PolitikIn den Nachrichten
Hit­ler hat wenig­stens nicht pla­gi­iert.

Ist ja schon gut, ich schrei­be ja schon etwas dazu:

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg hat heu­te Mit­tag sein „Amt“ nie­der­ge­legt. Jetzt kann man sich natür­lich bequem zurück­leh­nen und sich freu­en, man kann sei­ne Abtritts­re­de (etwa auf sueddeutsche.de zu lesen) aber auch ana­ly­sie­ren und heu­te Nacht nicht mehr ruhig schla­fen kön­nen.

Sel­bi­ge Rede näm­lich war letz­ten Endes nichts ande­res als ein auf­ge­bla­se­nes Geze­ter, wie gemein doch alle zu ihm, dem Herrn Mini­ster, sei­en, weil sie ihn nicht mehr nur nach sei­ner „Arbeit“ bewer­te­ten, son­dern auch nach sei­nen pri­va­ten Ver­feh­lun­gen. Ande­re an sei­ner Stel­le wären froh, wäre dem so, aber der Herr Mini­ster bekommt ja nicht genug:

Ich tra­ge bis zur Stun­de Ver­ant­wor­tung in einem for­dern­den Amt.

Das ist aber auch ein schreck­lich zeit­auf­wen­di­ges Amt, die­ses Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um. Deutsch­land wird von Fein­den ja gera­de­zu umzin­gelt; jeden­falls dort, wo sich sei­ne Sol­da­ten unter der Füh­rung des Herrn Ver­tei­di­gungs­mi­ni­sters auf­hal­ten. Ihren Wunsch, Ihr, Herr zu Gut­ten­berg, Tun aus­schließ­lich auf poli­ti­scher Ebe­ne zu bewer­ten, hät­ten Sie aller­dings schon viel eher äußern sol­len, zum Bei­spiel, als nach Ihrem Amts­an­tritt klar wur­de, dass sich am Ster­ben für Deutsch­lands Frei­heit am Hin­du­kusch nichts ändern wür­de.

Wohl nie­mand wird leicht, geschwei­ge denn leicht­fer­tig, das Amt auf­ge­ben wol­len, an dem das gan­ze Herz­blut hängt. Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für vie­le Men­schen und deren Leben beinhal­tet.

„Herz­blut“, Alters­pen­si­on, ist doch alles der glei­che Krem­pel. Aber dan­ke noch­mals, dass Sie, Herr zu Gut­ten­berg, das mit der Ver­ant­wor­tung noch mal erwähn­ten, denn so kann ich Sie nun fra­gen: Wo war denn Ihre Ver­ant­wor­tung, als jüngst wei­te­re Sol­da­ten, die ihr unter­stellt waren, ihre sterb­li­che Hül­le ver­lie­ßen (vul­go: fie­len)?

Ich war immer bereit, zu kämp­fen, aber ich habe die Gren­zen mei­ner Kräf­te erreicht.

Das war aber auch ein har­ter Kampf, allein mit der BILD gegen die eige­ne Moral zu kämp­fen; und jetzt hat die blö­de Moral auch noch gewon­nen!
Das kann sich ein Poli­ti­ker wahr­lich nicht erlau­ben.

Inso­fern: Gute Ent­schei­dung!

PolitikFotografie
Kurz ver­linkt XXXVIII: Mobi­le Para­noia

(Soll­te ich mit dem fol­gen­den Bei­trag ver­se­hent­lich Ver­fol­gungs­wahn schü­ren, so tut mir das natür­lich ganz dol­le Leid.)

Ich eröff­ne die­sen Bei­trag mit einem wei­te­ren Schnapp­schuss, der ent­stand, weil mir irgend­et­was dar­an merk­wür­dig erschien:

Wäh­rend ich noch dar­über sin­nie­re, wor­an genau mein Unter­be­wusst­sein Anstoß nahm, als es mich zum Foto­gra­fie­ren ver­lei­te­te, bit­te ich den geneig­ten Leser, einen Blick auf zeit.de zu wer­fen, wo in ori­gi­nel­ler Schreib­wei­se und Gram­ma­tik zu lesen ist:

Der Grü­nen­po­li­ti­ker Mal­te Spitz hat sich (…) ent­schlos­sen, sei­ne Vor­rats­da­ten aus dem Zeit­raum August 2009 bis Febru­ar 2010 zu ver­öf­fent­li­chen. Um sie zu über­haupt bekom­men, muss­te er gegen die Tele­kom kla­gen.

Die Daten (…) ent­stam­men einem Excel­do­ku­ment mit 35.831 Zei­len. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobil­te­le­fon in die­sem hal­ben Jahr Infor­ma­tio­nen Preis gege­ben. Jede ein­zel­ne davon ist im Zwei­fel unbe­deu­tend und harm­los, in der Sum­me aber erge­ben sie das, was Ermitt­ler ein Pro­fil nen­nen – ein kla­res Bild über Gewohn­hei­ten und Vor­lie­ben, ja über das gesam­te Leben.

Sicher gehen vie­le die­ser Daten im Rau­schen unter, und es ist davon aus­zu­ge­hen, dass sie nur im Ein­zel­fall über­haupt irgend­je­man­den inter­es­sie­ren, zumal letzt­end­lich der Bür­ger selbst die Ent­schei­dungs­ho­heit dar­über trägt, wie viel er sei­nem Netz­be­trei­ber von sich preis­ge­ben möch­te (selbst ein iPho­ne zum Bei­spiel kann auch mal ein­fach ein paar Tage lang blö­de in der Ecke her­um­lie­gen, wäh­rend man anders­wie ter­ro­ri­sti­sche Anschlä­ge plant), aber für uns infor­ma­ti­ons­hung­ri­ge Infor­ma­ti­ker und neti­zens – schau­ri­ges Wort – ist allein die Daten­samm­lung schon inter­es­sant zu lesen. Bri­sant ist, dass hier auch der „digi­ta­le Radier­gum­mi“, sofern man sich irgend­wann ein­mal auf eine prak­ti­sche Umset­zung einigt, nicht viel Abhil­fe schaf­fen kann, denn die tat­säch­li­chen Bewe­gungs­da­ten (GPS) sind letzt­lich ana­lo­ge Daten. Nie­mand aller­dings wür­de sei­ne Fuß­spu­ren im Sand nach­träg­lich ent­fer­nen wol­len, denn die Gefahr, dass die­se sein Leben von Drit­ten nach­voll­zieh­bar wer­den las­sen, ist eher gering, sofern die­se Drit­ten es nicht direkt dar­auf abse­hen. Dann aller­dings hat man, sofern man dar­auf bedacht ist, dass die Welt­öf­fent­lich­keit sei­ne Exi­stenz nicht ein­mal zur Kennt­nis nimmt, ein gewal­ti­ges Pro­blem.

Nicht anders ver­hält es sich mit etwa­igen Ver­bin­dungs­da­ten bei Mobil­funk­be­trei­bern. Anders als etwa bei Apple oder Goog­le trägt man die vol­le und allei­ni­ge Ent­schei­dung dar­über, wer was wor­über erfah­ren darf.

Ich gehe übri­gens davon aus, dass ich als Reak­ti­on auf die­sen Bei­trag min­de­stens einen Kom­men­tar des Inhalts, da kön­ne ich mal sehen, wie harm­los Goog­le doch ist, erhal­te. Wer mich über­ra­schen möch­te, schreibt also etwas ande­res.

Und jetzt ent­schul­digt mich, ich wer­de mir ein paar schar­fe Bil­der von ero­ti­schen Auto­mo­bi­len anse­hen.
Boah, was für ein Fahr­ge­stell!

MusikSonstigesFotografie
Zwei­sam?

We lay on the bed the­re, kis­sing just for prac­ti­ce
Could we plea­se be objec­ti­ve?
Cau­se the other boys are queu­ing up behind us
A hand over my mouth, a hand over the win­dow
Well, if I remain pas­si­ve and you just want to cudd­le
Then we should be ok, and we won’t get into trou­ble
Cau­se we’­re see­ing other peo­p­le
At least that’s what we say we are doing

How are you fee­ling?
I don’t think you could be deal­ing
With the situa­ti­on very well
You take a lover for a dir­ty weekend, that’s ok
But when it’s over
You are loo­king at the working week in the eyes of a gigo­lo

(Bel­le and Seba­sti­an: See­ing other peo­p­le)

Spaß mit Spam
Herz­li­chen Glück­wunsch, Max Muster­mann!

Und dann war da noch die Tele­fó­ni­ca O2 Ger­ma­ny GmbH & Co. OHG, die ver­mut­lich nichts davon weiß, dass unter ihrer Fir­mie­rung ein Herr „Herz­li­chen Glück­wunsch!“ – tat­säch­lich ist dies der ange­zeig­te Absen­der­na­me – mir, dem „lie­ben Max Muster­mann“, ver­sucht, o²-Pre­paid-Käse („gra­tis Frei­kar­ten, und zwar kosten­los“, das ist fast so toll wie „preis­wer­tes Frei­bier“) anzu­dre­hen:

Die Adres­se habe ich mal sicht­bar belas­sen, denn es kann ja sein, dass einer von euch, lie­be Leser, sich ein­mal den Spaß gön­nen möch­te.
Ich mei­ner­seits sehe davon ab und sage: Net­ter Ver­such!

Sonstiges
Blei­ben Sie so!

Für all die­je­ni­gen, die nur wenig Lust auf Expe­ri­men­te mit ihrer Fri­sur haben, aber den­noch hin und wie­der ein­mal Sham­poo benut­zen, gibt es natür­lich auch etwas in jeder gut sor­tier­ten Dro­ge­rie, wor­auf mich Didi hin­wies:

(Und als er an einem Schild vor­über­ging, das in einer Klein­stadt eine „inter­na­tio­na­le“ Dino­sau­ri­er-Aus­stel­lung anpries, frag­te sich der Vor­über­ge­hen­de, aus wel­chen Natio­nen sie denn kämen, die Dino­sau­ri­er vom Urkon­ti­nent Pan­gaea.)

Netzfundstücke
Kata­stro­phen­alarm

Esse­ner auf­ge­passt:
Im Ver­lauf der mor­gi­gen Nacht kann es laut Fore­cast­fox zu einer Natur­ka­ta­stro­phe qua­si bibli­schen Aus­ma­ßes kom­men.

Todes­mu­ti­ge wer­den gebe­ten, das Spek­ta­kel als War­nung für spä­te­re Gene­ra­tio­nen in Bild und Ton fest­zu­hal­ten.

(Dan­ke an T.!)

KaufbefehleMusikkritik
Jea­ve­stone – 1+1=ok

Bereits im Novem­ber 2010 erschien mit „1+1=ok“ das drit­te Stu­dio­al­bum der mir bis dato unbe­kann­ten fin­ni­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Band Jea­ve­stone und gefällt mir außer­or­dent­lich gut.

Das Album beginnt („Laser Flu­xus Bom­bus Inter­rup­tus“, auf so etwas muss man auch erst ein­mal kom­men!) instru­men­tal und ließ mich bereits in die­ser Pha­se inter­es­siert auf­hor­chen; als schließ­lich Sän­ger Jim Gold­worth, von dem ich nicht anneh­me, dass er wirk­lich so heißt, ein­drucks­voll die jewei­li­gen Tex­te dar­bot, wäh­rend sei­ne Mit­strei­ter im Hin­ter­grund an ihren Instru­men­ten bril­lier­ten und in guter, alter Yes-Manier als Chor fun­gier­ten, wuss­te ich, dass ich die­ses Album, wenn es schon aus selbst­ver­ständ­li­chen Grün­den nicht für die Halb­jah­res­li­ste 2011 in Fra­ge kommt, zumin­dest nach­träg­lich mit einer Wür­di­gung auf die­ser Sei­te aus­zeich­nen soll­te.

Und eigent­lich ist „1+1=ok“ ja sogar meh­re­re Alben, denn was da an Ein­flüs­sen auf den Hörer ein­pras­selt, ist berau­schend. Je nach musi­ka­li­scher Vor­kennt­nis und Prä­fe­renz hört man hier Peter Ham­mill, Yez­da Urfa oder die Boom­town Rats am Mikro­fon, wäh­rend Cheer-Acci­dent, Mr. Bungle und ein biss­chen Frank Zap­pa (oder, je nach Lau­ne, Frogg Café) Melo­dien spie­len, die die Musi­ker selbst „Prog’n’Roll“ nen­nen und damit eine eigent­lich ganz gute Beschrei­bung hin­be­kom­men. Anders­wo wit­tert man Nähe zu Sting, bricht sich aber einen am Gen­der­wahn ab („Finn/inn/en“) und ist somit aus zwei Grün­den nicht gut zu lesen. Nicht umsonst hat es das Quin­tett auch schon auf das deut­sche Freak­show-Festi­val geschafft, auf dem sich sonst jene Musi­ker zu tum­meln pfle­gen, die der typi­sche CDU-Wäh­ler ver­mut­lich nur aus ethi­schen Grün­den nicht ent­ar­tet zu nen­nen pflegt. (Die mir bei die­sem The­ma spon­tan in den Sinn kom­men­den Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um wer­den sich übri­gens nach Absol­vie­rung der drei letz­ten Kon­zer­te auf­lö­sen. Scha­de!)

Apro­pos Gesang: Der Gesang domi­niert zwar immer das Klang­bild, den­noch soll­te man es nicht ver­säu­men, in den Momen­ten, in denen er gefäl­li­ge­ren Lini­en folgt, auf die Musik selbst zu ach­ten, denn Jea­ve­stone beherr­schen den Kon­tra­punkt vor­treff­lich. Musik an sich zieht Par­al­le­len:

(…) der Über­gang in die lich­te­ren, mehr Folk ori­en­tier­ten Tei­len mit aku­sti­scher Gitar­re und Flö­te klingt schon stark nach Yes bzw. Gene­sis. (…) Die Band fräst sich mit den fol­gen­den Songs, von denen für eine so Prog­ver­haf­te­te Band unty­pi­scher­wei­se übri­gens kei­nes die 6 Minu­ten Gren­ze knackt, durch die Geschich­te des Progs von Yes über Van der Gra[a]f Gene­ra­tor, ein wenig Pink Floyd und natür­lich darf auch nie­mals ein wenig von den Beat­les feh­len. Oft­mals erin­nern die Stücke ihrer Viel­falt aber vor allem in Ihrem Sound an deut­sche Bands der Mitt­sieb­zi­ger wie Eloy, Snow­ball oder ähn­li­che.

Ein gutes Album zum Hören!
Eini­ge Kost­pro­ben aus dem reich­hal­ti­gen musi­ka­li­schen Büfett kre­den­zen die Fin­nen auf MySpace.com.

In den NachrichtenPolitikNetzfundstücke
Zu den Ham­bur­ger Wah­len 2011

Die Umfra­gen zu den heu­ti­gen Ham­bur­ger Wah­len ent­beh­ren tra­di­tio­nell nicht einer gewis­sen Tra­gi­ko­mik. Mei­ne per­sön­li­che Rang­li­ste führt das furcht­ba­re Web.de mit der For­mu­lie­rung „nicht so schlecht“ und den mög­li­chen Alter­na­ti­ven an:

Über­haupt wird ein ziem­li­ches Brim­bo­ri­um um die „gro­ßen Par­tei­en“ ver­an­stal­tet, als hät­te man im Ham­burg nur die Wahl zwi­schen Pest, Cola Cho­le­ra und Her­pes. Die Ham­bur­ger Mor­gen­post (das war die hier) akzep­tier­te immer­hin fünf Par­tei­en als nen­nens­wert, der dazu gehö­ren­de Wahl­rat­ge­ber, der „die Wahl haben“ mit „jeman­den wäh­len müs­sen“ ver­wech­selt, ist auch nicht bes­ser.

Inter­es­sant sind allen­falls die Wahl­um­fra­gen, die zwar, eben­falls tra­di­tio­nell, nicht reprä­sen­ta­tiv sind, aber eine Ten­denz andeu­ten.

Wie vie­le Fern­seh­sen­der sich in die­sem Jahr dar­an hal­ten, kei­ne Pro­gno­sen vor Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le auf­zu­stel­len, wage ich gar nicht zu erra­ten. Inter­es­sant ist aber die Dis­kre­panz zwi­schen öffent­li­cher Wahr­neh­mung und tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten. Spre­chen die Medi­en von der nied­rig­sten Wahl­be­tei­li­gung seit Jah­ren, emp­fin­den Ham­bur­ger Wäh­ler und Wahl­hel­fer es als genau umge­kehrt.

Um 18 Uhr schlie­ßen die Wahl­lo­ka­le, und dann ist hier erst ein­mal wie­der Ruhe vor der Poli­tik.
Dar­auf gebe ich euch mein Ehren­wort, ich wie­der­ho­le: mein Ehren­wort.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLVII: Aller gut­ten Din­ge…

Apro­pos „apro­pos“; fol­gen­des Foto, von mir dezent bear­bei­tet, fand ich gera­de in mei­nem Post­fach:

Gut, dass wir unse­ren Ver­tei­di­gungsmini­ster haben!

(Pas­siert gera­de wirk­lich so wenig auf der Welt, dass das „Aber“ es noch auf die Titel­sei­te der nicht näher benann­ten Bou­le­vard­zei­tung schafft?)

Fen­ster zu!

Apro­pos digi­ta­les Pre­ka­ri­at: Was mir im IRC die­ser Tage häu­fig begeg­net, sind Wet­ter-Bots.

IRC-„Bots“ (kurz für „robots“) sind, kurz erklärt, Com­pu­ter­pro­gram­me, die im IRC bestimm­te Aktio­nen durch­füh­ren; sie ant­wor­ten etwa auto­ma­tisch auf bestimm­te Begrif­fe oder ver­wal­ten Benut­zer­li­sten. Die mei­sten mir bekann­ten Wet­ter-Bots funk­tio­nie­ren der­ge­stalt, dass sie von einer Inter­net­sei­te das aktu­el­le (!) Wet­ter für die gewünsch­te Post­leit­zahl abru­fen und aus­ge­ben.

Das sieht dann, um farb­li­che Her­vor­he­bun­gen gekürzt, unge­fähr so aus:

(@Bluewater) !wet­ter 24109
(@MFC) Wet­ter­da­ten für 24109 wer­den gele­sen, bit­te habe ein (sic!) Moment Geduld.
(@MFC) -=( Wet­ter für Kiel, Deutsch­land (24109) )=-=( Wet­ter­la­ge: Bewoelkt ? Sicht: 10,0 km ? Gemes­se­ne Temp.: ‑2°C ? Gefühl­te Temp.: ‑8°C ? Tau­punkt: ‑7°C ? Luft­feuch­tig­keit: 63 % ? Luft­druck: 1024,0 hPa ? UV-Index: 0 (Mini­mal) ? Wind: aus dem Osten mit 19 km/h )=-

Da sit­zen also die Leu­te mit ihrem erfüll­ten real life im IRC, berich­ten von ihren Erfol­gen in irgend­wel­chen vir­tu­el­len Wel­ten und infor­mie­ren sich über das Leben vor ihrem Fen­ster, indem sie mit Com­pu­tern reden. Mein Dank gilt der welt­wei­ten Ver­net­zung, erspart sie sol­chen Men­schen doch den lan­gen, auf­wän­di­gen Weg zum Fen­ster oder gar zur Haus­tür.

(Gesetzt den Fall, es hat auch nur irgend­ei­nen Ein­fluss auf ihr Leben, wie drau­ßen im real life das Wet­ter ist; wie die Radio­mel­dun­gen über „Flit­zer-Blit­zer“ ja auch nur die­je­ni­gen Auto­fah­rer inter­es­sie­ren, die von sich behaup­ten, die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung im Schlaf auf­sa­gen zu kön­nen.)

Ich wun­de­re mich dann spä­ter ein biss­chen.

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 4)

… Als er wie­der in sein kal­tes, lee­res Zim­mer zurück­kehr­te, sah er sich um. An der Wand hin­gen Bil­der von ihr. Ihm war, als sei­en Jah­re ver­gan­gen, seit er allein heim­ge­kehrt war. Die Bil­der an der Wand waren das Ein­zi­ge, was er von ihr mit­ge­nom­men hat­te; er hät­te, des­sen war er sich sicher, sie nicht zurück­las­sen dür­fen. Das Wis­sen dar­um, dass er nun hier, Hun­der­te von Kilo­me­tern von ihr ent­fernt, saß und in Erin­ne­run­gen schwelg­te, statt dort zu sein, wo er sich end­lich ange­kom­men wähn­te, ließ ihn schwer­mü­tig wer­den. Jedes Mal hat­te er sich vor­ge­stellt, wie es wäre, wür­de er sie ein­fach nicht mehr los­las­sen. „Lächer­lich“, dach­te er dann jedes Mal und wuss­te, dass er es gar nicht lächer­lich fand. War es nicht immer sein Traum gewe­sen, end­lich anzu­kom­men, die Rei­se, auf der er sich fort­wäh­rend befand, end­lich been­den zu kön­nen?

Nun aber, da er allein war und in den Gedan­ken an sie zu ertrin­ken, zu ersticken glaub­te, fühl­te er wie­der den ste­chen­den Schmerz der Nar­be in sei­nem Her­zen, die ihm jeder Abschied bis­lang zuge­fügt hat­te. Es war sinn­los, es abzu­strei­ten: Er war nur noch eine Sil­hou­et­te. Alles, was er zu sein glaub­te, hat­te er bei ihr gelas­sen.

Sie beherrsch­te sei­ne Träu­me und sei­ne Gedan­ken. Immer wie­der hat­te sie ihn gefragt, war­um er sie nicht ein­fach ver­ges­sen konn­te, und er hat­te belang­lo­se, nichts sagen­de Ant­wor­ten gege­ben. Er konn­te es sich ja selbst nicht erklä­ren. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun­gen hat­te: „Wenn sie vor­bei­geht, dann scheint es wie ein Feu­er­werk. Vor einem Him­mel ist es sie, die ich bemerk‘.“ Er lieb­te sie, weil sie ihn lieb­te; und weil er sich end­lich gebor­gen fühl­te.

Er hat­te einen Gedan­ken an „spä­ter“ immer ver­drängt; zu groß war sei­ne Angst davor, dass er sich in Wunsch­träu­me ver­lie­ren wür­de, die über sei­nem Kopf zusam­men­stür­zen wür­den. Zwar hat­te er schon ein­mal dar­an gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor wei­ter rei­chen­de Ent­schei­dun­gen hat­te ihn noch kei­ne der Frau­en in sei­nem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hat­te sei­nen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefun­den; sei­ne Kam­mer war unbe­rührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewe­sen. Den­noch hat­te sich etwas ver­än­dert. Sein Leben hat­te er bis­her am Augen­blick aus­ge­rich­tet, aber er spür­te, dass er nun auf etwas gesto­ßen war, was ein­ma­lig war. War es Schick­sal, Glück oder Vor­se­hung?

Was immer in sei­nem Leben noch gesche­hen wür­de, war ihm längst egal; sein ein­zi­ger Gedan­ke galt nur mehr ihr. Er wuss­te selbst nur zu gut, dass er Träu­men all­zu oft hin­ter­her gelau­fen war, aber irgend­et­was ihm immer ein Bein gestellt hat­te. Mit die­sem Traum aber, den er nicht mehr nur träum­te, son­dern längst leb­te, soll­te es nicht so enden. In einem Som­mer, der nur mehr blas­se Erin­ne­rung war, hat­te er sich selbst geschwo­ren, er wür­de ihn ihr erfül­len. Jetzt war es an der Zeit.

Er ver­miss­te es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spü­ren.
Er ver­miss­te es, in ihre Augen – „die­se Augen!“, dach­te er – zu sehen.
Er ver­miss­te sie.

Er war nicht mehr der Herr sei­ner Gedan­ken. Es war sein Herz, das sie lenk­te.
Und sein Herz wuss­te, was er woll­te.

Er blieb noch lan­ge vor ihrem Bild ste­hen. Trä­nen ran­nen sei­ne Wan­gen hin­ab. Aus dem Fern­se­her im Wohn­zim­mer erscholl Bonos Stim­me. „It’s a beau­tiful day…“. Nie zuvor hat­te er so wenig Freu­de an die­sem Lied. …

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXVII: Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg? Kann­ste abschrei­ben.

… und dann war da noch außer der bis­lang blö­de­sten Begrün­dung, Wahl­wer­bung nicht zu drucken, die völ­lig über­ra­schen­de Mel­dung, dass Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg sei­ne Dok­tor­ar­beit pla­gi­iert hat, die er „nach bestem Wis­sen und Gewis­sen“ ange­fer­tigt hat­te; was über sein Gewis­sen schon alles Nöti­ge aus­sagt.

Heu­te wur­de ich auf eine hier­auf bezo­ge­ne Nach­richt aus Bay­reuth hin­ge­wie­sen:

Die Uni Bay­reuth hat Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) auf­ge­for­dert, bin­nen zwei Wochen zu den Pla­gi­ats­vor­wür­fen bei sei­ner Dok­tor­ar­beit Stel­lung zu neh­men. (…) Die mög­li­chen Kon­se­quen­zen rei­chen von der Auf­for­de­rung, die Dok­tor­ar­beit nach­zu­bes­sern, bis hin zur Aberken­nung des Dok­tor­ti­tels.

Schuld­be­wusst ließ der desi­gnier­te künf­ti­ge Mon­arch Wahl­kampf­ter­mi­ne absa­gen, inso­fern hat es immer­hin ein Gutes. Ich befürch­te jedoch, dass nach­hal­ti­ge Kon­se­quen­zen für sein Anse­hen auch wei­ter­hin aus­blei­ben wer­den, denn das wür­de letzt­lich wohl die Abwahl der CDU/CSU bedin­gen. Übri­gens ist jeden­falls der Vor­wurf, es gäbe kei­ne Quel­len­an­ga­ben, halt­los, denn die gibt es unter dem unnö­tig kom­pli­zier­ten Namen „Fuß­no­ten“ selbst im Inter­net zu kau­fen. Ange­sichts des Erschei­nungs­jah­res liegt aller­dings der Ver­dacht nahe, der Kri­ti­sier­te ist womög­lich völ­lig unschul­dig dar­an.

NetzfundstückeNerdkramsSonstiges
Das neue Pre­ka­ri­at der inter­na­tio­na­len Eli­te

Man­ches beginnt harm­los. Ich schau­te zum Bei­spiel mal wie­der auf Wakoopa vor­bei, einer Art „sozia­lem Netz­werk“, das dem Zweck dient, dass sei­ne Nut­zer einen Über­blick dar­über bekom­men, wer wann wie oft und wie lan­ge wel­che Pro­gram­me auf sei­nem Com­pu­ter ver­wen­det. Jedes Pro­gramm kann kom­men­tiert und bewer­tet wer­den, so dient Wakoopa auch als Mög­lich­keit, Infor­ma­tio­nen über mög­li­che Alter­na­ti­ven zu erhal­ten, etwa über Vim.

Eigent­lich woll­te ich dort nur noch feh­len­de Daten zu einem von mir bereits vor eini­gen Tagen geprie­se­nen Pro­gramm ein­fü­gen, dann jedoch las ich im hier­für zu ver­wen­den­den Ein­ga­be­for­mu­lar dies:

Most of our users are inter­na­tio­nal, so plea­se use Eng­lish text only in descrip­ti­ons.

(Abwei­chen­de Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Unbe­darf­te Zeit­ge­nos­sen, etwa ich, den­ken bei der Beto­nung auf Inter­na­tio­na­li­tät viel­leicht dar­an, mehr­spra­chi­ge Tex­te zu ver­fas­sen und so Besu­chern aus ver­schie­de­nen Natio­nen mit unter­schied­li­chen Natio­nal­spra­chen – inter­na­tio­na­len Besu­chern eben – kei­nen ver­min­der­ten Funk­ti­ons­um­fang bie­ten zu müs­sen, aber ich bin auch nur ein unbe­deu­ten­der Ins­in­ter­net­rein­schrei­ber und nicht der Schlüs­sel­mei­ster des neue­sten Web‑2.0‑Quatsches und habe somit kei­ne Ahnung. Inter­na­tio­na­li­tät bedeu­tet näm­lich offen­sicht­lich nicht mehr, dass das so aus­ge­zeich­ne­te Pro­dukt unab­hän­gig von der Her­kunft sei­nes Benut­zers unein­ge­schränkt nutz­bar wäre, son­dern, dass Besu­cher aus Natio­nen, in denen mei­ne Mut­ter­spra­che nicht die Ver­kehrs­spra­che ist, die Mög­lich­keit haben, bei der Benut­zung des inter­na­tio­na­len Pro­dukts ihre Kennt­nis­se mei­ner Mut­ter­spra­che, der ein­zig wah­ren, zu ver­tie­fen. (Man stel­le sich ein­mal, nur zur per­sön­li­chen Belu­sti­gung, vor, die Grün­der der Wiki­pe­dia hät­ten ihrer­zeit beschlos­sen, Inter­na­tio­na­li­tät sei nur pri­ma, wenn sie auf Eng­lisch statt­fän­de.)

Eng­lisch, die Spra­che des Inter­nets? Mit­nich­ten und ohne Nef­fen, wur­de doch erst im Novem­ber 2010 die vier­zehn­mil­li­on­ste .de-Domain regi­striert, die zahl­rei­chen deutsch­spra­chi­gen Inter­net­sei­ten, die etwa auf .org und .net enden, blei­ben unge­zählt. Man muss nicht ein­mal Eng­lisch kön­nen, um das Inter­net bedie­nen zu kön­nen, schließ­lich gibt es auch in deut­scher Spra­che aus­rei­chend vie­le ver­schie­de­ne Zugangs­mög­lich­kei­ten. Dass man das Pro­gramm mit dem lusti­gen roten Viech auch „Brow­ser“ nennt, muss man als Anwen­der nicht wis­sen, nicht ein­mal als einer, der selbst Inhal­te ver­öf­fent­li­chen möch­te.

Nun könn­te man natür­lich so weit gehen wie Micha­el See­mann und hin­ter all dem in einem trotz­dem lesens­wer­ten Bei­trag eine Ver­schwö­rung gegen Deutsch­land, aus­ge­heckt von einer „neu­en, glo­ba­len Eli­te“, deren ein­zi­ge Kom­pe­tenz es ist, einen Inter­net­zu­gang zu besit­zen, wit­tern. Wer im Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung noch immer kei­ne Lust hat, sich lang­wei­li­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Seri­en, sofern es eine qua­li­ta­tiv akzep­ta­ble deut­sche Über­set­zung gibt, im Ori­gi­nal anzu­se­hen, und Nach­rich­ten­quel­len, die Deutsch spre­chen, gegen­über denen, für die er jedes Mal zum Wör­ter­buch grei­fen muss, bevor­zugt, ist, so sei­ne Argu­men­ta­ti­on, kein Teil der erwähn­ten Eli­te bezie­hungs­wei­se ihrer „intel­lek­tu­el­len Mit­tel­schicht“. Was sol­che Men­schen in sei­nen Augen statt­des­sen sind, ver­schweigt der Ver­fas­ser lei­der, merkt aber an, dass ihn Deutsch­land nur mehr lang­wei­le und er eines Tages aus­wan­dern wür­de. Dass er in ande­ren Län­dern auf ange­neh­me­re Umstän­de als in Deutsch­land sto­ßen wür­de, ist zu bezwei­feln; da ihm jeden­falls die deut­sche Regie­rung miss­fällt, dürf­te er nicht ein­mal in den fürch­ter­li­chen USA, die er sprach­lich und „kul­tu­rell“ doch so sehr schätzt (wer braucht schon natio­na­le Kul­tur, wenn er das Inter­net hat?), sei­nen See­len­frie­den fin­den.

Wer so rast­los immer auf der Suche nach einer neu­en Iden­ti­fi­ka­ti­on und wil­lens ist, sein jewei­li­ges kul­tu­rel­les Umfeld gegen ein neu­es aus­zu­tau­schen, der ist nicht zu benei­den. Ich fin­de Halt in einer Kul­tur, mit der ich auf­ge­wach­sen bin und die mir bis­lang noch kei­nen poten­zi­el­len Freun­des­kreis auf­grund sprach­li­cher Dif­fe­ren­zen ver­schlos­sen hielt. Ich stel­le wage­mu­tig eine The­se auf: Die Behaup­tung, Glo­ba­li­sie­rung bedin­ge sprach­li­che Gleich­schal­tung der Indi­vi­du­en statt, im Gegen­teil, Offen­heit für ihre Viel­falt, ist hane­bü­che­ner Mum­pitz, erfun­den von devo­ten Mit­glie­dern eli­tä­rer Zir­kel, deren gei­sti­ge Reser­ven nur noch zum Erler­nen eines gebro­che­nen Eng­lischs genü­gen und die anson­sten nur ungern mit ande­ren Men­schen in Kon­takt tre­ten.

Die katho­li­sche Kir­che hat sich auch lan­ge nicht dar­um geschert, dass ihre Gläu­bi­gen beim Got­tes­dienst ungern gleich­zei­tig beten und einem Simul­tan­über­set­zer für Latein lau­schen wol­len. Der Aus­gang der Geschich­te ist bekannt. Schö­ne Eli­te, das.

Netzfundstücke
„xD“, lol ^^

Mit­un­ter amü­sie­re ich mich auf so Sei­ten, deren Inhalt dar­auf aus­ge­rich­tet ist, für Zeit­ge­nos­sen und die Nach­welt Zita­te aus IRC und instant mes­sen­gern (Jab­ber, ICQ und was man heu­te eben so benutzt) zu sam­meln. Auch, wenn die Leser jener Sei­ten nicht sel­ten Zita­te von ande­ren Inter­net­sei­ten als eige­nes Fund­stück aus­ge­ben, so ist doch mit­un­ter ein amü­san­tes Bon­mot dabei.

In der letz­ten Zeit aller­dings bemer­ke ich jeden­falls in den deutsch­spra­chi­gen Ver­tre­tern die­ser Gat­tung Inter­net­sei­te eine Ent­wick­lung, die mir miss­fällt, näm­lich die Häu­fung über­flüs­si­ger Emo­ti­con-Sur­ro­ga­te wie „^^“ und „xD“. Ich möch­te nun aus­nahms­wei­se ein­mal nicht als gran­te­li­ger Greis erschei­nen, aber doch jeden­falls für mei­ne mit die­sem The­ma nicht ver­trau­te Leser­schaft in der gebo­te­nen Aus­führ­lich­keit dar­le­gen, was ich mei­ne.

Wir erin­nern uns: Anfang der 80-er Jah­re wur­den in einem uni­ver­si­tä­ren Bul­le­tin Board die Zei­chen­fol­ge :-) und ihr Kom­ple­ment :-( zwar ver­mut­lich nicht erst­mals, aber mit erst­mals nach­hal­ti­gen Fol­gen als Lösung für das bereits von Vla­di­mir Nabo­kov erwähn­te Pro­blem, dass es bis dahin kei­ne ein­heit­li­che typo­gra­fi­sche Dar­stel­lung eines Lächelns, etwa zur Kenn­zeich­nung eines Scher­zes, gab, vor­ge­schla­gen, und die sich ver­netzt unter­hal­ten­de Mensch­heit war dank­bar für die­se drin­gend benö­tig­ten Zei­chen­se­quen­zen, die den ver­gleichs­wei­se umständ­li­chen Inflek­tiv oder gar Pro­sa­er­klä­run­gen über­flüs­sig mach­ten. So ging das über mehr als eine Deka­de wei­ter, und es ent­stan­den Abwand­lun­gen wie ;-) und :-D.

Mit dem Auf­kom­men japa­ni­schen Bild­hu­mors aber tra­ten ver­mehrt neue Emo­ti­cons auf. Wer ein­mal Poké­mon oder ähn­li­che Seri­en (oder wenig­stens die South-Park-Fol­ge, die Poké­mon auf die Schip­pe nahm) gese­hen hat, dem bleibt der typi­sche Zei­chen­stil ver­mut­lich noch lan­ge in Erin­ne­rung. Japa­ni­sches Lächeln näm­lich sieht im Man­ga­stil unge­fähr so aus:

Dar­aus ent­wickel­te sich das Emo­ti­con ^^, das mit Unter­stri­chen nahe­zu belie­big in die Län­ge gezo­gen wer­den kann, um ein brei­tes Grin­sen dar­zu­stel­len: ^_______^.

Unge­fähr zu die­ser Zeit auch gewann das Inter­net für die Mas­se an Com­pu­ter­nut­zern jün­ge­ren Alters an Bedeu­tung, und wer sich die­se Bedeu­tung nicht vor­stel­len kann, dem spen­die­re ich gern ein­mal eine Tages­kar­te für den Bus­ver­kehr einer eigent­lich belie­bi­gen deut­schen Groß­stadt, damit er ein­mal die Zeit mes­sen möge, wie lan­ge es dau­ert, bis ihm der erste Jüng­ling „Lol“ oder „Rofl“ im Über­schwang bei­na­he ins Ohr brüllt. Da die­se Gene­ra­ti­on sozu­sa­gen die erste war, die einen gro­ßen Teil ihrer Frei­zeit oft damit ver­brach­te, sich im noch jun­gen „Web“ statt off­line zu unter­hal­ten, wur­de die Nut­zung von Emo­ti­cons für sie eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die­se ver­lo­ren so ihre eigent­li­che Bedeu­tung und wur­den als­bald nur mehr schmücken­des Bei­werk. Wer in einem die­ser Online-Chats statt der übli­chen Dis­kus­sio­nen über die reich­hal­tig­ste Quel­le für Kin­der­por­no­gra­fie oder die neue­sten Angriffs­pla­nun­gen auf den Frie­den in deut­schen Groß­städ­ten ein­mal einen Dia­log zwei­er Men­schen ver­folgt, die einen Satz statt mit einem Punkt mit ^^ been­den, der kann ver­su­chen, jedes ^^ in Gedan­ken durch *lächel* zu erset­zen, damit er ver­steht, wor­auf ich anspie­le.

Der Cha­rak­ter Eric Cart­man aus der bereits erwähn­ten Serie South Park präg­te, als die Sät­ti­gung an ^^ und Art­ver­wand­tem aus­rei­chend groß war, hier­zu­lan­de eine wei­te­re Aus­drucks­form des Lächelns, näm­lich xD, das zuvor ein Nischen­da­sein in Ani­me­fil­men fri­sten muss­te. Man wen­de sei­nen Kopf so lan­ge um jeweils unge­fähr 90 Grad, bis man es erkennt:

Auch die­ses xD aller­dings hat inzwi­schen einen gewis­sen Sät­ti­gungs­grad erreicht, was wohl auch des­halb nicht lan­ge dau­er­te, weil es die tra­di­ti­ons­be­wuss­te Nach­wuchs­ge­ne­ra­ti­on als neu und vor allem indi­vi­du­ell pries; in dem Brow­ser­spiel Gala­xy Net­work gab es bereits zwei­mal eine Alli­anz aus Spie­lern, die sich eben­falls „xD“ nann­te, was die Her­ab­stu­fung zu einer lee­ren Phra­se bei­spiel­haft ver­deut­licht. Kürz­lich nun fand die­ses Zitat sei­nen Weg ins WWW:

[Ste­ve] omg heu­te zu geil aufn weg nach mcs xDD
[D´] ?
[Ste­ve] mein bru­der hat ja son tom tom navi , und da is dann iwie sone app oda so drauf das das navi die sms vor­liest wenn mein bru­der wel­che wäh­rend der fahr bekommt
[D´] jaa okay … und wei­ter ?
[Ste­ve] ja auf jeden fall saßen wir dann zu zweit hin­ten Kai und ich und dann tippt kai iwas in sein han­dy ein und auf ein­mal hört man nur noch vor­ne das navi sagen “ sie haben eine sms von blaa blaa “ fahr bit­te rechts ran ich muss kacken “ xDDD
[Ste­ve] und das mit die­ser gei­len com­pu­ter stim­me xDD ich konnt nich mehr vor lachen xDD
[D´] fail xDDDDD

Über die Unart, dass die Leu­te heut­zu­ta­ge ihre „zu gei­len“ Geschich­ten nicht ein­fach erzäh­len, son­dern erst dar­auf war­ten, dass einer Inter­es­se heu­chelt, mokie­re ich mich even­tu­ell spä­ter, eben­so über das unsäg­li­che Gebrab­bel wie „Ja, auf jeden Fall haben/sind/waren wir dann…“ statt ein­fach nur „Wir haben/sind/waren…“, wenn man doch ande­rer­seits die Ansicht zu ver­tre­ten scheint, bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on im Inter­net gin­ge es vor allem dar­um, ver­meint­lich über­flüs­si­ge Zei­chen zu spa­ren. Das Zitat zeigt aller­dings die Erbärm­lich­keit der von mir kri­ti­sier­ten aus­schließ­lich ober­fläch­li­chen Hyper­emo­tio­na­li­sie­rung in gan­zer Pracht.

Anony­mus „Rau­pe“ schrieb zu der Infla­ti­on des Lächelns unbe­wusst selbst­iro­nisch das, was sie, die Infla­ti­on, wohl am tref­fend­sten beschreibt:

irgend ein depp hats erfun­den, alle ande­ren dep­pen machens nach xD

Je mehr digi­ta­le Aus­drucks­for­men für Lächeln es gibt, desto weni­ger zählt ein Lächeln noch, so lau­tet mein Resü­mee.
Man könn­te depres­siv wer­den in die­sem Inter­net.

(Jeder Kom­men­ta­tor unter die­sem Bei­trag, dem, unab­hän­gig vom Inhalt, ein „xD“ her­aus­rutscht, sinkt, sofern dies mög­lich ist, in mei­ner Ach­tung in immensem Maße.)