PersönlichesSonstiges
Hit­ze­wal­lun­gen

Apro­pos ÖPNV, weil schon wie­der viel zu lan­ge nichts Berich­tens­wer­tes gesche­hen ist:

Da fuhr ich gestern Nach­mit­tag durch die brü­ten­de Hit­ze, als eine sicht­lich generv­te Mut­ter mit Sohn mit Fahr­rad ein­stieg und sich erst ein­mal geschätz­te fünf Minu­ten lang mit dem Bus­fah­rer über den Fahr­preis stritt. Sie stampf­te dann den Bus­flur ent­lang, kon­ti­nu­ier­lich über den Fahr­preis schimp­fend, und ver­brach­te die Fahr­zeit damit, sich über den Bus­fah­rer auf­zu­re­gen, der „wie ein Anfän­ger“ fah­re, natür­lich nicht, ohne sich hin und wie­der umzu­se­hen, ob irgend­ein Pas­sa­gier zustim­mend nicke, und dar­über, was das für unver­schäm­te Prei­se wären, ein Taxi wäre weit bil­li­ger, da stin­ke es auch nicht so; und über­haupt, der Fah­rer fährt wie ein Anfän­ger!

Wäh­rend des schön­sten Wut­schwalls, den ich grin­send zur Kennt­nis nahm, da er sich qua­si direkt neben mir abspiel­te, rief der Fah­rer die Frau zu sich nach vorn; die Frau hat­te das Fahr­rad des Kin­des bis dahin ver­schwie­gen und somit natür­lich kei­ne Fahr­rad­kar­te gelöst, was sie gemäß ihrer Gestik und Mimik durch­aus wuss­te. Zu den Beschwer­den über die Fahr­kün­ste des Bus­len­kers und die all­ge­mei­nen Fahr­tum­stän­de gesell­te sich nun­mehr ein wie­der­hol­tes Satz­ge­fü­ge, des­sen Inhalt dar­auf schlie­ßen ließ, dass es nicht in Ord­nung sei, dass Kin­der­fahr­rä­der Beför­de­rungs­ge­bühr kosten, und über­haupt wer­de sie näch­stes Mal auch des­we­gen wie­der ein Taxi benut­zen; „das freut mich, Sie gehen mir näm­lich auf die Ner­ven, gnä‘ Frau“ habe ich dann natür­lich nicht gesagt.

An der die­sem letz­ten Zwi­schen­fall fol­gen­den Hal­te­stel­le stieg die Frau, noch immer schimp­fend, samt Sohn und Fahr­rad aus, obwohl sie bereits bis zum Ziel­halt bezahlt hat­te; kei­ne Sekun­de län­ger blei­be sie in die­sem Ver­kehrs­mit­tel.

Die­se Geschich­te hielt ich für der Doku­men­ta­ti­on wür­dig; zeigt sie doch ein­drucks­voll, was für ein ange­neh­mer Zeit­ge­nos­se ich eigent­lich bin.

Persönliches
Kopf­ki­no

(Wenn man dann in einer ruhi­gen Minu­te mal ein­fach still da sitzt und das Grü­beln ein­stellt, über­nimmt der Kopf, ange­regt von plötz­lich nie­der­pras­seln­den Fet­zen glück­li­cher und weni­ger glück­li­cher Erin­ne­run­gen, den Dreh des Abend­pro­gramms, und man soll­te nicht all­zu unglück­lich sein, wenn es dabei bleibt, dass man bun­te Far­ben sieht; für das Kopf­ki­no gibt es kein Pro­gramm­heft, zwi­schen Komö­die und Dra­ma lie­gen oft nur Nuan­cen.

Zwar ist die Gefahr, mit stö­ren­den Schau­spie­lern wie Til Schwei­ger und John­ny Depp kon­fron­tiert zu wer­den, im eige­nen Film nicht all­zu groß, dafür sieht man sich selbst und Gesich­ter aus Träu­men und Erin­ne­run­gen; auch sol­che, die man manch­mal lie­ber ver­ges­sen möch­te und es dann aber doch nicht kann, wie schon Farin Urlaub im Die-Ärz­te-Lied „Nie gesagt“ rich­tig dekla­mier­te: „Jetzt seh ich dein Gesicht über­all.“

Und so war­tet der Mensch beharr­lich auf die Poin­te und weiß nicht, dass die­ser Film kein fröh­li­ches Ende nimmt; wie auch der Film, den das Leben schreibt, immer nur tra­gisch enden kann. I can’t belie­ve you’­re not mine. Ach.)

PersönlichesMusikSonstiges
Medi­en­kri­tik XXVIII½: Wie gewitzt!

Min­de­stens blöd aus­ge­drückt, Fa. Proc­ter & Gam­ble, ist auch die Fern­seh­wer­bung für euer Pro­dukt blend-a-med pro expert, in der es näm­lich ca. wie folgt heißt:

„blend-a-med pro expert schützt die Berei­che, die am häu­fig­sten durch Zahn­ärz­te kon­trol­liert wer­den.“
(Aus dem Gedächt­nis auf­ge­schrie­ben, daher poten­zi­ell feh­ler­haft wie­der­ge­ge­ben.)

Natür­lich erläu­tert eure, Fa. Proc­ter & Gam­ble, zuge­hö­ri­ge Inter­net­sei­te, wel­che Berei­che gemeint sind, näm­lich Kari­es, Plaque et al.; indes geht dies aus der Fern­seh­wer­bung eben nicht her­vor, und so klingt all das doch eher nach der vor allem Eltern bekann­ten Geschich­te von dem fau­len Sohn, der sein Zim­mer auf­räu­men soll: Statt sich dann näm­lich um die ein­wand­freie Hygie­ne sei­nes Zim­mers zu sche­ren, schiebt er alles, was her­um­liegt, auf einen gro­ßen Hau­fen und bewegt die­sen mit­tels sei­ner Glied­ma­ßen aus den Berei­chen, die am häu­fig­sten von Eltern kon­trol­liert wer­den, her­aus; zum Bei­spiel unter sein Bett.

Herr­je.


Hmja dann übri­gens auch zu „Domed“ von And Also The Trees:

(Die Son­ne scheint, der Him­mel ist blau, die Vögel sin­gen. Schön.)

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 3)

(Ihr gewid­met.)

… Als er erwach­te, hat­te sich sei­ne Welt ver­än­dert. Müh­sam öff­ne­te er sei­ne trä­nen­nas­sen Augen und blick­te sich um. Aber es war doch alles wie immer?

Nein, etwas war anders. Durch sei­nen Kater schien lang­sam die Erin­ne­rung. Er hat­te wie­der ein­mal ver­sagt. Dabei schien zum ersten Mal in sei­nem Leben alles so per­fekt!

Vor Jah­ren noch, als er Suchen­der war, sich längst noch nicht ange­kom­men wähn­te, lern­te er sie ken­nen. Sie wirk­te zart, gar zer­brech­lich. Sie war auf eine geheim­nis­vol­le Art ver­schlos­sen, bei­na­he abwei­send, und den­noch zog sie ihn magisch an. Schon damals hat­te er sich in sie ver­liebt. Die Chan­ce jedoch, die sie ihm gewähr­te, ver­gab er in jugend­li­chem Über­schwang.

Er war sich bewusst gewe­sen, dass es nicht leicht wer­den wür­de, ihre Lie­be zu gewin­nen; den­noch hat­te es ihm einen Schlag ver­setzt, als sie ihm zu ver­ste­hen gab, dass die­se Lie­be unmög­lich eine Chan­ce haben wür­de. Dass sie ihn nicht woll­te, konn­te er kaum glau­ben; zumal er in den fol­gen­den Mona­ten betrübt, aber hilf­los sehen muss­te, dass sie schnell Ersatz fand. Trotz alle­dem konn­te und woll­te er sie nicht ver­ges­sen, auch wenn er ihr gegen­über in der fol­gen­den Zeit sei­nem Miss­mut und sei­ner Ent­täu­schung – oder war es blo­ße Eifer­sucht? – deut­lich Aus­druck ver­lie­hen hat­te. Er hat­te nichts zu ver­lie­ren, er hat­te sie schon ver­lo­ren, bevor er sie jemals gewon­nen hat­te. Womög­lich für immer.

Über sechs Jah­re waren seit­dem ver­gan­gen, in denen er sie fast aus den Augen ver­lo­ren, nie aber ver­ges­sen hat­te. Viel hat­te sich geän­dert; nicht nur bei ihm, auch bei ihr. Dass er sie wie­der­se­hen wür­de, kam uner­war­tet, aber es stand unter einem ande­ren Stern. Sie bei­de waren nicht mehr auf der Suche, sie fühl­ten sich längst schon gefan­gen in der Lee­re, in der sie nun­mehr steck­ten. Was pas­sie­ren wür­de, war ihnen vor­her nicht klar. Er hat­te Angst gehabt, sich wie­der auf etwas ein­zu­las­sen, was ihn über­for­dern wür­de. Er hat­te sie zu oft, zu lan­ge ver­letzt; das woll­te er nicht wie­der ris­kie­ren. Und doch war es schon wie­der pas­siert: Er hat­te sich aufs Neue in sie ver­liebt. Sie war noch immer so scheu und zer­brech­lich wie damals, doch dies­mal war ein Ende nicht abzu­se­hen.

Zum ersten Mal wuss­te er, wo er war und was er woll­te; nach all den Jah­ren stand für ihn end­lich fest, wofür er leb­te. Hät­te er, in irgend­ei­nem Dia­log nach sei­nem Leben gefragt, einen Zeit­punkt ange­ben sol­len, an dem er glück­lich war, er hät­te ohne Zwei­fel jede Minu­te her­aus­neh­men kön­nen, die er mit ihr ver­brach­te, und er hät­te sei­ne Wahl nicht bereut. Die Aus­sicht auf ein Leben mit ihr gab ihm wie­der neu­en Lebens­mut. In jeder freie Minu­te, in der sie nicht mit­ein­an­der spra­chen, setz­te er alles dar­an, sie bald wie­der­se­hen zu kön­nen. Wür­de jemals ein Lexi­kon­her­stel­ler einen Arti­kel über „Paar, glück­li­ches“ bebil­dern wol­len, so dach­te er im Stil­len, so wür­de ihrer bei­der Kon­ter­fei bald dort zu sehen sein.

Doch über all dem Glück prang­ten noch immer die Ereig­nis­se aus der Zeit, bevor sie sich getrof­fen hat­ten. So fest er sie auch zu hal­ten ver­such­te, so nahe sie sich auch waren, so unheil­bar klaff­ten doch die alten Wun­den, die er einst auf­riss, in ihrem Her­zen.

Er hat­te ihr ver­spro­chen, sich nicht nur wegen längst ver­gan­ge­ner und ver­ge­be­ner Feh­ler an ihr rächen zu wol­len. Er woll­te sie nicht ver­let­zen; das hat­te er zu lan­ge getan. Für ihn war sie kein Spiel, sie war längst sein Leben. Nun aber hat­te sie den Spieß umge­dreht. Sach­te, doch bestimmt zog sie die Mau­er zwi­schen ihnen wie­der hoch, ließ ihn ver­zwei­felt, doch letzt­lich erfolg­los ver­su­chen, eine Tür hin­ein­zu­stem­men. Wähn­te er sich soeben noch im Glücks­rausch, so fiel er nun in ein nicht enden wol­len­des Loch. Sie­ben Wor­te allein lie­ßen sei­ne Träu­me zer­plat­zen; das Luft­schloss, in dem er mit ihr leben woll­te, stürz­te über ihm zusam­men. All the homes that we were buil­ding, we never lived in, could be bet­ter, should be bet­ter les­sons in love.

Das hat­te er, des­sen war er sich bewusst, allein sich selbst zuzu­schrei­ben. Die­se eine, womög­lich letz­te Chan­ce hat­te er sich schon Jah­re zuvor zer­stört; und selbst, wenn es noch eine geben soll­te, wür­de auch sie an den Wor­ten zer­schel­len, die er noch in sei­nem alten Leben – in dem ohne sie – unbe­dacht aus­ge­spro­chen hat­te. Es war sinn­los. Mit dem Stift auf sei­nem Schreib­tisch kra­kel­te er, ohne zu wis­sen, was er tat, eini­ge Zei­len in sein Notiz­buch:

Zer­bro­che­ne Träu­me
Ein Leben aus Glas
Jah­re aus Rauch
Ver­tan, ver­passt

Zukunfts­glück
Aus und vor­bei
Die gro­ße Lie­be
Ver­pufft im Nichts

Er leg­te den Stift zur Sei­te. Vor ihm stand ihr Bild; soll­te es nur noch ein Relikt blei­ben? Er fühl­te sich wie­der leer und son­der­bar allein. Die­se Schram­men wür­den ihm für den Rest sei­nes Lebens blei­ben. „Den Rest mei­nes Lebens“ dach­te er und lächel­te gequält. So konn­te es nicht wei­ter­ge­hen. Etwas muss­te gesche­hen. …

Sonstiges
Dave’s Luder

Ste­hen doch heu­te am Bahn­hof eini­ge Frau­en mitt­le­ren Alters, bewaff­net mit Geträn­ken, Son­nen­bril­len und schreck­lich fal­schem Lächeln, her­um und grin­sen sich eins, eine von ihnen hat auch ein Kind dabei. Ihnen allen (mit Aus­nah­me des Kin­des) gemein ist das offen­sicht­lich selbst­ge­mach­te Schild, des­sen Inschrift mit eini­ger Mühe als „Dave’s Luder“ zu ent­zif­fern ist und das sie stolz in die mit­ge­führ­te Foto­ka­me­ra hal­ten. Als der Zug erscheint, ruft eine von ihnen in die all­ge­mein aus­ge­las­se­ne Stim­mung hin­ein: „Wir müs­sen die Schil­der hoch­hal­ten!“, qua­si wie ein Begrü­ßungs­ko­mi­tee. Ihre Mit­lu­der tun wie gehei­ßen.

Wer nun aber erwar­tet, der Zug gebiert einen Dave, des­sen Luder sich mit ihm schmücken, der hat den Welt­geist, den alten Schla­wi­ner, unter­schätzt. Zu den War­ten­den gesel­len sich nach Ent­la­dung des Zuges näm­lich im Gegen­teil wei­te­re Frau­en ähn­li­cher Eigen­schaf­ten, eben­falls beschil­dert. Die Freu­de, als man sich schreck­lich falsch lächelnd in die Arme fällt, gip­felt in dem, was man klei­nen Kin­dern als India­ner­ge­heul vor­führt, jedoch eher nach Affen- bis Vogel­ge­schrei klingt und sich unge­fähr mit „hubu­bu­bu­bu“ wie­der­ge­ben lässt.

Das soll­te man sich mal vor­stel­len bzw. bes­ser auch nicht.

Musikkritik
Für mich Fan­ta Sie, los!

Da „Für dich immer noch Fan­ta Sie“, das aktu­el­le Mach­werk der Fan­ta­sti­schen Vier, bereits wohl aus­rei­chend anders­wo in akzep­ta­blem Umfang rezen­siert wur­de und ich inzwi­schen auch Zeit hat­te, mich aus­rei­chend mit die­sem Album zu befas­sen, und drit­tens, um für die anste­hen­de Halb­jah­res­rück­schau 2010 weni­ger schrei­ben zu müs­sen, folgt ein kur­zer Wort­schwall hier­zu (also zu dem Album, nicht zu der Zeit oder dem Anders­wo) mei­ner­seits.

Die Fan­ta­sti­schen Vier legen seit 1991 in wech­seln­den Abstän­den meist bril­lan­te, sel­ten ent­täu­schen­de Alben vor. „Für dich immer noch Fan­ta Sie“ liegt irgend­wo dazwi­schen. „Viel“ hat­te noch, nun, viel zu bie­ten, auch das lei­der oft nur an die­sem gemes­se­ne „For­ni­ka“, trotz oder gera­de wegen stei­gen­den Anspruchs, wuss­te mich zu über­zeu­gen. Um aber dem Neu­ling, der wohl die Kon­se­quenz aus „For­ni­ka“ sein soll, ähn­li­ches abzu­ge­win­nen, fehlt ihm das Mit­rei­ßen­de. Wie schon alle ande­ren Alben des Quar­tetts ist natür­lich auch eine Ent­wick­lung zu hören; die Fan­ta­sti­schen Vier sind elek­tro­ni­scher gewor­den, viel­leicht auch wie­der ein Stück erwach­se­ner, was die Tex­te jeden­falls impli­zie­ren. Posi­tiv immer­hin: Tho­mas D., des­sen all­zu eso­te­ri­sche Tex­te mich per­sön­lich meist doch eher stö­ren, hält sich bis kurz vor Schluss („Man­tra“) weit­ge­hend zurück, den­noch bleibt auch der Rest, mit Aus­nah­me der sehr gelun­ge­nen Stücke „Smu­do in Zukunft“, „Kaputt“ und „Gar­nich­so­toll“, von denen gera­de letz­te­res an die alt­be­kann­te Stär­ke der „Fan­tas“, an uner­war­te­ter Stel­le geschick­te Wort­spie­le zu plat­zie­ren, wie­der erin­nert, eher durch­schnitt­lich.

Zuge­ge­ben, ein „roter Faden“, wenn nicht gar eine „Rah­men­hand­lung“, ist, wenn ich mich nicht irre, zum ersten Mal in Form der zwei kur­zen Inter­lu­di­en „Für dich immer noch Fan­ta Sie Teil 1“ bzw. „Für dich immer noch Fan­ta Sie Teil 2“ vor­han­den, homo­gen klingt das Album den­noch nicht, und immer­hin das ist gut so, denn andern­falls wäre das Album in sei­ner vol­len Län­ge auch schlimm­sten­falls über­flüs­sig. Es bleibt aber beim Gefühl, das alles schon mal irgend­wo gehört zu haben; selbst die Sprach­ver­zer­rung in den bei­den Titel­stücken kennt man spä­te­stens seit „Pipis und Popos“, das ich für deut­lich unter­be­wer­tet hal­te und das vor allem auf Kon­zer­ten amü­siert. (Ich sag nur: Heli­um.) Es scheint, als wäre die­ses Album die vor­läu­fi­ge Kli­max der erneu­ten Selbst­fin­dung der Com­bo, mit­hin der Ver­such, nicht mehr wie man selbst zu klin­gen, qua­si die Suche nach einem völ­lig ande­ren Ich. So lässt sich viel­leicht auch die Auf­ma­chung des Albums, vier Comic­fi­gu­ren, die den Vie­ren wenig­stens ansatz­wei­se noch ähn­lich sehen, erklä­ren und sich „Für dich immer noch Fan­ta Sie“ in die Rei­he der Alben auf­neh­men, die wie einst „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ nicht als Aus­drucks­mit­tel einer bekann­ten Band, son­dern viel­mehr als Aus­lo­tung der eige­nen Gren­zen ohne Rück­sicht auf Eti­ket­ten zu ver­ste­hen sind. Aber die­ser Ver­gleich behagt mir selbst nicht, und so fas­se ich statt­des­sen zusam­men: Anspruchs­voll, aber unaus­ge­reift.

Dies ist dann auch bit­te kei­nes­falls als blo­ßer destruk­ti­ver Ver­riss zu betrach­ten. Viel­leicht kann man sich „… Fan­ta Sie“ (dreist abge­kürzt) auch schön­hö­ren, viel­leicht geht es man­chen gar direkt ins Ohr wie mir damals „Lausch­gift“. Klar ist: Ein Zugang zu dem Album ist nicht unbe­dingt leicht zu fin­den, die 30-sekün­di­gen Schnip­sel man­cher Inter­net­plat­ten­lä­den genü­gen nicht. Die Ver­spielt­heit von „Jun­ge trifft Mäd­chen“, die Gewalt von „Kaputt“, die Direkt­heit von „Schnau­ze“, zwi­schen­drin dann auch die Roman­tik („Für immer zusam­men“) und die Eso­te­rik („Man­tra“) brau­chen Zeit. Wer sie auf­bringt, wird viel­leicht belohnt.

Ohne Gewähr!

PersönlichesMusikLyrikSonstiges
Aus dem Post­fach gefischt: Bil­dungs­sor­gen ade!

Wenn sol­che Mails in mei­nem Stu­den­ten­post­fach auf­schla­gen, ver­ste­he ich die Sor­gen um das deut­sche Bil­dungs­sy­stem nicht mehr:

(…) im Flur­be­reich vor dem Raum 180, neben dem AStA-Büro im Haupt­ge­bäu­de, lade ich für Don­ners­tag, den 03.06.2010, von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr, auf diver­sen Muster­stüh­len zu einer Sitz­pro­be ein. Bit­te geben Sie ein Votum für „Ihren Favo­ri­ten“ ab.
Ich beab­sich­ti­ge, den Stuhl mit den mei­sten Stim­men zu beschaf­fen.

Apro­pos „uner­wünsch­te Info­post“: Ich weiß nicht, lie­be Spam­mer, was ich von einer Mail hal­ten soll, deren Betreff „Hast du denn kei­ne Zeit mehr für mich?“ lau­tet und deren Inhalt aus einer Liste offen­bar ero­ti­scher Video­ti­tel besteht, dar­un­ter „OMAS KAFFEE-FAHRT“ (nur echt in Groß­buch­sta­ben); und ob ihr das wirk­lich ernst meint mit der Ero­tik. Ich jeden­falls kann der Vor­stel­lung von einem Bus vol­ler Senio­ren in Rheu­ma­decken nur wenig abge­win­nen, was anre­gend wirkt. Das könn­te aber auch an mir lie­gen.

Und bevor ich es ver­ges­se: Am heu­ti­gen 2. Juni fin­det zum 35. Mal der inter­na­tio­na­le Huren­tag statt. Mei­nen herz­li­chen Glück­wunsch!


In eige­ner Sache:

Ich hab die Welt um dich gedreht,
stehl dir die Zeit, bin dein Tage­dieb,
war oft genug dein Ali­bi,
was auch pas­siert, ich ver­lass dich nie.

– Die Toten Hosen: Ich bin die Sehn­sucht in dir

PolitikIn den Nachrichten
Belei­dig­ter Leber­horst

Schön, dass es in den Nach­rich­ten end­lich wie­der um Poli­tik geht:

Vor etwa 24 Stun­den hat Horst Köh­ler, bis dahin umstrit­te­ner, aber zumin­dest mir trotz CDU-Mit­glied­schaft durch­aus sym­pa­thi­scher Bun­des­prä­si­dent, sein Amt nie­der­ge­legt, weil, so begrün­de­te er dies, Kri­ti­ker den Respekt für sein Amt ver­mis­sen lie­ßen, nach­dem er den Ein­satz der Bun­des­wehr in Afgha­ni­stan zur Siche­rung von Wirt­schafts­in­ter­es­sen befür­wor­tet hat oder auch nicht. Vor Schreck hat sogar Ange­la Mer­kel ver­ges­sen, dass die Phra­se „etwas aufs Aller­här­te­ste ver­ur­tei­len“ kei­nen Sinn ergibt.

So sehr ich’s auch ver­ste­hen kann, dass ein Bun­des­prä­si­dent, der den Ein­satz der Bun­des­wehr aus irgend­wel­chen nich­ti­gen Grün­den für nicht pau­schal ver­ur­tei­lens­wert befin­det, Kri­tik ein­steckt: Ich habe das nun nur im Nach­hin­ein mit­be­kom­men, aber selbst, wenn er tat­säch­lich gesagt haben soll­te, die Auf­ga­be der Bun­des­wehr in Afgha­ni­stan sei es, Wirt­schafts­in­ter­es­sen zu wah­ren, so ist dies zwar unan­ge­nehm, aber zutref­fend. Nun das Amt zu räu­men, weil man etwas gesagt hat, was nicht jedem in den Kram passt, ist scha­de; zumal auch unter’m Köh­ler nicht alles schlecht war, man den­ke nur an die feh­len­de Bereit­schaft, kom­men­tar­los das Gesetz zur Inter­net­zen­sur zu unter­schrei­ben.

Horst Köh­ler hat sich ange­sichts wid­ri­ger poli­ti­scher Umstän­de als erstaun­lich stand­haft erwie­sen. Die Begrün­dung für sei­nen Rück­tritt mutet da selt­sam, bei­na­he mimo­sen­haft an. Die Kri­ti­ker jeden­falls, die die­sen Bruch for­ciert haben, soll­ten sich gehö­rig schä­men. Wer auch immer der näch­ste Bun­des­prä­si­dent wird (und es ist eigent­lich beru­hi­gend, dass Lena Mey­er-Land­hut Maja-Land­rut aus Han­no­ver noch zu jung für das Amt ist), er wird es nur schwer­lich bes­ser machen.

Scha­de drum.

In den NachrichtenPiratenpartei
Zum Abschied von Jörg Tauss

Was heu­te außer dem künst­li­chen Getue um die gest­ri­ge Musik­ver­an­stal­tung übri­gens auch die Medi­en bewegt:

Jörg Tauss ist aus der Pira­ten­par­tei aus­ge­tre­ten, aus frei­en Stücken zwar, aber doch unter dem Ein­druck der erfolg­ten Ver­ur­tei­lung auf immer­hin Bewäh­rung wegen Besit­zes von Kin­der­por­no­gra­fie; wie Fefe der­weil bemerk­te, übri­gens, weil er offen­bar schlicht zu wenig Kin­der­por­no­gra­fie besaß.

Ich hal­te sei­nen Aus­tritt trotz des damit ver­bun­de­nen Image­wan­dels – die absur­de Dis­kus­si­on um den „Schutz poten­zi­ell Pädo­phi­ler“ dürf­te damit end­lich ein Ende fin­den – für falsch. Jörg Tauss war schon Pirat, bevor irgend­je­mand auch nur an die Grün­dung die­ser Par­tei gedacht hat. Pirat ist nicht, wer sich mit irgend­wel­chen Num­mern schmückt; Pirat ist, wer sich als Pirat fühlt. Nur weni­ge Men­schen haben die Wer­te der Pira­ten­par­tei jemals so ver­in­ner­licht wie es Jörg Tauss getan hat. Mit ihm ver­liert die Par­tei eine gro­ße Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur; unver­ges­sen bleibt sei­ne Rede auf dem Pots­da­mer Platz.

Ein Pädo­phi­ler war er sicher nie, geschwei­ge denn ein Kin­der­schän­der. Allein die Macht der Medi­en, die Stim­mung im Volk nach eige­nem Gusto zu ver­keh­ren, hat die sach­li­che Dis­kus­si­on über Für und Wider im Keim erstickt. Dass jetzt, da Jörg Tauss weg ist, plötz­lich eini­ge Leu­te dar­über nach­den­ken, in die Par­tei ein­zu­tre­ten, zeigt, dass sie noch immer nicht ver­stan­den haben, was einen Pira­ten aus­macht. Es ist schä­big, der­lei als Begrün­dung vor­zu­schie­ben. Ganz rich­tig merkt auch Anony­mus „Black flag“ an: „Mit so ner Ein­stel­lung kannst du blei­ben wo du bist.“

Mit der gebo­te­nen jour­na­li­sti­schen Distanz und wert­neu­tral berich­tet immer­hin heise.de über den Par­tei­aus­tritt und nimmt eine Über­schrift vor­weg, die so nahe liegt, dass ich mich wun­de­re, sie noch nicht in einem der übli­chen Pira­ten-Ver­riss­blogs oder wenig­stens in mei­nem eige­nen Hirn­port­fo­lio ent­deckt zu haben:

„Aus der Tauss“.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gedan­ken ange­sichts des deut­schen Sie­ges beim Grand Prix d’Eu­ro­vi­si­on de la Chan­son

Wochen­lang mit all­ge­gen­wär­ti­ger Pro­pa­gan­da und Durch­hal­te­pa­ro­len, ganz wie damals im Krieg, vor­be­rei­tet wur­de ganz Deutsch­land gestern Abend Zeu­ge eines unge­wöhn­li­chen Ereig­nis­ses, das von den Medi­en, ganz wie damals im Krieg, ent­spre­chend gefei­ert wur­de („Deutsch­land holt den Sieg!“, bei Bedarf in einer Such­ma­schi­ne eurer Wahl ein­ge­ben); wäre die­ser Scherz nicht längst abge­nutzt, geschmack­los und unter den Stuhl geklebt, wür­de ich fast von einem kriegs­ähn­li­chen Zustand spre­chen wol­len. Eigent­lich erhe­bend, ein­mal dabei zu sein, wie ganz Deutsch­land einen Krieg gewinnt. (In Guan­tá­na­mo wer­den Häft­lin­ge bis­lang unter ande­rem mit Metal­li­ca gefol­tert. Ob sich das wohl nun ändern wird?)

Und seht mal, wie sie sich freut! Diver­sen Bou­le­vard­ma­ga­zi­nen war unlängst zu ent­neh­men, Lena Ohnen­ach­na­men habe erschreckend vie­le inter­es­sier­te Zuschrif­ten von Fuß­fe­ti­schi­sten bekom­men. Dabei ist die Logik doch sim­pel: Wenn’s oben nicht gefällt, schaut man eben nach, ob’s am ande­ren Ende nicht schö­ner ist.

(Erschreckend auch: Ich habe gera­de eine ziem­lich enor­me Lust dar­auf, Aphex Twin zu hören; ist ja anson­sten nicht mein pri­mä­res Revier, aber zum Aus­gleich für wochen­lan­ge „Satellite“-Beschallung ist das mal drin­gend nötig.)

Aus ver­mut­lich ganz ande­rem Anlass hat Peter dann auch das wohl pas­send­ste Zitat zu all dem Pop­quatsch, den man mitt­ler­wei­le ver­klä­rend „Song Con­test“ nennt, obwohl es doch um die Qua­li­tät der Lie­der oder gar der Inter­pre­ta­ti­on schon längst nicht mehr geht, her­aus­ge­kramt, im Ori­gi­nal von Den­nis Lyx­zén, Sän­ger der Musik­grup­pe Refu­sed:

Ich hof­fe, dass in ein paar Jah­ren alle ihre ver­damm­ten Face­book-Accounts löschen wer­den, ihre iPads weg­wer­fen und ech­te Rock‚n‚Roll-Bands grün­den, mit elek­tri­schen Gitar­ren, Schlag­zeug und Bass, ihre Syn­the­si­zer kaputt­hau­en, ihre “ProTools”-Programme zer­stö­ren und Musik machen, ein­fach weil es toll ist. Das wird pas­sie­ren.

So sei es.

MusikIn den Nachrichten
Ich distan­zie­re mich von uns.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, lie­be Leser: Könnt ihr, wie ich, die­se gan­ze Manie um Lena Ohnen­ach­na­men („[i]ch hal­te mich selbst nicht für eine gro­ße Sän­ge­rin“, haz.de) nicht mehr sehen und hören, allein heu­te schon wie­der hier und hier und sicher noch dut­zend­fach anders­wo? Es lohnt sich nicht mehr, die­ser Tage Schlag­zei­len zu kon­su­mie­ren, es scheint kein wich­ti­ge­res The­ma zu geben als ein belang­lo­ses, eng­lisch­spra­chi­ges Dut­zend­lied­chen, mit dem eine jun­ge Frau, die jeden­falls ich nicht gewählt habe, für uns alle einen Sieg errin­gen soll, der kei­ne wei­te­ren Aus­wir­kun­gen auf unser aller Wohl­be­fin­den haben wird.

Lasst es mich, lie­be Pres­se­ka­nail­len, die mir stän­dig aufs Neue ein­re­den wol­len, es sei auch in mei­nem Inter­es­se, dass Deutsch­land bei die­ser öden Träl­ler­ver­an­stal­tung gefäl­ligst eine gute Plat­zie­rung bekom­men soll, so aus­drücken: Wenn die deut­sche Teil­neh­me­rin Lena Ohnen­ach­na­men für mich singt, dann ver­tre­ten die deut­schen Sol­da­ten in Afgha­ni­stan und im Irak auch eure Frei­heit mit ange­mes­se­nen Mit­teln. Krieg und die­se Stim­me, dies kann man nicht ver­glei­chen, sagt ihr? Mit­nich­ten! Wenn jeden­falls ich die Wahl hät­te zwi­schen einer hal­ben Stun­de My Cas­set­te Play­er und einer hal­ben Stun­de Kriegs­lärm, müss­te ich nicht lan­ge über­le­gen.

(War­um eigent­lich kriegt es die­ses kul­tu­rell nicht eben unbe­darf­te Land nicht end­lich mal auf die Rei­he, sei­ne am wenig­sten unta­len­tier­ten Sän­ger zu einem euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werb mit einem doch wenig­stens deutsch­spra­chi­gen Lied­chen zu schicken? Guil­do Horn hat’s vor­ge­macht: Es funk­tio­niert!)

Und kaum ist der Wett­kampf der Punk­te­schie­ber vor­über, steht schon das näch­ste natio­na­le Groß­ereig­nis bevor; Deutsch­land wird ver­su­chen, mit einer Mann­schaft aus hoch­qua­li­fi­zier­ten Pro­fi­sport­lern den Sieg in einem inter­na­tio­na­len Sport­wett­kampf zu errin­gen, und wie­der wird man ver­su­chen, mir zu erklä­ren, dass die erbärm­li­che Dar­bie­tung, die die­se Mann­schaft lie­fert, auch in mei­nem Namen statt­fin­de. Was soll das hei­ßen? Ich pfle­ge allein mei­ner favo­ri­sier­ten Mann­schaft den Sieg zu wün­schen, und die­se suche ich allein nach der Lei­stung aus. Es ist ja sehr löb­lich, dass ver­sucht wird, ein gewis­ses Gefühl der Zusam­men­ge­hö­rig­keit zu schaf­fen; aber wer sich vor inter­na­tio­na­lem Publi­kum in mei­nem Namen zum Affen macht, wür­de ich gern selbst bestim­men dür­fen.

Ist das denn zu viel ver­langt?

Sonstiges
Schü­ler­Fe­ri­en­Ticket: Dau­men raus!

Heu­te hat mir zufäl­lig Wer­bung für das all­jähr­li­che Schü­ler­Fe­ri­en­Ticket (nur echt mit Bin­nen­Ma­jus­keln, jawohl!) die Sicht ver­sperrt, und so warf ich einen Blick auf sie. Das „Schü­ler­Fe­ri­en­Ticket“ ist, wie der Name schon sagt (oder zumin­dest, dies unter­stel­le ich gut­wil­lig, andeu­ten soll), eine preis­gün­sti­ge Fahr­kar­te, mit denen ihre Urhe­ber es Schü­lern zu ermög­li­chen beab­sich­ti­gen, wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en mit dem ÖPNV durch die Gegend zu fah­ren und Unfug zu trei­ben.

Nun ist der ÖPNV – gera­de sein Schie­nen­ver­tre­ter! – nicht unbe­dingt dafür bekannt, all­zu schü­ler­freund­lich oder wenig­stens zuver­läs­sig zu sein; die Bil­der von um eine Stun­de ver­spä­te­ten Zügen und die Nach­rich­ten von wäh­rend der Rei­se hin­aus­ge­wor­fe­nen Kin­dern sind als bekannt vor­aus­zu­set­zen. Vor die­sem Hin­ter­grund erhält die Pla­kat­wer­bung für, ich kür­ze das jetzt mal ab, das SFT eine tra­gisch-komi­sche Note:

Meh­re­re Kin­der sind zu sehen. Sie grin­sen in die Kame­ra und wer­den ver­mut­lich fürst­lich dafür ent­lohnt, den Dau­men nach, nun, oben zu recken. Und was sieht man also?

Ich emp­feh­le dem geneig­ten Leser, ein Blick auf den von mir mit­tels Umkrei­sung gekenn­zeich­ne­ten Bereich zu wer­fen. Ver­grö­ßert sieht’s so aus:

Hihihi. Herr­lich.

(Was damit nichts zu tun hat, aber mich heu­te eben­falls belu­stig­te: Die aktu­el­le Aus­ga­be des Musik­ma­ga­zins eclip­sed berich­tet über die krea­ti­ve Zusam­men­ar­beit eines bekann­ten Musi­ker­paa­res: „So befruch­ten sich Lau­rie Ander­son und Lou Reed gegen­sei­tig.“ Ich darf mich wie­der­ho­len: Hihihi.)

Nerdkrams
Mpx­play als Alter­na­ti­ve zur Alter­na­ti­ve

Da es drü­ben bei caschy neben einem Gast­bei­trag von mir nun­mehr auch einen Gast­bei­trag über den Medi­en­spie­ler foobar2000 gibt und weil ich hier schon län­ge­re Zeit kei­nen neu­en Nerd­krams mehr prä­sen­tiert hat­te, ände­re ich das mal eben; zumal ich foobar2000 ohne­hin nicht beson­ders gut lei­den kann und gern Alter­na­ti­ven erwäh­ne.

Einer der Vor­zü­ge von foobar2000, die meist genannt wer­den, ist, dass er schlank, also, je nach Kon­fi­gu­ra­ti­on, Res­sour­cen scho­nend und nicht unnö­tig gra­fisch über­frach­tet ist. Da set­ze ich mal an. In letz­ter Zeit ist in web­logs oft von noch schlan­ke­ren Audio­spie­lern wie etwa Winyl oder Bil­ly die Rede, nur das von mir vor eini­ger Zeit zufäl­lig ent­deck­te Mpx­play wird stets über­se­hen. Dabei ist es mäch­ti­ger, als es zunächst den Anschein erweckt.

Mpx­play ist ein quell­of­fe­ner Audio­spie­ler für DOS und Win­dows, der ent­spre­chend spar­sam mit Res­sour­cen umgeht; er gibt sich laut Inter­net­sei­te bereits mit 4 bis 8 MB Arbeits­spei­cher zufrie­den und stellt auch sonst kei­ne gro­ßen Anfor­de­run­gen. Die Ober­flä­che ist, da Mpx­play auch unter Win­dows im DOS-Modus („Ein­ga­be­auf­for­de­rung“) läuft, kom­plett aus ASCII-Zei­chen zusam­men­ge­setzt und ist somit nicht gra­fisch über­frach­tet. Auf Annehm­lich­kei­ten wie „Mini­mie­ren in das Benach­rich­ti­gungs­feld“ muss man so zwar ver­zich­ten, aber dies lässt sich etwa mit­tels RBTray nach­rü­sten.

Die Kern­funk­tio­nen jeden­falls las­sen sich sehen: Alle wich­ti­gen Audio- und Wie­der­ga­be­li­sten­for­ma­te wer­den unter­stützt. Fast schon selbst­ver­ständ­lich kann die­ses Pro­gramm auch Datei­tags lesen und ist neben der Maus auch kom­plett mit der Tasta­tur zu steu­ern. Eine Über­sicht über alle ver­füg­ba­ren Tasten­kür­zel lie­fert ein Druck auf F1.

Als Beson­der­hei­ten hat Mpx­play zudem Unter­stüt­zung für FTP-Ver­bin­dun­gen und (über Plug­ins, die auf der Inter­net­sei­te ver­füg­bar sind) das Umwan­deln zwi­schen Audio­for­ma­ten zu bie­ten. (Nicht zu ver­ges­sen, gera­de für regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Publi­ka­tio­nen, ist schließ­lich natür­lich auch der Nerd­fak­tor die­ser Anwen­dung. ;) )

Das Pro­gramm wird stän­dig wei­ter ent­wickelt, die aktu­el­le Beta­ver­si­on von Mpx­play 1.57 erschien am Sonn­tag. Ist die Inter­net­sei­te ein­mal nicht erreich­bar, so ist Mpx­play natür­lich auch via eMu­le zu bezie­hen.

Ich hof­fe, mei­ner Pflicht als Infor­mant damit aus­rei­chend nach­ge­kom­men zu sein und dass die­ser Arti­kel von Nut­zen ist.
Nichts zu dan­ken!

In den NachrichtenPolitikNetzfundstücke
Die B.Z. und die Demo­kra­tie

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich von Pre­ka­ri­ats­un­ter­hal­tung mög­lichst fern­zu­hal­ten ver­su­che. Heu­te stieß ich aller­dings hier auf die­sen Arti­kel des Schmutz­blatts B.Z. (qua­si der Ber­li­ner BILD) und hielt ihn für so herr­lich blö­de, dass er hier unbe­dingt erwähnt wer­den soll­te.

Zusam­men­ge­fasst hat ein Karls­hor­ster Gym­na­si­um der Bun­des­wehr Haus­ver­bot erteilt, weil Schü­ler und Eltern die Aus­sicht auf eine Wer­be­ver­an­stal­tung (ja, ja: „Schie­ßen ler­nen, Freun­de tref­fen!“) als nur wenig prickelnd emp­fan­den. So weit ist das eine posi­ti­ve Mel­dung. Was aber senft der B.Z.-Schreiberling hier­zu?

Jetzt haben sie ein offi­zi­el­les Haus­ver­bot erreicht. Sol­da­ten unse­res demo­kra­ti­schen Lan­des, die an vie­len Orten die­ser Welt für Frie­den und Ord­nung sor­gen, wer­den von den Leh­rern einer Ber­li­ner Schu­le geäch­tet. Das ist eine Unver­schämt­heit gegen­über den Ange­hö­ri­gen der Bun­des­wehr und ein schwer­wie­gen­der Bruch mit unse­rer Ver­fas­sung.

Der Absatz ist so was von blö­de, dass er genüss­lich zer­pflückt gehört. Das mache ich mal:

„Demo­kra­tisch“, ja, es sind Sol­da­ten unse­res „demo­kra­ti­schen Lan­des“; was genau aber bedeu­tet Demo­kra­tie? Eben nicht blo­ße Staats­hö­rig­keit, son­dern Mehr­heits­ent­schei­dun­gen. Die Mehr­heit kann der Kriegs­trei­be­rei des Staa­tes nichts abge­win­nen, also lädt sie das Pack demo­kra­tisch aus. Unver­schämt­heit!

„Frie­den und Ord­nung“, viel­leicht hat sich das ja mitt­ler­wei­le geän­dert; zu mei­ner Zeit jeden­falls trug es zwar zu einer gewis­sen Ord­nung, nicht aber zu Frie­den bei, wenn bewaff­ne­te Trup­pen in ande­ren Län­dern ver­such­ten, ein selt­sa­mes Ver­ständ­nis von Demo­kra­tie (hier­zu sie­he oben) durch­zu­set­zen.

Eine „Unver­schämt­heit“, apro­pos, ist hier tat­säch­lich erkenn­bar, aber ganz sicher nicht gegen­über den Ange­hö­ri­gen der Mör­der­trup­pen, son­dern gegen­über denen, die von ihnen über den Hau­fen geschos­sen wur­den, wäh­rend sie damit beschäf­tigt waren, in Afgha­ni­stan und im Irak Ord­nung und Frie­den zu sichern.

(Und den „Ver­fas­sungs­bruch“ hät­te ich auch gern mal belegt gese­hen.)

Persönliches
Ins war­me Was­ser gesto­ßen

Von unan­ge­neh­men Zeit­ge­nos­sin­nen zu ange­neh­me­ren ist es nur ein kur­zer Schritt. Die­ser ist den­noch so ent­schei­dend, dass ich ihm einen neu­en Arti­kel wid­me.

Die Rede­wen­dung „ins kal­te Was­ser gesto­ßen wer­den“ ist längst ein­ge­bür­gert. Wenn man sich jedoch, was ihr Erfin­der wohl nicht bedach­te, erst ein­mal an das kal­te Was­ser gewöhnt hat, ist es nicht mehr unan­ge­nehm, es zu spü­ren, son­dern wird sach­te zum natür­li­chen Umfeld (um nicht das all­zu unge­nau defi­nier­te „Lebens­raum“ zu ver­wen­den) des Men­schen. Lebt der Mensch lan­ge genug ohne die Behag­lich­keit war­men Was­sers, ver­lernt er es, dar­in zu schwim­men.

Wird man also aus sei­ner qua­si­ark­ti­schen Welt nach lan­gem Dar­ben wie­der mit gro­ßen Men­gen war­men Was­sers kon­fron­tiert, pad­delt man zunächst wie ein Ertrin­ken­der dar­in her­um, panisch auf der Suche nach Halt und nach dem gewohn­ten, küh­len Umfeld. Der Anpas­sungs­fä­hig­keit des mensch­li­chen Orga­nis­mus‘ und dem Über­le­bens­in­stinkt ist es zu ver­dan­ken, dass die Kraft zu pad­deln nicht erlischt; und so fühlt man sich auch in der neu­en, unge­wohn­ten Umge­bung wie­der hei­misch, noch etwas unbe­hol­fen und unsi­cher zwar, aber doch neu­gie­rig auf kom­men­de Ereig­nis­se.

Es ist schön, wie­der behut­sam schwim­men zu ler­nen.

Und weil ich es gera­de im IRC gele­sen habe und weil es eine gro­ße Wahr­heit ist:

Wer über die Lie­be nach­denkt, der liebt nicht mehr.
– August von Kot­ze­bue