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Schmalhans des Tages: Uffa Jensen, TU Berlin.

Dieser Artikel ist Teil 15 von 16 der Serie Schmalhans des Tages

(Vorbemerkung: Oh, ein hei­ßes Eisen. Gleich mal anfassen!)

Auf „SPIEGEL ONLINE“ trom­pe­te­te gestern Uffa Jensen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zwecks Interviews anläss­lich mus­li­mi­scher Beschwerden über die Ernennung Jerusalems zur israe­li­schen Hauptstadt unter ande­rem fol­gen­de Anmerkungen über das Antisemitismusproblem, das hier­zu­lan­de ja eigent­lich kein beson­ders gro­ßes mehr sei, heraus:

Wir haben in Deutschland bereits ein sinn­vol­les Gesetzeswerk, wie etwa das Verbot der Holocaustleugnung und ande­re Paragraphen, um uns gegen Feinde der Demokratie zu schützen.

Darüber, ob es aus demo­kra­ti­scher Sicht sinn­voll ist und irgend­ei­nen grö­ße­ren Schaden in der Zukunft ver­hin­dern kann, das Lügen über Polithistorisches gesetz­lich zu ahn­den, wird vor­aus­sicht­lich noch zu dis­ku­tie­ren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, son­dern ein zuläs­si­ges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hin­ge­gen nicht über­se­hen wer­den: Ist eine Masse von Menschen erst ein­mal erhitzt genug für mensch­lich unfei­ne Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, son­dern der Motor sein. Demokratie funk­tio­niert nur wie ursprüng­lich gewünscht, wenn es der legis­la­ti­ven Mehrheit nicht an der Bildung für klu­ge Entscheidungen fehlt. Placebodemokratisch legi­ti­miert ist jeden­falls auch das andau­ern­de zahl­rei­che Ertrinken im Mittelmeer. Die größ­ten Feinde einer funk­tio­nie­ren­den Demokratie sind meist jene, die behaup­ten, ein Parlament aus auf­stre­ben­den Mittelsmännern sei demo­kra­tisch gewünscht.

Dass die plötz­li­che Existenz des Staates Israel aus­ge­rech­net auf dem sehr unjü­di­schen Gebiet Palästinas seit sei­ner Gründung im Jahr 1948 die demo­kra­ti­schen Rechte der damals deut­li­chen mus­li­mi­schen Mehrheit, die ihr Überleben durch fort­wäh­ren­de Angriffe einer von Dritten instal­lier­ten Minderheit zu Recht gefähr­det sieht (das nennt man dann „Nahostkonflikt“, als wäre der Zweite Weltkrieg auch bloß ein „Europakonflikt“ gewe­sen), ver­letzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natür­lich nicht the­ma­ti­siert. Macht man nicht als deutsch­spra­chi­ges Leitmedium, wäre ja rechts. Ein von der fort­wäh­ren­den Zerfetzung sei­nes Nachwuchses durch israe­li­sche Abwehr befrei­tes Palästina passt nicht zur west­li­chen Diskussionskultur.

Die Kurve zur Relativierung mus­li­mi­scher Israelfeindlichkeit bekommt Uffa Jensen aber schnell; dar­auf ange­spro­chen, dass sich in Deutschland leben­de Juden vor allem vor die­ser fürch­te­ten, weiß er zu antworten:

Zumal die Bedrohung für Juden in Deutschland vor isla­mi­sti­schen Terrorangriffen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutschland die über­wie­gen­de Mehrzahl der anti­se­mi­tisch moti­vier­ten Straftaten von Rechtsextremen ver­übt wird.

Der Fachmann von der TU Berlin erkennt hier mes­ser­scharf, dass Islamisten und Rechtsextreme zwei voll­kom­men unter­schied­li­che Gruppen von Menschen sind; was natür­lich Blödsinn ist, denn Extremismus ist kein von deut­scher Kultur beding­tes Phänomen, son­dern ein mensch­li­ches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gelsenkirchen.

Man möge, nach­dem das klar­ge­stellt ist, nur nicht zwecks Abgrenzung auf die Idee kom­men, zwi­schen Antisemitismus und Antizionismus zu unter­schei­den, indem man irgend­wel­che Wörter erfin­de, denn das durch­schaut Uffa Jensen sofort:

„Israelkritik“ als Wort selbst ist ein­ma­lig. Es gibt kei­nen ent­spre­chen­den Begriff für ein ande­res Land. Niemand spricht doch zum Beispiel von „Spanienkritik“.

Nun ist Uffa Jensen natür­lich nicht immer in der Nähe eines recher­ch­e­taug­li­chen Geräts und kann daher nicht wis­sen, dass sowohl „Deutschlandkritik“ ein medi­al ver­wen­de­tes Wort ist, das in letz­ter Zeit gern im Zusammenhang mit dem unge­lieb­te­sten US-ame­ri­ka­ni­schen Präsidenten seit George W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kritik“ nicht nur exi­stiert, son­dern bei einer gro­ßen deut­schen Suchmaschine gar als ein ande­res Wort für Antiamerikanismus auf­ge­führt ist - der, um den Kreis zu schlie­ßen, laut ver­schie­de­nen Quellen angeb­lich oft gemein­sam mit Antisemitismus auf­tritt, wor­aus unge­üb­te Leser viel­leicht einen Umkehrschluss zie­hen möch­ten, sofern ihnen denn danach zumu­te ist. Wie israe­li­sche Antisemiten in den Plan pas­sen, erläu­tern Uffa Jensen und „SPIEGEL ONLINE“ an die­ser Stelle nicht.

Der „Nahostkonflikt“ jeden­falls ist ein wirt­schaft­li­ches Problem, kei­nes­falls ein kul­tu­rel­les und auch nur ein gering­fü­gig poli­ti­sches, wenn­gleich er von einer rein poli­ti­schen Entscheidung über­haupt erst aus­ge­löst wur­de. Die Verzweiflung über die­se Kurzsichtigkeit spült schließ­lich das Gewäsch von Uffa Jensen direkt in den Nachrichtenleser; so weit ist es schon. Worum es über­haupt geht? Um Solidarität mit häss­li­cher Gesellschaft hier oder mit tra­di­tio­nell Aufgescheuchten dort? Quatsch: Um Reflektion natür­lich. Anderen Ländern den Frieden ein­zu­prü­geln (oder ein­zuuboo­ten) hat noch kei­nen Staat zum Lichtbringer gemacht. Der Schuldige ist mei­ner­seits aus­ge­macht: Die Überkompensation eher nicht so guter gesell­schafts­po­li­ti­scher Entwicklungen in den 1930ern und 1940ern durch eine inter­na­tio­na­le Wertegemeinschaft wird all­mäh­lich teuer.

Was wür­de Kishon tun?

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Senfecke:

  1. „noch zu dis­ku­tie­ren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, son­dern ein zuläs­si­ges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hin­ge­gen nicht über­se­hen wer­den: Ist eine Masse von Menschen erst ein­mal erhitzt genug für mensch­lich unfei­ne Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, son­dern der Motor sein. Demokratie funk­tio­niert nur wie ursprüng­lich gewünscht, wenn es der legis­la­ti­ven Mehrheit nicht an der Bildung für klu­ge Entscheidungen fehlt.“

    Ahem. Der Holcast war demo­kra­tisch legi­ti­miert? Ein zuläs­si­ges Extrem?
    Populär war er wohl, bei den anti­se­mi­ti­schen Deutschen, die ja fast alle wis­sen­de und tuen­de Nazitäter und Sympathisanten waren. OK. Aber fehlt da oben nicht ein wenig Präzision im Ausdruck?

    • Die NSDAP ist mit­samt ihren Beschlüssen nicht vom Himmel gefal­len und hat nicht ein­fach zu regie­ren beschlos­sen. Kluge Schlüsse aus die­ser Beobachtung mag ich an die­ser Stelle nicht ziehen.

  2. Zu den wich­tig­sten Stützen des Narrativs gehö­ren nun­mal „die Nazis“.
    Da ich schon in den 1970ern Jahren in der Schule damit beglückt wur­de gehört die­ses Segment wohl auch zu dem älte­sten Teil der Geschichte.
    Schließlich war es eben­so nütz­lich für die Wiederbewaffnung als auch für die ersten Auslandseinsätze.

    :hitler: Die Nazis erschie­nen im Januar 1933 und beset­zen Deutschland. Sie instal­lier­ten Adolf Hitler, der dann mit 4, 5, even­tu­ell ein paar mehr Helfershelfern all die schreck­li­chen Taten begann. Er ver­führ­te die unschul­di­gen Menschen zum zwei­ten Weltkrieg.
    Glücklicherweise kam Uncle Sam und befrei­te die Deutschen. Alle Nazis lösten sich am 08. Mai 1945 in Luft auf. Seitdem gehört Deutschland zu den Guten.“
    :bravo: :bravo:

  3. .tux:
    Die NSDAP ist mit­samt ihren Beschlüssen nicht vom Himmel gefal­len und hat nicht ein­fach zu regie­ren beschlos­sen. Kluge Schlüsse aus die­ser Beobachtung mag ich an die­ser Stelle nicht ziehen.

    Ich sehe sehr wohl wo Du damit hin­willst (und ich stim­me da auch gar nicht prin­zi­pi­ell dage­gen :x ) aber zwi­schen Machtübergabe, den letz­ten drei reprä­sen­ta­ti­ons­de­mo­kra­ti­schen Parlamentswahlen und Umsetzung der Wannseekonferenzbeschlüsse ist die Strecke doch ein wenig weit für den Ausdruck „demo­kra­tisch legi­ti­miert“. Legitimation für das gesche­he­ne Verbrechen kann man doch viel bes­ser able­sen am man­geln­den Widerstand, der Zuarbeit und Mitwisserschaft, der Mittäterschaft, des Applauses etc. eben nach die­ser ‚unde­mo­kra­ti­schen‘ Konferenz.

    • In einer par­la­men­ta­ri­schen Demokratie legi­ti­miert ist erst ein­mal das, was die Mehrheit der Wähler dafür hält. Wie radi­kal, absurd oder gegen höhe­res Recht ver­sto­ßend das ins­ge­samt dann ist, ist eine Einzelfallentscheidung. Der Wähler hat­te vor­her die Chance, sich mit den poli­ti­schen Zielen der Gewählten zu befas­sen. Tat er das nicht, dann tat er das nicht. Das ist ein biss­chen wie hier­zu­lan­de: Zwar ist Holocaust der­zeit kein Thema, aber die diver­sen deut­schen Angriffskriege seit „Rot-Grün“ hat der Wähler mehr­heit­lich auch genau so haben wol­len.

      Am deut­schen Wesen. Genesen.

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