In den Nachrichten
Wenn Schlam­pen pro­te­stie­ren

Es fie­le mir zwei­fels­oh­ne leicht, die­sen Arti­kel mit einem mau­en Witz über, haha, Som­mer-Löcher ein­zu­lei­ten, aber wir sind ja hier nicht beim Pri­vat­fern­se­hen. Tat­säch­lich jeden­falls man­gelt es aber anschei­nend an wirk­li­chen Schlag­zei­len, so dass der lei­der all­täg­li­che weib­li­che Sexis­mus sich mal wie­der ins Bild rückt:

Mit viel nack­ter Haut haben hun­der­te „Schlam­pen“ am Sams­tag in deut­schen Städ­ten als Teil einer inter­na­tio­na­len Pro­test­be­we­gung gegen Sexis­mus demon­striert. Die soge­nann­ten Slut­walks (Schlam­pen­mär­sche) soll­ten auf das Recht auf sexu­el­le Selbst­be­stim­mung auf­merk­sam machen.

Es demon­strier­ten also über­wie­gend Frau­en, die sich selbst Schlam­pen nen­nen, dage­gen, als Schlam­pen betrach­tet zu wer­den. Dabei mach­ten sie es ihren Mit­men­schen aber wahr­lich nicht leicht:

Mehr­heit­lich waren Frau­en auf der Stra­ße – eini­ge in Mini­röcken, mit Netz­strumpf­ho­sen und High-Heels, man­che sogar oben ohne.

Nei­di­sche Arbeits­kol­le­gin­nen, so heißt es, wür­den über Neu­zu­gän­ge hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand mit­un­ter tuscheln, die­se Neu­zu­gän­ge hät­ten die Stel­le nur bekom­men, weil sie geklei­det sei­en wie Schlam­pen, eben sexu­ell auf­rei­zend, um dem jewei­li­gen Per­so­nal­chef im Fal­le einer Anstel­lung eben sexu­el­le Erwar­tun­gen zu sug­ge­rie­ren. Sehr wohl also koket­tiert man auch und gera­de als gei­stig gereif­te Frau mit dem sprich­wört­li­chen Sexu­al­trieb des Man­nes. (Dass der Sexu­al­trieb der Frau, evo­lu­tio­när bedingt, auch nicht klei­ner ist, wur­de viel­fach belegt; dass er meist ver­schwie­gen wird, zeigt schon deut­lich, dass etwas schief läuft auf der Welt.)

So lan­ge die Zahl der von Frau­en ver­ge­wal­tig­ten Män­ner wei­ter­hin im Dun­keln bleibt und die angeb­li­che „Femi­nis­mus­be­we­gung“ alles tut, um Ver­ge­wal­ti­gun­gen als rein männ­li­che Per­ver­si­on hin­zu­stel­len (Brül­ler­ar­gu­ment: „Alle Män­ner sind poten­zi­el­le Ver­ge­wal­ti­ger“), wird sich dar­an auch nicht viel ändern: Offe­ne weib­li­che Sexua­li­tät ist ein Zei­chen von Mün­dig­keit, wäh­rend offe­ne männ­li­che Sexua­li­tät Macho­ge­ha­be und brand­ge­fähr­lich ist.

Wie sich sol­che Mün­dig­keit als Zei­chen gegen Sexis­mus mani­fe­stiert, zeigt die­ses hüb­sche, mit Herz­chen (aus­ge­rech­net mit Herz­chen!) ver­zier­te Pla­kat von besag­tem Schlam­pen­marsch:

Das hält natür­lich kei­nen der der­ge­stalt bedroh­ten Macker (Lebens­part­ner, Chefs und der­glei­chen) davon ab, die­ser Ver­an­stal­tung begei­stert bei­zu­woh­nen; viel­leicht, weil sie sonst auf die Fres­se bekä­men:

„Man demon­striert ja nicht nur für per­sön­li­che und indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se, son­dern auch für die Rech­te ande­rer“, sag­te ein soli­da­ri­scher Mann in Mün­chen, wo rund 350 selbst ernann­te „Schlam­pen“ demon­strier­ten.

Wer aber demon­striert für das Recht auf männ­li­che Sexua­li­tät? Wür­de eine der Schlam­pen an einer ent­spre­chen­den Gegen­de­mon­stra­ti­on teil­neh­men, um sich zu soli­da­ri­sie­ren? Wahr­schein­lich nicht, denn männ­li­che Sexua­li­tät ist böse, so lan­ge sie nicht beim gesell­schaft­li­chen Auf­stieg hilft. Die Sexua­li­tät eines Per­so­nal­chefs etwa – ich erwähn­te es oben bereits – ist meist sehr gefragt.

Inso­fern ist es doch immer­hin zu begrü­ßen, dass auch der Posten des Per­so­nal­chefs in vie­len Unter­neh­men inzwi­schen der „Frau­en­quo­te“ unter­liegt. Es ist ein wich­ti­ger Schritt zur Befrei­ung der männ­li­chen Sexua­li­tät. Scha­de ist es nur, dass die Gesell­schaft dafür meh­re­re Jahr­zehn­te gebraucht hat. Das ist nach­ge­ra­de eine Schlam­pe­rei.

Ich hof­fe nur, wir Män­ner müs­sen nicht auch erst in auf­rei­zen­der Klei­dung durch die Stra­ßen mar­schie­ren und uns Schlam­pen nen­nen, bevor dies die öffent­li­che Wahr­neh­mung erreicht hat. Eines näm­lich haben wir den Schlam­pen noch immer vor­aus: Unse­ren Stolz.

So war es und so soll es blei­ben.

(Dan­ke an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
The Book of Knots – Trai­nea­ter

Wäh­rend ich heu­te mein frei­täg­li­ches Lausch­pen­sum absol­vier­te, erreich­te außer einer Men­ge belang­lo­sen Zeugs auch die­ses eine Album mei­ne Ohren und ließ mich inter­es­siert auf­hor­chen.

The Book of Knots ist ein Musi­ker­kol­lek­tiv aus New York, das sich für (vor­erst) drei Alben mit eini­gen Gast­mu­si­kern zusam­men­ge­fun­den hat­te, mit „Gar­den of Fain­ting Stars“ in die­sem Jahr den Abschluss der Tri­lo­gie ver­öf­fent­lich­te und nun viel­leicht wei­ter exi­stiert, viel­leicht aber auch nicht. „Trai­nea­ter“, „Zug­esser“, ist das zwei­te Album und erschien 2007.

Die betei­lig­ten Musi­ker stam­men über­wie­gend aus dem Avant­gar­de-Metal-Sek­tor um die mitt­ler­wei­le auf­ge­lö­sten Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um. Als Gast­mu­si­ker sind unter ande­rem Tom Waits und Trey Spru­an­ce zu hören, wor­aus man bei ent­spre­chen­dem Hin­ter­grund­wis­sen schon erah­nen kann, wie das Album so klingt. Besitzt man die­ses Hin­ter­grund­wis­sen nicht, so fällt die Beschrei­bung etwas aus­führ­li­cher aus:

Im Kern besteht The Book of Knots aus Mat­thi­as Bos­si (unter ande­rem Schlag­zeug und Gesang), Joel Hamil­ton (unter ande­rem Gitar­ren und Gesang), Tony Mai­mo­ne (diver­se Bäs­se und Gesang) und seit „Trai­nea­ter“ auch Car­la Kihl­stedt (unter ande­rem Gei­gen und Gesang), nicht zu ver­wech­seln mit Car­la Bozu­lich, die, wenn ich nicht irre, hier ledig­lich als Gast­mu­si­ke­rin den Gesang in „View From The Water­tower“ über­nimmt.

Das zen­tra­le The­ma von The Book of Knots lau­tet „Nie­der­gang“. Han­del­ten die Tex­te auf dem Debüt von dem Nie­der­gang der US-ame­ri­ka­ni­schen Fischer­dör­fe, so ist es auf „Trai­nea­ter“ der „Rost­gür­tel“, der nord­ame­ri­ka­ni­sche „Ruhr­pott“ also, des­sen lang­sa­mes Sie­chen hier besun­gen wird. (Eini­ge Leser ken­nen die­ses Prin­zip viel­leicht von der Band Big Big Train, die auch gern ein paar Jahr­zehn­te in die Ver­gan­gen­heit zurück­greift, aller­dings in die bri­ti­sche.) Anders (etwas eso­te­ri­scher) aus­ge­drückt:

The Book Of Knots erzäh­len auch auf ihrem zwei­ten Album nicht etwa die pathe­ti­sche Sci­ence Fic­tion einer Revo­lu­ti­on der Maschi­nen, son­dern insze­nie­ren die stoi­sche Zer­stö­rungs­kraft einer rie­si­gen, außer Kon­trol­le gera­te­nen Hur­ri­kan-Appa­ra­tur, der es herz­lich egal ist, ob sie Rosen­fel­der nie­der­mäht oder irgend­ei­nen Cyborg zum nächst­be­sten Bau­ern­op­fer zer­matscht.

Das klingt geschrie­ben so radi­kal wie gehört, besticht aber gera­de auch durch sei­ne melo­diö­sen, bei­na­he ruhi­gen Momen­te, die dem Hörer zwi­schen­durch auch mal ein wenig Ver­schnauf­pau­se gewäh­ren. Es muss ja nicht immer hoch her­ge­hen. Bele­ge gefäl­lig?

Auf You­Tube gibt es zum Bei­spiel das groß­ar­ti­ge „Pray“ mit dem bereits erwähn­ten Tom Waits zu hören und das eröff­nen­de „View From The Water­tower“ ohne Tom Waits in einer nicht üblen Live­ver­si­on zu sehen. Wer es mag, der möge es kau­fen. Der Rest möge die Augen ver­dre­hen, „was für ein schreck­li­cher Lärm!“ skan­die­ren und sich wie­der sei­ner Easy-Listening-Radio­be­schal­lung zuwen­den. Aber zumin­dest ist er dann um eine Erfah­rung rei­cher.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LV: Gedan­ken­ver­bot

Die tol­le Idee des Tages kommt von David Came­ron, Pre­mier­mi­ni­ster von Groß­bri­tan­ni­en, der Pro­te­ste in einer Demo­kra­tie eigent­lich ganz gut fin­det, so lan­ge sie weit weg statt­fin­den, und dar­um erwägt, dem unge­zo­ge­nen Pöbel ein­fach das Inter­net weg­zu­neh­men:

Der bri­ti­sche Pre­mier droht den Kra­wall­ma­chern mit der Armee – und über­legt, ihre Nut­zung von Net­zen wie Face­book und Twit­ter zu beschrän­ken.

Eine Rebel­li­on des Vol­kes ist näm­lich nicht etwa ein Zei­chen dafür, dass die gegen­wär­ti­ge Regie­rung womög­lich ein paar nicht ganz unbe­deu­ten­de Feh­ler gemacht hat, son­dern nur so eine Pha­se. Es liegt nahe, dass die Pro­te­ste umge­hend ver­stum­men, wenn Face­book und Twit­ter nicht mehr gehen; das hat in Ägyp­ten ja auch gut funk­tio­niert, wo man auf­grund lau­fen­der Pro­te­ste ein­fach mal den Stecker gezo­gen hat.

Im Febru­ar 2011 for­der­te David Came­ron übri­gens den Rück­tritt des liby­schen Staats­ober­haup­tes Gad­da­fi, da die­ser fried­li­che Pro­te­ste im eige­nen Land mit mili­tä­ri­schen Mit­teln zu ver­hin­dern ver­such­te. Die­ser David Came­ron nun erwägt eben­falls den Ein­satz von Was­ser­wer­fern, um die (aller­dings nicht gleich­falls fried­fer­ti­gen) Pro­te­stan­ten zum Schwei­gen zu brin­gen. Die pas­sen­de Reak­ti­on dar­auf lau­tet so: Muammar al-Gad­da­fi for­dert David Came­rons Rück­tritt, die Pro­te­ste sei­en ein Zei­chen dafür, dass er unfä­hig sei zu regie­ren.

Wäre ich David Came­ron, wür­de mir das zu den­ken geben; lei­der ist aber schon David Came­ron David Came­ron, und ob David Came­ron viel dar­über nach­denkt, was außer­halb sei­nes Büros so geschieht, weiß ich nicht so genau. Spä­te­stens jetzt aber bin ich über­zeugt davon, dass man das zumin­dest ein biss­chen in Zwei­fel zie­hen soll­te.


Nach­trag: Zu den mög­li­chen Fol­gen der Pro­te­ste hat Ste­fan Sas­se noch ein paar lesens­wer­te Gedan­ken geäu­ßert.

PersönlichesWie die Anderen
Wie die Ande­ren (1): Milch und Zucker

(Vor­be­mer­kung: Dies ist der Auf­takt zu mei­ner losen Rei­he „Wie die Ande­ren“, dies­mal inspi­riert von Caschy.)

Dürf­te viel­leicht eini­gen mei­ner Leser nicht bekannt sein: Ich bin ja beruf­lich und in der Frei­zeit vor allem Infor­ma­ti­ker. Und was macht ein Infor­ma­ti­ker so, wenn er nicht gera­de an sei­nen Gad­gets rum­spielt oder sei­ne sozia­len Pro­fi­le auf­hübscht? Klar – er trinkt Kaf­fee.

Wer kennt das nicht? Man kommt mor­gens, mit­tags und abends ein­fach nicht in die Hufe. Wir Infor­ma­ti­ker haben da Abhil­fe: Ein­fach die Kaf­fee­ma­schi­ne befül­len, anma­chen und kurz war­ten. Geht easy-peasy und ruck­zuck. :wink:

Blöd nur, wenn man sei­nen Kaf­fee gern mit Milch trin­ken wür­de, denn dann wird erst Unboxing fäl­lig. Das macht nor­ma­ler­wei­se tie­ri­schen Spaß, ist aber bei Milch nicht leicht. Zwi­schen den Deckel und das Natur­pro­dukt haben die Abfül­ler näm­lich manch­mal noch so ein Ding geschraubt, das man ganz easy-peasy abzie­hen kön­nen soll. Sitzt aber meist bom­ben­fest, das Ding. Gibt es zum Bei­spiel mit Ring oben dran und sieht hin­ter­her so aus:

Lust auf Kaf­fee hat man dann aller­dings eigent­lich kei­ne mehr. Bloß nicht auf Zucker umstei­gen. Alter­na­ti­ven? Fehl­an­zei­ge. :-S

Zu gewin­nen gibt es dies­mal nichts, aber ich fra­ge mal in die Run­de: Und ihr so?

(Nach­be­mer­kung: Soll­te ich eine der Marot­ten der in die­ser Rei­he par­odier­ten Blog­ger ver­se­hent­lich nicht ein­ge­baut haben, so seid ihr natür­lich herz­lich ein­ge­la­den, es bes­ser zu machen – gern mit Track­back und/oder Kom­men­tar hier unten drun­ter.)

PersönlichesMusikIn den Nachrichten
Pro­mi­nen­ten­seu­che gebro­che­nes Herz

Vor all der Panik wegen ver­zock­ter Mil­li­ar­den an nicht ein­mal real vor­han­de­ner Wäh­rung wird doch glatt ver­ges­sen, dass auch wei­ter­hin Leu­te ster­ben. Um eine leid­lich brauch­ba­re Über­lei­tung hin­zu­be­kom­men, hole ich aber mal etwas wei­ter aus:

Vor eini­gen Tagen fuhr ich mit dem Regio­nal­zug durch die Gegend. Ich schät­ze die Regio­nal­zü­ge hier sehr, denn sie bie­ten reich­hal­ti­ge Ein­blicke in mensch­li­che Abgrün­de. In besag­tem Regio­nal­zug nun, mir schräg gegen­über, saß, som­mer­lich geklei­det, ein nicht unhüb­sches Mäd­chen von etwa 16 Jah­ren, das sich, wie man trotz ihrer Ohr­hö­rer ver­neh­men konn­te, der Tech­no- oder jeden­falls Rave­mu­sik hin­gab. Mit dem Rücken ihr zuge­wandt saß ein bär­ti­ger Mann mit Hut, der aus­sah, als wür­de er im Dezem­ber sei­ne Ren­te als Niko­laus auf­bes­sern.

Die­sen Mann nun hat­te kei­nes­falls der Geist der Weih­nacht erfüllt, denn er stand irgend­wann auf, dreh­te sich um, beug­te sich über sie und nuschel­te „mach das aus, das stört mich“ in sei­nen beein­drucken­den Bart hin­ein. Ich über­leg­te, ob ich ein­wer­fen soll­te, dass ich mich in mei­ner Gemüts­ru­he eher von sei­nem Gemur­mel als von ihrer Beschal­lung gestört fühl­te, aber da saß er auch schon wie­der, und die Musik blieb, wie sie war; daher wid­me­te ich mich wie­der­um lau­schend den übri­gen Rei­sen­den.

Irgend­wann stand der grim­mi­ge Herr dann auf und ver­ließ den Zug. Aller­dings nahm er hier­für einen klei­nen Umweg in Kauf, nur um an dem nicht unhüb­schen Mäd­chen vor­über­zu­ge­hen und sie noch­mals ob ihres Hör­ver­hal­tens als Stö­re­rin bezeich­nen zu kön­nen. Wie­so ihm das nun, da er den Zug ohne­hin ver­ließ, noch so wich­tig war, konn­te ich nicht in Erfah­rung brin­gen, das Mäd­chen jeden­falls wand­te sich anschlie­ßend ihren offen­ba­ren Freun­din­nen zu, die vor ihr saßen, und in brei­tem Jugendslang und wild gesti­ku­lie­rend spot­te­ten sie über das betag­te Ver­hal­ten des betag­ten Herrn.

Tja, wer­den nun die Leser ein­wen­den, da tref­fen wie­der völ­lig unter­schied­li­che Gene­ra­tio­nen und Gesell­schafts­schich­ten auf­ein­an­der, und mit über 60 ist man dann so, wie man mit unter 20 nie sein woll­te. So unter­schied­lich sind ihre Sor­gen aber gar nicht.

In die­ser Woche zum Bei­spiel sind die Bou­le­vard­ma­ga­zi­ne im Zeit­schrif­ten­re­gal erfüllt von Trau­er, weil zwei Per­so­nen des öffent­li­chen Lebens abge­nip­pelt ver­stor­ben sind. Den Tod von Amy Wine­hou­se the­ma­ti­sier­te ich ja bereits. „Wer ist Amy Wine­hou­se?“, fra­gen nun die älte­ren Men­schen. Amy Wine­hou­se, das ant­wor­te ich ihnen, war eine Sän­ge­rin, die beim vor­wie­gend jun­gen Publi­kum belieb­te Wei­sen into­nier­te. Ver­gleich­bar ist sie etwa mit Bernd Clü­ver, gleich­falls inzwi­schen toter Musi­ker, des­sen „Jun­ge mit der Mund­har­mo­ni­ka“ einst eben­falls Mas­sen begei­ster­te.

Und so prang­te heu­te in trau­ter Einig­keit in näm­li­chem Zeit­schrif­ten­re­gal das Gesicht von Amy Wine­hou­se gleich neben dem von Bernd Clü­ver. Und wäh­rend man bei der BRAVO spe­ku­lier­te, ob Frau Wine­hou­se wohl an gebro­che­nem Her­zen starb („Starb sie an gebro­che­nem Her­zen?“), ist man bei der „Neu­en Post“ boden­stän­di­ger genau so über­dreht eso­te­risch und fragt anläss­lich Herrn Clü­vers Able­bens: „Starb er an gebro­che­nem Her­zen?“.

Das mit dem gebro­che­nen Her­zen scheint ja eine brand­ge­fähr­li­che Sache zu sein. (Ob dar­an die Kil­ler­spie­le schuld sind?)
Da ist es bei­na­he schon beru­hi­gend, dass ein berühm­ter Toter garan­tiert an etwas ande­rem ver­starb: Knut.

(Dan­ke an V.!)

Wie die Anderen
Wie die Ande­ren: Ein Expe­ri­ment

Eine Ankün­di­gung in eige­ner Sache:

Seit ich hier wie­der etwas regel­mä­ßi­ger schrei­be, erfah­re ich hin und wie­der Kri­tik, ich wür­de sti­li­stisch all­zu deut­lich von ande­ren Ins­in­ter­net­schrei­bern inspi­riert, sei gar ein Kopist.

Wahr ist, dass mein Schreib­stil, wie wohl der der mei­sten Men­schen, die nicht nur schrei­ben, son­dern auch lesen, im Lau­fe der Jah­re von eini­gen Autoren beein­flusst wur­de, gele­gent­lich auch von Blog­gern. Falsch ist aber, dass ich des­halb gänz­lich auf einen eige­nen Stil ver­zich­te. Um die­se Kri­tik künf­tig etwas abzu­schwä­chen, wer­de ich in den näch­sten Wochen, viel­leicht auch Tagen, ver­su­chen, eini­ge Bei­trä­ge im Schreib­stil bekann­ter und viel­leicht weni­ger bekann­ter Blog­ger zu ver­fas­sen, und hof­fe, dass mei­ne geneig­te Leser­schaft den Unter­schied bemerkt. Zur Sicher­heit wer­de ich jeden­falls die­se Arti­kel geson­dert kenn­zeich­nen.

Anre­gun­gen neh­me ich selbst­ver­ständ­lich gern ent­ge­gen.

KaufbefehleMontagsmusik
Nine Inch Nails – The Beco­ming

Eine Bege­ben­heit erin­ner­te mich jüngst dar­an, dass „The Down­ward Spi­ral“ der groß­ar­ti­gen Nine Inch Nails auch schon wie­der 17 Jah­re her ist:

NIN: The Beco­ming live at Sas­quatch Festi­val 5.24.09 [HD]

The me that you know, he used to have fee­lings,
but the blood has stop­ped pum­ping and he is left to decay.
The me that you know, he is now made up of wires,
and even when I’m right with you I’m so far away.

Zeit­lo­se Psy­cho­se.
(Reimt sich.)

SonstigesFotografie
Spa­ren Sie sich reich!

Heu­te in der belieb­ten Serie „Die Qua­li­täts­of­fen­si­ve der Bahn“:

Spar­prei­se!

„Im Sep­tem­ber (2010, A.d.V.) wird der Vor­stand wei­te­re Schrit­te unse­rer Kun­den- und Qua­li­täts­of­fen­si­ve ver­stel­len“, kün­dig­te Gru­be bei der Vor­stel­lung des Halb­jah­res­er­geb­nis­ses der Bahn an.

:?

Sonstiges
Par­ty/-innen

Ter­mi­ni, die man erst seit der All­ge­gen­wart des post­fe­mi­ni­sti­schen Sexis­mus nicht ein­mal mehr lesen kann, ohne kurz inne­zu­hal­ten:

(Und dann ent­decken, dass da ent­we­der ein Bin­de­strich fehlt oder ein Schräg­strich über­flüs­sig ist, end­lich den Zusam­men­hang ver­ste­hen, ein wenig schmun­zeln und was ande­res machen.)

Netzfundstücke
Erschreckend: Apple.

In einer Welt, die täg­lich neue Hiobs­bot­schaf­ten für ihre Bewoh­ner bereit­hält, ist es nur mehr wenig ver­wun­der­lich, dass sel­bi­ge in stän­di­ger Angst leben. Fröh­li­che Beschwing­heit ist seit dem 11. Sep­tem­ber ohne­hin ver­pönt, Sorg­lo­sig­keit als Nai­vi­tät ver­schrien.

Die Welt ist nicht mehr groß und weit und span­nend, sie ist erschreckend. Das schlägt sich auch in unse­rem Wort­schatz nie­der: Was ehe­dem mit man­nig­fal­ti­gen Adjek­ti­ven aus­ge­zeich­net wur­de, ist in die­sen schreckens­rei­chen Tagen erschreckend.

Ein kur­zer Blick in die Wiki­pe­dia, einen der bered­te­sten Zeu­gen mensch­li­chen Sprach­wan­dels und ‑ver­falls, offen­bart bereits: Men­schen wer­den erschreckt, wenn sie Gesich­ter genau able­sen kön­nen, und bereits gerin­ge Unwäg­bar­kei­ten wie das Ver­säu­men eines Lösch­an­tra­ges und Geld­knapp­heit bei For­mel-1-Ren­nen ver­set­zen sie gera­de­zu in Panik. Noch erschrecken­der („mehr als erschreckend“) als das Erschrecken ist eigent­lich nur noch die Gleich­gül­tig­keit:

(…) Mary stirbt (…) an einem Herz­in­farkt. Rays Reak­ti­on dar­auf ist mehr als erschreckend: Völ­lig gleich­gül­tig ver­folgt er die Arbeit der Sani­tä­ter (…).

Wen wun­dert es da noch, dass manch einem vor lau­ter Panik der Wort­schatz ent­glei­tet?

Uni­bo­dy-Gehäu­se mit erschreckend prä­zi­sen Kan­ten und Spalt­ma­ßen fin­det man sonst nur bei Alter­na­tiv­mo­del­len aus eige­nem Hau­se.

Die Welt ist vol­ler Gefah­ren.
Es ist erschreckend.

Spaß mit Spam
Hal­lo freund

Die­se Anre­de höre ich übli­cher­wei­se nur in der Fuß­gän­ger­zo­ne, wenn der klei­ne Sohn einer offen­bar recht libe­ra­len Mut­ter mal wie­der Dumm­hei­ten macht. Das klingt dann unge­fähr so: „Hal-looooo?! Fre-heuuuund?!“ (Man stel­le sich zur bes­se­ren Visua­li­sie­rung jedes Wort auf der ersten Sil­be betont, aber auf der letz­ten gebrüllt vor.) Aber es ist kei­ne libe­ra­le Mut­ter, die der­ge­stalt ihren Sohn rügend um mei­ne Auf­merk­sam­keit buhlt, son­dern eine gewis­se „Nata­sha“. Und sie geht gleich ziem­lich ran, die Gute:

Hal­lo,

Ich wür­de Sie ger­ne ken­nen ler­nen

Nun mal lang­sam: War­um, woher, wann; die übli­chen tech­ni­schen Daten eben?

Mein Name ist Nata­scha und ich bin 26 Jah­re alt, ich lebe in Russ­land.

Das könn­te das mit dem Ken­nen­ler­nen dann viel­leicht doch ein biss­chen erschwe­ren. Aber wie sind Sie eigent­lich an „mich“ gera­ten?

Ich habe Ihr Bild in der Agen­tur von Bekann­ten und Sie moch­ten mich.

(Ich fra­ge mich ja manch­mal, was es in Russ­land so alles für Agen­tu­ren gibt, und will das dann eigent­lich doch lie­ber nicht wis­sen.)

Immer­hin geben Sie zu, dass Sie ober­fläch­lich sind. Ehr­lich­keit ist in die­sen Din­gen heut­zu­ta­ge ein wahr­lich sel­te­ner Schatz gewor­den.
Aber wie muss man sich das nun eigent­lich vor­stel­len? Man besucht also als rus­si­sche Frau, die ihren Namen je nach Gusto buch­sta­biert, Bekann­te in denen ihrer Agen­tur, und die Bekann­ten drücken einem dann mit den Wor­ten „wir mögen dich, hier hast du einen Kerl“ – auf Rus­sisch natür­lich – mein Bild in die Hand? Mich frö­stelt ein wenig.

Ich möch­te bes­ser ken­nen zu ler­nen mit Ihnen und zu ent­spre­chen.

Dann ent­spre­chen Sie erst mal, bevor Sie sich auf­drän­gen; ich ken­ne Sie immer­hin nicht, und Russ­land erscheint mir dann doch außer­halb mei­ner gewünsch­ten Reich­wei­te.

Ich habe auch mei­ne Foto.

Äh – ich gra­tu­lie­re.

Wenn ich dich moch­te, und Sie inter­es­siert sind – bit­te mai­len Sie mir.

Ich füh­le mich bei­na­he ein wenig geschmei­chelt. Ihre Inter­es­sens­ge­nos­sin­nen pfle­gen anläss­lich die­ses Anlie­gens bedin­gungs­lo­se For­de­run­gen zu stel­len, Sie las­sen mir die Ent­schei­dung auch ver­bal frei. Dann bin ich mal so frei …

War­ten auf Ihre Ant­wort.

Nata­sha.

… und neh­me an, die Agen­tur Ihrer Bekann­ten wird Ihnen mei­ne Ent­schei­dung als­bald mit­tei­len. Schau­en Sie ein­fach mal wie­der dort vor­bei!

Mit hin­ter­häl­ti­gem Lächeln,
unle­ser­lich.

In den Nachrichten
Tuten und Bla­sen

Und falls es echt noch jeman­dem nicht so ganz klar war, wie­so einem die gan­ze Kri­se in den USA gera­de irgend­wie bekannt vor­kommt, lei­stet man als über­be­zahl­ter Ses­sel­fur­zer doch gern mal Abhil­fe:

Face­book-Anteils­eig­ner Peter Thiel glaubt nicht an eine neue Finanz­bla­se bei Inter­net­un­ter­neh­men. Statt jetzt ein­zu­knicken, müs­se man noch viel stär­ker in Zukunfts­tech­no­lo­gien inve­stie­ren. Dem SPIEGEL sag­te der Mil­li­ar­där, die High­tech-Indu­strie ver­spre­che wei­ter Wachs­tum und Fort­schritt. (…) Thiel sieht nicht „den Wahn­sinn von frü­her“ wie­der­keh­ren, son­dern im Gegen­teil eine „kul­tu­rel­le Trans­for­ma­ti­on“. (…) Das Sili­con Val­ley sei nun an der Spit­ze gelan­det, als ein­zi­ger Ort, „der noch Wachs­tum und Fort­schritt ver­spricht“.

Klar wür­de so ein Face­book-Anteils­eig­ner nie sagen, dass es eine ziem­li­che Schnaps­idee wäre, sein sonst­wie ergau­ner­tes Geld in das Web 2.0, was immer das jetzt genau auch sein soll, zu pum­pen. Nein, die­se Dot­com-Bla­se wird nie­mals plat­zen, denn anders als noch vor einem Jahr­zehnt spe­ku­liert man nicht dar­auf, dass die Unter­neh­men, in die man Geld inve­stiert, sat­te Gewin­ne abwer­fen, son­dern nur dar­auf, dass der Markt, in dem sie sich eta­blie­ren wol­len, sta­bil bleibt; was ja dann auch irgend­wie das­sel­be Ergeb­nis hat.

Gera­de aus einer „Kri­se“ her­aus­ge­rutscht und wie­der ein paar Krö­ten auf dem Kon­to zeigt man sich in Inve­sti­ti­ons­krei­sen also wie­der wage­mu­tig. Man hat es aller­dings auch leicht heut­zu­ta­ge, als Inve­stor stink­reich zu wer­den, denn man muss kein Glück mehr haben oder gar öko­no­mi­sche Weit­sicht, son­dern die jewei­li­gen Unter­neh­men ver­spre­chen Wachs­tum und Fort­schritt, was selbst­ver­ständ­lich nur bedeu­ten kann, dass es berg­auf geht und man sich mit dem Inve­stie­ren bes­ser ein biss­chen beei­len soll­te, und nicht etwa, dass so ein Unter­neh­men natür­lich schön blöd wäre, mög­li­chen Aktio­nä­ren zu sagen: So, Leu­te, wir sind dann in Bäl­de mal plei­te.

Die tat­säch­li­chen Unter­neh­mens­wer­te lie­gen eben im rund­erneu­er­ten Web zwei­drei­vier­tel eben­so in der Cloud wie die Aus­sich­ten auf Gewinn aus die­sen Unter­neh­mens­wer­ten. Die Logik scheint bestechend: So etwas ist ja erst vor kur­zem gewal­tig in die Hose gegan­gen, der kol­lek­ti­ve Gemein­sinn macht den glei­chen Feh­ler nicht zwei­mal in so kur­zer Zeit und wird schon recht­zei­tig die Kur­ve krat­zen bekom­men.

Und Peter Thiel hat das ver­stan­den:

„Es gibt kei­ne Bla­se, nicht bei Face­book, nicht bei Lin­ke­dIn und bei kei­nem der ande­ren bekann­ten Unter­neh­men“, so Thiel im SPIEGEL.

Denn das hät­te sich ja wohl schon her­um­ge­spro­chen, wenn es eine Bla­se gäbe, die kurz vorm Plat­zen ist, das hat ja damals auch schon gut funk­tio­niert. Wo der tat­säch­li­che Fir­men­wert von zum Bei­spiel Face­book liegt, des­sen ein­zi­ges ste­tes Kapi­tal sei­ne Kun­den – viel­mehr: ihre Daten – sind, wagt ein Face­book-Anteils­eig­ner natür­lich nicht zu hin­ter­fra­gen. Wird schon alles sei­ne Rich­tig­keit haben, sonst wür­de man den Wert wohl kaum so hoch schät­zen.

Kri­se? Was für eine Kri­se?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LIV: Die Rück­kehr der Juni­or­part­ner / Deut­scher Ego­is­mus

Erin­nert sich noch jemand an die SPD, die­se vor 1998, als Ger­hard Schrö­der die Nach­fol­ge Hel­mut Kohls antrat, poli­tisch ziel­ge­rich­te­te, ein­fluss­rei­che und eigent­lich auch inhalt­lich noch eini­ger­ma­ßen erträg­li­che Par­tei, die in der fol­gen­den Koali­ti­on mit der „Uni­on“ (christ­lich wie die Kreuz­zü­ge, demo­kra­tisch und sozi­al wie die Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik) sich als „Juni­or­part­ner“ an den stimm­ge­wal­ti­ge­ren „Seni­or­part­ner“ anbie­der­te und die leicht­gläu­bi­gen Wäh­ler infol­ge des­sen anwi­der­te?

Sie ist wie­der da:

Der SPD-Vor­sit­zen­de Sig­mar Gabri­el hat Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) die Zusam­men­ar­beit bei einer Steu­er­re­form ange­bo­ten.

Wenn SPD und CDU „zusam­men“ die Steu­ern refor­mie­ren wol­len, kann das nur ein Erfolg wer­den.
Das sieht dann ver­mut­lich unge­fähr so aus (Arti­kel von 2005):

Wenn es nach Spit­zen­po­li­ti­kern von Uni­on und SPD geht, wür­de die Mehr­wert­steu­er angeb­lich auf 20 Pro­zent erhöht.

Oder auch so (Arti­kel vom Dezem­ber 2010):

SPD und CDU stim­men für Steu­er­erhö­hun­gen in Sal­zu­flen

Die­se SPD ist schon put­zig.


Auch ziem­lich put­zig ist übri­gens Roma­no Pro­di, ehe­mals Regie­rungs­chef Ita­li­ens, der dann mal den Cap­tain Obvious macht:

Ex-Regie­rungs­chef Pro­di hält die Deut­schen für ego­istisch. (…) Er ver­wies dar­auf, dass die Deut­sche Bank fast ihre gesam­ten ita­lie­ni­schen Staats­an­lei­hen im Wert von acht Mil­li­ar­den Euro ver­kauft habe. Dies sei „ein ein­drucks­vol­les Signal des Nicht-Ver­trau­ens“.

Signor Pro­di, chie­do scu­sa, aber so recht Ver­trau­en in ein Land, des­sen Finan­zen auf­grund eige­nen Ver­sa­gens nicht die besten sind und des­sen lau­te­ste Kra­kee­ler, wie Sie einer sind, dann ver­su­chen, ande­ren Län­dern die Schuld hier­an zuzu­schie­ben, zu haben ist dann doch nicht unbe­dingt ein­fach. So schwie­rig ist das nicht zu ver­ste­hen: Wenn ich Anteils­eig­ner an einem gro­ßen Unter­neh­men bin und des­sen Bank­rott unmit­tel­bar bevor­steht, wer­de ich nicht mit dem Ver­kauf war­ten, bis mei­ne Antei­le nichts mehr wert sind, son­dern sie vor­her absto­ßen.

So funk­tio­niert das in der Wirt­schaft. Aber wem sage ich das?

Nerdkrams
Welt-Nerd-Tag

Nach dem Welt­pin­guin­tag dach­te ich, es gäbe kei­ne ähn­lich lobens­wer­ten Fei­er­ta­ge. Dann las ich dies:

Am 29. Juli 2011 wird der Welt-Nerd-Tag gefei­ert.

Pas­sen­der­wei­se fin­det am 29. Juli 2011 – also heu­te – auch der dies­jäh­ri­ge „Sys­Ad­min­Day“, der Tag der System­ad­mi­ni­stra­to­ren, statt. Wäh­rend letz­te­re aber im All­ge­mei­nen geach­te­te Zeit­ge­nos­sen sind, hat die Öffent­lich­keit von Nerds ein etwas ande­res Bild:

Rein äußer­lich sind sie durch ihre dicken Horn­bril­len und Hoch­was­ser­ho­sen erkenn­bar sowie dar­an, dass sie über Per­ry Rho­dan, Comics, die neue­sten Lan-Par­ties (sic!) oder die ange­sag­te­sten Video­spie­le phi­lo­so­phie­ren. Will­kom­men in der Welt der Nerds.

Dabei sieht die Welt der Nerds eigent­lich ganz anders aus. Sie sind nur sel­ten kli­schee­haft geklei­det, vie­le von ihnen inter­es­sie­ren sich nicht ein­mal für Sci­ence-Fic­tion, son­dern fin­den sie, im Gegen­teil, stink­lang­wei­lig. Als Nerd bezeich­net man sich auch nur sel­ten selbst, zu nega­tiv ist die­ses Wort in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung besetzt, son­dern man wird von ande­ren Men­schen als Nerd iden­ti­fi­ziert. Dazu gehört nicht ein­mal eine dicke Horn­bril­le, es genügt bereits, sich für The­men zu inter­es­sie­ren, die in den Augen eher kon­ser­va­ti­ver Medi­en und Mit­men­schen als wun­der­lich gel­ten. Die Zahl derer, die die­ses Inter­es­se tei­len, ist hier­bei uner­heb­lich; so gibt es Com­pu­ter­spiel­nerds, obwohl wohl jeder Drei­kä­se­hoch heut­zu­ta­ge die­ses Inter­es­se teilt; es gibt Sci­ence-Fic­tion-Nerds – bekannt sind die „Trek­kies“, die sogar Gegen­stand eige­ner Fil­me („Fan­boys“) wur­den – ver­schie­den­ster Aus­rich­tung, obwohl nicht erst seit der letz­ten Star-Wars-Tri­lo­gie das Wis­sen über Hin­ter­grün­de und Zusam­men­hän­ge die­ser Wel­ten zumin­dest teil­wei­se zum All­ge­mein­gut wur­de (wer hat noch nie was von „Laser­schwer­tern“ gehört?); und es gibt ver­ein­zelt auch Nerds, die fern­ab elek­tro­ni­scher Medi­en ihrem Nerd­tun nach­ge­hen, etwa Bücher­nerds. So sieht die Gesell­schaft das.

Ist man also schon ein Welt-Nerd-Tag-Nerd, weil man die­sen Arti­kel hier liest und somit alles Wis­sens­wer­te über ihn her­aus­ge­fun­den hat? Womög­lich schon. Da aber nun ande­rer­seits jeder Mensch ein Nerd ist, schla­ge ich vor, für uns Com­pu­ter­bast­ler, die im täg­li­chen Leben mit ihrem Nerd­tum so man­chen Betrieb am Lau­fen hal­ten, ein ande­res Wort zu eta­blie­ren.

Wie wäre es mit „Sys­ad­mins“?
Gern gesche­hen.

Einen Gruß und mei­ne vol­le Hoch­ach­tung an all die Lei­dens­ge­nos­sen da drau­ßen! :)