MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gefahr von oben! (Auch: Face­book­mu­sik.)

(Vor­be­mer­kung. Ein Teil die­ses Arti­kels han­delt von der Band Muse. Muse ist eine der weni­gen Musik­grup­pen, die es schaf­fen, mich schon bei der blo­ßen Erwäh­nung ihres Namens erschau­dern zu las­sen. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis ver­wei­se ich noch­mals auf die Schall­gren­zen-Rezen­sio­nen zum bis­her und hof­fent­lich end­gül­tig letz­ten Muse-Album.)

Man traut sich schon gar nicht mehr, in die Zei­tung zu schau­en, bringt doch ein Blick in das loka­le Mit­tei­lungs­blatt täg­lich mei­nen Glau­ben dar­an, dass die durch­schnitt­li­che Intel­li­genz hier­zu­lan­de deut­lich über dem US-ame­ri­ka­ni­schen Durch­schnitt liegt, ins Wan­ken.

Heu­te etwa las ich, dass deut­sche Atom­kraft­wer­ke nur unzu­rei­chend dage­gen geschützt sei­en, dass Flug­zeu­ge run­ter- und auf sie drauf­fal­len, wie ein Stress­test erge­ben habe; das bestä­ti­gen auch ande­re Quel­len. Jetzt wür­de es mich natür­lich schon ein biss­chen inter­es­sie­ren, wie so ein Stress­test abläuft: Las­sen sie da Flug­zeu­ge drauf­fal­len und gucken, wie schwer die sein dür­fen, bis mess­ba­re Schä­den am Atom­kraft­werk ent­ste­hen? Nein, das ist natür­lich Unfug:

(…) aller­dings war es vor allem eine Prü­fung auf dem Papier mit einer Neu­be­rech­nung bestimm­ter Sze­na­ri­en.

Ver­ste­he: Sie haben also Papier­flug­zeu­ge auf Papie­r­atom­kraft­wer­ke gewor­fen und geguckt, was pas­siert.

Gegen God­zil­la-Angrif­fe ist so ein Atom­kraft­werk übri­gens genau so wenig geschützt wie dage­gen, dass gro­ße Din­ge auf es drauf­fal­len, aber die­se Infor­ma­ti­on schafft es nie in die Nach­rich­ten; ver­mut­lich, um nie­man­den zu beun­ru­hi­gen. Es war aber, wie wir inzwi­schen wis­sen, gera­de­zu unver­ant­wort­lich von den Kon­struk­teu­ren der deut­schen Atom­kraft­wer­ke, dass sie nicht ihr Haupt­au­gen­merk auf den Schutz dage­gen leg­ten, dass Flug­zeu­ge auf ihre Kon­struk­tio­nen drauf­fal­len, denn die­ses Damo­kles­schwert schwebt ja stän­dig über unse­ren Köp­fen. Der inter­na­tio­na­le Ter­ro­ris­mus schläft nicht, und die Wahr­schein­lich­keit, dass in abseh­ba­rer Zeit irgend­ein Ter­ro­rist die Idee, trotz all der Schi­ka­nen an Flug­hä­fen ein Flug­zeug auf Gebäu­de in Deutsch­land drauf­fal­len zu las­sen, erfolg­reich umsetzt, ist so groß, dass es ein Wun­der ist, dass wir über­haupt noch alle leben!

Zum Glück haben wir nun den elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­weis, damit wird alles bes­ser.

Apro­pos „durch­schnitt­li­che Intel­li­genz“: Gemes­sen an ihrer Selbst­dar­stel­lung (ihren Sta­tus­nach­rich­ten) zei­gen die mei­sten Face­book­nut­zer ein eher gerin­ges Maß an kul­tu­rel­ler Bil­dung. (Von der Eigen­art, ein „sozia­les Netz­werk“ als tat­säch­li­ches Lebens­um­feld zu begrei­fen, fan­ge ich aus­nahms­wei­se hier nicht zu erzäh­len an.) Etwas scheint sich aller­dings dies­be­züg­lich getan zu haben im Hau­se Face­book, denn dort pflegt man, glaubt man Micha­el Hir­le, der über irgends­o­ein Album der wider­li­chen Kopf­schmerz­pop­per Muse schrieb, hier­bei hand­le es sich anders, als ich mitt­ler­wei­le auf der prog­rock-dt-Mai­ling­li­ste vor­schlug, nicht um thea­tra­li­schen Tun­ten­rock, son­dern um „Prog“ für die „Gene­ra­ti­on Face­book“. Ver­mut­lich soll das hei­ßen, dass es sich um Musik han­delt, die die Idea­le der frü­hen Pro­gres­si­ve-Rock-Sze­ne in ein mehr oder weni­ger moder­nes Klang­ge­wand zu klei­den beab­sich­tigt (und damit mei­nes Erach­tens völ­lig schei­tert), aber es wirft doch vor allem eine Fra­ge auf:

Beein­flusst Face­book musi­ka­li­sche Hör­ge­wohn­hei­ten?

Natür­lich kann man sei­ne eige­nen momen­ta­nen „Lieb­lings­lie­der“ dort schnell ver­brei­ten, aber das kann man auf Last.fm und per Instant Mes­sen­ger schon lan­ge. Im Freun­des­kreis ist es seit Jahr­zehn­ten üblich, sich gegen­sei­tig die jeweils aktu­el­le Lieb­lings­mu­sik vor­zu­spie­len, bei Bedarf auch zu kopie­ren. Dass jemand wie Lady Gaga, wie jüngst die Pres­se kol­por­tier­te, 33 Mil­lio­nen „Fans“ – Zahl stei­gend – hat, zeigt dafür um so deut­li­cher, dass Face­book kei­nes­falls ein Motor für Musik­ge­schmack ist, wohl aber ein unge­fäh­res Abbild der Jugendkul­tur dar­stellt. So betrach­tet ergibt der Term „Gene­ra­ti­on Face­book“ auch wenig­stens mini­mal Sinn, denn die­se „Gene­ra­ti­on“ (zu mei­ner Zeit hat­te das Wort noch etwas mit Jahr­gän­gen zu tun) ist zugleich die „Gene­ra­ti­on You­Tube“, sozu­sa­gen die „Gene­ra­ti­on eins nach Last.fm“. Musik wid­men die­se Men­schen nicht mehr ihre vol­le Auf­merk­sam­keit, sie dudelt neben­bei, gern in Ohren betäu­ben­der Laut­stär­ke, aus quä­ki­gen Ohr­steckern, sie dient nicht mehr der Ent­span­nung, son­dern der blo­ßen Berie­se­lung; das jeden­falls ist mei­ne Beob­ach­tung, gewon­nen aus etli­chen Jah­ren der ÖPNV-Nut­zung.

Dass eine Musik­grup­pe wie Muse, die auf stump­fes 4/4‑Gekloppe ver­zich­tet und kei­ne Sän­ge­rin, son­dern einen (schreck­li­chen) Sän­ger ihr eigen nennt, inmit­ten des Klang­ge­mi­sches aus Justin Bie­ber, Lady Gaga und irgend­wel­chen belie­big aus­tausch­ba­ren „Super­stars“ wie ein Fremd­kör­per, „irgend­wie anders“ eben, erscheint, ist ver­ständ­lich. Was einst die Schla­ger ver­dräng­te, schickt sich heu­te an, den Pop (also wie­der­um die Schla­ger) zu ver­drän­gen. Als „neu“ und „auf­re­gend“ wird Musik ver­stan­den, deren Inter­pre­ten sich durch vier­zig Jah­re Musik­ge­schich­te quä­len, weil in der ein­tö­ni­gen Lie­bes­lie­der­welt die­ser Tage Melo­dien, die nicht vom digi­ta­len Ton­band kom­men, man­chem unbe­darf­ten Zeit­ge­nos­sen wie die Musik­re­vo­lu­ti­on der spä­ten 60-er erscheint, und das lei­der nicht ein­mal gänz­lich zu Unrecht.

Wor­auf woll­te ich eigent­lich hin­aus? Ach ja:
So lan­ge die „Gene­ra­ti­on Face­book“ eines Tages sich ihrer Jugend ent­sagt, steht es um die Zukunft der Rock­mu­sik nicht so schlecht, wie es die mit­un­ter im Inter­net zu fin­den­den „Face­book-Hit­pa­ra­den“ impli­zie­ren könn­ten; denn zwar ist in der Rock­mu­sik schon seit Jah­ren jedes Extrem erreicht und jede Aus­sa­ge gemacht wor­den, aber viel­leicht soll­ten das nicht gera­de die­je­ni­gen bemän­geln, die musi­ka­lisch in den 80-ern hän­gen geblie­ben sind.

Anders, womög­lich etwas pole­misch, aus­drücken kann man das natür­lich auch so:
Jede Gene­ra­ti­on bekommt die Musik, die sie ver­dient.

Muse. Grau­en­haft.

WirtschaftIn den Nachrichten
Kre­dit ver­spielt

Und da ich gera­de dabei war, mich auf­zu­re­gen, mache ich damit gleich wei­ter, sonst krie­ge ich am Ende noch gute Lau­ne, und das führt dann immer zu eigen­ar­ti­gen Arti­keln, die nie­mand ver­steht. Gute Lau­ne lässt sich am ein­fach­sten ver­hin­dern, indem man die Nach­rich­ten des Tages liest.

Und dann liest man zum Bei­spiel so etwas:

Por­tu­gal erhält Mil­li­ar­den­kre­dit

Einen Kre­dit kennt man: Man geht zu sei­ner Bank, setzt einen Dackel­blick auf und sei­ne Unter­schrift unter einen Kne­bel­ver­trag, den man frü­her oder spä­ter bereut, und hat fort­an nicht nur Schul­den in Höhe des Kre­di­tes, son­dern sieht sich oben­drein mit Zins­for­de­run­gen in mit­un­ter unan­ge­neh­mer Höhe kon­fron­tiert, bis man die­se Schul­den zurück­ge­zahlt hat.

Por­tu­gal aber ist nicht ein­fach zur Bank gegan­gen, denn die por­tu­gie­si­schen Ban­ken sind alle­samt der Plei­te nahe. Ein biss­chen wie die deut­schen. Por­tu­gal hat sich kei­nen Kre­dit geben las­sen, son­dern ist in die Bank des Nach­barn rein­spa­ziert und hat „Geld her!“ gebrüllt, und die Bank schwang zwar den Zei­ge­fin­ger, gab Por­tu­gal das Geld aber trotz­dem, denn Por­tu­gal sieht so nied­lich aus, wenn es weint. Das mit dem Dackel­blick kann Por­tu­gal wohl schon ganz gut.

Wenn ich mir von der Bank einen Kre­dit geben lie­ße und den dann nicht zurück­zah­len könn­te, wür­de die Bank zu mir sagen, dass es so nicht gin­ge, was mir wohl ein­fie­le und dass ich dann wohl mal ein paar Jah­re im Kitt­chen über mei­nen Umgang mit Geld nach­den­ken soll­te. Lei­der haben wir kein Kitt­chen, das groß genug wäre, damit Por­tu­gal da rein­passt, also kann man Por­tu­gal nicht ins Kitt­chen stecken. Statt­des­sen sagt man Por­tu­gal bei der Kre­dit­ver­ga­be, es sei gar kein Kre­dit, son­dern ein „Hilfs­pa­ket“, das ist wenig­stens schön schwam­mig for­mu­liert. Ich betrach­te einen Bank­kre­dit übri­gens auch als ein Hilfs­pa­ket für mich, aber ich bin ja kein Land.

Hilfs­pa­ke­te unter­schei­den sich von Kre­di­ten offi­zi­ell inso­fern, als man sie nicht zurück­zah­len, son­dern nur artig nicken muss, wenn der Paket­dienst zur Unter­schrift bit­tet:

Por­tu­gal ver­pflich­tet sich gegen­über EU und IWF, das Haus­halts­de­fi­zit von 9,1 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes im ver­gan­ge­nen Jahr bis 2013 unter drei Pro­zent zu drücken – mehr ist nach den EU-Spiel­re­geln nicht erlaubt.

Und wenn sie das nicht schaf­fen, dann haben sie halt ziem­lich gro­ße Schul­den bei den Geld­ge­bern, die sich dann ein paar Jahr­zehn­te lang anhäu­fen dür­fen. Die Geld­ge­ber sind übri­gens nicht die Ban­ken oder irgend­wel­che Staa­ten, son­dern es sind die Steu­er­zah­ler in die­sen Staa­ten. Und die Begrün­dung dafür, dass die Steu­er­zah­ler in die­sen Staa­ten, deren Haus­halts­de­fi­zit auch nicht von schlech­ten Eltern ist, ihr Minus­geld zugun­sten frem­der Staats­kas­sen noch ein wenig zu erhö­hen haben, ist so sim­pel wie bescheu­ert:

„Wir kön­nen das nicht ohne Deutsch­land und sei­ne Bereit­schaft, die Sta­bi­li­tät des Euro zu sichern, machen“, sag­te Rehn (EU-Wäh­rungs­kom­mis­sar) der Zei­tung „Die Welt“. „Indem wir Por­tu­gal unter strik­ten, aber rea­li­sti­schen Bedin­gun­gen hel­fen, schüt­zen wir auch die wirt­schaft­li­che Erho­lung in Deutsch­land und die Erspar­nis­se der deut­schen Bür­ger.“

Eine maro­de Wäh­rung sta­bi­li­siert man halt am besten, indem man so lan­ge gro­ße Beträ­ge hin und her schau­felt, bis alle, die die­se Wäh­rung nut­zen müs­sen, unge­fähr gleich viel Schul­den haben, das nennt man dann eine „Wäh­rungs­uni­on“. Wie­der was gelernt.

Grie­chen­land hat übri­gens ein biss­chen Glück gehabt, dass sie schon frü­her plei­te waren, denn wäh­rend es selbst­ver­ständ­lich schlicht eine Frech­heit wäre, aus einem Hilfs­pa­ket Pro­fit zu schla­gen, sieht das mit Geld­ge­schen­ken anders aus (Her­vor­he­bung, wie meist, von mir):

Grie­chen­land hat­te schon vor Grün­dung des EU- Ret­tungs­fonds EFSF von einem Extra-Paket von 110 Mil­li­ar­den Euro pro­fi­tiert.

Eins aller­dings ist ein­leuch­tend: Erspar­nis­se, die die deut­schen Bür­ger nicht mehr haben, weil sie sie nach Por­tu­gal expor­tiert haben, kön­nen sie nicht mehr für Unsinn aus­ge­ben. Das schützt ihre Erspar­nis­se vor ihnen selbst. Eigent­lich wäre es doch eine traum­haf­te Welt, wenn kei­ner mehr Geld hät­te, um sich davon Waf­fen oder iPho­nes zu kau­fen. Soll­te die­se Uto­pie eines Tages Wirk­lich­keit wer­den? Wohl auch getrie­ben von die­sem Traum „hat­te [der Bun­des­tag] das Hilfs­pa­ket für Por­tu­gal bereits mit brei­ter Mehr­heit unter­stützt“, aber wirk­lich ganz breit.

Ich glau­be, ich gehe die­ser Tage auch mal wie­der zu einer Bank, bei der ich bis­lang kein Kun­de war, und fra­ge, natür­lich mit Dackel­blick, nach einem Hilfs­pa­ket. So als armer Stu­dent bin ich doch wohl kaum weni­ger hilfs­be­dürf­tig als ein Land vol­ler arbei­ten­der Men­schen mit noch funk­tio­nie­ren­der Export­in­fra­struk­tur.

Und ich bin mal gespannt, wie viel ich bekom­me.

(Dan­ke an L.!)

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt XLIV: Kran­ke Gesund­heits­mi­ni­ster

Etwas über­aus Lesens­wer­tes habe ich da, lei­der mit eini­gen Tagen Ver­spä­tung, via Ste­fan Sas­se aus­ge­rech­net im anson­sten nur leid­lich zitie­rens­wer­ten Online-SPIE­GEL gefun­den:

… So ergibt es sich, dass an der Spit­ze einer Gleich­stel­lungs­stel­le regel­mä­ßig eine Frau steht, nur ein Behin­der­ter ande­re Behin­der­te ver­tre­ten kann und das Schwu­len­re­fe­rat selbst­ver­ständ­lich von einem beken­nen­den Homo­se­xu­el­len gelei­tet wer­den muss. Für die Ange­hö­ri­gen von Min­der­hei­ten ist die­ses Aus­wahl­prin­zip durch­aus von Vor­teil, schränkt es doch die Zahl der Mit­be­wer­ber deut­lich ein. Nur limi­tiert es eben wei­te­re Auf­stiegs­chan­cen, die­se Poin­te scheint den Befür­wor­tern der Iden­ti­täts­po­li­tik zu ent­ge­hen.

Auch posi­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung bleibt Dis­kri­mi­nie­rung. Nie­mand käme auf die Idee, von einem Gesund­heits­po­li­ti­ker den Nach­weis einer schwe­ren Erkran­kung zu erwar­ten oder von dem Vor­sit­zen­den eines Rechts- und Innen­aus­schus­ses die Abstam­mung aus einer Poli­zi­sten­fa­mi­lie.

Aber das mit der Gleich­stel­lung ist eben nicht so leicht.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LI: Kreu­zi­gung

Da schau her, offen­bar fand kürz­lich ein inter­na­tio­na­ler Wett­be­werb statt, der am Ran­de irgend­was mit Sin­gen zu tun hat­te. Der bis­her am wenig­sten uner­träg­lich schlei­mig-weh­lei­di­ge Kom­men­tar zu die­sem Ereig­nis stammt von Micha­el, Autor im Fern­seh­le­xi­kon, der poin­tiert zusam­men­fass­te:

[W]enn man die Musik mal außen vor lässt, war auch die­ser Euro­vi­si­on Song Con­test eine sehr unter­halt­sa­me Ver­an­stal­tung.

Ste­fan Kuz­ma­ny von SPIEGEL Online zeigt der­weil, wie Jour­na­lis­mus nicht funk­tio­niert:

Gebt Lena Mey­er-Land­rut end­lich, was sie ver­dient: Das Bun­des­ver­dienst­kreuz.

Die Begrün­dung hier­für ist so „ein­leuch­tend“ wie „durch­dacht“: Ihre erneu­te Teil­nah­me am inter­na­tio­na­len Gesangs­wett­streit – erneut übri­gens mit einem Lied, das über Deutsch­land unge­fähr so viel aus­sagt wie Fahr­rad­fah­ren – zei­ge, dass sie bereit sei, jede nur erdenk­li­che Stra­pa­ze auf sich zu neh­men, um Deutsch­lands Beliebt­heit zu stei­gern. (Haben Ramm­stein und Die Toten Hosen, jeweils im Aus­land über­aus beliebt, das Bun­des­ver­dienst­kreuz eigent­lich schon bekom­men?)

In der Ori­gi­nal­fas­sung liest sich das unge­fähr so:

[N]icht ihr ein­ma­li­ger ESC-Sieg in Oslo macht Lena Mey­er-Land­rut aus­zeich­nungs­wür­dig, son­dern das Jahr danach, das sie zwei­fel­los „unter Zurück­stel­lung der eige­nen Inter­es­sen“ und „über einen län­ge­ren Zeit­raum“, dazu alle­mal „mit erheb­li­chem Ein­satz“ die­sem Land gewid­met hat – zumal es wesent­lich beque­mer für sie gewe­sen wäre, sich auf dem ersten Erfolg aus­zu­ru­hen und als Sie­ge­rin von der ESC-Büh­ne abzu­tre­ten. Für die­se Lei­stung, für die­sen zehn­ten Platz ist ihr das Land höch­sten Respekt schul­dig.

Mit eng­lisch­spra­chi­gen Lied­chen, die ihr ein zufäl­lig gera­de über aus­rei­chend Frei­zeit ver­fü­gen­der Pop­pro­du­zent anschei­nend mal eben in der Mit­tags­pau­se hin­schmie­ren kann, gegen ande­re „Musi­ker“ in einem Wett­be­werb anzu­tre­ten, des­sen folk­lo­ri­sti­sche Kom­po­nen­te schon seit Jahr­zehn­ten nur noch theo­re­tisch besteht, ist also ein „erheb­li­cher Ein­satz“ für das Land und nicht etwa für die eige­ne Geld­bör­se. Ich glau­be ja, jeder im Export täti­ge Spe­di­teur tut mehr für die­ses Land als die­se mit­tel­mä­ßig talen­tier­te „Ange­him­mel­te“ (Ste­fan Kuz­ma­ny über Lena Mey­er-Land­rut); wo blei­ben da eigent­lich die Bun­des­ver­dienst­kreu­ze?

Nur, um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Ich erken­ne die tat­säch­li­che Lei­stung, die so ein Musikerle­ben unter stän­di­ger Beob­ach­tung der Öffent­lich­keit mit sich bringt, gern als anstren­gend an. Aber:

Das Bun­des­ver­dienst­kreuz wird ver­lie­hen für beson­de­re Lei­stun­gen auf poli­ti­schem, wirt­schaft­li­chem, kul­tu­rel­lem, gei­sti­gem oder ehren­amt­li­chem Gebiet.

Zählt es als „beson­de­re Lei­stung auf kul­tu­rel­lem Gebiet“, in einem Musi­ker­wett­be­werb (eigent­lich: Pro­du­zen­ten­wett­be­werb) ohne nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen, unab­hän­gig von dem dar­ge­bo­te­nen Text, die mei­sten „Punk­te“ zu bekom­men? Ein klei­ner Exkurs in die Musik­ge­schich­te sei mir gestat­tet: 1982 sieg­te eine gewis­se „Nico­le“ mit dem pazi­fi­sti­schen Lied „Ein biß­chen Frie­den“, das indi­rekt die Auf­rü­stung der West­mäch­te und der Sowjet­uni­on im Kal­ten Krieg kri­ti­sier­te, und hat damit der Welt gezeigt, dass Deutsch­land ein fried­lie­ben­des Land gewor­den ist. Für ein Bun­des­ver­dienst­kreuz hat das nicht genügt.

Dass nun so genann­te „Jour­na­li­sten“ das Ver­säum­nis aus­ge­rech­net im Fall Lena Mey­er-Land­rut, deren Aus­schlag geben­der „Ver­dienst“ es nun sein soll, mit einem Lied über das Ver­füh­ren den zehn­ten Platz erreicht zu haben, nach­ho­len wol­len, ist an Lächer­lich­keit kaum mehr zu über­bie­ten. (Außer viel­leicht von Ste­ve Jobs.)

(Sehr gut gefällt mir eigent­lich auch das Inter­view mit „Lady Gaga“, das ich gestern las. Frei­mü­tig gab sie zu Pro­to­koll, dass selbst ihre Mut­ter sie „Gaga“ nen­ne. Ich schät­ze, sie hat etwas miss­ver­stan­den.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Einig Pira­ten wol­len wir sein

Es kam für Beob­ach­ter nur wenig über­ra­schend, dass Jens Sei­pen­busch, öffent­li­cher Reprä­sen­tant der Pira­ten­par­tei, sein Amt nie­der­leg­te. Die Nach­fol­ge trat Seba­sti­an Nerz an:

Er pran­ger­te an, dass die Par­tei auch zu oft geschwie­gen habe, wenn es um wich­ti­ge The­men wie Zensus2011 und neue Zen­sur­for­de­run­gen aus dem Euro­pa­par­la­ment ging. Vie­len Chan­cen sei­en hier ver­passt wor­den.

Da ist was dran.

Die Pira­ten­par­tei war in den letz­ten Mona­ten so sehr damit beschäf­tigt, sich für ande­re The­men zu öff­nen, dass ihr Kern­the­ma, die infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung in Zei­ten der tota­len Ver­net­zung, in der Ver­sen­kung zu ver­schwin­den droh­te. Jens Sei­pen­busch hat viel­leicht vie­le Ent­schei­dun­gen getrof­fen, die nicht jeder ver­ste­hen konn­te, aber er hat die­se Gefahr vor­aus­ge­ahnt und des­halb gegen eine Erwei­te­rung des Pro­gramm­spek­trums gestimmt; und wur­de über­stimmt. Jetzt haben wir Pira­ten also eine Art Rundum­pro­gramm, Atom­po­li­tik inklu­si­ve, und ver­lo­ren dar­über fast unser Gewis­sen. Die „Ker­nis“, Anhän­ger des Kern­pro­gramms, strit­ten sich mit den „Vollis“, die das nicht gut­hei­ßen konn­ten, um die Zukunft der Par­tei und ver­spiel­ten sie dabei bei­na­he. Das ging so weit, dass in den ein­schlä­gi­gen Hetz­blogs am Ende nicht mehr von den „frau­en­feind­li­chen Nazi­pi­ra­ten“, son­dern nur noch davon die Rede war, wie­so es die­se Par­tei denn über­haupt noch gebe.

Dabei sind die Pira­ten heu­te wich­ti­ger als es je den Anschein hat­te.

Wäh­rend Bun­des- und EU-Poli­ti­ker qua­si täg­lich ein wei­te­res Stück unse­rer Bür­ger­rech­te beschnei­den, tat­kräf­tig unter­stützt von der selbst­er­nann­ten Bür­ger­rechts­par­tei F.D.P. („Wie­so gibt es die über­haupt noch?“), wird allein die Erwäh­nung von Pri­vat­sphä­re nur mehr mit einem ver­ächt­li­chen Schnau­ben bedacht. Pri­vat­sphä­re sei tot, und es füh­re ohne­hin kein Weg dar­an vor­bei, dass jeder alles über mich erfah­re, pre­dig­te man nach­ein­an­der sei­tens Sun (mitt­ler­wei­le Ora­cle), Goog­le und Face­book. Das ist nur wenig erstaun­lich, ver­die­nen die­se Kon­zer­ne doch einen nicht uner­heb­li­chen Teil ihres Ver­mö­gens damit, dass ihre Kun­den mög­lichst viel von sich preis­ge­ben. Kun­den­da­ten sind ein wert­vol­les Gut, der Fir­men­wert steigt oder fällt mit den Daten­sät­zen, die man in etwa­ige Ver­kaufs­ge­sprä­che ein­brin­gen kann. Face­book etwa hat einen enorm hohen Markt­wert, weil aus­rei­chend vie­le Leu­te („Sie ver­trau­en mir, die­se Idio­ten“, M. Zucker­berg) dort qua­si ihr Leben doku­men­tie­ren. Wer­be­trei­ben­de, die, was Face­books „Nut­zungs­be­din­gun­gen“ aus­drück­lich gestat­ten, Ein­blick in Benut­zer­pro­fi­le erhal­ten, um geziel­ter wer­ben zu kön­nen, wis­sen so oft mehr über den Men­schen hin­ter dem Pro­fil als eini­ge sei­ner dor­ti­gen „Freun­de“, was das mit den „Freun­den“ eigent­lich schon aus­rei­chend illu­striert. Zudem ver­bie­tet Face­book expli­zit die Nut­zung von Tarn­na­men („Nick­na­men“); der Grund dürf­te ein ähn­li­cher sein.

Nicht anders ver­fährt man bei Goog­le, macht doch die per­so­na­li­sier­te Wer­bung („Adsen­se“) 97 Pro­zent des Umsat­zes aus. Dafür ist es wich­tig, mög­lichst viel über sei­ne Benut­zer zu wis­sen, und das geht am ein­fach­sten, indem man Dien­ste anbie­tet, die sozu­sa­gen jeden digi­ta­len Schritt der Benut­zer beglei­ten. (Dass ein „sozia­les Netz­werk“ mit aus­rei­chend Ver­brei­tung noch „fehlt“, ist Face­book zu ver­dan­ken; dan­ke, Face­book!) Jeder die­ser Dien­ste wird mit kon­text­be­zo­ge­ner Wer­bung finan­ziert, also mit einer auto­ma­ti­schen Ana­ly­se des­sen, was der Benut­zer gera­de tut, selbst dann, wenn es eine ver­trau­li­che E‑Mail ist. Das Ärger­li­che ist, dass das auch die Pri­vat­sphä­re des jewei­li­gen Emp­fän­gers ver­letzt, denn ich zum Bei­spiel lege nur wenig Wert dar­auf, dass ein Kon­zern Geld mit mei­nen gege­be­nen­falls inti­men Gedan­ken ver­dient. Vor die­sem Hin­ter­grund läuft es mir auch kalt den Rücken her­un­ter, lese ich von Face­books neu­er E‑Mail-Funk­ti­on, denn die Absich­ten dürf­ten klar sein. (Es wirkt da wie eien Far­ce, dass aus­ge­rech­net Face­book Goog­le Daten­sam­me­lei vor­wirft.)

Ein pri­va­ter Post­dienst­lei­ster, der Geld damit ver­dien­te, die zu sen­den­den Brie­fe zur blo­ßen Geld­ge­win­nung aus­zu­wer­ten, hät­te hier­zu­lan­de kein leich­tes Spiel, auch die Aus­re­de, Pri­vat­sphä­re sei ohne­hin alt­mo­disch, könn­te ihn nicht ret­ten. Das, was aber Face­book und Goog­le tun, ist nicht ille­gal, son­dern wird als alter­na­tiv­los ange­se­hen in die­sem Staat, der auch sonst alles alter­na­tiv­los nennt, was den Bür­gern nicht passt; sei es die gesetz­li­che Ver­pflich­tung dazu, im Rah­men des Zen­sus 2011 das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht wahr­zu­neh­men, sei es die geziel­te Ermor­dung von Men­schen, sei es die stän­di­ge Gefahr, dass irgend­ein Poli­ti­ker nach Kin­der­por­no­gra­fie, Jugend­schutz und Glücks­spie­len (Glücks­spie­len!) einen neu­en Grund fin­det, das Inter­net als ein­zi­ges wirk­lich inter­na­tio­na­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz zur Chef­sa­che zu erklä­ren.

Und des­halb brau­chen wir die Pira­ten­par­tei.

Zu hof­fen ist es, dass Seba­sti­an sei­ner Kri­tik nun auch Taten fol­gen lässt. Netz­po­li­tik soll­te man nicht denen über­las­sen, die am lau­te­sten schrei­en. Wir sind Pira­ten, uns eint nicht der Glau­be an ein Par­tei­pro­gramm, uns eint das gemein­sa­me Ziel; und immer­hin das kann er bes­ser ver­mit­teln als zuvor Jens Sei­pen­busch. Die Daten­fres­ser schla­fen nicht.

Ich sage: Dan­ke, Jens; und all­zeit eine Hand­breit Was­ser unter dem Kiel!
Und nun zurück an die Arbeit. Es gibt viel zu tun.

PersönlichesMusik
Ein­sa­me Insel­mu­sik

Hin und wie­der spre­chen mich gute und weni­ger gute Bekann­te auf mei­ne musi­ka­li­schen Inter­es­sen an, oft, ganz im Stil des „In“- und „Out“-Listenunfugs, mit der Bit­te, ich möge doch bit­te ein­mal mei­ne „Lie­der für die ein­sa­me Insel“ in jeweils begrenz­ter Zahl auf­zäh­len. Zuletzt geschah dies gestern Abend, als mich ein anson­sten nicht all­zu oft nega­tiv auf­fal­len­der Mit­mensch um eine Auf­li­stung mei­ner, Zitat, „five lone­so­me island songs“, Zitat Ende, mei­ner fünf ein­sa­men Lie­der über Inseln also, bat. Nach­dem ich ver­stan­den hat­te, was eigent­lich gemeint war, ver­such­te ich die­se Fra­ge best­mög­lich zu beant­wor­ten, aber ich schei­ter­te letzt­lich.

Die Ursa­che für das Schei­tern war nicht etwa, dass ich nicht in der Lage wäre, aus­wen­dig fünf Lie­der zu nen­nen, die ich gern auf einer ein­sa­men Insel, die aus uner­find­li­chem Grund offen­bar über eine Strom­lei­tung ver­fügt, bei mir hät­te, son­dern es ist das Miss­ver­ständ­nis, dem jene Mit­men­schen, die ver­su­chen, mei­nen Musik­fa­schis­mus in begrenz­te Listen­kor­setts zu zwän­gen, anheim­fal­len.

Wäre ich näm­lich in der unan­ge­neh­men Lage, auf eine ein­sa­me Insel fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig kon­kre­te Lie­der mit­neh­men zu müs­sen, ich wür­de mich nicht für mei­ne jewei­li­gen Lieb­lings­lie­der ent­schei­den, denn die ken­ne ich in der Regel qua­si aus­wen­dig. Viel­mehr kämen sol­che Lie­der in Fra­ge, die beson­ders lang sind (zum Bei­spiel echo­lyns „Mei“), denn wenn ich schon nur eine begrenz­te Aus­wahl an Lie­dern habe, dann sol­len sie mich wenig­stens für eine über­durch­s­chitt­li­che Zeit unter­hal­ten, oder eben nicht jenen Lie­dern zuzu­rech­nen sind, die ich auf­grund beson­de­rer Affi­ni­tät gern auch mehr­mals hin­ter­ein­an­der höre, obwohl ich jeden Takt mit­sum­men kann.

Etwas sel­te­ner ist eine Liste mei­ner tat­säch­li­chen Lieb­lings­lie­der gewünscht. Die­se Fra­ge miss­fällt mir, denn obgleich ich wohl in der Lage bin, mei­ne fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig gegen­wär­ti­gen „Lieb­lings­lie­der“, auf Wunsch auch nach Prio­ri­tät geord­net, auf­zu­li­sten, bedeu­tet das nicht, dass ich eigent­lich so etwas wie „Lieb­lings­lie­der“ habe. Was aber ist ein „Lieb­lings­lied“? Ein „Lieb­lings­lied“ ist mei­nes Emp­fin­dens ein Lied, das man unab­hän­gig von kon­kre­ten see­li­schen oder phy­si­schen Situa­tio­nen, etwa Trau­er, Froh­sinn oder Abschluss­fei­ern, spon­tan hören kann und das auch nach mehr­fa­cher Wie­der­ho­lung sei­nen Stel­len­wert nicht ver­liert.

Es gibt Lie­der, die mich, meist auf­grund ihres Tex­tes, seit eini­gen Jah­ren auf mei­nem Weg durch das Leben beglei­ten, dazu zählt etwa „Nur in dei­nem Kopf“ von den Fan­ta­sti­schen Vie­ren. Den­noch sind die­se Lie­der nicht unbe­dingt gleich­zei­tig mei­ne Lieb­lings­lie­der, denn obwohl die Tex­te für kon­kre­te Situa­tio­nen noch immer unein­ge­schränkt tref­fend sind, haben sie jede Span­nung längst ver­lo­ren. Unter die­sen Lie­dern ist der­zeit kei­nes, das ich stim­mungs­un­ab­hän­gig als mei­nen Favo­ri­ten bezeich­nen wür­de.

Wie wohl jeder hören­de Mensch bin ich, wie erwähnt, in der Lage, spon­tan in ziem­lich gro­ßer Zahl Lie­der zu nen­nen, die mir zuerst ein­fal­len, wenn ich Lie­der auf­zäh­len soll, die mir beson­ders gut gefal­len. Sie erfül­len aber die Anfor­de­run­gen an tat­säch­li­che „Lieb­lings­lie­der“ nicht, denn das, was klei­ne Mäd­chen als „Lieb­lings­lie­der“ bezeich­nen („ich hab sooo geheult bei dem Lied!“), ist in mei­nem Alter ein­fach nicht mehr im Reper­toire zu fin­den. Mei­ne „Lieb­lings­lie­der“ wechs­le ich schnell, es ist kei­nes­falls undenk­bar, dass zwei Men­schen, die mich im Abstand von weni­gen Minu­ten nach mei­nem momen­ta­nen „Lieb­lings­lied“ fra­gen, zwei völ­lig unter­schied­li­che Ant­wor­ten erhal­ten, weil sie zu unge­nau fra­gen. Natür­lich gefällt mir „Lay Me Back Down“ von Por­tu­gal. The Man immer noch, es hat eine ein­gän­gi­ge Melo­die, aber genügt Ein­gän­gig­keit als Kri­te­ri­um? Eine Liste der „fünf ein­gän­gig­sten Lie­der, die mir spon­tan ein­fal­len“, kann ich gern erstel­len, hier kommt sie unsor­tiert:

  • The Beat­les – Yester­day
  • Por­tu­gal. The Man – Lay Me Back Down
  • Eat­liz – Your Hou­se
  • The Beat­les – Yel­low Sub­ma­ri­ne
  • Lisa Stans­field – All Around the World

Wer mei­ne bis­he­ri­gen Bei­trä­ge über pri­ma Musik wenig­stens teil­wei­se gele­sen hat, der erkennt schnell, dass sich dar­aus kei­ne Schlüs­se dar­auf zie­hen las­sen, was für Musik ich so höre. Musik, die ich höre, fin­det näm­lich grund­sätz­lich im Kon­text eines Musik­al­bums statt. Das Musik­al­bum, mei­ne jün­ge­ren Leser ken­nen das viel­leicht gar nicht mehr, ist ein seit Jahr­zehn­ten für tot erklär­tes For­mat (damit ist nicht „MP3“ gemeint) von Ton­trä­gern und bezeich­net eine Zusam­men­stel­lung manch­mal inhalt­lich zusam­men­hän­gen­der, manch­mal aber auch nur inner­halb einer festen Zeit­span­ne auf­ge­nom­me­ner Lie­der eines oder meh­re­rer Musi­ker.

Mit Aus­nah­me von Son­der­fäl­len wie etwa dem genann­ten „Mei“ von echo­lyn bin ich durch­aus in der Lage, auf jedem Musik­al­bum, das ich digi­tal oder phy­sisch besit­ze, ein kon­kre­tes „Lieb­lings­lied“ zu benen­nen. Obwohl aller­dings die­se jewei­li­gen „Lieb­lings­lie­der“ weni­ger Ände­run­gen unter­wor­fen sind als mei­ne ima­gi­nä­re Liste der „Lieb­lings­lie­der ins­ge­samt“, so ist es doch nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich auch dort sol­che Ände­run­gen erge­ben. Ein kon­kre­tes Bei­spiel: War ich mir frü­her sicher, auf dem Beat­les-Album „Revol­ver“ sei „Tomor­row Never Knows“ das mit Abstand beste Stück, so strei­ten sich inzwi­schen „Ele­a­n­or Rig­by“ und „She Said She Said“ dar­um, wer das Lied end­lich ablö­sen darf.

Inso­fern bin ich ziem­lich sau­er auf jeden, der mich dazu bringt, eine zu wel­chem Zweck auch immer geführ­te Liste mit mei­nen „Lieb­lings­lie­dern“, „Insel­lie­dern“ oder „Lie­dern, die ich so höre, wenn es mir mal so alles ande­re als gut geht“ zu befül­len, denn kaum hat der Fra­gen­de sei­ne Ant­wort erhal­ten und sich schnell wie­der von mei­ner zwei­fels­oh­ne Furcht erre­gen­den Gestalt ent­fernt, fal­len mir auch schon min­de­stens fünf Lie­der ein, die eigent­lich viel bes­ser auf eine sol­che Liste gepasst hät­ten, und das schlech­te Gewis­sen plagt mich nach­hal­tig. (Kaum hat­te ich die Liste der „fünf ein­gän­gig­sten Lie­der, die mir spon­tan ein­fal­len“, die oben zu lesen ist, voll­endet, fie­len mir auch schon zwei wei­te­re und viel ein­gän­gi­ge­re Lie­der ein.)

Wonach man mich aber gern fra­gen darf, sind mei­ne Lieb­lings­mu­sikal­ben, denn die ändern sich nur zöger­lich. Seit ich mich bewusst als Musik­hö­rer begrei­fe, die Scoo­ter-Rum­hops­pop­mu­sik­pha­se also erfolg­reich hin­ter mir gelas­sen habe, habe ich noch kein wei­te­res Lieb­lings­al­bum zu einem ehe­ma­li­gen Lieb­lings­al­bum erklärt. Es kommt aller­dings vor, dass sich neue Alben in die­se Liste ein­rei­hen, man fra­ge mich also bit­te nie­mals nach mei­nen fünf, zehn oder ein­und­drei­ßig kon­kre­ten Lieb­lings­al­ben, denn dann müss­te ich wie­der wür­feln und hät­te tage­lang ein schlech­tes Gewis­sen. – Obwohl es für ein­und­drei­ßig kon­kre­te Lieb­lings­al­ben noch rei­chen dürf­te.

Die­se Alben wür­de ich gern auch jeder­zeit auf eine ein­sa­me Insel mit­neh­men, denn die Gefahr, dass sie mir in abseh­ba­rer Zeit nicht mehr gefal­len, ist sehr gering. Über­zeugt mich das bis­he­ri­ge „Lieb­lings­lied“ auf dem Album nicht mehr, dann küre ich ein­fach ein ande­res. Alben, auf denen nur ein ein­zi­ges Lied mei­ne – wech­sel­haf­ten – Kri­te­ri­en für ein gutes Lied erfüllt, gehö­ren nicht in mein Inven­tar und sind dort auch, ich wage einen kur­zen Blick, der­zeit nicht zu fin­den. (Das habe ich jetzt aber auch leicht gesagt, „ein­fach küren“; tat­säch­lich fürch­te ich den Tag, an dem mich Bob Dylans „Blon­de on Blon­de“ zu lang­wei­len beginnt, denn mein „Lieb­lings­lied“ auf die­sem durch­weg gran­dio­sen Album konn­te ich bis­lang nicht ermit­teln.)

„Gesamt­kunst­werk“ ist ohne­hin ein gutes Stich­wort. „Lieb­lings­lie­der“ schei­nen ein Phä­no­men aus der Gene­ra­ti­on zu sein, die Lie­der nur noch als kaputt­kom­pri­mier­te, in sich abge­schlos­se­ne, aber nichts­sa­gen­de, durch­schnitt­lich zwei­drei­vier­tel Minu­ten lan­ge Down­loads ken­nen. Die wenig­sten Musi­ker aber neh­men Lie­der in oft wochen‑, manch­mal jah­re­lan­ger Stu­dio­ar­beit auf, ohne eine unge­fäh­re Vor­stel­lung davon zu haben, ob und wie die­se Lie­der mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen. Als Ana­lo­gie ist viel­leicht die Rei­he der „Lusti­gen Taschen­bü­cher“ geeig­net, deren Buch­rücken jeweils einen Teil des aktu­el­len Jah­res­mo­tivs zei­gen. Sicher ist auch so ein ein­zel­ner Buch­rücken mehr oder weni­ger schön bemalt und ver­mag zu erfreu­en, aber ohne die elf Buch­rücken um ihn her­um bleibt er ein wich­ti­ges, jedoch ver­lo­ren wir­ken­des Puz­zle­stück.

Kurz gesagt bedeu­tet das: Wer den Wert der Musik nicht in Euro misst, der soll­te auch nicht ver­su­chen, sie nach Zah­len zu sor­tie­ren. „Über Geschmack lässt sich nicht strei­ten“ sagt der Volks­mund, und der Volks­kör­per legt wäh­rend­des­sen flei­ßig wei­ter, und sei es nur zum Zeit­ver­treib, Listen („Hit­pa­ra­den“) an, die zum Teil noch Jahr­zehn­te spä­ter etwa in der Wiki­pe­dia als Beleg für die Wich­tig­keit eines Musi­kers oder eines musi­ka­li­schen Wer­kes die­nen sol­len. Rele­vant ist nur das, was aus­rei­chend vie­le Leu­te in einem bestimm­ten Zeit­raum als ihr „Lieb­lings­lied“ benannt haben. Über die Aus­sa­ge­kraft die­ser Sta­ti­stik habe ich oben schon man­ches geschrie­ben, und ein Blick in die dies­wö­chi­gen kumu­la­ti­ven Lieb­lings­li­sten („Hit­pa­ra­den“) gäbe mir wahr­schein­lich Recht; obwohl ich über­zeugt davon bin, dass ich nicht ein­mal die Hälf­te der „Musi­ker“, die der­zeit die so genann­ten „Top-20“ befül­len, nament­lich ken­ne, so wer­den sie doch als wich­ti­ge („rele­van­te“) „Künst­ler“ betrach­tet, weil ihre Plat­ten­fir­ma viel Geld in Wer­bung steckt in der Hoff­nung, noch mehr Geld wie­der her­aus­zu­be­kom­men. (Im Nach­hin­ein betrach­tet wirkt es da wie ein Hohn, dass Musik­grup­pen wie Gent­le Giant und The Vel­vet Under­ground, die heu­te als Weg wei­sen­de Insti­tu­tio­nen ver­stan­den wer­den, sich einst gezwun­gen sahen, sich mit oft nur mäßi­gem Erfolg dem main­stream unter­zu­ord­nen, um ihr finan­zi­el­les Über­le­ben zu sichern. Man hielt sie nicht für „rele­vant“ genug.)

Zwar habe ich Lieb­lings­mu­si­ker, wie ich auch Lieb­lings­au­toren habe, und ich habe Lieb­lings­al­ben, wie ich auch Lieb­lings­bü­cher habe, aber wer wür­de mich nach mei­nem Lieb­lings­satz aus einem Buch fra­gen? „Wenn du nur fünf Sät­ze auf eine ein­sa­me Insel mit­neh­men dürf­test, wel­che Sät­ze wären das?“

Ande­rer­seits fällt mir auch gera­de nie­mand ein, der so grau­sam wäre, Men­schen mit nur fünf Lie­dern auf einer ein­sa­men Insel aus­zu­set­zen.
Na gut, Ste­ve Jobs viel­leicht.

Internes
In eige­ner Sache: Behut­sa­me Umge­stal­tung

Lie­be Leser, die ihr nicht mit einem mobi­len Brow­ser hier her­um­surft und somit in den Genuss des blau­en The­mes kommt,

wie ihr viel­leicht schon bemerkt habt, bast­le ich gera­de ein wenig an den Gra­fi­ken. Das hat­te ich schon län­ger geplant, war doch das Pen­ro­se-Drei­eck des alten Logos ein wenig blass und ver­pi­xelt, und nun habe ich, ange­regt von Tho­mas‘ eben­sol­chem Tun, die Muße gefun­den, mit­tels Bild­be­ar­bei­tung und eini­gen CSS-Spie­le­rei­en ein neu­es zu basteln, das moder­ner, kom­pak­ter und weni­ger stüm­per­haft aus­sieht aus­se­hen soll, und die Sei­te selbst behut­sam an das neue Logo ange­passt. In einer kur­zen Umfra­ge mei­ner­seits hat sich aus drei grund­le­gen­den Logo­kon­zep­ten das nun ein­ge­bau­te als das bevor­zug­te erge­ben.

Den Zwi­schen­stand mei­ner Baste­lei­en seht ihr ja oben; er ist jedoch noch nicht end­gül­tig.
Kon­struk­ti­ve Kri­tik in Form von (mög­lichst begrün­de­ten) Ände­rungs­vor­schlä­gen ist selbst­ver­ständ­lich erwünscht, am besten direkt hier drun­ter. Ein direk­ter Ver­gleich folgt:

Vor­her:

Nach­her:

Ich wer­de die­ser Tage vor­aus­sicht­lich noch ein paar klei­ne Ände­run­gen vor­neh­men und hof­fe, sie sto­ßen nicht auf all­zu viel Ableh­nung.
Bis dahin dan­ke ich erst ein­mal für die Auf­merk­sam­keit.

Musikkritik
The Decem­be­rists: R.E.M. in anders

Nur mal so als Bei­spiel für eine Band, die zwar mich durch­aus anspre­chen­de Klän­ge her­vor­zu­brin­gen ver­mag, aber die­ses Niveau bis­lang noch kein gan­zes Album lang hal­ten konn­te, wes­halb sie die anste­hen­de Halb­jah­res­li­ste nur als Zuschau­er bewun­dern darf, erwäh­ne ich hier und jetzt aus hei­te­rem Him­mel mal die von Peter durch­weg geschätz­ten The Decem­be­rists mit­samt ihrem dies­jäh­ri­gen Album „The King Is Dead“.

Colin Meloy klingt Micha­el Sti­pe nicht unähn­lich, der Duett­ge­sang erin­nert mich dar­an, dass ich mal wie­der Bel­le & Seba­sti­an hören könn­te, und auf dem Rest des Albums las­sen sich Bob Dylan und Värt­ti­nä erah­nen. Die Tex­te, obwohl bei Wei­tem weni­ger wort­reich als die des Herrn Dylan, sind der­ma­ßen tief­sin­nig und ange­rei­chert mit Meta­pho­rik, dass wir Text­freun­de voll auf unse­re Kosten kom­men.

Und wären auch melo­disch über­ra­gen­de Stücke wie „Down by the Water“ und „Rox in the Box“ nicht die Aus­nah­me auf die­sem anson­sten eher beschau­li­chen Album, es hät­te mei­ne Emp­feh­lung sicher. Scha­de eigent­lich.

NetzfundstückeIn den NachrichtenFotografieNerdkramsPersönliches
„Lea­ve me in the clouds.“

Ich gebe zu, ich bin mit­un­ter nicht immer kon­se­quent in dem, was ich schrei­be und ande­rer­seits tue. So leh­ne ich zum Bei­spiel Dien­ste von Unter­neh­men, deren Geschäfts­mo­dell auf der Ver­wer­tung von Benut­zer­da­ten basiert, ab, kann mich den­noch den Seg­nun­gen der Digi­ta­li­sie­rung nicht immer ent­zie­hen. Ich bin in der Cloud.

Beim Kauf mei­nes mobi­len Büros hat­te ich nicht gedacht, dass es einen nach­hal­ti­gen Ein­fluss auf mein Leben und vor allem mein Sicher­heits­kon­zept haben wür­de. Natür­lich ver­wen­de­te ich schon eine Zeit­lang Drop­box, um etwa unfer­ti­ge Pro­jek­te und Datei­en für das Stu­di­um zu sichern und bei Bedarf auch unter­wegs zur Hand zu haben, dar­über hin­aus nutz­te ich, da ich auf meh­re­ren Com­pu­tern die weit­ge­hend glei­chen Lese­zei­chen und Pass­wör­ter ver­wen­de, Xmarks (mitt­ler­wei­le Fire­fox Sync) und Last­Pass zur Syn­chro­ni­sa­ti­on. Dass im Fall einer Kom­pro­mit­tie­rung mei­ne Lese­zei­chen und/oder der aktu­el­le Ent­wick­lungs­stand von Tiny­To­do in die Hän­de Drit­ter fal­len könn­ten, hat mich dabei nie erschau­dern las­sen, und mei­ne Pass­wör­ter sind auf den Last­Pass-Ser­vern nicht unsi­che­rer als in mei­nem Kopf. (Sie­he wei­ter unten.)

Mit Android hiel­ten auch Ever­no­te und wun­der­list Ein­zug in mei­ne Orga­ni­sa­ti­on. Nutz­te ich zuvor Key­Note-NF, die Notiz­funk­ti­on von ac’ti­vAid und mit­un­ter Text­da­tei­en, um Noti­zen und zu erle­di­gen­de Auf­ga­ben nicht zu ver­ges­sen, tra­ge ich all dies nun qua­si stän­dig mit mir her­um. (Anzu­mer­ken sei, dass Key­Note-NF für eini­ge Noti­zen all­zu pri­va­ter Natur noch immer mein Pro­gramm der Wahl ist; die Daten­bank­da­tei siche­re ich selbst­ver­ständ­lich regel­mä­ßig.) Es gibt nur wenig Ärger­li­che­res als eine gute Idee zu haben und sie wie­der ver­ges­sen zu haben, bevor man wie­der am Lap­top sitzt, und das pas­siert mir lei­der nur all­zu häu­fig. Das ist einer der Grün­de, wie­so ich nur sel­ten ohne Notiz­buch aus dem Haus gehe.

Der eigent­li­che Aus­lö­ser für die­sen Bei­trag war übri­gens die Mel­dung, dass bei Last­Pass auf den Ser­vern Unre­gel­mä­ßig­kei­ten fest­ge­stellt wur­den. Sofort unk­ten die Skep­ti­ker, es sei selbst schuld, wer sei­ne Pass­wör­ter einem exter­nen Dienst anver­traue, unge­ach­tet des­sen, dass die gege­be­nen­falls „erhack­ten“ Pass­wör­ter ver­schlüs­selt sind und nur mit einer geziel­ten Wör­ter­buch­at­tacke les­bar gemacht wer­den kön­nen; und wer ein Pass­wort ver­wen­det, das im Wör­ter­buch steht, hat, die­se Bemer­kung sei gestat­tet, einen Knall und es eigent­lich auch nicht bes­ser ver­dient.

Man möge mich kri­ti­sie­ren für den Leicht­sinn, auch nur irgend­et­was auf Ser­vern abzu­le­gen, die mir nicht gehö­ren; man soll­te aber, bevor man mich nun ver­wünscht, ein­mal über das eige­ne Tun nach­den­ken. Men­schen stel­len inti­me Details, oft bebil­dert, von sich selbst bei Face­book (ist ja „nur für Freun­de“ sicht­bar, von wegen!), MySpace oder *VZ online, sie bear­bei­ten bereit­wil­lig sen­si­ble Fir­men­do­ku­men­te auf Goog­le Text & Tabel­len und schicken sie dann via Goog­le Mail oder, schlim­mer noch, Sky­pe durch die Gegend, ohne sich auch nur ansatz­wei­se im Kla­ren über die Gefah­ren geschlos­se­ner Syste­me kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter im Kla­ren zu sein. Wer stän­dig Äng­ste schürt, soll­te zumin­dest selbst ein wenig Vor­sicht wal­ten las­sen.


(Nur mal rein inter­es­se­hal­ber gefragt: „Ein­mal zah­len, ewig nut­zen“ ist zwar ein durch­aus lobens­wer­tes Kon­zept, aber ist es noch sinn­voll, wenn der Preis all­jähr­lich fäl­lig wird?)

Sonstiges
Nur für offi­zi­el­le Vam­pi­re.

Ich schlen­der­te wie­der ein­mal durch die Buch­hand­lung im Bahn­hof, such­te nach Kurz­weil und wur­de fün­dig:

Die­ser Twilight-Wahn zieht offen­bar wei­te Krei­se.

Eins mach­te mich dann aber doch stut­zig, näm­lich der Unter­ti­tel: „Das offi­zi­el­le Maga­zin für Vam­pi­re und Wer­wöl­fe“. Jetzt mal ganz von der Fra­ge abge­se­hen, wie vie­le Vam­pi­re und Wer­wöl­fe sich tags­über (inner­halb der Laden­öff­nungs­zei­ten) in Bahn­hö­fen auf­zu­hal­ten pfle­gen: Das offi­zi­el­le Maga­zin? Heißt das, es gibt noch mehr davon? Und vor allem: Was qua­li­fi­ziert „The Vam­pi­res“ – ohne Bei­satz „and the Were­wol­ves“ – eigent­lich als „offi­zi­el­les Maga­zin“?

Vor mei­nem gei­sti­gen Auge sehe ich eine Hor­de blut­rün­sti­ger und/oder glit­zern­der Vam­pi­re mit jeweils einer Zeit­schrift in der Hand. Ein Neu­an­kömm­ling stellt sich vor:

„Hallo/groar/buh, ich bin ein Vam­pir!“
– „Liest du denn The Vam­pi­res?“
– „Ähm, nee..?“
– „Dann bist du kein offi­zi­el­ler Vam­pir!“

Ich stel­le mir das mit dem ewi­gen Leben und der ein­tö­ni­gen Ernäh­rung aber auch nicht all­zu auf­re­gend vor.

In den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt XLIII: Auf sie mit Gebräu!

Neu­es von der Coca-Cola-Front:

Das einst von John S. Pem­ber­ton gemix­te Gebräu gegen Kopf­schmerz, Müdig­keit und Frau­en­lei­den, das [am 6. Mai] vor genau 125 Jah­ren erst­mals über die Laden­the­ke ging, avan­cier­te im Zwei­ten Welt­krieg zum Sym­bol der ame­ri­ka­ni­schen Hei­mat par excel­lence.

Wäre heu­te nicht Mut­ter­tag und ich somit mora­lisch zu ein wenig Zurück­hal­tung ver­pflich­tet, schrie­be ich jetzt zum Bei­spiel, dass das beste „Gebräu gegen Frau­en­lei­den“ noch immer aus Tsche­chi­en kommt; denn wer unter Frau­en lei­det, für den ist seli­ger Bier­kon­sum noch immer ein pro­ba­tes Mit­tel.

Aller­dings hat sich in den letz­ten 125 Jah­ren die beab­sich­tig­te Wir­kung von Coca-Cola in den Augen der Welt­öf­fent­lich­keit gewan­delt. Als Medi­zin­pro­dukt wird sie – wohl auch auf­grund des mitt­ler­wei­le feh­len­den Koka-Gehalts – nicht mehr ange­prie­sen, und schon im 2. Welt­krieg war ihr Genuss statt­des­sen ein gera­de­zu heroi­scher Akt:

„Wenn uns jemand frag­te, wofür wir kämp­fen, wür­de ver­mut­lich die Hälf­te von uns ant­wor­ten, für das Recht, wie­der Coca-Cola zu trin­ken“, schrieb einer der GIs von den Trüm­mer­fel­dern nach Hau­se (…).

Dass den US-Ame­ri­ka­nern kein Grund zu blöd ist, Krieg spie­len zu dür­fen, ist ja bekannt. (Inso­fern kommt es ihnen ganz gele­gen, dass al-Qai­da die Ermor­dung Osa­ma bin Ladens nicht gut­hei­ßen kann, denn so ist der Fort­be­stand der Kriegs­grün­de vor­erst gewähr­lei­stet. Arsch­lö­cher.) Die opti­sche Ähn­lich­keit von Coca-Cola und Erd­öl lässt mich übri­gens gera­de über etwa­ige Zusam­men­hän­ge sin­nie­ren.

„Wir kämp­fen für das Recht, wie­der Coca-Cola zu trin­ken“; sehr schön, das hat was von „wir kämp­fen für die Frei­heit Deutsch­lands am Hin­du­kusch“, ist genau so bekloppt, denn, immer­hin:

Dem US-Colo­nel Robert L. Scott wie­der­um half der Gedan­ke an „Ame­ri­ka, Demo­kra­tie und Coca-Cola“, sei­nen „ersten Jap­sen abzu­schie­ßen“, wie er sei­nem Best­sel­ler „Gott ist mein Co-Pilot“ schrieb.

Ich gra­tu­lie­re bei der Gele­gen­heit dann übri­gens auch all den Deut­schen, die Coca-Cola als „Teil des Ame­ri­can way of life“ prei­sen und allein des­halb für ein lobens­wer­tes Getränk hal­ten, zu ihrem sorg­lo­sen Welt­bild. Zucker­brau­se als Aus­druck eines Lebens­stils? Das mag ein Lebens­stil sein, der sich außer­halb mei­ner Wahr­neh­mung abspielt.

Beäng­sti­gend fän­de ich dann übri­gens auch dies, pre­dig­te ich es nicht schon seit Jah­ren:

„Coca-Cola“ avan­cier­te, gemein­sam mit „o.k.“, zur bekann­te­sten Voka­bel der Welt, über­all leck­ten sich die Men­schen, Sie­ger eben­so wie Besieg­te, die Fin­ger danach.

Das Leben der Deut­schen wird auch heu­te noch wesent­lich davon bestimmt, dass sie 1944 und 1945 von den US-Ame­ri­ka­nern bom­bar­diert, besiegt und fort­an unter­jocht wor­den waren. Kei­nes­falls möch­te ich hier den Sie­ges­zug der Rock­mu­sik kri­ti­sie­ren, ging doch ihre Revo­lu­ti­on stets von Groß­bri­tan­ni­en aus, aber der Sprach- und Kul­tur­ver­fall her­an­wach­sen­der Gene­ra­tio­nen deckt sich mit der Ent­wick­lung der US-ame­ri­ka­ni­schen Jugend. (In Film­form emp­feh­le ich zum Bei­spiel die Komö­die „Matil­da“, deren Haupt­dar­stel­le­rin in einer typisch ame­ri­ka­ni­schen Fami­lie auf­wächst, ohne Cola zwar, gleich­falls aber ohne Kul­tur.)

„Spra­che ent­wickelt sich halt wei­ter“, ich mei­ner­seits ver­bin­de mit Wei­ter­ent­wick­lung aber Fort­schritt und nicht Liqui­da­ti­on.

Den­noch, um zum The­ma zurück­zu­keh­ren, hal­te ich das Schü­ren von Vor­ur­tei­len gegen Coca-Cola für deut­lich über­zo­gen:

In Ita­li­en ver­brei­te­ten anti­ame­ri­ka­ni­sche Genos­sen, dass der Cola-Kon­sum über Nacht die Haa­re schloh­weiß wer­den lässt, in Japan wie­der­um kur­sier­te das Gerücht, Cola wür­de die Frau­en unfrucht­bar machen. Und wäh­rend ein mus­li­mi­scher Dem­ago­ge in Ägyp­ten aus Wut über die Unter­stüt­zung Isra­els durch die USA die Theo­rie auf­stell­te, Cola sei aus Schwei­ne­blut gebraut, beschimpf­te Mao das Prickel­was­ser gar als „Opi­um für die Renn­hun­de des revan­chi­sti­schen Kapi­ta­lis­mus“.

Deut­sche Eltern haben ähn­li­che Ideen: Als Kind wur­de mir gesagt, von Cola bekä­me ich schwar­ze Füße. Wie viel Cola ich dafür trin­ken muss, wur­de aller­dings nicht erläu­tert, bis jetzt hat es nur für schwar­ze Nägel genügt. Aber wie das mit Kin­dern so ist, mach­te Cola­trin­ken dann erst recht Spaß, der Geschmack war bei­na­he schon Neben­sa­che. „Ich nehm Cola, weil Mama das gera­de nicht sieht.“

Nun ist das alles schon ein paar Jah­re her, und aller Nach­kriegs­re­vues zum Trotz hat es sich gezeigt, dass die Welt­macht Coca-Cola nicht unan­ge­foch­ten in einer Mono­pol­stel­lung ver­harrt, son­dern sich zahl­rei­cher Kon­kur­renz erfreu­en kann. Kon­kur­renz belebt bekannt­lich den Markt.

Dar­auf erhe­be ich ein Kon­kur­renz­pro­dukt!

(Dan­ke an C.)

Nerdkrams
iMacros: Fire­fox auto­ma­ti­sie­ren

Manch­mal gibt es beim täg­li­chen Inter­net­gucken mit Fire­fox Situa­tio­nen, die sich immer wie­der wie­der­ho­len, etwa der täg­li­che Besuch der Lieb­lings-Nach­rich­ten­sei­ten.

Eine ein­fa­che Lösung hier­für ist es, die Arbeit kom­plett dem Sit­zungs­ma­na­ger zu über­las­sen, die jewei­li­gen Sei­ten also gar nicht erst zu schlie­ßen. Alter­na­tiv könn­te man, wie ich es selbst bis vor kur­zem tat, Erwei­te­run­gen wie Mor­ning Cof­fee ver­wen­den, aber sie las­sen es meist an Über­sicht­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät man­geln. Mor­ning Cof­fee litt außer­dem bis Febru­ar unter Ver­nach­läs­si­gung sei­tens des Ent­wick­lers, in aktu­el­len Ver­sio­nen von Fire­fox war die Erwei­te­rung nur noch sehr ein­ge­schränkt nutz­bar.

Eine mög­li­che Alter­na­ti­ve ist iMacros.

Wie es der Name schon andeu­tet, rüstet iMacros Makro­funk­tio­na­li­tät im Brow­ser nach, es las­sen sich also belie­bi­ge Aktio­nen auf­zeich­nen und jeder­zeit wie­der­ho­len. Hier­für kann man zum Einen den „Aufzeichnen“-Knopf in der iMacros-Sei­ten­lei­ste ver­wen­den, zum Ande­ren steht dem Anwen­der eine mäch­ti­ge Skript­spra­che zur Ver­fü­gung, die den­noch leicht zu ver­ste­hen ist.

Neh­men wir an, wir wür­den iMacros gern nut­zen, um per ein­fa­chem Klick welt.de, spiegel.de und zeit.de auf­ru­fen zu kön­nen. Das ist nicht all­zu schwie­rig:

Nach der Instal­la­ti­on der Erwei­te­rung und dem obli­ga­to­ri­schen Brow­ser­neu­start ist zunächst die iMacros-Sei­ten­lei­ste zu öff­nen, die über das iMacros-Sym­bol erreich­bar ist, das sich nor­ma­ler­wei­se bereits in der Sym­bol­lei­ste ein­ge­ni­stet hat, aber auch nach­träg­lich dort ein­ge­fügt wer­den kann (Rechts­klick – „Anpas­sen…“):

Die Liste an Bei­spiel­ma­kros kann gern igno­riert oder gelöscht wer­den, sie ist für unser Tun nicht von Belang. Nun näm­lich ist unter „Rec“ auf „Auf­neh­men“ zu klicken. Jeder wei­te­re Schritt ist Teil des Makros. Nun ein­fach die gewünsch­ten Schrit­te aus­füh­ren, anschlie­ßend auf „Stop“ klicken und das Ergeb­nis unter einem belie­bi­gen Namen, etwa „MORNING COFFEE“, spei­chern. (Alle Makros wer­den als Datei­en gesi­chert, sie las­sen sich also spä­ter auch auf ande­re Gerä­te por­tie­ren.) Per Rechts­klick auf das neue Makro und Aus­wahl von „Add to book­mark“ – ja, iMacros ist mit­un­ter etwas unvoll­stän­dig über­setzt – kann das neue Makro auch in die Lese­zei­chen­lei­ste gelegt wer­den, auf Wunsch gar mit sei­nem kom­plet­ten Code, was etwa auf por­ta­blen Daten­trä­gern sicher sehr vor­teil­haft ist.

Für mei­ne eher an grau­er Theo­rie inter­es­sier­ten wie auch mei­ne pro­gram­mier­be­gei­ster­ten Leser ist der Code so eines Makros viel­leicht inter­es­san­ter als die Mög­lich­keit, es zu benut­zen, selbst. Der funk­ti­ons­fä­hi­ge Code für ein Makro, das die im Bei­spiel gewünsch­ten Schrit­te durch­führt, sieht etwa so aus; ich habe zum bes­se­ren Ver­ständ­nis Kom­men­ta­re ein­ge­fügt:

' Öffne neuen Tab
TAB OPEN
' Wähle diesen Tab als aktiven Tab aus
TAB T=1
' Wechsle im aktiven Tab zu SPIEGEL Online
URL GOTO=http://www.spiegel.de

' Mach das noch zweimal:
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Tab­num­mern sind in iMacros, wie man sieht, immer rela­tiv. Lässt man etwa das erste TAB OPEN weg, so wird im gera­de akti­ven Tab spiegel.de auf­ge­ru­fen, egal, an wel­cher Stel­le die­ser steht. Dies ist sel­ten gewünscht.

Viel­leicht fällt bei der Befol­gung obi­ger Schrit­te auf, dass iMacros stan­dard­mä­ßig eine Minu­te war­tet, bis die jewei­li­ge Sei­te fer­tig gela­den ist. Bei Sei­ten­aus­fäl­len endet das Makro, wenn die Sei­te nach 60 Sekun­den nicht gela­den wur­de, vor­zei­tig. Um das zu ver­hin­dern, kann man das Makro etwas feh­ler­re­si­sten­ter machen, indem man die War­te­zeit auf zum Bei­spiel 10 Sekun­den her­ab­setzt und den Abbruch bei Lade­feh­lern unter­bin­det. Der voll­stän­di­ge Code sieht dann so aus:

SET !TIMEOUT_PAGE 10
SET !ERRORIGNORE YES
TAB OPEN
TAB T=1
URL GOTO=http://www.spiegel.de
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Die bei­den SET-Anwei­sun­gen gel­ten übri­gens so lan­ge, bis man sie wie­der zurück­nimmt. Dies ist an jeder Stel­le im Makro mög­lich.

Mit iMacros ist vie­les mehr umsetz­bar, vom Aus­fül­len eines For­mu­lars bis hin zu kom­ple­xen Web­sei­ten­tests. Natür­lich hat der Funk­ti­ons­um­fang auch sei­nen Preis, denn so ein­fach wie etwa das ein­gangs erwähn­te „Mor­ning Cof­fee“ ist iMacros nicht immer zu bedie­nen. Die gebo­te­ne Fle­xi­bi­li­tät aber ist eben­so wie die Mäch­tig­keit der Erwei­te­rung ein Argu­ment, iMacros zumin­dest ein­mal aus­zu­pro­bie­ren.

iMacros gibt es übri­gens auch für den Inter­net Explo­rer. Aber lohnt sich das?

Sonstiges
Gala­xy Net­work

Lie­be Leser,

heu­te wen­de ich mich mit einem etwas unge­wöhn­li­chen Sujet an euch, näm­lich mit einem Online­spiel, genau­er: mit einem Brow­ser­spiel. Brow­ser­spie­le kenn­ta, kenn­ta, ihr öff­net den Web­brow­ser eurer Wahl und gebt auf einer Web­sei­te irgend­wel­che Zah­len ein, damit irgend­wel­che ande­ren Zah­len stei­gen; unge­fähr so auf­re­gend wie Mine­craft, aber mit mensch­li­chen Geg­nern.

Das Spiel, um das es mir hier geht, heißt Gala­xy Net­work.

Wie der Name schon andeu­tet, han­delt Gala­xy Net­work von Kämp­fen im Welt­all. Die Geschich­te, die dahin­ter steht, ist der von Spie­len wie Pla­ne­ta­ri­on und OGa­me nicht unähn­lich: Der Spie­ler besitzt zu Beginn einen fast kah­len Pla­ne­ten und ein paar – wie vie­le, weiß nie­mand – Bür­ger, die für ihn Gebäu­de bau­en und Tech­no­lo­gien erfor­schen. Die­se Gebäu­de und Tech­no­lo­gien kann der Spie­ler fort­an nut­zen, um mit gro­ßen, bewaff­ne­ten Raum­schif­fen durch die Gegend zu flie­gen und ande­ren Pla­ne­ten (lies: Spie­lern), ver­ein­facht gesagt, Res­sour­cen im Form von so genann­ten „Extrak­to­ren“ zu klau­en. Sie­ger ist, wer nach etwa hun­dert Tagen sei­ne Geg­ner am aller­fie­se­sten zusam­men­ge­bal­lert hat. Sadi­sten dür­fen sich wäh­rend der Kampf­hand­lun­gen gern vor­stel­len, wie die Geg­ner tot aus ihren Raum­schif­fen fal­len. Wie vie­le Per­so­nen an Bord eines Raum­schif­fes sind, erklärt das Hand­buch zu ihrem Glück en detail. Gala­xy Net­work ist also so eine Art Afgha­ni­stan­ein­satz in groß, oder, wie es ein ande­rer Spie­ler aus­drück­te:

„Flot­te aus­bau­en, den näch­sten Geg­ner aus dem Uni­ver­sum fegen und die Run­de gewin­nen.“

Nach der Anmel­dung beginnt aber erst ein­mal die For­schungs­pha­se, in der man 20 Gebäu­de bau­en und 30 Tech­no­lo­gien erfor­schen kann, um die Wirt­schaft auf sei­nem Pla­ne­ten in Gang zu brin­gen, Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen und Raum­schif­fe sowie Ver­tei­di­gungs­an­la­gen bau­en zu kön­nen. Letz­te­re müs­sen eben­falls erforscht wer­den, hier ste­hen ins­ge­samt 9 Schiffs­ty­pen sowie 5 Ein­hei­ten zur orbi­ta­len Ver­tei­di­gung zur Wahl. Eine Beson­der­heit hier­bei ist, dass man ein Gebäu­de nur ein­mal baut und dar­über hin­aus nicht wei­ter auf­rü­sten kann oder muss, zusätz­lich gibt es im Tech­no­lo­gie­baum zwei Gabe­lun­gen, an denen der Spie­ler sich für eine offen­si­ve oder defen­si­ve Spiel­wei­se ent­schei­den muss.

Man ist auch nicht auf sich allein gestellt beim Kampf „alle gegen alle“, denn man orga­ni­siert sich in Alli­an­zen, Gala­xien und Bünd­nis­krei­sen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Gala­xy Net­work erfolgt zu einem nen­nens­wer­ten Teil im IRC, also im chat, und kann auch schon mal zu schlaf­lo­sen Näch­ten vol­ler geist­rei­cher, wahl­wei­se auch schlicht­weg beklopp­ter Dis­kus­sio­nen füh­ren. Der sozia­le Aspekt, den aus­ge­rech­net ein Brow­ser­spiel also för­dert, zieht mit­un­ter wei­te Krei­se: Man mun­kelt, durch die­ses Spiel sei schon so man­che Ehe ent­stan­den und/oder zer­bro­chen. Zumin­dest aber eig­net es sich dazu, lang­jäh­ri­ge Freund­schaf­ten zu knüp­fen oder auch ein­fach mal abzu­schal­ten.

Die For­schungs­pha­se dau­ert etwa sie­ben bis zehn Tage, bis die ersten Flot­ten­be­we­gun­gen mög­lich sind. Ab die­sem Zeit­punkt tritt der Team­fak­tor des Spiels in den Vor­der­grund, indem man mit sei­nen Mit­spie­lern zusam­men Geg­ner attackiert, deren Angrif­fe abwehrt oder mit ihnen Han­del treibt. Über­haupt steht bei Gala­xy Net­work, anders als etwa bei OGa­me, die com­mu­ni­ty ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­li­ste. Spielt man als Solist, so wird man schnell mer­ken, dass man blo­ßes Kano­nen­fut­ter ist, wenn man nicht geschickt sei­ne Ver­tei­di­gung auf­rü­stet.

Zwar ist das aus­ge­reif­te Kampf­sy­stem, von Anfang an eine der her­aus­ra­gen­den Stär­ken des Spiels, auf den ersten Blick ziem­lich unüber­sicht­lich, aber je län­ger man spielt, desto bes­ser ver­steht man, wel­che Schiffs­ty­pen für wel­chen Zweck am besten geeig­net sind. Unnö­tig ist es da zu erwäh­nen, dass es mitt­ler­wei­le elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel gibt, die die von eini­gen – meist neu­en – Spie­lern als lästig emp­fun­de­ne Rech­ne­rei qua­si über­flüs­sig machen.

Die erste Run­de von Gala­xy Net­work begann im Jahr 2001, eini­ge der etwa 2.000 Spie­ler sind also schon seit fast zehn Jah­ren dabei. Obwohl die bei­den Grün­der, „Hiob“ und „evuel“, das Spiel vor sechs Jah­ren an die Spie­le­klit­sche Big­point ver­scher­belt haben, ist der Com­mu­ni­ty­ge­dan­ke doch unver­än­dert aktiv. Gala­xy Net­work ist das, was sei­ne Spie­ler sind. Es geht längst nicht mehr dar­um, die Näch­te vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, um irgend­wel­che Zah­len in einer Daten­bank zu ver­grö­ßern, es geht dar­um, gemein­sam etwas zu bewe­gen.

Wer wür­de da zögern?

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Der Gott aus der Maschi­ne

Es gehört zum Wesen neu­er Bahn bre­chen­der Erfin­dun­gen, erst ver­lacht, dann von den Ver­tre­tern eta­blier­ter Tech­ni­ken für grund­bö­se Hexe­rei erklärt zu wer­den und schließ­lich, oft erst Jahr­zehn­te spä­ter, auch die­se Skep­ti­ker zu über­zeu­gen.

In wel­chem die­ser Zustän­de sich gegen­wär­tig das Inter­net befin­det, ist unklar. Die Mei­nun­gen schwan­ken zwar, aber auch die­je­ni­gen, die nicht auf der Sei­te der Geg­ner ste­hen, wis­sen: Das Inter­net ist böse. Es tum­meln sich dort Groß­kon­zer­ne neben Casi­no­be­trü­gern, deren gemein­sa­mes Ziel das schnel­le Geld ist, Rück­sicht gibt’s nicht vor Laden­schluss. Die Mög­lich­keit, dass sich jeder frei äußert, lie­fert Zünd­stoff für Bür­ger­krie­ge. Platt­for­men wie Wiki­leaks gefähr­den das Bestehen der west­li­chen Welt. Nicht zu ver­ges­sen sind all die Kin­der­schän­der, Raub­mord­ko­pie­rer und Ter­ro­ri­sten. Hab ich schon Kin­der­schän­der gesagt? Eins immer­hin wis­sen wir: Osa­ma bin Laden war nicht im Inter­net.

Die­se schon oft gehör­te Auf­zäh­lung ist natür­lich ziem­lich ein­sei­tig und somit frag­wür­dig. Auf der ande­ren Sei­te aber, dort, wo die neti­zens woh­nen, sieht es auch nicht bes­ser aus:

Die Zukunft läge in der Ver­net­zung, sagen sie, und es wäre gleich­sam ein revo­lu­tio­nä­rer Akt, zu twit­tern und zu goo­geln und zu flät­tern und zu face­boo­ken, hin­weg über alle Gren­zen und an der unge­lieb­ten Regie­rung vor­bei. „Wir gegen die“, die da drau­ßen und wir hier drin oder auch anders­her­um. Wir haben alle Infor­ma­tio­nen in unse­ren Hän­den, off­line war gestern, heu­te ist das neue über­mor­gen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, aber es wird ja nie­mand gezwun­gen, sich Freun­de zu suchen, die Unter­neh­men, deren Geschäfts­grund­la­ge der Ver­kauf von Daten ist, nur all­zu gern Aus­kunft über die eige­ne Per­son geben. Kol­la­te­ral­schä­den im Ver­gleich zu all den neu­en Mög­lich­kei­ten. Wir sind das Inter­net ist wir sind die Digi­ta­le Gesell­schaft sind die ande­ren. Irgend­wer nann­te das mal Infor­ma­ti­ons­krieg. Blö­der­wei­se bin ich Pazi­fist.

Machi­ne, machi­ne mes­siah;
the mind­less search for a hig­her con­trol­ler…“

– Yes: Machi­ne Mes­siah

Eins aber möch­te ich dann doch noch los­wer­den, bevor die Jahr­zehn­te vor­über sind:
Ein Staat, der stän­dig die Kon­fron­ta­ti­on den Dia­log mit der „digi­ta­len Eli­te“ zu suchen vor­gibt, des­sen Regie­rung pod­ca­stet und twit­tert, was das Zeug hält, und der somit das Inter­net beginnt als Mit­tel zur Selbst­ver­mark­tung zu ent­decken, mag sich noch so pro­gres­siv vor­kom­men; so lan­ge aber eine E‑Mail nicht für rechts­kräf­ti­ge Doku­men­te taugt, ist die Schaum­schlä­ge­rei ver­ta­ne Zeit.