Piratenpartei
Neu­es aus der Pira­ten­an­stalt: Den Faschis­mus ver­harm­lo­sen dank Satzungsignoranz.

Apro­pos Labertaschen.

Der zu jeder­manns Erbau­ung nicht wei­ter­hin amtie­ren­de Ver­wand­te eines deut­schen Foto­mo­dells, der bis zum Herbst 2017 die Geschicke der Pira­ten­par­tei Deutsch­land mit viel Elan, aber selbst ohne Geschick zu steu­ern glaub­te, ist mit sei­ner neu­en Posi­ti­on als, wie es par­tei­in­tern heißt, Basis­gur­ke nach eige­nem Bekennt­nis kei­nes­wegs unzu­frie­den, da er nun wie­der eine Men­ge Zeit hat, um etwa für den kom­men­den Lan­des­par­tei­tag sei­nes Lan­des­ver­ban­des Anträ­ge mit­zu­ge­stal­ten. Erwähn­te ich, dass Basis­de­mo­kra­tie eine schlech­te Idee ist?

Es sei ange­merkt, dass der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­ver­band der Pira­ten­par­tei seit Jah­ren dafür bekannt ist, sich als Brut­stät­te reich­lich illi­be­ra­ler Per­sön­lich­kei­ten her­vor­zu­tun, von denen man­che mit sexu­el­ler Frei­zü­gig­keit, ande­re mit über­bor­den­dem Femi­nis­mus und wie­der­um Drit­te mit beklopp­ten Anträ­gen auf Par­tei­ta­gen bekannt gewor­den sind. Für die bis­lang letz­te, mit einem beacht­li­chen Ver­lust an die Wand gefah­re­ne Land­tags­wahl dach­te man sich unter dem gera­de­zu han­no­ver­esk lust­los „aus­ge­dach­ten” Eti­kett „smart­ge­recht” dort gar Pla­kat­mo­ti­ve wie „Pro­test wäh­len! Kei­ne Nazis!” aus, denn wenn schon für kon­struk­ti­ve Poli­tik kei­ne Fach­kräf­te mehr zuge­gen sind, so fin­det sich sicher­lich immer irgend­ein blö­der Wäh­ler, dem fla­che Gegen-irgend­was-Paro­len Wahl­an­lass genug sind. Wenn man so will, ist Nord­rhein-West­fa­len aus Par­tei­sicht das west­deut­sche Bran­den­burg.

Wer bis­lang ange­nom­men hat­te, die Pira­ten­par­tei habe aus dem Umstand, dass sie ihre größ­ten Erfol­ge fei­er­te, als sie Links­sein zu Recht noch für ein viel zu enges Kor­sett hielt, etwas gelernt, der über­schätzt die Dich­te des Hol­zes so man­ches pro­mi­nen­ten Pira­ten­kopfs. Als der – als klei­ner Trost – auch bei der „Lin­ken” nichts gewor­de­ne ehe­ma­li­ge Pira­ten­po­li­ti­ker Dani­el Schwerd sein gegen­stands­lo­ses „Buch” über das „Erbe der Pira­ten­par­tei” zu ver­öf­fent­li­chen beab­sich­tig­te, drück­te er es in einem sei­ner weni­gen hel­len Momen­te so aus: Ler­nen durch Schmerz – nur eben ohne Lernen.

Ler­nen kön­nen hät­te man, hät­te man eine ver­nünf­ti­ge Schu­le bis zum bit­te­ren Ende durch­ge­hal­ten, vor sei­nem „poli­ti­schen” Enga­ge­ment in den mei­sten Regio­nen Deutsch­lands jeden­falls auch zwei­er­lei: Unge­ach­tet der abso­lu­ten Opfer­zah­len, misst man sie mit irgend­ei­ner Absicht an den Ver­bre­chen der Sowjet­uni­on und/oder Chi­nas, war der Faschis­mus von Beni­to Mus­so­li­ni und sei­nen deutsch-öster­rei­chi­schen Kampf­ge­fähr­ten – man möge dar­auf ver­zich­ten, die sehr unter­schied­li­chen Ismen Anti­se­mi­tis­mus (spä­ter: Anti­zio­nis­mus), Xeno­pho­bie, Ras­sis­mus, Natio­nal­so­zia­lis­mus, Homo­pho­bie, Sozi­al­dar­wi­nis­mus und Faschis­mus, die in man­chem Jahr mit­un­ter frei­lich gleich­zei­tig, jedoch nicht zwangs­wei­se mit­ein­an­der exi­stier­ten, für schlich­te Syn­ony­me zu hal­ten oder auch bloß kon­zep­tio­nel­le Schnitt­men­gen zwi­schen ihnen zu suchen – erstens zumin­dest ein nach 1945 (bezie­hungs­wei­se in weni­ger vom Zwei­ten Welt­krieg betrof­fe­nen Län­dern erst nach 1975) in West­eu­ro­pa nicht wie­der­hol­tes Phä­no­men, wobei selbst in der Poli­tik­wis­sen­schaft umstrit­ten ist, ob man den Natio­nal­so­zia­lis­mus ein faschi­sti­sches System nen­nen soll­te oder ob der Begriff des Faschis­mus ita­lie­ni­sche Beson­der­hei­ten kenn­zeich­net, und die Extre­mis­mus­theo­rie, die besagt, dass die bei­den äuße­ren poli­ti­schen Rän­der (denn sonst hie­ßen sie nicht extre­mi­stisch) ein­an­der näher ste­hen als jeweils der poli­ti­schen Mit­te, muss zwei­tens nicht unbe­dingt bedeu­ten, dass man das Anzün­den von Men­schen und das Anzün­den frem­den Eigen­tums für unge­fähr gleich­ver­kehrt hält; aber die Schu­len in Nord­rhein-West­fa­len schei­nen nicht die besten zu sein. Dan­ke, Merkel!

Vier nord­rhein-west­fä­li­sche Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei näm­lich, unter ihnen die ein­gangs erwähn­te Basis­gur­ke sowie eine laut Twit­ter­pro­fil irgend­wie Beauf­trag­te, die gemäß Selbst­dar­stel­lung immer­hin weder „spie­len” noch „kuscheln” (ebd.) will, haben einen unfass­bar blö­den Antrag ein­ge­reicht, der neben­bei auch belegt, dass die Bun­des­sat­zung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land (klar, soll­te man als Vor­sit­zen­der ja auch nicht unbe­dingt mal gele­sen haben, Lesen ist uncool in Nord­rhein-West­fa­len), in der ziem­lich weit vorn steht, „tota­li­tä­re, dik­ta­to­ri­sche und faschi­sti­sche Bestre­bun­gen jeder Art” leh­ne die Pira­ten­par­tei Deutsch­land „ent­schie­den ab”, ihnen bis­lang neu war, denn sonst hät­ten sie schon früh erkannt, dass das, was sie bean­tra­gen wol­len, längst Rea­li­tät ist.

Der Antrag, um den es hier gehen soll, zielt dar­auf ab, sich von radi­ka­len Femi­ni­stin­nen, die sich an Män­ner­leid ergöt­zen, eben­so zu distan­zie­ren wie von der Anti­fa bezie­hungs­wei­se deren gewalt­freu­di­ger Miliz, die auch schon mal dazu auf­ruft, die AfD „not­falls mit Waf­fen­ge­walt” zu „stop­pen”, die Ver­tre­ter die­ser bei­den eini­ger­ma­ßen ekli­gen Gei­stes­hal­tun­gen also samt und son­ders zu „ent­sor­gen” (Wer­ner Frie­bel). Für die­ses edle Ziel hät­te ich die Antrag­stel­ler bei­na­he mit Lob über­häuft, wür­den sie ihren eige­nen Antrag in der glei­chen Wei­se lesen und ver­ste­hen wie ich, jedoch las­sen die ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen eben­so wie das denk­frem­de Geschwa­fel, das mir als Reak­ti­on auf mei­ne dies­be­züg­lich geäu­ßer­te Ver­ständ­nis­fra­ge auf Twit­ter ent­ge­gen­scholl, Zwei­fel dar­an auf­kom­men, denn die Wort­wahl deu­tet dar­auf hin, dass Text und Bedeu­tung des Antrags ein­an­der ent­we­der in wesent­li­chen Punk­ten wider­spre­chen oder die sowie­so schon gül­ti­ge Beschluss­la­ge abbil­den und daher gänz­lich unnö­ti­ger­wei­se Platz in der Antrags­da­ten­bank weg­neh­men, den man auch sinn­vol­ler fül­len könn­te, zum Bei­spiel mit Gum­mi­bäu­men.

Der Antrag trägt bedau­er­li­cher­wei­se den Titel „Posi­tio­nie­rung gegen Rechts”, denn wenn eine Par­tei, die mit jedem wei­te­ren Befüh­len ihrer „lin­ken Flan­ke” (Melek Bal­gün) Stamm­wäh­ler und Zuspruch ver­liert, eines nicht unbe­dingt braucht, dann ist es eine „Posi­tio­nie­rung gegen Rechts”; eine Par­tei, die, wie bereits belegt, qua Sat­zung ohne­hin „gegen Rechts” (hier: ‑extre­mis­mus) posi­tio­niert ist, aber sicher­lich kom­men die Wäh­ler von 2009, die sich eben par­tout weder für lin­ke oder rech­te noch für Hote­liers­po­li­tik begei­stern las­sen woll­ten, denn sonst hät­ten sie schon damals nicht die Pira­ten­par­tei gewählt, zurück, wenn man noch ganz oft „wir sind übri­gens gegen Rechts” irgend­wo hin­schreibt, ohne auch nur zu erklä­ren, was nach der eige­nen Defi­ni­ti­on über­haupt rechts ist. Par­tei­pro­gram­me benutzt man vor einer Wahl, damit der Tisch nicht wackelt, und nach einer Wahl, damit man minu­ti­ös doku­men­tie­ren kann, in wel­chen Punk­ten man schon wie­der von denen da oben beh­umst wur­de. Nie­mand wählt eine Par­tei wegen der pri­ma aus­for­mu­lier­ten Erklä­run­gen auf der sonst­wie­viel­ten Sei­te in ihrem Alt­pa­pier. Zu hof­fen ist sowie­so, dass die im Antrag vor­ge­schla­ge­ne For­mu­lie­rung nie­mals wie­der von irgend­je­man­dem gele­sen wer­den wird (ich schät­ze mei­ne eige­ne Reich­wei­te schon ganz rea­li­stisch ein), denn sie ist, das möch­te ich beim Lesen so kon­struk­tiv wie mög­lich betont wis­sen, völ­lig scheiße.

Sie lau­tet – bit­te nicht zu Hau­se nach­ma­chen – wie folgt (man sehe mir nach, dass ich der Über­sicht­lich­keit wegen eine qua­si will­kür­li­che Tren­nung ein­zel­ner Tei­le vornehme):

Der Lan­des­par­tei­tag des Lan­des­ver­ban­des NRW der Pira­ten Deutsch­land beschließt, dass eine Mit­glied­schaft bei den Pira­ten im Lan­des­ver­band NRW unver­ein­bar ist mit jed­we­der Form grup­pen­be­zo­ge­ner Menschenfeindlichkeit (…)

Das hiel­te ich per­sön­lich in die­ser Form für deut­lich zu ein­ge­schränkt, denn zum Bei­spiel mei­ne Men­schen­feind­lich­keit ist nicht grup­pen­be­zo­gen, son­dern indi­vi­du­ell aus­ge­wählt. Dabei mache ich kei­ne Unter­schie­de anhand der Her­kunft, des Geschlechts, der Reli­giö­si­tät, der sexu­el­len Ori­en­tie­rung oder der Staats­an­ge­hö­rig­keit: Wenn jemand ein Arsch­loch ist, dann bin ich ihm gegen­über auch dann nicht freund­lich geson­nen, wenn er sämt­li­chen vor­stell­ba­ren Min­der­hei­ten gleich­zei­tig ange­hört. Ist die bewuss­te Ver­ach­tung aller Mit­glie­der der eini­ger­ma­ßen klar defi­nier­ten Grup­pe der Arsch­lö­cher bereits eine grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit oder ist das Blöd­fin­den aller als blöd Emp­fun­de­ner noch kein Aus­schluss­grund? Auf jeden Fall wür­de die­ser Antrag in der vor­lie­gen­den Form, wie oben mit fal­scher Vor­freu­de beschrie­ben, explo­si­ve Gemü­ter auch aus der eher „lin­ken” poli­ti­schen Ecke aus der Pira­ten­par­tei NRW fernhalten.

Zum Glück aber haben die Antrag­stel­ler das, was sie so ich­per­spek­ti­visch wie frag­wür­dig unter „grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit” ver­ste­hen, im Fol­gen­den aus­ge­führt, um Inter­pre­ta­tio­nen wie der soeben vor­ge­brach­ten etwas weni­ger Gewicht zu geben:

(…), ins­be­son­de­re:

  • Ras­sis­mus
  • Frem­den­feind­lich­keit
  • Hom­ofeind­lich­keit
  • Trans­feind­lich­keit
  • Ablei­smus
  • wirt­schaft­li­che „Nütz­lich­keit” von Menschen
  • t.b.c.

Jetzt kann man natür­lich „jed­wel­che Form” oder „ins­be­son­de­re fol­gen­de For­men” von irgend­was ableh­nen, aber wenn man das kom­bi­niert, wird der Antrag unvoll­stän­dig, denn es bleibt unge­klärt, was denn mit den­je­ni­gen For­men der „grup­pen­be­zo­ge­nen Men­schen­feind­lich­keit” pas­siert, die nicht ins­be­son­de­re unver­ein­bar sind: Sind die­se nur ein biss­chen unver­ein­bar, also darf man, wenn man ihnen nach­geht, nur zur Hälf­te ent­mit­glie­det wer­den, oder wird von die­sen Mit­glie­dern nur jedes zwei­te hin­aus­ge­wor­fen? Was ist, wenn man die wirt­schaft­li­che „Nütz­lich­keit” von Men­schen nicht für ein bedeut­sa­mes Kri­te­ri­um hält, die öko­lo­gi­sche (zum Bei­spiel Rau­cher oder Die­sel­fah­rer) aber schon? Und, mei­ne Neu­gier ist hier sicher­lich auch die eure, mit wel­chem „t.b.c.” darf man künf­tig kein Mit­glied der Pira­ten­par­tei NRW mehr sein; oder ist das absicht­lich als Platz­hal­ter gedacht, falls ein­mal drin­gend ein Grund gebraucht wer­den soll­te, jeman­den aus der Par­tei zu wer­fen? Wie man sieht, stecken schon in die­sen weni­gen Zei­len nicht vie­le klu­ge Ideen, aber mit schlech­tem Mate­ri­al baut man eben auch kei­ne guten Häu­ser. – Ich hal­te die abwer­tend klin­gen­de und über­mä­ßig pau­scha­li­sie­ren­de Bezeich­nung von nicht Hete­ro­se­xu­el­len als „Homos” – ich bezweif­le, dass hier die Tier­art Mensch gemeint ist – übri­gens für deut­lich hom­ofeind­lich und wür­de einen Par­tei­aus­schluss der vier Betei­lig­ten nach Annah­me des Antrags sehr begrüßen.

Apro­pos Antrag: Er geht lei­der noch weiter.

II) Die Extre­mis­mus­theo­rie (Huf­ei­sen­theo­rie) wird abge­lehnt, da alle For­men grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit in der Gesamt­ge­sell­schaft zu fin­den sind.

Ein Ball ist rund, weil er blau ist. Die Extre­mis­mus­theo­rie, hier als „Huf­ei­sen­theo­rie” spe­zi­fi­ziert (ich habe sie oben bereits kurz erläu­tert, man betrach­te dies als sozu­sa­gen im Vor­bei­le­sen geschenk­ten Test der eige­nen Auf­merk­sam­keits­span­ne), als gäbe es nur die­ses eine denk­ba­re Modell, hat eben nichts damit zu tun, in wel­chem Extrem grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit sich am wohl­sten fühlt, und wider­spricht der Annah­me, die Gesamt­ge­sell­schaft sei über­all glei­cher­ma­ßen men­schen­feind­lich, auch nicht, son­dern sie ist eines von meh­re­ren Model­len zur Abbil­dung des poli­ti­schen Spek­trums, von denen die Pira­ten­par­tei ein ande­res, näm­lich den poli­ti­schen Kom­pass, sogar selbst in ihrem Wiki zur Selbst­dar­stel­lung vor­schlägt. Die Sinn­haf­tig­keit die­ses Modells lässt sich übri­gens dar­an erken­nen, dass sich sowohl Ver­tre­ter des par­tei­li­chen Lagers, das sei­ner Umwelt gleich nach dem Auf­ste­hen statt „Guten Mor­gen!” ver­mut­lich „Nazis raus!” ent­ge­gen­brüllt, als auch die­je­ni­gen, die über irgend­wel­che obsku­ren Wege auf deren Twit­ter­fil­ter­li­sten gelan­det sind, weil sie ein­mal irgend­je­man­den nicht auf Twit­ter blockiert haben, der sich kri­tisch über die Naz­i­keu­len­schwin­ger geäu­ßert hat (die „Nazis” eben), aus­nahms­los im lin­ken unte­ren Qua­dran­ten („links­li­ber­tär”) ein­ge­ord­net haben.

Neh­men wir ein­mal an, der Antrags­punkt „II” ende zwecks Ein­däm­mung der Fremd­scham nach „abge­lehnt”: Die offen­sicht­lich über­ra­schen­de Annah­me, dass jemand, der sich selbst als Links- oder Rechts­ex­tre­mist, laut Wort­be­deu­tung eben als Per­son vom äuße­ren poli­ti­schen Rand, bezeich­net, mit einer frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Gesell­schaft, die irgend­wann mal „Mit­te” hei­ßen durf­te, bevor die rechts­po­pu­li­sti­sche „Uni­on” die­ses Wort zu Wer­be­zwecken per­ver­tier­te, über­haupt nichts zu tun haben will und zum Errei­chen der Zie­le der Pira­ten­par­tei Deutsch­land („beim Auf­bau und Aus­bau eines demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes und einer moder­nen frei­heit­li­chen Gesell­schafts­ord­nung geprägt vom Gei­ste sozia­ler Gerech­tig­keit mit­wir­ken”, § 1 Bun­des­sat­zung) also auch nichts Ver­nünf­ti­ges bei­zu­tra­gen hat, soll also bescheu­er­ter sein als ein poli­ti­sches „Modell”, in dem jeder irgend­wie links­li­ber­tär ist? Wo lebt ihr denn, ihr Brausebirnen?

Ach, rich­tig: Ihr lebt in einer Welt, in der die Bun­des­sat­zung kei­ne Anwen­dung fin­det. Laut § 8 der Bun­des­sat­zung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land wäre das als Hand­lung eures kom­men­den Par­tei­tags übri­gens ein mög­li­cher Anlass, den „Lan­des­ver­band NRW” aus­gie­big zu sank­tio­nie­ren, aber das könnt ihr ja nicht wis­sen, denn ihr habt sie nie gelesen.

III) Bestre­bun­gen zu einem tota­li­tä­ren Staat sind nicht ver­ein­bar mit einer Mit­glied­schaft bei den Pira­ten im Lan­des­ver­band NRW.

Din­ge zu tun, die gegen die Bun­des­sat­zung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land (irgend­was mit tota­li­tä­ren Bestre­bun­gen; lest es selbst nach, ich will nicht mehr) ver­sto­ßen, ist auch ohne die­sen hirn­ris­si­gen Antrag „nicht ver­ein­bar mit einer Mit­glied­schaft bei den Pira­ten im Lan­des­ver­band NRW”, so lan­ge der „Lan­des­ver­band NRW” sei­ne Füße unter deren Tisch stellt oder sie drauf­legt oder so.

Noch einen zur Bun­des­sat­zung? Klar doch:

IV) Wir ver­ste­hen uns als Teil der anti­fa­schi­sti­schen Bewegungen (…)

Natür­lich tut ihr das, ihr Qua­dra­tesel, denn ihr seid nicht nur Mit­glie­der einer über­wie­gend demo­kra­tisch akti­ven Par­tei, son­dern der Aus­schluss von faschi­sti­schen Bestre­bun­gen ist vor allem nichts, was ihr über­haupt noch beschlie­ßen könnt, denn er steht sogar im Para­gra­phen 1 in der ver­damm­ten Bun­des­satz- Schwe­ster! Mein Riechsalz!

Und las­sen Sie’s gleich hier ste­hen, ich brau­che es noch mal:

(…) und posi­tio­nie­ren uns klar gegen jede Art von Faschis­mus, egal wie die­ser, oft ver­harm­lo­send, umschrie­ben wird

Echt? Gegen „jede Art von Faschis­mus”, also gleich bei­de auf ein­mal? Oder habt ihr einen sehr wei­chen Faschis­mus­be­griff erfun­den, der mit Holo­caust und Welt­krie­gen nicht ein­mal zeit­lich irgend­was zu tun hat? Ha, man soll­te euch nie­mals unter­schät­zen! Natür­lich habt ihr das:

(Rechts­ex­tre­mis­mus, Neo­fa­schis­mus, Neo­na­zis­mus, so genann­te Neue Rech­te, Alt Right, etc.)

Ist ja alles ein Summs, „nich­wahr” (Georg Schramm): Auf red­dit ein Froschmem hoch­zu­la­den oder Men­schen­han­del zu behin­dern einer­seits (bei­des nennt man ver­mut­lich allein des­halb „Alt Right”, weil Dif­fe­ren­zie­rung zu lang für Twit­ter wäre), ein paar tau­send Juden aus Ita­li­en wäh­rend der krie­ge­ri­schen Expan­si­on des eige­nen Ein­fluss­be­reichs zwecks End­lö­sung in irgend­wel­che Lager zu expor­tie­ren ande­rer­seits (das nennt man gleich­falls undif­fe­ren­ziert „Faschis­mus”) – eins davon zu ver­harm­lo­sen wäre doch wirk­lich unan­ge­mes­sen! Aber ich ver­ste­he das schon: Die Pira­ten­par­tei NRW möch­te wie­der zurück zu dem von allen gemoch­ten image als die lie­bens­wer­te Lai­en­par­tei, die von allem außer Poli­tik eine Ahnung hat, damit sie wie­der ihre alten Wäh­ler zurück­ge­win­nen kann. So kann man es natür­lich auch machen.

Was dann noch alles unter „etc.” fällt, will ich mir schon gar nicht mehr aus­ma­len müs­sen, aber ich traue es dem Lan­des­par­tei­tag NRW durch­aus zu, dass er an die­ser Defi­ni­ti­on trotz­dem nichts aus­zu­set­zen hat. Wir tole­rie­ren hier kein und so wei­ter! End­lich wird das mal klargestellt.

Auf­for­de­rung:

Ah, es wird ernst. Was for­dern die vier Spaß­vö­gel denn – etwa die Bun­des­sat­zung zu lesen? Haha, nein, natür­lich nicht:

A) Der Lan­des­par­tei­tag for­dert alle Par­tei­vor­stän­de der Pira­ten in NRW und alle Pira­ten in NRW dazu auf, dem Beschluss des Lan­des­par­tei­ta­ges zu ent­spre­chen und die gel­ten­de Beschluss­la­ge durchzusetzen.

Ich for­de­re die vier Antrag­stel­ler dazu auf, die gel­ten­de Beschluss­la­ge erst ein­mal über­haupt zur Kennt­nis zu neh­men, sich anschlie­ßend scha­mes­rot in irgend­ei­ne mög­lichst dunk­le und räum­lich abge­trenn­te Ecke zu set­zen und für den Ver­lauf des Par­tei­tags kei­nen wei­te­ren Mucks von sich zu geben. Mal gucken, wer von uns sei­nen Wil­len bekommt.

B) Der Lan­des­par­tei­tag for­dert den Lan­des­vor­stand dazu auf, den hier beschlos­se­nen Unver­ein­bar­keits­er­klä­run­gen auch auf Ebe­ne der Bun­des­par­tei Gel­tung zu ver­schaf­fen. Dies kann bei­spiels­wei­se durch Erar­bei­ten von Anträ­gen an den Bun­des­par­tei­tag geschehen.

Die Antrag­stel­ler wol­len, dass der Lan­des­par­tei­tag beschließt, dass die Bun­des­par­tei die Unver­ein­bar­keits­er­klä­run­gen, die seit Jahr und Tag in ihrer ver­damm­ten Bun­des­satz- hrch! – Geht schon wie­der. Also: dass die Bun­des­par­tei die Unver­ein­bar­keits­er­klä­run­gen, die seit Jahr und Tag in ihrer Sat­zung ste­hen, in ihre Sat­zung schreibt, damit sie nicht nur in NRW, son­dern auch über­all sonst, wo sie längst gel­ten, längst gelten?

Die lan­des­ei­ge­ne Pira­ten­par­tei ist in den Wahl­er­geb­nis­sen in Nord­rhein-West­fa­len von 7,8 Pro­zent (Land­tags­wahl 2012) auf 1,0 Pro­zent (Land­tags­wahl 2017) gefal­len. Wenn die­ser Antrag die Ant­wort ehe­mals hoch­ran­gi­ger Mit­glie­der des Lan­des­ver­ban­des auf die Wahl­er­geb­nis­se ist, soll­te man ihnen viel­leicht lie­ber schnell eine ande­re Fra­ge stellen.


Nach­trag: Die­sel­ben Autoren haben – das hat­te ich über­se­hen – zum sel­ben Par­tei­tag auch einen zwei­ten Antrag ein­ge­reicht, der unter iden­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen teil­wei­se dem ande­ren Antrag wider­spre­chen­den Schwach­sinn ins Grund­satz­pro­gramm des Lan­des­ver­ban­des ein­tra­gen soll. Die Wahl­ver­lie­rer reden von ihrer „letz­ten Schlacht”, aber ich fürch­te, das ist eine Lüge und sie gehen danach trotz­dem nicht weg.

Senfecke:

  1. Als Links­ex­tre­mist gehen mir die­se tota­li­tä­ren Hans­wur­ste mit ihrem pro­te­stan­ti­schen Eifer fürch­ter­lich auf die Mur­meln. Stößt mich ab, das. Was ist­dann also die Ziel­grup­pe, die sie mit ihrem ras­sist­si­chen Anti­ras­sis­mus, dem sexi­sti­schen Anti­se­xis­mus und den gan­zen ande­ren Anti­is­men errei­chen wol­len? Am geil­sten fin­de ich ja „Ablei­smus”, die töd­li­che Dis­kurs­waf­fe, die das strunz­dümm­ste Gesül­ze per dekret gleich­setzt mit ech­ten Argu­men­ten. Du bist ein Voll­idi­ot? Dann hast du recht, denn alles ande­re ist ja Ableismus.

    • Vor allem wenn man bedenkt, wie einst die Anfän­ge der Pira­ten (in D) waren und wie wich­tig deren Posi­tio­nen und Wis­sen über das Inter­net und die Fol­gen waren und gewe­sen wären.

      Mit erschrecken habe ich auch hier in der loka­len Pira­ten­sze­ne mit­er­lebt, wie abso­lu­te Com­pu­ter-DAUs sich Hoff­nung auf Posten mach­ten und mit Hil­fe von lin­ken Unter­stüt­zungs­krei­sen als Vor­sit­zen­de wäh­len lie­ssen, um danach nichts zu machen und nichts zu sagen.

      Trau­rig!

      Aller­dings sind mir die­se Polit­krei­se seit mei­nen Anti­fa Erfah­run­gen in den frü­hen 90’ern nicht mehr geheu­er. Dort geht es nicht um dar­um, etwas zu ver­än­dern oder gar zu ver­bes­sern. Es geht dar­um eine mög­lichst hohe Moral­hür­de zu bau­en, über die jeder drü­ber sprin­gen soll. 

      Das ist mitt­ler­wei­le ein Gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Spiel, das bestimmt irgend­ein sozio-ideo­lo­gi­schen Hin­ter­grund hat, den ich nicht ken­ne, der aber einem zur Ver­zweif­lung treibt.

      • Der sozio­ideo­lo­gi­sche Hin­ter­grund ist offen­sicht­lich: Der Mensch ist ein Her­den­tier und in Her­den gibt es einen Alpharü­den. Bei Löwen wird der aller­dings irgend­wie lusti­ger ermit­telt als bei Piraten.

        • Ja das ist der sozio­lo­gi­sche, aber der ide­lo­gi­sche Hin­ter­grund fehlt mir. 

          Ich bin da irgend­wie kon­ser­va­tiv. Poli­tik ist für mich der Ver­such aus vie­len Posi­tio­nen das zu machen was für die mei­sten am besten ist. Dazu muss man aber auch die ande­ren Posi­tio­nen verstehen. 

          Das ist heu­te irgend­wie nicht mehr so.

  2. Köst­lich! .. auch des­halb, weil davon aus­zu­ge­hen ist, dass die Antrag­stel­ler ver­mut­lich nicht im Ansatz dazu in der Lage sind, sich den real­sa­ti­ri­schen Gehalt ihres Antrags zu erschließen .. ^^

  3. *Applaus*

    Ich hät­te es nicht böser und tref­fe­ner schrei­ben können!

    Den­noch fürch­te ist dass die Blitz­bir­nen in NRW die­sen Bull­shit durch­win­ken wer­den. Denn wir erin­nern uns ja was pas­siert wenn man sol­che schlech­ten Anträ­gen „gegen räääääääächts” bei offe­ner Abstim­mung wider­spricht. Ich sag nur Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung AfD! Da wur­den gar am Ende Men­schen als „NAZIIIIIIIIIIII” ver­leum­det, allei­ne dadurch dass man ihnen „unter­stell­te” bei der Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung AfD mit Nein gestimmt zu haben. Wenn­gleich die­se Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung auch schon kom­plet­ter Mum­pitz war, denn §1 der Bun­des­sat­zung galt schon damals.

    Die Ach­se Ber­lin-NRW ist bezüg­lich Schwach­sinn und Tota­li­ta­ris­mus eine sehr frucht­ba­re. :D

  4. man könn­te mei­nen die 0.37% Par­tei spie­le noch irgend­ei­ne Rol­le, ausser als Sam­mel­becken für Auti­sten und Borderline-gestörte

    • Da wir bei Kli­schees sind: Auti­sten sagt man eine meist hohe Intel­li­genz nach. Par­tei­po­li­tik passt doch da gar nicht ins Bild.

      • Auti­sten (spe­zi­ell Asper­ger Auti­sten) haben ein nor­ma­le bis hohe Intel­li­genz. Aber es gibt auch ande­re For­men von Autis­mus, wo das nicht der Fall ist. In die­sem Fall sind die­se Links­bi­zar­ren aller­dings kei­ne Auti­sten. Die lei­den wohl größ­ten­teils unter dem Dun­ning-Kru­ger-Effekt und der ist nicht ange­bo­ren son­dern erwerbbar.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt

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