PersönlichesSonstiges
Dr. Som­mer, wo bleibst du nur?

Heu­te wur­de ich uner­be­te­ner Ohren­zeu­ge eines Gesprächs zwei­er Jung­da­men, die sich über die Schwan­ger­schaft einer gemein­sa­men Bekann­ten nicht all­zu hohen Alters wun­der­ten; unge­fähr kreisch­te eine von bei­den dies: „Eeeeecht, die is‘ schwan­ger? Wie geht das denn?“

Tja, wie geht das? Wer­te Jung­da­men, ihr hal­tet euch doch selbst in der Regel für nicht all­zu doof. Wie das mit der Schwan­ger­schaft funk­tio­niert, hat euch vor nicht all­zu lan­ger Zeit noch Dr. Som­mer erklärt, und anders als wir Jungs habt ihr euch damals nicht nur für die Nacke­deis inter­es­siert, son­dern auch für die total span­nen­den Fra­gen („kann man vom Sex schwan­ger wer­den?“), die euch neben­bei mit eigent­lich jeder erdenk­li­chen Stel­lung und allen Even­tua­li­tä­ten bekannt gemacht haben soll­ten. Weil ihr dann aber im spä­te­ren Ver­lauf eures Lebens eure Inter­es­sen vom Lesen aufs Gucken, Hören und Schrei­ben ver­la­gert und eure Kom­mu­ni­ka­ti­on nur noch aus dem Kon­sum von Sen­dern wie Viva sowie elo­quen­ten Dis­kus­sio­nen via SMS („ilda <3<3<3 cuiii gn8iiiii“) und aus­schwei­fen­den Erzäh­lun­gen mit der besten Freun­din („und er so und ich so und sie so und wir dann so und er so ey ne?“), die euch bei näch­ster Gele­gen­heit ohne­hin aus­tau­schen wird (oder auch anders­her­um), weil ihr euch, wie so oft, in den­sel­ben süüüü­ßen Jun­gen ver­knallt habt, besteht, habt ihr alles, was nicht mit Fri­su­ren, „Musik“, Klei­dung und Schmink­tipps zu tun hat, aus eurem Gedächt­nis ent­fernt und unwi­der­ruf­lich ent­sorgt. Und wenn ihr dann eines Tages in aus­rei­chend gelö­ster Stim­mung seid und es tat­säch­lich schafft, dass so ein süüüü­ßer Jun­ge euch Gehör schenkt, ver­gesst ihr die Welt um euch her­um. Wenn’s euch zwi­schen den Zehen juckt, ist euch jedes Mit­tel recht, das zu ändern, und statt einem öden Bat­te­rie­ding darf’s halt manch­mal auch gern ein Jun­ge sein. Jungs sind bekannt­lich alle­samt „so bescheu­ert“, dass ihr ihnen nur irgend­was von Lie­be und Ehr­lich­keit vor­flun­kern müsst, um mit ihnen machen zu kön­nen, was ihr wollt. Haupt­sa­che, Spaß am Leben! Und wenn ihr dann aus der Traum­welt erwacht, sich von dem selbst­in­du­zier­ten Kater lang­sam erho­lend, und euch alles wie­der ein­fällt, dann fällt es euch schwer, euch ein­zu­ge­ste­hen, dass ihr euch auf­führt wie Men­schen, die anders­wo Geld für der­ar­ti­ge Dien­ste neh­men; und das sau­blö­de Arsch­loch, das ihr, bevor ihr es zur Stil­lung der eige­nen nie­de­ren Trie­be miss­brauch­tet, noch „süüüü­ßer Jun­ge“ nann­tet, kann euch jetzt gefäl­ligst gestoh­len blei­ben.

Ent­schul­di­gung, ich schweif­te ab. Tja, wie kommt man als jun­ges Mäd­chen von 16, 17 Jah­ren, das noch nicht all­zu fest auf sei­nen eige­nen, viel zu dün­nen Bei­nen steht und des­sen letz­te „ewi­ge Lie­be“ den Rekord von unglaub­li­chen zwei Mona­ten um eine Woche über­bot, auf die Idee, sich von „irgends­o­ei­nem Arsch­loch“, an dem ihr natür­lich nie irgend­ein wei­ter gehen­des Inter­es­se hat­tet und das eure hilf­lo­se Lage, aus irgend­wel­chen Grün­den betrun­ken mit ihm allein zu sein und ihm eure Zun­ge in diver­se Öff­nun­gen zu stecken, scham­los aus­ge­nutzt hat, schon ein Kind ein­pflan­zen zu las­sen, das ihr nie woll­tet, aber es ging natür­lich alles viel zu schnell, um dar­über nach­zu­den­ken, usw.? Ich glau­be ja, man muss ein­fach nur ein ver­dammt däm­li­ches Stück sein. (Das habe ich natür­lich nicht so gesagt.)

Ist doch wahr.

In den NachrichtenNerdkrams
Prü­de­rie und Ope­ra

Die­se Mel­dung hat­te ich ja ver­se­hent­lich dann auch völ­lig über­le­sen, hopp­la:

Apple sorgt wie­der ein­mal für Kopf­schüt­teln. Ope­ra Mini 5 darf fort­an nur auf dem iPho­ne instal­liert wer­den, wenn der Nut­zer min­de­stens 17 Jah­re ist. Apple meint, der Brow­ser ent­hal­te „Sze­nen mit ero­ti­schen Anspie­lun­gen“.

Nun mag ich ja bekannt­lich weder Apple noch den vor allem für das stän­di­ge Gefühl, unge­recht behan­delt zu wer­den, nur weil kei­ner den eige­nen Schrott benut­zen will, bekann­ten Brow­ser­her­stel­ler Ope­ra son­der­lich gern, daher stört es mich nicht, wenn die bei­den Fir­men sich gegen­sei­tig bekrie­gen bewaff­ne­ter­auf­stän­den umgangs­sprach­lich bekrie­gen; auch wenn ich es für durch­aus befremd­lich hal­te, dass Ope­ra (das Pro­dukt) außer den Inhal­ten des Inter­nets, die natür­lich auch wun­der­bar bzw. eigent­lich eher eini­ger­ma­ßen wenig wun­der­bar mit Safa­ri abruf­bar sind, irgend­wel­ches nicht völ­lig „jugend­frei­es“ Mate­ri­al beinhal­tet. (Nicht jugend­frei sind die Flü­che, die ich aus­zu­sto­ßen pfle­ge, wenn ich mal mit dem Ding arbei­ten muss, aller­dings, aber das ist ja eine ande­re Sache.)

In der Mel­dung fiel mir also vor allem fol­gen­der Teil auf:

War­um Apple in Deutsch­land das Alter von 17 Jah­ren abfragt, bleibt unklar. Ver­mut­lich wer­den ein­fach die US-Alters­gren­zen für den gesam­ten Glo­bus ver­wen­det, unab­hän­gig davon, wie der Jugend­schutz in ande­ren Län­dern gehand­habt wird.

Die USA als Welt­ge­richt also mal wie­der, nichts ande­res kann man von einem Unter­neh­men wie Apple erwar­ten; na, all­zu preis­wer­te Pole­mik bei­sei­te: Ob nun 16, 17 oder 18 Jah­re – „Sze­nen mit ero­ti­schen Anspie­lun­gen“ kann man längst in jeder BRAVO lesen, vom Nach­mit­tags-Fern­seh­pro­gramm und so genann­ten „Musik­vi­de­os“ mal ganz zu schwei­gen. Die Chan­ce, dass ein Jugend­li­cher, zu des­sen kul­tu­rel­ler Sozia­li­sie­rung der Kon­sum all die­ser Din­ge meist gehört, weni­ger see­li­schen Scha­den nimmt, wenn er auf sei­nem 500-Euro-Mobil­te­le­fon ein Pro­gramm nur durch Bestä­ti­gen eines zusätz­li­chen Dia­log­fen­sters instal­lie­ren kann, hal­te ich für eher gering. So viel dann jeden­falls zur Jugend­frei­heit.

Facepalm.

PersönlichesMusikSonstiges
Medi­en­kri­tik XXVIII: Ist das noch popu­lär? (Wer­bung für Bahn­fah­rer, Musik­theo­rie für Unbe­darf­te)

„Die Autoren haben kei­ne Zeit mit Recher­chen ver­plem­pert“, so steht’s wört­lich in der Wer­be­an­zei­ge für das Non­sens­buch „Die sexu­el­len Fan­ta­sien der Kohl­mei­sen“ unter Anwen­dung unge­wöhn­lich weni­ger Angli­zis­men in der aktu­el­len Aus­ga­be des Fern­rei­sen­den­ma­ga­zins „mobil“. Die­se For­mu­lie­rung ließ mich schau­dern, und als ich in der schö­nen Stadt Hal­le in dem lei­der ganz und gar nicht schö­nen Bun­des­land Thü­rin­gen dann noch ein Wer­be­pla­kat sah, das (gleich­falls wört­lich) die Auf­for­de­rung beinhal­te­te: „Schock dei­ne Eltern, lies ein Buch!“, ärger­te ich mich über zwei­er­lei; zum Einen dar­über, dass sich hier offen­bar jemand, der meint, ein sie­ben­tei­li­ger Bild­band mit den schön­sten Eisen­bahn­strecken der Welt genü­ge zum Lite­ra­ten­tum, her­ab­las­send über Unbe­le­se­ne äußert, selbst aber die fei­ne Nuan­ce zwi­schen schocken und schockie­ren nicht zu begrei­fen imstan­de ist und somit eigent­lich mal tüch­tig mit­lei­dig belä­chelt gehört, zum Ande­ren dar­über, dass ich mich nicht bereits beim Lesen oben erwähn­ten Maga­zins mit der fla­chen Hand an die Stirn geschla­gen hat­te, denn jetzt müss­te ich es kon­se­quent für bei­de Ent­deckun­gen tun, und aus Rück­sicht auf Hand und Stirn ver­zich­te­te ich somit auf bei­des.

Im Zeit­schrif­ten­re­gal erblick­te ich nur wenig spä­ter zwei Maga­zi­ne unter­schied­lich­ster Cou­leur, derer bei­der Titel­sei­ten den­noch ver­band, dass sie glei­cher­ma­ßen Kri­tik (ob posi­tiv, ob nega­tiv, dies mag der geschätz­te Leser selbst beur­tei­len) an Musik­schaf­fen­den übten. Es han­del­te sich um das Her­ren­ma­ga­zin Pent­house, das die von mir eben­falls geschätz­ten Fan­ta­sti­schen Vier auf eben sei­ner Titel­sei­te der­ge­stalt zitier­te, dass eines der Mit­glie­der die­ser Com­bo zu Pro­to­koll gab, ohne Kif­fen gehe es – gemeint waren, so neh­me ich als jemand, der nur ungern einen Blick ins Inne­re ver­snob­ter Tit­ten­heft­chen tut, die Auf­nah­men für etwa­ige neue Stu­dio­al­ben, wobei deren aktu­el­les, ver­gli­chen mit den Vor­gän­gern, ja auch eher so lala ist – im Stu­dio nicht, was mir allein als hier zitie­rens­wert genügt, sowie das weni­ger geschätz­te Aller­welt­s­pop­quatsch­blatt musik­ex­press, auf das ich hier jedoch ein wenig aus­führ­li­cher ein­ge­hen möch­te, da sein Titel­blatt allein Anlass zu stun­den­lan­gem Sin­nie­ren gab. Es sieht, dies weiß man im Inter­net, so aus:

Zu sehen ist, wie man leicht erken­nen kann, ein Kunst­stoff­man­ne­quin, her­aus­ge­putzt wie ein Hybrid aus der frü­hen Madon­na, der mitt­le­ren Chri­sti­na Agui­lera und der schreck­li­chen Lady Gaga, beschrif­tet mit der lei­der nur rhe­to­ri­schen Fra­ge „Lohnt sich noch der Weg zum Pop­star?“, die, wie für Quatsch­blät­ter wie den musik­ex­press üblich, unge­klärt lässt, ob (und war­um) sich schon Pop­star nen­nen darf, wenn man ein­mal ein Lied in eine dumm her­um­ste­hen­de Kame­ra gequäkt hat, ob (und war­um) Pop damit sei­ne kla­re Abgren­zung als Bezeich­nung für ein kon­kre­tes Gen­re (genau­er: eine Gen­re­klas­si­fi­zie­rung) ver­lo­ren hat und wie­so, zum Gei­er, aus­ge­rech­net das Aller­welt­s­pop­quatsch­blatt musik­ex­press jetzt sei­ne eige­ne Bericht­erstat­tung nicht mehr all­zu leger akzep­tie­ren möch­te, die (also die Fra­ge) aber dann vom Arti­kel doch noch kon­ter­ka­riert wird. Nicht näm­lich ist die Schmä­hung unkrea­ti­ver Mas­sen­hupf­doh­len wie besag­ter lady das Ziel des mir mit plum­pen rhe­to­ri­schen Tricks schmack­haft gemach­ten Arti­kels, son­dern viel­mehr das Gegen­teil:

Erfolg in der Musik ist heu­te nicht mehr als die direk­te Fol­ge nüch­ter­ner Berech­nung – nicht mehr als nötig, nur der finan­zi­el­le Gewinn zählt. Sie schei­nen ver­schwun­den, die wirk­li­chen Stars, die Ver­rück­ten, Außen­sei­ter, Ali­ens – die sich nicht an bestehen­de Regeln hal­ten, son­dern neue auf­stel­len. Doch nun macht sich eine jun­ge Frau aus New York auf, den Gegen­be­weis anzu­tre­ten. Sie ist ver­rückt, eine Außen­sei­te­rin, sie ist bunt, laut, wild. Sie ist ein Pop­star, der größ­te unse­rer Zeit und ein State­ment gegen die kal­ku­lier­te Lan­ge­wei­le der Musik­in­du­strie: Lady Gaga.

Neue Regeln also, dies behaup­tet der musik­ex­press, stellt Lady Gaga auf. Wel­che Regeln mögen das sein? Unkon­ven­tio­nel­les Auf­tre­ten etwa? Kon­ven­tio­nen sind in der Musik bereits seit etwa Mit­te der 60-er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts kei­ne Fix­wer­te mehr, dies kann’s also nicht sein. Viel­leicht, dass man viel Geld ver­die­nen kann, wenn man nur ein­fach sich mit viel Bedacht von der Krea­ti­vi­tät der Künst­ler längst ver­gan­ge­ner Epo­chen (lies hier: der 80-er Jah­re) inspi­rie­ren lässt und die Quel­le (lies hier: Gwen Ste­fa­ni, Madon­na) wei­se ver­schweigt? Auch das hat man selbst in der Com­pu­ter­bran­che längst ver­in­ner­licht, Apple ist auch bis­her nicht durch Inno­va­tio­nen auf­ge­fal­len und darf sich trotz­dem als ein an Finanz­mit­teln nicht armes Unter­neh­men betrach­tet füh­len.

So sehr ich auch sin­nie­re, es fällt mir par­tout nicht ein, wel­chen beson­de­ren Aspekt an Lady Gaga, der nicht schon vor ihr längst eta­bliert war, die oben­drein auch, anders als etwa Gwen Ste­fa­ni und Madon­na, eini­ger­ma­ßen belie­big und aus­tausch­bar klin­gen­de Ver­se erschal­len lässt, der Zustän­di­ge des musik­ex­press‘, der, das kann natür­lich auch sein!, viel­leicht auch ein­fach nur trotz bes­se­ren Wis­sens ein paar Krö­ten mit der Hoch­sti­li­sie­rung abge­dro­sche­ner Iko­nen zu ver­die­nen gedenkt, was immer­hin auch die wie Kar­nickel aus dem Boden schie­ßen­de bzw. wie Pil­ze sich ver­meh­ren­de Viel­zahl an „40-Jahre-Let-it-be“-Titelseiten inkl. der des aktu­el­len SPIE­GELs erklä­ren wür­de, denn nun genau meint, wenn er begei­stert behaup­tet, Pop als Kul­tur der teu­er ver­kauf­ten Wie­der­ho­lung sei zwar längst tot (für die­se Theo­rie hät­te ich dann übri­gens auch gern mal ein der­art anstän­di­ges Gehalt bekom­men, aber als ich sie jüngst ver­brei­te­te, ern­te­te ich zwar Ver­ständ­nis, jedoch kei­ner­lei dar­über hin­aus gehen­de Güter), Lady Gaga als schreck­lich inno­va­ti­ve, moder­ne Form des Pop jedoch gera­de­zu eine Aus­nah­me­erschei­nung. Ich wer­de mir wohl doch selbst ein Exem­plar zule­gen müs­sen. Schreck­lich, schreck­lich.

(Schreck­lich übri­gens auch: Vor eini­gen Tagen sand­te mir der pre­paid-Mobil­funk­an­bie­ter mei­ner Wahl eine Text­nach­richt, die da besag­te, dass sei­ne Ken­nung, die auf der Anzei­ge­flä­che ent­spre­chend aus­ge­stat­te­ter Mobil­te­le­fo­ne zu erschei­nen pflegt, bin­nen weni­ger Tage, soll­te man das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rät aus- und wie­der ein­schal­ten, geän­dert wür­de. Da ich stets den Besitz von Unge­wöhn­li­chem erstre­be, beschloss ich, die also durch Strom­ver­lust indu­zier­te Ände­rung so schnell wie mög­lich hin­aus­zu­zö­gern; und dann, um es ein­mal jovi­al aus­zu­drücken, ver­gess ich Rind­vieh das Ding unbe­stromt in mei­ner Hosen­ta­sche. Sei’s drum.)

Kaum bekann­te Fak­ten: Weder in Lich­ten­fels noch in Lud­wigs­stadt gibt es ein Gleis 4 zwi­schen den Glei­sen 3 und 5 und in Bad Harz­burg steht eine Fuß­gän­ger­am­pel blöd her­um, die offen­bar nur mit weni­gen Aus­nah­men grün zeigt und wäh­rend­des­sen stän­dig nerv­tö­tend tickt.

PersönlichesSonstiges
Gast­bei­trag: Dem Inge­niör ist nichts zu schwör

Es folgt der ange­droh­te Gast­bei­trag, ver­fasst von dem Blog­ger aus Lin­den. Für Wort­wahl und Inhalt über­neh­me ich kei­ne Haf­tung. Viel Spaß.


Die Markt­hal­le Han­no­vers ist seit mei­ner Schul­zeit mein zwei­tes Zuhau­se. Frü­her war sie der Ort, an dem ich nach dem Besuch der „Bag­gi“ bei ein paar Glä­sern Sekt den näch­sten Schul­tag schwänz­te. Wäh­rend des Stu­di­ums war sie ein belieb­ter Anlauf­punkt in der Mit­tags­pau­se und nach „Fei­er­abend“. Heu­te suche ich sie pri­vat min­de­stens 2 x pro Woche auf, um mich dort mit nahen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, meist mit mei­nem Vater, zu tref­fen. Der eine Ter­min steht immer fest und zwar sams­tags nach dem Floh­markt­be­such.

In der Markt­hal­le wird Poli­tik gemacht (zwei­fel­haf­te Pro­mi­nenz sieht man alle Nase lang wegen der Nähe zum Land­tag). In unse­ren Gesprä­chen dreht es sich aller­dings um alles ande­re als um die von mir ver­ab­scheu­te Poli­tik.

Zur Vor­ge­schich­te des Gesprächs des letz­ten Markt­hal­len­be­suchs:
Mei­ne Eltern zie­hen um. Nicht, dass sie je ihren ange­stamm­ten Wohn­ort ver­las­sen wür­den (genau­so wenig, wie sie je ihren bis­he­ri­gen Inter­net­pro­vi­der wech­seln wür­den; im Gegen­teil: bei dem haben sie kürz­lich den Luxus-High­speed-Sur­fen-mit-bis-zu-25 Mbit/s‑­Non-Plus-Ultra-VDSL-Anschluss gebucht), nein, sie zie­hen bloß eini­ge Stra­ßen­zü­ge wei­ter. Die neue Woh­nung ist rent­ner­ge­rech­ter als die bis­he­ri­ge, die zwar mit einem neu­en Fahr­stuhl aus­ge­stat­tet ist, der aber nur in Anwe­sen­heit eines Tech­ni­kers funk­tio­niert.

Also alles easy, oder? Weit gefehlt! Denn da ist ja noch die Sache mit dem Bade­zim­mer, bes­ser gesagt, das Pro­blem mit dem Klo. Denn die­ser Raum besitzt kein Fen­ster, son­dern einen Luft­ab­zugs­schacht, der allein den Ansprü­chen mei­nes Vaters nicht gerecht wird. Reich­li­ches Lüf­ten im Innen­be­reich der Woh­nung wird dem­nach ober­ste Pflicht sein, die zumin­dest, was allein den Was­ser­dampf angeht, leicht zu bewäl­ti­gen sein dürf­te. Doch was geschieht mit der unver­meid­li­chen und übel­strie­chen­den Abluft?

Mein Vater ist Inge­nieur im Ruhe­stand. Die­se Leu­te haben die berufs­be­ding­te Ange­wohn­heit, für jedes noch so klei­ne Pro­blem umge­hend eine tech­ni­sche Lösung zu prä­sen­tie­ren zu wol­len.
An die­sem letz­ten Sams­tag wur­de nun das Abluft­pro­blem in allen Facet­ten dis­ku­tiert. Nun soll es da eine spe­zi­el­le von einem Syrer ent­wickel­te Toi­let­ten­bril­le geben. High-Tech aus dem Ori­ent sozu­sa­gen. Ein­ge­baut sei ein Elek­tro­mo­tor, der den Mief ansau­ge und ihn in einen Koh­le­fil­ter lei­te. Dort, so heißt es, sol­len die Gerü­che rest­los ver­nich­tet wer­den. Mein Vater war schier begei­stert. Selbst die Kosten in Höhe von rund € 240,- schie­nen ihn nicht abzu­schrecken (bes­ser gesagt: noch nicht; bei mei­nem Vater dau­ert nicht etwa die Umrech­nung des Euro in D‑Mark lan­ge, dafür aber um so län­ger die Regi­strie­rung des höhe­ren Betra­ges im cere­bra­len Cor­tex, was sich meist nach eini­gen Tagen in einem „Don­ner­wet­ter, da war ich platt“ äußert).
Aber mein Vater ist ja „Schlau­fuchs“. Und er kann ja „Inter­net“. Des­halb hielt er mir einen Aus­druck ent­ge­gen, auf dem eine klei­ne Edel­stahl­ku­gel abge­bil­det war. Laut Hin­weis soll die­ses lusti­ge Kügel­chen nach einem paten­tier­ten Ver­fah­ren schlech­ten Geruch ent­fer­nen. Dabei soll die Ober­flä­che der ins Klo gehäng­ten Kugel Schwe­fel und Ammo­ni­ak in Was­ser umwan­deln. Es ent­stün­den geruchs­neu­tra­le Sau­er­stoff­ver­bin­dun­gen. Und der Clou: das gan­ze Teil koste „nur“ rund € 14,-.

Eine Fra­ge blieb noch zu klä­ren: Woher das Teil besor­gen? Ein gebrauch­ter eBay-Arti­kel bleibt wohl aus­nahms­wei­se außer Betracht. Es wur­de der Vor­satz gefasst, in Rich­tung „Bau­haus“ zu gehen, denn selbst, wenn ein­schlä­gi­ge Kauf­häu­ser die­sen Arti­kel besä­ßen: Wie den meist unaus­ge­bil­de­ten Ange­stell­ten klar­ma­chen, wel­chen beson­de­ren „WC-Stein“ man suche? Bis zum „Kauf­hof“ hat­te ich mei­nen Vater noch beglei­tet und konn­te mich dort über das zunächst fra­gen­de und sich dann in Aus­drucks­lo­sig­keit ver­lie­ren­de Gesicht einer Ver­käu­fe­rin der Sani­tär­ar­ti­kel­ab­tei­lung amü­sie­ren:“ Tja, also, ähhh…wenn, dann in der Par­fü­me­rie… .“ Tschüss.

Internes
In eige­ner Sache: Ver­tre­tungs­stun­de

Nicht erschrecken – ich wage ein­mal ein klei­nes Expe­ri­ment: Der näch­ste Bei­trag, der vor­aus­sicht­lich am Sonn­abend ver­öf­fent­licht wird, wur­de erst­mals nicht von mir, son­dern von einem Gast­mu­si­ker Gast­do­zen­ten Gast­schrei­ber ver­fasst, ein­fach, um mal zu gucken, wie es ankommt. Drü­ben bei caschy ist das mit den Gast­bei­trä­gen ja bei­na­he schon Tra­di­ti­on, und was wäre ein halb­wegs anstän­di­ges Nicht­blog, ohne Ideen erfolg­rei­cher Ins­in­ter­net­schrei­ber dreist aus­zu­lei­hen?

Weil Leser die­ser Inter­net­prä­senz bekannt­lich die kri­ti­sche­ren Ver­tre­ter ihrer Zunft sind, ich nun aber auch nie­man­dem das Leben unnö­tig erschwe­ren möch­te, bit­te ich viel­mals dar­um, dem Schrei­ber nicht all­zu unflä­ti­ge Kom­men­ta­re zu spen­die­ren. Die müss­te ich dann nur wie­der weg­ma­chen, und das will ich nicht, ich bin ja nicht in der CDU.

Ich hof­fe, ihr benehmt euch anstän­dig.

NetzfundstückePiratenparteiPolitik
Wer hat uns ver­ra­ten? Die wir­re Leh­re des Vol­ker Beck

Schon gewusst übri­gens? Wir Pira­ten woll­ten gar nicht die Pira­ten in der nord­rhein-west­fä­li­schen Regie­rung sehen, son­dern Rot-Grün, sagt bzw. schreibt der Vol­ker Beck (Grü­ne), und der Vol­ker Beck (Grü­ne) ist Poli­ti­ker und weiß so was!

Die ver­schenk­ten 119.581 Stim­men für die Pira­ten­par­tei und zusätz­li­chen 434.846 Stim­men für die Lin­ke woll­ten, das unter­stel­le ich ihnen nun ein­fach, lie­ber Rot-Grün als Rütt­gers oder gro­ße Koali­ti­on. Sie haben es aber mit ihrem Votum ver­mas­selt. Und weil bei die­sen Sät­zen bei eini­gen der Blut­druck sicher beginnt zu stei­gen sei gesagt: das ist nun kei­ne Beschimp­fung, son­dern eine stra­te­gi­sche Aus­wer­tung des Wahl­sonn­tags. Für mich zählt in der Poli­tik am Ende das Ergeb­nis. Poli­tik um ihrer Selbst­wil­len? Dafür bin ich zu sehr ein Idea­list. Und da tut es mir leid, lie­be Pira­ten. Aber mit euren 1,5 Pro­zent wer­det ihr in NRW kei­nen poli­ti­schen Wech­sel ein­läu­ten. Ihr habt ihn allen­falls ver­hin­dert.

Nett, dass er nach­träg­lich noch „Iro­nie“ an die Zitat­mo­di­fi­ka­ti­on „Wer hat uns ver­ra­ten? Die Pira­ten!“ schrieb; doof nur, dass auch sonst so ziem­lich alles an sei­nem Text schon ein übles G’schmäckle hat. Was die Glaub­wür­dig­keit der Grü­nen betrifft, so möge der geneig­te Leser ein­mal ins Saar­land schau­en, wo die Koali­ti­on mit der Atom­lob­by unauf­fäl­lig voll­zo­gen wur­de. Ja, mit Idea­li­sten haben die Grü­nen nicht mehr viel gemein; kein Wun­der, dass sie die Pira­ten nicht son­der­lich mögen.

(Ich kann ihnen, Herr Beck, per­sön­lich ver­si­chern: Wäre ich in NRW stimm­be­rech­tigt, so hät­te ich selbst mein Mög­lich­stes getan, um Rot-Grün zu ver­hin­dern. War­um Rot-Grün nicht gewählt wur­de? Nun, so lan­ge ist die Regie­rung Schrö­der nun auch noch nicht her. Das Wis­sen um Hegels Dys­to­pie, dass jeder Feh­ler zumin­dest zwei­mal gemacht wird, mag wert­voll sein. Wäh­ler sind aber zwar blöd, jedoch noch nicht blöd genug.)

Ach.

(Apro­pos „ach“ und da ich gera­de über dritt­klas­si­ges deut­sches Export­gut bzw. soeben Dys­to­pien schrieb: Ste­fan Nig­ge­mei­er hat doku­men­tiert, dass Goog­le der gefei­er­ten San­ges­künst­le­rin Lena (inzwi­schen ohne Nach­na­men, lei­der aber auch noch immer ohne Talent) bereits im Jahr 2009 den Sieg beim Grand Prix d’Eurovision de la Chan­son weis­sag­te, als jene noch ande­ren Tätig­kei­ten nach­ging. So kann’s auch gehen.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Micha­el Bal­lack und die ande­ren Pfei­fen

Was außer der Cau­sa Jörg Tauss, des­sen Pro­zess (lesens­wer­te Hin­ter­grün­de gibt es seit Sonn­tag übri­gens hier) gestern begann, hat die Men­schen die­ser Tage noch bewegt? Ach ja: Micha­el Bal­lack („kann … töd­lich gelang­weilt gucken“, Fré­dé­ric Valin, Mai 2010) ver­schont uns mit sei­ner Anwe­sen­heit wäh­rend der kom­men­den Welt­mei­ster­schaft, weil er gefoult wur­de; so weit eine gute Nach­richt. Weni­ger gut ist es, dass dem Ver­ur­sa­cher Kevin Prin­ce Boa­t­eng nun ziel­los Beschimp­fun­gen zuteil wer­den, wie er es wagen kön­ne, im Fuß­ball­sport einen Gegen­spie­ler so zu berüh­ren, dass die­ser ernst­haf­te Schä­den davon­trägt, und über­haupt sol­le er sich bit­te umge­hend aus­wei­sen las­sen, das ist ja wohl nicht zu viel ver­langt!

Mal abge­se­hen davon, dass die­je­ni­gen, die sol­cher­lei schnau­bend in die Welt trom­pe­ten, allen vor­an der unsäg­li­che Franz Josef Wag­ner („Arsch­loch“, F.J.Wagner), die Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft 2010 auf­grund eige­ner Bewe­gungs­un­lust ohne­hin groß­teils von ihrem Sofa/Sessel/Computer aus ver­fol­gen wer­den und Sport­ar­ten wie Fuß­ball („Kon­takt­sport, Du Muschi!“, „fre­val“ auf twitter.com) und Schach nur anhand der Tri­kots von­ein­an­der unter­schei­den kön­nen: Wem scha­det es, wenn ein Micha­el Bal­lack („ein ent­schei­den­der Spie­ler“, gleich­falls Fré­dé­ric Valin, Mai 2010) fehlt? Wel­che wich­ti­ge Mei­ster­schaft hat die deut­sche Mann­schaft mit sei­ner Betei­li­gung zuletzt gewon­nen? Längst ein run­ning gag (ein lau­fen­der Witz also, apro­pos Micha­el Bal­lack) ist es, dass er mehr Zeit auf dem Boden als hin­ter dem Ball ver­bringt, weil er, haha, halt stän­dig hin­fällt. Im Fuß­ball ver­let­zen sich Men­schen nun mal. Die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft besteht, wie schon wäh­rend der letz­ten EM, aus Pfei­fen son­der­glei­chen, jetzt immer­hin aus einer Pfei­fe weni­ger. Wenn die­se Mann­schaft über­haupt ansatz­wei­se eine Final­run­de erreicht, gebe ich mit Ver­gnü­gen jedem Leser, der in annehm­ba­rer Ent­fer­nung sein Dasein fri­stet, höchst­per­sön­lich ein Kalt­ge­tränk aus. Ist dies nicht der Fall, schei­tert die Mann­schaft mit Sicher­heit nicht dar­an, dass ihr ein Micha­el Bal­lack fehlt. Sie schei­tert dar­an, dass ihr ein Kevin Kur­anyi und ein René Adler feh­len. Sie schei­tert dar­an, dass sie statt­des­sen einen Lukas Podol­ski und einen Mario Gomez hat, einen Basti­an Schwein­stei­ger und einen Ste­fan Kieß­ling. Es ist sicher sehr schmei­chel­haft für eine Mann­schaft, wenn ihr Land sich zu einem nicht gerin­gen Teil mit ihr soli­da­ri­siert. Ich möch­te denen, die ver­bis­sen an den Sieg der deut­schen Mann­schaft glau­ben, ihr Welt­bild auch nicht madig reden. Ich mei­ne ledig­lich: Nutella­wer­bung ersetzt kein Talent. Eine Mann­schaft, die schon bei einer EM in ähn­li­cher Zusam­men­stel­lung kei­nen Blu­men­topf gewin­nen konn­te, darf sich bei einer WM, zudem aus­wärts, auf einen län­ge­ren Urlaub freu­en. (Das vor allem Schö­ne an der gan­zen Sache ist es ja, dass wir uns oben­drein nicht auch noch auf die zwei­te Neu­auf­la­ge des ‑zig­mal durch­ge­nu­del­ten „54, 74, 90, 2006“ der Sport­freun­de Stil­ler „freu­en“ müs­sen; auf 2012 und 2014 reimt sich zum Glück nicht mehr viel, ohne das Vers­maß end­gül­tig zu rui­nie­ren.) Na, in Afri­ka ist es wenig­stens warm.

Neu im Vor­stand der Pira­ten­par­tei Deutsch­land ist übri­gens Wolf­gang Dud­da, sei­nes Zei­chens enga­gier­ter „Kämp­fer“ gegen die rechts­kon­ser­va­ti­ve Meu­te hier im Land und jeden­falls mir bis­her nicht ander­wei­tig auf­ge­fal­len. Er pla­ka­tiert „Pira­ten­par­tei gegen Rechts­extre­mis­mus“, ein Mot­to, das das erklär­te Ziel der Pira­ten­par­tei, sich für den Links-Rechts-Unfug man­cher Par­tei­en nicht zu inter­es­sie­ren, unter­gräbt (immer­hin mitt­ler­wei­le nicht mehr mit Anti­fa- statt Pira­ten­flag­ge!), und soli­da­ri­siert sich offen mit der Anti­fa, deren Demo­kra­tie­ver­ständ­nis zumin­dest in mei­nen Augen auch nicht gera­de pira­tig erscheint, und mit den Urhe­bern ver­fas­sungs­feind­li­cher Aktio­nen wie bspw. des neu­er­dings ziem­lich ver­brei­te­ten, dadurch aber kei­nes­falls weni­ger wider­li­chen Blockie­rens legi­ti­mer Demon­stra­tio­nen. Pira­ten sind fried­lich! Auch sonst scheint sein ein­zi­ges poli­ti­sches Wir­ken dar­in zu bestehen, die NPD irgend­wie doof zu fin­den und der Anfän­ge zu weh­ren. Und für so ein enges Pro­gramm bekommt man auf Bun­des­par­tei­ta­gen der Pira­ten­par­tei aus­rei­chend Zustim­mung? Gera­de hat sich die Par­tei­ba­sis dar­über gefreut, dass ein „Spin­ner“ (Johan­nes B., 12. Febru­ar 2010) mit zumin­dest frag­wür­di­ger poli­ti­scher Denk­wei­se frei­wil­lig aus dem Vor­stand drau­ßen ist, jetzt ist der näch­ste drin. (Viel­leicht, dies hof­fe ich ins­ge­heim bzw. nun­mehr offen, auch nur, damit er Ruhe gibt; immer­hin ist er ledig­lich zum Bei­sit­zer gewählt wor­den.) Und dann ver­linkt der gute Herr Dud­da auch noch den Pira­ten­ko­dex auf sei­ner Inter­net­sei­te, und dar­in steht unter ande­rem dies: Pira­ten weh­ren sich ent­schie­den dage­gen, mit gewalt­be­rei­ten Ran­da­lie­rern in Zusam­men­hang gebracht wer­den, da sie das kom­plet­te Gegen­teil davon dar­stel­len. Er hät­te den Kodex viel­leicht bes­ser vor­her lesen sol­len.

Auch, wenn ich mich wie­der­ho­le, jeden­falls: Ich per­sön­lich betrach­te uns Pira­ten eben­so wie bspw. Anony­mus „lex­ing­ton“ als Bewe­gung, die bes­se­res zu tun hat als sich mit irgend­wel­chen Ewig­gest­ri­gen um die Vor­herr­schaft auf der Stra­ße zu prü­geln. Pira­ten sind kei­ne Fas, Anti­fas oder Anti­an­ti­fas und wol­len mit die­sen nichts zu tun haben. Pira­ten sind nicht die Lin­ke mit Lap­tops. Pira­ten sind wir, und das las­sen wir uns nicht neh­men. Für Frei­heit und Demo­kra­tie! Aber dann bit­te kon­se­quent.

Sonstiges
Ich will auch Por­no sein!

Als ich heu­te wie­der ein­mal eine Teil­strecke der wochen­täg­li­chen Heim­fahrt mit dem Zug zurück­leg­te, wur­de ich Ohren­zeu­ge eines Gesprä­ches zwei­er Jung­da­men, die ich lei­der nicht beob­ach­ten konn­te; mit pas­sen­den Bil­dern vor Augen wäre das Amu­se­ment ver­mut­lich noch erhöht wor­den.

Es spra­chen die bei­den Jung­da­men also auf­ge­regt über Klei­dungs­sti­le, und mit­ten­drin plap­per­te die eine „so“ wört­lich: „Por­no­bril­len ste­hen mir bes­ser, ne?“

Dar­auf­hin folg­te eine eben­falls geplap­per­te Erklä­rung der Mit­rei­sen­den, die ich hier nicht wie­der­ge­ben kann – es ging ein­fach zu schnell. Was eine Por­no­bril­le jedoch unge­fähr sein soll, erklärt freund­li­cher­wei­se das Inter­net viel­fach; es han­delt sich also schlicht um einen ande­ren Namen der unter ande­rem von dem unglaub­lich wit­zi­gen Atze Schrö­der in den letz­ten Jah­ren wie­der popu­lär gemach­ten Flie­ger­bril­le, und ohne­hin: Por­no­bril­len sind “in”, wor­in auch immer, und “tren­dig”!

Was nun also einst­mals der Play­boy­ha­se sein durf­te, ist heu­te die Flie­ger­bril­le. Wer­den­de Frau­en also, die es spa­ßig fin­den, sich selbst mit Insi­gni­en männ­li­cher Trieb­haf­tig­keit zu schmücken, sind heu­te an der Tages­ord­nung. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­wun­dert es aller­dings auch nur wenig, wenn man mit­un­ter Zeu­ge wird, wie sich zwei Exem­pla­re die­ser Gat­tung gegen­sei­tig mit Syn­ony­men für ein leich­tes Mäd­chen begrü­ßen.

Sau­fen, kok­sen, Grup­pen­sex
Das ist unse­re Welt (…)
Wir sind Schlam­pen der Nati­on
Wir lie­ben unse­re Rol­le

– Tic Tac Toe: Ist der Ruf erst rui­niert…

(Und wie ich gera­de die­sen Text her­aus­su­che, stel­le ich fest, das Stück ist auch schon wie­der 10 Jah­re her; herr­je, und ich kom­me mir plötz­lich wie­der so schreck­lich alt vor.)

Auch mal nett: Just, als ich aus dem besag­ten Zug aus­stieg, ertön­te über­flüs­si­ger­wei­se am Bahn­steig eine Durch­sa­ge, dass der Zug, in dem ich saß, Ver­spä­tung habe. Das erklärt zumin­dest für mich ver­ständ­lich die eigen­ar­ti­ge Zeit­rech­nung der Bahn; wenn halt der, der die Durch­sa­gen fabri­ziert, selbst wie einst Ius­ti­tia blind sein Werk ver­rich­tet.

KaufbefehleMusikkritik
My Own Pri­va­te Alas­ka – Amen

Was mir übri­gens gera­de durch die Kopf­hö­rer don­nert, ist das 2010 erschie­ne­ne Album „Amen“ des Tri­os „My Own Pri­va­te Alas­ka“, das sich selbst als „M.O.P.A.“ abkürzt. Obwohl von melo­di­schem Gesang, übli­cher­wei­se eines mei­ner wich­tig­sten Kri­te­ri­en bei der Bewer­tung von Musik, kei­ne Rede sein kann, der Front­mann viel­mehr eine zunächst recht wild erschei­nen­de Melan­ge aus hei­se­rem Geschrei und sanf­ten Emo­tio­nen, die mal an bspw. Limp Biz­kit, mal an Ville Valo erin­nert, ertö­nen lässt, hat die­se Grup­pie­rung sich doch bereits einen Platz auf der noch fer­tig­zu­stel­len­den ersten Halb­jah­res­rück­schau 2010 gesi­chert.

Musik wie die, die My Own Pri­va­te Alas­ka pro­du­zie­ren, hat man so irgend­wo, so glaubt man, schon ein­mal gehört; irgend­wo zwi­schen Film­mu­sik, Folk-Metal und Klas­sik schwelt die Atmo­sphä­re ent­lang. Die Beset­zung hin­ge­gen hat’s in sich: Auf Bass und Gitar­re wird ver­zich­tet, zum Ein­satz kom­men allein Schlag­zeug und Kla­vier. Die Eigen­wer­bung stellt muti­ge Ver­glei­che an:

Bass und Gitar­re wur­den bei­sei­te­ge­las­sen um einen gan­zen neu­en, musi­ka­li­schen Stil zu kre­ieren: Eine unheil­vol­le Ver­bin­dung zwi­schen Cho­pin, Nir­va­na, Dan­ny Elf­man und Envy, irgend­wo in Alas­ka!

Nun ken­ne ich, mea cul­pa, weder Dan­ny Elf­man noch Envy aus­rei­chend gut, um dies zu beur­tei­len. Fest steht jedoch, dass die unge­wöhn­li­che Beset­zung, die beim Lesen ver­mut­lich all­zu auf­re­gend nun nicht klingt, indes mehr action zu erzeu­gen weiß als man­che die­ser lei­der noch immer im Trend lie­gen­den teen-pop-Murks­grup­pie­run­gen.

Herr­li­che Musik mit künst­le­ri­schem Anspruch, ohne dabei all­zu mas­sen­in­kom­pa­ti­bel zu sein. Men­schen mit New-Wave-Tick ist’s, zuge­ge­ben, mit­un­ter ein wenig zu hek­tisch, neh­me ich an. Für alle ande­ren, ins­be­son­de­re für die, die auch gegen expres­si­ven Gesang und redu­zier­te Instru­men­tie­rung kei­nes­falls grund­sätz­lich etwas ein­zu­wen­den haben, spre­che ich hier­mit eine kla­re Rein­hör­emp­feh­lung aus. Wenn’s gefällt: Unbe­dingt kau­fen!

PersönlichesLyrik
Von dir, hicks. (Frei inter­pre­tier­bar.)

Das trü­be Wet­ter ver­mag nicht zu ver­ber­gen, dass im Her­zen die Son­ne scheint. Hät­te ich je gelernt zu pfei­fen, mei­ne Lip­pen wären längst ver­trock­net. „Weil wir oben auf sind und trocken hin­ter den Ohren“ (The Hirsch Effekt) bzw. eben der sehn­li­che Wunsch, bald­mög­lichst zurück­zu­keh­ren (lies: gar nicht erst auf­zu­bre­chen; „to lea­ve“ heißt es im Eng­li­schen ver­mut­lich auch nicht zufäl­lig).

Von dir bin ich betrun­ken,
weil du die See­le wärmst;
aus dir ent­sprin­gen Fun­ken,
als mal­te dich Max Ernst.

Von dir bin ich bedröhnt,
weil du die Dro­ge bist,
nach der sich jeder sehnt,
die man nicht mehr ver­gisst.

Von dir bin ich bene­belt,
weil du mein Sein umgibst,
und ob es stürmt, ob Schnee fällt,
mir geht es gut; du liebst.

Von dir bin ich benom­men,
weil du wie Pro­zac wirkst;
das Welt­ende kann kom­men,
so lan­ge du mich birgst.

(Von dir werd ich bekloppt,
weil ich nicht wei­ter weiß,
und wenn mich kei­ner stoppt,
ent­führ ich dich ins Para­deis.
Echt jetzt und so. Ohne Scheiß.)

Bezeich­nen­des Ereig­nis des heu­ti­gen Tages im ÖPNV: Ein Mann unter­hält sich mit dem Fahr­zeug­füh­rer über die gest­ri­gen Fuß­ball­spie­le, die er im Sport­stu­dio ver­folg­te. In der Gegen­wart begei­ster­ter Sofasport­ler fühlt man sich gera­de­zu welt­mei­ster­lich.

MusikSonstigesNetzfundstücke
Hol dir jetzt die tren­dy Scheiß­win­del auf dein Mobild­ings!

Törich­ter Tor, der ich bin, ver­fiel ich soeben auf die Idee, mal wie­der Klin­gel­ton­wer­bung zu kon­su­mie­ren, da sich schon all­zu lan­ge kei­ne mehr wider­recht­lich in mein Gehirn zu fres­sen frei­wil­lig ver­sucht hat. Das war eine gar nicht mal all­zu blö­de Idee, denn wie lau­te­te der Titel des sim­pel ani­mier­ten Vide­os, das zur Unter­ma­lung dien­te?

„Stin­ka Stin­ke­song“.

Was mir, vor Lachen nur noch ein­ge­schränkt auf­nah­me­fä­hig, vom Text dann noch in den Ver­stand drang, war, dass die däm­lich aus­se­hen­de Figur dar­über sang, dass sich in ihrer Win­del eine beträcht­li­che Men­ge Eigen­ver­dau­tes befand. Ich wür­de die­ses Video hier gern bereit­stel­len, um mein dum­mes Gesicht auch mit ande­ren zu tei­len, aber ich wur­de bis­lang nicht fün­dig; das ist aller­dings ver­mut­lich auch bes­ser so.

(Wie man halt auf so Sen­dern eini­ges als song bezeich­net, was die mir bekann­te Defi­ni­ti­on eines Sing­stückes nicht ein­mal par­ti­ell erfüllt. Ein song ist ein Lied, aber ein Lied ist kein Instru­men­tal- oder Rap­stück; daher ver­mut­lich auch das Sprich­wort: „Böse Men­schen haben kei­ne Lie­der“. Hey, das klingt wie ein coo­ler Song von Bushi­do, ey. Mei­ne Fres­se.)

Rein inter­es­se­hal­ber gefragt: Wie­so, zum Gei­er, zah­len Men­schen hart ergau­ner­tes Geld dafür, dass bei jedem Anruf eine ver­zerr­te Stim­me irgend­ei­nen Unsinn von vol­len Win­deln singt? Ich bin besorgt.


Mathe­ma­ti­scher, poli­tisch inkor­rek­ter Bild­witz zum Wochen­start:

(Und falls sich jemand über die „Like“-, also „Mög“-Grafik unter den Bei­trä­gen wun­dert: Ich expe­ri­men­tie­re gera­de ein wenig mit des Nacht­wäch­ters Face­book-Script. Ich hof­fe, ich erzeu­ge damit nicht all­zu viel Ver­wir­rung.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Tag der Kon­fe­ren­zen

„Aber Strup­pi, liest du denn kei­ne Zei­tung?“ (Tim, c/o „Tim und Strup­pi“, Super RTL, etwa 20:30 Uhr); heu­te und mor­gen hält die Pira­ten­par­tei Deutsch­land ihren Bun­des­par­tei­tag 2010, auf Twitter.com als Ticker hier zu fin­den, ab und ent­schei­det der­weil über Zukunft und Aus­rich­tung der Par­tei wie auch über gestell­te Anträ­ge jed­wel­cher Art. Ein, wie ich mei­ne, gutes Zei­chen ist es, dass Jens Sei­pen­busch, See­le und Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur der Par­tei, in sei­ner Posi­ti­on als Par­tei­chef bestä­tigt wur­de. Von einer Ten­denz der Pira­ten­par­tei zur Belie­big­keit, wie sie mit­un­ter gewünscht wird, ist unter sei­ner Füh­rung nicht aus­zu­ge­hen.

Amü­sant indes ist neben dem merk­wür­di­gen Zeit­punkt für den Rück­tritt Aaron Koe­nigs die Per­so­na­lie Andre­as Popp: Ein gro­ßes Geschrei ertön­te im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res, als jener der Zeit­schrift „Jun­ge Frei­heit“ ein Gespräch gewähr­te, sich nicht bewusst des­sen, dass es sich um eine Zeit­schrift des rech­ten poli­ti­schen Spek­trums han­del­te. „Par­tei­aus­schluss!“, „Pira­ten sind Nazis!“, „Nie wie­der Pira­ten!“ und der­lei wur­de skan­diert, weil es ein Pirat wag­te, für sei­ne Mei­nung ein­zu­ste­hen, nach­zu­le­sen unter ande­rem hier. Und was ist das Ergeb­nis?

Andre­as Popp mit 52,1% zum stellv. Vor­sit­zen­den gewählt.

Dies zeigt doch zumin­dest: Wer am lau­te­sten schreit, hat am wenig­sten recht, und Pro­gno­sen sind Fir­le­fanz. Apro­pos Schrei­häl­se: Lena Simon, bekannt­lich Initia­to­rin der unsäg­li­chen „Piratinnen“-Kampagne, hat es sich eben­falls nicht neh­men las­sen, noch mal über ihr Lieb­lings­the­ma, „War­um die sexi­sti­sche Pira­ten­par­tei gefäl­ligst Pira­tin­nen­par­tei hei­ßen soll“, zu reden, was die anwe­sen­den Pira­ten bekannt­lich längst satt haben; und was zitie­ren die übli­chen Pira­ten­ver­riss­blogs? So etwas.

Dass Frau Simons End­los­lei­er, es sei ein unhalt­ba­rer Zustand, dass es in einer Par­tei kei­ne strik­te Geschlech­ter­tren­nung (womög­lich also, wie etwa bei den schreck­li­chen Grü­nin­nen üblich, eine Frau­en­för­de­rung) gibt, nach all der Vor­ge­schich­te (wir erin­nern uns: Nicht auto­ri­sier­te Pres­se­mit­tei­lung, Gesprä­che mit taz und Spreeblick.com, nur kei­ne kon­struk­ti­ve Rück­spra­che mit der Par­tei­ba­sis, die ihr mehr­heit­lich schlicht den Vogel zeig­te) nur mehr stört, löst zumin­dest in mir kei­ne Ver­wun­de­rung aus.

Auch hübsch ist natür­lich dies, etwa gleich­zei­tig gesche­hen:

Ärger auf dem Öku­me­ni­schen Kir­chen­tag: Die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Käß­mann hat die Anti­ba­by­pil­le als „Geschenk Got­tes“ bezeich­net – und damit die katho­li­schen Bischö­fe ver­är­gert. Deren Vor­sit­zen­der Zol­lit­sch wies die Deu­tung ent­schie­den zurück.

War­um aus­ge­rech­net Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­che Schwie­rig­kei­ten damit haben, Emp­fäng­nis­ver­hü­tung gut­zu­hei­ßen, erscheint mir all­mäh­lich nicht mehr sehr ver­ständ­lich, kön­nen doch ihre Part­ner ohne­hin sel­ten schwan­ger wer­den; sei’s drum.

In den NachrichtenNerdkramsPersönliches
Erleb­nis­se zum Wochen­en­de aus Leben und Fern­se­hen (inkl. Goog­le-Faux­pas)

Ich dis­ku­tier­te vor­hin über die Rol­le der stän­dig wei­nen­den Frau in der Serie „Ghost Whispe­rer“, aus­ge­löst durch ihre Wort­wahl, es sei ihr „Job“ („dschooobb“, schreck­li­ches Wort eigent­lich), Men­schen hin­ters, äh, „ins Licht“ zu füh­ren. Wie genau nennt man so einen Men­schen bzw. sei­nen Beruf? Ich schlug ja „Luzi­fer“, „Licht­brin­ger“, vor, den Witz hat aber kei­ner ver­stan­den. (Apro­pos Witz: An einer Hal­te­stel­le lag kürz­lich ein Turn­beu­tel her­um. Das erste Relikt eines Turn­beu­tel­ver­ges­sers, das mir je unter­ge­kom­men ist. Fand ich lustig.)

Ein wenig Furcht berei­te­te mir dann übri­gens auch die­se Mel­dung. Wie all­ge­mein bekannt sein dürf­te, fährt die Fir­ma Goog­le seit einer Wei­le mit Kame­ras durch die Stra­ßen und filmt unge­fragt Pri­vat­ei­gen­tum; wer ein Pro­blem damit hat, so Goog­le, darf sich gern hin­ter­her zwecks Anony­mi­sie­rung mel­den. Sehr groß­zü­gig. Seit April wer­den neben Foto­gra­fien auch Funk­net­ze erfasst, soll hei­ßen: Wer einen Funk­rou­ter im Haus hat, der nach drau­ßen funkt, wird auf der Street-View-Kar­te ent­spre­chend gekenn­zeich­net. „Selbst schuld, wer sich nicht absi­chert“, auf dass fort­an jeder selbst schuld sei, wenn er nicht den gan­zen Tag einen Blei­man­tel trägt.

Nun aber kam über die Erfas­sung von Funk­net­zen fol­gen­des her­aus:

Nach den Anga­ben des Unter­neh­mens wur­den von offe­nen WLAN-Funk­netz­wer­ken auch soge­nann­te Nutz­da­ten gespei­chert, bei­spiels­wei­se Frag­men­te von E‑Mails oder Inhal­te von abge­ru­fe­nen Web­sei­ten.

Jetzt wird es aben­teu­er­lich: Darf man wild ver­öf­fent­li­chen, was eh „rum­liegt“? Goog­le hat sich dafür ent­schul­digt, den­noch bleibt die Stra­te­gie die­sel­be: Was nicht expli­zit ver­bo­ten ist, gilt als erwünscht. Ande­rer­seits wäre so auch der „Schutz gei­sti­gen Eigen­tums“ hin­fäl­lig, denn gei­sti­ges Eigen­tum, um es ein­mal salopp aus­zu­drücken, liegt auch meist offen her­um. (Es sei denn, man ist Sony, denn dort sucht man nach Geist­vol­lem ver­ge­bens, wie es scheint.) Und dann war es aber immer­hin ein, äh, Ver­se­hen von Goog­le:

In das Pro­gramm sei aus Ver­se­hen auch ein Code aus einem ande­ren Pro­jekt eines Pro­gram­mie­rers ein­ge­flos­sen, (…).

Nur, damit da kein Miss­ver­ständ­nis auf­tritt: Ein Code, der ver­se­hent­lich über gefun­de­ne WLAN-Net­ze mit­ge­schnit­te­ne Trans­fer­da­ten ver­se­hent­lich kopiert, ist Teil eines ande­ren Pro­jekts von Goog­le?
Die­ser Kon­zern macht mir täg­lich mehr Sor­ge.

(Was genau, Fa. Zen­tis, kenn­zeich­net eigent­lich die in der Fern­seh­wer­bund geprie­se­ne „sam­ti­ge Mar­me­la­de“? Muss man die mit der Hand waschen? Fra­gen über Fra­gen!)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XVII: Kusche­li­ger Hei­ner Geiß­ler, dum­me Jungs

Zwei schö­ne Schlag­zei­len, die mir heu­te durch den Ticker getickert wur­den:

Erstens: Hei­ner Geiß­ler schlägt Auf­lö­sung der FDP vor. „Schwarz-Gelb ist völ­lig über­holt und ein Pro­jekt von vor­vor­ge­stern“, dies sprach der CDU’­ler, und da muss ich ihm zustim­men, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob er damit eben­falls meint, dass die­ser Staat kein Schwarz im Par­la­ment mehr sehen kann. Fast bezweif­le ich es.

Ande­rer­seits ist es natür­lich auch eher frag­wür­dig, was von Herrn Geiß­lers Mei­nung noch zu hal­ten ist; WELT.de, anson­sten doch eher als kon­ser­va­ti­ves Mei­nungs­blatt bekannt, näm­lich wei­ter:

Auch an ande­rer Stel­le konn­te es der 80-Jäh­ri­ge nicht las­sen, gegen die FDP zu stän­kern und kuschel­te am Ende lie­ber mit der SPD von Hans-Jochen Vogel (84). (Ist das nicht süß?) (…) „Die Mehr­heit der Men­schen woll­te doch gar kei­ne Steu­er­sen­kun­gen“, erreg­te sich der Christ­de­mo­krat und tipp­te sich mit dem Fin­ger gegen die Stirn, um sei­ne Mei­nung zu dem FDP-Vor­stoß gesten­reich zu unter­strei­chen.

Rich­tig; wer will das schon?

Zwei­tens dann aber dies:

Jun­gen stel­len über 60% der Son­der­schü­ler. Sie haben die signi­fi­kant höhe­re Schul­ab­bre­cher­quo­te und die signi­fi­kant nied­ri­ge­re Abitur­quo­te. Der Anteil männ­li­cher Schü­ler in Gym­na­si­en sank von 56% im Jahr 1970 auf 43% im Jahr 2006. Der Bil­dungs­be­richt der Stadt Frei­burg spricht sogar von ledig­lich nur noch 40% Anteil männ­li­cher Schü­ler mit all­ge­mei­ner Hoch­schul­rei­fe

(via)

Man muss schon ein ziem­lich sexi­sti­sches Arsch­loch sein, um ange­sichts die­ser Zah­len noch von einer „Benach­tei­li­gung von Mäd­chen“ zu reden und für „geziel­te Frau­en­för­de­rung“ ein­zu­tre­ten.

Es ist zum Kot­zen.

PersönlichesFotografie
Vom Bord- zum Rinn­stein und zurück: Ein Rei­se­be­richt, ange­for­dert und gelie­fert.

Da man mich so zahl­reich dar­um gebe­ten hat, folgt die ange­droh­te und teil­wei­se kor­ri­gier­te Abschrift mei­ner Rei­se­no­ti­zen mit weni­gen Foto­gra­fien. Wer die Sta­tio­nen, hier mit ihrer Initi­al­ma­jus­kel und dem fol­gen­den Buch­sta­ben abge­kürzt, errät, bekommt ein Fleiß­bi­en­chen.


Vi. bis Ha.:
Auf der Fahrt von Vi. bis Ha. sitzt eine Grup­pe Senio­ren im Abteil, offen­bar auch in dem anlie­gen­den. Zwi­schen dem mei­nen und dem ande­ren wan­deln zwei nicht viel jün­ge­re Frau­en umher und fra­gen die Senio­ren bis­wei­len, ob die­se Inter­es­se an einem wei­te­ren Keks hät­ten. („Wie sieht’s hier aus? Noch’n Keks?“) Kein schö­nes Leben. (Hat eigent­lich schon mal jemand einen Witz über die frän­ki­sche Schweiz und die Namens­ähn­lich­keit zu Schwei­zer Fran­ken gemacht? Falls ja: Mist!) Je näher der Zug Ha. (mit­hin auch Le.) kommt, desto deut­li­cher wird der Dia­lekt des Zug­füh­rers. Immer­hin.

Ha. bis Le.:
Vor mir sitzt ein Mann, der einen Zun­gen­schnalz­tic hat. Nervt nach einer Wei­le. Ich set­ze mei­ne Kopf­hö­rer auf und lau­sche den Klän­gen der Wise Guys. Doo­fe Idee – zu spät höre ich das Klin­geln des Mobil­te­le­fons. Also zurück­schrei­ben, sich viel­mals ent­schul­di­gen, die Kopf­hö­rer abset­zen und auf den erneu­ten Anruf war­ten. Sicher ist sicher.

Le. bis Pl.:
Ich müss­te mich mal umzie­hen, das Sweat­shirt wird all­mäh­lich unge­müt­lich. Aber hier im Abteil? Lie­ber nicht. Die Zug­be­glei­te­rin spricht Hoch­deutsch. Uff! Dafür kann sie sich bei der Fahr­kar­ten­kon­trol­le nicht zwi­schen Frän­kisch und Säch­sisch ent­schei­den. (Vor­her noch mal die Toi­let­te auf­ge­sucht; mit T‑Shirt geht’s mir direkt viel bes­ser.) Ich will einen kur­zen Text, beinhal­tend das Wort „belü­gen“, über das Mobil­te­le­fon ver­schicken, T9 schlägt statt­des­sen „bekuhen“ vor. Schwei­ni­sches Gerät. Aus dem Laut­spre­cher ertönt wie­der eine Stim­me, und mein Magen mel­det sich zu Wort. Schlech­ter Zeit­punkt alle­mal.

Pl. bis Nü.:
Da unten auf dem Fluss pad­deln Men­schen in Pla­stik­ka­nus. Sieht anstren­gend aus. (Argh, ich muss noch mein Mobil­te­le­fon mit Geld bestücken. Aber erst mal Musik. Gera­de läuft Lap­ko: A New Bohe­mia. Komi­sches Album.)

In Nü.:
Nü. hat meh­re­re Tabak- und Lot­to­ge­schäf­te, McDonald’s, Bur­ger King, diver­se wei­te­re Fress­bu­den, aber kei­ne Dro­ge­rie in Sicht­wei­te. Mist­kaff. (Da schlen­dert gera­de jemand an mir vor­bei, starrt auf mein Pira­ten­shirt und kommt mir irgend­wie bekannt vor. Komisch.)

Nü. bis Tr. (kann mir den Orts­na­men bis heu­te nicht mer­ken):
Juhu, die erste Ver­spä­tung auf der Fahrt bis­her! „Die Abfahrt wird sich um unge­fähr fünf Minu­ten ver­zö­gern“, au weia; bei plan­mä­ßi­gen fünf Minu­ten Umstiegs­zeit am Ziel­ort könn­te das Pro­ble­me geben.
Ein Mensch, nur weni­ge Rei­hen vor mir, tele­fo­niert über den Laut­spre­cher sei­nes Mobil­te­le­fons. The­ma: Die Nürn­ber­ger Pro­zes­se. Schön. Ich ver­ste­he nur Gequä­ke. Ah, wir sind da.

Tr. bis Au.:
War­um pala­vert die Bahn erst von fünf Minu­ten Ver­spä­tung und kommt dann eine Minu­te zu früh an? Mein armes Herz. Apro­pos „mein armes“: Der komi­sche neue Zug piept schlim­mer als der Feu­er­alarm zu Hau­se, sobald jemand die Tür öff­net. Also stän­dig. Mein armes Gehör. Gegen­über spie­len sich Dra­men ab. Ein Män­ner­quar­tett fährt schwarz, weil ein Zech­kum­pan betrun­ken die Fahr­kar­te nicht an einem ver­ein­bar­ten Ort hin­ter­legt hat. Einer von hat eine recht impo­san­te Stim­me. Also wie­der Musik an.
Hübsch: Die Bahn zeigt die Aus­stiegs­sei­te mit­tels Pfei­len an. „Wir ver­ab­schie­den uns von allen Fahr­gä­sten, die wo in Au. aus­stei­gen“, allein die­ser Satz ist eine Erwäh­nung wert.


In Au.:

Das Feh­len von Prä­po­si­tio­nen spar­te womög­lich umständ­li­ches Nach­den­ken beim Ent­wer­fen der Hin­weis­ta­feln, aber lädt doch zumin­dest zum Schmun­zeln ein.


Au. bis In.:
Merk­wür­di­ger Kon­trol­leur. Lässt mich mei­nen Fahr­schein unter­schrei­ben und kon­trol­liert ihn weni­ge Minu­ten spä­ter noch mal. Seit­dem sitzt er da und starrt mich an. Angst. Vor oder hin­ter mir quäkt Rihan­nas unver­meid­li­ches „Umbrel­la“ aus Laut­spre­chern, die offen­bar nicht dafür gedacht sind.

In. bis Nü.:
„Ich hab mich von ihm getrennt, aber ich glaub, wir sind wie­der zusam­men, wie’s aus­schaut“, spricht eine Frau vor mir in ihr Mobil­te­le­fon; äh, aha.

In Nü.:
Auf dem Bahn­hof läuft eine alte Frau her­um, fuch­telt mit den Armen und ruft: „Nein, nein, nein, …“. Selt­sam. Habe eine Dro­ge­rie gefun­den, will aber nichts mehr kau­fen. Selbst schuld, wenn sie die ver­stecken.

Nü. bis Li.:
Mäd­chen, die ande­re Mäd­chen mit „Hihihi“ (wie man’s schreibt, nicht etwa tran­skri­biert) begrü­ßen, wir­ken son­der­bar auf mich. Der Zug fährt durch die Stadt, in der ich einst ver­such­te, die Bedeu­tung der Lie­be zu erfah­ren. Memo­ries.
Auch mal hübsch: Die Bahn­steig­durch­sa­ge ver­sagt. Wenn mit­ten im Satz Wör­ter auf­tau­chen, die dort nicht hin­ge­hö­ren („ztrtx“), erweckt das einen inter­es­san­ten Ein­druck.

In Li.:
End­lich raus aus die­sem stin­ken­den Zug mit den manu­ell zu öff­nen­den Türen. Wobei; end­lich mal wie­der bewähr­te Tech­nik. Aber der Geruch!

Li. bis Na.:
Mer­ke: „5 Minu­ten spä­ter“ bedeu­tet „viel­leicht sind wir frü­her da, spä­ter weg oder bei­des, manch­mal auch nichts“. Erst mal Gum­mi­zeug fut­tern. Stress. Drau­ßen hop­pelt ein Hase. (Eine hal­be Stun­de regu­lä­rer „Auf­ent­halt“ ist natür­lich auch nicht mein Fall.) War­um die Hal­te­stel­le Je. Para­dies aus­ge­rech­net Para­dies heißt, weiß wohl auch nur die Schlan­ge in dem­sel­ben. Auf der Saa­le schwimmt ein Schwan. Mist­wet­ter.

In Na.:
Aus 4 Minu­ten Ver­spä­tung sind 6 gewor­den, sprach die Stim­me im Laut­spre­cher kurz zuvor. Ren­nen!

Na. bis Ha.:
Geschafft. Platz suchen. Platz gefun­den, uff. Kin­der­krä­hen. Ich muss aufs Klo, bevor­zugt schall­dicht. (Oder doch wie­der Musik?)

Ha. bis Vi.:
Klo gefun­den, aber ohne­hin kein krä­hen­des Kind mehr in Hör­wei­te.

In Vi.:
Etwa 50 Minu­ten Auf­ent­halt auf einem Bahn­hof sind für mich Stö­ber­freu­di­gen meist ein Grund zur Freu­de; es sei denn, es ist spät­abends an einem Sonn­tag und der Welt­geist fin­det es lustig, mich auf einem „histo­ri­schen“ Bahn­hof in einem furcht­bar lang­wei­li­gen Ort aus­zu­set­zen, der eigent­lich nur sei­ne Archi­tek­tur, sie­he Foto, und ein paar blö­de histo­ri­sche Eisen­bah­nen vor­zu­wei­sen hat. Eigent­lich eine Markt­lücke: Hier einen Kiosk hin­stel­len. Na, viel­leicht spä­ter. (War­um eigent­lich hat mein Schat­ten, von hin­ten betrach­tet, kei­nen Hals?) Und schon wie­der: Memo­ries. Erwä­ge Sprung von der Fuß­gän­ger­brücke, bin aber zu fei­ge.


Einen aus­führ­li­chen Bericht mei­nes eigent­li­chen Auf­ent­halts, der im Wesent­li­chen aus Ent­span­nen, Film­gucken und einem doo­fen Gesichts­aus­druck bestand und somit für Außen­ste­hen­de noch weni­ger inter­es­sant sein dürf­te als die eigent­li­che Zug­fahrt, erspa­re ich euch, lie­be Leser; ich neh­me an, all­zu vie­le Tex­te die­ser Art wir­ken ohne­hin eher ein­schlä­fernd. Herz­lichst ent­schul­di­gen möch­te ich mich bei allen Lesern, die von mir lie­ber die übli­chen sati­ri­schen Ana­ly­sen des Welt­ge­sche­hens lesen wür­den; par­don, spä­ter mehr. Ich hof­fe, die­je­ni­gen, die an die­sem Text inter­es­siert waren, sind nun voll­ends zufrie­den. Falls ja: Gern gesche­hen!