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Auch Dicke soll­ten cybern dür­fen!

Über und unter dem Super-Sym­bol­bild einer sicht­lich gelang­weil­ten Frau im Flecktarn­an­zug vor einem Röh­ren­bild­schirm „berich­tet“ heu­te Hol­ger Zel­der auf „hei­se online“:

Bun­des­wehr sucht moral­be­frei­te Bewe­gungs­muf­fel mit zu wenig Dis­zi­plin für einen anstän­di­gen Beruf.

Ach nein, da habe ich mich ver­le­sen; rich­tig ist:

Auch unsport­li­che Stu­di­en­ab­bre­cher: Bun­des­wehr sucht Rekru­ten für den Cyber-Krieg

Frü­her war die Bun­des­wehr ja mal eine Armee zur Lan­des­ver­tei­di­gung gegen den Iwan und kein Hau­fen von Buz­zword-Bin­go-Gewin­nern, denen jeder Anlass, um mal wie­der irgend­ei­nen „Krieg“ anzu­fan­gen, Grund genug für die media­le Selbst­fünf ist; neue Zei­ten, neue Unsit­ten, wie es scheint. Wei­ter:

Eine schlag­kräf­ti­ge Cyber-Armee erfor­dert nach Ein­schät­zung des Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­ums ein radi­ka­les Umden­ken bei der Per­so­nal­su­che der Bun­des­wehr. Die Regeln etwa für die Cyber-Reser­ve müss­ten geän­dert wer­den, sag­te die Staats­se­kre­tä­rin im Mini­ste­ri­um, Kat­rin Cyber Suder, am Mon­tag bei einer Ver­an­stal­tung zur Cyber-Sicher­heit in Ber­lin.

Sie haben da noch etwas Cyber am Kinn. Was eine „Cyber-Reser­ve“ sein soll, erschließt sich mir spon­tan nicht. Sind das Cyber­sol­da­ten, die den gan­zen Tag untä­tig vor dem Rech­ner sit­zen und dar­auf war­ten, end­lich gebraucht zu wer­den, um sich vor den, nun, Rech­ner set­zen zu kön­nen? Und wie lan­det man in die­ser „Cyber-Reser­ve“ – ist das der Sam­mel­punkt für all die­je­ni­gen, die für den regu­lä­ren Cyber­dienst zu sport­lich sind?

Klar ist: Gesucht wer­den sozi­al Abge­häng­te.

Es gebe vie­le „Nerds“, die ihr Stu­di­um abbre­chen wür­den. Mitt­ler­wei­le dürf­ten sie in der Trup­pe auch mit abge­bro­che­nem Stu­di­um bestimm­te höhe­re Lauf­bah­nen ein­schla­gen. (…) Bereits 2016 sei­en 60 Pro­zent mehr Infor­ma­ti­ker ein­ge­stellt wor­den als im Vor­jahr.

Nerds, Geeks, Hacker, Infor­ma­ti­ker, Kel­ler­kin­der – nicht so wich­tig, ist sowie­so alles das Glei­che. Wich­ti­ge Vor­aus­set­zung ist aber, dass man unter­qua­li­fi­ziert für einen anstän­di­gen Beruf ist, nur Unsinn (Gen­der Stu­dies, sozia­le Arbeit, BWL) oder gleich über­haupt nichts zu Ende stu­diert hat und des­we­gen nir­gends sonst so bereit­wil­lig auf­ge­nom­men wür­de wie bei der Bun­des­wehr, „Fach­kräf­te­man­gel“ sei Dank. So eine Fach­kraft wür­de ja statt­des­sen auch ein anstän­di­ges Gehalt erwar­ten und nicht mit allem zufrie­den sein, was man ihr anbie­tet.

Die Infor­ma­ti­ker-Armee soll künf­tig Waf­fen­sy­ste­me und Com­pu­ter­net­ze der Bun­des­wehr schüt­zen, aber auch zu Angrif­fen in der Lage sein. Sie könn­te etwa in einem Aus­lands­ein­satz das Inter­net über­wa­chen, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le des Geg­ners stö­ren, um ihn zu iso­lie­ren, sag­te Suder. (…) Die neue Cyber-Armee sei drin­gend nötig. Suder berich­te­te von Tau­sen­den Angrif­fen auf die Net­ze der Bun­des­wehr jeden Tag.

Da blinkt mal kurz die Nor­ton­soft­ware im Info­be­reich, weil wie­der so ein Fies­ling einen Ping geschickt hat, und schon brennt bei Suders die Hüt­te. Tau­sen­de Angrif­fe, anders­wo wäre man froh über solch nied­ri­ges Inter­es­se durch den Feind, kom­men an einem lan­gen Tag ja auf die­se Art schnell zusam­men. Für eine kur­ze Erläu­te­rung der impli­zit sich auf­drän­gen­den Fra­ge, seit wann irgend­ei­ne Abtei­lung der Bun­des­wehr fol­gen­los irgend­wen angrei­fen darf, war offen­bar zu wenig Cyber­tin­te da, ver­ra­ten wur­de hier aller­dings mehr als genug:

Sie könn­te (…) das Inter­net über­wa­chen[.]

Dafür brau­chen wir also die Spit­zel­in­fra­struk­tu­ren, die die Bun­des­re­gie­rung alle paar Mona­te erneut zu instal­lie­ren ver­sucht: Damit gegen den Rus­sen so rich­tig schön gecy­bert wer­den kann.

Der rich­ti­ge Tag, um mit der Ver­schlüs­se­lung der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on zu begin­nen, ist wie immer heu­te.