PolitikIn den Nachrichten
Kein Wahl­recht für Schmet­ter­lin­ge!

Auf ihrem heu­ti­gen kunst­stoff­rei­chen Par­tei­tag in Ber­lin blick­ten, berich­ten die Medi­en, die Grü­nen opti­mi­stisch in die Zukunft, denn nicht nur habe das vor­läu­fi­ge Schei­tern der Koali­ti­on mit „Uni­on“ und F.D.P. die Nähe zur offen­bar natür­li­chen poli­ti­schen Part­ne­rin, der CDU, gestärkt, son­dern auch und vor allem sei­en sie, die Grü­nen, nicht schul­dig am Ablauf, denn sie, die Grü­nen, haben nach Kräf­ten „zuerst ans Land“ („ZEIT ONLINE“) gedacht.

Einer der bei­den nun ehe­ma­li­gen Ver­hand­lungs­füh­rer, der alte Mann Cem Özd­emir, mut­maß­te:

Wer weiß, wie die Ver­hand­lun­gen aus­ge­gan­gen wären, wenn die FDP nicht so ein Män­ner­club gewe­sen wäre.

Sei­ne poli­ti­sche Part­ne­rin, die qua 100-Pro­zent-Quo­te zur Zwangs­kan­di­da­tin gekür­te Kat­rin Göring-Eckardt, ergänz­te, dass Pes­si­mis­mus nun unan­ge­bracht sei, denn die näch­sten vier Jah­re – unab­hän­gig davon, was nun regie­rungs­mä­ßig noch geschieht – sei­en schon jetzt die vier Jah­re, in denen es gel­te, neue Wäh­ler­schaf­ten zu erschlie­ßen, an die noch nie­mand sonst gedacht hat:

Wir wol­len dass in die­sen vier Jah­ren, dass jede Bie­ne, jeder Vogel und jeder Schmet­ter­ling weiß, wir wer­den uns für sie ein­set­zen!

Wenn es schon für die Men­schen nicht reicht.

Musikkritik
A.R. & Machi­nes – Die grü­ne Rei­se

A.R. & Machines - Die grüne ReiseDie­ser Tage ist in der Pres­se zu lesen, dass Achim Rei­chel, bekannt für Scheiß­mu­sik, um 1970 her­um auch mal gut war, was er mitt­ler­wei­le auch selbst ein­ge­se­hen hat und dem Abfei­ern sei­ner Expe­ri­men­tal­pha­se aktiv zuar­bei­tet. Für die beste Plat­te die­ser Schaf­fens­pha­se, die mit dem tref­fend benann­ten Album „Erho­lung“ 1975 ende­te und anschlie­ßend ohne merk­li­chen Über­gang durch besag­te Scheiß­mu­sik ver­drängt wur­de, wird „Die grü­ne Rei­se“ von 1971 (Amazon.de, TIDAL) gehal­ten. Weil mich das musi­ka­lisch Obsku­re meist reizt, habe ich mal rein­ge­hört.

Auf die Ohren gibt es kei­ne See­manns­lie­der und kei­nen Beat­blöd­sinn, son­dern jah­res- und lan­des­üb­li­che Dro­gen­mu­sik, wie sie zur glei­chen Zeit auch aus diver­sen Hip­pie­kom­mu­nen zu hören war. Die Legen­de besagt, dass der Kom­po­nist nur ver­se­hent­lich auf einen ihm unbe­kann­ten Knopf an sei­nem Effekt­ge­rät gekom­men war und plötz­lich eine Ein­ge­bung hat­te, aus der die­se Musik ent­stand, aber dar­um mag es gera­de mal nicht gehen. – Die „grü­ne Rei­se“ ist tat­säch­lich auf­ge­baut wie eine sol­che, sich über zehn Stücke, von denen die mei­sten recht kurz sind, all­mäh­lich stei­gernd und in den nicht unin­ter­es­san­ten Fast­zwölf­mi­nü­ter „Truth And Pro­ba­bi­li­ty (A Lexi­con For Self-Know­ledge)“ mün­dend. „Die grü­ne Rei­se“, das sei gesagt, ist bilin­gu­al, die Tex­te, sofern gege­ben, sind eng­lisch­spra­chig.

A.R. & Machi­nes – Glo­bus (Glo­be) (Die Grü­ne Rei­se)

„Die grü­ne Rei­se“ ist, ver­mut­lich nicht zuletzt wegen sei­ner Ent­ste­hungs­le­gen­de, ziem­lich repe­ti­tiv und damit trotz sei­ner ange­neh­men Kan­ten weni­ger selt­sam als man­che zeit­ge­nös­si­sche Kon­kur­renz, was kei­nes­wegs hei­ßen soll, dass es nicht genau das rich­ti­ge Maß an „was war das denn gera­de?“ bie­tet, wenn man in so einer Lau­ne ist. Dabei ist das eröff­nen­de „Glo­bus“, soeben zu hören gewe­sen, mit sei­ner Flir­rig­keit noch bei­na­he ein wenig unty­pisch für das Album: Drei der vier „Station“-Stücke, deren erstes bei­na­he gewöhn­li­chen Rock ins Klang­bild inte­griert, legen vor dem Hörer eine elek­tro­ni­sche Land­schaft im Gei­ste von Tan­ge­ri­ne Dream u.a. aus, mit­tig unter­bro­chen von dem bei­na­he Can-taug­li­chen Gesangs­stück „I’ll Be Your Sin­ger. You’ll Be My Song“. Und dann wäre da noch das letz­te Stück (auf spä­te­ren Fas­sun­gen von zwei wei­te­ren Stücken aus spä­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen, näm­lich den recht ent­span­nen­den Titeln „Gute Rei­se“ und „Atmo­sphe­re“, ver­folgt), eine für die­sen Künst­ler und selbst die­ses Jahr ver­gleichs­wei­se beklopp­te Dar­bie­tung des­sen, was man aus einer Gitar­re, ein paar Echo­ef­fek­ten und, wie ich ein­fach ein­mal anneh­men möch­te, ordent­lich Dro­gen so her­aus­ho­len kann, Hüh­ner­ge­räu­sche ein­ge­schlos­sen:

Achim Rei­chel & Machi­nes – Truth And Pro­ba­bi­li­ty (A Lexi­con For Self-Know­ledge)

Ich bin ins­ge­samt eini­ger­ma­ßen ver­blüfft über die media­le Rezep­ti­on die­ses Albums aus­ge­rech­net im Jahr 2017, mir selbst aber auch noch nicht ganz sicher, was ich von dem Gehör­ten hal­ten soll. Als Wer­tung möch­te ich obi­ges „nicht unin­ter­es­sant“ ein­fach mal ste­hen las­sen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Plu­ra­li­stisch wie der Vati­kan.

Von einer Par­tei, deren Vor­sit­zen­de poli­ti­sche For­de­run­gen mit dem Alten Testa­ment begrün­det, etwas Rest­ver­nunft zu erwar­ten ist ver­mut­lich ein rei­cher Quell der Ent­täu­schung, aber die­sen Antrag der Leip­zi­ger „Lin­ken“ möch­te ich dann doch nicht uner­wähnt las­sen:

Com­pact und ande­re Ver­la­ge (…) von der Buch­mes­se aus­schlie­ßen, um (…) Plu­ra­lis­mus zu ermög­li­chen!

Und wenn wir dann noch alle Par­tei­en außer der „Lin­ken“ ver­bie­ten und eine groß­zü­gig dimen­sio­nier­te Mau­er hoch­zie­hen, haben wir end­lich wie­der ver­nünf­ti­ge Ver­hält­nis­se in Ost­deutsch­land. Braucht Russ­land noch ein biss­chen Flä­che?


Pri­ma Fest­stel­lung zum lästi­gen Text­edi­tor Atom: „Ein Git­hub­nut­zer taucht auf, um damit zu prah­len, dass man ‚fast ohne Ver­zö­ge­rung‘ tip­pen kann.“

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum „grü­nen“ Koali­ti­ons­ver­ständ­nis

Wenn nun, da „Jamai­ka“ (ehe­dem: „Schwam­pel“), wie bereits heu­te früh bemerkt, bis auf Wei­te­res kei­ne Koali­ti­ons­op­ti­on mehr dar­stellt, die Grü­nen, die sich seit spä­te­stens ihrem feh­len­den Prin­zi­pi­en zu ver­dan­ken­den Auf­stieg 1998 vor allem dadurch her­vor­tun, dass sie sich einem Cha­mä­le­on gleich ihrer poli­ti­schen Umge­bung, sei sie nun krie­ge­risch oder sei sie nun auto­mo­bil­freund­lich, anpas­sen und sich dabei auf­grund aus­blei­ben­der Stär­ke des Wil­lens, eige­ne poli­ti­sche Inhal­te außer­halb Twit­ters und Talk­shows durch­zu­set­zen, sowohl in Koali­tio­nen mit der CDU, für deren Gunst sie auch schon mal Hand­gra­na­ten für Poli­zi­sten für eine gute Idee hal­ten, als auch mit den „Lin­ken“ und sogar mit der rechts­po­pu­li­sti­schen SPD wohl genug füh­len, sich auf vie­ler­lei Kanä­len dar­über beschwe­ren, dass die F.D.P., deren Wahl­ver­spre­chen mit den ihren nicht zu ver­ein­ba­ren waren, im Gegen­satz zu ihnen ab einer gewis­sen Men­ge an Kom­pro­mis­sen (lies: Strei­chun­gen von poli­ti­schen Zie­len [lies: Prin­zi­pi­en]) nicht mehr bereit war, die Inhal­te, für die sie gewählt wur­de, irgend­ei­ner Betei­li­gung am Fut­ter­trog mit gut bezahl­ten Pöst­chen unter­zu­ord­nen, denn das sei, fasel­te Rein­hard Büti­ko­fer, eine Ver­wei­ge­rung „staats­po­li­ti­scher Ver­ant­wor­tung“, als lau­te­te die ein­zig rele­van­te staats­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung in einer par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie – sofern das Wort „Demo­kra­tie“ sich für Ver­tre­ter­sy­ste­me über­haupt eig­net – nicht, den Wil­len der Mehr­hei­ten, die sich durch­aus manch­mal etwas dabei den­ken, dass sie sich beim Kreu­ze­ma­chen für eine bestimm­te Par­tei ent­schei­den, und ihre poli­ti­schen Wün­sche mit­tels Wahl über­haupt erst zu irgend­wel­chen „Son­die­run­gen“ füh­ren lie­ßen, best­mög­lich umzu­set­zen, son­dern die­se Mehr­hei­ten wie bereits in den letz­ten Jah­ren dank über­ra­gen­der pro­zen­tua­ler Über­le­gen­heit durch­zu­re­gie­ren, auf dass jede Oppo­si­ti­on man­gels Stimm­an­teils poli­tisch egal sein möge, dann dis­kre­di­tiert das tat­säch­lich eine bestimm­te Par­tei; und die trägt kein Grün in ihren Far­ben.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Kam­chat­ka – Tan­go Deca­dence // Aus­ge­schwam­pelt.

Guck mal, wie der guckt!Es ist so was von Mon­tag, da brau­chen wir gar nicht drü­ber zu dis­ku­tie­ren; machen wir auch nicht, ist ja kein Chat hier. Gibt es noch was zu Pan­da­bä­ren in den Nach­rich­ten? Natür­lich, denn Pan­da­bä­ren sind immer gefragt: Mela­nia Trump hat sich Pan­das ange­guckt. Drol­li­ge Wesen schei­nen in ihrem Leben eine gro­ße Rol­le zu spie­len.

Apro­pos Poli­ti­ker: Wäh­rend in Däne­mark Hip­ster­ver­bo­te zur Dis­kus­si­on ste­hen, ver­lief die hie­si­ge poli­ti­sche Dis­kus­si­on in den letz­ten Tagen etwas zäh. Die Koali­ti­ons­bil­dung der drei­ein­halb angeb­lich mit einem Regie­rungs­auf­trag aus­ge­stat­te­ten Par­tei­en anläss­lich der Neu­bil­dung des kom­men­den Bun­des­tags gestal­te­te sich Medi­en­be­rich­ten zufol­ge unge­fähr so schwie­rig wie ange­nom­men, was schließ­lich und end­lich in einen Ver­zicht sei­tens der F.D.P. mün­de­te. Wäre es nicht für jeden Wäh­ler eine weit­aus ange­neh­me­re Ent­schei­dung, man ver­zich­te­te auf irgend­wel­che Klün­ge­lei­en und setz­te die Par­tei­en statt­des­sen in dem Wahl­er­geb­nis ent­spre­chen­den Antei­len neben­ein­an­der in die­sen Bun­des­tag? – Ach, das wäre dann Volks­wil­le. Mein Feh­ler!

Manch­mal steht Nut­zen eben vor cool­ness. Bei „hei­se online“ ver­steht man das nicht, dort preist man den ollen Chrom­e­fox 57 dafür, dass er „wie­der cool“ sei, und plötz­lich mel­det sich schmerz­haft das Alter und weist dar­auf hin, dass man sol­chen Kri­te­ri­en beim Instal­lie­ren von Krams nichts mehr abge­win­nen kann. Gute Nach­rich­ten wäh­rend­des­sen: Bet­teln ist auch ein Beruf. Da möch­te man fast gewalt­tä­tig wer­den, zum Glück fällt einem noch recht­zei­tig ein, dass Gewalt gera­de nicht so gefragt ist, nicht ein­mal in einem Heer aus Men­schen, deren Beruf es ist, mit Gerä­ten, die allein zu Gewalt­zwecken erfun­den und gebaut wur­den, in irgend­wel­chen Län­dern her­um­zu­ren­nen. Was, Meu­cheln ist jetzt ver­pönt? Nein, natür­lich nicht – nur sexu­el­le Gewalt wird nicht gern gese­hen, fin­det man im Feuil­le­ton („Nach­rich­ten“).

Was man im Feuil­le­ton nicht so fin­det, ist gute Musik gut. Aber dafür bin ich ja da.

Kam­chat­ka – Tan­go Deca­dence ( OFFICIAL VIDEO )

Guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt dar­in um (2).

Ich arbei­te momen­tan qua­si neben­bei an einem etwas umfang­rei­che­ren Brow­ser­din­gens, zu dem ich zu gege­be­ner Zeit viel­leicht noch ein biss­chen Ver­mark­tungs­bla­bla fal­len las­sen wer­de. Um die Zeit bis dahin zu über­brücken, habe ich für den end­lich ver­öf­fent­lich­ten Chrom­e­fox „Fire­fox“ 57 eine ein­fa­che Erwei­te­rung geschrie­ben, die auf deutsch- und eng­lisch­spra­chi­gen Web­sites das gefähr­li­che Bin­go­wort „Cloud“ durch „die Com­pu­ter ande­rer Leu­te“ ersetzt, zum Bei­spiel auf Ver­gleichs­por­ta­len:

So klingt es gleich viel richtiger.

Ich ver­mu­te, die Gram­ma­tik ist in man­cher For­mu­lie­rung noch nicht ganz sau­ber. Die erste Test­ver­si­on ist jeden­falls auf Mozilla.org zu fin­den. Die Lizenz – wie meist – ist die WTFPL. Erfri­schen­der­wei­se fin­det Mozil­las auto­ma­ti­sche Über­prü­fung, die Lizenz sei nicht sehr schön for­mu­liert. Ich bin immer wie­der über­rascht.

Mir wird geschlechtPolitikIn den NachrichtenComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 17. Novem­ber 2017

Femi­nis­mus sei Sexu­al­kom­mu­nis­mus, resü­miert Had­mut Danisch.


Die seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert obso­le­te NATO kann – hier muss ich erneut dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten zustim­men – auch weg.


Nach­dem sich aus­rei­chend vie­le Men­schen dar­über beschwert haben, dass es auf Twit­ter auch dann mög­lich war, nach­zu­wei­sen, dass man wirk­lich der ist, der man zu sein vor­gibt, wenn man ziem­lich kon­ser­va­ti­ve poli­ti­sche Ansich­ten hat, hat Twit­ter jetzt Kon­se­quen­zen gezo­gen und nimmt „den Rech­ten“ die Veri­fi­ka­ti­on weg. Ein blau­es Häk­chen bedeu­tet jetzt nicht mehr nur, dass man wirk­lich man selbst ist, son­dern auch, dass man poli­tisch auf der Sei­te der Guten steht. Wer mir min­de­stens acht Nach­tei­le die­ses Vor­ge­hens nen­nen kann, bekommt ein Fleiß­bi­en­chen, wird danach aller­dings wahr­schein­lich von Twit­ter gesperrt.


Apro­pos Sper­ren: Wäh­rend sich in Deutsch­land alle Medi­en an der AfD abar­bei­ten, beschließt die CDU im Euro­päi­schen Par­la­ment wie­der mal wider­li­ches Zeug, dies­mal schon wie­der Netz­sper­ren.


Läuft bei Fuß­fes­seln, näm­lich davon.


Kom­men wir von alten zu neu­en Jugend­wör­tern: Das „Jugend­wort des Jah­res“ ist auch dies­jäh­rig weder ein Wort noch wird es von Jugend­li­chen ver­wen­det.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
End­lich: Grü­ne blu­ten für ihr Land!

Es soll ja nie­mand anneh­men, nur in der Pira­ten­par­tei hät­te es ein Son­der­ling leicht, zum Fach­mann für irgend­was gekürt zu wer­den. Die sich selbst als „Finanz­ex­per­tin“ bezeich­nen­de Lisa Paus, aus unkla­rem Grund für die „Grü­nen“ im Bun­des­tag unser Geld weg­sit­zend, frag­te näm­lich am ver­gan­ge­nen Mon­tag doof auf Twit­ter:

Was haben Schnitt­blu­men, Ski­lift­fahr­ten und Renn­pfer­de gemein­sam.

Was Lisa Paus mit Renn­pfer­den gemein­sam hat, ist an die­ser Stel­le offen­sicht­lich, näm­lich das mise­ra­ble Ver­ständ­nis für Zei­chen­set­zung, aber dar­um geht es natür­lich nicht, son­dern um eine krei­sche­ri­sche Peti­ti­on einer ande­ren Frau, über die nur wenig bekannt ist:

Sie ist 25, lebt in Ber­lin und beschäf­tigt sich mit femi­ni­sti­schen The­men. „Wäh­rend des Stu­di­ums wur­de am Ende des Monats oft das Geld knapp. Wenn ich dann noch mei­ne Tage bekam, bin ich schon mal zu mei­ner Mut­ter gegan­gen und habe um Geld gebe­ten“, sagt sie.

Dass es zum Lebens­er­halt nicht reicht, sich mit femi­ni­sti­schen The­men zu beschäf­ti­gen und in Ber­lin zu woh­nen, stellt außer­halb Ber­lins kei­ne nen­nens­wer­te Über­ra­schung dar, aber statt den rich­ti­gen Schluss zu zie­hen und sich einer anstän­dig bezahl­ten Pro­fes­si­on, für die man etwas Ver­nünf­ti­ges ler­nen müss­te, hin­zu­ge­ben, stellt Peti­tio­ni­stin Hele­na Ser­bent blö­de „Kam­pa­gnen“ (das ist Wer­be­risch für „bun­te Web­sei­ten“) ins sowie­so schon nur noch schwer erträg­li­che Web, die unter einem bescheu­er­ten „Hash­tag“ in Koexi­stenz mit gera­de­zu preis­wür­dig debi­len Pla­kat­mo­ti­ven wie „Ich blu­te für mein Land“ (da freut sich das Land aber) fol­gen­den Stuss pro­pa­gie­ren:

Die Kam­pa­gne #Bloo­dy­Lu­xu­ry­Tax zeigt eine für Frau­en, Non-Bina­ry- und Trans­men­schen unge­rech­te Situa­ti­on auf – ganz ein­fach, weil CIS Män­ner nicht ihre Tage haben.

Wor­um geht es? Nun, vor allem dar­um, dass Hele­na Ser­bert von Steu­er­recht kei­ne Ahnung hat. Ihre gesam­te „Kam­pa­gne“ dreht sich um die Fest­stel­lung, dass „Damen­hy­gie­ne­pro­duk­te“ (also Tam­pons, Bin­den u.a.) mit 19 Pro­zent Mehr­wert­steu­er belegt sind, was nach ihrem nicht aus­rei­chen­den Ver­ständ­nis allein dar­an liegt, dass der Staat sel­bi­ge Pro­duk­te zu Unrecht nicht als lebens­not­wen­dig betrach­tet. Das erklärt dum­me Fra­gen wie die­se:

Wäh­rend­des­sen unter­lie­gen tat­säch­li­che Luxus­ar­ti­kel wie Kavi­ar, 5‑Ster­ne-Zim­mer oder Kino­kar­ten dem redu­zier­ten Mehr­wert­steu­er­satz von 7%, wel­cher für lebens­not­wen­di­ge Pro­duk­te vor­ge­se­hen ist. (…) st Kavi­ar wirk­lich lebens­not­wen­di­ger als Tam­pons oder Bin­den?

(Feh­len­des „i“ aus dem Ori­gi­nal über­nom­men.)

Natür­lich ist er das nicht, des­we­gen wird Kavi­ar ja wie zum Bei­spiel auch Hum­mer und Austern gemäß Anla­ge 2 UStG eben­falls mit 19 Pro­zent besteu­ert, aber wer außer Femi­nis­mus und Aus­ber­lin­sein nichts kann, der wird nie­mals in die finan­zi­el­le Lage kom­men, über­haupt über den Erwerb von Kavi­ar zwecks Über­prü­fung nach­zu­den­ken. Ich ahne aller­dings, woher die fal­sche Zahl kommt: Auf (mal wie­der) taz.de log sich Pseud­ony­ma „Mor­ga­ne Llan­que“ bereits im März 2016 irgend­was über Sie­ben-Pro­zent-Kavi­ar zusam­men. Dass es sicher­lich Raum für Dis­kus­sio­nen lässt, ob die mobi­le Blu­tungs­ver­hin­de­rung „lebens­not­wen­dig“ ist oder nicht, möch­te ich an die­ser Stel­le gar nicht anzwei­feln, aber die Behaup­tung, es hand­le sich um eine „für Frau­en“ (und so wei­ter) unge­rech­te Situa­ti­on, ist selbst­ver­ständ­lich ein gera­de­zu schmerz­haf­ter Beleg für die geball­te Inkom­pe­tenz, mit der hier ver­sucht wird, Mas­sen von Men­schen, die genau so wenig Ahnung vom Steu­er­recht haben, dazu zu bewe­gen, eine Unge­rech­tig­keit weg­zu­pe­ti­tio­nie­ren, die es gar nicht gibt.

Der Regel­satz von 19 Pro­zent Mehr­wert­steu­er („Luxus­steu­er“, H. Ser­bert, anschei­nend ca. 17. Jhd.) gilt näm­lich auch für Kon­do­me und Her­ren­ra­sie­rer, und wäh­rend Kon­do­me mit­un­ter – je nach kör­per­li­cher Ver­fas­sung – im Gegen­satz zu irgend­wel­chen Blu­tungs­fän­gern tat­säch­lich Leben ret­ten kön­nen, wobei meist einer die­ser angeb­lich bevor­zug­ten „Cis-Män­ner“ (zu mei­ner Zeit hieß das ja ein­fach nur „Män­ner“, aber damals wur­de jemand mit Non-Bina­ry-Ver­ir­rung auch noch als gei­stig ver­wirrt betrach­tet und bekam nicht statt­des­sen einen halb­wegs seri­ös wir­ken­den Preis dafür) der­je­ni­ge ist, der die­se Kon­do­me eben benut­zen muss, und nicht bloß dafür da sind, dass man weni­ger wider­lich aus­sieht, haben Her­ren­ra­sie­rer eine eben­so­we­nig lebens­not­wen­di­ge Eigen­schaft wie Tam­pons oder Damen­bin­den; nur, dass hier­auf nicht ein­mal von bär­ti­gen Ber­li­ner Star­tup­knech­ten ein künst­li­cher Geschlech­ter­kampf gefußt wird. Klar: Ber­li­ner. Was ist da schon zu erwar­ten?

Lisa Paus – die mit den Renn­pfer­den – wird zur Peti­ti­on von der „taz“ wie folgt zitiert:

„Wir wol­len dar­über reden, wie man Aus­nah­men abbaut. Solan­ge das aber nicht in Sicht ist, geht die Welt nicht unter, wenn wir auch Damen­hy­gie­ne­pro­duk­te begün­sti­gen“, sagt Grü­nen-Steu­er­ex­per­tin Lisa Paus. Die Initia­ti­ve sei des­halb rich­tig, weil sie ein sehr gutes Sym­bol sei, um auf geschlech­te­run­ge­rech­te Besteue­rung hin­zu­wei­sen, die auch in ande­ren Berei­chen vor­herr­sche.

Wenn jemand, der so wenig von Steu­ern ver­steht, bereits „Grü­nen-Steu­er­ex­per­tin“ sein darf, soll­ten wir hof­fen, dass es auch in Zukunft nie­mals einen „grü­nen“ Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster geben wird.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Pro­Sie­ben-Chef nennt Zuschau­er „fett­lei­big und ein biss­chen arm“; und beson­ders schlau, wie sich aus den ein­schlä­gi­gen Fern­seh­zeit­schrif­ten fol­gern lässt, sind sie, das füge ich hin­zu, augen­schein­lich auch nicht unbe­dingt.

Spaß mit Spam
Unschlag­bar­me­dia

Was pas­siert eigent­lich, wenn man beim Inter­net­dien­ste­an­bie­ter Unity­me­dia sei­nen Ver­trag nicht all­zu früh­zei­tig ver­län­gert?

Nun, man bekommt irgend­wann eine E‑Mail mit einem per­sön­li­chen Treue­an­ge­bot, das es ermög­licht, für einen Auf­preis von nur 0 Euro im Monat ein genau so schnel­les Inter­net zu haben wie vor­her, um zu ver­hin­dern, dass man ein­fach den Ver­trag kün­digt und neu abschließt, was einen immensen Auf­preis von minus 10 Euro im Monat mit sich bräch­te.

[der­Grinch] damit du ein treu­er kun­de bleibst
[der­Grinch] zum vor­zugs­preis von wie immer
[Lars] ja rich­tig, weil neu­kun­den für den sel­ben tarif näm­lich 25 euro zah­len, nicht wie ich, 35.

(Beschnei­dung und Mar­kie­rung von mir.)

Das hat man dann halt davon. :irre:

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Elephant9 & Rei­ne Fis­ke (live) // Klei­ne dicke Män­ner zie­hen sich was an.

Hinter dieser Eule hat sich ein Panda versteckt.Es ist Mon­tag. Die aus­blei­ben­de Erd­er­wär­mung lässt zwei­feln, ob das Bege­hen die­ses Tages außer­halb des schüt­zen­den Inne­ren eine beson­ders gute Idee wäre, aber Pel­zig­keit ist nur den Guten gege­ben. Viel­leicht zählt es ja schon als kri­sen­er­probt, wenn man stän­dig eine Kri­se hat.

Wenn auch nur per­sön­li­che, denn diplo­ma­ti­sche Kri­sen über­lässt man lie­ber den Kön­nern: Der klei­ne Fett­sack hat mich alt genannt! Frü­her hät­te es das nicht gege­ben, frü­her hät­te man da direkt das Mili­tär vor­bei­ge­schickt. Man wird sich noch nach der Zeit zurück­seh­nen, als der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent noch schrieb statt focht. Auch ande­re fech­ten mit Schrift statt Schwert: Auf „SPIEGEL ONLINE“ stellt Jan Fleisch­hau­er fest, dass man in Deutsch­land schnel­ler drin ist als drau­ßen; das mag es von sei­nem öst­li­chen Vor­gän­ger­staat über­nom­men haben.

Die Welt der Tech­nik ist auch nicht mehr die Welt der Schlau­en: Die Bild­schir­me der 2017 erschie­ne­nen Android-Flagg­schif­fe der ein­schlä­gi­gen Smart­phone­her­stel­ler wei­sen alle­samt, wie Medi­en berich­ten, aus irgend­wel­chen unkla­ren Grün­den qua­si als Nach­fol­ge­for­mat von „16:9“ ein Grö­ßen­ver­hält­nis von 2:1 auf, das jedoch als „18:9“ ver­mark­tet wird. Eine in ver­schie­de­nen Foren und Blogs zu fin­den­de Erklä­rung für die­sen mathe­ma­ti­schen Unsinn ist, dass die Men­schen auf die­se Wei­se die Ände­rung zu vor­her bes­ser ver­ste­hen, weil sie den Unter­schied zwi­schen „16:9“ und „2:1“ nicht so offen­sicht­lich erken­nen kön­nen; was die Ver­mu­tung, dass Smart­phones ihre Benut­zer oft düm­mer machen, frag­los unter­streicht. Dazu passt die Mel­dung, dass einer Fir­ma, die ver­netz­tes Fick­spiel­zeug her­stellt, ein klei­ner Feh­ler unter­lau­fen ist, so dass es stän­dig Daten durch die Gegend schick­te. Ist halt smart, ist halt modern.

Auf „ZEIT ONLINE“ faselt die merk­lich weni­ger smar­te Bar­ba­ra Kuch­ler davon, dass Frau­en auf­hö­ren soll­ten, schön sein zu wol­len, indem sie sich zum Bei­spiel end­lich mal was anzie­hen, und behaup­tet, Män­ner hät­ten so etwas ja auch nicht nötig, über­sieht dabei aber, dass nicht alle Män­ner oder sol­che, die es gern wären, sich zum Bei­spiel in Anzü­ge oder Mus­kel­shirts immer nur des­halb zwän­gen, weil die­se so ein ange­neh­mes Tra­ge­ge­fühl bie­ten, son­dern man­che, von denen ich mich schon aus Niveau­grün­den lie­ber distan­ziert sehen möch­te, mit­un­ter auch, weil es eine ganz bestimm­te Art Frau gibt, die dar­auf jeweils „steht“. Ich für mei­nen Teil habe zwar einen angeb­lich frag­wür­di­gen Sinn für Mode, fän­de es aller­dings durch­aus ästhe­tisch und optisch berei­chernd, wür­de der Markt für gro­tes­ke Gesichts­be­ma­lung aus­ge­trock­net, und sei es nur aus falsch ver­stan­de­nem Kampf gegen „den Sexis­mus“.

Aku­stisch berei­chernd ist der­weil auch heu­te der gute alte (bzw. neue) Jazz­rock.

Elephant9 with Rei­ne Fis­ke – I Cover the Moun­tain Top (Live)

Guten Mor­gen.

Piratenpartei
Neu­es aus der Pira­ten­an­stalt: Den Faschis­mus ver­harm­lo­sen dank Sat­zung­s­i­gno­ranz.

Apro­pos Laber­ta­schen.

Der zu jeder­manns Erbau­ung nicht wei­ter­hin amtie­ren­de Ver­wand­te eines deut­schen Foto­mo­dells, der bis zum Herbst 2017 die Geschicke der Pira­ten­par­tei Deutsch­land mit viel Elan, aber selbst ohne Geschick zu steu­ern glaub­te, ist mit sei­ner neu­en Posi­ti­on als, wie es par­tei­in­tern heißt, Basis­gur­ke nach eige­nem Bekennt­nis kei­nes­wegs unzu­frie­den, da er nun wie­der eine Men­ge Zeit hat, um etwa für den kom­men­den Lan­des­par­tei­tag sei­nes Lan­des­ver­ban­des Anträ­ge mit­zu­ge­stal­ten. Erwähn­te ich, dass Basis­de­mo­kra­tie eine schlech­te Idee ist?

Es sei ange­merkt, dass der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­ver­band der Pira­ten­par­tei seit Jah­ren dafür bekannt ist, sich als Brut­stät­te reich­lich illi­be­ra­ler Per­sön­lich­kei­ten her­vor­zu­tun, von denen man­che mit sexu­el­ler Frei­zü­gig­keit, ande­re mit über­bor­den­dem Femi­nis­mus und wie­der­um Drit­te mit beklopp­ten Anträ­gen auf Par­tei­ta­gen bekannt gewor­den sind. Für die bis­lang letz­te, mit einem beacht­li­chen Ver­lust an die Wand gefah­re­ne Land­tags­wahl dach­te man sich unter dem gera­de­zu han­no­ve­resk lust­los „aus­ge­dach­ten“ Eti­kett „smart­ge­recht“ dort gar Pla­kat­mo­ti­ve wie „Pro­test wäh­len! Kei­ne Nazis!“ aus, denn wenn schon für kon­struk­ti­ve Poli­tik kei­ne Fach­kräf­te mehr zuge­gen sind, so fin­det sich sicher­lich immer irgend­ein blö­der Wäh­ler, dem fla­che Gegen-irgend­was-Paro­len Wahl­an­lass genug sind. Wenn man so will, ist Nord­rhein-West­fa­len aus Par­tei­sicht das west­deut­sche Bran­den­burg.

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PersönlichesNetzfundstückeNerdkrams
Nach­trag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Laber­ta­schen.

Twit­ter kannich erwähn­te es gestern – jetzt 280 Zei­chen. Die Deut­sche Bahn beschwer­te sich ver­meint­lich selbst­iro­nisch, dass die Zei­chen für die mög­li­chen Grün­de für eine Zug­ver­spä­tung immer noch nicht rei­chen.

Selbst­ver­ständ­lich hält die Ver­dop­pe­lung der Zei­chen­an­zahl nie­man­den auf Twit­ter davon ab, Twit­ter gründ­lich miss­zu­ver­ste­hen und sei­ten­lan­ge Selbst­ge­sprä­che („Threads“) zu begin­nen, jetzt noch län­ger als zuvor, wor­auf – je nach The­ma – dann „Exper­ten“ aus der vor­nehm­lich links­po­li­ti­schen Sze­ne (das kann natür­lich auch ein Zufall sein) der­ge­stalt reagie­ren, dass sie den Anfang die­ses Selbst­ge­sprächs ver­lin­ken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der gan­ze Thread.“ drü­ber­schrei­ben, denn so span­nend anmo­de­rier­te Vor­trä­ge besucht man doch ger­ne. Dass der groß­ar­ti­ge Android-Twit­ter­cli­ent Tweetings jüngst wie auch ZenT­weet eine Opti­on erhal­ten hat, Tweets, deren Län­ge 140 Zei­chen über­schrei­tet, gar nicht erst anzu­zei­gen, lin­dert die Idio­tie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig über­ra­schend – oft die glei­chen Men­schen, die sich einer­seits dar­über beschwe­ren, dass Twit­ter sich hin­sicht­lich sei­ner neu­en Funk­tio­nen nicht nach sei­ner nicht zah­len­den Kund­schaft rich­tet, ande­rer­seits den Dienst aber für etwas miss­brau­chen, wofür er gar nicht da ist. Die Zei­chen­be­gren­zung, wie lang auch immer sie nun sein möge, soll­te dazu anlei­ten, eben nicht die­se „Tweet­stür­me“, wie sie im Eng­li­schen genannt wer­den, los­zu­las­sen, also einen Text auf eine mehr­stel­li­ge Anzahl an ein­zel­nen Tweets zu ver­tei­len, son­dern sich kurz zu fas­sen. Dass Twit­ter­ac­counts, die von irgend­wel­chen „lin­ken“ Demon­stra­tio­nen berich­ten, in der Regel vor dem eigent­li­chen Text noch die Uhr­zeit nen­nen, als wären ihre Leser zu däm­lich, eine Uhr zu benut­zen, war schon wun­der­lich genug. – Einer mei­ner lang­jäh­ri­gen Twit­ter­kon­tak­te monier­te gestern, dass der Wech­sel von „Tweet­stür­men“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zei­chen Twit­ter schier unbe­nutz­bar gemacht habe, weil das Kur­ze, Prä­gnan­te die­ses Mikro­blog­sy­stems bis dahin das Haupt­ar­gu­ment gewe­sen sei, wie­so man dort statt zum Bei­spiel auf Goog­le+ oder Insta­gram sei­ne Kon­tak­te pfle­ge, und hat damit eigent­lich völ­lig Recht.

Ich tei­le die Auf­fas­sung aller­dings nicht, dass ein Wech­sel der Platt­form hin zu einem ande­ren fremd­ge­ho­ste­ten System, das noch mehr Gela­ber ermög­licht, die Fehl­kon­zep­ti­on von Twit­ter ver­ges­sen lässt. Es spricht nichts dage­gen, dass län­ge­re Mono­lo­ge eben nicht dort statt­fin­den, wo sie schwer zu durch­schau­en, zu zitie­ren und vor allem wie­der­zu­fin­den sind, son­dern in einem eige­nen Blog oder Nicht­blog fest­ge­hal­ten wer­den, des­sen neue Bei­trä­ge man dann nach Belie­ben auch etwa auf Twit­ter und sonst­wo auto­ma­tisch ver­brei­ten kann. Mit Medi­um gibt es, so ungern ich das auch zuge­be, mitt­ler­wei­le auch einen ver­gleichs­wei­se unblö­den Dienst, der einem das lästi­ge Ein­rich­ten weit­ge­hend abnimmt und auf dem man sozu­sa­gen sofort lostip­pen kann. Es gibt kei­ne ver­nünf­ti­ge Ent­schul­di­gung mehr für „Twit­ter-Threads“, die über die vor­ge­scho­be­ne Aus­re­de, dass man dort wenig­stens gele­sen wer­de (war­um denn?), hin­aus­geht.

Jaja, Din­ge im Web aus­zu­for­mu­lie­ren ist nicht mehr modern, Infor­ma­tio­nen sind im Fluss, heu­te Abend inter­es­siert es nie­man­den mehr, was man heu­te früh noch für wich­tig hielt. Im wei­ßen Rau­schen der Twit­ter­stür­me bekommt man sei­ne Vier­tel­stun­de Ruhm prak­tisch täg­lich, zumal sich selbst Tages­zei­tun­gen längst auf Twit­ter bedie­nen, wenn ihre Redak­tio­nen mal wie­der nicht wis­sen, womit sie die Sei­ten befül­len sol­len. Es bedarf aller­dings schon einer äußerst kur­zen Auf­merk­sam­keit für das eige­ne Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die alle­samt zum sel­ben Bei­trag gehö­ren, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gera­de tut, für nie­man­den eine Berei­che­rung dar­stellt.

„Thread!“ ist, die­ser Schluss drängt sich förm­lich auf, ein Sze­n­e­be­griff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begrif­fen, die, wenn sie im eige­nen Stumm­schalt­fil­ter ste­hen, nicht zu Gesicht zu bekom­men nie­man­dem eine lesens­wer­te Infor­ma­ti­on vor­ent­hält.

Macht euch ein Blog, ihr Laber­ta­schen.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Der Deut­sche Tier­schutz­bund warnt: Tie­re, die nur leben, damit wir sie umbrin­gen und essen kön­nen, wer­den mit­un­ter nicht art­ge­recht gehal­ten. Wie ärger­lich.

In den NachrichtenComputerPolitik
Kurz ver­linkt: Mode­ra­te Kür­ze / Mode­ra­te Gesell­schafts­re­form

Auf Twit­ter darf man sei­nen Non­sens jetzt in 280 statt 140 Zei­chen ver­packen. „SPIEGEL ONLINE“ hat dafür eine amü­san­te For­mu­lie­rung gefun­den:

Die Kür­ze soll auch zukünf­tig wei­ter bestehen blei­ben, aller­dings etwas mode­ra­ter.

Das Ver­lags­ster­ben soll­te sich wirk­lich ein biss­chen beei­len, aller­dings etwas weni­ger mode­rat.


Auch der Vor­sit­zen­de der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, „Dr.“ Diet­mar Bartsch, fin­det weni­ger mode­ra­te Lösun­gen für nicht gege­be­ne Pro­ble­me anson­sten ganz annehm­bar:

Dif­fe­ren­zier­ten Blick auf #Okto­ber­re­vo­lu­ti­on wer­fen! Aber Fakt ist: Sie hat eine Chan­ce gege­ben, eine ande­re Gesell­schafts­ord­nung auf­zu­bau­en

Mir fal­len ohne lan­ges Über­le­gen noch man­che ande­re poli­ti­sche Groß­ereig­nis­se des 20. Jahr­hun­derts ein, die zu ein paar Mil­lio­nen Toten, aber immer­hin auch einer ande­ren Gesell­schafts­ord­nung geführt haben, aber wenn ich ihret­we­gen um einen dif­fe­ren­zier­ten Blick bäte, bekä­me ich sicher­lich manch uner­freu­li­che Zuschrift.