Musik
I can’t stand the cover song against my win­dow. (Wer ist Oma­ri­on?)

Da schlen­de­re ich gemüt­lich durch die Gän­ge mei­nes favo­ri­sier­ten Kof­fe­in­fach­han­dels und höre erschreckt eine mir noch unbe­kann­te Ver­si­on des vor allem in der Inter­pre­ta­ti­on von Tina Tur­ner bekannt gewor­de­nen Lie­des „I can’t stand the rain“, das unge­fähr so geht: „I can’t stand the raiiiii­in / against my win­dow / DÄÄ DÄÄ DÄ / brin­ging back sweet memo­ries.“

Und da ich also dar­über brü­te­te, wie ich die­ses ver­meint­li­che Sakri­leg (dass auch Frau Tur­ner das Lied nur nach­sang, habe ich erst spä­ter her­aus­ge­fun­den; mea cul­pa) vor Wut schäu­mend, aber leser­freund­lich ver­wur­sten könn­te, fiel mein Blick auf eines der Pla­ka­te, die offen­sicht­lich säcke­wei­se an Stra­ßen­ecken geklei­stert wur­den. Vira­les Mar­ke­ting wur­de betrie­ben, was meist auf feh­len­de Bekannt­heit des zu Ver­mark­ten­den hin­deu­tet, und so auch in die­sem Fall.

Die Pla­ka­te bewar­ben einen Künst­ler namens Oma­ri­on („OMARION“), des­sen Kon­ter­fei, das eben­falls abge­bil­det war, man sich unge­fähr so vor­zu­stel­len hat wie das, was man sich ver­mut­lich spon­tan vor­stellt, wenn man an einen typi­schen R&B‑Musiker den­ken soll. „Oma­ri­on“ („OMARION“), denkt ihr jetzt wahr­schein­lich, „der Oma­ri­on?“ Ja, genau der Oma­ri­on soll­te es sein, und so kün­dig­te das Pla­kat auch fröh­lich sei­ne Top­hits („TOP HITS“, nur echt in Majus­keln und mit Dep­pen Leer­zei­chen ca. mit­ten­drin) an, dar­un­ter so nam­haf­te Klas­si­ker wie „ICEBOX“, „BUMP BUMP BUMP“ „u.v.m.“, alle­samt also offen­bar recht lau­te, womög­lich gebrüll­te Musik­stücke, all dies „prä­sen­tiert“ von 89.0 RTL, einem Sen­der also, der mit­un­ter durch­aus nicht üble Musik spielt, und des­sen „Prä­sen­ta­ti­on“ als sol­che sich, wie üblich, wohl nur in rie­si­gen Wer­be­ban­nern äußern dürf­te; sei’s drum.

Aber wer, ver­dammt, ist Oma­ri­on?

PersönlichesIn den NachrichtenNerdkrams
Ursa­che und Wir­kung

So, wie­der zu Hau­se. Einen aus­führ­li­chen Rei­se­be­richt könn­te ich bei aus­rei­chend Inter­es­se nach­rei­chen; sofern es über­haupt jemand lesen will, wie unglaub­lich span­nend es ist, mit der Bahn län­ger als nur durch den eige­nen Land­kreis zu rei­sen. (Bei Inter­es­se bit­te einen Kom­men­tar hin­ter­las­sen, dann tip­pe ich den mal ab.)

Genug davon; zurück zu Span­nen­de­rem.

Was ich letz­te Woche zufäl­lig ent­deckt, aber noch nicht hier ver­öf­fent­licht habe, ist fol­gen­des ori­gi­nal in dem als „aus­ge­reift“, „sta­bil“ und „feh­ler­frei“ ver­ru­fe­nen Win­dows 7 ent­hal­te­ne Dia­log­fen­ster:

Wer fin­det den Feh­ler?

In die Kate­go­rie „Apro­pos Feh­ler“ fällt dann übri­gens auch die­se Mel­dung:

Der Super-Gau für tau­sen­de Mäd­chen und Frau­en. Sie ver­schicken pri­va­te Bil­der über eine Bil­lig­soft­ware fürs iPho­ne – doch die Bil­der lan­den im Netz.

Und statt, dass sich die „tau­sen­den Mäd­chen und Frau­en“ ein­mal Gedan­ken dar­über machen, zu wel­chem Zweck sie Halb- bis Ganz­nackig­bil­der von sich ver­schicken, lau­fen lie­ber ihre Väter ver­bal Sturm:

Wenn ihr ne Toch­ter hät­tet deren oben ohne Bil­der plötz­lich für die gan­ze Nach­bar­schaft sicht­bar sind dann wür­det ihr anders urtei­len.…

Wenn ich eine Toch­ter hät­te, deren Oben-ohne-Bil­der von ihrem Mobil­te­le­fon ins Inter­net gelangt sind, wäre mei­ne erste Fra­ge sicher nicht, wie die ins Inter­net gelangt sind, son­dern viel­mehr, wie­so zum Gei­er sie Oben-ohne-Bil­der von sich auf ihrem Mobil­te­le­fon hat; aber jeder setzt nun mal sei­ne eige­nen Prio­ri­tä­ten.

Herr­je! (W. Puuh)

Persönliches
Denk­pau­se

Und da ich hier gera­de vor mei­nem auf dem pen-&-paper-Prin­zip basie­ren­den Uni­ver­sal-note­book, von des­sen Lauf­zeit sich man­cher Her­stel­ler mobi­ler Musik­spiel­ge­rä­te eigent­lich auch mal inspi­rie­ren las­sen könn­te, sit­ze und, statt, wie ich es mir noch vor einer Stun­de fest vor­ge­nom­men hat­te, gei­stig den Aus­füh­run­gen des Dozen­ten zu fol­gen, über eine bevor­ste­hen­de län­ge­re Rei­se nach­den­ke, das trü­be Wet­ter, des­sen Aus­wir­kun­gen mir eben­so wie die anschwel­len­den Vogel­ru­fe seit Wochen­be­ginn den Schlaf ver­kür­zen, im Blick, bemer­ke ich die Schran­ken des mensch­li­chen Den­kens, indem das Gehirn eben, wäh­rend es hier eigent­lich einen Text über Musik oder zumin­dest aber Kri­tik an der­sel­ben zu pro­du­zie­ren assi­stie­ren soll­te, stän­dig neu­es zu ver­ar­bei­ten ver­sucht und so kein Gedan­ke sich klar fas­sen lässt; im Schlaf, heißt es, ver­ar­bei­tet das Gehirn ver­gan­ge­nes und sor­tiert so etwa Gele­se­nes nach Inhalt, und wenn man zu viel liest und zu wenig schläft, führt das irgend­wann zu Infor­ma­ti­ons­stau, Klam­mer auf, und so vie­les, was man sich selbst zu müs­sen auf­er­legt, muss man gar nicht, wes­halb der Gedan­ke, ich müs­se noch einen Text zur Unter­hal­tung mei­ner Leser ver­fas­sen, eigent­lich auch nur ein Ver­such ist, sich selbst eine Ver­ant­wor­tung zu atte­stie­ren, die einen selbst von der Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Han­deln befreit, Klam­mer zu, und wenn man Schrei­ben als pro­ba­tes Mit­tel ver­steht, sei­ne Exi­stenz nicht all­eim dem per se wenig pro­duk­ti­ven Ein­sied­ler­tum (digi­tal, ver­steht sich, immer­hin) zu ver­schrei­ben, ist Ideenlosig­keit zwar unan­ge­nehm, aber sie stellt nur ein­ge­schränkt eine Behin­de­rung jedes ande­ren Lebens­be­rei­ches dar. Leben kann man auch ohne zu den­ken. (Hin­ter mir sitzt eine Frau und ver­sucht sicht­lich ange­strengt, aber ver­ge­bens, es sich nicht anmer­ken zu las­sen, dass schrei­ben­de Men­schen auf sie sehr inter­es­sant wir­ken. Ich schrei­be absicht­lich noch ein wenig unle­ser­li­cher, Frech­dachs, der ich bin.)

Wor­auf ich eigent­lich hin­aus will: Die Flut an elek­tro­ni­scher Post, Schlag­zei­len, Arti­keln, nicht zuletzt auch Chat­wün­schen in IRC und Sofort­nach­rich­ten­dienst, hilft nicht dabei, sich, wie es auch Wolf Schnei­der kürz­lich im Gespräch mit Anne Will lobend erwähn­te, bin­nen kür­ze­ster Zeit über das Welt­ge­sche­hen in jed­wel­chem Inter­es­sens­ge­biet zu infor­mie­ren. Was über all der Sor­ge um die Ver­blö­dung des Nach­wuch­ses, der, was auch Wolf Schnei­der kürz­lich im Gespräch mit Anne Will bedau­er­te, zwar all die­se Mög­lich­kei­ten hat, jedoch oft schlicht nicht zu nut­zen beab­sich­tigt, weil die Akti­vi­tä­ten (vul­go „Pro­fi­le“) der Freun­de und der so genann­ten „Freun­de“ der ein­zig bedeut­sa­me Aspekt der welt­wei­ten Ver­net­zung sind, ver­ges­sen wird, ist, dass es durch­aus auch ein Zuviel an Infor­ma­tio­nen geben kann. Wer alles gleich­zei­tig tut, tut nichts rich­tig. „Infor­ma­ti­on over­load, com­mu­ni­ca­ti­on over­load“ sang Bil­ly Sher­wood 2007, beglei­tet von sei­ner Band Cir­ca:, und mein­te damit unter ande­rem viel­leicht dies. Eine auf­lad­ba­re Bat­te­rie ist bekannt­lich auch irgend­wann voll.

Und um mei­ne eige­ne Infor­ma­ti­ons­bat­te­rie, um bei der Meta­pher zu blei­ben, wie­der auflad‑, qua­si also in vol­lem Umfang nutz­bar, zu machen und weil mir sonst, bild­lich gespro­chen, der Kopf platzt, schie­be ich außer­plan­mä­ßig wie­der ein­mal eine dies­mal kur­ze Pau­se von der Welt ein, will sagen: Hier geht es nicht vor Mon­tag wei­ter.

Ich hof­fe, ich darf euch anschlie­ßend erneut zu mei­nen treu­en Lesern zäh­len. Bis dahin jeden­falls wün­sche ich ein erhol­sa­mes Wochen­en­de mit Son­ne und Spaß und, sofern ihr jeweils betrof­fen seid, einen ange­neh­men Mut­ter­tag und einen erfolg­rei­chen Wahl­sonn­tag. Klar­ma­chen zum Ändern!, es kann nur bes­ser wer­den.

(Ab. Tosen­der Applaus.)

Sonstiges
Ober­fläch­li­che Kri­tik an der „Kenn dein Limit“-Kampagne (II)

Die Akti­on „Alko­hol? Kenn dein Limit.“, die ich in einem frü­he­ren Bei­trag schon ob ihrer Ziel­set­zung kri­ti­siert hat­te, hat übri­gens auch betref­fend der Gestal­tung ihrer Wer­be­mit­tel ein nicht ganz aus­ge­reift wir­ken­des Pro­fil.

Abge­se­hen von dem irgend­wie ein­ge­fro­ren erschei­nen­den Gesichts­aus­druck der Prot­ago­ni­sten („So, und jetzt bit­te mal alle fünf Minu­ten lang nicht atmen, der Foto­graf muss noch kurz aufs Klo.“) und der befremd­li­chen Plat­zie­rung eines Sta­ti­sten ohne Sprech­rol­le, die zu aller­lei Scha­ber­nack ein­lädt, zum Bei­spiel die­sem: …

…, will es mir auch beim wie­der­hol­ten Betrach­ten aller ver­füg­ba­ren Pla­ka­te nicht ein­leuch­ten, nach wel­chem System oder zumin­dest nach wel­cher Aus­sa­ge eini­ge Wör­ter her­vorgeho­ben wur­den.

Ande­rer­seits war völ­lig unsin­ni­ger Fett­druck ja auch schon immer ein Mit­tel der Ver­wir­rung, so unter ande­rem auch vom längst legen­dä­ren MAD-Maga­zin erfolg­reich prak­ti­ziert. Den­noch bleibt die Fra­ge offen, son­der­ba­re Ver­mu­tun­gen sind und blei­ben eben sol­che.

Wer­ber haben bis­wei­len wun­der­li­che Ideen.
(Ob ich also mein Glück auch ein­mal ver­su­chen soll­te?)

Sonstiges
„Drau­ßen kostet extra.“

Ahoi auch, Fa. Jäger­mei­ster,

da ste­he ich doch heu­te wie­der mit dem mir eige­nen dümm­li­chen Gesichts­aus­druck vor einem eurer Pla­ka­te, die, kaum wird’s warm, in jeder in eurem direk­ten Ein­zugs­ge­biet gegrün­det wor­den sei­en­den Klein­stadt zu wuchern begin­nen, und bin ein wenig rat­los ob eures Ange­bots.

„Jäger­mei­ster-Shots“ bie­tet ihr feil, erdrei­stet euch aber nicht, wenig­stens eini­ge Sil­ben der Erläu­te­rung anzu­brin­gen, so dass man nur auf­grund des eige­nen Ver­stan­des fol­gern muss, dass man eben nicht erschos­sen, son­dern mit Alko­ho­li­ka erfreut wer­den soll. Von sol­chen Spitz­fin­dig­kei­ten, euer, Fa. Jäger­mei­ster, absur­des Wer­be­deutsch betref­fend, ein­mal abge­se­hen erschien mir vor allem die Anprei­sung des als Kulis­se die­nen­den Eta­blis­se­ments der­art selt­sam, dass ich ihr die­sen Bei­trag wid­me.

Nicht nur näm­lich (oha, 3 „n“; war kei­ne Absicht, ehr­lich!) prie­set ihr die in Mehr­zahl gege­be­nen Tanz­mög­lich­kei­ten an, son­dern auch, Ach­tung, jetzt kommt’s!, den „Out­door­be­reich“, immer­hin, inzwi­schen lei­der erwäh­nens­wert, kor­rekt kon­ka­te­niert.

Ver­ste­he ich das rich­tig? Man zahlt anteils­wei­se euch und den Betrei­bern des zur Ver­fü­gung gestell­ten Eta­blis­se­ments Geld dafür, dass man Jäger­mei­ster trin­ken und – drau­ßen ste­hen darf? Im so genann­ten „Out­door­be­reich“?

Das klingt nach einer pro­ba­ten Geschäfts­idee. Ich wer­de sie euch bei Gele­gen­heit ent­lei­hen.
Wer hat Lust, im Gar­ten Cola zu trin­ken? Bei genü­gend Inter­es­sen­ten gibt’s Rabatt. :)

In den NachrichtenPiratenpartei
Medi­en­kri­tik XXVII: Wir kri­mi­nel­les Pack!

Lie­be Leser,

ich bin Mit­glied einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung.

Dies jeden­falls behaup­tet die jüngst erschie­ne­ne 200. Aus­ga­be des Maga­zins „M!Games“, trotz des Namens offen­bar kein Maga­zin für digi­ta­le Jugend­kul­tur, indem es pro­pa­giert:

Schließlich haben sich die Raubkopierer jüngst zur Piratenpartei formiert, um ihren Lastern politischen Nachdruck zu verleihen.

Schon her­um­ge­spro­chen, so nahm ich an, hat sich die Geschich­te hin­ter der Pira­ten­par­tei spä­te­stens seit der letz­ten Bun­des­tags­wahl. War­um ein vor­geb­lich jour­na­li­sti­sches Maga­zin den­noch sol­che gro­tes­ken Fehl­in­for­ma­tio­nen ver­brei­tet, ist für mich unbe­greif­lich. Ich neh­me mir daher an die­ser Stel­le ein­mal die Frei­heit her­aus, den holp­rig for­mu­lier­ten Unsinn brauch­bar zu para­phra­sie­ren und ihm ener­gisch zu wider­spre­chen; die vage Hoff­nung, dass die­ser Text über aller­lei dün­kel­haf­te Umwe­ge in die Hän­de der zustän­di­gen Schrei­ber­lin­ge gelangt, allein genügt als Antrieb.

„Jetzt hat sich eine Grup­pe von Raub­ko­pie­rern als Par­tei auf­ge­stellt, um ihr ille­ga­les Trei­ben zu lega­li­sie­ren“, so lau­tet der zitier­te Satz sinn­ge­mäß und weni­ger ver­schwur­belt, und dass es zum abschlie­ßen­den Inflek­tiv „*schnaub*“ nicht mehr gereicht hat, ist wohl einer glück­li­chen Fügung von Zufäl­len zu ver­dan­ken. Jeden­falls ist in die­sem Satz, wie man ihn auch umstellt, bei­na­he nichts wahr:

„Jetzt“ (im Ori­gi­nal­text „jüngst“) ist schon eine völ­lig fal­sche Ein­lei­tung. Die deut­sche Pira­ten­par­tei trat im Jahr 2006 erst­mals öffent­lich auf, die schwe­di­sche als ihr Vor­bild exi­stiert somit auch nicht erst seit letz­ter Woche. Da ist an den Redak­teu­ren wohl eini­ges vor­bei­ge­zo­gen. Zwar ist „hat sich eine Grup­pe von“ wenig­stens eini­ger­ma­ßen zutref­fend, aber die Grün­der der deut­schen Pira­ten­par­tei pau­schal als „Raub­ko­pie­rer“ zu bezeich­nen ist auch wie­der ein amü­san­ter Ein­fall.

Rich­tig ist, dass die Idee hin­ter der schwe­di­schen „Piratpar­tiet“ auf das Tausch­por­tal „The Pira­te Bay“ zurück­geht, das in den letz­ten Jah­ren oft Gegen­stand von Gerichts­ver­hand­lun­gen mit ent­spre­chen­dem Medi­en­echo war und in der Fol­ge ver­kauft wur­de. Hier endet die Wahr­heit aller­dings schon, denn zwi­schen den Betrei­bern des Por­tals und den Grün­dern der schwe­di­schen Par­tei besteht per­so­nell kei­ne Iden­ti­tät; von der deut­schen, die „M!Games“ zu beschrei­ben vor­gibt, ganz zu schwei­gen.

Was genau ist denn übri­gens ein „Raub­ko­pie­rer“? Das Bezie­hen digi­ta­ler Daten (elek­tri­scher Impul­se, Strom an und Strom aus, vul­go „1 und 0“) kann man mit ein wenig Fan­ta­sie tat­säch­lich als eine Art Kopie abstra­hie­ren, aber was genau wird auf die­se Wei­se wem geraubt, also gewalt­sam ent­ris­sen? Die Defi­ni­ti­on eines Rau­bes oder doch wenig­stens Dieb­stahls bedingt einen abge­schlos­se­nen Besitz-(nicht Eigentums-)transfer, will sagen: Danach ist es weg. Das wäre aller­dings in der Tat eine tech­ni­sche Revo­lu­ti­on, wäre über das Inter­net tat­säch­lich sol­cher­lei mög­lich. Die Jahr­hun­der­te des Ein­drin­gens in frem­de Woh­nun­gen, womög­lich mit Sach- oder gar Per­so­nen­scha­den ver­bun­den, wären end­lich gezählt! So aber bleibt nur zu wie­der­ho­len, was Bea­te Merk anläss­lich des beab­sich­tig­ten Ankaufs von Bank­da­ten aus der Schweiz sprach: Daten kann man nicht steh­len.

Wei­ter im Text: „um ihr ille­ga­les Trei­ben zu lega­li­sie­ren“ (resp. eben „um ihren Lastern poli­ti­schen Nach­druck zu ver­lei­hen“), nein, nein und noch­mals nein. Die Novel­lie­rung des Urhe­ber­rechts, die die Pira­ten­par­tei anstrebt, hat viel­mehr damit zu tun, dass jenes in sei­nem jet­zi­gen Zustand der glo­ba­len Ver­net­zung nicht mehr gewach­sen ist. Hier­zu eine Gra­fik am Bei­spiel eines Ton­trä­gers:

Die­se Ver­tei­lung ist weder im Sin­ne der Musik­schaf­fen­den noch der Kon­su­men­ten, denn man zahlt als End­nut­zer kei­nes­falls für gei­sti­ge Schöp­fungs­kraft, son­dern allein für den Pro­fit­wil­len derer, die auf dem teu­er erwor­be­nen Ton­trä­ger nicht ein­mal zu hören sind. Davon abge­se­hen sieht das der­zei­ti­ge Urhe­ber­recht so etwas wie Musik­down­loads, legal oder nicht legal, nicht ein­mal vor. Jens Sei­pen­busch drück­te es im Gespräch mit Jan Phil­ipp Albrecht, Chris Pial­lat und Jan Engel­mann so aus:

Wenn man sich jetzt den Text des Urhe­ber­rechts anguckt, ist da im Grun­de genom­men noch von Farb­ko­pie­rern die Rede. Den Foto­ko­pie­rer gibt es seit Ende der sech­zi­ger Jah­re. Dar­an erkennt man zum einen, dass es einen extre­men Auf­ar­bei­tungs­stau gibt. Zum ande­ren haben der Pro­zess der Digi­ta­li­sie­rung und die Ver­brei­tung des Inter­nets das Urhe­ber­recht prak­tisch über­rannt. (…) Die Ton­trä­ger­bran­che wan­delt sich, weil trä­ger­lo­se Medi­en domi­nant gewor­den sind. Des­we­gen ist auch die Dis­kus­si­on um Pau­schal­ab­ga­ben schwie­rig. Frü­her hat­ten wir Ton­trä­ger, jetzt haben wir eine Infra­struk­tur, die aber nicht exklu­siv von den Unter­hal­tungs­me­di­en genutzt wer­den kann.

Nicht zu ver­ges­sen ist schließ­lich auch, dass die Pira­ten­par­tei kei­ne blo­ße Ein­the­men­par­tei war und ist. Neben der Novel­lie­rung des Urhe­ber­rechts wer­den auch ein trans­pa­ren­ter Staat, die Abschaf­fung jeg­li­cher Über­wa­chungs- und Zen­sur­in­fra­struk­tu­ren und eine Ein­däm­mung des Lob­by­is­mus gefor­dert, dar­über hin­aus vie­le wei­te­re Aspek­te von Demo­kra­tie und Bür­ger­rech­ten; kurz gesagt: Die Pira­ten­par­tei ist die F.D.P. des 21. Jahr­hun­derts. Aber wir machen kei­ne Feh­ler.

(Am 9. Mai ist Land­tags­wahl in Nord­rhein-West­fa­len, wie mir kürz­lich zuge­tra­gen wur­de. Nutzt die Gele­gen­heit wei­se!)

Um die­sen Text nun also zusam­men­zu­fas­sen, lie­be Redak­teu­re von „M!Games“, falls es nur für weni­ge Sät­ze reicht:

Vor­her, falsch: „Schließ­lich haben sich die Raub­ko­pie­rer jüngst zur Pira­ten­par­tei for­miert, um ihren Lastern poli­ti­schen Nach­druck zu ver­lei­hen.“
Nach­her, rich­tig: „Auch die in meh­re­ren Län­dern ver­tre­te­ne Pira­ten­par­tei hat sich unter ande­rem die längst fäl­li­ge Über­ar­bei­tung des Urhe­ber­rechts zum Ziel gesetzt.“

Bit­te­s­ehr, nichts zu dan­ken.

SonstigesNetzfundstücke
Der Inbe­griff der Männ­lich­keit

Seit dem Medi­en­rum­mel um Tokio Hotel, die einst einer der Aus­lö­ser für den Beginn die­ser Netz­prä­senz waren, hat das The­ma Andro­gy­nie, laut Wiki­pe­dia ein Syn­onym für die Eigen­schaft, „nicht (ein­deu­tig) geschlecht­lich zuge­ord­net“ zu sein oder sein zu wol­len, in der Musik mit Glam­rock­sän­gern wie David Bowie schon in den 70-er Jah­ren popu­lär gewor­den, nun end­lich wie­der den main­stream erreicht.

Konn­te man sich als Mann, heim­lich zwar mit den Zäh­nen knir­schend, aber bis vor nicht all­zu lan­ger Zeit noch dar­über freu­en, dass der Titel „Inbe­griff der Männ­lich­keit“ an immer­hin David Has­sel­hoff, dem man auch als anson­sten recht wenig an der Sexua­li­tät von Män­nern inter­es­sier­te Per­son eine gewis­se Männ­lich­keit zu atte­stie­ren ver­mag, ver­ge­ben wur­de, spre­chen Umfra­gen unter den her­an­wach­sen­den Gene­ra­tio­nen eine ganz ande­re Spra­che.

Begei­stert geben die Jung­da­men in ver­schie­de­nen Inter­net­fo­ren zu Pro­to­koll:

  • „er sieht ja echt nicht schlecht aus“ (Anony­ma „SwEeDy“)
  • „Er ist ja ganz nied­lich.“ (Anony­ma „moon­dust“)
  • „Er ist so süß“ (Anony­ma „taffy48“)
  • „Er macht tol­le Musik, ist total süß und total nett.“ (unbe­kann­te Anony­ma)
  • „Ich bin reqel­recht süch­tiq nach ihm !“ (sic!, eine wei­te­re Anony­ma)
  • (Und aber immer­hin:)
    „Ein wei­te­rer klei­ner Hüpf­ka­strat, von dem kei­nes der klei­nen Mädels (denen jetzt ein ach­tel in die Wäsch‘ geht, wenn sie ihn hören) mehr was wis­sen will, wenn er mal den Stimm­bruch hin­ter sich gebracht hat.“ (Anony­mus „alpen­lo­stie“)

So weit nicht zu bean­stan­den; es gehört zur Ent­wick­lung eines Kin­des, dass es sich Zie­le setzt, die nicht das eige­ne Wohl, son­dern nur den ver­meint­li­chen Neid der eben­falls ver­meint­li­chen Freun­de resp. Freun­din­nen zum Zweck haben. Nicht jedoch spra­chen sie der­ge­stalt über David Has­sel­hoff oder wenig­stens Geor­ge Cloo­ney, son­dern über die­se fröh­li­che Gestalt:

Justin Bie­ber („wie man’s schreibt“, Dago­bert Duck) heißt der abge­bil­de­te Zeit­ge­nos­se und stellt, traut man den inter­po­lier­ten, von etli­chen Maga­zi­nen kol­por­tier­ten Mei­nung der Befrag­ten, die Kli­max der Anschau­lich­keit dar.

Zwar ist nicht über­lie­fert, ob damit Erwar­tun­gen an etwa­ige Inter­es­sen­ten ver­bun­den sind, da die Fra­ge nach einer mög­li­chen Lebens­ab­schnitts­part­ner­schaft mit die­sem lusti­gen klei­nen Fratz aber gera­de­zu Welt bewe­gend erscheint, muss man als Mann ent­we­der ver­dammt über­zeu­gen­de Argu­men­te vor­wei­sen kön­nen oder dürf­te das Nach­se­hen haben; das ist auf lan­ge Sicht wohl auch bes­ser für alle Betei­lig­ten.

(In die­sem Zusam­men­hang viel­leicht auch inter­es­sant: Deut­lich über 10 % der Frau­en, die gern mal an der­lei Befra­gun­gen teil­neh­men, hal­ten sich für bise­xu­ell und/oder haben schon ent­spre­chen­de Erfah­run­gen gemacht.)

Viel­leicht spricht aus mir der blan­ke Neid ob der sexu­el­len Anzie­hungs­kraft des Justin Bie­ber, viel­leicht hat es aber auch ganz ande­re, weni­ger prag­ma­ti­sche Grün­de, wenn ich nun aus­ru­fe: Ohgot­toh­gott!

(Ich sol­le mehr über Sex schrei­ben, for­der­te man. Gut so?)

PolitikIn den Nachrichten
Eklat im Sperr­be­zirk

Dann doch noch mal Poli­tik, um Didi zu ärgern:

Irans Prä­si­dent Ahma­di­ned­schad hat bei Uno-Abrü­stungs­be­ra­tun­gen einen Eklat pro­vo­ziert. Atom­waf­fen zu besit­zen, sei „wider­lich und beschä­mend“ – er warf den USA vor, ande­re mit ihrem Arse­nal zu bedro­hen. Dele­gier­te ver­lie­ßen den Saal, Außen­mi­ni­ste­rin Clin­ton for­der­te die Welt auf, Iran Ein­halt zu gebie­ten.

(via SPIEGEL Online)

Wahr­lich, „wider­lich und beschä­mend“ ist da so man­ches. Nicht ein­mal pri­mär, dass die deut­schen Dele­gier­ten sich die Ohren zuhal­ten und „lala­la“ brül­len, weil sie es mit Kri­tik nicht so haben, son­dern viel­mehr, dass aus­ge­rech­net die USA sich jetzt an „die Welt“ wen­den, weil ein Staat es wagt, den Ein­satz ihrer Atom­waf­fen zu kri­ti­sie­ren.

Reka­pi­tu­la­ti­on: 1945 fie­len zwei Atom­bom­ben auf Japan. Es han­del­te sich nicht um ira­ni­sche (oder gar ira­ki­sche) Atom­waf­fen, sie wur­den auch nicht von ira­ni­schen (oder gar ira­ki­schen) Flug­zeu­gen abge­wor­fen. Die USA haben Atom­waf­fen, sie haben sie seit vie­len Jahr­zehn­ten, und sie haben auch noch nie einen Hehl dar­aus gemacht, dass sie sie im Zwei­fels­fall auch zur Lösung eines Kon­flikts nut­zen wür­den. „Sagt der Mist­hau­fen zur Flie­ge: ‚Du stinkst!‘ “

Wie vie­le Wahr­hei­ten muss der Irre aus Tehe­ran (BILD) eigent­lich noch aus­spre­chen, bevor die Welt ihm end­lich Ein­halt gebie­tet und alle fried­lich gemein­sam am selt­sam grü­nen Lager­feu­er sit­zen und patrio­ti­sche Lager­feu­er­lie­der anstim­men kön­nen, stän­dig in Erwar­tung der näch­sten Gele­gen­heit, die Frei­heit unse­rer Demo­kra­tie in irgend­ei­ner Wüste ver­tei­di­gen zu dür­fen?

Da ver­las­se ich doch lie­ber vor­her den Saal.

NetzfundstückeNerdkrams
Rekur­siv rekur­siv

Via Klop­fers Web auf­merk­sam gewor­den bin ich auf und für amü­sant befun­den habe ich die­sen Spaß für Com­pu­ter­freun­de:

Wie man spä­te­stens im Infor­ma­tik­stu­di­um lernt:
Man muss Rekur­si­on ver­ste­hen, um Rekur­si­on zu ver­ste­hen.

(Aus nahe lie­gen­den Grün­den ver­zich­te ich auf einen Direkt­ver­weis auf die ent­spre­chen­de Inter­net­sei­te, da ich nie­man­dem dazu raten kann, Google.com oder eine ver­gleich­ba­re Goog­le-Such­sei­te zu belie­bi­gen Zwecken ohne ent­spre­chend abge­si­cher­ten Brow­ser auf­zu­ru­fen. Para­no­id? Mei­net­we­gen.)


Nach­trag vom 3. Mai 2010:
Klop­fer hat, wie ich soeben zufäl­lig bemerk­te, kürz­lich zudem eine Kolum­ne zum The­ma „stö­ren­de Mit­men­schen im ÖPNV“ ver­öf­fent­licht, deren Kon­sum ich jedem mei­ner Nut­zer ans Herz legen möch­te, bis ich selbst neue Erkennt­nis­se gewin­nen konn­te.

Man möge doch bit­te die Tätig­kei­ten, die die eige­ne Exi­stenz erträg­lich machen, auf geeig­ne­te­re Zeit­punk­te ver­schie­ben. Ich ona­nie­re schließ­lich auch nicht im Bus.

Wie wahr!

PolitikIn den NachrichtenKaufbefehlePiratenpartei
Marsch wider das Ver­ste­hen

Schon wie­der ist 1. Mai, und die poten­zi­ell gewalt­be­rei­ten Fan­ten und Anti­fan­ten (die belu­sti­gen­de Wort­wahl trifft’s dann auch irgend­wie), noch mit Rest­al­ko­hol Rest­tanz in den Mai ver­se­hen, ver­ab­re­den sich mit den poten­zi­ell eher fried­fer­ti­gen Ver­tre­tern der jewei­li­gen Gegen­sei­te zum gegen­sei­ti­gen Stö­ren – ein herr­li­cher Brauch, der immer wie­der zum Amu­se­ment über der­lei geball­tes Miss­ver­ständ­nis von Demo­kra­tie ein­lädt.

Es ist gut und rich­tig, Men­schen, die Demo­kra­tie für grund­le­gend falsch hal­ten, mit ver­ächt­li­chen Blicken zu stra­fen. Nicht jedoch soll­te man die­sen Men­schen gleich­falls mit anti­de­mo­kra­ti­schen, gar gesetz­wid­ri­gen Mit­teln begeg­nen; hier­zu ver­wei­se ich auf Ver­sammlG § 21:

Wer in der Absicht, nicht ver­bo­te­ne Ver­samm­lun­gen oder Auf­zü­ge zu ver­hin­dern oder zu spren­gen oder sonst ihre Durch­füh­rung zu ver­ei­teln, Gewalt­tä­tig­kei­ten vor­nimmt oder androht oder gro­be Stö­run­gen ver­ur­sacht, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe bestraft.

„Sitz­blocka­den“, für vie­le Teil­neh­mer eine ange­mes­se­ne Hand­lung, fal­len eben­falls dar­un­ter; auch, wenn sie sich eben nur gegen „die Rech­ten“, wie auch immer man sie defi­niert, rich­ten. Wenn Natio­nal­de­mo­kra­ten – eine in der Bun­des­re­pu­blik trotz aller Ein­wän­de noch immer nicht ver­bo­te­ne Bewe­gung – eine legi­ti­me Demon­stra­ti­on abhal­ten wol­len, ist dies jeden­falls durch­aus im Sin­ne der Demo­kra­tie, ganz gleich, ob man sich mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren kann oder nicht. Den in die­sem Zusam­men­hang oft erwähn­ten Rechts­staat beach­ten kei­nes­falls „die Nazis“ nicht, es sind die, die sich ihnen in den Weg stel­len. Es ist ziem­lich erschüt­ternd, was für Men­schen unter dem Deck­man­tel der falsch ver­stan­de­nen „wehr­haf­ten Demo­kra­tie“ auf die Grund­re­geln der Demo­kra­tie weit­ge­hend pfei­fen. (Vor die­sem Hin­ter­grund sind übri­gens auch Bil­der blockie­ren­der Bür­ger in Pira­ten­ko­stü­men ziem­lich erschreckend; ich hof­fe, kein Außen­ste­hen­der ver­fällt jetzt ernst­haft dem Glau­ben, sol­cher­lei lie­ße sich mit dem pira­ti­schen Ver­ständ­nis von Demo­kra­tie ver­ein­ba­ren!)

Eine Demo­kra­tie kann nur funk­tio­nie­ren, wenn ihre Mit­glie­der sie respek­tie­ren. Wer sie nicht respek­tiert, soll­te sich den Mund mit Sei­fe aus­wa­schen gehen, wenn er das Wort „Demo­kra­tie“ ver­wen­det hat; ganz gleich, auf wel­cher Sei­te er steht.

Wie gesagt: Es ist schön, Pirat zu sein.

Als Nach­trag zu mei­nem Mono­log übri­gens auch ein Hin­weis auf die neue Aus­ga­be des Maga­zins Tita­nic, die mir seit gestern vor­liegt:

Allein schon des­halb lesens­wert.

In den NachrichtenPolitik
Hel­las von Sin­nen

Das 13. und 14. Monats­ge­halt für Staats­be­dien­ste­te und für Rent­ner, so hieß es vor­hin tat­säch­lich in den Fern­seh­nach­rich­ten, sol­len gestri­chen wer­den; so rich­tig schlecht scheint es den Grie­chen ja dem­nach nicht zu gehen.

Nichts­de­sto­we­ni­ger ist ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on selbst im Ver­gleich zu dem an Fremd­ka­pi­tal gera­de­zu immens rei­chen Deutsch­land offen­bar ziem­lich furcht­bar, und so darf sich der deut­sche Steu­er­zah­ler wie­der ein­mal dar­auf freu­en, ein Land geret­tet zu haben. SPIEGEL Online:

Horst Köh­ler stärkt der Bun­des­re­gie­rung bei der Hil­fe für Grie­chen­land den Rücken. „Deutsch­land soll­te auch aus eige­nem Inter­es­se sei­nen Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung lei­sten“, sag­te der Bun­des­prä­si­dent laut Rede­ma­nu­skript bei einer Wirt­schafts­ta­gung in Mün­chen. Grie­chen­land erwar­te ver­ständ­li­cher­wei­se Hil­fe zur Selbst­hil­fe.

Viel­leicht fehlt mir auch ein­fach nur die aus­rei­chend Kennt­nis sol­cher wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hän­ge, aber zumin­dest das Wort „ver­ständ­li­cher­wei­se“ will mir auch bei inten­si­ver Betrach­tung nicht ein­leuch­ten, sind doch die für die Plei­te ver­ant­wort­li­chen Grie­chen in den letz­ten Tagen regel­mä­ßig im Büßer­ge­wand zu sehen und zu hören, wenn sie zuge­ben, dass Feh­ler gemacht wur­den. (Die pas­si­ve For­mu­lie­rung erspart das Ein­ge­ständ­nis, dass sie allein die Schuld tra­gen.) Und so eine Wäh­rungs­uni­on bedeu­tet ja auch kei­nes­falls, dass sich ihre Mit­glie­der gewis­se Grund­sät­ze zu berück­sich­ti­gen hät­ten, nicht also „einer für alle“, son­dern immer und prin­zi­pi­ell „alle für einen“:

For­de­run­gen nach einem Aus­schluss Grie­chen­lands aus der Euro­zo­ne lehn­te [Roland] Koch ab: „Ein Zer­fall des Euro wür­de Euro­pa nicht die­nen – und min­de­stens ein Drit­tel des Scha­dens wür­de Deutsch­land bezah­len.“

So spart Deutsch­land sogar noch eine Men­ge Geld; nett. Hier­zu übri­gens noch­mals Horst Köh­ler, aller­dings 1992:

Wenn sich ein Land durch eige­nes Ver­hal­ten hohe Defi­zi­te zulegt, dann ist weder die Gemein­schaft noch ein Mit­glied­staat ver­pflich­tet, die­sem Land zu hel­fen. (…) Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den soge­nann­ten rei­chen Län­dern abkas­siert. Dann näm­lich wür­de Euro­pa aus­ein­an­der­fal­len.

Das wäre ja gera­de­zu undenk­bar.

Sonstiges
Fik­ti­ve Reak­ti­on auf die Damen vom Wach­turm

Eine Anspra­che, die bei Gele­gen­heit noch gehal­ten wer­den muss:

„Aber natür­lich bin ich als den­ken­der Mensch an einem Gespräch über Gott inter­es­siert, Gnä­dig­ste! Neh­men Sie doch Platz. Gott also, herr­je, was hat der alte Kna­be schon wie­der ange­stellt? Nein, Scherz bei­sei­te: Gott ist gera­de in der immer hek­ti­sche­ren, deka­den­ten Gesell­schaft die­ser Tage eine wich­ti­ge Kon­stan­te, die zeigt, dass auch der Glau­be einen nicht immer wei­ter­bringt. Sehen sie, zu allen Zei­ten haben Men­schen an etwas wie eine höhe­re Macht geglaubt, voll­kom­men gleich­gül­tig, wie sie genannt oder ver­ehrt wur­de. Die­ser Glau­be kam stets von innen und folg­te kei­nem äuße­ren Zwang; viel­mehr ist Glau­be der Ver­such des Indi­vi­du­ums, in sei­ner per­sön­li­chen Exi­stenz so etwas wie ein Ziel zu sehen, das ihn selbst, auf sei­nen eige­nen Geist abge­stimmt, bekräf­tigt. Immer wie­der sind jedoch Pro­phe­ten auf­ge­tre­ten, die eben­falls einen Glau­ben hat­ten, und haben im Namen die­ses Glau­bens Men­schen, die kei­nen Glau­ben benö­tig­ten, zu einem gefähr­li­chen Welt­bild getrie­ben. Bis in die heu­ti­ge Zeit hin­ein wird im Andenken an die­se Pro­phe­ten ver­sucht, Men­schen zu bekeh­ren, weil der gefähr­li­che Irr­glau­be noch immer nicht aus­ge­räumt ist, dass es wah­ren und vie­le fal­sche Glau­ben gäbe, weil nur der, der der immer glei­chen Vor­stel­lung von Gott einen bestimm­ten Namen gibt, vor der unver­meid­li­chen Apo­ka­lyp­se geret­tet wer­den kann. Die­se Bekeh­rer ver­ges­sen, wor­um es im Glau­ben geht; nicht näm­lich um Mas­sen­hy­ste­rie und kol­lek­ti­ves mea cul­pa in freu­di­ger Erwar­tung des immer wie­der unvor­her­seh­bar nicht ein­tre­ten­den Welt­un­ter­gan­ges, son­dern dar­um, etwas im Leben zu fin­den, das ihm Sinn ver­leiht.

So ist auch der Satz ‚Glau­ben kann­ste in der Kir­che‘, der in Schu­len oft erschallt, wenn ein zu Unter­rich­ten­der eine Ant­wort mit ‚Ich glau­be‘ beginnt, ein Zei­chen dafür, dass das Wis­sen um den Wert des Glau­bens noch immer der Ver­brei­tung bedarf, eine Kir­che, errich­tet und geweiht von Men­schen, die gemein­sam an etwas glau­ben, was ihre Pro­phe­ten für gut und rich­tig hal­ten, nicht aber an das, was ihr Selbst emp­fin­det, hal­te jeden­falls ich nur ein­ge­schränkt für einen geeig­ne­ten Ort, dem eige­nen, eigent­lich wah­ren Glau­ben zu frö­nen. Reli­gi­on ist ein anschau­li­ches Bei­spiel dafür, wie Glau­be nicht funk­tio­niert. Glau­be ist ein Spie­gel­bild der eige­nen See­le; ein Glau­be aber, der dar­aus besteht, was Drit­te vor­schrei­ben, ist ein Aber­glau­be.

‚Gott sei Dank‘, so lau­tet ein Sprich­wort, ‚bin ich Athe­ist.‘ “

PersönlichesProjekteSonstiges
HiFi für Fort­ge­schrit­te­ne

Ab und zu kommt es vor, dass mir im ÖPNV Per­so­nen den Frei­raum neh­men, die sich in kei­ne der drei Haupt­ka­te­go­rien ein­deu­tig ein­ord­nen las­sen; die sprich­wört­li­chen Aus­nah­men von der Regel sozu­sa­gen. Heu­te mach­te ich Bekannt­heit mit einer auch mir noch unbe­kann­ten Spe­zi­es.

Der Jung­mensch, augen­schein­lich weib­lich und etwa 17 Jah­re alt, war schon zu hören, bevor er ein­ge­stie­gen war. Mög­lich mach­te dies die offe­ne Kon­struk­ti­on der bei­den Ohr­hö­rer, mit­tels derer er, wie deut­lich ver­nom­men wer­den konn­te, elek­tro­ni­sche Tanz­mu­sik in unge­sun­der Laut­stär­ke kon­su­mier­te. Nun gehört es ja zu einem unschätz­ba­ren Vor­teil die­ses Typs Schall­aus­ga­be, dass man sei­ne Mit­men­schen nicht mit sei­nen eige­nen musi­ka­li­schen Vor­lie­ben kon­fron­tie­ren muss, der sich prompt ver­flüch­tigt, ent­schei­det man sich für die offe­ne Vari­an­te; es ist schon erstaun­lich, wie hoch­qua­li­ta­tiv Musik heut­zu­ta­ge aus die­sen Gerä­ten erschal­len kann, nur lei­der auf der fal­schen Sei­te. Und man kann ja auch nur schwer­lich etwas dage­gen unter­neh­men (wol­len), Musik­ge­nuss ist jedem frei­ge­stellt. Den Jung­men­schen dar­auf anzu­spre­chen ist im eini­ger­ma­ßen voll besetz­ten Ver­kehrs­mit­tel und zumal qua­si als Gegen­reiz zur noch immer in ein­drucks­vol­ler Laut­stär­ke flir­ren­den Ton­ab­fol­ge auch nur wenig Erfolg ver­spre­chend erschie­nen; so blieb, wie üblich, nur tap­fe­res Augen­rol­len, stets beden­kend, ob man selbst sich von Drit­ten vom unge­stör­ten Musik­ge­nuss abbrin­gen las­sen wür­de, also eben nicht. Ich benö­ti­ge unbe­dingt wie­der brauch­ba­re Kopf­hö­rer. Mift.

(Abge­se­hen davon gehör­te der Jung­mensch übri­gens der zwei­ten Kate­go­rie an.)

Apro­pos sprich­wört­lich: Jemand soll­te den Besit­zern der auch nach Jah­ren noch immer häu­fig neu eröff­nen­den Geschäf­te, deren Namen mit „Mc“ oder „Mac“ begin­nen, ein­mal zu ver­ste­hen geben, dass schot­ti­sche Namen sprich­wört­lich zwar auf eine gewis­se Spar­sam­keit hin­deu­ten, dass es aller­dings für die poten­zi­el­len Kun­den eines spar­sa­men Schot­ten nur wenig ein­la­dend ist, wenn er sich schon vor dem ersten Betre­ten des Geschäfts als Geiz­hals zu erken­nen gibt. (Da doch „McDonald’s“ auch mehr für spar­sa­me Qua­li­tät als für preis­wer­tes Ange­bot steht, wie längst bekannt sein dürf­te; aber was soll’s.)

Eine beach­tens­wer­te Fuß­no­te: eMu­le beba 2.60 ist fer­tig.

PolitikIn den Nachrichten
Gui­do und der Kom­mu­nis­mus

(Vor­weg: Fol­gen­der Text ent­stand spon­tan und ist daher weni­ger poin­tiert, dafür ein wenig bis­si­ger als üblich. Für Poin­ten im Kom­men­tar­be­reich bin ich daher jeder­zeit dank­bar.)

Hit­ler­ver­glei­chen, so häu­fig sie auch vor­kom­men, wohnt längst nicht mehr der Reiz des Unver­zeih­li­chen inne. Da ist es doch schön, dass der F.D.P.-Vorzeigeaußenminister des lau­fen­den Jahr­zehnts eine Alter­na­ti­ve aus der Schub­la­de gekramt hat, ein­drucks­voll tran­skri­biert von flat­ter:

Aber was ist denn die Alter­na­ti­ve? Rot- Rot-Grün! Da – möch­te – ich – unser – Land – vor – bewah­ren;
Das hat unser Land nicht ver­dient, dass in unse­rem Land 20 Jah­re danach Sozia­li­sten und Kom­mu­ni­sten wie­der etwas zu sagen krie­gen.

Natür­lich ist das nicht viel mehr als schmie­ri­ger Popu­lis­mus, wie ihn auch die unge­lieb­te Gegen­sei­te gern prak­ti­ziert, und natür­lich wer­den Sät­ze wie die­se nicht dazu bei­tra­gen, dass die Bou­le­vard­me­di­en fort­an objek­tiv über Herrn Wester­wel­le, Neo­li­be­ra­lis­mus und Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät ein­mal bei­sei­te gescho­ben, berich­ten, ohne stän­dig sug­ge­stiv nach der Nähe zum rech­ten Rand (also, ver­mut­lich, der CSU) zu fra­gen. Mit jedem Satz die­ser Art, sofern die rich­ti­gen Schlag­wör­ter ent­hal­ten sind, begibt er sich ins Abseits, nur kann man ihn nicht ein­fach raus­wer­fen wie Eva Her­man ihrer­zeit, son­dern muss sich damit aus­ein­an­der­set­zen, was er sagt. Lei­der beschränkt sich das meist dar­auf, dass alle Lesen­den ein erschüt­ter­tes Gesicht machen, so etwas sage man doch nicht, weh­ret der Anfän­ge und über­haupt, weil man­che Anfän­ge eben bri­san­ter sind als ande­re und die Lin­ke zwar den bür­ger­li­chen Sozia­lis­mus pflegt, aber sonst mit der Illu­si­on der sozia­len Gerech­tig­keit, wie sie kom­mu­ni­sti­sche Regimes seit Deka­den mit bekann­tem Erfolg pre­di­gen, nichts zu tun hat; nicht wahr?

Mar­xis­mus jeden­falls, so scheint es, ist die neue (und bes­se­re) Auto­bahn.

In den NachrichtenNerdkrams
Digi­ta­le Unmün­dig­keit im Zei­chen des Apfels

Noch eine nicht unin­ter­es­san­te Neu­ig­keit ist übri­gens die, dass Apple sich jetzt doch noch dar­an erin­nert, dass sie außer dem iPod‑, iPad‑, iPho­ne- und iDio­ten-Markt auch noch einen Markt für die nicht voll­ends dem gad­get-Wahn ver­fal­le­nen Heim­an­wen­der beset­zen, dem sie sich bis­wei­len mal wie­der aus­führ­lich wid­men soll­ten, so lan­ge es noch kein Ver­lust­ge­schäft ist. Und damit die Leu­te nicht auf­hö­ren, für App­les Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit zu trom­meln, genügt natür­lich kei­ne simp­le Ankün­di­gung einer neu­en OS-X-Ver­si­on mit irgend­wel­chen Detail­än­de­run­gen („Ver­bes­se­run­gen“ ist so ein schreck­lich sub­jek­ti­ver Begriff), son­dern es muss ordent­lich rum­peln, und so ver­brei­te­te man fol­gen­des:

Deve­lo­pers plan­ning on mar­ke­ting soft­ware for 10.7 will sub­mit their pro­ducts to the App Store as iPho­ne and now iPad deve­lo­pers have alre­a­dy done. 10.7 will have ker­nel sup­port for (‚insi­stence on‘) bina­ries signed with Apple’s root cer­ti­fi­ca­te.

No soft­ware will be able to run on Mac OS X 10.7 wit­hout being appro­ved and signed by Apple, Inc.

Auf Deutsch heißt das also fol­gen­des: Da aus­rei­chend vie­le Per­so­nen bereit waren, Apple Geld zu bezah­len, um das iPho­ne mit neu­en Anwen­dun­gen („apps“) aus­stat­ten zu dür­fen, ist die­ses Kon­zept als erfolg­reich zu bezeich­nen und wird auch auf MacOS über­tra­gen. Künf­ti­ge OS-X-Ver­sio­nen wer­den nur noch jene Anwen­dun­gen erlau­ben, die von Apple (für rela­tiv viel Geld) signiert, also abge­seg­net, wur­den.

Unter der Prä­mis­se, das sei mehr als ein Gerücht, steht zu befürch­ten, dass selbst die der­art erfolg­te Per­ver­si­on des Prin­zips eines Betriebs­sy­stems, das auf einer frei­en Basis fußt, nicht genügt, um den Mythos Apple als das zu ent­lar­ven, was die mei­sten Kon­kur­renz­kon­zer­ne eben auch sind; nichts wei­ter näm­lich als kom­mer­z­ori­en­tiert, stets ver­sucht, die zah­len­den Kun­den noch ein wenig mehr zu beschnei­den, so dass selbst die von Micro­soft geför­der­te digi­ta­le Rech­te­ver­wal­tung bei­na­he schon wie ein Wink der Frei­heit wirkt.

Sie ler­nen es ein­fach nicht.