In den Nachrichten
Ver­dien­ste auf dem Feld der Ehre

Wenn man übri­gens als Fuß­ball-Bun­des­trai­ner mit sei­ner Mann­schaft auf einen fer­nen Kon­ti­nent reist, ein gan­zes Land schon vor dem Eröff­nungs­spiel „Fina­le, Fina­le“ zu brül­len scheint, man dann wie bereits zwei Jah­re zuvor gegen einen tak­tisch bes­se­ren Geg­ner spielt, der nach der glei­chen Metho­de wie zwei Jah­re zuvor eben­so 1:0 gewinnt wie zwei Jah­re zuvor, und dann in einem Spiel um „Platz 3“, also in einem, in dem es nicht ein­mal mehr um irgend­ei­nen Titel geht, es nur knapp schafft, gegen den deut­lich unter­le­ge­nen Geg­ner Uru­gu­ay zu gewin­nen (wir erin­nern uns: zwei Gegen­to­re, weil die Abwehr lie­ber ganz woan­ders her­um­ge­lau­fen ist), bekommt man dafür nicht etwa Teer und Federn über den Kopf und/oder sei­ne Ent­las­sungs­pa­pie­re aus­ge­hän­digt, son­dern im Gegen­teil fei­er­lich Leicht­me­tall ange­pappt.

Wulff lob­te beson­ders den Team­geist der Mann­schaft und ihren Umgang mit Rück­schlä­gen. „Wenn sich da der ein oder ande­re etwas abguckt, wie hier jeder an sei­nem Platz das Opti­ma­le bringt und als Team über­zeugt, dann kann das der Poli­tik Deutsch­lands in kein­ster Wei­se scha­den“, sag­te der Prä­si­dent.

Das trifft zu, aber wel­chen Mehr­wert hat die „Poli­tik Deutsch­lands“ nun von der Vize-Vize­welt­mei­ster­schaft? Nun, die Spie­le selbst lie­ßen ihr aus­rei­chend Zeit, um ein paar unan­ge­neh­me Geset­ze zu ver­ab­schie­den (wäh­rend der Pöbel noch „Schland“ skan­dier­te, wur­de SWIFT ver­ab­schie­det), Joa­chim Löw hat ihr qua­si das Volk vom Leib gehal­ten. Wie umsich­tig von ihm. (Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass „Team­geist“ und ein pri­ma Umgang mit „Rück­schlä­gen“ auch in ganz ande­ren Milieus zu fin­den sind; Wehr­macht, anyo­ne?)

Ja, Herr Löw hat sich um die deut­sche Poli­tik wahr­lich ver­dient gemacht. Er hat die Mann­schaft lan­ge genug im Tur­nier gehal­ten, so dass nie­mand bewusst gemerkt hat, wie sei­ne Bür­ger­rech­te wie­der ein Stück weit ver­hö­kert wur­den. Applaus für Schlaa­and. Zucker­brot und Spie­le für das Volk!

Dies wirft natür­lich vor allem eine Fra­ge auf:
Wenn es für den drit­ten Platz das Bun­des­ver­dienst­kreuz gibt, was wäre ihm ange­tan wor­den, hät­te es gar für einen Titel genügt?

Ande­rer­seits möch­te ich das lie­ber nicht so genau wis­sen.

Sonstiges
Heiß­hier­heu­te, fin­den­sie­nicht?

Apro­pos, Welt­geist!

Wenn man ver­schwitzt durch ein nicht näher benann­tes Ein­kaufs­zen­trum in einer gleich­falls nicht näher benann­ten und höch­stens von bös­wil­li­gen Scherz­bol­den so bezeich­ne­ten „Stadt“ fla­niert und wegen beschränkt­zah­li­gen Publi­kums­ver­kehrs befä­higt ist, der Musik zu lau­schen, die die Gän­ge beschallt, gibt es unge­fähr zwei drei Lie­der auf der Welt, auf die man ver­zich­ten kann.

„Satel­li­te“, „Last Christ­mas“ und, um Him­mels Wil­len, „Heat is on“.

Und jetzt ratet drei­mal, wel­ches heu­te mei­ne Lau­ne ver­dun­kel­te.
Fangt hin­ten an, geht schnel­ler.

(Mei­ne Güte, die­ses Wet­ter.)

Rich­tig uner­träg­lich ist das vor allem, wenn man ver­sucht, das Leben in vol­len Zügen zu genie­ßen (Wort­spiel hier ent­lehnt, Poin­te beach­ten!), gera­de, wenn man in einer Groß­stadt sein Dasein fri­stet und etwa auf die Euro­bahn oder die Ber­li­ner S‑Bahn ange­wie­sen ist. Die mögen auch kei­ne Hit­ze:

Im Füh­rer­stand wird es jetzt aber hei­ßer als vor­ge­se­hen, weil die Fah­rer auf den mei­sten Bahn­hö­fen die Türen öff­nen müs­sen, um den Zug abfer­ti­gen zu kön­nen. Dadurch kommt jedes Mal ein Schwall hei­ßer Luft in den Füh­rer­stand, und die Kli­ma­an­la­ge packt es nicht, die Tem­pe­ra­tur schnell sin­ken zu las­sen.

(via)

Im Win­ter zu kalt, im Som­mer zu warm; man könn­te mei­nen, die Ber­li­ner S‑Bahn wür­de von Apple betrie­ben.
Ich darf mich wie­der­ho­len: Mei­ne Güte.

Musik
Gesang in frem­den Zun­gen

Hal­lo und will­kom­men zurück, lie­be Tages­ord­nung!

Heu­te früh hielt mich eine anre­gen­de Dis­kus­si­on vom Schla­fen ab. Sujet war das Lied­schrei­ben im All­ge­mei­nen und das Betex­ten der Resul­ta­te im Spe­zi­el­len.

War­um näm­lich grei­fen auch nur leid­lich anglog­lot­te Musi­ker oft auf die eng­li­sche Spra­che zurück, wenn es dar­um geht, das Pro­dukt der eige­nen Gei­stes­ar­beit in Wor­te zu fas­sen? Eine Ant­wort des Mit­dis­ku­tan­ten und der Aus­lö­ser für den eigent­li­chen Zwist war, weil die deut­sche Spra­che sich nicht zum Sin­gen eig­ne, weil sie gleich­sam weni­ger melo­disch sei als die eng­li­sche und ein auf Deutsch ver­fass­tes Lied meist Schla­ge­r­as­so­zia­tio­nen wecke.

Nun klin­gen Ramm­stein und Die Toten Hosen wahr­lich nicht nach den Wil­decker Herz­bu­ben, wes­halb zumin­dest letz­te­res Argu­ment beden­ken­los in das Reich der Fik­ti­on abge­scho­ben wer­den darf und hier nicht wei­ter von Belang ist, also keh­re ich erst ein­mal vor der Tür des erste­ren Argu­ments:

Die eng­li­sche Spra­che mag melo­di­scher klin­gen, weil Kon­so­nan­ten bei der Aus­spra­che meist ver­schwim­men, aber ist dies ein Zei­chen dafür, dass ihr Wort­schatz auch bes­ser zu sin­gen ist? Beim Gesang ist vor allem der Vor­trags­stil von Bedeu­tung, anschau­lich wird das klar, wenn man abwech­selnd zum Bei­spiel Peter Ham­mill und Lena Ohnen­ach­na­men lauscht, was auf Dau­er zwar glei­cher­ma­ßen ermü­det, aber bis dahin soll­te man ver­stan­den haben, dass die Spra­che, der der Text ent­stammt, nur so melo­di­ös und sing­bar ist wie das Talent des Inter­pre­ten es zulässt.

Sicher denkt man­cher beim The­ma „deut­sche Lied­tex­te“ pri­mär an Schla­ger, aber wohl kaum jemand ver­mag mir stim­mig zu erklä­ren, was nun ein Lied, des­sen Refrain „Ich lie­be dich, komm zurück zu mich mir“ lau­tet, signi­fi­kant von „I love you, come back to me“ unter­schei­det. War­um mir gera­de die­ses Bei­spiel ein­ge­fal­len ist? Ehr­lich – ich weiß es nicht. Aber hier haben wir doch auch schon den näch­sten wich­ti­gen Punkt: Lied­tex­te haben nicht sel­ten etwas mit Gefüh­len zu tun, ob fik­tiv oder wahr­haf­tig, bleibt hier­bei der Absicht des Ver­fas­sers über­las­sen. In zumin­dest zwei­te­rem Fall wäre es indes reich­lich töricht, das, was die See­le sprach, zuerst in eine ande­re Spra­che zu tran­skri­bie­ren und dabei womög­lich noch in ein Reim- und Vers­sche­ma zu pres­sen. Dass dies im Eng­li­schen oft leich­ter fällt, spricht jeden­falls in mei­nen Augen nicht für den gei­sti­gen Anspruch die­ser Spra­che. (Wer star­ke Ner­ven hat und noch zwei­felt, der möge bit­te den Lied­text von „Satel­li­te“ kon­su­mie­ren und mir anschlie­ßend erläu­tern, wo der Unter­schied zu dem besteht, was bei­spiels­wei­se im Musi­kan­ten­stadl auf­ge­führt wird.)

Wer Musik betreibt, um Koh­le zu schef­feln, der ist mit der Anglo­pho­nie ver­mut­lich gut bedient; Tex­te, die das pri­mä­re Ziel­pu­bli­kum und oft auch man selbst nicht ver­steht, behin­dern den Ver­kauf bekannt­lich nicht. Das Publi­kum will unter­hal­ten wer­den. Scoo­ters Front­mann „H.P.Baxxter“ äußer­te ein­mal, er ver­ste­he selbst nicht so genau, was er da ins Mikro­fon brüllt. Selt­sa­mes wie „Hyper Hyper“, „Fuck The Mill­en­ni­um“ und „How Much Is The Fish?“ jeden­falls ver­kauf­te sich im deutsch­spra­chi­gen Raum bis­lang nicht übel.

Wer Musik jedoch allein der Musik wegen betreibt, die Tex­te als Pro­dukt sei­ner grau­en Zel­len und nicht als blo­ßen Zier­rat begreift, gar eine Bot­schaft (nicht unbe­dingt auf das Poli­ti­sche beschränkt) ver­mit­teln will, der soll­te sich dar­über im Kla­ren sein, dass von dem, was er schuf, nach der Trans­la­ti­on ins Eng­li­sche nur mehr wenig erhal­ten bleibt, etwa­ige Meta­pho­rik und fein­sin­ni­ge Iro­nie inbe­grif­fen. Das Herz spricht nur die Mut­ter­spra­che.

Eigent­lich scha­de, dass es mit mei­ner Musi­ker­kar­rie­re bis­lang nicht geklappt hat.

SonstigesNetzfundstückeNerdkrams
Kurz­mel­dung: Fund­stücke von You­Tube und Tho­mann, außer­dem Fuß­ball

Lie­be Fa. Goog­le, Sub­di­vi­si­on YouTube.com:

Es ist ja wirk­lich nett, dass ihr ver­sucht, etwas zur all­ge­mei­nen Inter­net­si­cher­heit bei­zu­tra­gen (auch wenn ich bezweif­le, dass das Stück­werk Ope­ra signi­fi­kant mehr Sicher­heit als Fire­fox zu bie­ten ver­mag), aber ich ver­wen­de bereits Mozil­la Fire­fox in einer aktu­el­len Ver­si­on. Kor­ri­giert mal euren Algo­rith­mus.

Und apro­pos Kor­ri­gie­ren, ein Lek­tor wür­de auch dem Musik­haus Tho­mann gut zu Gesicht ste­hen, in derem aktu­el­len Wer­be­pro­spekt man sich, direkt neben­ein­an­der, zwi­schen InE­ar-Hörern, In-Ear-Hörern und In-Ear Hörern ent­schei­den kann, immer­hin (noch?) nicht für Höh­rer jeg­li­cher Art.

(Fuß­ball-EM-Fina­le 2008: Die Spa­ni­er spie­len sich die Päs­se zu, die Deut­schen ver­su­chen ver­zwei­felt, den Ball zu bekom­men. Das Ergeb­nis ken­nen wir. Fuß­ball-WM-Halb­fi­na­le 2010: Die Spa­ni­er spie­len sich die Päs­se zu, die Deut­schen ver­su­chen ver­zwei­felt, den Ball zu bekom­men. Trööööt … ach, apro­pos deutsch.)

Nach­trag:
Just, als ich dies schrei­be, führt Spa­ni­en ver­dient 1:0.
Der Kra­ke hat­te Recht!

Nach­trag von 22:20 Uhr:
Nun, da Deutsch­land ange­mes­sen ver­lo­ren hat (zu früh gefreut, SPIEGEL Online?), kann ich die Trö­te hier, wie ver­spro­chen, wie­der ent­fer­nen.
Genug des Trö­tens! Zurück zur Tages­ord­nung bit­te.

SonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Ita­li­en und Bar­ce­lo­na, ey.

Da ich gestern mit dem ÖPNV und ÖPFV durch das Land gurk­te resp. gur­ken ließ, hat­te ich wie­der ein­mal das Ver­gnü­gen, mich in der Gegen­wart einer Hor­de Jung­men­schen auf­hal­ten zu dür­fen; trotz Feri­en: Vol­le Züge.

Und sie, die Jung­men­schen, tru­gen nicht gera­de dazu bei, dass mei­ne oft geschol­te­nen Vor­ur­tei­le gegen­über die­ses Men­schen­schla­ges wichen. Ich stel­le die Situa­ti­on, auch im Inter­es­se der Leser, die mich immer wie­der um Berich­te aus den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln bit­ten, ein­mal ver­kürzt dar:

Von den zahl­rei­chen anwe­sen­den Jung­men­schen im trotz des Zeit­punk­tes (Mon­tag Abend) recht vol­len Regio­nal­zug von Han­no­ver nach Braun­schweig bil­de­ten jeden­falls vier eine Grup­pe, dar­un­ter ein Pär­chen, bestehend aus blon­dier­tem Mau­er­blüm­chen und einem Exem­plar Männ­chen, des­sen kon­si­sten­ter Gesichts­aus­druck zwi­schen gei­sti­ger Über­le­gen­heit und Apa­thie ein­zu­ord­nen war, sowie ein igel­haa­ri­ger Macho­typ, dem nur noch das Gold­kett­chen zum Kli­schee gefehlt hät­te, und ein nicht näher erwäh­nens­wer­tes, unspek­ta­ku­lä­res wei­te­res Weib­chen, das immer­hin sel­ten zu reden begann.

Das Wort „Pär­chen“ habe ich bewusst gewählt; Pär­chen zeich­nen sich gegen­über Paa­ren bekannt­lich durch eine gewis­se Pene­tranz in jeder gemein­sa­men Akti­vi­tät aus, und wenn ein sol­ches Pär­chen fort­wäh­rend der­art geräusch­voll Zärt­lich­kei­ten aus­tauscht, dass ein gan­zes Zug­ab­teil dar­an teil­zu­ha­ben befä­higt wird, und sich anschlie­ßend tri­um­phie­rend umschaut, als wol­le es sagen: Seht her, wir machen rum, ihr nicht, ätsche­bätsch, dann schwelgt der stil­le Beob­ach­ter weni­ger in Neid denn viel­mehr in Abscheu. Die Geräusch­ku­lis­se einer Schwei­ne­füt­te­rung lässt ja auch die wenig­sten Men­schen in ero­ti­sche Ver­zückung gera­ten.

Die­ses Quar­tett jeden­falls, alle­samt, wie den Gesprä­chen zu ent­neh­men war, etwa 17 Jah­re alt, ließ sei­ne Umwelt unge­fragt, weil laut­stark, an der eige­nen Cool­ness teil­ha­ben und sprach, Jäger­mei­ster „auf Dings“ (sic!) trin­kend, fort­wäh­rend von dem Mehr­wert eines Besäuf­nis­ses für die eige­ne Lebens­qua­li­tät, ob auf Klas­sen­fahrt oder zu ande­ren Gele­gen­hei­ten. Der Igel­haa­ri­ge ließ es sich nicht neh­men, den Jäger­mei­ster­fleck auf sei­ner Hose zum Anlass für ein Erwäh­nen des­sel­ben zu ver­wen­den, als wäre es ein Zei­chen von Männ­lich­keit, sich mit Likör zu besab­bern; wie er es eben auch für einen Mehr­wert hielt, mit 17 allein Auto zu fah­ren, obwohl er das „eigent­lich nicht dürf­te, na und?“.

Natür­lich durf­ten auch die Freu­den des Alko­ho­lis­mus‘ im Urlaub nicht feh­len: „Wir waren Ita­li­en und Bar­ce­lo­na“, Prä­po­si­tio­nen sind voll so 90-er, Ald­ah, „und eigent­lisch durf­ten wir ja nisch sau­fen und so“, und natür­lich haben sie es trotz­dem getan, weil hart. Um Him­mels Wil­len. Das Gespräch über Alko­ho­li­ka ende­te jeden­falls unver­hofft mit einer wei­te­ren Poin­te: Gehüllt in eine Wol­ke aus Jäger­mei­ster­duft saß das Rudel bei­ein­an­der, als plötz­lich Frau­en­par­füm den Raum erfüll­te und den Schnaps­ge­ruch ver­trieb. Und tat­säch­lich nah­men die Trin­ken­den die­se Ände­rung ihrer Umwelt wahr, die den Igel­haa­ri­gen zu der Fra­ge ver­an­lass­te, was denn „hier so schei­ße rie­che“, und das eigent­lich ange­mes­se­ne „dei­ne Mut­ter, Idi­ot“ konn­te ich, von dem unter­pri­vi­le­gier­ten Geschwall der vier Schwal­len­den längst nicht mehr nur amü­siert, mir gera­de noch so ver­knei­fen. Es hät­te mir aus Niveau­grün­den wohl auch Leid getan. Ich brau­che Urlaub.

Apro­pos Spa­ni­en und nach­dem übri­gens min­de­stens „ganz Deutsch­land“ dem Kra­ken­ora­kel treu zu Füßen liegt:
Wisst ihr schon, wem der Okto­pus den Sieg weis­sag­te?

Ein wahr­lich schlau­es Tier.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XIX: Von Äpfeln, Fuß­ball und der F.D.P.

Zwi­schen­durch spen­die­re ich euch, lie­be Leser, wie­der ein­mal ein paar hüb­sche Fund­stücke aus mei­nem Fun­dus an täg­lich ein­tref­fen­den Nach­rich­ten, unge­ord­net auf­ge­li­stet:

Gui­do Wester­wel­le zum Bei­spiel for­der­te unlängst einen Neu­an­fang ohne Kurs­kor­rek­tur; qua­si vorm Abgrund noch mal umkeh­ren, zurück an den Anfang und noch mal die glei­che Strecke zurück­le­gen. Ele­gan­te Ben­zin­ver­schwen­dung qua­si; muss ja nur noch bis zu den näch­sten Wah­len genü­gen.

Und: Ja, ich gebe zu, ich habe nicht damit gerech­net, dass Deutsch­lands Natio­nal­mann­schaft die argen­ti­ni­sche gewin­nend aus der Welt­mei­ster­schaft ent­fernt. Aller­dings ist der Fuß­ball­sport immer schon ein Sport gewe­sen, in dem für beson­ders männ­lich gehal­te­nes Impo­nier­ge­ha­be den Ton angibt; man kennt das ja: „Mes­si auf Fres­si“, haha und hoho. Und wenn dann die ver­dient beste Mann­schaft des Tur­niers – die spa­ni­sche – den Pokal gewinnt, will kei­ner mehr etwas davon wis­sen. Wehe, einer wagt es dann noch, sei­ne Mit­men­schen mit Auto­kor­so und Getrö­te zu ner­ven, unab­hän­gig von sei­ner Natio­na­li­tät oder davon, wie sehr ihn die Pene­tranz sei­ner grö­len­den sog. „Mit­bür­ger“ gezwickt hat, man hat sich dann zu fügen. Wenn „Schlaaa­and“ drau­ßen ist, ist Fuß­ball plötz­lich wie­der das, was es längst sein soll­te, näm­lich ein Spiel. Nicht mehr, nicht weni­ger. Man wird ja noch träu­men dür­fen.

Den schön­sten Ver­gleich mit Apple-Kun­den seit lan­gem übri­gens zogen die Macher von Futura­ma bzw. eigent­lich, dar­auf auf­bau­end, ZGeek.com:

Instead the zom­bies just began chee­ring, money in hand for no appa­rent rea­son.

Wie wahr, wie wahr.

NetzfundstückeNerdkrams
Full paua.

Ein Kur­zer für’s Wochen­en­de:

Im Zug begeg­ne­te ich vor­ge­stern einer Frau, die eine Tasche mit sich her­um­trug, deren Auf­druck für Gegen­stän­de Wer­bung mach­te, die aus Paua, einer See­schnecken­art, gefer­tigt wur­den.

Die Scha­len die­ser See­schnecken wer­den auch in ale­man­ni­schen Spra­chen unter der Bezeich­nung „Shell“ ver­kauft, ins­ge­samt also als Paua Shells.

Und man mag es gern für einen saxo­pho­ben Scherz hal­ten, wenn ich nun asso­zi­ie­re:

Paua Shell?
Power­shell!

Hihi.

Sonstiges
Gast­bei­trag: Archiv für Film­po­ster

Da der letz­te Gast­bei­trag so posi­tiv auf­ge­nom­men wur­de, folgt ein wei­te­rer vom sel­ben Autor, dem ich noch­mals herz­lich dan­ken möch­te. :)


Ich wur­de erneut gebe­ten, einen Gast­bei­trag zu ver­fas­sen. Da der Inha­ber die­ser Site unter nicht ganz uner­heb­li­chem juri­sti­schem Ein­fluss steht, was, wenig­stens dies­mal, jedoch in posi­ti­vem Sin­ne zu ver­ste­hen ist und was man auch an dem Arti­kel In eige­ner Sache: Das mit der Anony­mi­tät“ „recht“ deut­lich erken­nen kann, habe ich einen klei­nen juri­sti­schen Bei­trag gewählt. Natür­lich gibt es aus der Juri­ste­rei viel Fach­spe­zi­fi­sches zu berich­ten. Mir ist aber durch­aus bewusst, dass die Mit­tei­lung die­ses Wis­sens, selbst wenn es ohne die Nen­nung von Vor­schrif­ten dar­ge­bo­ten wird, häu­fig weder ver­ständ­lich noch nach­voll­zieh­bar ist. Denn in der Juri­ste­rei gilt nun mal gera­de nicht 1 + 1 = 2. Hier hängt viel von der Argu­men­ta­ti­on ab. Es gilt eher der Grund­satz „ver­tret­bar“ oder „unver­tret­bar“. Man kann es auch mit „mal so, mal so“ oder „hü oder hott“ aus­drücken. Ich möch­te sagen: Es gibt kaum Rechts­si­cher­heit. Ganz beson­ders deut­lich wird das im Arbeits­recht. Jeder, der viel­leicht ein­mal ein Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren „mit­er­le­ben durf­te“, wird dies nach­voll­zie­hen kön­nen: Mei­stens erle­di­gen sich die­se Ver­fah­ren näm­lich nicht durch Urtei­le, son­dern durch Ver­glei­che.

Zur Sache:

Für Film­freun­de möch­te ich an die­ser Stel­le das inter­es­san­te Archiv für Film­po­ster vor­stel­len, das deut­sche Film­pla­ka­te, Teaser­po­ster und teil­wei­se auch inter­na­tio­na­le Poster mit Brei­ten zwi­schen 250 und 500 Pixeln ent­hält.

Unter der Rubrik „Spe­zi­al“ fin­det man Tex­te und Bild­samm­lun­gen rund um Kino­pla­ka­te.

Beson­der­heit: Es besteht die Mög­lich­keit, die Pla­ka­te auf der eige­nen Web­site ein­zu­bet­ten, um die­se auf­zu­pep­pen. Ob das jedoch wirk­lich in Betracht kommt, muss jeder für sich selbst ent­schei­den.

Laut Info heißt es:
„Ihr könnt ger­ne Links auf alle unse­re PHP-Sei­ten set­zen, aller­dings ist das direk­te Refe­ren­zie­ren unse­rer Bil­der in irgend­wel­chen Foren oder sonst wo von uns nicht erwünscht. Falls ihr unse­re Poster auf eurer Sei­te wollt, ein­fach den Embe­ded-Code unter jedem groß ange­zeig­ten Film­po­ster in euren HTML-Code kopie­ren.“

Aller­dings heißt es dort auch: „Die Rech­te ver­blei­ben bei den jewei­li­gen Inha­bern.“ Und: „Wir ver­mit­teln kei­ne Bild­rech­te. Bit­te wen­de dich an den jewei­li­gen Rechteinhaber/Verleih…“

Ob die Inha­ber wirk­lich alle Bil­der zur Ver­wer­tung frei­ge­ge­ben haben, kann man ent­we­der glau­ben, oder eben nicht. Ich unter­stel­le hier ein­fach, dass der Inha­ber die­ser Site nach bestem Wis­sen und Gewis­sen han­delt. Doch auch er kann sich irren. Mög­li­cher­wei­se gibt es doch noch irgend­wo Rechts­in­ha­ber, die ent­we­der nicht oder nur ein­ge­schränkt der Ver­wer­tung zuge­stimmt haben. Wer weiß das schon? Solan­ge ich nicht die defi­ni­ti­ve Bestä­ti­gung des Rechts­in­ha­bers selbst vor­lie­gen habe, las­se ich bei sol­chen Sei­ten äußer­ste Vor­sicht wal­ten. Auf ande­ren Inter­net-Sei­ten, etwa sol­chen, die Bild-/Fo­to­da­tei­en für die „freie“ Ver­wer­tung bereit­stel­len, wird mei­stens aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass immer auch im Ein­zel­fall zu prü­fen ist, ob die ange­streb­te Ver­wer­tung recht­mä­ßig ist oder nicht und man sich des­halb im Zwei­fel an den Urhe­ber zu wen­den habe.

Selbst wenn man dem nun ent­ge­gen­hält, man beschrän­ke sich dar­auf, nur die weni­gen ange­bo­te­nen aus­län­di­schen Film­po­ster zu ver­wen­den, kann der Urhe­ber u. U. sei­ne Rech­te auch hier in Deutsch­land gel­tend machen, selbst wenn er aus dem Aus­land stammt. Denn mög­li­cher­wei­se hat er sein Ver­wer­tungs­recht (teil­wei­se) abge­tre­ten. Auch das bleibt vor­lie­gend völ­lig im Dun­keln.

Fazit: Ich selbst sehe rein vor­sichts­hal­ber von der Mög­lich­keit des Ein­bet­tens ab, so ger­ne ich auch von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch machen wür­de. Ich stö­be­re in dem Archiv als ewi­ger Kino­gän­ger aber sehr ger­ne und hole mir dort Anre­gun­gen für eige­ne Bil­der.

Internes
In eige­ner Sache: Das mit der Anony­mi­tät.

Lie­be Leser mei­ner­seits, lie­be Leser sei­ner­seits,

wenn ihr die­sen Text hier lest, wur­de die kom­plet­te Inter­net­prä­senz, auf der ihr euch befin­det, an die Anfor­de­run­gen moder­ner Daten­schutz­richt­li­ni­en ange­passt.

Das heißt im Klar­text:
Anstel­le des bis­her ver­wen­de­ten Apa­che-Log-Ver­wer­ters AWStats kommt nun die quell­of­fe­ne Echt­zeit­sta­ti­stik Piwik gemein­sam mit dem Word­Press-Plug­in Stat­Press zum Ein­satz. Das Anle­gen von Log­da­tei­en habe ich ser­ver­sei­tig deak­ti­viert, alle IP-Adres­sen – auch die mei­ner Kom­men­ta­to­ren – wer­den vor der Spei­che­rung von sowohl den Sta­ti­stik­werk­zeu­gen als auch Word­Press selbst unum­kehr­bar anony­mi­siert, mit­hin wer­den sie auch nicht, etwa über die Mail­be­nach­rich­ti­gung, Drit­ten preis­ge­ge­ben. Ana­log habe ich auch mei­ne Kon­ten bei blogoscoop.net und bloggerei.de deak­ti­viert, auf­grund derer ich hier zwei (ver­steck­te) Zähl­ban­ner ein­ge­bun­den hat­te.

Wer den­noch miss­trau­isch ist, der kann die Ana­ly­se durch Piwik auch kom­plett ver­hin­dern, indem er das ana­ly­sie­ren­de Java­script, das sich am Sei­ten­en­de befin­det, schlicht blockiert (Fire­fox-Nut­zer: das ohne­hin emp­feh­lens­wer­te NoScript erfüllt hier die­sen Zweck), aber nötig ist dies nicht.

Das Über­mit­teln der eige­nen Mail­adres­se beim Kom­men­tie­ren erfolgt übri­gens nach wie vor frei­wil­lig.
Ich spei­che­re nicht!

Gern gesche­hen.

(„Drei Wor­te: RTL II – It’s fun.“, na, da zäh­len wir noch mal, lie­be Pro­gramm­ver­ant­wort­li­che.)

ProjekteSonstiges
Medi­en­kri­tik XXXI: Der Reiz des Ver­bo­te­nen (Ghet­to, yo)

Auf der Suche nach Erfri­schung eigent­lich eher kör­per­li­cher Natur ver­harr­te mein Blick heu­te auf dem Titel­blatt der aktu­el­len Aus­ga­be des Klatsch- und Sex­heft­chens BRAVO. Abge­bil­det war ein mir zunächst unbe­kann­ter Zeit­ge­nos­se, der mit „Menowin“ beschrif­tet wor­den war. Menowin, das wuss­te ich aus Erzäh­lun­gen mir lei­der nahe ste­hen­der Per­so­nen, hat­te unlängst an aus­ge­rech­net Die­ter Boh­lens ver­geb­li­cher Talent­su­che teil­ge­nom­men und dabei irgend­ei­nen Platz errun­gen. Genau­er weiß ich es nicht, was letzt­end­lich ver­mut­lich für mich spricht.

Die­ser Menowin jeden­falls war offen­bar min­de­stens ein­mal Insas­se einer Justiz­voll­zugs­an­stalt, und so lau­te­te der beglei­ten­de Text­auf­druck der BRAVO wie folgt:

Mein gehei­mes Knast-Tage­buch: Das ging in Menowins Gefäng­nis wirk­lich ab

(Her­vor­he­bung wie Wort­wahl im Ori­gi­nal eben­so.)

Selbst, wenn man das Non­sens-Adjek­tiv „geheim“ gedank­lich streicht (wie sonst nennt die BRAVO dann etwas, was sie eben nicht Mil­lio­nen von fehl­ge­lei­te­ten Lesern öffent­lich mit­teilt; womög­lich „super­ge­heim“?): Was soll das?

Ist es wie­der im Trend, sich nach der Sei­fe zu bücken, gar ein Sta­tus­sym­bol? Seht her, Kin­der, so ein Knast ist voll doof und so, aber, hey, ich bin voll berühmt des­we­gen weil ich bes­ser sin­gen kann als manch ande­rer, was natür­lich gar nichts mit mei­ner Lebens­ge­schich­te, die seit­dem wöchent­lich die Pre­ka­ri­ats­pres­se ziert, zu tun hat! Ihr wollt doch sicher auch so wer­den wie ich!

Das Gang­statum wird wie­der salon­fä­hig, mit der Ära 50 Cents, in der sich die Anzahl an über­leb­ten Schie­ße­rei­en noch zum Prah­len eig­ne­te, war es noch längst nicht vor­über. Ghet­to, Alter. Yo. Nur für ech­te Schie­ße­rei­en sind sie zu fei­ge, man könn­te ja ver­se­hent­lich ver­lie­ren, und dann steht man da bzw. eben nicht mehr, also bleibt ihnen ihre Vor­ge­schich­te, die ihnen so unglaub­lich pein­lich zu sein scheint, dass sie, wie erwähnt, nahe­zu wöchent­lich immer wie­der dar­auf zu spre­chen kom­men. So rich­tig abschreckend wirkt das ja nun nicht gera­de. „Boah, der war im Knast, cool!“

Mei­ne Jugend­ido­le waren nie so. Gute, alte Zeit.

(Erklä­rung: Auf den Kauf der BRAVO habe ich aus Niveau­grün­den ver­zich­tet, soll­te im inhalt­li­chen Teil also etwas ande­res ste­hen als von mir ange­deu­tet, so bit­te ich um Nach­sicht.)

Apro­pos Niveau: eMu­le beba 2.61 ist da. Holt es euch, so lan­ge es noch frisch ist!

PiratenparteiPolitikIn den Nachrichten
Von Kra­ken und ande­ren Leuch­ten

Ich hat­te es für einen Scherz gehal­ten, als man mir davon erzähl­te, es gebe ein Kra­ken­ora­kel, das bis­lang jedes Ergeb­nis der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft kor­rekt vor­her­ge­sagt habe. Soeben scroll­te jedoch im IRC-Kanal der Pira­ten­par­tei dies an mir vor­bei:

(laromeid) +++++ BREAKING NEWS +++++ DAS KRAKENORAKEL VERSPRICHT SIEG FÜR DEUTSCHLAND! +++++ RTL II TOP-NEWS +++++

Ich folg­te den fol­gen­den Ver­wei­sen und war ent­setzt:
Tat­säch­lich gibt es im Ober­hau­se­ner Aqua­ri­um offen­bar einen Kra­ken, dem man jeweils die ent­spre­chen­den Flag­gen kre­denzt, die er mit­tels Ten­ta­kel­be­we­gun­gen dann als „Sie­ger­flag­ge“ kenn­zeich­net. Das Viech scheint nun­mehr Aner­ken­nung als Ora­kel gefun­den zu haben.

Und jetzt sagt es vor­aus, dass Deutsch­land auch gegen Argen­ti­ni­en gewin­nen wird.

Man muss schon ein ziem­lich ver­quer den­ken­der Mensch sein, um der­lei als einer Fern­seh­nach­richt wür­dig zu erach­ten, was mich neben­bei auch dar­in bekräf­tigt, mich von RTL II, der BILD und ähn­li­chen Idio­ten­me­di­en kon­se­quent fern­zu­hal­ten; aber dass die­ses Tier auch von Leu­ten für halb­wegs ernst genom­men wird, denen ich eigent­lich mehr zuge­traut hät­te, ist erschreckend.

Na, spä­te­stens am Sonn­tag gibt’s Frisch­fleisch im Fisch­ge­schäft. Sel­ber schuld.

Apro­pos Pira­ten­par­tei übri­gens:

„Das Inter­net darf kein rechts­frei­er Raum sein“, sag­te Gauck dem Abend­blatt. „In unse­rem Land mit unse­rer Geschich­te darf all das, was in gedruck­ter Form ver­bo­ten ist, im Netz nicht ohne Wei­te­res erlaubt sein.“

Auf­sta­che­lung zum Ras­sen­hass oder Anstif­tung zum Ter­ro­ris­mus könn­ten nicht außer­halb des Rechts­staa­tes statt­fin­den, for­der­te der ehe­ma­li­ge DDR-Bür­ger­recht­ler. „Des­we­gen müs­sen sol­che Inhal­te aus dem Netz gelöscht wer­den.“ Der Ruf etwa der Pira­ten­par­tei nach unbe­grenz­ter Frei­heit habe „einen Hang zur Ver­mes­sen­heit“, kri­ti­sier­te er.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Selt­sam; mir war, als wäre „Löschen statt Sper­ren“ genau das, was die Pira­ten­par­tei bereits seit Jah­ren for­dert. Soll­te ich mich da etwa geirrt haben, oder kann es auch nur sein, dass Joa­chim Gauck, der im Inter­net meist als best­ge­eig­ne­ter Kan­di­dat beschrie­ben wird, schlicht­weg kei­ne Ahnung hat, was für einen Unsinn er sich da zusam­men­fa­bu­liert hat?

Mir graut es bereits vor dem Ergeb­nis der Prä­si­dent­schafts­wahl. Au, weia.
Viel­leicht doch lie­ber ein Knö­del?

Sonstiges
Traum­be­ruf Schrott­ver­käu­fer

Womit man, wenn man den unter dem Schei­ben­wi­scher man­cher Autos zu fin­den­den Visi­ten­kar­ten trau­en darf, übri­gens auch ein gewis­ses Ver­mö­gen anhäu­fen kann, ist das Han­deln mit kaput­ten Fahr­zeu­gen, Motor­scha­den inklu­si­ve:

Dass auf der Rück­sei­te „An- und Ver­kauf“ steht, schmä­lert das Inter­es­se dar­an, jemals mit der­lei Gestal­ten ins Geschäft zu kom­men, doch erheb­lich.

Nerdkrams
Til­ing Win­dow Mana­gers: awe­so­me für Win­dows

Ich las­se mich bekannt­lich gern begei­stern von wun­der­li­chen, pro­duk­ti­vi­täts­stei­gern­den Com­pu­ter­pro­gram­men aller Art. So ist es dann auch nur wenig erstaun­lich, dass ich frü­her oder spä­ter awe­so­me ken­nen und schät­zen ler­nen muss­te.

awe­so­me ist ein so genann­ter Til­ing Win­dow Mana­ger, der im Gegen­satz zum Bei­spiel zu Win­dows, das seit Ver­si­on 2.0 einen „Stack­ing“, also einen „sta­peln­den“, Fen­ster­ver­wal­ter besitzt (bedeu­tet: man schiebt die Fen­ster kreuz und quer durch die Gegend, lässt sie sich über­lap­pen u.a.), die Arbeits­ober­flä­che qua­si kachelt, also Fen­ster neben- und über­ein­an­der anord­net. Damit es nicht zu voll auf dem Bild­schirm wird, stellt awe­so­me zudem ins­ge­samt 9 „workspaces“, also Arbeits­be­rei­che, bereit, zwi­schen denen per Tasten­kom­bi­na­ti­on umge­schal­tet wer­den kann, ähn­lich dem auch unter Win­dows inzwi­schen geschätz­ten Prin­zip der „vir­tu­el­len Desk­tops“.

Die nun­mehr über­flüs­si­gen Fen­ster-Titel­lei­sten wer­den eben­falls aus­ge­blen­det. Die gesam­te Fen­ster­ver­wal­tung erfolgt fort­an mit Tasten­kür­zeln, was nach ein wenig Ein­ge­wöh­nungs­zeit, gera­de, wenn man mit meh­re­ren Anwen­dun­gen gleich­zei­tig arbei­tet (etwa Chat­pro­gramm und Brow­ser, Text­edi­tor und IDE, …), eine deut­li­che Zeit­er­spar­nis und ggf. Arbeits­er­leich­te­rung bedeu­tet. Unter Linux sieht die­ses Kon­zept etwa so aus:

Nun hat Micro­soft Win­dows eine Fen­ster­ver­wal­tung beschert, die das Aus­füh­ren alter­na­ti­ver Fen­ster­ma­na­ger deut­lich erschwert, soll hei­ßen: gar nicht erst unter­stützt. Möch­te man also die­se hüb­sche Til­ing-Funk­ti­on auch unter Win­dows nach­bil­den, blei­ben im Wesent­li­chen nur drei Mög­lich­kei­ten offen:

Erstens: Man instal­liert eine alter­na­ti­ve Shell, die den Explo­rer mit­samt Desk­top und Start­me­nü ersetzt. Aller­dings erschwert dies zunächst das Auf­fin­den von Datei­en und Pro­gram­men, man muss sich in eine völ­lig neue Umge­bung ein­ar­bei­ten, und führt auch nicht zwangs­läu­fig zum Ziel; ob es über­haupt eine Alter­na­ti­ve gibt, die nach dem Kachel­prin­zip arbei­tet, ist mir gera­de nicht bekannt.

Zwei­tens: Man arran­giert sich irgend­wie mit dem in Win­dows 7 ein­ge­führ­ten Aero Snap oder ver­gleich­ba­ren Anwen­dun­gen, etwa AeroS­nap oder (ein­ge­schränkt) ac’ti­vAid, die das Prin­zip aber nur unzu­rei­chend simu­lie­ren kön­nen.

Drit­tens: Man greift zu einer der weni­gen Anwen­dun­gen, die den Explo­rer um eine Til­ing-Funk­ti­on erwei­tern.

Ich möch­te hier letz­te­re Lösung genau­er erläu­tern, da sie am ein­fach­sten anzu­wen­den ist und das Resul­tat awe­so­me, tech­nisch gese­hen, am ehe­sten gleicht.

Neben dwm-win32, das eine blo­ße Win­dows-Por­tie­rung von dwm, der Grund­la­ge für awe­so­me, und gera­de für Ein­stei­ger eher schwie­rig zu kon­fi­gu­rie­ren ist, stel­len Hash­TWM und bug.n her­vor­ra­gen­de Alter­na­ti­ven dar.

Hash­TWM ent­hält eben­so wie das ähn­li­che, aber anschei­nend nicht mehr wei­ter ent­wickel­te Tiler ledig­lich die Til­ing-Funk­tio­nen, nicht aber eine „workspace“-Unterstützung, die­se kann bspw. mit Dex­pot nach­ge­rü­stet wer­den. Mit Hash­TWM wer­den alle Fen­ster auto­ma­tisch ange­ord­net, es ste­hen neben Kacheln auch gleich­för­mi­ge Git­ter, Sta­pel und ein Voll­bild­mo­dus zur Ver­fü­gung. Zum Umschal­ten und Bedie­nen von Hash­TWM die­nen Tasten­kür­zel, es wird daher emp­foh­len, sich vor dem Star­ten der Anwen­dung mit der Doku­men­ta­ti­on – der Datei readme.txt – zu befas­sen. Die Bedie­nung basiert auf Kom­bi­na­tio­nen mit Strg-Alt (in der Doku­men­ta­ti­on „Mod“, „Modi­fi­ka­tor“, genannt), Hash­TWM lässt sich etwa mit Strg-Alt-Esc been­den.

Etwas umfang­rei­cher ist bug.n, der­zeit die ent­spre­chen­de Anwen­dung mei­ner Wahl. Ich bezie­he mich im Fol­gen­den auf die Ver­si­on 3.6 Alpha, die, wie mir der Ent­wick­ler per Mail mit­teil­te, für die­sen Zweck eher geeig­net ist als die „neue“ Ver­si­on 7.0, aller­dings ein instal­lier­tes Auto­Hot­key vor­aus­setzt. Die Instal­la­ti­on die­ses Pro­gramms soll­te indes kein Pro­blem dar­stel­len.

Ist dies geschafft, ist bug.n ein­satz­be­reit; zum Star­ten ist die Datei bugn.ahk, ein Auto­Hot­key-Skript, zu öff­nen. In der Regel genügt hier­zu ein Dop­pel­klick auf sie.

bug.n bie­tet neben neun Arbeits­flä­chen, hier wie auch in eini­gen Vor­bil­dern aus der Linux­welt „Tags“ genannt, deren Sta­tus stan­dard­mä­ßig am obe­ren Bild­schirm­rand ange­zeigt wird (dies, wie auch vie­les ande­re, kann man mit einem Text­edi­tor in der Datei config.ahk anpas­sen), vie­le wei­te­re Funk­tio­nen, etwa das auto­ma­ti­sche Zuwei­sen von „Tags“ zu bestimm­ten Pro­gram­men. Als „Modi­fi­ka­tor“ dient in bug.n die Win­dows-Taste, das Skript erzeugt aber außer­dem ein Sym­bol im Benach­rich­ti­gungs­feld neben der Uhr, über des­sen Kon­text­me­nü eini­ge Funk­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen.

Nach dem Star­ten von bug.n wird am obe­ren Bild­schirm­rand die Sta­tus­lei­ste ein- und, je nach Kon­fi­gu­ra­ti­on in der bereits erwähn­ten Datei config.ahk, die Win­dows-Task­lei­ste aus­ge­blen­det. Der Bild­schirm ist – bei der vor­ein­ge­stell­ten Hori­zon­tal­an­sicht – zwei­ge­teilt: Links befin­det sich die „master area“, also der Bereich, in dem das Fen­ster, mit dem man pri­mär arbei­ten möch­te, mit vol­ler Höhe ange­zeigt wird, rechts wer­den die übri­gen Fen­ster gesta­pelt. bug.n unter­stützt wie Hash­TWM auch ande­re Dar­stel­lun­gen, etwa „floa­ting“, also die in Win­dows übli­chen frei schwe­ben­den Fen­ster, und „grid“, also ein gleich­för­mi­ges Git­ter.

Stan­dard­mä­ßig haben alle Fen­ster alle neun ver­füg­ba­ren „Tags“, sind also auf jeder Arbeits­flä­che sicht­bar. Die wich­tig­sten Befeh­le in Kurz­form („Win“ bedeu­tet „Win­dows-Taste“, „Umsc“ „Umschalt­ta­ste“):

  • Win+[1–9]: Zei­ge nur Fen­ster mit dem Tag 1..9
  • Win+Umsc+[1–9]: Wei­se dem akti­ven Fen­ster den Tag 1..9 zu (das Fen­ster ist fort­an nur noch dort sicht­bar)
  • Win+Umsc+Leer: Aktiviere/deaktiviere die Fen­ster­ver­wal­tung für das akti­ve Fen­ster (wenn deak­ti­viert, ver­hält sich das Fen­ster wie ohne bug.n)
  • Win+Links: Ver­klei­ne­re die „master area“
  • Win+Rechts: Ver­grö­ße­re die „master area“
  • Win+T: Zeige/Verstecke die Win­dows-Task­lei­ste
  • Win+Return: Schie­be akti­ves Fen­ster in die/aus der „master area“
  • Win+Umsc+Q: Been­de bug.n

Auch hier emp­fiehlt es sich, zunächst die Doku­men­ta­ti­on (docs/help.txt) zu lesen.

Fra­gen? Anre­gun­gen? Kom­men­ta­re? Gern!
Anson­sten bit­te ich alle Leser, die Häu­fung von Com­pu­ter­the­men in letz­ter Zeit zu ver­zei­hen; ist erst mal der letz­te Bei­trag die­ser Art. Ich möch­te ja nie­man­den unnö­tig lang­wei­len.


Nach­trag vom 21. Juli 2015: Ich habe eini­ge Links ange­passt.

In den Nachrichten
Zum „Sieg“ der „deut­schen“ Mann­schaft (4:2 inter­po­liert)

Zum Aus­gleich für das hirn­lo­se „Schlaaaa­and“, das durch die Stra­ßen tönt und selbst für in der Psy­cho­lo­gie Unstudier­te eini­ges über sei­ne Spre­cher aus­sagt, auch mal ein paar Bei­spiel­ru­fe mei­ner­seits:

„Mist. Mist­mist­mist. Rie­sen­mist.
Ver­flucht! So ein Kack!
Aaaa­aargh! Das hät­te nicht sein müs­sen.
Der Schieds­rich­ter hat sei­nen Beruf ver­fehlt! Idi­ot!
Und über­haupt: Unver­dient! UNVERDIENT!“

Nicht, dass die eng­li­sche Mann­schaft spiel­tech­nisch schlech­ter wäre als die, die man aus irgend­wel­chen selt­sa­men histo­ri­schen Beweg­grün­den her­aus „deut­sche Natio­nal­mann­schaft“ nennt, obwohl die Namen ande­res sug­ge­rie­ren; den­noch haben sie es irgend­wie geschafft, ihre Abwehr genau dort zu plat­zie­ren, wo man sie nicht benö­tigt hat. Schön­ster Fern­seh­kom­men­tar: „Rache für Wim­ble­don“, fängt halt wie „Wem­bley“ mit einem „W“ an.

Apro­pos Fern­seh­kom­men­ta­re: Wel­chen Mehr­wert bie­tet es dem Publi­kum eigent­lich, wenn man Fuß­ball­spie­lern nach dem Spiel ein Mikro­fon unter die Nase hält und tief­sin­ni­ge Fra­gen wie „Wie ner­vös waren Sie?“ stellt, um eben­falls tief­sin­ni­ge Ant­wor­ten wie „Wir, ääääh, sind eine, ähm, gute Mann­schaft“ zu erhal­ten? Die­se Men­schen sol­len (mei­net­hal­ben und offen­kun­dig schlech­ten) Fuß­ball spie­len und anson­sten die Fres­se, aber kei­ne Reden hal­ten. Oder möch­te im Gegen­zug jemand, dass bspw. Ange­la Mer­kel eine WM gewinnt? Him­mel­herr­je.

(Tja, bleibt euch die Vuvuz­ela hier halt noch ein paar Tage erhal­ten. Ätsch.)