Sonstiges
Kom­men­tier­te Klein­an­zei­gen

Aus dem „Helm­sted­ter Blitz“ vom 1. Juni 2011:

An Andrea B.! Hallo, mein Schatz. Heute sind wir genau 4 Jahre zusammen und statt ein Geschenk, schreibe ich dir diese Zeilen und will dir damit sagen, dass ich dich über alles Liebe und dich nicht mehr her gebe. Dein Schatz Martin P.

Nun gibt es eigent­lich drei Mög­lich­kei­ten, belie­big kom­bi­nier­bar:

  1. Die Frau freut sich total über die­sen Text.
  2. Die Frau schämt sich, so in den Mit­tel­punkt des öffent­li­chen Inter­es­ses gerückt wor­den zu sein (nor­ma­ler­wei­se möch­te man das als Frau ja dann doch lie­ber selbst bestim­men), oben­drein in einer der­art grot­ti­gen Recht­schrei­bung, und wird das wei­te­re Zusam­men­blei­ben an die Bedin­gung knüp­fen, nie wie­der in irgend­ei­ner Zei­tung genannt zu wer­den.
  3. Die Frau hät­te doch lie­ber das Geschenk gehabt.

Ich tip­pe auf letz­te­re Mög­lich­keit.

Suche eine Partnerin ab 60 J. für eine gemeinsame Zukunft, bin 58 J., 152cm groß, Figur unwichtig, kein Abenteuer.

Haupt­sa­che, reif und knackig. :mrgreen:

Alter­na­tiv dann übri­gens so:

Witwer 72 J., sucht Bekanntschaft zw. 63-71 J.

Ich fra­ge mich ja, ob die­se Her­ren frü­her in der Dis­ko­thek die jewei­li­gen Objek­te ihrer Begier­de auch immer erst nach dem Geburts­da­tum gefragt haben. (Nach dem der Objek­te selbst­ver­ständ­lich; bezie­hungs­wei­se ab einem gewis­sen Alter und/oder Alko­hol­pe­gel dann nach dem eige­nen.)

Die­se Schie­ber­ban­den wer­den auch immer drei­ster. :D

(Dan­ke an D.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Schlim­me Fol­gen

Oh, stimmt, in Grie­chen­land war ja auch was, das wur­de vor lau­ter Por­tu­gal bei­na­he ver­ges­sen. Aber die BILD kann noch so sehr her­um­tö­nen, direkt „plei­te“ sind die Grie­chen ja anschei­nend nicht:

Er warnt vor schlim­men Fol­gen: Der grie­chi­sche Finanz­mi­ni­ster Papa­con­stan­ti­nou rech­net mit einer Kata­stro­phe für die Wirt­schaft sei­nes Lan­des, soll­te Grie­chen­land kei­ne wei­te­ren Kre­di­te mehr bekom­men. Deutsch­land hat­te dem Staat mit einem Zah­lungs­stopp gedroht. (…) Die Fol­ge wäre ein „sehr hef­ti­ges und schnel­les Schrump­fen“ der grie­chi­schen Wirt­schaft, (…).

Jetzt mal lang­sam zum Mit­den­ken für mich in Sachen Wirt­schaft eher unbe­leck­ten Zeit­ge­nos­sen:
Die grie­chi­sche Wirt­schaft wird „schrump­fen“ wie der Bedarf an Eulen in Athen, wenn die ande­ren Län­der ihre Zah­lun­gen ein­stel­len, zu denen sie sich nur des­halb über­haupt ent­schlos­sen haben, weil die grie­chi­sche Wirt­schaft schrumpf­te?

Die „schlim­men Fol­gen“ sind abseh­bar: Auf­grund der dann wie­der­um gesun­ke­nen Kauf­kraft des Staa­tes Grie­chen­land wird er die übri­gen Mit­glieds­staa­ten der „Wäh­rungs­uni­on“ – mit Dackel­blick, ver­steht sich – um einen klei­nen Kre­dit („Not­hil­fe“) bit­ten, natür­lich nur, bis sich die Wirt­schaft wie­der erholt hat …:

Inzwi­schen meh­ren sich Spe­ku­la­tio­nen, dass Grie­chen­land trotz­dem ab 2012 wei­te­re Kre­di­te benö­ti­gen könn­te. Eine zwei­te Not­hil­fe über rund 60 Mil­li­ar­den Euro könn­te nötig sein.

Schon toll, so eine Wäh­rungs­uni­on.

Musik
Gent­le Giant 1978: Nach­trag zur Insel­mu­sik

Der Name „Gent­le Giant“ fiel hier schon des Öfte­ren, zuletzt in mei­nem Bei­trag über „Insel­mu­sik“. Dabei erwähn­te ich unter ande­rem auch bereits, dass die­se Musi­ker gegen Ende ihrer Kar­rie­re beschlos­sen hat­ten, sich mehr an der damals ver­brei­te­ten Rock­mu­sik als an der für ange­staubt gehal­te­nen „Barock’n’Roll“-Musik, wie es ein ita­lie­ni­scher Fern­seh­sen­der weni­ge Jah­re zuvor nann­te, zu ori­en­tie­ren. Ent­spre­chend waren ihre Live­auf­trit­te zwar ener­ge­ti­scher (womög­lich hek­ti­scher), dar­un­ter aber litt das Zusam­men­spiel in kom­ple­xen Pas­sa­gen, immer­hin waren Gent­le Giant dafür bekannt, mit einem gro­ßen Arse­nal an Musik­in­stru­men­ten die Büh­ne zu betre­ten und die­se (die Instru­men­te, nicht die Büh­ne) oft mehr­fach pro Lied zu wech­seln.

Des­sen unge­ach­tet ent­hält das BBC-Kon­zert von 1978 ver­mut­lich eine der besten Live­ver­sio­nen des Stückes „Free Hand“ vom gleich­na­mi­gen Album:

Gent­le Giant BBC 1978 – Free Hand

Schön, einen Mon­tag so begin­nen las­sen zu kön­nen.
Ich wün­sche gute Unter­hal­tung.

PersönlichesFotografie
Mief (außer­dem: Crap­py chips)

Und als ich also im Rah­men ernst­haf­ter Ver­eins­ar­beit den all­jähr­li­chen Floh­markt mit sich ört­lich anschlie­ßen­der Auto­mo­bil­aus­stel­lung auf­such­te und dabei unter ande­rem einem Hund mit lackier­ten Fuß­nä­geln begeg­ne­te, frag­te ich mich zwei­er­lei:

  • Ist „i‑Miev“ nicht ein denk­bar blö­der Name für ein doch vor­geb­lich schad­stoff­ar­mes Auto­mo­bil? (Vgl. hier­zu den – lusti­ger Zufall – Mitsu­bi­shi Paje­ro.)

  • Wor­aus genau bestehen eigent­lich Krap­pen­chips?

(Wenig­stens teil­wei­se rich­tig hat es ja da der Unbe­kann­te gemacht, der im loka­len Super­markt den anste­hen­den Ver­kauf eines Mikro­fons, „wo man mit sin­gen kann“, annon­cier­te, gemacht. Lei­der war ich in Eile, ich hät­te näm­lich wirk­lich sehr gern von dem Ange­bot Gebrauch gemacht, denn ich kann angeb­lich nicht son­der­lich gut sin­gen. Und danach kau­fe ich mir ein Tam­pon, denn damit kann ich rei­ten und schwim­men und Rad fah­ren, sagt die Wer­bung.)

(Dan­ke an D.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLVII: Die SPD und ande­re Gur­ken

Gur­ken I:

Welt.de zum Ersten:

EHEC soll gefähr­li­cher sein als die Schwei­negrip­pe.

Heißt das, dies­mal ist es echt gefähr­lich?


Gur­ken II:

Welt.de zum Zwei­ten:

Erst­mals seit 1906 hat die SPD wie­der weni­ger als 500.000 Mit­glie­der. Par­tei­chef Sig­mar Gabri­el räumt ein, die Par­tei sei „nicht mehr so nah an den Men­schen“.

Nicht mehr „so nah“ an den Men­schen. Gut gesagt.


Gur­ken III:

Wer jetzt nach dem Zitat oben ver­se­hent­lich glaub­te, Sig­mar Gabri­el sei nach Jah­ren mal wie­der ein SPD-Vor­sit­zen­der, der ver­stan­den hat, war­um die SPD nie­mand mehr braucht, der hat sich geirrt.

SPIEGEL Online näm­lich:

Laut Par­tei­chef Gabri­el liegt der Mit­glie­der­schwund nicht an den Inhal­ten, son­dern am demo­gra­fi­schen Wan­del. (…) Es gebe (…) weit mehr Todes­fäl­le als Neu­ein­trit­te.

Und so ein demo­gra­fi­scher Wan­del, der weni­ger Neu­ein­trit­te mit sich bringt, voll­zieht sich bekannt­lich von allein und hat natür­lich nichts mit irgend­wel­chen Inhal­ten zu tun. :mrgreen:

Nerdkrams
Inter­net Explo­rer 9: Kann man machen.

(Vor­be­mer­kung: Ich benut­ze seit Jah­ren bei­na­he aus­schließ­lich Mozil­la Fire­fox und sehe kei­nen trif­ti­gen Grund zum Umstieg.)

Im Dezem­ber 2006 schrieb ich über den Inter­net Explo­rer 7, er sei, zumin­dest gemes­sen an sei­nen direk­ten Vor­gän­gern, „eine sehr brauch­ba­re Erfin­dung“.

Inzwi­schen hat Micro­soft, wie üblich meh­re­re Jah­re zu spät, dann wohl doch noch mit­be­kom­men, dass sich das Inter­net nur sel­ten danach rich­tet, was ein ein­zi­ger Kon­zern gern hät­te, und mit dem Inter­net Explo­rer 9 eine noch brauch­ba­re­re Erfin­dung vor­ge­legt; anders gesagt: Der Inter­net Explo­rer 9 ist seit dem Ende des „Brow­ser­kriegs“ der erste Inter­net Explo­rer, den ich als zumin­dest zum Teil kon­kur­renz­fä­hig anse­hen wür­de.

(Zur Ori­en­tie­rung etwas Sta­ti­stik: Etwa ein Fünf­tel der Besu­cher hier ist mit dem Inter­net Explo­rer oder einem dar­auf basie­ren­den Brow­ser, etwa Max­thon, unter­wegs.)

Die übli­che Häme von Blog­gern wie Caschy war eigent­lich abzu­se­hen, letzt­end­lich dürf­te es ohne­hin unmög­lich sein, einen Brow­ser zu nut­zen, gegen den nie­mand etwas ein­zu­wen­den hat, weni­ger egal sind aller­dings Kom­men­ta­re wie die­ser hier von „Sputnik4182“:

Ich wer­de IE sowie­so nicht nut­zen auch wenn die mor­gen Ver­si­on 25 raus­brin­gen.

Ich per­sön­lich fin­de als Web­ma­ster-Ama­teur schon allein ein unding, das Brwo­ser (wel­che auch immer) sich nicht an die Vor­ga­ben der jewei­lie­gen Kon­sor­ti­en hal­ten müs­sen.

(…)

Das ist doch aales Quatsch, das man als Web­de­si­gner 50 ver­schie­de­ne Cracks in die pro­gram­mie­rung ein­bau­en soll, das die Web­site spä­ter auch wirk­lich unter Win­dows 3.11 im IE 1 rich­tig dar­ge­stellt wird.

Der Anony­mus hat sich den Brow­ser anschei­nend nie ange­se­hen, was er auch selbst frei­mü­tig zugibt, lässt es sich aber nicht neh­men, noch ein wenig sei­ner prin­zi­pi­el­len Abnei­gung gegen den Inter­net Explo­rer im All­ge­mei­nen wort­reich Aus­druck zu ver­lei­hen.

Ja, wir web­wor­ker hat­ten wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jah­re viel Freu­de dar­an, unse­re Web­sei­ten so zu basteln, dass sie auf dem Bild­schirm mög­lichst weni­ger Leu­te schreck­lich falsch ange­zeigt wird. Das liegt natür­lich auch an der Ver­brei­tung des Inter­net Explo­rer 6, der blö­der­wei­se unter ande­rem in Behör­den noch immer nur sel­ten aus­ge­wech­selt wird, aber wel­cher Brow­ser hat es je anders gemacht?

Schon der Net­scape Com­mu­ni­ca­tor (Jün­ge­re kön­nen sich ihn als eine Art Uralt-Sea­M­on­key vor­stel­len) hat­te ein paar Eigen­ent­wick­lun­gen an Bord, etwa frame und das in den 90-er Jah­ren lei­der recht belieb­te blink. Die Zei­ten sind vor­bei, sagt ihr, weil HTML5 ohne­hin alles stan­dar­di­siert? Dann wün­sche ich viel Spaß beim Ver­such, zum Bei­spiel ein­ge­bun­de­ne Vide­os in allen „gro­ßen“ Brow­sern glei­cher­ma­ßen anzu­zei­gen, denn das wird schei­tern; unter ande­rem des­halb, weil Goog­le – übri­gens auch so ein Kon­zern, der im Inter­net lie­ber die eige­nen Stan­dards statt der ner­vi­gen W3C-Vor­ga­ben nut­zen wür­de – neben­bei noch ein eige­nes Video­for­mat (VP8, im Wesent­li­chen eine defek­te Alter­na­ti­ve zum eben­falls frei­en Ogg Theo­ra) zu eta­blie­ren ver­sucht.

Was anson­sten HTML5, ECMA­Script, CSS3 und ähn­li­che eta­blier­te Stan­dards betrifft, so hat der Inter­net Explo­rer 9 deut­lich auf­ge­holt: Das Ergeb­nis des viel zitier­ten (und tra­di­tio­nell pra­xis­fer­nen) Aci­d3-Tests liegt mit 95 von 100 Punk­ten nur wenig unter dem Fire­fox 4 (97 von 100 Punk­ten) und dürf­te somit die Brow­ser vori­ger Gene­ra­tio­nen deut­lich über­tref­fen.

Natür­lich befreit all das nicht von der Last, für älte­re, noch ver­brei­te­te Brow­ser, ins­be­son­de­re eben für den Inter­net Explo­rer 6/7, hier und da „Brow­ser­wei­chen“ ein­zu­bau­en, sofern man Wert dar­auf legt, dass auch Benut­zer die­ser Brow­ser nicht vor einer irgend­wie kaputt aus­se­hen­den Sei­te ste­hen und sich wun­dern. Dar­aus aber Vor­wür­fe an die Ent­wick­ler des Inter­net Explo­rer 9 abzu­lei­ten ist fehl­plat­ziert, denn die­ses eine Mal schei­nen sie die Zei­chen der Zeit erkannt zu haben. Sogar die Ver­zah­nung mit Win­dows und ins­be­son­de­re der „Super­bar“, also dem Task­lei­sten­er­satz in Win­dows 7, bekommt end­lich einen prak­ti­schen Nut­zen, indem belie­bi­ge Web­an­wen­dun­gen wie nor­ma­le Pro­gram­me „ange­hef­tet“ wer­den kön­nen. (Ein ähn­li­ches Kon­zept unter­stüt­zen Chro­mi­um und Fire­fox in Form spe­zi­el­ler Tabs.)

Nein, der Inter­net Explo­rer 9 ist wirk­lich nicht übel. Es feh­len zwar auch wei­ter­hin brauch­bar kon­fi­gu­rier­ba­re Wer­be- und Skript­blockier­funk­tio­nen, aber auch Benut­zer von Fire­fox und Chro­mi­um sind dies­be­züg­lich auf geson­der­te Erwei­te­run­gen oder exter­ne Pro­gram­me (lokal oder als Pro­xy) ange­wie­sen; wobei ich per­sön­lich letz­te­re bevor­zu­ge, da ich so nur eine ein­zi­ge Liste für das gan­ze System pfle­gen muss. Der Ad Mun­cher etwa ver­rich­tet anstands­los sei­nen Dienst auch im Inter­net Explo­rer.

Ich kann ver­ste­hen, dass Micro­soft im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt vie­le Feh­ler gemacht und so man­che Leu­te – viel­leicht vor­schnell – zu Linux oder zu Mac OS X getrie­ben hat. Was ich aber nicht gut­hei­ßen kann, ist es, dass nun prin­zi­pi­ell auf allem, was die­ses Unter­neh­men ver­öf­fent­licht, her­um­ge­hackt wird.

Für mich als jeman­den, der mit den Unzu­läng­lich­kei­ten von Brow­ser­en­gi­nes qua­si täg­lich zu kämp­fen hat, ist der Inter­net Explo­rer 9 zwar noch immer nicht der Brow­ser der Wahl, aber er zeigt, dass man bei Micro­soft end­lich ver­stan­den hat, war­um dem Brow­ser aus eige­nem Haus immer weni­ger Men­schen Beach­tung schen­ken woll­ten. Ich schät­ze, es wird Zeit, dass ihm die­se Beach­tung wie­der zuteil wird. Die wei­te­re Ent­wick­lung des Inter­net Explo­rers könn­te wie­der inter­es­sant wer­den.

Ich freue mich ein biss­chen dar­auf.

PolitikIn den NachrichtenFotografie
Kurz ver­linkt XLVI: Deutsch­land im Stress­test

Ach nee:

Ange­sichts der Fuku­shi­ma-Kata­stro­phe ver­langt die Kanz­le­rin welt­wei­te Stress­tests für Atom­mei­ler. (…) Sie drin­ge auf „höch­ste Stan­dards“ bei den AKW-Stress­tests, nicht nur in Deutsch­land und der EU.

Sicher ist sicher! Obwohl:

Ich möch­te aus gege­be­nem Anlass noch­mal dar­an erin­nern, dass der Aus­lö­ser für die Tscher­no­byl-Kata­stro­phe ein Stress­test war.

Aber Frau Mer­kel hat es auch nicht leicht, steht sie doch sozu­sa­gen stän­dig unter Beschuss:

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter Stein­mei­er attackier­te den außen­po­li­ti­schen Kurs Deutsch­lands mas­siv. „Aus einer respek­tier­ten Füh­rungs­na­ti­on in Euro­pa sind wir in zwei Jah­ren an die Peri­phe­rie gera­ten“, sag­te er in der Debat­te zur Regie­rungs­er­klä­rung. Nir­gend­wo sei­en bei der Koali­ti­on Kon­zep­te oder Initia­ti­ven erkenn­bar. „Das ist Außen­po­li­tik in Lethar­gie“, kri­ti­sier­te der Oppo­si­ti­ons­füh­rer. „Die Welt erwar­tet mehr von uns.“

Ich fin­de, dass die SPD wei­test­ge­hend in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den und uns ein Kanz­ler Frank-Wal­ter Stein­mei­er erspart geblie­ben ist, setzt bereits das rich­ti­ge Zei­chen in der Welt.

Und was erwar­tet so ein erfolg­rei­cher Poli­ti­ker von einem sou­ve­rä­nen Deutsch­land? Genau:

Bemer­kens­wert sei auch, dass US-Prä­si­dent Barack Oba­ma immer noch nicht den Weg zu einem Besuch in Ber­lin gefun­den habe, wäh­rend er längst in vie­len ande­ren EU-Haupt­städ­ten gewe­sen sei.

Die Ehre, dass der Prä­si­dent eines ande­ren Staa­ten­bun­des sich dazu her­ab­lässt, dem sou­ve­rä­nen Deutsch­land, das sich dann natür­lich dank­bar zeigt, von sei­nem gro­ßen Bru­der über­haupt beach­tet zu wer­den, gnä­dig sei­ne Auf­war­tung zu machen. :mrgreen:

Außen­po­li­ti­sche Lethar­gie ist manch­mal doch nicht ver­kehrt; und über­haupt soll­ten mehr Staa­ten wie die Schweiz sein, denn die Schweiz hat weder einen Besuch von Herrn Oba­ma noch von Herrn Stein­mei­er zu befürch­ten.
Es muss wun­der­bar sein, dort zu leben.

Spaß mit Spam
Aus­ge­wählt!

Anschei­nend fin­det gera­de abge­se­hen vom Towel Day die „Woche der sau­blö­den Spam“ statt.
Der Absen­der des fol­gen­den Schrei­bens, das ich gera­de zufäl­lig ent­deck­te und wohl als Ersatz für einen die­ser „News­let­ter“ erhielt, für die ich mich irgend­wann aus Lan­ge­wei­le mal ange­mel­det hat­te, wür­digt die­se Zeit mehr als nur ange­mes­sen:

wir gra­tu­lie­ren Ihnen recht herz­lich.

Aber nur recht herz­lich, nicht so rich­tig dol­le herz­lich. Wozu eigent­lich?
Ach, ich soll­te erst wei­ter­le­sen:

Nach spe­zi­el­ler Aus­wahl wur­de Ihre eMail Adres­se … exklu­siv aus­ge­wählt und Sie haben es GESCHAFFT – SIE sind dabei!

Also fand zuerst die spe­zi­el­le Aus­wahl und dann die Aus­wahl mei­ner E‑Mail-Adres­se statt? Das klingt aber unprak­tisch, den Pro­zess kann man doch sicher opti­mie­ren.

Anson­sten: Juhu, ich habe es geschafft! Ich wur­de erfolg­reich aus­ge­wählt!

Sie wur­den für das Aus­ge­waehl­ter-Gewin­ner Gewinn­spiel qua­li­fi­ziert

Ein… nun… nahe lie­gen­der Name.
Und was bin ich nun, da ich qua­li­fi­ziert wur­de?

und sind damit unter den Aus­er­wähl­ten

… nee, oder?

ROFL

für die End­aus­lo­sung von einem brand­neu­en Mac­Book Air.

Das Mac­Book Air lost aus, oder wie? Und „End­aus­lo­sung“ klingt für mich dann doch schon irgend­wie ein biss­chen nach „End­lö­sung“; und wann fand eigent­lich die Anfangs­aus­lo­sung statt? Mich hat nie­mand auch nur gefragt, ob ich so ein Apfel­ding über­haupt haben möch­te.

Neh­men Sie jetzt am Gewinn­spiel teil und klicken Sie hier: …

Wie – bei­des?
Und dür­fen da eigent­lich auch die Leu­te drauf­klicken, die nicht aus­ge­wählt wur­den, oder bekom­men die dort nur eine obszö­ne Geste zu sehen?

Den­ken Sie dar­an, Sie sind einer der weni­gen die aus­ge­wählt wur­den, daher sind Ihre Gewinn­chan­cen beson­ders hoch.

Ich den­ke an nichts ande­res. :mrgreen:
War­um wählt ihr über­haupt erst meh­re­re Leu­te aus und nicht gleich den einen Gewin­ner? Das wür­de eine Men­ge Arbeit und Geld spa­ren, das ihr dann in noch mehr Gewin­ne inve­stie­ren könn­tet!

Anmel­de­mög­lich­keit für aus­ge­wähl­te Gewin­ner nur mög­lich bis 31.05.2011 23:59 Uhr

Und wenn man dann irgend­wann vom Aus­er­wähl­ten zum Gewin­ner auf­ge­stie­gen ist, muss man sich bei euch auch noch anmel­den, sonst …

Nicht ange­mel­de­te Gewin­ne wer­den neu ver­lost.

… hat man sich die gan­ze Mühe des Aus­ge­wählt­wer­dens völ­lig umsonst gemacht?
Mit dem Kon­zept wer­det ihr wohl eher nicht viel Erfolg haben. Ihr soll­tet es womög­lich über­den­ken.

Ich hof­fe, die­sem Text könnt ihr die ent­spre­chen­den Anre­gun­gen ent­neh­men. Bei der Umge­stal­tung wün­sche ich:

Viel Erfolg!

Und gute Rei­se!

PolitikIn den Nachrichten
Liber­té!

Dass Herr Sar­ko­zy trotz sei­ner Rol­le als Ober­fran­zo­se nicht unbe­dingt viel von den Idea­len der Revo­lu­tio­nä­re hält, die es über­haupt erst ermög­licht haben, dass er jemals Prä­si­dent wer­den konn­te, ist hin­läng­lich bekannt, aber zufäl­li­ger­wei­se ist sein Kon­kur­rent, Domi­ni­que Strauss-Kahn, schon mal aus dem Ren­nen, also bleibt ihm genug Spiel­raum, sei­ne Ter­ror­herr­schaft wei­ter aus­zu­brei­ten. Als näch­sten Schritt hät­te er gern noch etwas mehr Kon­trol­le über das böse Inter­net, nach­dem die „digi­ta­le Todes­stra­fe“ anschei­nend sei­ne Macht­gier noch nicht aus­rei­chend befrie­digt hat.

War­um ich sei­ne legi­ti­me Ent­schei­dung, poli­ti­sche Beschlüs­se in „sei­nem“ Land maß­geb­lich zu len­ken, mit Macht­gier zu erklä­ren ver­su­che? Nun, das ist nicht mei­ne Absicht, aber je mehr ich dar­über lese, wel­che Zukunft Herr Sar­ko­zy dem Inter­net gern ange­dei­hen las­sen wür­de, desto schwe­rer fällt es mir, ihm posi­ti­ve Absich­ten zu unter­stel­len.

Jüngst berief er den eG8-Gip­fel ein, auf dem er mit Rüben­na­sen wie Eric Schmidt (Goog­le) und Mark Zucker­berg (Face­book) – bekannt­lich bei­de Ver­tre­ter der The­se, digi­ta­le Bür­ger­rech­te wie etwa das Recht auf Pri­vat­sphä­re sei­en längst nicht mehr zeit­ge­mäß – sowie Jim­bo Wales (Wiki­pe­dia), sei­nes Zei­chens Sit­ten­wäch­ter nach US-ame­ri­ka­ni­scher Tra­di­ti­on, über die Zukunft des Inter­nets dis­ku­tie­ren will.

„Dis­kus­si­on“ sieht hier übri­gens, gemäß SPON, unge­fähr so aus:

„Das Uni­ver­sum, das Sie (die anwe­sen­den Inter­net­ge­stal­ter) reprä­sen­tie­ren, ist kein par­al­le­les, gesetz­lo­ses, ohne mora­li­sche, ohne fun­da­men­ta­le Prin­zi­pi­en, die das Leben in demo­kra­ti­schen Staa­ten ord­nen“, sag­te der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent nun bei sei­ner eG8-Eröff­nungs­re­de. Weil das Inter­net nun „Teil des Lebens einer Mehr­heit der Men­schen“ sei, wäre es „ein Wider­spruch, Regie­run­gen von die­sem immensen Forum fern­zu­hal­ten“. Schließ­lich sei­en „Regie­run­gen in unse­ren Demo­kra­tien die legi­ti­men Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Wil­lens“.

Nie­mand aber hält Regie­run­gen aus dem Inter­net fern, viel­mehr wird seit Jah­ren ver­sucht, die als „Inter­net­aus­drucker“ bekann­ten „Reprä­sen­tan­ten des all­ge­mei­nen Wil­lens“, wer auch immer die­se All­ge­mein­heit sein mag, dazu zu bewe­gen, die­ses grenz­über­grei­fen­de Medi­um als ein Hort der Mög­lich­kei­ten, nicht als schmud­de­li­ge digi­ta­le Knei­pe vol­ler Por­noter­ro­ri­sten wahr­zu­neh­men und zu begrei­fen. Die Regie­run­gen aber hal­ten sich selbst fern, sie ken­nen das Inter­net nur als den rechts­frei­en Raum – schön wäre es ja schon manch­mal! -, in dem wahl­los Kin­der geschän­det und welt­um­span­nen­de Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen gegrün­det wer­den.

Natür­lich ist das Inter­net kein gesetz­lo­ses Uni­ver­sum ohne Prin­zi­pi­en, was min­de­stens all die­je­ni­gen wis­sen soll­ten, die schon mal auf­grund undurch­dach­ter Publi­zie­rung von Inhal­ten im Inter­net Post von skru­pel­lo­sen geld­gei­len umsich­ti­gen Rechts­ver­dre­hern Rechts­an­wäl­ten im Auf­trag irgend­ei­ner groß­kot­zi­gen Fir­ma eines so genann­ten „Rech­te­inha­bers“ im Brief­ka­sten fan­den; Urhe­ber­rech­te erli­schen eben auch dann nicht, wenn man sie außer­halb von Staats­gren­zen miss­ach­tet. (Hier­zu emp­feh­le ich noch­mals den her­vor­ra­gen­den Tele­po­lis-Arti­kel zum „rechts­frei­en Raum Inter­net“ von 2009.)

Ein fun­da­men­ta­les Prin­zip des Inter­nets ist es übri­gens, dass es zumin­dest theo­re­tisch welt­wei­ten Zugriff auf jeg­li­che Infor­ma­tio­nen ermög­li­chen soll, die in ihm zu fin­den sind, ohne, dass die Ver­brei­tung die­ser Infor­ma­tio­nen, sofern nicht aus recht­li­chen Grün­den, von loka­len Regie­run­gen irgend­wie ein­ge­schränkt wer­den kann. Ein Inter­net, das aus vie­len klei­nen, von der Teil­nah­me am Gesamt­netz nahe­zu aus­ge­schlos­se­nen „Net­zen im Netz“ besteht, wie es etwa Chi­na vor­macht und Herrn Sar­ko­zy bei­na­he so feuch­te Träu­me berei­tet wie sonst nur Car­la Bar­ba­to Bruni, hät­te sei­nen Zweck ver­fehlt.

Aber wer erklärt das nun Herrn Fried­rich?

MusikKaufbefehle
Zum 70. Geburts­tag Bob Dylans

Heu­te wird Bob Dylan 70 Jah­re alt, und zwar den gan­zen Tag lang. Tröt, Tusch, hur­ra! Ein­mal abge­se­hen davon, dass er seit dem Ende der „Rol­ling Thun­der Revue“ (u.a. beim SPIEGEL berich­te­te man) nur mehr schnul­zi­ge Lie­bes­lie­der in öder Coun­try­form zu schrei­ben scheint, erach­te ich es als unnö­tig, ihn hier noch ein­mal geson­dert vor­zu­stel­len, obschon die Ein­füh­rung sei­ner seit 1988 lau­fen­den „Never Ending Tour“ sein bis­he­ri­ges Schaf­fen jedes Mal aus­führ­lich zusam­men­fasst, aber wir sind hier ja nicht als Ver­an­stal­ter tätig, son­dern schnö­de Schrei­ber­lin­ge, und bei dem annehm­ba­ren Wet­ter drau­ßen fas­sen wir uns mit Vor­lie­be kurz.

Bob Dylan also, des­sen in rascher Fol­ge auf­ge­nom­me­ne Alben Brin­ging It All Back Home, High­way 61 Revi­si­ted und Blon­de on Blon­de eine bei­na­he schon radi­ka­le Abkehr von den zwar oft gehör­ten, aber letzt­lich musi­ka­lisch doch eher anspruchs­lo­sen Volks­wei­sen der Vor­jah­re bedeu­te­ten und heu­te im All­ge­mei­nen zu den Alben gezählt wer­den, die man zumin­dest mal gehört haben soll­te, bevor man der­einst ins Gras beißt, kann auf eine abwechs­lungs­rei­che Kar­rie­re zurück­blicken, sofern ihm denn danach ist.

Die­se Kar­rie­re ist immer­hin vor­bild­lich, hat er sich doch zumin­dest jahr­zehn­te­lang nicht nur auf sei­nem Erfolg aus­ge­ruht, son­dern immer dann eine völ­lig neue Rich­tung ein­ge­schla­gen, wenn sei­ne Popu­la­ri­tät ihn zum Idol der Mas­sen zu machen droh­te. Wir ler­nen: Um Druck von außen zu ver­hin­dern, muss man ver­su­chen, den Leu­ten so wenig zu gefal­len wie es mög­lich ist. Ein Höhe­punkt die­ser Ent­wick­lung ist das Album „Self Por­trait“ von 1970, das aus Neu­auf­nah­men eige­ner Stücke und eini­gen Cover­ver­sio­nen, etwa „The Boxer“, ursprüng­lich von Simon & Gar­fun­kel (genau­er: von Paul Simon), besteht und von der Kri­tik sei­ner­zeit ver­wun­dert auf­ge­nom­men wur­de; Greil Mar­cus etwa, Autor und Musik­jour­na­list, frag­te, was die­ser Scheiß denn sol­le. Tat­säch­lich scheint sich Bob Dylan hier größ­te Mühe zu geben, mög­lichst schief zu klin­gen, aber wer die­ses Album ernst nimmt und des­halb einen Ver­riss schreibt, der hat bestimmt auch CDs von Muse und Radio­head im Schrank und hält Lady Gaga für den Inbe­griff der Inno­va­ti­on.

Ich ken­ne nun kei­ne kon­kre­te Aus­sa­ge sei­tens Bob Dylans zur Bedeu­tung von „Self Por­trait“, aber wür­de es, frag­te man mich, schon auf­grund des Titels als Par­odie anse­hen. Und in der Tat dürf­te es schwer sein, Bob Dylan bes­ser zu par­odie­ren als Bob Dylan selbst, unter ande­rem The Vel­vet Under­ground („Pro­mi­nent Men“) sind dar­an geschei­tert; wenn man nicht gera­de „Weird Al“ Yan­ko­vic heißt, denn der kann das.

Natür­lich muss die Stim­me nicht jedem gefal­len, und sie ist für Leu­te, die noch nie Bob Dylan gehört haben, wohl auch das Unge­wöhn­lich­ste an sei­ner Musik, die, fehl­te der Gesang, zwar aus­drucks­los wäre, aber wohl nie­man­dem deut­lich miss­fie­le, aber sie ist doch ein prä­gen­des Ele­ment gera­de der genann­ten drei Alben. Wäh­rend immer­hin „All Along the Watch­tower“ sich in Jimi Hen­drix’ Cover­ver­si­on bis heu­te grö­ße­rer Beliebt­heit erfreut als die ver­gleichs­wei­se spar­ta­ni­sche Urver­si­on Bob Dylans und kon­se­quen­ter­wei­se die Inspi­ra­ti­on für spä­te­re Live­ver­sio­nen dar­stell­te, sind etwa der „Sub­ter­re­ne­an Home­sick Blues“ – für die VIVA-Kli­en­tel: das ist das Lied mit dem bekann­ten Video – oder „One Of Us Must Know (Soo­ner Or Later)“ nur schwer­lich von Drit­ten inter­pre­tiert vor­stell­bar, ohne ihren Cha­rak­ter zu ver­lie­ren.

Den Cha­rak­ter sei­ner, Bob Dylans, Musik macht aber nicht nur sei­ne Stim­me aus, gera­de auch die Tex­te ver­die­nen Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung, nicht umsonst hat ihn die Pres­se stell­ver­tre­tend zum poe­ta lau­rea­tus, zum lor­beer­be­kränz­ten Dich­ter, ernannt, und das sicher nicht nur aus Ver­se­hen, son­dern für die kryp­ti­sche Bild­spra­che von Lie­dern wie „Stuck Insi­de of Mobi­le with the Mem­phis Blues again“ (übri­gens eben­falls von „Blon­de on Blon­de“):

Grand­pa died last week and now he’s buried in the rocks
But ever­y­bo­dy still talks about how bad­ly they were shocked
But me, I expec­ted it to hap­pen, I knew he’d lost con­trol
When he built a fire on Main Street and shot it full of holes

20 Jah­re nach Lou­don Wain­w­right III nun und somit, wie üblich, als einer der Letz­ten erhe­be ich mei­ne Tas­se Kaf­fee und sage, schrei­be und wün­sche:
Alles Gute, Bob Dylan!

Auf wei­te­re 70 Jah­re. Min­de­stens.

Spaß mit Spam
Spam könn­te bald täg­lich in mei­ner Mail­box lan­den!

Was mein Spam­mail­post­fach ja seit eini­gen Tagen befüllt, sind Mails mit dem Betreff „Daten für Über­wei­sung“.

Das ist immer­hin ein span­nen­de­rer Betreff als das eben­falls gera­de recht belieb­te „Sehr wich­tig !“ (nur echt mit Ple­nk) und ließ mich gespannt nach­se­hen, ob der Rest der Spam so lustig ist wie es ihr Betreff ver­spricht. Nun, mei­ne Hoff­nun­gen wur­den erfüllt:

Guten Tag (Nach­na­me) (Vor­na­me),

Dass ich nie beim Mili­tär war und die Anre­de mit vor­an­ge­stell­tem Nach­na­men mich somit eher befrem­det, konn­te der Ver­fas­ser der Mail ver­mut­lich nicht wis­sen, immer­hin habe ich das in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit noch nicht erläu­tern müs­sen. Gnä­dig sehe ich dar­über hin­weg.

E‑Mails mit einem sol­chen Betreff könn­ten bald täg­lich in Ihrer Mail­box lan­den.

Mit dem Betreff „Guten Tag (Nach­na­me) (Vor­na­me),“? Das soll­te mich dann doch ein wenig erstau­nen. Oder war der Betreff „Daten für Über­wei­sung“ gemeint? Nun, das tun sie doch bereits!

Aber ich weiß nicht, ob ich mich dar­über freu­en soll, dass jemand von mir irgend­was mit einer Über­wei­sung will. Wer mir „Daten für Über­wei­sung“ zukom­men lässt, der möch­te meist, dass ich die­se Daten nut­ze, um ihn mit finan­zi­el­len Mit­teln aus­zu­stat­ten. Anders­her­um geht das nicht, denn wer mir Geld zukom­men las­sen möch­te, muss sei­ne Über­wei­sun­gen schon selbst aus­fül­len.

Ich beschlie­ße: Nein, ich freue mich nicht.

Ich möch­te Ihnen heu­te zei­gen, wie Sie täg­lich rund 150,00 Euro ver­die­nen kön­nen.

Ganz ein­fach: Man wird kor­rup­ter Mana­ger. Wer täg­lich „rund 150,00 Euro“ ver­dient, hat aber anson­sten ver­mut­lich bes­se­res zu tun als die Quel­le des Gel­des per unauf­ge­for­der­ter E‑Mail preis­zu­ge­ben; und wahr­schein­lich auch kein Bedürf­nis mehr danach.

Inso­fern über­zeugt mich der Absen­der gera­de nicht unbe­dingt davon, dass sein Finanz­tipp mir ein Leben in „Wohl­stand“ zu sichern in der Lage ist, aber ich bin ja immer inter­es­siert an poten­zi­ell däm­li­chen Ideen und lese also ver­gnügt wei­ter:

- Völ­lig kosten­los
– Kein Risi­ko

Geld ver­die­nen, ohne Geld aus­zu­ge­ben oder etwas zu ris­kie­ren? Unfass­bar! Das ist ja fast wie Arbei­ten!
Nein, eigent­lich ist es wie Arbei­ten.

- Kein Geld erfor­der­lich

Und man braucht nicht mal Geld dafür!

Machen Sie jetzt mit, und ver­die­nen Sie in nur 20 Minu­ten Ihre ersten 150,00 Euro.

Das ist dann aber ein ziem­lich kur­zer Tag, oder?

Bit­te klicken Sie hier:
(…)

Ja, ich klicke gern jeder­zeit auf kryp­ti­sche URLs, von denen ich nicht weiß, was sich dahin­ter ver­birgt. Ich bekom­me viel zu sel­ten Viren, mein System lang­weilt sich schon.

Mit freund­li­chen Grü­ssen,

Ihr Fabi­an Faber

Ist „Fabi­an“ dann jetzt eigent­lich der Nach­na­me?
Wür­de mich halt schon inter­es­sie­ren.

Aber ich neh­me an, die Stel­le ist jetzt ohne­hin schon ver­ge­ben. Wirk­lich scha­de!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLV: Vir­tu­el­le Bom­ben

Tag 1 nach dem end­gül­ti­gen Welt­un­ter­gang, das Ende ist nahe:

Bun­des­in­nen­mi­ni­ster Fried­rich erwar­tet vir­tu­el­le Bom­ben

Kennt ihr den? Kommt eine schwan­ge­re Frau zum Bäcker und sagt: Ich bekom­me ein Weiß­brot. Sagt der Bäcker: Sachen gibt’s…

Aber natür­lich war etwas ganz ande­res gemeint, näm­lich:

Es sei „nur eine Fra­ge der Zeit, bis kri­mi­nel­le Ban­den oder Ter­ro­ri­sten vir­tu­el­le Bom­ben zur Ver­fü­gung haben wer­den.“

Ich habe ein wenig geschmun­zelt, wur­de die­ser Arti­kel doch mit einem Bild von Herrn Fried­rich illu­striert, der erwar­tungs­voll auf die Uhr schaut:

Was genau so eine vir­tu­el­le Bom­be sein soll, geht aus dem Arti­kel lei­der nicht her­vor. Aber es ist ziem­lich beäng­sti­gend: Schon bald wer­den uns in vir­tu­el­len Städ­ten, ver­mut­lich sogar in Sim­Ci­ty, Ter­ro­ri­sten mit vir­tu­el­len Bom­ben bedro­hen. Wie soll man da noch ruhig schla­fen kön­nen?

Da hilft nur eins: Wir brau­chen vir­tu­el­le Pan­zer zur Frie­dens­si­che­rung, auf dass die Tage des vir­tu­el­len Ter­rors bald gezählt sein mögen!

(via Fefe)

MusikIn den NachrichtenPiratenpartei
Musik zur Apo­ka­lyp­se

Heu­te ist ja mal wie­der Welt­un­ter­gang, und es ist ziem­lich selt­sam, dass drau­ßen trotz­dem die Vögel sin­gen. Pas­send zum Welt­un­ter­gang – und zu den anste­hen­den Wah­len – jeden­falls hat man mal eben die Infra­struk­tur der Pira­ten­par­tei lahm gelegt; blöd nur, dass das gegen das Grund­ge­setz ver­stößt:

Das Vor­ge­hen der Poli­zei­be­hör­den könn­te aller­dings des­halb pikant sein, weil die Pira­ten­par­tei den Schutz von Art. 21 GG genießt und durch die poli­zei­li­che Maß­nah­me ihr Recht an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mitz­wir­ken, beein­träch­tigt wird, zumal wir uns in einem Wahl(kampf)jahr befin­den.

Die Inter­net­dien­ste der Pira­ten­par­tei Bre­men sind von den Aus­fäl­len nicht betrof­fen, den­noch liegt hier eine klar geset­zes­wid­ri­ge Schä­di­gung vor. „Klar­ma­chen zum Entern!“ reicht nicht mehr, jetzt heißt es: Feu­ern aus allen Roh­ren. Joho, und ’ne Bud­del voll Club-Mate. – Obwohl das schmeckt wie Oma unterm Arm, wie es ein Pirat mal beschrieb, und ich frag­te ihn dann doch lie­ber nicht, woher er die­sen Ver­gleich nahm.

Aber ich war ja noch beim Welt­un­ter­gang, an des­sen Ende wir, glaubt man fun­da­men­ta­li­sti­schen Sek­ten, alle­samt in den Him­mel gelan­gen wer­den, sozu­sa­gen ins Reich der Göt­ter. Pas­send dazu sang nicht nur Farin Urlaub vor eini­gen Jah­ren von der „Apo­ka­lyp­se wann anders“, etwas mysti­scher erzähl­te die Krautrock­band Asgard schon 1972 vom Leben in Asgard:

Schö­nes Wochen­en­de!

SonstigesNetzfundstücke
Bücher? Wie rück­stän­dig!

Ama­zon ver­kau­fe inzwi­schen, jeden­falls in den USA, mehr „E‑Books“ als rich­ti­ge Bücher, schreibt Perun und lässt die Gele­gen­heit nicht unge­nutzt, uns Bücher­freun­de als rück­stän­dig hin­zu­stel­len, aber immer­hin nicht nur die deut­schen:

Wobei die­se Men­ta­li­tät nicht spe­zi­ell auf Deutsch­land beschränkt ist. Ich wür­de eher sagen, das dies typisch für Kon­ti­nen­tal-Euro­pa ist: „ken­nen wir nicht, brau­chen wir nicht“.

Perun geht hier aber von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus. E‑Books (frü­her nann­ten wir so was schlicht PDF-Datei­en) sind nicht der Nach­fol­ger des Buches, sie sind eine Alter­na­ti­ve, wie eben die CD auch eine Alter­na­ti­ve zur Schall­plat­te ist und MP3 eine Alter­na­ti­ve zu … nein, MP3 ist eigent­lich gar kei­ne Alter­na­ti­ve. „Wie, du hörst noch Schall­plat­ten?!“ rufen die hip­pen jun­gen Trend­te­ens mit den alber­nen Knöp­fen im Ohr, wo dann doch jeder ein­zel­ne Takt in immer noch ziem­lich gru­se­li­ger Laut­stär­ke nach drau­ßen dröhnt. Wird bald auch der Ruf „Wie, du liest noch Bücher?“ ertö­nen?

Wägt man Pro und Kon­tra von Büchern und ihren digi­ta­len Sur­ro­ga­ten gegen­ein­an­der ab, so geschieht dies immer sub­jek­tiv. Was mir an Büchern gefällt, kann dem näch­sten Rezen­sen­ten schon zuwi­der sein. Daher kann und wer­de ich hier nur für mich spre­chen.

Der oft gehör­te Ein­wand, Bücher gehör­ten zu unse­rer Kul­tur, ist Hum­bug, Lesen und Schrei­ben gehö­ren zu unse­rer Kul­tur wie auch die bekann­ten Wer­ke Schil­lers, Les­sings und wie sie alle hie­ßen. Die Bibel wur­de auch nicht zuerst als Buch gedruckt, den­noch ist sie noch immer ein zen­tra­ler Bestand­teil des­sen, was man­che Per­so­nen als abend­län­di­sche Kul­tur bezeich­nen; anders gesagt: Die Dar­rei­chungs­form eines lite­ra­ri­schen Wer­kes ist qua­si unbe­deu­tend gemes­sen an sei­nem eigent­li­chen Inhalt.

„Iro­nie pur“ (mein­ten Sie: „pure Iro­nie“?) nennt es Perun, dass aus­ge­rech­net vie­le EDV-Fach­buch­ver­la­ge ihre Publi­ka­tio­nen nicht in E‑Book-Form anbie­ten, und ich schät­ze, er betont das Wort ver­se­hent­lich auf „EDV“, dabei geht es doch vor allem um Bücher. War­um hat Perun eigent­lich noch kei­nen Arti­kel geschrie­ben, in dem er sich dar­über mokiert, dass Com­pu­tern immer so viel Papier­kram bei­liegt?

Ein „Kind­le“ – die­ses merk­wür­di­ge elek­tro­ni­sche Ersatz­buch von Ama­zon – ist, ver­ein­facht aus­ge­drückt, ein por­ta­bler PDF-Betrach­ter. (Die tech­ni­schen Unter­schie­de zwi­schen PDF- und E‑Book-Datei­en sind der­art mar­gi­nal, dass ich ihnen kei­nen geson­der­ten Absatz wid­men möch­te.) Der Vor­teil die­ses Gerä­tes ist es, dass man auch beim nächt­li­chen Zug­fah­ren noch genug Beleuch­tung bekommt, um sich ohne Ermü­dung dem jeweils gera­de gela­de­nen Buch zu wid­men. Dem gegen­über ste­hen ein, gemes­sen an einer Buch­sei­te, klei­ner Bild­schirm mit teil­wei­se win­zi­ger Schrift und der auf lan­ge Sicht doch immense Bedarf an elek­tri­schem Strom.

Es ist schön, dass gera­de jun­ge Leu­te sich mit dem Erfolg des „Kindle“-Gerätes bemü­ßigt füh­len, wie­der mehr Bücher zu lesen, und sei es halt nur die seich­te „Twilight“-Reihe. Aber der alte Leit­satz, dass Bücher Kin­der von der „Glot­ze“ weg­locken sol­len, fin­det hier kei­ne Anwen­dung, denn ob das Kind nun chat­tet oder E‑Books liest, es sitzt vorm Bild­schirm. (Ande­rer­seits gin­gen die Initia­to­ren des Leit­sat­zes von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus, denn nicht jedes Buch ist eine bes­se­re Wahl als jede Fern­seh­sen­dung oder jede Inter­net­sei­te.)

Aber wie oben erwähnt soll­te man die elek­tro­ni­schen Spiel­zeu­ge nicht als Ersatz, son­dern als Alter­na­ti­ve betrach­ten, denn bei­des hat einen sinn­vol­len Ein­satz­zweck. Sind E‑Books etwa für Rei­sen oder für Lesen bei nicht all­zu erhel­len­dem Tages­licht gut geeig­net, so habe ich doch auch gern ein Buch im Schrank, das ich anse­hen und anfas­sen kann; denn wirk­lich blät­tern kann man in die­sen E‑Books nicht. Die Hap­tik eines Buches ist ähn­lich der eines Ton­trä­gers: Es steht das glei­che dar­in wie in den digi­ta­len Pen­dants, aber letzt­end­lich erwirbt man ein tat­säch­li­ches Pro­dukt, nicht nur eine digi­ta­le Repro­duk­ti­on davon oder gar nur eine „Nut­zungs­li­zenz“ (Apple-Nut­zer ken­nen das).

Perun mut­maßt wei­ter­hin:

Aber auch dies­mal haben es die Ver­la­ge – ähn­lich wie die Musik­in­du­strie vor Jah­ren – in der Hand, ent­we­der man passt sich an oder man geht unter.

Mit­zie­hen oder in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den; das hat man einst auch von der Mini­Disc gesagt, die eine Zeit­lang das neue „kom­men­de Ding“ in der trag­ba­ren Musik­welt war und die Kas­set­te end­gül­tig ablö­sen soll­te. Das aber über­nah­men erst bespiel­ba­re CDs, dann die MP3-Spie­ler, und die Mini­Disc – ging unter.

Irgend­was jeden­falls sagt mir, dass ich auch in zehn Jah­ren nicht vor lee­ren Rega­len ste­hen wer­de, wenn ich in mei­ner Lieb­lings­buch­hand­lung die Neu­erschei­nun­gen sich­ten möch­te. Man muss, um es mal über­trie­ben aus­zu­drücken, nicht jeden Mode­quatsch mit­ma­chen, nur um nicht als uncool zu gel­ten.

Und so ein Buch kann uns auch kei­ner unge­fragt weg­lö­schen.