In den NachrichtenNerdkrams
Apple, Wol­ken und Inno­va­tio­nen

Ui, Apple hat die Cloud ent­deckt und die Spei­chel­lecker aus dem Medi­en­ge­wer­be erklä­ren das dann mal wie­der zum Gna­den­schuss für Micro­soft. Dass die Cloud jetzt unge­fähr so neu und auf­re­gend und muss­man­ha­ben ist wie einst das „Web 2.0“, Tama­got­chis und Game­boys, sagt über sie eigent­lich nur wenig aus, denn App­les finan­zi­el­ler Erfolg hat­te immer schon mehr mit Ver­mark­tung als mit Tech­nik zu tun. (War­um man die Cloud nicht als Zukunft der Daten­kom­mu­ni­ka­ti­on betrach­ten soll­te, habe ich unter ande­rem hier schon ein­mal erläu­tert, anson­sten bringt es auch xkcd heu­te auf den Punkt.)

Erst kürz­lich dis­ku­tier­te ich off­line dar­über, inwie­fern Apple sich von den Mit­be­wer­bern abhebt. Man führ­te an, sie wür­den eben alles anders machen.
So?

Cloud­dien­ste sind nicht neu, Drop­box gibt es auch nicht erst seit gestern. Als „Inno­va­ti­on“ wird geprie­sen, dass die­se Dien­ste eng mit dem Betriebs­sy­stem ver­zahnt wer­den. Dass Micro­soft mit Win­dows Live Mesh und dem zuge­hö­ri­gen Sky­Drive schon, sozu­sa­gen, seit vie­len Mon­den eine „per­sön­li­che Cloud“ anbie­tet, die man, anders als bei Apple, bei Bedarf instal­lie­ren kann, aber nicht muss, fin­det nur wenig Beach­tung; kein Wun­der, denn so ein Win­dows­ge­rät ist nicht hip und hat kein ange­fres­se­nes Fall­obst hin­ten drauf. Aber als App­le­jün­ger lässt man sich bekann­ter­ma­ßen nur all­zu gern vor­schrei­ben, was man so zu tun und zu nut­zen hat, denn der Reiz von App­le­pro­duk­ten besteht dar­in, dass man auch als Laie ein­fach nur sab­bernd davor sit­zen muss und der Rest pas­siert qua­si von allein. Rei­zend.

Und was haben wir denn da noch so an Inno­va­tio­nen?

zahl­rei­che in iOS 5 inte­grier­te Fea­tures, die man in abge­wan­del­ter Form bereits von Apps her kennt, wie z.B. das Chat-Tool iMes­sa­ge, Bild­be­ar­bei­tungs­op­tio­nen oder eine Funk­ti­on, um Arti­kel zum spä­te­ren Lesen vor­zu­mer­ken

Wenn Micro­soft das machen wür­de, wäre es Ideen­klau, wenn Apple das macht, klat­schen alle. :mrgreen:

Ob zu die­sen abge­wan­del­ten fea­tures wohl auch Goog­le Lati­tu­de zählt?

iPho­ne und iPads (mit GPS) wer­den (…) in der Lage sein, eine Benach­rich­ti­gung anzu­zei­gen, wenn man sich an einem bestimm­ten, zuvor defi­nier­ten Ort befin­det. Sehr cool!

Aber so was von cool! Lei­der sogar auf iPho­nes längst ein alter Hut.

Wei­ter:

iMes­sa­ge heißt der neue, in iOS 5 inte­grier­te Chat­ser­vice, mit dem sich text­ba­sier­te Ein­zel- und Grup­pen­kon­ver­sa­tio­nen mit ande­ren iPho­ne- und iPad-Eigen­tü­mern füh­ren las­sen.

Sehr schön; damit hat Apple dann mal eben einen wei­te­ren pro­prie­tä­ren, auf iOS beschränk­ten instant mes­sen­ger ent­wickelt, der tech­nisch unge­fähr das­sel­be tut wie das für mehr Platt­for­men ver­füg­ba­re Whats­App, wobei es noch abzu­war­ten bleibt, ob Whats­App (wie auch Goog­le Lati­tu­de) unter iOS 5 noch lan­ge lauf­fä­hig sein wird. Apple ent­schei­det so was ja immer eher spon­tan.

Und weil jedes neue Apple­sy­stem auch irgend­ein hüb­sches Klickibun­ti-fea­ture haben muss, das die Leu­te zum Stau­nen bringt, hat Apple auch noch eine ober­fläch­li­che Inno­va­ti­on parat, die uns Android-Nut­zer selbst­ver­ständ­lich sofort unser Spiel­zeug weg­wer­fen und ein iPho­ne kau­fen lässt:

iOS 5 erhält ein eige­nes Menü, in dem alle ein­tref­fen­den Push-Nach­rich­ten geli­stet wer­den. Zugriff auf die­se Über­sicht erhält man, indem man mit dem Fin­ger am obe­ren Rand des iPho­ne-/iPad-Dis­plays nach unten „swipt“.

Tja: „Wenn du kein iPho­ne hast, dann hast du kein iPho­ne“, und dein gesell­schaft­li­cher Abstieg ist unver­meid­lich.
Für das kom­men­de iPho­ne 5 ist noch kein Ver­kaufs­mot­to bekannt. Ob sie das wohl unterüber­bie­ten kön­nen?

PolitikIn den Nachrichten
Die All­ge­gen­wart vir­tu­el­ler Lebens­räu­me

Die­ser Tage liest man mit­un­ter, in Frank­reich sei die Erwäh­nung von Face­book und Twit­ter in Rund­funk­me­di­en nun unter­sagt, und obwohl das nur die hal­be Wahr­heit ist, denn es ist ledig­lich nicht mehr gestat­tet, gezielt auf sen­der­ei­ge­ne „Pro­fi­le“ dort zu ver­wei­sen, lässt mich das doch erneut über den Demo­kra­tie­be­griff des Herrn Sar­ko­zy nach­den­ken.

Vor allem aber wirft es die Fra­ge auf, war­um aus­ge­rech­net Face­book und Twit­ter die öffent­li­che Dis­kus­si­on der­art beherr­schen, dass über­haupt sol­che Schrit­te nötig sind.

Twit­ter ist dabei eigent­lich noch ziem­lich harm­los, wenn­gleich sich die Aus­rich­tung von „Was machst du gera­de?“ zu „Was gibt’s neu­es?“ ver­scho­ben hat und es also nicht mehr dar­um geht, der Welt­öf­fent­lich­keit mit­zu­tei­len, dass man gera­de drin­gend kacken muss, son­dern dar­um, der Welt­öf­fent­lich­keit mit­zu­tei­len, dass es drau­ßen gera­de gewit­tert, was natür­lich ein gera­de­zu unfass­ba­rer Mehr­wert ist, aber immer­hin noch in der Gren­ze von 140 Zei­chen blei­ben muss, es sei denn, man schreibt sei­ne Gedan­ken auf eine exter­ne Inter­net­sei­te und setzt nur noch den Ver­weis dar­auf in Twit­ter, aber dann kann man es eigent­lich auch ganz las­sen. Ich mei­ner­seits nut­ze Twit­ter außer zum Ver­lin­ken von Tex­ten, die ich umfas­sen­der zu betrach­ten gera­de zu faul bin, und für gele­gent­li­che Schwätz­chen pri­mär für über­aus fla­che Wort­spie­le, die für einen eige­nen Arti­kel hier auch optisch ein­fach viel zu kurz wären; sozu­sa­gen als „Mikro­blog“.

Das Schö­ne bei Twit­ter ist, dass einem dort in der Regel kein ver­meint­li­cher „Freund“ auf den Zei­ger geht, man möge sich doch bit­te mit Leu­ten, die man nicht mal aus­ste­hen kann, befreun­den, von gele­gent­li­chen „Emp­feh­lun­gen“ („Fol­lo­wing Fri­day“) ein­mal abge­se­hen. Es ist schlicht zweck­los, über ein sol­ches Por­tal vir­tu­el­le Freun­des­krei­se auf­zu­bau­en.

Ganz anders Face­book. Face­book ist trotz all der daten­schutz­recht­li­chen und son­sti­gen Unver­schämt­hei­ten, die es sei­nem Benut­zer­kreis zumu­tet (hier­zu zählt seit neue­stem auch kon­text­be­zo­ge­ne Wer­bung, wie sie bei Goog­le Mail anschei­nend auch noch nie einen Benut­zer ernst­lich in Auf­re­gung ver­setzt hat), eine Art Fax des 21. Jahr­hun­derts. War es vor unge­fähr einem Jahr­zehnt noch mit oft erheb­li­chem Mehr­auf­wand ver­bun­den, ohne Fax­ge­rät geschäft­li­che Kor­re­spon­denz zu füh­ren, gilt man nun als gesell­schaft­li­cher Außen­sei­ter, wenn man das Gesuch, wei­te­re Infor­ma­tio­nen via Face­book aus­zu­tau­schen, abschlä­gig beschei­det. Dabei ist es voll­kom­men uner­heb­lich, ob man über­haupt dort ange­mel­det ist oder sein Benut­zer­kon­to viel­leicht aus bestimm­ten Grün­den nicht zur Inter­ak­ti­on mit Hinz und Kunz, obwohl die­se bei­den Prot­ago­ni­sten sich ja eines gro­ßen Bekann­ten­krei­ses sicher sein kön­nen, nut­zen möch­te. Die­ses Phä­no­men immer­hin war bei Myspace, einst selbst „sozia­les Netz­werk“, heu­te noch immer unein­ge­schränkt emp­feh­lens­wer­te Musik­platt­form, trotz gele­gent­li­cher Ten­den­zen nie zu beob­ach­ten. Dabei ist Face­book eigent­lich gar nicht all­zu weit von Twit­ter ent­fernt. Die Sta­tus­mel­dun­gen kön­nen 140 Zei­chen über­schrei­ten, hoch­ge­la­de­ne süße Kat­zen­ba­by­fo­tos las­sen sich kate­go­ri­sie­ren, das war es eigent­lich schon. Und um so ein eigent­lich weit­ge­hend sinn­lo­ses „Gedöns“ (Ger­hard Schrö­der, c/o SPD) wird so ein Tra­ra gemacht?

Es gibt unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, mit Per­so­nen über das Inter­net in Kon­takt zu tre­ten. E‑Mail gibt es schon län­ger als vie­le Face­book­nut­zer über­haupt leben, und dank der Ver­brei­tung von instant mes­sa­ging (ICQ, MSN, Y!IM, AIM, Jab­ber und was es nicht alles gibt) sind auch Echt­zeit­un­ter­hal­tun­gen, selbst in Grup­pen, längst kein Pro­blem mehr. Wofür also all die­ser Qua­si­zwang, einen wei­te­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal stän­dig zu beob­ach­ten, falls womög­lich jemand Inter­es­se dar­an haben soll­te, Kon­takt mit mir auf­zu­neh­men? Es ähnelt sehr der „Bit­te um Rück­ruf“: Den eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wunsch wan­delt man in eine Hand­lungs­pflicht für den­je­ni­gen um, mit dem man zu kom­mu­ni­zie­ren wünscht, und schämt sich meist nicht ein­mal dafür.

Mit Face­book ver­hält es sich wie mit den *VZ-Net­zen: Die Freun­de sind da, also muss man auch da sein und sich natür­lich umge­hendst mit ihnen „ver­net­zen“, als wür­de der Freun­des­kreis sonst ohne einen statt­fin­den. Ich drücke es mal pro­vo­ka­tiv aus: Wer dar­auf ange­wie­sen ist, mit sei­nem „Freun­des­kreis“ über irgend­wel­chen „sozia­len“ Inter­net­kram in Kon­takt zu tre­ten, der soll­te sei­ne gesell­schaft­li­che Stel­lung kri­tisch beäu­gen und ver­su­chen, sie ent­spre­chend zu bes­sern. Wer jeden­falls mich im real life, im „wirk­li­chen Leben“, dar­um bit­tet, ihn zum Zwecke etwa­igen Mei­nungs­aus­tau­sches auf irgends­o­ei­ner „Platt­form“ zu mei­nen Freun­den zu erklä­ren, ist jemand, des­sen Eig­nung zum Freund es mei­ner­seits zu hin­ter­fra­gen gilt.

Natür­lich gibt es auch Men­schen, die von Berufs wegen auf eine vir­tu­el­le Zweit­exi­stenz qua­si ange­wie­sen sind und wegen irgend­wel­cher Ver­pflich­tun­gen dort auch bes­ser erreich­bar, womög­lich kom­mu­ni­ka­ti­ver sind als nach Fei­er­abend in anson­sten gewohn­ter Umge­bung. Dazu zäh­len aber nur weni­ge Ver­tre­ter der genann­ten Grup­pe, und es ist anzu­neh­men, dass sie die Tren­nung zwi­schen Online und Off­line wohl zu voll­zie­hen wis­sen. Wer aber sei­ne Freun­de anhand ihres Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens auf irgend­wel­chen Inter­net­sei­ten bewer­tet und gege­be­nen­falls aus­siebt, wird das spä­te­stens dann bereu­en, wenn er einen ech­ten Freund bit­ter nötig hat. Ein Chat lin­dert nicht jedes Her­ze­leid, nicht jeder Chat­freund wür­de im Not­fall auch nachts mit Rat und Tat zur Sei­te ste­hen.

(Und wer eine Bezie­hung erst dann als geschei­tert akzep­tiert, wenn der ehe­ma­li­ge Part­ner auf Face­book „nicht mehr in einer Bezie­hung“ ist, soll­te bei­zei­ten dar­über nach­den­ken, was ihm im Leben eigent­lich wich­tig ist.)

Es ist zu befürch­ten, dass sich erst dann, wenn Face­book das glei­che Schick­sal erlei­det wie Myspace, näm­lich die Kon­kur­renz sei­tens eines neu­en, noch tren­di­ge­ren „sozia­len Net­zes“ mit noch bun­te­ren Bil­dern drin, all die­je­ni­gen, die die Alter­na­ti­ven „Werd mein vir­tu­el­ler Freund oder geh kacken“ für selbst­ver­ständ­lich hal­ten, ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass sie womög­lich doch etwas falsch gemacht haben; und weni­ge Tage spä­ter wird es dann hei­ßen: „Face­book? Das nutzt eh kei­ner mehr. Komm zu Neue­sTol­les­Por­tal, da sind jetzt alle, nur du noch nicht!“

Ich beob­ach­te das Trei­ben der­weil amü­siert und nicht ohne Stolz, denn für mei­ne sozia­len Kon­tak­te bin ich seit über einem Jahr­zehnt auf die glei­che Wei­se erreich­bar. Über die Jah­re kamen zwar neue Wege hin­zu, aber ich habe die alten Brücken nicht abge­ris­sen. Ein Wesen der Freund­schaft, sagt der Wei­se, sei die Bestän­dig­keit. Wohl wahr.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLVIII: Kalt erwischt!

Es wird Som­mer:

Am Sonn­tag muss­ten in Thü­rin­gen Pas­sa­gie­re von zwei ICEs ihren Zug ver­las­sen, weil bei hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren Kli­ma­an­la­gen aus­ge­fal­len waren. (…) Der Per­so­nen­ver­kehrs­vor­stand der Bahn, Ulrich Hom­burg, hat­te im Mai ange­kün­digt, dass mit meh­re­ren Maß­nah­men die Wahr­schein­lich­keit eines Defekts „sehr deut­lich redu­ziert“ wer­den soll. Die Bahn wol­le bis 38 Grad Außen­tem­pe­ra­tur einen sta­bi­len Betrieb der Kli­ma­an­la­gen gewähr­lei­sten.

Dass ange­sichts bekann­ter Pro­ble­me bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren schon im Juni das Übli­che pas­siert, lässt mich an der Reduk­ti­on dann doch zwei­feln.

Aber man kennt das ja: Die Bahn ist auf jah­res­zeit­ty­pi­sche Tem­pe­ra­tu­ren eben nicht vor­be­rei­tet. Apple-Kun­den trifft das dann sogar dop­pelt: Sie kön­nen nicht mehr wei­ter­fah­ren und sich dann noch nicht mal ein Taxi rufen, weil ihr iPho­ne den Dienst eben­falls quit­tiert … :mrgreen:

Nerdkrams
FaceN­iff: Fires­heep für unter­wegs

Im Herbst 2010 gab es zahl­rei­che Berich­te, unter ande­rem auf ZEIT ONLINE und natür­lich auf den übli­chen Nerd­por­ta­len, über die Fire­fox-Erwei­te­rung „Fires­heep“, die im loka­len WLAN sämt­li­che im Klar­text über­tra­ge­nen Log­in­coo­kies (unter ande­rem für Twit­ter, das Visa­gen­buch und *vz) abfan­gen und auf­li­sten kann, so dass man sozu­sa­gen per Klick die vir­tu­el­le Iden­ti­tät der jewei­li­gen Per­son über­neh­men kann.

Natür­lich brauch­te man dafür immer noch ein gewis­ses tech­ni­sches Ver­ständ­nis, unter ande­rem war die Benut­zung auf Win­dows mit dem WinPcap-Trei­ber sowie auf Mac OS X beschränkt, aber die Erwei­te­rung zeig­te, dass der sorg­lo­se Umgang mit „sozia­len Net­zen“ schnell nach hin­ten los­ge­hen kann. Dabei haben die mei­sten „angreif­ba­ren“ „sozia­len Net­ze“ längst eine Opti­on, immer eine ver­schlüs­sel­te Ver­bin­dung („Ver­wen­de HTTPS“ o.s.ä.) zu benut­zen, in die­sem Fall ist zumin­dest das Abfan­gen von Coo­kies nicht mehr pro­blem­los mög­lich, nur wird die­se in der Regel eben­so­we­nig benutzt wie die Fire­fox-Erwei­te­rung HTTPS Ever­y­whe­re, die das sozu­sa­gen „von außen“ über­nimmt und auch die Wiki­pe­dia und ähn­li­che Por­ta­le unter­stützt.

Viel­leicht liegt es an der tech­ni­schen Unbe­darft­heit die­ser Per­so­nen, viel­leicht auch ein­fach dar­an, dass die ach-so-nütz­li­chen Benut­zer­skrip­te wie etwa „Bet­ter Face­book“, „Bet­ter Ama­zon“ usw. sich mit einer ver­schlüs­sel­ten Ver­bin­dung oft nicht ver­tra­gen und Klickibun­ti nun mal wich­ti­ger ist als Sicher­heit?

Zwar scheint bei Fires­heep schon seit län­ge­rem kei­ne Wei­ter­ent­wick­lung mehr statt­zu­fin­den, Fire­fox 4 oder höher wird zum Bei­spiel eben­so­we­nig unter­stützt wie Linux oder gar ande­re Brow­ser, aber seit mit­tels die­ser Erwei­te­rung das grund­le­gen­de Sicher­heits­pro­blem, das Coo­kies mit sich brin­gen, (end­lich) Auf­merk­sam­keit auch in der weni­ger tech­nik­af­fi­nen Öffent­lich­keit erfah­ren hat­te, war es nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis eine ähn­lich kom­for­ta­ble Lösung die­se Miss­stän­de besei­tigt.

Und die­se Lösung heißt FaceN­iff.

FaceN­iff ist eine Android-Anwen­dung (auf Neu­deutsch app genannt), die, wie vie­le ande­re apps auch, ledig­lich ein geroo­te­tes (auf App­le­deutsch „geja­ilb­re­ak­tes“) Android-Gerät vor­aus­setzt und fort­an die glei­che Tätig­keit ver­rich­tet wie Fires­heep: Das WLAN, in dem man sich der­zeit her­um­treibt, wird auf die Über­tra­gung von Sit­zungs­ken­nun­gen bekann­ter Dien­ste – der­zeit You­Tube, Amazon.com, Twit­ter, Face­book und Nas­za-Kla­sa, was immer das schon wie­der ist – über­wacht. Gefun­de­ne Sit­zun­gen wer­den dann bequem zur Aus­wahl und Nut­zung auf­ge­li­stet.

Um aller­dings ein Miss­ver­ständ­nis auf­zu­klä­ren: Das Sicher­heits­pro­blem ist kei­nes­falls bei den Dien­sten selbst zu suchen, son­dern in dem Leicht­sinn, ein WLAN mit unbe­kann­ten – womög­lich unlieb­sa­men – Zeit­ge­nos­sen zu tei­len. Immer­hin ist selbst eine SSL-Unter­stüt­zung geplant, so dass auch in gesi­cher­ten Ver­bin­dun­gen, sofern ich das nun rich­tig ver­stan­den habe, Pass­wör­ter direkt aus­ge­le­sen wer­den kön­nen. Tat­säch­lich ist schon die Ein­wahl in ein WLAN, das man nicht selbst admi­ni­striert, nur mit Vor­sicht zu genie­ßen, besteht doch kei­ne Garan­tie, dass der jewei­li­ge Zugriffs­punkt nicht jede Ver­bin­dung mit­schnei­det und gege­be­nen­falls das­sel­be tut wie eben Fires­heep und FaceN­iff. (Die recht­li­chen Aspek­te sol­cher Tech­ni­ken sei­en hier ein­mal nicht wei­ter beach­tet, dass die beab­sich­tig­te Über­nah­me von Benut­zer­kon­ten Drit­ter nicht all­zu gern gese­hen wird, soll­te aber selbst­ver­ständ­lich sein.)

(via Ant­a­ry)

Sonstiges
Kom­men­tier­te Klein­an­zei­gen

Aus dem „Helm­sted­ter Blitz“ vom 1. Juni 2011:

An Andrea B.! Hallo, mein Schatz. Heute sind wir genau 4 Jahre zusammen und statt ein Geschenk, schreibe ich dir diese Zeilen und will dir damit sagen, dass ich dich über alles Liebe und dich nicht mehr her gebe. Dein Schatz Martin P.

Nun gibt es eigent­lich drei Mög­lich­kei­ten, belie­big kom­bi­nier­bar:

  1. Die Frau freut sich total über die­sen Text.
  2. Die Frau schämt sich, so in den Mit­tel­punkt des öffent­li­chen Inter­es­ses gerückt wor­den zu sein (nor­ma­ler­wei­se möch­te man das als Frau ja dann doch lie­ber selbst bestim­men), oben­drein in einer der­art grot­ti­gen Recht­schrei­bung, und wird das wei­te­re Zusam­men­blei­ben an die Bedin­gung knüp­fen, nie wie­der in irgend­ei­ner Zei­tung genannt zu wer­den.
  3. Die Frau hät­te doch lie­ber das Geschenk gehabt.

Ich tip­pe auf letz­te­re Mög­lich­keit.

Suche eine Partnerin ab 60 J. für eine gemeinsame Zukunft, bin 58 J., 152cm groß, Figur unwichtig, kein Abenteuer.

Haupt­sa­che, reif und knackig. :mrgreen:

Alter­na­tiv dann übri­gens so:

Witwer 72 J., sucht Bekanntschaft zw. 63-71 J.

Ich fra­ge mich ja, ob die­se Her­ren frü­her in der Dis­ko­thek die jewei­li­gen Objek­te ihrer Begier­de auch immer erst nach dem Geburts­da­tum gefragt haben. (Nach dem der Objek­te selbst­ver­ständ­lich; bezie­hungs­wei­se ab einem gewis­sen Alter und/oder Alko­hol­pe­gel dann nach dem eige­nen.)

Die­se Schie­ber­ban­den wer­den auch immer drei­ster. :D

(Dan­ke an D.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Schlim­me Fol­gen

Oh, stimmt, in Grie­chen­land war ja auch was, das wur­de vor lau­ter Por­tu­gal bei­na­he ver­ges­sen. Aber die BILD kann noch so sehr her­um­tö­nen, direkt „plei­te“ sind die Grie­chen ja anschei­nend nicht:

Er warnt vor schlim­men Fol­gen: Der grie­chi­sche Finanz­mi­ni­ster Papa­con­stan­ti­nou rech­net mit einer Kata­stro­phe für die Wirt­schaft sei­nes Lan­des, soll­te Grie­chen­land kei­ne wei­te­ren Kre­di­te mehr bekom­men. Deutsch­land hat­te dem Staat mit einem Zah­lungs­stopp gedroht. (…) Die Fol­ge wäre ein „sehr hef­ti­ges und schnel­les Schrump­fen“ der grie­chi­schen Wirt­schaft, (…).

Jetzt mal lang­sam zum Mit­den­ken für mich in Sachen Wirt­schaft eher unbe­leck­ten Zeit­ge­nos­sen:
Die grie­chi­sche Wirt­schaft wird „schrump­fen“ wie der Bedarf an Eulen in Athen, wenn die ande­ren Län­der ihre Zah­lun­gen ein­stel­len, zu denen sie sich nur des­halb über­haupt ent­schlos­sen haben, weil die grie­chi­sche Wirt­schaft schrumpf­te?

Die „schlim­men Fol­gen“ sind abseh­bar: Auf­grund der dann wie­der­um gesun­ke­nen Kauf­kraft des Staa­tes Grie­chen­land wird er die übri­gen Mit­glieds­staa­ten der „Wäh­rungs­uni­on“ – mit Dackel­blick, ver­steht sich – um einen klei­nen Kre­dit („Not­hil­fe“) bit­ten, natür­lich nur, bis sich die Wirt­schaft wie­der erholt hat …:

Inzwi­schen meh­ren sich Spe­ku­la­tio­nen, dass Grie­chen­land trotz­dem ab 2012 wei­te­re Kre­di­te benö­ti­gen könn­te. Eine zwei­te Not­hil­fe über rund 60 Mil­li­ar­den Euro könn­te nötig sein.

Schon toll, so eine Wäh­rungs­uni­on.

Musik
Gent­le Giant 1978: Nach­trag zur Insel­mu­sik

Der Name „Gent­le Giant“ fiel hier schon des Öfte­ren, zuletzt in mei­nem Bei­trag über „Insel­mu­sik“. Dabei erwähn­te ich unter ande­rem auch bereits, dass die­se Musi­ker gegen Ende ihrer Kar­rie­re beschlos­sen hat­ten, sich mehr an der damals ver­brei­te­ten Rock­mu­sik als an der für ange­staubt gehal­te­nen „Barock’n’Roll“-Musik, wie es ein ita­lie­ni­scher Fern­seh­sen­der weni­ge Jah­re zuvor nann­te, zu ori­en­tie­ren. Ent­spre­chend waren ihre Live­auf­trit­te zwar ener­ge­ti­scher (womög­lich hek­ti­scher), dar­un­ter aber litt das Zusam­men­spiel in kom­ple­xen Pas­sa­gen, immer­hin waren Gent­le Giant dafür bekannt, mit einem gro­ßen Arse­nal an Musik­in­stru­men­ten die Büh­ne zu betre­ten und die­se (die Instru­men­te, nicht die Büh­ne) oft mehr­fach pro Lied zu wech­seln.

Des­sen unge­ach­tet ent­hält das BBC-Kon­zert von 1978 ver­mut­lich eine der besten Live­ver­sio­nen des Stückes „Free Hand“ vom gleich­na­mi­gen Album:

Gent­le Giant BBC 1978 – Free Hand

Schön, einen Mon­tag so begin­nen las­sen zu kön­nen.
Ich wün­sche gute Unter­hal­tung.

PersönlichesFotografie
Mief (außer­dem: Crap­py chips)

Und als ich also im Rah­men ernst­haf­ter Ver­eins­ar­beit den all­jähr­li­chen Floh­markt mit sich ört­lich anschlie­ßen­der Auto­mo­bil­aus­stel­lung auf­such­te und dabei unter ande­rem einem Hund mit lackier­ten Fuß­nä­geln begeg­ne­te, frag­te ich mich zwei­er­lei:

  • Ist „i‑Miev“ nicht ein denk­bar blö­der Name für ein doch vor­geb­lich schad­stoff­ar­mes Auto­mo­bil? (Vgl. hier­zu den – lusti­ger Zufall – Mitsu­bi­shi Paje­ro.)

  • Wor­aus genau bestehen eigent­lich Krap­pen­chips?

(Wenig­stens teil­wei­se rich­tig hat es ja da der Unbe­kann­te gemacht, der im loka­len Super­markt den anste­hen­den Ver­kauf eines Mikro­fons, „wo man mit sin­gen kann“, annon­cier­te, gemacht. Lei­der war ich in Eile, ich hät­te näm­lich wirk­lich sehr gern von dem Ange­bot Gebrauch gemacht, denn ich kann angeb­lich nicht son­der­lich gut sin­gen. Und danach kau­fe ich mir ein Tam­pon, denn damit kann ich rei­ten und schwim­men und Rad fah­ren, sagt die Wer­bung.)

(Dan­ke an D.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLVII: Die SPD und ande­re Gur­ken

Gur­ken I:

Welt.de zum Ersten:

EHEC soll gefähr­li­cher sein als die Schwei­negrip­pe.

Heißt das, dies­mal ist es echt gefähr­lich?


Gur­ken II:

Welt.de zum Zwei­ten:

Erst­mals seit 1906 hat die SPD wie­der weni­ger als 500.000 Mit­glie­der. Par­tei­chef Sig­mar Gabri­el räumt ein, die Par­tei sei „nicht mehr so nah an den Men­schen“.

Nicht mehr „so nah“ an den Men­schen. Gut gesagt.


Gur­ken III:

Wer jetzt nach dem Zitat oben ver­se­hent­lich glaub­te, Sig­mar Gabri­el sei nach Jah­ren mal wie­der ein SPD-Vor­sit­zen­der, der ver­stan­den hat, war­um die SPD nie­mand mehr braucht, der hat sich geirrt.

SPIEGEL Online näm­lich:

Laut Par­tei­chef Gabri­el liegt der Mit­glie­der­schwund nicht an den Inhal­ten, son­dern am demo­gra­fi­schen Wan­del. (…) Es gebe (…) weit mehr Todes­fäl­le als Neu­ein­trit­te.

Und so ein demo­gra­fi­scher Wan­del, der weni­ger Neu­ein­trit­te mit sich bringt, voll­zieht sich bekannt­lich von allein und hat natür­lich nichts mit irgend­wel­chen Inhal­ten zu tun. :mrgreen:

Nerdkrams
Inter­net Explo­rer 9: Kann man machen.

(Vor­be­mer­kung: Ich benut­ze seit Jah­ren bei­na­he aus­schließ­lich Mozil­la Fire­fox und sehe kei­nen trif­ti­gen Grund zum Umstieg.)

Im Dezem­ber 2006 schrieb ich über den Inter­net Explo­rer 7, er sei, zumin­dest gemes­sen an sei­nen direk­ten Vor­gän­gern, „eine sehr brauch­ba­re Erfin­dung“.

Inzwi­schen hat Micro­soft, wie üblich meh­re­re Jah­re zu spät, dann wohl doch noch mit­be­kom­men, dass sich das Inter­net nur sel­ten danach rich­tet, was ein ein­zi­ger Kon­zern gern hät­te, und mit dem Inter­net Explo­rer 9 eine noch brauch­ba­re­re Erfin­dung vor­ge­legt; anders gesagt: Der Inter­net Explo­rer 9 ist seit dem Ende des „Brow­ser­kriegs“ der erste Inter­net Explo­rer, den ich als zumin­dest zum Teil kon­kur­renz­fä­hig anse­hen wür­de.

(Zur Ori­en­tie­rung etwas Sta­ti­stik: Etwa ein Fünf­tel der Besu­cher hier ist mit dem Inter­net Explo­rer oder einem dar­auf basie­ren­den Brow­ser, etwa Max­thon, unter­wegs.)

Die übli­che Häme von Blog­gern wie Caschy war eigent­lich abzu­se­hen, letzt­end­lich dürf­te es ohne­hin unmög­lich sein, einen Brow­ser zu nut­zen, gegen den nie­mand etwas ein­zu­wen­den hat, weni­ger egal sind aller­dings Kom­men­ta­re wie die­ser hier von „Sputnik4182“:

Ich wer­de IE sowie­so nicht nut­zen auch wenn die mor­gen Ver­si­on 25 raus­brin­gen.

Ich per­sön­lich fin­de als Web­ma­ster-Ama­teur schon allein ein unding, das Brwo­ser (wel­che auch immer) sich nicht an die Vor­ga­ben der jewei­lie­gen Kon­sor­ti­en hal­ten müs­sen.

(…)

Das ist doch aales Quatsch, das man als Web­de­si­gner 50 ver­schie­de­ne Cracks in die pro­gram­mie­rung ein­bau­en soll, das die Web­site spä­ter auch wirk­lich unter Win­dows 3.11 im IE 1 rich­tig dar­ge­stellt wird.

Der Anony­mus hat sich den Brow­ser anschei­nend nie ange­se­hen, was er auch selbst frei­mü­tig zugibt, lässt es sich aber nicht neh­men, noch ein wenig sei­ner prin­zi­pi­el­len Abnei­gung gegen den Inter­net Explo­rer im All­ge­mei­nen wort­reich Aus­druck zu ver­lei­hen.

Ja, wir web­wor­ker hat­ten wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jah­re viel Freu­de dar­an, unse­re Web­sei­ten so zu basteln, dass sie auf dem Bild­schirm mög­lichst weni­ger Leu­te schreck­lich falsch ange­zeigt wird. Das liegt natür­lich auch an der Ver­brei­tung des Inter­net Explo­rer 6, der blö­der­wei­se unter ande­rem in Behör­den noch immer nur sel­ten aus­ge­wech­selt wird, aber wel­cher Brow­ser hat es je anders gemacht?

Schon der Net­scape Com­mu­ni­ca­tor (Jün­ge­re kön­nen sich ihn als eine Art Uralt-Sea­M­on­key vor­stel­len) hat­te ein paar Eigen­ent­wick­lun­gen an Bord, etwa frame und das in den 90-er Jah­ren lei­der recht belieb­te blink. Die Zei­ten sind vor­bei, sagt ihr, weil HTML5 ohne­hin alles stan­dar­di­siert? Dann wün­sche ich viel Spaß beim Ver­such, zum Bei­spiel ein­ge­bun­de­ne Vide­os in allen „gro­ßen“ Brow­sern glei­cher­ma­ßen anzu­zei­gen, denn das wird schei­tern; unter ande­rem des­halb, weil Goog­le – übri­gens auch so ein Kon­zern, der im Inter­net lie­ber die eige­nen Stan­dards statt der ner­vi­gen W3C-Vor­ga­ben nut­zen wür­de – neben­bei noch ein eige­nes Video­for­mat (VP8, im Wesent­li­chen eine defek­te Alter­na­ti­ve zum eben­falls frei­en Ogg Theo­ra) zu eta­blie­ren ver­sucht.

Was anson­sten HTML5, ECMA­Script, CSS3 und ähn­li­che eta­blier­te Stan­dards betrifft, so hat der Inter­net Explo­rer 9 deut­lich auf­ge­holt: Das Ergeb­nis des viel zitier­ten (und tra­di­tio­nell pra­xis­fer­nen) Aci­d3-Tests liegt mit 95 von 100 Punk­ten nur wenig unter dem Fire­fox 4 (97 von 100 Punk­ten) und dürf­te somit die Brow­ser vori­ger Gene­ra­tio­nen deut­lich über­tref­fen.

Natür­lich befreit all das nicht von der Last, für älte­re, noch ver­brei­te­te Brow­ser, ins­be­son­de­re eben für den Inter­net Explo­rer 6/7, hier und da „Brow­ser­wei­chen“ ein­zu­bau­en, sofern man Wert dar­auf legt, dass auch Benut­zer die­ser Brow­ser nicht vor einer irgend­wie kaputt aus­se­hen­den Sei­te ste­hen und sich wun­dern. Dar­aus aber Vor­wür­fe an die Ent­wick­ler des Inter­net Explo­rer 9 abzu­lei­ten ist fehl­plat­ziert, denn die­ses eine Mal schei­nen sie die Zei­chen der Zeit erkannt zu haben. Sogar die Ver­zah­nung mit Win­dows und ins­be­son­de­re der „Super­bar“, also dem Task­lei­sten­er­satz in Win­dows 7, bekommt end­lich einen prak­ti­schen Nut­zen, indem belie­bi­ge Web­an­wen­dun­gen wie nor­ma­le Pro­gram­me „ange­hef­tet“ wer­den kön­nen. (Ein ähn­li­ches Kon­zept unter­stüt­zen Chro­mi­um und Fire­fox in Form spe­zi­el­ler Tabs.)

Nein, der Inter­net Explo­rer 9 ist wirk­lich nicht übel. Es feh­len zwar auch wei­ter­hin brauch­bar kon­fi­gu­rier­ba­re Wer­be- und Skript­blockier­funk­tio­nen, aber auch Benut­zer von Fire­fox und Chro­mi­um sind dies­be­züg­lich auf geson­der­te Erwei­te­run­gen oder exter­ne Pro­gram­me (lokal oder als Pro­xy) ange­wie­sen; wobei ich per­sön­lich letz­te­re bevor­zu­ge, da ich so nur eine ein­zi­ge Liste für das gan­ze System pfle­gen muss. Der Ad Mun­cher etwa ver­rich­tet anstands­los sei­nen Dienst auch im Inter­net Explo­rer.

Ich kann ver­ste­hen, dass Micro­soft im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt vie­le Feh­ler gemacht und so man­che Leu­te – viel­leicht vor­schnell – zu Linux oder zu Mac OS X getrie­ben hat. Was ich aber nicht gut­hei­ßen kann, ist es, dass nun prin­zi­pi­ell auf allem, was die­ses Unter­neh­men ver­öf­fent­licht, her­um­ge­hackt wird.

Für mich als jeman­den, der mit den Unzu­läng­lich­kei­ten von Brow­ser­en­gi­nes qua­si täg­lich zu kämp­fen hat, ist der Inter­net Explo­rer 9 zwar noch immer nicht der Brow­ser der Wahl, aber er zeigt, dass man bei Micro­soft end­lich ver­stan­den hat, war­um dem Brow­ser aus eige­nem Haus immer weni­ger Men­schen Beach­tung schen­ken woll­ten. Ich schät­ze, es wird Zeit, dass ihm die­se Beach­tung wie­der zuteil wird. Die wei­te­re Ent­wick­lung des Inter­net Explo­rers könn­te wie­der inter­es­sant wer­den.

Ich freue mich ein biss­chen dar­auf.

PolitikIn den NachrichtenFotografie
Kurz ver­linkt XLVI: Deutsch­land im Stress­test

Ach nee:

Ange­sichts der Fuku­shi­ma-Kata­stro­phe ver­langt die Kanz­le­rin welt­wei­te Stress­tests für Atom­mei­ler. (…) Sie drin­ge auf „höch­ste Stan­dards“ bei den AKW-Stress­tests, nicht nur in Deutsch­land und der EU.

Sicher ist sicher! Obwohl:

Ich möch­te aus gege­be­nem Anlass noch­mal dar­an erin­nern, dass der Aus­lö­ser für die Tscher­no­byl-Kata­stro­phe ein Stress­test war.

Aber Frau Mer­kel hat es auch nicht leicht, steht sie doch sozu­sa­gen stän­dig unter Beschuss:

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter Stein­mei­er attackier­te den außen­po­li­ti­schen Kurs Deutsch­lands mas­siv. „Aus einer respek­tier­ten Füh­rungs­na­ti­on in Euro­pa sind wir in zwei Jah­ren an die Peri­phe­rie gera­ten“, sag­te er in der Debat­te zur Regie­rungs­er­klä­rung. Nir­gend­wo sei­en bei der Koali­ti­on Kon­zep­te oder Initia­ti­ven erkenn­bar. „Das ist Außen­po­li­tik in Lethar­gie“, kri­ti­sier­te der Oppo­si­ti­ons­füh­rer. „Die Welt erwar­tet mehr von uns.“

Ich fin­de, dass die SPD wei­test­ge­hend in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den und uns ein Kanz­ler Frank-Wal­ter Stein­mei­er erspart geblie­ben ist, setzt bereits das rich­ti­ge Zei­chen in der Welt.

Und was erwar­tet so ein erfolg­rei­cher Poli­ti­ker von einem sou­ve­rä­nen Deutsch­land? Genau:

Bemer­kens­wert sei auch, dass US-Prä­si­dent Barack Oba­ma immer noch nicht den Weg zu einem Besuch in Ber­lin gefun­den habe, wäh­rend er längst in vie­len ande­ren EU-Haupt­städ­ten gewe­sen sei.

Die Ehre, dass der Prä­si­dent eines ande­ren Staa­ten­bun­des sich dazu her­ab­lässt, dem sou­ve­rä­nen Deutsch­land, das sich dann natür­lich dank­bar zeigt, von sei­nem gro­ßen Bru­der über­haupt beach­tet zu wer­den, gnä­dig sei­ne Auf­war­tung zu machen. :mrgreen:

Außen­po­li­ti­sche Lethar­gie ist manch­mal doch nicht ver­kehrt; und über­haupt soll­ten mehr Staa­ten wie die Schweiz sein, denn die Schweiz hat weder einen Besuch von Herrn Oba­ma noch von Herrn Stein­mei­er zu befürch­ten.
Es muss wun­der­bar sein, dort zu leben.

Spaß mit Spam
Aus­ge­wählt!

Anschei­nend fin­det gera­de abge­se­hen vom Towel Day die „Woche der sau­blö­den Spam“ statt.
Der Absen­der des fol­gen­den Schrei­bens, das ich gera­de zufäl­lig ent­deck­te und wohl als Ersatz für einen die­ser „News­let­ter“ erhielt, für die ich mich irgend­wann aus Lan­ge­wei­le mal ange­mel­det hat­te, wür­digt die­se Zeit mehr als nur ange­mes­sen:

wir gra­tu­lie­ren Ihnen recht herz­lich.

Aber nur recht herz­lich, nicht so rich­tig dol­le herz­lich. Wozu eigent­lich?
Ach, ich soll­te erst wei­ter­le­sen:

Nach spe­zi­el­ler Aus­wahl wur­de Ihre eMail Adres­se … exklu­siv aus­ge­wählt und Sie haben es GESCHAFFT – SIE sind dabei!

Also fand zuerst die spe­zi­el­le Aus­wahl und dann die Aus­wahl mei­ner E‑Mail-Adres­se statt? Das klingt aber unprak­tisch, den Pro­zess kann man doch sicher opti­mie­ren.

Anson­sten: Juhu, ich habe es geschafft! Ich wur­de erfolg­reich aus­ge­wählt!

Sie wur­den für das Aus­ge­waehl­ter-Gewin­ner Gewinn­spiel qua­li­fi­ziert

Ein… nun… nahe lie­gen­der Name.
Und was bin ich nun, da ich qua­li­fi­ziert wur­de?

und sind damit unter den Aus­er­wähl­ten

… nee, oder?

ROFL

für die End­aus­lo­sung von einem brand­neu­en Mac­Book Air.

Das Mac­Book Air lost aus, oder wie? Und „End­aus­lo­sung“ klingt für mich dann doch schon irgend­wie ein biss­chen nach „End­lö­sung“; und wann fand eigent­lich die Anfangs­aus­lo­sung statt? Mich hat nie­mand auch nur gefragt, ob ich so ein Apfel­ding über­haupt haben möch­te.

Neh­men Sie jetzt am Gewinn­spiel teil und klicken Sie hier: …

Wie – bei­des?
Und dür­fen da eigent­lich auch die Leu­te drauf­klicken, die nicht aus­ge­wählt wur­den, oder bekom­men die dort nur eine obszö­ne Geste zu sehen?

Den­ken Sie dar­an, Sie sind einer der weni­gen die aus­ge­wählt wur­den, daher sind Ihre Gewinn­chan­cen beson­ders hoch.

Ich den­ke an nichts ande­res. :mrgreen:
War­um wählt ihr über­haupt erst meh­re­re Leu­te aus und nicht gleich den einen Gewin­ner? Das wür­de eine Men­ge Arbeit und Geld spa­ren, das ihr dann in noch mehr Gewin­ne inve­stie­ren könn­tet!

Anmel­de­mög­lich­keit für aus­ge­wähl­te Gewin­ner nur mög­lich bis 31.05.2011 23:59 Uhr

Und wenn man dann irgend­wann vom Aus­er­wähl­ten zum Gewin­ner auf­ge­stie­gen ist, muss man sich bei euch auch noch anmel­den, sonst …

Nicht ange­mel­de­te Gewin­ne wer­den neu ver­lost.

… hat man sich die gan­ze Mühe des Aus­ge­wählt­wer­dens völ­lig umsonst gemacht?
Mit dem Kon­zept wer­det ihr wohl eher nicht viel Erfolg haben. Ihr soll­tet es womög­lich über­den­ken.

Ich hof­fe, die­sem Text könnt ihr die ent­spre­chen­den Anre­gun­gen ent­neh­men. Bei der Umge­stal­tung wün­sche ich:

Viel Erfolg!

Und gute Rei­se!

PolitikIn den Nachrichten
Liber­té!

Dass Herr Sar­ko­zy trotz sei­ner Rol­le als Ober­fran­zo­se nicht unbe­dingt viel von den Idea­len der Revo­lu­tio­nä­re hält, die es über­haupt erst ermög­licht haben, dass er jemals Prä­si­dent wer­den konn­te, ist hin­läng­lich bekannt, aber zufäl­li­ger­wei­se ist sein Kon­kur­rent, Domi­ni­que Strauss-Kahn, schon mal aus dem Ren­nen, also bleibt ihm genug Spiel­raum, sei­ne Ter­ror­herr­schaft wei­ter aus­zu­brei­ten. Als näch­sten Schritt hät­te er gern noch etwas mehr Kon­trol­le über das böse Inter­net, nach­dem die „digi­ta­le Todes­stra­fe“ anschei­nend sei­ne Macht­gier noch nicht aus­rei­chend befrie­digt hat.

War­um ich sei­ne legi­ti­me Ent­schei­dung, poli­ti­sche Beschlüs­se in „sei­nem“ Land maß­geb­lich zu len­ken, mit Macht­gier zu erklä­ren ver­su­che? Nun, das ist nicht mei­ne Absicht, aber je mehr ich dar­über lese, wel­che Zukunft Herr Sar­ko­zy dem Inter­net gern ange­dei­hen las­sen wür­de, desto schwe­rer fällt es mir, ihm posi­ti­ve Absich­ten zu unter­stel­len.

Jüngst berief er den eG8-Gip­fel ein, auf dem er mit Rüben­na­sen wie Eric Schmidt (Goog­le) und Mark Zucker­berg (Face­book) – bekannt­lich bei­de Ver­tre­ter der The­se, digi­ta­le Bür­ger­rech­te wie etwa das Recht auf Pri­vat­sphä­re sei­en längst nicht mehr zeit­ge­mäß – sowie Jim­bo Wales (Wiki­pe­dia), sei­nes Zei­chens Sit­ten­wäch­ter nach US-ame­ri­ka­ni­scher Tra­di­ti­on, über die Zukunft des Inter­nets dis­ku­tie­ren will.

„Dis­kus­si­on“ sieht hier übri­gens, gemäß SPON, unge­fähr so aus:

„Das Uni­ver­sum, das Sie (die anwe­sen­den Inter­net­ge­stal­ter) reprä­sen­tie­ren, ist kein par­al­le­les, gesetz­lo­ses, ohne mora­li­sche, ohne fun­da­men­ta­le Prin­zi­pi­en, die das Leben in demo­kra­ti­schen Staa­ten ord­nen“, sag­te der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent nun bei sei­ner eG8-Eröff­nungs­re­de. Weil das Inter­net nun „Teil des Lebens einer Mehr­heit der Men­schen“ sei, wäre es „ein Wider­spruch, Regie­run­gen von die­sem immensen Forum fern­zu­hal­ten“. Schließ­lich sei­en „Regie­run­gen in unse­ren Demo­kra­tien die legi­ti­men Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Wil­lens“.

Nie­mand aber hält Regie­run­gen aus dem Inter­net fern, viel­mehr wird seit Jah­ren ver­sucht, die als „Inter­net­aus­drucker“ bekann­ten „Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Wil­lens“, wer auch immer die­se All­ge­mein­heit sein mag, dazu zu bewe­gen, die­ses grenz­über­grei­fen­de Medi­um als ein Hort der Mög­lich­kei­ten, nicht als schmud­de­li­ge digi­ta­le Knei­pe vol­ler Por­noter­ro­ri­sten wahr­zu­neh­men und zu begrei­fen. Die Regie­run­gen aber hal­ten sich selbst fern, sie ken­nen das Inter­net nur als den rechts­frei­en Raum – schön wäre es ja schon manch­mal! -, in dem wahl­los Kin­der geschän­det und welt­um­span­nen­de Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen gegrün­det wer­den.

Natür­lich ist das Inter­net kein gesetz­lo­ses Uni­ver­sum ohne Prin­zi­pi­en, was min­de­stens all die­je­ni­gen wis­sen soll­ten, die schon mal auf­grund undurch­dach­ter Publi­zie­rung von Inhal­ten im Inter­net Post von skru­pel­lo­sen geld­gei­len umsich­ti­gen Rechts­ver­dre­hern Rechts­an­wäl­ten im Auf­trag irgend­ei­ner groß­kot­zi­gen Fir­ma eines so genann­ten „Rech­te­inha­bers“ im Brief­ka­sten fan­den; Urhe­ber­rech­te erli­schen eben auch dann nicht, wenn man sie außer­halb von Staats­gren­zen miss­ach­tet. (Hier­zu emp­feh­le ich noch­mals den her­vor­ra­gen­den Tele­po­lis-Arti­kel zum „rechts­frei­en Raum Inter­net“ von 2009.)

Ein fun­da­men­ta­les Prin­zip des Inter­nets ist es übri­gens, dass es zumin­dest theo­re­tisch welt­wei­ten Zugriff auf jeg­li­che Infor­ma­tio­nen ermög­li­chen soll, die in ihm zu fin­den sind, ohne, dass die Ver­brei­tung die­ser Infor­ma­tio­nen, sofern nicht aus recht­li­chen Grün­den, von loka­len Regie­run­gen irgend­wie ein­ge­schränkt wer­den kann. Ein Inter­net, das aus vie­len klei­nen, von der Teil­nah­me am Gesamt­netz nahe­zu aus­ge­schlos­se­nen „Net­zen im Netz“ besteht, wie es etwa Chi­na vor­macht und Herrn Sar­ko­zy bei­na­he so feuch­te Träu­me berei­tet wie sonst nur Car­la Bar­ba­to Bruni, hät­te sei­nen Zweck ver­fehlt.

Aber wer erklärt das nun Herrn Fried­rich?

MusikKaufbefehle
Zum 70. Geburts­tag Bob Dylans

Heu­te wird Bob Dylan 70 Jah­re alt, und zwar den gan­zen Tag lang. Tröt, Tusch, hur­ra! Ein­mal abge­se­hen davon, dass er seit dem Ende der „Rol­ling Thun­der Revue“ (u.a. beim SPIEGEL berich­te­te man) nur mehr schnul­zi­ge Lie­bes­lie­der in öder Coun­try­form zu schrei­ben scheint, erach­te ich es als unnö­tig, ihn hier noch ein­mal geson­dert vor­zu­stel­len, obschon die Ein­füh­rung sei­ner seit 1988 lau­fen­den „Never Ending Tour“ sein bis­he­ri­ges Schaf­fen jedes Mal aus­führ­lich zusam­men­fasst, aber wir sind hier ja nicht als Ver­an­stal­ter tätig, son­dern schnö­de Schrei­ber­lin­ge, und bei dem annehm­ba­ren Wet­ter drau­ßen fas­sen wir uns mit Vor­lie­be kurz.

Bob Dylan also, des­sen in rascher Fol­ge auf­ge­nom­me­ne Alben Brin­ging It All Back Home, High­way 61 Revi­si­ted und Blon­de on Blon­de eine bei­na­he schon radi­ka­le Abkehr von den zwar oft gehör­ten, aber letzt­lich musi­ka­lisch doch eher anspruchs­lo­sen Volks­wei­sen der Vor­jah­re bedeu­te­ten und heu­te im All­ge­mei­nen zu den Alben gezählt wer­den, die man zumin­dest mal gehört haben soll­te, bevor man der­einst ins Gras beißt, kann auf eine abwechs­lungs­rei­che Kar­rie­re zurück­blicken, sofern ihm denn danach ist.

Die­se Kar­rie­re ist immer­hin vor­bild­lich, hat er sich doch zumin­dest jahr­zehn­te­lang nicht nur auf sei­nem Erfolg aus­ge­ruht, son­dern immer dann eine völ­lig neue Rich­tung ein­ge­schla­gen, wenn sei­ne Popu­la­ri­tät ihn zum Idol der Mas­sen zu machen droh­te. Wir ler­nen: Um Druck von außen zu ver­hin­dern, muss man ver­su­chen, den Leu­ten so wenig zu gefal­len wie es mög­lich ist. Ein Höhe­punkt die­ser Ent­wick­lung ist das Album „Self Por­trait“ von 1970, das aus Neu­auf­nah­men eige­ner Stücke und eini­gen Cover­ver­sio­nen, etwa „The Boxer“, ursprüng­lich von Simon & Gar­fun­kel (genau­er: von Paul Simon), besteht und von der Kri­tik sei­ner­zeit ver­wun­dert auf­ge­nom­men wur­de; Greil Mar­cus etwa, Autor und Musik­jour­na­list, frag­te, was die­ser Scheiß denn sol­le. Tat­säch­lich scheint sich Bob Dylan hier größ­te Mühe zu geben, mög­lichst schief zu klin­gen, aber wer die­ses Album ernst nimmt und des­halb einen Ver­riss schreibt, der hat bestimmt auch CDs von Muse und Radio­head im Schrank und hält Lady Gaga für den Inbe­griff der Inno­va­ti­on.

Ich ken­ne nun kei­ne kon­kre­te Aus­sa­ge sei­tens Bob Dylans zur Bedeu­tung von „Self Por­trait“, aber wür­de es, frag­te man mich, schon auf­grund des Titels als Par­odie anse­hen. Und in der Tat dürf­te es schwer sein, Bob Dylan bes­ser zu par­odie­ren als Bob Dylan selbst, unter ande­rem The Vel­vet Under­ground („Pro­mi­nent Men“) sind dar­an geschei­tert; wenn man nicht gera­de „Weird Al“ Yan­ko­vic heißt, denn der kann das.

Natür­lich muss die Stim­me nicht jedem gefal­len, und sie ist für Leu­te, die noch nie Bob Dylan gehört haben, wohl auch das Unge­wöhn­lich­ste an sei­ner Musik, die, fehl­te der Gesang, zwar aus­drucks­los wäre, aber wohl nie­man­dem deut­lich miss­fie­le, aber sie ist doch ein prä­gen­des Ele­ment gera­de der genann­ten drei Alben. Wäh­rend immer­hin „All Along the Watch­tower“ sich in Jimi Hen­drix’ Cover­ver­si­on bis heu­te grö­ße­rer Beliebt­heit erfreut als die ver­gleichs­wei­se spar­ta­ni­sche Urver­si­on Bob Dylans und kon­se­quen­ter­wei­se die Inspi­ra­ti­on für spä­te­re Live­ver­sio­nen dar­stell­te, sind etwa der „Sub­ter­re­ne­an Home­sick Blues“ – für die VIVA-Kli­en­tel: das ist das Lied mit dem bekann­ten Video – oder „One Of Us Must Know (Soo­ner Or Later)“ nur schwer­lich von Drit­ten inter­pre­tiert vor­stell­bar, ohne ihren Cha­rak­ter zu ver­lie­ren.

Den Cha­rak­ter sei­ner, Bob Dylans, Musik macht aber nicht nur sei­ne Stim­me aus, gera­de auch die Tex­te ver­die­nen Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung, nicht umsonst hat ihn die Pres­se stell­ver­tre­tend zum poe­ta lau­rea­tus, zum lor­beer­be­kränz­ten Dich­ter, ernannt, und das sicher nicht nur aus Ver­se­hen, son­dern für die kryp­ti­sche Bild­spra­che von Lie­dern wie „Stuck Insi­de of Mobi­le with the Mem­phis Blues again“ (übri­gens eben­falls von „Blon­de on Blon­de“):

Grand­pa died last week and now he’s buried in the rocks
But ever­y­bo­dy still talks about how bad­ly they were shocked
But me, I expec­ted it to hap­pen, I knew he’d lost con­trol
When he built a fire on Main Street and shot it full of holes

20 Jah­re nach Lou­don Wain­w­right III nun und somit, wie üblich, als einer der Letz­ten erhe­be ich mei­ne Tas­se Kaf­fee und sage, schrei­be und wün­sche:
Alles Gute, Bob Dylan!

Auf wei­te­re 70 Jah­re. Min­de­stens.