In den NachrichtenPolitik
Schmal­hans des Tages: Axel Voss, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 16 von 16 der Serie Schmal­hans des Tages

Es sti­chel­te die säch­si­sche Pira­ten­par­tei auf dem inof­fi­zi­el­len Par­tei­me­di­um Twitter:

Dann kann ja die Oma, die Rezep­te auf ihrem Blog ein­stel­len will, ein­fach ein paar Ver­gü­tungs­ver­trä­ge abschlie­ßen, damit sie nicht abge­mahnt wird. Zum Glück wird die Rechts­la­ge so einfach!

Der Hin­ter­grund ist die von Axel Voss, dem drin­gend mal jemand einen Com­pu­ter lei­hen soll­te, zwar selbst nicht ver­stan­de­ne, aber im EU-Par­la­ment dur­ch­lob­by­ier­te Urhe­ber­rechts­re­form mit der ent­hal­te­nen Pflicht zur Instal­la­ti­on der umstrit­te­nen „Upload­fil­ter“. Der BDZV weist über „Golem.de“ immer­hin dar­auf hin, dass des­sen, also Axel Voss‘, Erklä­rung, jeder Bür­ger dür­fe als Pri­vat­per­son künf­tig Pres­se­ar­ti­kel lizenz­frei wei­ter­ge­ben („raub­ko­pie­ren“), des­sen Gesetz­ge­ber­funk­ti­on zum Trotz einer recht­li­chen Prü­fung nicht stand­hal­te, was ein wenig bedau­er­lich ist.

Bes­ser als Axel Voss lässt sein Gesetz die CDU/C­SU-Grup­pe im Euro­päi­schen Par­la­ment inter­pre­tie­ren („erklä­ren“):

Wer Ver­gü­tungs­ver­trä­ge schließt, auch für die von Nut­zern ver­brei­te­ten Wer­ke, muss kei­ne Fil­ter einsetzen.

Alle ande­ren dann eben schon – was immer­hin auch die als eher posi­tiv zu betrach­ten­de Kon­se­quenz haben müss­te, dass „Nach­rich­ten“, die dar­in bestehen, dass spre­chen­de Köp­fe Tweets und somit das gei­sti­ge Eigen­tum ande­rer Leu­te vor­le­sen, end­lich ein Ende fin­den, so dass Jour­na­lis­mus künf­tig wie­der aus eige­ner Lei­stung bestehen möge, was mir als Krea­ti­vem einer­seits gele­gen kommt, ande­rer­seits aber auch mein Leben wei­ter erschwe­ren wird. Wer weiß, ob schon jemand einen „Inhalt“ vor mir hat­te? (Was übri­gens auch vie­le Ver­la­ge noch nicht ver­stan­den haben: dass es kein Recht dar­auf gibt, Geld mit einer Web­site zu ver­die­nen; aber das ist wie­der­um ein ande­res Thema.)

Dass das Bei­spiel mit dem Koch­blog eher schlecht gewählt ist, möch­te ich hier gar nicht wei­ter erör­tern. Es gibt jetzt schon zu vie­le davon. Rich­tig ist jeden­falls, dass das Urhe­ber­recht es ver­langt, dass von irgend­je­man­dem her­vor­ge­brach­te „Inhal­te“ (Tex­te, Gra­fi­ken, sonst­was) nicht ohne des­sen Ein­ver­ständ­nis über­nom­men wer­den dür­fen. Hier ist das EU-Recht von dem US-ame­ri­ka­ni­schen ver­schie­den, das wenig­stens die „public domain“ kennt, also die auto­ma­ti­sche Ent­las­sung erstell­ter „Inhal­te“ für die freie Ver­wen­dung, sofern man kei­ne aus­drück­li­che Lizenz dran­pappt. Dass auto­ma­ti­sche „Upload­fil­ter“, die, obwohl so nicht vom Gesetz­ge­ber genannt, die ein­zi­ge Mög­lich­keit sind, die Ein­hal­tung der Ver­wer­tungs­rech­te wie geplant durch­zu­set­zen, Zitat­recht und Kunst­frei­heit nicht ken­nen, ist aber das wesent­li­che tech­ni­sche Übel, an dem Axel Voss‘ Plä­ne kran­ken. Sämt­li­che nicht gera­de als unkom­mer­zi­ell erkenn­ba­ren Web­sites („Por­ta­le“) müs­sen ihnen zufol­ge dafür Sor­ge tra­gen und anschlie­ßend haf­ten, dass über sie aus­schließ­lich ehr­lich erwor­be­ne „Inhal­te“ frei­ge­ge­ben wer­den, was zwar immer­hin den Betrieb von Face­book erschwe­ren wird, aber die mei­sten Foren und viel­leicht auch Ver­kaufs­platt­for­men vor gro­ße Schwie­rig­kei­ten stel­len wird. Zum Ver­gleich: Recht­lich gese­hen, teil­te mir das Land Nie­der­sach­sen vor ein paar Jah­ren mit, betrei­be selbst ich hier eine kom­mer­zi­el­le Web­site. Als schwa­cher Trost ist zu ver­mel­den, dass wenig­stens Ein-Per­so­nen-Web­sites von den Ände­run­gen kaum betrof­fen sein wer­den: Ins-Inter­net-Schrei­ben („Blog­gen“) ist schon seit Jah­ren ein juri­stisch heik­les Unterfangen.

Dass aus­ge­rech­net Mit­glie­der der SPD sich in sozia­len Medi­en dar­über erei­fern, dass „das Par­la­ment“ – mit aus­rei­chend gro­ßer Zustim­mung der SPD – die von ihnen so genann­ten „Mer­kel­fil­ter“ – also die außer von der SPD auch von Ange­la Mer­kel gut gefun­de­nen Fil­ter­me­cha­nis­men – durch­set­zen wol­le, ist schon längst nicht mehr wit­zig. Ich erwä­ge, jedem Leser ein Getränk sei­ner Wahl zu spen­die­ren, der einem SPD-Wäh­ler Senf und/​oder Nutel­la an min­de­stens eine Tür­klin­ke schmiert.

Axel Voss, weiß die Wiki­pe­dia, ist Mit­glied im „cnetz – Ver­ein für Netz­po­li­tik e.V.“, einem Ver­ein, der bereits im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber die damals geplan­ten Geset­zes­än­de­run­gen abge­lehnt hat, in sei­ner Sat­zung jedoch vom Tee­ren und Federn zuwi­der­han­deln­der Mit­glie­der absieht.

So wird das nichts mehr mit der Netz­po­li­tik.


Schreck­li­cher Ver­dacht der Woche: Sind poli­tisch Rech­te etwa berufs­tä­tig?

Seri­en­na­vi­ga­ti­on« Schmal­hans des Tages: Uffa Jen­sen, TU Berlin.

Senfecke:

  1. „Gestat­ten das ich mich vorstelle,Voss-Axel Voss,seines Zei­chen Intel­lenza­le­ri­gicka und stehts bereit das gute zuwollen,es nicht buch­sta­bie­ren zukön­nen und es dann zuverkacken…!“
    Fällt sowas unter Hate-Speech :aufsmaul: oder eine objek­ti­ve Beschrei­bung 8)

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