Nerdkrams
Schöner lese­zeich­nen mit Buku

Das nahen­de Ende von Firefox als benutz­ba­rer Browser lässt mich nicht nur nach einem neu­en Standardbrowser, son­dern auch nach neu­en Lösungen für bis­her für gelöst gehal­te­ne Probleme suchen. Während sich erste­res noch über ein paar Monate erstrecken dürf­te, nach­dem ich erst gestern fest­stel­len muss­te, dass selbst der anson­sten nicht schlech­te Browser Vivaldi gele­gent­lich nur mit einem neu­en Profil zur Mitarbeit bereit ist, pas­siert zwei­te­res in klei­nen Schritten.

Heute erset­ze ich zum Beispiel Xmarks.

Xmarks, frü­her ein­mal als Foxmarks bekannt, inzwi­schen aber nicht mehr nur für Firefox ver­füg­bar, ist eine Browsererweiterung, die die Lesezeichenleiste im Browser schon mit der cloud (Bingo!) syn­chro­ni­sier­te, als die­se noch gar nicht cloud, son­dern ein­fach nur Server hieß. Mittlerweile gehört Xmarks zu LastPass, einem klei­nen Unternehmen aus den USA, das Passwörter eben­falls in der cloud spei­chert und in letz­ter Zeit gern mal durch man­geln­de Sicherheitsmaßnahmen auf­fiel. Ein pri­ma Anlass, über einen Wechsel nachzudenken.

Nun ist Xmarks offen­bar bis heu­te die ein­zi­ge Anwendung ihrer Art, die die Lesezeichenleisten meh­re­rer Browser in alle Richtungen mit­ein­an­der syn­chro­ni­sie­ren kann. Ein Umstieg auf Firefox Sync oder die ent­spre­chen­den Dienste von Google, Opera oder (dem­nächst) Vivaldi wür­de zu einer Art Einschluss füh­ren, ich wür­de mich selbst also auf die­sen einen Browser beschrän­ken. Selbst das von den Medien unnö­tig gelob­te, weil kon­zep­tio­nell nicht beson­ders siche­re ownCloud und des­sen Fork nextCloud besit­zen gegen­wär­tig nur eine Firefox-Erweiterung, die einen ein­zi­gen Lesezeichenordner syn­chro­ni­siert und den Rest voll­kom­men igno­riert. Das ist ein biss­chen scha­de, denn ich mache von zwei Funktionen mei­ner nor­ma­len Browserlesezeichen regel­mä­ßig regen Gebrauch; eigent­lich sind bei­de Funktionen Teilaspekte einer ein­zi­gen Funktion, näm­lich der Ordnerverwaltung.

Ich habe einen Lesezeichenordner mit Tabs, die ich gern jeden Tag wenig­stens ein­mal öff­nen möch­te, weil sie nicht ganz pro­blem­los in einen RSS-Feed umge­wan­delt wer­den kön­nen und ich trotz­dem nichts ver­pas­sen möch­te. Hierfür kann ich zum Beispiel in Firefox „Alle in Tabs öff­nen“ aus­wäh­len und dann macht er das auch. Außerdem habe ich wäh­rend der letz­ten Jahre der­art vie­le Lesezeichen ange­häuft, dass ich längst Unterordner benö­ti­ge, um sie wenig­stens noch leid­lich über­sicht­lich zu struk­tu­rie­ren. Nach der Evaluation eini­ger selbst- wie fremd­ge­ho­ste­ter Optionen kamen drei Anwendungen in die enge­re Auswahl:

Papaly und Raindrop sind optisch und funk­tio­nal ganz gute Webdienste, wobei ins­be­son­de­re Papaly offen­sicht­lich ein voll­stän­dig kosten­lo­ses Angebot ist, zumin­dest wur­de mir das sug­ge­riert. Beide Dienste sind in der Lage, mei­ne Firefox-Lesezeichen weit­ge­hend pro­blem­los zu impor­tie­ren (im Falle von Papaly sogar direkt über die Browsererweiterung ohne geson­der­ten Export), jedoch fehlt Raindrop eine Möglichkeit zum Öffnen aller Lesezeichen eines Ordners, Papaly hin­ge­gen kann das zwar, beherrscht aber nur zwei Ordnerebenen und ist damit auch kein wirk­lich taug­li­cher Ersatz.

Da ich aber gera­de wie­der ein­mal dabei bin, von mir genutz­te Software durch schlan­ke­re Alternativen zu erset­zen, bot sich als wei­te­re Anwendung Buku an. Letztendlich sind Lesezeichen im Webbrowser ja nur gra­fisch auf­be­rei­te­te Texte. Was spricht also dage­gen, sie auch auf Text-, näm­lich Kommandozeilenebene zu ver­wal­ten? Eben: Nicht viel.

Buku besteht im Kern bedau­er­li­cher­wei­se aus einem Pythonscript. Zur Installation wird also wahl­wei­se ein Betriebssystem mit gut sor­tier­ter Paketverwaltung oder zumin­dest Python 3 benötigt:

pip install install urllib3 cryptography beautifulsoup4 requests buku

Damit ist Buku eigent­lich fer­tig. Beim ersten Aufruf wird eine SQLite-Datenbank namens bookmarks.db irgend­wo im Benutzerverzeichnis (in der Regel in einem Unterverzeichnis namens „buku“) oder, falls das nicht geklappt hat, im aktu­el­len Ordner ange­legt, die aus nur einer Tabelle besteht und alle not­wen­di­gen Daten für die Lesezeichen enthält:

Buku ermo­g­licht eine optio­na­le Ver- und Entschlüsselung die­ser Datenbank über die Parameter --lock und --unlock. Eine hän­di­sche Übergabe des Datenbankpfades ist zur­zeit nicht mög­lich, kann jedoch zum Beispiel mit dem Setzen von Hardlinks gelöst werden.

Die Verwaltung von Lesezeichen ist ein­fach: Entweder kön­nen sie aus bestehen­den Lesezeichensammlungen, wie sie die mei­sten Browser heut­zu­ta­ge expor­tie­ren kön­nen, impor­tiert wer­den (buku – import pfad/zur/bookmarks.html) oder es kann mit einer lee­ren Datenbank begon­nen wer­den. Beim Importieren wer­den zwar Ordnerstrukturen als fla­che Etiketten abge­bil­det, aber bei Buku ist das wegen her­vor­ra­gen­der Filtermöglichkeiten nicht so schlimm. Sofern in der Lesezeichensammlung bereits Etiketten („Tags“) gesetzt waren, blei­ben die­se bestehen. Das hän­di­sche Hinzufügen und Entfernen von Lesezeichen ist mit buku -a und buku -d oder buku – add und --dele­te auch recht intui­tiv, wobei sogar der Titel der Website auto­ma­tisch aus­ge­le­sen wird:

(Ich arbei­te hier mit einer loka­len git-Version von Buku; statt python .\buku.py genügt nor­ma­ler­wei­se der Befehl buku.)

Für Tags - irgend­wie müs­sen die Lesezeichen ja geord­net wer­den - und son­sti­ge Änderungen lässt sich ent­we­der direkt beim Hinzufügen eine Liste anfü­gen oder es wird der Umweg über -u/--update beschritten:

Künftig ist das Lesezeichen auch per Tag „web“ (es wird mit Kleinbuchstaben gear­bei­tet) zu finden.

Selbstverständlich las­sen sich die Lesezeichen auch im Browser auf­ru­fen (buku -o [Index] oder, um meh­re­re Lesezeichen gleich­zei­tig zu öff­nen, buku – oa [Suchbegriff]). Buku ver­sucht - sofern die Umgebungsvariable BROWSER (unter uni­xo­iden Systemen zum Beispiel mit export BROWSER=firefox, unter Windows per set BROWSER=C:\Programme\Firefox\Firefox.exe) nicht ander­wei­tig gesetzt wur­de - den Standardbrowser des Systems aufzurufen.

Angenommen, ich hät­te SPIEGEL ONLINE, YouPorn und ZEIT ONLINE unter „Morning Coffee“ kate­go­ri­siert (so heißt eine uralte Firefox-Erweiterung, die ich für so etwas benutzt hat­te, bevor ich auf Lesezeichenordner umge­stie­gen bin) und wür­de die­se gern im Browser öffnen:

> buku – oa "morning coffee"

qutebrowser

Na bit­te.

Unter Windows - das nicht for­ken kann - muss der Webbrowser aller­dings bereits lau­fen, damit das Öffnen meh­re­rer Tabs funk­tio­niert, aber das ist bei der Zielgruppe die­ser Anwendung ver­mut­lich sowie­so der Normalfall.

Man könn­te sich das Leben ver­mut­lich auch etwas leich­ter machen, indem man die Firefox- und Chrome-Erweiterung „buku­brow“ instal­liert, die irgend­wie auf das lau­fen­de buku zugrei­fen kann, aller­dings geht die Binärkomponente der­zeit von GNU/Linux als Zielsystem aus, wes­halb ich auf einen Test die­ser Erweiterung vor­erst ver­zich­tet habe. Überhaupt ist der Quellcode von Buku - Buku gibt sich stan­dard­mä­ßig Websites gegen­über als Ubuntu Linux aus - ein wei­te­rer Beleg dafür, dass sogar noch weni­ger Leute wirk­lich Linux nut­zen als es die ein­schlä­gi­gen Statistiken suggerieren.

Gibt es trotz­dem irgend­et­was zu meckern? Klar: Es gibt kei­ne mobi­le Anwendung oder wenig­stens Weboberfläche für Buku, so weit ich das bis­lang ermit­teln konn­te. Das ist aller­dings ver­schmerz­lich, denn auch bis­her griff ich für das Erfassen und Verwalten mobi­ler Lesezeichen auf das her­vor­ra­gen­de Pocket zurück. Die Weboberfläche von Xmarks ist von über­schau­ba­rer Bedienbarkeit.

Davon abge­se­hen: Ein wirk­lich schö­nes Spielzeug, die­ses Buku. :)

(Offenlegung: Ich habe wäh­rend der letz­ten Tage die Windowsunterstützung von Buku zu ver­bes­sern gehol­fen und bin daher am aktu­el­len Zustand der Software nicht völ­lig unschuldig.)


Nachtrag vom 6. April 2017: Inzwischen kann Buku auch die Ordnerstruktur aus Firefox-Lesezeichen als Tags importieren.

Senfecke:

  1. Ich kann pinboard.in abso­lut emp­feh­len. Das wur­de als kosten­pflich­ti­ger Delicious-Ersatz ent­wickelt (damit man auch wirk­lich Kunde ist). Gibt etli­che Clients und Extensions für alle mög­li­chen Browser und zusätz­lich zu den Delicious-Features noch ein biss­chen mehr (z.B. Linkstatistiken, dead links, cache von alles gespei­cher­ten Seiten, usw.). Wärmstens.

    • Ich möch­te kein sozia­les Bookmarking, ich möch­te wirk­lich nur mei­ne Lesezeichen synchronisieren. 

      Erfüllt pin­board denn die ande­ren Anforderungen?

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