Nachdem Nationalstolz bis zur nächsten Europameisterschaft im Herrenfußball vorerst wieder eher ungern gesehen wird, suchen Politiker und Bürger gleichermaßen verzweifelt nach einem Ersatzstolz. Dabei schrecken sie auch vor bizarren Vorschlägen nicht zurück:
Und jeder Fahrer, der mit einem Lkw mit Abbiegeassistent unterwegs ist, bekommt das neue Trucker-Abzeichen #IchHabDenAssi. Das können die Frauen und Männer am Steuer mit Stolz auf ihren Lkws anbringen.
Und spätestens, wenn der Assi (Assistent, nicht Andreas Scheuer) in allen relevanten Fahrzeugen verpflichtend eingebaut worden sein wird, wird dieser Stolz einer sein, der dem auf den richtigen Geburtsort in nur noch wenig nachsteht.
Es schrieb Sibel Schick, “Autorin” für “taz” und jüngst auch “Missy”, im Qualitätsmedium “Twitter”:
Wer von euch hatte Nachrichtenagenturen und Mainstreammedien auf der Blockliste?*entblockt ne Runde*
Denn nur, wer präventiv blockiert, erlebt keine Mikroaggressionen durch zu viel Realität. Ein Einzelfall ist sie nicht — auch andere Twitternutzer, überwiegend aus dem “Journalismus”, schalteten am Wochenende plötzlich eine Blockierliste scharf.
Ich beginne die Sorge der Linken um eine Öffentlichkeit, die nur noch wahrnimmt, was ihr Weltbild bestätigt, zu verstehen; wenn auch aus gegenteiligen Gründen.
Wenig amüsiert mich so sehr wie Linux-Befürworter, die davon schwärmen, dass man unter ihrem Strokelsystem dauernd Updates machen kann und, “anders” als unter dem blöden Windows, alles so toll mit der Konsole geht, aber sofort essenzielle Systemkomponenten in einer älteren Version zurückspielen, wenn ihr grafisches Anmeldeknöpfchen kaputt ist.
Es ist Montag. Furzen macht dünn. Eine Woche, die mit Niveau beginnt, ist bekanntlich eine verlorene Woche.
Apropos Niveau: In Berlin wurde am Sonnabend abermals unter Zuhilfenahme schwer erträglicher Geräusche (“wegbassen”) dafür demonstriert, dass die als mafiös handelnd wahrgenommenen Schleuser und Schlepper nicht dafür bestraft werden sollen, die Notlage von vor der Waffenpolitik der rechtspopulistischen SPD geflohenen Armen auszunutzen. Der Berliner Koalitionspartner der rechtspopulistischen SPD, die vermeintliche “Linke”, twitterte freudig, dass er “Haltung” zeige, indem er zwar nicht die ertragreiche Koalition aufkündige, aber doch immerhin Fahnen schwingend dagegen sei, dass die Symptome der von ihr geförderten Krankheit, nämlich die Notwendigkeit einer Flucht, nicht von kommerziellen Interessenten für viel Geld (“Spenden”) bekämpft werden dürfen. Wenn ich noch ein bisschen wirtschaftsliberaler eingestellt wäre als sowieso schon, müsste ich wohl künftig die “Linke” wählen. — Folgerichtig liegen gemäß der neuesten Emnid-“Sonntagsfrage” in der Befragtengunst die AfD und die rechtspopulistische SPD erstmals gleichauf. Über wen das was aussagt, weiß ich aber nicht.
Es ist Montag und montags zählen, wie weithin bekannt ist, ohnehin nur noch zwei Dinge: Pandabären und Musik.
Regelmäßige Leser wissen, dass Musik eine Profession der Überraschungen ist. Daher sollte es auch kaum erstaunen, wenn ausgerechnet Österreich sich immer wieder als Heimatland von Musikern, deren Werke nicht zu kennen bedauerlich wäre, herausstellt.
Aivery klingen nämlich eigentlich gar nicht nach Österreich, ich hätte sie eher in Australien verortet. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Wiener Trio rein weiblicher Natur, das Musik hervorbringt, die früher wohl als “Riot Grrrl” bezeichnet worden wäre — nach vorn preschende Rockmusik mit einer ordentlichen Portion power, also Kraft, nämlich. Auch auf ihrem seit 2017 aktuellen Album “Because” (Amazon.de, Bandcamp.com) gelingt ihnen das bravourös.
Interessante Frickelrefrains (“Don’t Dare”, leider mit zu lang geratenem outro) mit gern mal sehr verzerrter Gitarre treffen auf geradezu melodische Punkkracher (“Secret”), alles dominiert von einem der kraftvollsten Schlagzeuge, die ich in den letzten Jahren hören durfte.
Während ausgerechnet unter der ideellen Führung der Europaabgeordneten der Piratenpartei (“Bündnis 90/Die Grünen”, “tagesschau”) größerer Schaden am europäischen Urheberrecht abgewendet werden konnte, arbeitete die Kleinpartei SPD, die einzig das Fehlen einer Fünf-Prozent-Hürde noch in irgendein kommendes Parlament hieven wird, bereits daran, dass so etwas nie wieder vorkommen möge, und stimmte freudig dafür, dass ihr spätestens bei der übernächsten Europawahl keiner mehr reinquatscht:
Kleinparteien in Deutschland müssen ab der Europawahl 2024 mit einer Mindesthürde für den Einzug ins EU-Parlament rechnen.
Das ist, weiß der deutsche Außenminister (SPD, aber wenigstens per Amt nicht mehr so oft zugegen), ein Sieg für uns alle:
Die Wahlrechtsreform ist beschlossen — das stärkt die Stimme der Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union. (…) Jede Stimme zählt!
So lange sie nur nicht das falsche Lied singt.
Apropos Europa.
Die “taz” würde ja im Artikel darüber, dass die Filterung von Onlinedingen alberne Konsequenzen haben kann, gern eine Quelle nennen, aber das geht nicht:
“Um ehrlich zu sein, enthält diese Passage so einiges, was als Hassrede eingestuft werden kann”, räumte das Blatt ein (Text wegen DSGVO in Europa nicht abrufbar).
Mit Satire ist dem schon lange nicht mehr beizukommen.
Da das Liefern von Waffen in Kriegsgebiete gerade nicht den besten Ruf genießt, muss eine Ausweichlösung her, um finanziellen Schaden von systemrelevanten Unternehmen (hier: solchen, die Mordmaterial produzieren) abzuwenden.
Die Waffenfabrikantenpartei SPD hat da einen Plan:
[2019] soll der Rüstungshaushalt auf 42,9 Milliarden ansteigen, also noch einmal um 1,4 Milliarden, eigentlich aber nur um 650 Millionen.
Muss man ja verstehen. Deutschland ist immerhin von Feinden nur so umzingelt — zum Beispiel von der Schweiz. Die haben tödliche Schokolade da unten. Da helfen nur mehr defekte Sturmgewehre. Die Fahne hoch!
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.
Warum man jungen oder wenigstens neuen Jazzmusikern Gehör schenken sollte, fasst Reinhard Köchl, freier Musikjournalist, dieser Tage so zusammen:
Sie alle machen Musik mit Ausrufezeichen.
Im Gegensatz zu Rockmusik, die stattdessen einen Punkt bevorzugt, und Schlagern, wo ein Semikolon das Gebot der Stunde ist, hebt sich Jazzmusik so auch im Schriftbild wohltuend ab.
Es spekuliert “teleschau — der mediendienst” für das skurrile, zu Microsoft gehörende Portal “msn unterhaltung” mit einer an Fotomontagen reichen Bildergalerie, was denn wohl passiere, wenn “die Queen” (hier: die britische Königin) gestorben sei.
Zwar wird Monarchie aus unklarem Anlass in Deutschland nicht mehr ganz so gern gesehen wie früher, aber sie — die Königin — sei immerhin schon 92 und neulich mal krank gewesen, da sei es naheliegend, sich über die Geschehnisse vorher zu informieren. Falls mal kein Fußball kommt oder so.
Habe ich Fußball geschrieben? Wie treffend!
Public Viewing
Auf dem Land werden Leinwände an zentralen Plätzen aufgestellt, damit auch dort die Bevölkerung die Geschehnisse in London verfolgen können. Für die Übertragung der Beerdigung könnten eventuell sogar Fußballstadien verwendet werden.
Und dazu einen Hotdog und ein kühles Bier. Sonst macht das doch überhaupt keinen Spaß.
Es ist Montag. Lange nichts mehr über — haha, kleiner Scherz. Die Lage ist ernst, von Musik müssen wir da gar nicht erst anfangen. Das vergangene Wochenende nämlich war ein schier unerträglich politisches.
Auf die Frage, warum ausgerechnet die politische “Rechte” weiterhin so konstant erfolgreich sei, gibt es inzwischen, nach ihrem medial weitgehend unbeachteten Parteitag in Augsburg mindestens drei Antworten: Könnte es erstens daran liegen, dass die Antisympathie für ihre politischen Gegner implizit zu mehr Sympathie für sie führt; zweitens daran, dass die “Sozialen” das Rentensystem auf Jahrzehnte hinaus entkernt haben; drittens und letztens daran, dass die geradezu infam populistische Annahme, man werde von denen da oben sowieso nur belogen, einen wahren Kern hat? “Zudem teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (…) mit, dass sie von 14 europäischen Ländern die Zusage habe, mit ihnen ein Abkommen über die schnellere Rückführung von Migranten zu vereinbaren. Tschechien, Ungarn und Polen haben ihre Zustimmung dazu aber bereits dementiert”, berichtete “ZEIT ONLINE” gestern, denn es ist ja auch nicht so wichtig, vorher mal gefragt zu haben. — Das sei noch gesagt: Wenn Donald Trump, wie von mir vor längerer Zeit schon angenommen, derjenige Politiker ist, der für den meisten Frieden sorgt, dann ist vielleicht die Zeit gekommen, über die Welt, in der alles in Schubladen passt, noch mal ergebnisoffen nachzudenken.
Für dieselbe “ZEIT” schwafelte Christina Rietz, ihr Auto sei ihr heilig. Drei Dieselunser vorm Schlafengehen, darunter machen wir’s nicht. Gott Fußball hat uns erfreulicherweise verlassen.
Obwohl doch jeder weiß, dass nur zwei Dinge göttlich sind: Pandabären und Musik.
Um 1972 herum, in der Blütezeit des “Krautrocks” also, formierte sich eine lose Gruppe von Musikern, die das Benutzen klassischer Musikinstrumente für zu beschränkend hielt und stattdessen anderweitig Geräusche erzeugte. Zu diesen Musikern gehörten Klaus Schulze und Dieter Moebius ebenso wie Bands wie Tangerine Dream und Kraftwerk, die etwa zu dieser Zeit die Rockmusik hinter sich ließen, sofern sie sie nicht — wie etwa Zweitgenannter — von vornherein gemieden hatten. Das Ergebnis nannte sich mal kosmische, mal elektronische Musik und wird heutzutage gelegentlich als “Berliner Schule” subsumiert, weil dort anscheinend mehr los was als anderswo.
Anderswo ist zum Beispiel Kentucky. Dort nahm die Musikgruppe mit dem uramerikanischen Namen Verstärker, bestehend aus drei Musikern, deren Vorname mit einem J beginnt, im Jahr 2015 das Album “Aktivität” (Amazon.de, Bandcamp.com) auf, das noch im selben Jahr veröffentlicht wurde und im Wesentlichen instrumentale kosmische Musik — so auch die Eigenbeschreibung der Band — enthält.
Das Album ist geprägt von einer hohen Dichte. Schicht auf Schicht wird getürmt, die Abrundung nimmt eine Vielzahl an elektronischen Effekten aus Synthesizern vor. Ich möchte gar keine Vergleiche anstellen, solche wären immer unfair, aber Kraftwerk scheinen den Verstärkermusikern durchaus nicht unbekannt zu sein.
Dass hier nicht ein ganzes Album mit wenigen Variationen gefüllt wird, erklärt sich nach dem gestrigen Album eigentlich fast von selbst; “Abstrakt/Konkret” rockt schon ziemlich, “Übertragung” wird dem Titel entsprechend mit Störgeräuschen unterlegt. Details gibt es hier in ausreichendem Maße zu finden.
Das ist doch mal eine angenehme Sonntagsaktivität.
Im Jahr 1963 entstand, wie aufmerksame Leser längst wissen, in den USA das von La Monte Young geführte Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv von Musikern, das minimalistische Kompositionen darbot. Drei ihrer Aufnahmen wurden später in der Reihe “Inside the Dream Syndicate”, überwiegend unter dem Namen John Cales, der ebenfalls ein Mitglied des “Theatres” war, herausgebracht.
Einige der “Theatre”-Musiker, darunter Tony Conrad und John Cale, spielten ab 1964 außerdem mit dem Studiomusiker und Liedschreiber Lou Reed in wechselnder Besetzung und unter verschiedenen Namen zusammen. In Tony Conrads ehemaliger Wohnung fanden Mitglieder der Gruppe, die inzwischen aus John Cale, Sterling Morrison, Angus MacLise und Lou Reed bestand, später das Buch “The Velvet Underground” von Michael Leigh und nannten selbige anschließend so. Tony Conrad selbst wandte sich stattdessen dem Film zu.
Der Produzent der deutschen Avantgardeband Faust, Uwe Nettelbeck, zeigte jedoch Interesse an seiner bis dahin hervorgebrachten Musik und lud ihn nach Hamburg ein, um gemeinsam mit Faust etwas aufzunehmen. So entstand 1972 “Outside the Dream Syndicate” (Amazon.de, TIDAL), das bis heute in verschiedenen Versionen veröffentlicht und auszugsweise 1995 auch live gespielt wurde.
Zu hören ist natürlich minimalistische Musik, die weit über das hinausgeht, was viele vermutlich unter “minimal” verstehen würden. Im ersten Stück (“From the Side of Man and Womankind”, auf der CD von 1993 zusätzlich in einer alternativen, etwas kürzeren Version als “The Side Of Woman And Mankind” zu hören) verursacht Tony Conrads Violine Drones zu einfachstem Rhythmusfundament (hier von “Zappi” Diermaier, der abwechselnd auf Becken und Basstrommel schlägt, und Jean-Hervé Péron, der fortwährend den gleichen Ton auf dem Bass spielt, errichtet), das sich kaum merklich verändert. Das Stück dauert 27 Minuten. Das kann sehr lang sein, ist aber durchaus lohnenswert.
Tony Conrad with Faust — From the Side of Man and Womankind (1973) HQ
Etwas mehr passiert danach (“From the Side of the Machine”): Hypnotische, jedoch variierende Perkussion untermauert abermals sich zum Ende hin merklich verdichtende Geigendrones, mitgetragen vom Bass, der auch mal mehr als nur eine Note hervorbringen darf. Ist das noch Minimalismus? Im Hintergrund erzeugt ein Synthesizer (Rudolf Sosna) allerlei Geräusche. Aus Sicht der Maschine ist anscheinend mehr los. Auch dieser Teil belegt eine ganze LP-Seite.
Nun ist Xmarks offenbar bis heute die einzige Anwendung ihrer Art, die die Lesezeichenleisten mehrerer Browser in alle Richtungen miteinander synchronisieren kann.
Das war selbstverständlich ein unzureichender Zustand, den es zu verbessern galt. Seit dem 1. Mai 2018 steht Xmarks überdies nicht mehr zur Verfügung, was die Suche nach Alternativen noch wichtiger macht. Ausreichend getrieben vom vorherigen Istzustand habe ich im Herbst 2017 begonnen, eine Alternative zu Xmarks zu programmieren. Seit gestern ist diese fertig genug.
Sie trägt den unfassbar kreativen Namen ymarks, besteht aus einer Serverkomponente und Browsererweiterungen. Der Server funktioniert unter Windows und diversen UNIX-/unixoiden Systemen, Erweiterungen stehen für Firefox, Chromium/Chrome und darauf basierende Browser (auch Vivaldi sollte funktionieren) zur Verfügung, Microsoft Edge ist ungetestet. Leider beherrschen mobile Browser das notwendige bookmarks-API noch nicht.
Den Quellcode gibt es hier. Ich wünsche viel Vergnügen.
Die Forderung nach einer geschlechterparitätischen Verteilung von Strafgefangenen war bisher ein, wie ich finde, durchaus gelungener Witz. Die Pointe hat offenbar nicht jeder verstanden: Eine Frauenquote soll es tatsächlich künftig in britischen Gefängnissen geben, und zwar nach oben statt nach unten. Für nicht besonders schwere Vergehen sollen künftig nur noch Männer weggesperrt werden.
Währenddessen erhebt sich in Deutschland ein Widerstand gegen die Geschlechterparität: In Hamburg wettern Frauen und Artverwandte gegen die Gleichstellung von Männern in Berufen, in denen diese unterrepräsentiert sind, weil dies gegen das Grundgesetz verstoße, so lange Frauen keinen Nutzen daraus ziehen. Ich beginne zu verstehen, warum eine Kompetenzquote aus diesen Kreisen so vehement bekämpft wird.
Kaum ist es mal schier unerträglich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit für die besten Musikalben des ersten Halbjahres 2018. Dass seit der letzten Rückschau sowohl Mark E. Smith und mit ihm wohl auch The Fall als auch Dennis Edwards (The Temptations) und Jon Hiseman (Colosseum, Colosseum II, JCM) sich für immer aus der Musik und voraussichtlich auch aus der Welt der Lebenden verabschiedet haben, mahnt zur Eile. Wer weiß, wie viele Künstler sterben, während ich dies hier schreibe?
Sicherheitshalber griff ich der Liste bereits vor: Die aktuellen Studioalben von awakebutstillinbed, Messa und den beiden Davids Cross und Jackson bleiben Teil der diesjährigen Empfehlungen, auch das Debütalbum “Danger Dance” von Noseholes, deren titellose EP mich Anfang Januar zu einer Rezension veranlasste, ist erwartungsgemäß gut geworden.