Musikkritik
A.R. & Machines – Die grüne Reise

A.R. & Machines - Die grüne ReiseDieser Tage ist in der Presse zu lesen, dass Achim Reichel, bekannt für Scheißmusik, um 1970 herum auch mal gut war, was er mittlerweile auch selbst eingesehen hat und dem Abfeiern seiner Experimentalphase aktiv zuarbeitet. Für die beste Platte dieser Schaffensphase, die mit dem treffend benannten Album „Erholung“ 1975 endete und anschließend ohne merklichen Übergang durch besagte Scheißmusik verdrängt wurde, wird „Die grüne Reise“ von 1971 (Amazon.de, TIDAL) gehalten. Weil mich das musikalisch Obskure meist reizt, habe ich mal reingehört.

Auf die Ohren gibt es keine Seemannslieder und keinen Beatblödsinn, sondern jahres- und landesübliche Drogenmusik, wie sie zur gleichen Zeit auch aus diversen Hippiekommunen zu hören war. Die Legende besagt, dass der Komponist nur versehentlich auf einen ihm unbekannten Knopf an seinem Effektgerät gekommen war und plötzlich eine Eingebung hatte, aus der diese Musik entstand, aber darum mag es gerade mal nicht gehen. – Die „grüne Reise“ ist tatsächlich aufgebaut wie eine solche, sich über zehn Stücke, von denen die meisten recht kurz sind, allmählich steigernd und in den nicht uninteressanten Fastzwölfminüter „Truth And Probability (A Lexicon For Self-Knowledge)“ mündend. „Die grüne Reise“, das sei gesagt, ist bilingual, die Texte, sofern gegeben, sind englischsprachig.

A.R. & Machines – Globus (Globe) (Die Grüne Reise)

„Die grüne Reise“ ist, vermutlich nicht zuletzt wegen seiner Entstehungslegende, ziemlich repetitiv und damit trotz seiner angenehmen Kanten weniger seltsam als manche zeitgenössische Konkurrenz, was keineswegs heißen soll, dass es nicht genau das richtige Maß an „was war das denn gerade?“ bietet, wenn man in so einer Laune ist. Dabei ist das eröffnende „Globus“, soeben zu hören gewesen, mit seiner Flirrigkeit noch beinahe ein wenig untypisch für das Album: Drei der vier „Station“-Stücke, deren erstes beinahe gewöhnlichen Rock ins Klangbild integriert, legen vor dem Hörer eine elektronische Landschaft im Geiste von Tangerine Dream u.a. aus, mittig unterbrochen von dem beinahe Can-tauglichen Gesangsstück „I’ll Be Your Singer. You’ll Be My Song“. Und dann wäre da noch das letzte Stück (auf späteren Fassungen von zwei weiteren Stücken aus späteren Veröffentlichungen, nämlich den recht entspannenden Titeln „Gute Reise“ und „Atmosphere“, verfolgt), eine für diesen Künstler und selbst dieses Jahr vergleichsweise bekloppte Darbietung dessen, was man aus einer Gitarre, ein paar Echoeffekten und, wie ich einfach einmal annehmen möchte, ordentlich Drogen so herausholen kann, Hühnergeräusche eingeschlossen:

Achim Reichel & Machines – Truth And Probability (A Lexicon For Self-Knowledge)

Ich bin insgesamt einigermaßen verblüfft über die mediale Rezeption dieses Albums ausgerechnet im Jahr 2017, mir selbst aber auch noch nicht ganz sicher, was ich von dem Gehörten halten soll. Als Wertung möchte ich obiges „nicht uninteressant“ einfach mal stehen lassen.

Senfecke

Bisher gibt es 7 Senfe:

  1. Du stimmst mich melancholisch.

    Das war die Lieblingsplatte eines vor wenigen Jahren tragisch verstorbenen Freundes.

    Und ja, er hat gerne gekifft und eine ganze Sammlung solcher Platten. Nneben den Rumpelpunkplatten die er für mich aufgelegt hat. Nur wenn ich bei ihm nächtigte, musste (oder durfte) ich zum einschlafen (natürlich bekifft) solche Musik hören.

    • Es tut Krautrock Unrecht, zu ihm einzuschlafen. Obwohl ich „Die grüne Reise“ für – verglichen mit weniger sphärischen Alben aus dieser Zeit, die Tangerine-Dream-Clique war ja noch eine ganz eigene Welt – nicht besonders spannend halte, weil irgendwie zwar einiges passiert, aber immer sehr ähnliches: Müde wird man davon nicht. Aber wer keine melancholischen Erinnerungen an bestimmte Alben hat, der werfe den ersten Plattenspieler.

      • Mag auch sein, dass die Platte – an deren Cover ich mich deutlich erinnere, da sie oft vorne stand – schon früher am Abend zum Einsatz kam. Mir ist aber auch noch eine zweite Platte erinnerlich, die er gerne zum einschlafen auflegte, irgendwas mit einer Sitar glaube ich. Passt sicher besser. Aber in dem zustand in dem wir damals meistens waren wäre einschlafen auch mit Slime möglich gewesen :-)

        Was wir auch immer gerne gemeinsam hörten waren „13th floor Elivator“ wegen dem lustigen Instrument im Hintergrund https://www.youtube.com/watch?v=QEQBfJwYlLY

        • Oh, wenn es nur um Sitar im Hintergrund geht: kennst du Hibushibire? :D

          Die Band da von Youtube sagt mir sogar was. Ich mag euren Geschmack.

          • Naja, nicht unserer, das war der Geschmack des verstorbenen Freundes. Meiner ist eher Rumpelpunk. Er hat mich in den fast 30 Jahren unserer Freundschaft oft mit seiner Musik versucht zu erfreuen. Was im Rahmen unserer Zusammenkünfte immer die passende Musik war. Diese Harmonie war es auch was uns sehr verbunden hat. (Daher die Schwermut zu beginn)

            Nee, die Sitar war nicht im Hintergrund, aber ich habe tatsächlich keine Erinnerung mehr, welcher Interpret es genau war. Ich meine aber irgendeiner aus den Bergen in Nordafrika (Tunesien, Algerien, Marokko). Kann mich aber auch komplett täuschen.

            Hibushibire kligen so wie die Musik, die ich immer bei ihm hören durfte, hätte ihm bestimmt gefallen.

            Eine Band, die ich auch gut fand, haben wir dann auch mehrmals live gegeben. Dead Moon, kennste?
            https://www.youtube.com/watch?v=44UEXiyCLbw

  2. Am 15. Sep gab es A.R. & Machines in der Elbphilharmonie. Eine musikalische Zusammenfassung seiner Anfang70ger Jahre Schleifenperiode, leider ohne „Come On People“. Auch unbekifft find ich es immer noch genial! http://www.achimreichel.de/die-gruene-reise.html

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