In den NachrichtenMir wird geschlecht
End­lich: Grü­ne blu­ten für ihr Land!

Es soll ja nie­mand anneh­men, nur in der Pira­ten­par­tei hät­te es ein Son­der­ling leicht, zum Fach­mann für irgend­was gekürt zu wer­den. Die sich selbst als „Finanz­ex­per­tin“ bezeich­nen­de Lisa Paus, aus unkla­rem Grund für die „Grü­nen“ im Bun­des­tag unser Geld weg­sit­zend, frag­te näm­lich am ver­gan­ge­nen Mon­tag doof auf Twit­ter:

Was haben Schnitt­blu­men, Ski­lift­fahr­ten und Renn­pfer­de gemein­sam.

Was Lisa Paus mit Renn­pfer­den gemein­sam hat, ist an die­ser Stel­le offen­sicht­lich, näm­lich das mise­ra­ble Ver­ständ­nis für Zei­chen­set­zung, aber dar­um geht es natür­lich nicht, son­dern um eine krei­sche­ri­sche Peti­ti­on einer ande­ren Frau, über die nur wenig bekannt ist:

Sie ist 25, lebt in Ber­lin und beschäf­tigt sich mit femi­ni­sti­schen The­men. „Wäh­rend des Stu­di­ums wur­de am Ende des Monats oft das Geld knapp. Wenn ich dann noch mei­ne Tage bekam, bin ich schon mal zu mei­ner Mut­ter gegan­gen und habe um Geld gebe­ten“, sagt sie.

Dass es zum Lebens­er­halt nicht reicht, sich mit femi­ni­sti­schen The­men zu beschäf­ti­gen und in Ber­lin zu woh­nen, stellt außer­halb Ber­lins kei­ne nen­nens­wer­te Über­ra­schung dar, aber statt den rich­ti­gen Schluss zu zie­hen und sich einer anstän­dig bezahl­ten Pro­fes­si­on, für die man etwas Ver­nünf­ti­ges ler­nen müss­te, hin­zu­ge­ben, stellt Peti­tio­ni­stin Hele­na Ser­bent blö­de „Kam­pa­gnen“ (das ist Wer­be­risch für „bun­te Web­sei­ten“) ins sowie­so schon nur noch schwer erträg­li­che Web, die unter einem bescheu­er­ten „Hash­tag“ in Koexi­stenz mit gera­de­zu preis­wür­dig debi­len Pla­kat­mo­ti­ven wie „Ich blu­te für mein Land“ (da freut sich das Land aber) fol­gen­den Stuss pro­pa­gie­ren:

Die Kam­pa­gne #Bloo­dy­Lu­xu­ry­Tax zeigt eine für Frau­en, Non-Bina­ry- und Trans­men­schen unge­rech­te Situa­ti­on auf – ganz ein­fach, weil CIS Män­ner nicht ihre Tage haben.

Wor­um geht es? Nun, vor allem dar­um, dass Hele­na Ser­bert von Steu­er­recht kei­ne Ahnung hat. Ihre gesam­te „Kam­pa­gne“ dreht sich um die Fest­stel­lung, dass „Damen­hy­gie­ne­pro­duk­te“ (also Tam­pons, Bin­den u.a.) mit 19 Pro­zent Mehr­wert­steu­er belegt sind, was nach ihrem nicht aus­rei­chen­den Ver­ständ­nis allein dar­an liegt, dass der Staat sel­bi­ge Pro­duk­te zu Unrecht nicht als lebens­not­wen­dig betrach­tet. Das erklärt dum­me Fra­gen wie die­se:

Wäh­rend­des­sen unter­lie­gen tat­säch­li­che Luxus­ar­ti­kel wie Kavi­ar, 5‑Ster­ne-Zim­mer oder Kino­kar­ten dem redu­zier­ten Mehr­wert­steu­er­satz von 7%, wel­cher für lebens­not­wen­di­ge Pro­duk­te vor­ge­se­hen ist. (…) st Kavi­ar wirk­lich lebens­not­wen­di­ger als Tam­pons oder Bin­den?

(Feh­len­des „i“ aus dem Ori­gi­nal über­nom­men.)

Natür­lich ist er das nicht, des­we­gen wird Kavi­ar ja wie zum Bei­spiel auch Hum­mer und Austern gemäß Anla­ge 2 UStG eben­falls mit 19 Pro­zent besteu­ert, aber wer außer Femi­nis­mus und Aus­ber­lin­sein nichts kann, der wird nie­mals in die finan­zi­el­le Lage kom­men, über­haupt über den Erwerb von Kavi­ar zwecks Über­prü­fung nach­zu­den­ken. Ich ahne aller­dings, woher die fal­sche Zahl kommt: Auf (mal wie­der) taz.de log sich Pseud­ony­ma „Mor­ga­ne Llan­que“ bereits im März 2016 irgend­was über Sie­ben-Pro­zent-Kavi­ar zusam­men. Dass es sicher­lich Raum für Dis­kus­sio­nen lässt, ob die mobi­le Blu­tungs­ver­hin­de­rung „lebens­not­wen­dig“ ist oder nicht, möch­te ich an die­ser Stel­le gar nicht anzwei­feln, aber die Behaup­tung, es hand­le sich um eine „für Frau­en“ (und so wei­ter) unge­rech­te Situa­ti­on, ist selbst­ver­ständ­lich ein gera­de­zu schmerz­haf­ter Beleg für die geball­te Inkom­pe­tenz, mit der hier ver­sucht wird, Mas­sen von Men­schen, die genau so wenig Ahnung vom Steu­er­recht haben, dazu zu bewe­gen, eine Unge­rech­tig­keit weg­zu­pe­ti­tio­nie­ren, die es gar nicht gibt.

Der Regel­satz von 19 Pro­zent Mehr­wert­steu­er („Luxus­steu­er“, H. Ser­bert, anschei­nend ca. 17. Jhd.) gilt näm­lich auch für Kon­do­me und Her­ren­ra­sie­rer, und wäh­rend Kon­do­me mit­un­ter – je nach kör­per­li­cher Ver­fas­sung – im Gegen­satz zu irgend­wel­chen Blu­tungs­fän­gern tat­säch­lich Leben ret­ten kön­nen, wobei meist einer die­ser angeb­lich bevor­zug­ten „Cis-Män­ner“ (zu mei­ner Zeit hieß das ja ein­fach nur „Män­ner“, aber damals wur­de jemand mit Non-Bina­ry-Ver­ir­rung auch noch als gei­stig ver­wirrt betrach­tet und bekam nicht statt­des­sen einen halb­wegs seri­ös wir­ken­den Preis dafür) der­je­ni­ge ist, der die­se Kon­do­me eben benut­zen muss, und nicht bloß dafür da sind, dass man weni­ger wider­lich aus­sieht, haben Her­ren­ra­sie­rer eine eben­so­we­nig lebens­not­wen­di­ge Eigen­schaft wie Tam­pons oder Damen­bin­den; nur, dass hier­auf nicht ein­mal von bär­ti­gen Ber­li­ner Star­tup­knech­ten ein künst­li­cher Geschlech­ter­kampf gefußt wird. Klar: Ber­li­ner. Was ist da schon zu erwar­ten?

Lisa Paus – die mit den Renn­pfer­den – wird zur Peti­ti­on von der „taz“ wie folgt zitiert:

„Wir wol­len dar­über reden, wie man Aus­nah­men abbaut. Solan­ge das aber nicht in Sicht ist, geht die Welt nicht unter, wenn wir auch Damen­hy­gie­ne­pro­duk­te begün­sti­gen“, sagt Grü­nen-Steu­er­ex­per­tin Lisa Paus. Die Initia­ti­ve sei des­halb rich­tig, weil sie ein sehr gutes Sym­bol sei, um auf geschlech­te­run­ge­rech­te Besteue­rung hin­zu­wei­sen, die auch in ande­ren Berei­chen vor­herr­sche.

Wenn jemand, der so wenig von Steu­ern ver­steht, bereits „Grü­nen-Steu­er­ex­per­tin“ sein darf, soll­ten wir hof­fen, dass es auch in Zukunft nie­mals einen „grü­nen“ Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster geben wird.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Pro­Sie­ben-Chef nennt Zuschau­er „fett­lei­big und ein biss­chen arm“; und beson­ders schlau, wie sich aus den ein­schlä­gi­gen Fern­seh­zeit­schrif­ten fol­gern lässt, sind sie, das füge ich hin­zu, augen­schein­lich auch nicht unbe­dingt.

Senfecke:

  1. Müß­te es nicht „Cis-Män­ner und Trans-Frau­en“ hei­ßen … oder wür­de man dann zu deut­lich mer­ken wie bescheu­ert das ist? :pfeif:

  2. Man kann sich immer dar­auf ver­las­sen, dass sich die Grü­nen um die wich­ti­gen, drän­gen­den und exi­sten­zi­el­len Pro­ble­me der Gesellschaft/Menschheit küm­mern, Dage­gen ist der Kli­ma­wan­del unbe­deu­tend.

  3. Ich den­ke der Ver­gleich mit Kon­do­men und Rasie­rern ist etwas unge­schickt gewählt. Ob die Peri­ode kommt oder nicht, kann man ja nicht wäh­len. Sich ein­zu­blu­ten ist auch glau­be ich von der Hygie­ne her nicht gleich zu set­zen mit unra­siert aus dem Haus gehen. Da wür­de ich eher den Steu­er­satz auf Win­deln erwäh­nen. Aber viel­leicht ver­ste­he ich die Pro­ble­ma­tik ansich ja nicht rich­tig. Wirkt alles sehr wut­be­la­den.

    • Alles wor­aus sich ein Nach­teil für jeman­den kon­stru­ie­ren läßt, also im Prin­zip alles im gan­zen Leben, ist gleich­be­deu­ten mit der Unter­drückung der Frau durch den Mann.

      Ja, man­che Hygie­ne­ar­ti­kel und Soja­milch kosten mehr Steu­ern als vie­le Lebens­mit­tel. Da für Frau­en Hygie­ne über­le­bens­not­wen­dig ist – ähn­lich wie Brot und Milch – und viel mehr Vege­ta­risch oder Lacots­ein­to­le­ranz – da gibt es doch sicher Stu­di­en? – sind, ist das ein deut­li­ches Zei­chen der männ­li­chen Herr­schaft (und auf kei­nen Fall eines des absur­den Mehr­wert­steu­er­sy­stem).

      Es tut weh!

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