen­ce­rin braucht. Einen roten Hosen­an­zug, bun­tes Make-up, einen Zwerg­spitz namens Moses.“


Edward Snow­den lässt die Markt­durch­drin­gung von Wohn­zim­mer­wan­zen wie Ama­zon Echo und Goog­le Home nicht kalt und er zieht die ein­zig logi­sche Kon­se­quenz: Vor ein paar Tagen stell­te er sei­ne eige­ne Wan­ze fürs Smart­phone vor. Es war ja nicht alles schlecht in der NSA.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt: „Halt! Algo­rith­men­kon­trol­le!“

Es for­der­te Mar­kus Becke­dahl, Grün­der und Laut­spre­cher des schrä­gen Per­so­na­li­ty­b­logs „Netzpolitik.org“ und qua­li­fi­zier­ter Maas­ver­ste­her, auf dem zur Genü­ge kom­men­tier­ten „Con­gress“:

Netz­ak­ti­vist Mar­kus Becke­dahl hat vor Risi­ken im Umgang mit Algo­rith­men gewarnt und eine bes­se­re Kon­trol­le der Künst­li­chen Intel­li­genz gefor­dert. (…) „Es ist ein wei­tes Feld: Gesund­heits­al­go­rith­men muss man anders regu­lie­ren als Face­book-Algo­rith­men“, erklär­te der Blog­ger.

Die­se vor­ge­schrie­be­nen Hand­lungs­ab­läu­fe (lat. „Algo­rith­men“) soll­te wirk­lich mal jemand in den Griff bekom­men. Die gera­ten sonst noch außer Rand und Band!