Montagsmusik
Them – Glo­ria

Zur Auf­locke­rung mal wie­der ein Stück Musik aus einer längst ver­gan­ge­nen Epo­che.

Aus heu­ti­ger Sicht bemer­kens­wert sind zwei Din­ge:

Klei­dung und Habi­tus der mei­sten betei­lig­ten Musi­ker wir­ken weni­ger künst­lich als bei vie­len der heu­ti­gen Rock­bands, und es gab tat­säch­lich schon Leu­te, die sol­cher­lei raue, unge­schlif­fe­ne Musik zum Mit­klat­schen anreg­te. Bedenkt man, dass in den deut­schen Fern­seh­do­ku­men­ta­tio­nen über frü­he Rock­mu­sik Lie­der wie die­ses meist mit Fil­men von Stra­ßen­schlach­ten zwi­schen Jugend­li­chen illu­striert wur­den, so lässt das eigent­lich ein­zig den Schluss zu, dass bewusst ein fal­sches Bild von uns Musik­freun­den gezeich­net wer­den soll­te; der in obi­gem Video deut­lich zu sehen­de gewalt­be­rei­te Pöbel gefähr­det die Inte­gri­tät des Staa­tes oder so.

Mir soll’s recht sein.

NetzfundstückeNerdkrams
Twit­ter ist das neue Twit­ter

Da wir gera­de bei Dumm­schwät­zern waren: Wuss­tet ihr schon, dass Twit­ter „tot“ ist? So rich­tig am Ende, kaputt, unbrauch­bar, Schnee von gestern? Ich auch nicht.

Wahr ist, dass sich seit der Grün­dung des Dien­stes nicht viel geän­dert hat. Eine neue Ober­flä­che, ein paar fea­tures (Mail­be­nach­rich­ti­gun­gen bei ret­weets), aber kei­ne wirk­li­chen „Inno­va­tio­nen“. Nur: Braucht man die?

Ping ist das neue Face­book. Face­book ist das neue Twit­ter. Goog­le+ ist das neue Twit­ter. Nur Twit­ter ist das ganz nor­ma­le Twit­ter und nicht das tol­le neue Twit­ter. Was man aber in all dem Lob­prei­sun­gen für jeden neu­en Nischen­dienst schnell über­se­hen kann: Es wird gar kein „neu­es Twit­ter“ benö­tigt, das alte funk­tio­niert noch ein­wand­frei.

Vor allem Goog­le+ sei, so lau­tet der Tenor, eher „wie Twit­ter“ als „wie Face­book“. Dabei hat es alle Eigen­schaf­ten eines voll­wer­ti­gen „sozia­len Netz­werks“: Man erstellt Freun­des­krei­se, teilt bei Bedarf sein gan­zes Leben mit die­sen und dis­ku­tiert im Kom­men­tar­be­reich emsig mit ande­ren Men­schen aus dem­sel­ben Freun­des­kreis.

Twit­ter hin­ge­gen ist ein micro­blog­ging-Dienst. Das Kon­zept dahin­ter lau­tet: Der Anwen­der hat 140 Zei­chen zur Ver­fü­gung, die er mit der Welt tei­len kann. Freun­des­krei­se? Dis­kus­sio­nen? Das war nie ein zen­tra­ler Aspekt von Twit­ter. (Obwohl man auf Twit­ter längst auch „plus­ein­sen“, hier best­er­nen, kann, der Funk­ti­on der „Favo­ri­ten“ sei Dank.)

Nico Lum­ma – das war der SPD­ler, der Medi­en­kom­pe­tenz für über­be­wer­tet hält – schreibt:

Und am Schlimm­sten ist: Twit­ter ist immer noch vol­le Pul­le Broad­cast, man rotzt alles immer an alle raus. Aber nie­mand weiss, wer was wirk­lich liest, egal wie­vie­le Fol­lower man hat.

Grund­sätz­lich ver­stan­den, wie Twit­ter so funk­tio­niert, hat er also schon mal. Er nennt das aber nicht „funk­tio­nie­ren“, son­dern „schlimm sein“, also müss­te man ihm viel­leicht mal erklä­ren, dass er es doch ver­stan­den hat. Klar „rotzt“ man immer alles an alle hin­aus, sofern man sei­ne Tweets nicht schützt (dann funk­tio­niert Twit­ter wie der „Freun­des­kreis“ bei Face­book), aber wor­in liegt das Pro­blem?

Es bedeu­tet ja nicht, dass man alles von jedem lesen muss. Nor­ma­ler­wei­se liest man auch in der Web­ober­flä­che nur Ein­trä­ge von Leu­ten, denen man „folgt“. Wer nervt, fliegt raus. Anders­her­um ist gera­de das inter­es­san­ter­wei­se einer der oft genann­ten Vor­zü­ge von Goog­le+: Man kann alles von jedem lesen, ohne sich erst „befreun­den“ zu müs­sen. Ja, wie denn nun?

Twit­ter sei „SMS mit ande­ren Mit­teln“, schreibt Herr Lum­ma wei­ter­hin, und SMS scheint er also auch noch nie ver­wen­det zu haben, denn per SMS errei­che ich gezielt ein­zel­ne Emp­fän­ger, bei Twit­ter ist das ungleich schwie­ri­ger. Aber apro­pos Mobil­te­le­fo­nie:

(…) egal, wie sich Smart­phones wei­ter ent­wickeln, egal wie sich das Web wei­ter­ent­wickelt, Twit­ter bleibt ste­hen.

Bestän­dig­keit als Beleg dafür her­an­zu­zie­hen, dass ein Dienst bereits dem Ende ent­ge­gen­sieht, ist schon ziem­lich gewagt. Apro­pos, Kurz­nach­rich­ten per Mobil­te­le­fon haben sich seit ihrem Bestehen auch nicht geän­dert, maxi­mal 160 Zei­chen pas­sen in eine hin­ein, und dann kann man sie nicht mal bunt ein­fär­ben; ein ein­deu­ti­ges Zei­chen dafür, dass die­ses „SMS“-Dings bald von Goog­le gekauft und abge­schafft wird, oder, Herr Lum­ma?

Übri­gens: Twit­ter ist so rück­stän­dig, dass es sich auch ein Nico Lum­ma nicht neh­men lässt, es groß­flä­chig in sein Blog ein­zu­bin­den. Ich bin mir noch nicht sicher, wor­auf das schlie­ßen lässt.

Piratenpartei
Kurz ange­merkt zum #pptnds11

Der erste „Tag“ des PPTNDS11 (ein Hoch auf das Inter­net und sei­ne Zeit spa­ren­de Mani­fe­sta­ti­on eines kon­se­quen­ten Aküf­is) ist vor­über, und sel­ten war eine offi­zi­el­le Ver­an­stal­tung der Pira­ten­par­tei umstrit­te­ner, so scheint es in Twit­ter. Dabei waren die mei­sten derer, die den Par­tei­tag eher belu­stigt zur Kennt­nis nah­men, nicht ein­mal per­sön­lich anwe­send. ‘Kurz ange­merkt zum #pptnds11’ wei­ter­le­sen »

Persönliches
Wenn.

„Ich schau mich um und seh nur Rui­nen;
viel­leicht liegt es dar­an, dass mir irgend­et­was fehlt.“
- Fehl­far­ben: Paul ist tot

Und dann ist irgend­wann auch mal so was wie Som­mer und man sitzt im Gar­ten und (war­tet auf den Welt­un­ter­gang und) lässt sei­ne Gedan­ken krei­sen oder eher ecken, „rund lau­fen“ hat man dann doch eher anders in Erin­ne­rung, und man hält sich an sei­nem Ver­spre­chen fest statt an der Räson, um nicht voll­ends durch­zu­dre­hen. (Hat man nun ver­spro­chen oder viel­mehr sich ver­spro­chen?)

Weil da eben auch immer so ein Moment war und bleibt, tief ver­wur­zelt in den Erin­ne­run­gen, und die Erin­ne­run­gen waren und blei­ben eben auch, und man hin­dert sie nicht dar­an, ein Moment, der jetzt so flüch­tig scheint wie nie und der trotz sei­ner Flüch­tig­keit so greif­bar erscheint; und man streckt die Hand aus und greift ins Lee­re, dahin, wo man sich selbst schon längst wähnt, obwohl man sich eigent­lich (ganz woan­ders hin träumt und) mit jedem Atem­zug ein biss­chen schmerz­haf­ter spürt.

„Du atmest ein, du atmest aus.“
- Die Fan­ta­sti­schen Vier: Tag am Meer

Wochen­en­de, Dop­pel­punkt.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik LIII: Der SPIEGEL und das böse Inter­net

Die Titel­ge­schich­te des dies­wö­chi­gen SPIE­GELs („Die digi­ta­le Unter­welt: Das ver­bor­ge­ne Netz der Inter­net-Ver­bre­cher“) klang nach tol­ler Real­sa­ti­re, also griff ich zu; und lach­te schon beim Lesen der Leser­brie­fe („Die Ära Mer­kel muss schleu­nigst been­det wer­den“, for­dert ein Herr Man­fred Mer­kel dort).

Natür­lich soll­te man vom SPIEGEL kei­ne pro­fes­sio­nel­len EDV-Kennt­nis­se (oder gar pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus jed­wel­cher Art) erwar­ten, das tu ich auch nicht, aber wer der­art rei­ße­risch damit wirbt, dass das Inter­net vol­ler Gefah­ren stecke, der soll­te sich nicht wun­dern, wenn man sei­ne Aus­füh­run­gen kri­tisch beäugt.

Und ich beäu­ge dann mal.

Zen­tra­les The­ma des Arti­kels sind „Fake­shops“, also Ver­käu­fer, die Geld anneh­men und dann ohne Lie­fe­rung auf Nim­mer­wie­der­se­hen ver­schwin­den. Hier­zu gibt es eini­ge durch­aus wis­sens­wer­te Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, aller­dings schei­tert es dann doch an Klei­nig­kei­ten (eine IP-Adres­se wird etwa als „Rech­ner­ken­nung“ bezeich­net).

Zwar ver­mei­det man beim SPIEGEL trotz wie­der­hol­ter Ein­bin­dung des Jol­ly Rogers den Begriff des „Raub­ko­pie­rens“ (statt­des­sen nennt man es dort „ille­ga­les Kopie­ren“), aber so recht ver­stan­den hat man das alles immer noch nicht, denn selbst­ver­ständ­lich wird außer der „Rah­men­hand­lung“, also den „Fake­shops“, auch noch ande­res the­ma­ti­siert, etwa das Erspä­hen von Bank­da­ten und ähn­li­che Kri­mi­na­li­tä­ten, und da steht oft ein rie­si­ger Bock­mist drin, wie man ihn vom SPIEGEL beim The­ma EDV auch nicht anders erwar­tet hät­te.

So kommt die Spra­che auch auf die Akti­vi­tä­ten von „Lulz­Sec“, mitt­ler­wei­le wie­der auf­ge­lö­ster Teil von „Anony­mous“: Es han­de­le sich um „lose, poli­tisch moti­vier­te Grup­pie­run­gen, die kein Geld wol­len, son­dern bloß Auf­merk­sam­keit“, und mir scheint, beim SPIEGEL hat man da was nicht ver­stan­den, denn wäh­rend es zutrifft, dass „Anony­mous“ eine lose, poli­tisch moti­vier­te Grup­pie­rung ist und weder „Anony­mous“ noch „Lulz­Sec“ pri­mär auf Geld aus sind und waren, wenn­gleich letz­te­re expli­zit um Bit­co­in-Spen­den baten, ist der Rest hane­bü­che­ner Quatsch. Vor allem der Umstand, dass „Anony­mous“ ernst­haf­te Zie­le ver­folgt, soll­te einem so genann­ten „Nach­rich­ten­ma­ga­zin“ schon ein wenig Hin­ter­grund­re­cher­che abrin­gen, aber wer braucht schon Detail­wis­sen?

Sony sei­en „Daten gestoh­len“ und der Citigroup „Daten­sät­ze geklaut“ wor­den, heißt es wei­ter, aber anschei­nend waren die Täter ja von Mit­leid geplagt, immer­hin hat­ten die Betrof­fe­nen ihre Daten schnell zurück, nur eine Kopie ver­blieb öffent­lich les­bar im Inter­net. (Da haben wir wie­der das Dilem­ma mit dem „Raub­ko­pie­ren“, also dem „Steh­len von Daten“.)

Ja, gut, sagen nun mei­ne Leser, aber so all­ge­mein jour­na­li­sti­schen Ver­stand abseits der Infor­ma­tik hat man beim SPIEGEL dann doch noch? Nun, das dach­te ich auch.

Aber neh­men wir ein­mal den erwähn­ten Arti­kel: Eine Frau wird erwähnt, die „Jagd“ auf „Fake­shops“ macht. Ihre Iden­ti­tät möch­te sie schüt­zen, dar­um foto­gra­fiert man sie nebst Sohn (!) beim SPIEGEL nur von hin­ten und druckt oben­drein einen Droh­brief in vol­ler Län­ge ab, der die Wohn­si­tua­ti­on der Frau aus­führ­lichst beschreibt. Mir kom­men da spon­tan die „Face­book-Par­tys“ der letz­ten Wochen in den Sinn, zu denen die Medi­en aus­drück­lich nicht auf­rie­fen, indem sie Ter­min und Ort pla­ka­tiv ver­brei­te­ten.

Mal ganz ehr­lich, Mar­cel Rosen­bach und Hil­mar Schmundt vom SPIEGEL, das Inter­net ist gar nicht so böse. Schaut, es hilft euch sogar, Feh­ler zu erken­nen und zukünf­tig zu ver­mei­den. – Ande­rer­seits soll­te ich zumin­dest die­se Hoff­nung beim SPIEGEL dann doch lang­sam mal auf­ge­ben.

In den Nachrichten
Braun­schwei­ger Zei­tung, 5. Juli 2011

Da ärgern sich die Zei­tungs­ver­la­ge, dass das Inter­net ihnen das Geschäft ver­miest. Hm, tja.

Eini­ge reprä­sen­ta­ti­ve Über­schrif­ten aus „Rund um die Welt“ und dem Lokal­teil:

Heu­te wird der Biki­ni 65 – und macht eine gute Figur

Blö­der­wei­se glau­ben das auch vie­le Frau­en gera­de jün­ge­ren Alters, deren Figur vom Biki­ni nicht unbe­dingt ver­bes­sert wird.

Schü­ler mit Feri­en­ticket aus­ge­zeich­net

Davon wer­den sie noch ihren Enkeln erzäh­len.

Frau­en fei­er­ten gemein­sam

Die chau­vi­ni­sti­sche Anmer­kung, Frau­en gin­gen ja auch gemein­sam aufs Klo, spa­re ich mir hier aus­nahms­wei­se, statt­des­sen schla­ge ich die Hän­de über dem Kopf zusam­men und rufe laut „boah!“ ange­sichts so viel kri­ti­scher Ana­ly­se der gegen­wär­ti­gen Lokal­po­li­tik, um die es wahr­lich nicht zum Besten bestellt ist.

Ein ganz beson­de­res Bon­mot ist übri­gens die Abtei­lung „Mei­ne Mei­nung“, in der Kin­der zu Wort kom­men. Da geht’s aber nicht um Poli­tik, denn dass Kin­der mit der Kin­der­po­li­tik des Land­krei­ses eher unzu­frie­den sind, möch­te man dann wohl doch lie­ber nicht drucken, es könn­te dem Bür­ger­mei­ster miss­fal­len. Statt­des­sen fin­det man dort Über­schrif­ten wie die­se:

Nata­lia liest ein inter­es­san­tes Buch

Schon toll, so eine Tages­zei­tung.

In den NachrichtenPolitik
Die Enquête rauscht im Blät­ter­wald

Erin­nert sich noch jemand an die­ses Enquête-Din­gens? Ihr wer­det es nicht glau­ben, aber die haben tat­säch­lich einen Zwi­schen­be­richt ver­öf­fent­licht ange­kün­digt:

So sprach sich die Mehr­heit gegen Angst­kam­pa­gnen wie „Raub­ko­pie­rer sind Ver­bre­cher“ und gegen 3‑Strikes-Rege­lun­gen aus, die nach mehr­ma­li­ger Ver­war­nung von angeb­li­chen Urhe­ber­rechts­ver­let­zern ein Sper­ren des Inter­net­zu­gangs vor­se­hen. Zudem spra­chen sich die Abge­ord­ne­ten wie bereits in der ver­gan­ge­nen Woche dafür aus, Crea­ti­ve Com­mons-ähn­li­che Model­le wei­ter­zu­ent­wick­len und zu för­dern. Außer­dem soll eine Wie­der­ver­käuf­lich­keit imma­te­ri­el­ler Wer­ke ein­ge­führt wer­den. Auf Antrag der Oppo­si­ti­on wur­de zudem das als Kampf­be­griff titu­lier­te Wort „Kosten­los­kul­tur“ aus den Emp­feh­lun­gen genom­men.

So weit, so abseh­bar; man hat­te ja nun auch genug Zeit, sich dar­über zu infor­mie­ren, was das Volk eigent­lich erwar­tet. (Die Iden­ti­tät der Enquête-Mit­glie­der, die dage­gen gestimmt haben, kann ich mir anson­sten bereits selbst vor­stel­len, eine expli­zi­te Nen­nung ist tat­säch­lich nicht erfor­der­lich.)

Weni­ger abseh­bar war dies:

Zwar wur­de ein Antrag zur Kul­tur­flat­rate nicht von der Mehr­heit gou­tiert – aber ein ande­rer Antrag, der inhalt­lich eine Kul­tur­flat­rate bedeu­ten könn­te, ange­nom­men. (…) Zum ande­ren ent­hält der Pas­sus aber auch die Emp­feh­lung, „einen Anspruch von Urhe­be­rin­nen und Urhe­bern gegen Pro­vi­der auf Zah­lung einer Ver­gü­tung durch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten“ gesetz­lich zu ver­an­kern. Dass dies fak­tisch der For­de­rung nach Kul­tur­flat­rate gleich­kommt, schien nicht allen Anwe­sen­den glei­cher­ma­ßen bewusst.

Bevor nun aller­dings geju­belt wird, emp­feh­le ich zwei Gedan­ken­gän­gen zu fol­gen:

  1. Die Enquête ist ein zahn­lo­ser Tiger und hat unge­fähr so viel Durch­set­zungs­ver­mö­gen wie der Pres­se­rat. Sie spricht „Emp­feh­lun­gen“ aus, das kann ich aller­dings als Bür­ger eben­so, und ob und wie die Regie­rung die­se „Emp­feh­lun­gen“ dann umsetzt, obliegt nicht mehr mei­ner (oder der Enquête ihrer) Ent­schei­dung.
  2. Selbst, wenn die­se „Emp­feh­lung“ umge­setzt wird, hat das mit einer Kul­tur­flat­rate nur wenig zu tun, denn sie besagt eigent­lich nur, dass für den Ver­brau­cher das Inter­net wegen zusätz­li­cher Gebüh­ren teu­rer wer­den soll, nicht aber, dass damit die „Urhe­ber­rechts­an­sprü­che“ jed­wel­cher Rech­te­inha­ber auto­ma­tisch ver­gol­ten wer­den sol­len.

Die­se Ankün­di­gung einer Ankün­di­gung eines Zwi­schen­stan­des, der unter ande­rem besagt, dass die nicht vor­han­de­nen Inter­net­sper­ren auch wei­ter­hin nicht vor­han­den sein wer­den, wird nun also als „gutes Zei­chen“ gewer­tet. Ich ver­ste­he, man braucht ja was zu schrei­ben als „Jour­na­list“.
Lesen Sie näch­ste Woche: Wäh­rend einer Sit­zung der Enquête klin­gel­te in Ber­lin eine Stra­ßen­bahn. Ist dies das Ende der Enquête?

MusikKaufbefehleFotografie
So’n Festi­val: Infor­ma­ti­ons­ar­me Rück­schau auf eine nicht näher benann­te Ver­an­stal­tung

Wenn ich nicht gera­de auf selt­sa­me festi­vals gehe und dort foto­gra­fie­re, gehe ich manch­mal auch auf selt­sa­me festi­vals und foto­gra­fie­re dort.

Nicht jedes festi­val ver­läuft so wie anläss­lich des letz­ten eben­sol­chen geschil­dert, denn tat­säch­lich haben ande­re festi­vals, sei­en es nun die Hil­des­hei­mer Wal­lun­gen, sei es nun die hier auch wei­ter­hin nicht näher benann­te Ver­an­stal­tung, noch weit­aus obsku­re­re Ziel­grup­pen, und damit ein­her geht das kol­lek­ti­ve fee­ling des voll­ends Gei­stes­kran­ken, yo!

Will sagen: Wenn der über­re­gio­nal beju­bel­te head­li­ner eines der Ver­an­stal­tungs­ta­ge wegen alko­hol­in­du­zier­ten Deli­ri­ums und dar­aus fol­gern­den Des­in­ter­es­ses am eige­nen Schaf­fen mit­ten im Auf­tritt die eige­ne Büh­ne zu ver­las­sen beab­sich­tigt, Men­schen in Was-zum-Teufel?-esquen Kostü­men unter qua­si tosen­dem Bei­fall rein instru­men­ta­les Geklop­pe und Getrö­te zum Besten geben und das Niveau ste­tig singt sinkt, dann ist das schon so’n biss­chen mei­ne Welt.

Wenn dann noch in strö­men­dem Regen Hun­der­te, gewan­det in Kostü­me zwi­schen leger und so was von retro, bis in die Nacht hin­ein zwei (aller­dings sehr guten) Blas­in­stru­men­ta­li­sten, einer Har­fi­stin, einer Pau­ki­stin und einem Aku­stik­gi­tar­ri­sten zuju­belt, die in guter, alter Jet­h­ro-Tull-Manier (aller­dings weni­ger sub­til) Flü­che gegen Regie­run­gen aus­sto­ßen, wenn oben­drein das Zelt infol­ge zwei­er Tage Dau­er­re­gens den Dienst quit­tiert, man also feucht und erkäl­tet und mit einem Schä­del von hier bis (min­de­stens) Hono­lu­lu auf­wacht und trotz­dem die beste Lau­ne des gan­zen ver­damm­ten Som­mers mit sich her­um­trägt, dann fühlt man sich doch schon ein biss­chen leben­dig.

Jeden­falls mei­stens.

Soll­te einer der hier Lesen­den eben­falls zuge­gen gewe­sen sein, so emp­feh­le ich eine ent­spre­chen­de Äuße­rung zwecks Aus­tau­sches.

P.S.: Ent­deckung des Wochen­en­des ist Omnia. Kon­sum emp­foh­len. (Also Kon­zert­kar­ten und Ton­trä­ger, nicht die schnucke­li­ge Har­fi­stin, latür­nich.)

P.P.S.: „Apple: Die Arro­ganz der Macht“; war­um muss man für so gran­dio­se Schlag­zei­len einklich das „mana­ger-maga­zin“ lesen?

In den NachrichtenPolitik
Zur Fei­er des Tages: Jubel und Fra­ge

Fei­er des Tages:

Wehr­pflicht wird zum 1. Juli 2011 aus­ge­setzt

Jubel:
End­lich kön­nen wir uns wie­der dar­auf kon­zen­trie­ren, die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen Deutsch­lands auch mal im Inland zu ver­tei­di­gen!

Fra­ge:
Was machen wir jetzt mit all den poten­zi­ell gewalt­be­rei­ten Jugend­li­chen? So isla­mi­sche Ter­ror­camps sind ja auch nicht unbe­grenzt auf­nah­me­fä­hig.

In den NachrichtenNerdkrams
Goog­le+: Jetzt noch inte­grier­ter!

Erin­nert ihr euch noch an Goog­le Buzz, Goo­gles bis­her letz­ten Ver­such, das Prin­zip „sozia­les Netz­werk“ auch außer­halb von Bra­si­li­en, wo man mit Orkut noch immer recht erfolg­reich ist, so umzu­set­zen, dass es die Mas­sen in Scha­ren wech­seln las­sen wird, auf dass sie nie wie­der ein ande­res „sozia­les Netz­werk“ anfas­sen mögen. „Ich bin Goog­le Buzz, dein Web 2.0. Du sollst nicht haben ein ande­res Web 2.0 neben mir.“

War halt nix, ist gran­di­os geschei­tert, will kei­ner haben, The­ma durch. Aber so ein Goog­le ist natur­ge­mäß kämp­fe­risch, und statt sei­ne Nie­der­la­ge zu akzep­tie­ren, bastelt man sich im Hau­se Goog­le halt ein neu­es „sozia­les Netz­werk“ zusam­men, und dann wie­der, und dann wie­der, und das macht man so lan­ge, bis end­lich mal jemand zuguckt, ist näm­lich lang­wei­lig sonst.

Aktu­ell hät­ten wir da also nun Goog­le+ vor uns, das zwar einen ziem­lich behäm­mer­ten Namen hat, aber mit den ande­ren Goog­le-Dien­sten noch bes­ser zusam­men­ar­bei­ten und einen „Angriff auf Face­book“ (c/o „hei­se online“) dar­stel­len soll. Was Face­book erst „groß“ gemacht hat, hat man bei Goog­le immer­hin schon ver­stan­den:

Man star­tet bei Goog­le+ nicht bei Null, son­dern impor­tiert die Adress­da­ten aus dem per­sön­li­chen Adress­buch bei Goog­le.

So kann man sei­ne „Freun­de“ (defi­niert anhand des Umstan­des, dass man eine ihrer Mail­adres­sen kennt) noch ein­fa­cher mit Ein­la­dun­gen beeh­ren, beim Frat­zen­buch hat’s ja auch geklappt, ob sie das nun wol­len oder nicht. Die Inte­gra­ti­on mit Goog­le Mail („soll­te man mei­den“, c/o BSI) tut ihr Übri­ges.

Wie so oft trifft es Rand­all Mun­roe (xkcd) auf den Kopf:

Dabei wird das mit dem Wech­sel von einem ande­ren „sozia­len Netz­werk“ auch eben­so schwie­rig wie bei der ver­meint­li­chen Kon­kur­renz:

Goog­le+ wird auch nur spo­ra­di­sche Ver­knüp­fungs­mög­lich­kei­ten mit ande­ren Social-Web-Ange­bo­ten bie­ten.

„Du sollst nicht haben ein ande­res Web 2.0 neben mir.“

Das ist jetzt alles noch „cool“ und neu und auf­re­gend und, so lan­ge es kei­ne öffent­li­che Test­pha­se gibt, eli­tär (klar, so ein „sozia­les Netz­werk“, in das nicht jeder rein­kommt, ist schon eine enorm prak­ti­sche Ange­le­gen­heit), und auf Bil­dern sieht es tat­säch­lich nicht ganz so unüber­sicht­lich und undurch­dacht wie Face­book aus; ande­rer­seits war auch Face­book irgend­wann mal „cool“ und neu und auf­re­gend.

Die in Klein­blog­gers­dorf bereits umfas­send gerühm­te „Kern­funk­ti­on“ von Goog­le+, das (zuge­ge­be­ner­ma­ßen) durch­dacht wir­ken­de Kon­zept der „Cir­cles“, also von­ein­an­der getrenn­ten Freun­des­krei­se, kennt manch einer von dem frei­en „sozia­len Netz­werk“ Dia­spo­ra, wo es „Aspects“ heißt, direkt inno­va­tiv ist also auch Goog­le+ nicht. Aber es ist „cool“ und neu und auf­re­gend und eli­tär.

Und all das, wie üblich, auf Kosten des Daten­schut­zes derer, die gar nicht erst mit­ma­chen wol­len.
So könn­te das mit der „Kon­kur­renz zu Face­book“ tat­säch­lich funk­tio­nie­ren.

SonstigesIn den Nachrichten
Alles, was man vom Frau­en­fuß­ball je gese­hen haben muss.

Eine will­kür­lich aus­ge­wähl­te Moment­auf­nah­me des über­zeu­gen­den Erfol­ges im Eröff­nungs­spiel der dies­jäh­ri­gen Welt­mei­ster­schaft im so genann­ten „Frau­en­fuß­ball“ anläss­lich des ersten Gegen­tref­fers:

Also Gegen­tor jetzt gut (Wulff), nicht so gut (Typ in der Mit­te) oder riecht komisch (Frau oben rechts)?
Erbit­te Auf­klä­rung!

Netzfundstücke
Urhe­ber­ge­trol­le

Es geht gera­de durchs Inter­net: Das bekann­te „Zensursula“-Bild soll, geht es nach dem Wil­len von Ralf Rolet­schek, aus dem Medi­en­ka­ta­log Wiki­me­dia Com­mons ent­fernt wer­den, da es angeb­lich ein nicht aus­rei­chend eigen­stän­di­ges Werk, basie­rend auf einem – nicht ein­mal von ihm selbst – urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Foto, ist.

Auf­grund feh­len­der Rechts­kennt­nis­se möch­te ich die­se Dis­kus­si­on aus inhalt­li­cher Per­spek­ti­ve nicht wei­ter betrach­ten, viel inter­es­san­ter erscheint es mir, mich näher mit der Per­son Ralf Rolet­scheks zu befas­sen.

Wiki­me­dia ist ein Pro­jekt, das davon lebt, dass sei­ne Benut­zer ihr gei­sti­ges Eigen­tum unter eine freie Lizenz stel­len, statt sich mit erteil­ten Nut­zungs­rech­ten eine gol­de­ne Nase oder gar noch grö­ße­re gol­de­ne Kör­per­tei­le zu ver­die­nen, wenn ihr wisst, was ich mei­ne. Ralf Rolet­schek gefällt das aber nicht:

Unab­hän­gig von momen­tan gel­ten­den Richt­li­ni­en inner­halb der Wiki­pe­dia ver­ste­he ich alle von mir ver­öf­fent­lich­ten Wer­ke als GFDL 1.2 lizen­siert und tre­te gem. § 324 BGB vom Ver­trag GFDL 1.2+ zurück.

Ich wider­spre­che jeder Umli­zen­zie­rung mei­ner Bil­der von GFDL nach CC auf das Schärf­ste. Für mich als Inha­ber der Urhe­ber­rech­te ist die Umli­zen­zie­rung durch die Nut­zungs­be­din­gun­gen unter­sagt und wird mit Benut­zer­sper­re bedroht. Daher hat auch die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on kei­ner­lei Recht, mei­ne Bil­der will­kür­lich umzu­li­zen­zie­ren. Ich wer­de jeg­li­che Form der Umli­zen­zie­rung als rechts­wid­ri­gen Akt und Ver­trau­ens­bruch wer­ten.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Jetzt mal für ganz Blö­de (mich) zum bes­se­ren Ver­ständ­nis for­mu­liert, sofern unter mei­nen Lesern auch kom­mer­zi­ell akti­ve Krea­ti­ve sind: Da kommt also ein – zuge­ge­be­ner­ma­ßen recht pas­sa­bler – Foto­graf in die Wiki­pe­dia, um sein Kön­nen in den Dienst der Ver­brei­tung frei­en Wis­sens zu stel­len, und pfeift dann auf die Haus­ord­nung („Nut­zungs­be­din­gun­gen“), auf die er sich ande­rer­seits beruft, indem er dar­auf besteht, dass ihm die Idea­le frei ver­wert­ba­ren Wis­sens erst mal dezent am Arsch vor­bei­ge­hen, er dies gar als „Schma­rot­zen“ bezeich­net. – Was also hat die­ser Mensch in einem sol­chen Pro­jekt über­haupt ver­lo­ren?

Denkt dar­über nach, wenn ihr das näch­ste Mal „die Wiki­pe­dia ist vol­ler Trol­le“ in irgend­ein Blog schmiert. Trol­le sind bekannt­lich die, die am lau­te­sten „Troll!“ schrei­en.

SonstigesIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LII: Alle Namen frei erfun­den

Dass die ten­den­zi­ell links­sym­pa­thi­sche „taz“ auch online auf rei­ße­ri­sche Über­schrif­ten nur ungern ver­zich­tet, hat Tra­di­ti­on, und soll­te ich irgend­wann mal ein Buch dar­über schrei­ben, wer­de ich es „Die inde­zen­te Anbie­de­rei der Tot­holz­me­di­en an die jun­ge Gene­ra­ti­on“ be- oder min­de­stens unter­ti­teln, aber erwäh­nens­wert ist der jüng­ste Arti­kel über Poli­zei­ge­walt in Braun­schweig nicht etwa wegen der­ar­ti­ger sti­li­sti­scher Män­gel, son­dern wegen der Eigen­art der so genann­ten „Pres­se“, Namen von Per­so­nen zu ändern.

Die Unkennt­lich­ma­chung, etwa mit­tels Abkür­zung, ist manch­mal, etwa um die jewei­li­gen Per­so­nen vor was-auch-immer zu bewah­ren, sicher­lich ange­bracht, lei­der ist es Wirr­köp­fen noch immer nicht unter­sagt, sich über das Tages­ge­sche­hen zu infor­mie­ren, aber wel­chen Zweck hat es, tat­säch­li­che Namen durch völ­lig ande­re zu erset­zen?

Zum Einen erweckt die­se belie­bi­ge Aus­tausch­bar­keit der Prot­ago­ni­sten den Ein­druck, dass man es nicht mit einer tat­säch­lich wah­ren Bege­ben­heit, son­dern mit blo­ßer Fik­ti­on zu tun hat, zum Ande­ren soll­te man beden­ken, dass Namen sel­ten ein­deu­tig sind und eine „Nina Stef­fen (Name geän­dert) aus Braun­schweig“ um Braun­schweig her­um dann halt auch mal exi­stie­ren kann.

Wie sau­blö­de es ist, über­haupt Namen zu erfin­den, wenn die­se für die eigent­li­che Nach­richt nicht mal irgend­ei­nen Mehr­wert bie­ten, sehen wir in besag­tem „taz“-Artikel am Bei­spiel der erwähn­ten Frau Stef­fen, die ins­ge­samt drei­mal „nament­lich“ – „Name geän­dert“ – genannt wird:

Poli­zi­sten (…) beschlag­nahm­ten die Woh­nungs­schlüs­sel in sei­ner Tasche und durch­such­ten damit die Woh­nung sei­ner Gast­ge­be­rin Nina Stef­fen*.

„Sie leg­ten dabei weder einen Durch­su­chungs­be­schluss vor, der für eine sol­che Maß­nah­me not­wen­dig wäre, noch gaben sie einen Grund an“, sagen Besu­cher der Woh­nungs­in­ha­be­rin Nina Stef­fen.

(…)

„Wir prü­fen zur­zeit, wel­che recht­li­chen Schrit­te unse­re Anwäl­te ein­lei­ten“, sagt die betrof­fe­ne Woh­nungs­in­ha­be­rin Nina Stef­fen.

Ihr habt es sicher gemerkt: Den – wohl von irgend­ei­nem Prak­ti­kan­ten, der gera­de nichts zu tun hat­te – erfun­de­nen Namen, übri­gens nur ein­mal kor­rekt als „geän­dert“ gekenn­zeich­net (das wäre natür­lich die per­fek­te Tar­nung; den ech­ten Namen ein­fach als „geän­der­ten Namen“ anzu­ge­ben!), hät­te man kom­plett weg­las­sen kön­nen.

Wird man bei der „taz“ eigent­lich nach Wör­tern bezahlt?