Ui, Apple hat die Cloud entdeckt und die Speichellecker aus dem Mediengewerbe erklären das dann mal wieder zum Gnadenschuss für Microsoft. Dass die Cloud jetzt ungefähr so neu und aufregend und mussmanhaben ist wie einst das „Web 2.0“, Tamagotchis und Gameboys, sagt über sie eigentlich nur wenig aus, denn Apples finanzieller Erfolg hatte immer schon mehr mit Vermarktung als mit Technik zu tun. (Warum man die Cloud nicht als Zukunft der Datenkommunikation betrachten sollte, habe ich unter anderem hier schon einmal erläutert, ansonsten bringt es auch xkcd heute auf den Punkt.)
Erst kürzlich diskutierte ich offline darüber, inwiefern Apple sich von den Mitbewerbern abhebt. Man führte an, sie würden eben alles anders machen.
So?
Clouddienste sind nicht neu, Dropbox gibt es auch nicht erst seit gestern. Als „Innovation“ wird gepriesen, dass diese Dienste eng mit dem Betriebssystem verzahnt werden. Dass Microsoft mit Windows Live Mesh und dem zugehörigen SkyDrive schon, sozusagen, seit vielen Monden eine „persönliche Cloud“ anbietet, die man, anders als bei Apple, bei Bedarf installieren kann, aber nicht muss, findet nur wenig Beachtung; kein Wunder, denn so ein Windowsgerät ist nicht hip und hat kein angefressenes Fallobst hinten drauf. Aber als Applejünger lässt man sich bekanntermaßen nur allzu gern vorschreiben, was man so zu tun und zu nutzen hat, denn der Reiz von Appleprodukten besteht darin, dass man auch als Laie einfach nur sabbernd davor sitzen muss und der Rest passiert quasi von allein. Reizend.
Und was haben wir denn da noch so an Innovationen?
zahlreiche in iOS 5 integrierte Features, die man in abgewandelter Form bereits von Apps her kennt, wie z.B. das Chat-Tool iMessage, Bildbearbeitungsoptionen oder eine Funktion, um Artikel zum späteren Lesen vorzumerken
Wenn Microsoft das machen würde, wäre es Ideenklau, wenn Apple das macht, klatschen alle.
Ob zu diesen abgewandelten features wohl auch Google Latitude zählt?
iPhone und iPads (mit GPS) werden (…) in der Lage sein, eine Benachrichtigung anzuzeigen, wenn man sich an einem bestimmten, zuvor definierten Ort befindet. Sehr cool!
Aber so was von cool! Leider sogar auf iPhones längst ein alter Hut.
Weiter:
iMessage heißt der neue, in iOS 5 integrierte Chatservice, mit dem sich textbasierte Einzel- und Gruppenkonversationen mit anderen iPhone- und iPad-Eigentümern führen lassen.
Sehr schön; damit hat Apple dann mal eben einen weiteren proprietären, auf iOS beschränkten instant messenger entwickelt, der technisch ungefähr dasselbe tut wie das für mehr Plattformen verfügbare WhatsApp, wobei es noch abzuwarten bleibt, ob WhatsApp (wie auch Google Latitude) unter iOS 5 noch lange lauffähig sein wird. Apple entscheidet so was ja immer eher spontan.
Und weil jedes neue Applesystem auch irgendein hübsches Klickibunti-feature haben muss, das die Leute zum Staunen bringt, hat Apple auch noch eine oberflächliche Innovation parat, die uns Android-Nutzer selbstverständlich sofort unser Spielzeug wegwerfen und ein iPhone kaufen lässt:
iOS 5 erhält ein eigenes Menü, in dem alle eintreffenden Push-Nachrichten gelistet werden. Zugriff auf diese Übersicht erhält man, indem man mit dem Finger am oberen Rand des iPhone-/iPad-Displays nach unten „swipt“.
Tja: „Wenn du kein iPhone hast, dann hast du kein iPhone“, und dein gesellschaftlicher Abstieg ist unvermeidlich.
Für das kommende iPhone 5 ist noch kein Verkaufsmotto bekannt. Ob sie das wohl unterüberbieten können?
















