KaufbefehleMontagsmusik
Pink Floyd – Careful With That Axe, Euge­ne

Und da wir gera­de bei Pink Floyd waren:

Am Frei­tag erscheint das Gesamt­stu­dio­werk die­ser doch nicht all­zu üblen Musik­grup­pe in einer Neu­auf­la­ge, und die ganz Har­ten unter ihren Hörern, denen es mehr um’s Prin­zip geht, weil sie sowie­so schon alles von Pink Floyd im Schrank haben, bekom­men natür­lich auch die Gele­gen­heit, eine Hyper­su­per­bo­nu­sedi­ti­on ein­zel­ner Alben zu erwer­ben, auf denen jedes Lied in ermü­den­der Viel­falt zu hören ist. The Dark Side of The Moon kommt dann auch schon mal auf sechs Schei­ben und fast hun­dert Euro; „money“, san­gen sie einst, „it’s a gas: Grab that cash with both hands and make a stash.“

Da möch­te man doch bei­na­he die Axt schwin­gen.

Careful with that axe, Euge­ne …

:twisted:

MusikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LVIII: Mör­der! Ter­ro­ri­sten! Musik­run­ter­la­der!

Es ließ sich ja nur schwer­lich nicht bemer­ken: Das Wet­ter beim dies­jäh­ri­gen Puk­kel­pop-Festi­val war der­ma­ßen sub­op­ti­mal, dass ein Sturm vier Leu­te töte­te.

Weil so was aber ein­fach nicht pas­sie­ren kön­nen soll, wur­de natür­lich umge­hend nach den Hin­ter­grün­den geforscht, denn dass ein Sturm einen Schwall an Besu­chern um die Ecke bringt, ist viel­leicht nichts, was zur Tra­di­ti­on wer­den soll­te, und üblich war es bis­lang auch noch nicht.

Stellt sich raus: Sind die Schwarz­ko­pie­rer schuld.

‚Ille­ga­le Down­loads schuld an töd­li­chem Festi­val­dra­ma‘

„Denk dran: Jedes Byte, das du ille­gal aus dem Inter­net her­un­ter­lädst, bringt einen Men­schen um, mein Kind! Es ver­ur­sacht schwe­re Unwet­ter und lässt Büh­nen von unfä­hi­gen Archi­tek­ten kon­stru­ie­ren!“

Weil näm­lich, die Sache ist die:

„Mega­kon­zer­te sind für die Musik­grup­pen, die kaum noch CDs ver­kau­fen, lebens­wich­tig gewor­den“, zitiert die nie­der­län­di­sche Tages­zei­tung De Tele­graaf Exper­ten ver­schie­de­ner Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten. „Die­se Kon­zer­te fin­den auf rie­si­gen Büh­nen statt, die mit Licht- und Video­equip­ment völ­lig über­be­la­stet wer­den. Der Regen und der Wind rich­ten nicht mehr Scha­den an als frü­her. Aller­dings ist der Scha­den ins­ge­samt viel höher als frü­her.“

Kla­rer Fall: Weil Musik­grup­pen kaum noch CDs ver­kau­fen, müs­sen sie statt­des­sen mit viel zu umfang­rei­cher Büh­nen­aus­stat­tung auf insta­bi­len Büh­nen auf­tre­ten. Ohne das böse Inter­net könn­ten sie sich klei­ne­re Gitar­ren­ver­stär­ker und viel­leicht sogar einen Ver­an­stal­ter mit mehr Grips lei­sten, und vier Men­schen mehr wären jetzt viel­leicht noch am Leben!

Ein prag­ma­ti­scher Lösungs­vor­schlag: Even­tu­ell soll­ten sie dann ein­fach mal bes­se­re CDs auf den Markt brin­gen. Schlech­te Musik ver­kauft sich zwar anschei­nend auch nicht schlecht, ist jedoch, wie wir sehen, töd­lich.

Mehr Mut zum Risi­ko, dies soll­te das Mot­to einer Plat­ten­fir­ma im 21. Jahr­hun­dert sein. (Falls noch eine eins braucht. In die­sem Fall: Gern gesche­hen!)

Persönliches
„Geschlecht? Ja, bit­te!“

Wenn mich Bekann­te oder weni­ger Bekann­te fra­gen, was ich mir denn so zum Geburts­tag, zu Weih­nach­ten oder ähn­li­chen Anläs­sen wün­sche, vari­ie­re ich mei­ne Ant­wort meist anhand der Iden­ti­tät des Fra­ge­stel­lers von „war­um soll­te ich dafür beschenkt wer­den, gebo­ren wor­den zu sein?“ bzw. „(…) dass Jesus angeb­lich gebo­ren wur­de?“ bzw. „(…) dass (…)?“ bis „och, Sex wäre nett“. „Ficken wäre nett“ traue ich mich nicht mehr zu sagen, denn ein bekann­ter Geträn­ke­her­stel­ler hat die­ses, zuge­ge­ben, etwas unfei­ne Wort nach­hal­tig rui­niert. Schnaps als Geschenk benö­ti­ge ich nicht unbe­dingt.

Dass das aller­dings wirk­lich mal funk­tio­nie­ren könn­te, hat­te ich nicht erwar­tet, besteht mein Bekann­ten­kreis doch weit­ge­hend aus Per­so­nen bei­der­lei Geschlechts, die sich für der­ar­ti­ge „Geschen­ke“ ver­mut­lich zu scha­de wären.

Dann aber erhielt ich uner­war­te­te Post.

Ich soll­te mich glück­lich schät­zen: Wie vie­le Män­ner bekom­men heut­zu­ta­ge schon noch zwang­los Sex frei Haus? :mrgreen:

Jetzt benö­ti­ge ich jedoch einen neu­en Wunsch für einen kom­men­den Anlass.
Wer weiß Rat?

Nerdkrams
GNU Emacs: Befremd­lich eso­te­risch

(Vor­be­mer­kung: Dies ist mein 1.000. ver­öf­fent­lich­ter Arti­kel hier, so behaup­tet es jeden­falls Word­Press. Hul­di­gun­gen sind selbst­ver­ständ­lich erwünscht, jedoch ver­zich­te ich in die­sem Arti­kel auf die wei­te­re Wür­di­gung mei­nes eige­nen Schaf­fens und schrei­be statt­des­sen was über Com­pu­ter.)

Getreu dem Mot­to „Ken­ne dei­nen Feind!“ nahm ich mir heu­te ein wenig Zeit, mich als Nut­zer des welt­be­sten Text­edi­tors Vim mit sei­nem furcht­ba­ren Gegen­part GNU Emacs zu beschäf­ti­gen; über obskur zu bedie­nen­de ehe­mals freie Soft­ware kann man bekannt­lich nie zu viel wis­sen. Ein kur­zer Blick in das deutsch­spra­chi­ge Tuto­ri­um ließ mich aller­dings ver­mu­ten, dass die eso­te­ri­sche Aura, die GNU Emacs mit­un­ter nach­ge­sagt wird, tat­säch­lich über­sinn­li­che Fähig­kei­ten beim Benut­zer vor­aus­setzt:

„Wenn Tasten­drücke nicht mehr bemerkt wer­den“, so steht dort sinn­ge­mäß, „dann drücken Sie ande­re Tasten, und es geht wie­der.“ Alte PC-BIOS-Ver­sio­nen, dar­an erin­ne­re ich mich, hat­ten ähn­li­che Auf­for­de­run­gen im Reper­toire: „Es wur­de kei­ne Tasta­tur erkannt; drücken Sie eine belie­bi­ge Taste, um fort­zu­fah­ren.“

Gute, alte Zeit.

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LVII: Fal­sches Mit­ge­fühl

Wie groß­zü­gig:

US-Prä­si­dent Barack Oba­ma hat sich besorgt über mög­li­che glo­ba­le Fol­gen der Euro-Kri­se geäu­ßert.

Weil näm­lich:

Besorgt äußer­te er sich über mög­li­che glo­ba­le Fol­gen der Euro-Kri­se. Die Situa­ti­on in Euro­pa wer­de zwei­fels­los auch Fol­gen für die US-Wirt­schaft haben, sag­te Oba­ma (…).

Denn wie schnell ver­blasst doch das eige­ne Unver­mö­gen, wenn man mit den Fin­gern auf ande­re zei­gen kann. Die dro­hen­de Staats­plei­te der Welt­macht USA erscheint doch viel ent­span­nen­der, wenn gleich­zei­tig der Euro schwä­chelt.

Wenn nicht mal auf den Euro mehr Ver­lass ist, wo hin­ein soll man dann noch zukunfts­si­cher inve­stie­ren kön­nen, so als US-Ame­ri­ka­ner?
Viel­leicht doch mal wie­der in Immo­bi­li­en – das ist angeb­lich eine tod­si­che­re Anla­ge.

Montagsmusik
Lou Reed – Ecsta­sy

In unse­rer belieb­ten Rei­he „Alte Män­ner, die zu fan­ta­sti­scher Musik Tex­te sin­gen, die sich bestimmt auf irgend­was bezie­hen“ sehen Sie heu­te Lou Reed mit dem Titel „Ecsta­sy“ von sei­nem gleich­na­mi­gen Album.

Lou Reed (4–21) ecstasy.Live 2000 Düs­sel­dorf

I’m going to the café, I hope they’­ve got music
and I hope that they can play -
but if we have to part
I’ll have a new scar right over my heart;
I’ll call it ecsta­sy.

PolitikPiratenpartei
Zu den nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­wah­len 2011

Die Kom­mu­nal­wah­len in Nie­der­sach­sen sind nun weit­ge­hend ent­schie­den, und eine Gemein­sam­keit all der betei­lig­ten Bezir­ke ist fest­zu­stel­len: Bei­na­he über­all, wo die Pira­ten­par­tei antrat, konn­te sie auch Sit­ze errin­gen, den diver­sen Unken­ru­fen, die Pira­ten kämen eh nicht rein, zum Trotz. ‘Zu den nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­wah­len 2011’ wei­ter­le­sen »

FotografieKaufbefehleMusikkritik
Herz­berg unterm Dach

Buntes AllerleiWäh­rend das Burg-Herz­berg-Festi­val nach Jahr­zehn­ten des Bestehens eine gewis­se Bekannt­heit erlan­gen konn­te, ist der Able­ger „Herz­berg unterm Dach“, eine eben­falls jähr­li­che, aber nur ein­näch­ti­ge Ver­an­stal­tung, noch immer ein Geheim­tipp. Sel­bi­gen aller­dings nutz­te ich, um mich am Abend des 9. Sep­tem­ber dort ein­zu­fin­den. In die­sem Jahr fand das „Herz­berg unterm Dach“ in der „Fabrik“, also einer (offen­bar still­ge­leg­ten) Fabrik in Ham­burg-Alto­na, statt. Bereits vor dem Beginn – der Ein­lass begann gegen 19 Uhr, das eigent­li­che festi­val gegen 20 Uhr – inspi­zier­te ich, wie es so mei­ne Art ist, zuerst ein­mal das ange­rei­ste Publi­kum.

Eine Über­schnei­dung mit der Kli­en­tel des ande­ren dies­jäh­ri­gen Musik­fe­stes konn­te ich nicht vor­stel­len, denn mit­tel­al­ter­lich geklei­det war nie­mand, statt­des­sen lief man in aller­lei psy­che­de­lisch kolo­rier­ten Kla­mot­ten her­um. Diver­se Haschisch­schwa­den spä­ter begann dann der Ein­lass, und die klei­ne Fabrik füll­te sich; „füll­te“ aller­dings wäre wahr­lich etwas viel gesagt, denn sowohl auf den Sitz­rän­gen als auch auf der Tanz­flä­che vor der Büh­ne war noch reich­lich Platz, der im Lau­fe des Abends aller­dings erst knap­per und dann wie­der weni­ger knapp wur­de.

Mit Heim­vor­teil eröff­ne­te die Ham­bur­ger Com­bo Cos­mic Fin­ger, in der Tra­di­ti­on der Gra­teful Dead (von den Ver­an­stal­tern kon­se­quent falsch „Gra­teful Death“ genannt, ste­hend, den Abend. Da die­ser US-ame­ri­ka­nisch gepräg­te Blues­rock aber mei­ner musi­ka­li­schen Prä­fe­renz nicht ent­spricht, ver­zich­te­te ich dar­auf, besag­te Com­bo foto­gra­fisch fest­zu­hal­ten. Allen­falls ist zu sagen: Der Front­mann geht einem mit sei­nem gekün­stelt wir­ken­den Gegrin­se und Gezap­pel mal so was von auf den Zei­ger, dass auch Leu­te, die von der­ar­ti­ger Musik eher posi­tiv beein­druckt sind, bes­ser Abstand von Film­auf­nah­men neh­men und sich even­tu­ell dann trotz­dem mal eines der Alben anhö­ren.

Bes­ser waren da Ashe­sh & Nekhvam aus Nepal, die eben­falls Blues­rock zele­brier­ten, sich aber größ­te Mühe gaben, sich das nicht anmer­ken zu las­sen. Ange­kün­digt als Jimi-Hen­drix-Cover­band feu­er­ten sie statt­des­sen ein mal im Stoner Rock, mal im Blues­rock behei­ma­te­tes Klang­feu­er­werk ab, das auch wegen des mar­kan­ten Gesangs des Gitar­ri­sten Ashe­sh Dan­gol (die Namens­ähn­lich­keit zu „Haschisch“ ist also natür­lich nur Zufall; auf einem Hip­pie­spek­ta­kel durch­aus eine Sel­ten­heit) mit­un­ter die guten, alten Tage der Led Zep­pe­lin her­auf­be­schwor. Getrübt wur­de der Auf­tritt nur von den ziem­lich mie­sen Klan­gei­gen­schaf­ten der „Fabrik“, die die eigent­lich ziem­lich pri­maen Musi­ker wie durch ein dump­fes Kis­sen fil­ter­te. Der hal­len­ty­pi­sche Hall (heißt ja nicht umsonst so!) tat ein übri­ges; nicht so, dass es alles rui­niert hät­te, aber man wäre schon gespannt gewe­sen auf eine etwas „rei­ne­re“ Dar­bie­tung des, nun ja, Dar­ge­bo­te­nen.

Schwe­rer wogen die Qua­li­täts­ein­bu­ßen bei Vibra­vo­id aus Düs­sel­dorf, die das „Herz­berg unterm Dach“ mit ihrem von den frü­hen Pink Floyd beein­fluss­ten Psy­che­de­lic Rock been­de­ten und gleich­zei­tig ihre neue CD „Live at Burg Herz­berg Festi­val 2011“, auf­ge­nom­men im Juli, mit­brach­ten, denn obwohl sie zwei­fels­oh­ne zu dem Besten gehö­ren, was Deutsch­lands Musi­ker­sze­ne momen­tan zu bie­ten hat, beein­träch­tig­ten unab­sicht­li­che Rück­kopp­lun­gen und, wie­der mal, der dump­fe Hall den Hör­ge­nuss.

Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass man als Kon­su­ment kei­ne Freu­de gehabt hät­te an den Klang­wän­den, die die vier Musi­ker auf die ver­sam­mel­ten Psy­che­de­lic­freun­de los­lie­ßen. Mit­rei­ßend näm­lich waren sie (die Klang­wän­de) stets. Hör­bar pro­fi­tiert hat von die­sen Effek­ten gar das Abschluss­stück, eine gran­dio­se Ver­si­on von Pink Floyds „Set The Con­trols For The Heart Of The Sun“, das Vibra­vo­id bereits auf dem Burg-Herz­berg-Festi­val 2011 spiel­ten und das auf ihrem dies­jäh­ri­gen Album Mind­drugs ent­hal­ten war:

Dass es sich um eine Cover­ver­si­on han­delt, bedeu­tet aller­dings nicht blo­ße Kopie, denn Vibra­vo­id spen­dier­ten dem Stück einen aus­ge­dehn­ten Mit­tel­teil aus Klang­ex­pe­ri­men­ten, die sich har­mo­nisch in das Gefü­ge der übri­gen Stücke des Abends ein­füg­ten, denn expe­ri­men­tel­le Klän­ge lie­fer­ten Vibra­vo­id sozu­sa­gen im Minu­ten­takt ab. Obwohl es bereits weit nach Mit­ter­nacht war, war an Schläf­rig­keit nicht zu den­ken. Gegen 2 Uhr mor­gens schließ­lich ver­ebb­ten die letz­ten Tak­te von „Set The Con­trols …“ und das festi­val war vor­über.

Natür­lich ist das ins­ge­samt kei­nes­falls mit dem „gro­ßen“ Burg-Herz­berg-Festi­val ver­gleich­bar, natür­lich ist eine Nacht mit drei Musik­grup­pen, oben­drein nicht ein­mal unter frei­em Him­mel, nicht genug, um des Blu­men­kin­des Herz tage­lang höher schla­gen zu las­sen. Als Aus­klang des Festi­val­som­mers 2011 aber konn­te das „Herz­berg unterm Dach“ voll und ganz über­zeu­gen; und min­de­stens Vibra­vo­id live erle­ben zu kön­nen ist den Besuch einer jeden Ver­an­stal­tung die­ser Art wert.

Hin und wie­der lohnt es sich eben doch, über den Tel­ler­rand hin­weg zu schau­en.

In den NachrichtenNerdkrams
End­lich: Onlin­ever­sio­nen von Off­line­pro­gram­men jetzt auch off­line!

(Vor­be­mer­kung: Nach eini­gen anfäng­li­chen Tweets hier­zu habe ich beschlos­sen, dann doch mal einen län­ge­ren Text zu schrei­ben, um der aus­ufern­den WTFig­keit – Wort soeben erfun­den – gewis­ser Neue­run­gen ange­mes­sen Respekt zu zol­len.)

Heu­te ist die erste deut­sche Aus­ga­be des Wired-Maga­zins erschie­nen, und ich wür­de es an die­ser Stel­le gern aus­gie­big für blöd befin­den, allein schon des­halb, weil dort zahl­rei­che Lob­prei­sun­gen ver­linkt sind und ich eine aus­ge­wo­ge­ne Mei­nungs­viel­falt im Inter­net für wich­tig hal­te. Lei­der jedoch hat­te ich noch kei­ne Gele­gen­heit, es zu erwer­ben, und ich befürch­te, bis ich das nach­ge­holt habe, war ix schnel­ler als ix ich. Also befin­de ich statt­des­sen etwas ande­res für blöd.

Und zwar was von Goog­le.

Dass ich Goog­le nicht mag und auch für die Arbeit mit Com­pu­tern Drit­ter grund­sätz­lich erst mal eine ande­re Stan­dard-Such­ma­schi­ne ein­stel­le, ist hin­läng­lich bekannt. Das allein ist aber noch kein Grund, alles zu zer­re­den, was von die­sem Unter­neh­men stammt, denn da hät­te ich wahr­lich viel zu tun. Aktu­ell aber wird in den übli­chen Tech­nik­blogs mal wie­der eine Goog­le-Erfin­dung als drin­gend benö­tig­te Lösung für ein wich­ti­ges Pro­blem geprie­sen, die ihren Nut­zen eigent­lich nur aus sich selbst zieht.

Ein wenig Geschich­te: Im Febru­ar 2010 been­de­te Goog­le sei­ne Unter­stüt­zung für das Pro­jekt Gears, das mit­tels eines Plug­ins die Off­linen­ut­zung von Web­in­hal­ten ermög­li­chen soll­te. Unter ande­rem lie­fer­te die Platt­form Word­Press eine Unter­stüt­zung für die­se Tech­nik mit, so dass man zum Bei­spiel sein Blog auch off­line pfle­gen konn­te. Das war nur wenig ver­wun­der­lich, trieb Goog­le doch zur glei­chen Zeit die voll­stän­di­ge Ver­net­zung jeg­li­cher anfal­len­den Auf­ga­ben und ihre Ver­la­ge­rung in die cloud aktiv vor­an, wobei ins­be­son­de­re das Flagg­schiff „Goog­le Mail“ maß­geb­lich war, ver­such­te man doch dort, die Nut­zung eines eigen­stän­di­gen Mail­pro­gramms so über­flüs­sig wie mög­lich zu machen; über­wie­gend sogar mit Erfolg, denn nur weni­ge Goog­le-Mail-Nut­zer ver­wen­den, wie eine Umfra­ge im Bekann­ten­kreis ergab, noch etwas ande­res als die Web­ober­flä­che.

Mit „Goog­le Text & Tabel­len“ hat Goog­le seit eini­gen Jah­ren auch eine Alter­na­ti­ve zu inter­net­ba­sier­ter Büro­soft­ware wie Think­Free Office oder zum Bei­spiel dem Pira­ten­pad im Reper­toire, aus­ge­rich­tet auf gemein­schaft­li­ches Bear­bei­ten, etwa zur Bespre­chung von Pro­jekt­zie­len in grö­ße­ren Teams. Für sol­ches kol­la­bo­ra­ti­ves Edi­tie­ren sind sol­che Platt­for­men tat­säch­lich eine gran­dio­se Erfin­dung, ob nun von Goog­le oder von sonst­wem umge­setzt; dass man aber nicht sei­ne kom­plet­te Kor­re­spon­denz in der cloud able­gen soll­te, ist bekannt, und sei es nur auf­grund des nahe lie­gen­den Pro­blems, dass man manch­mal auch an sei­ne Doku­men­te gelan­gen kön­nen möch­te, wenn man fern­ab von jeg­li­cher Inter­net­ver­bin­dung her­um­gurkt.

Caschy zum Bei­spiel gurk­te der­art nicht nur per Ver­kehrs­mit­tel, son­dern auch sprach­lich her­um:

Ich war ja die Tage mit dem Zug durch die Pam­pa unter­wegs. Ich sage euch: mobi­les Leben my ass! (…) Wor­auf ich hin­aus will: nicht immer haste Netz, wohl aber viel­leicht Daten in der Cloud – und auf eben die­se kann­ste nicht zugrei­fen. Mööööp.

Tja. Mööööp. Zum Glück hat sich Goog­le jetzt etwas total Neu­es, Groß­ar­ti­ges, Auf­re­gen­des aus­ge­dacht:

Jau, [jetzt] gibt es auch die Mög­lich­keit, die Goog­le Docs off­line zu nut­zen.

Das Gan­ze funk­tio­niert so ähn­lich wie Gears, läuft aber nur noch unter Chrome/Chromium und mag Fire­fox, Safa­ri und den Inter­net Explo­rer nicht mehr. Es ist sozu­sa­gen eine unfle­xi­ble Kopie von Gears; und dar­in besteht dann auch die wirk­li­che Neue­rung: Es kann weni­ger. Nichts­de­sto­trotz ertö­nen die Jubel­ru­fe mit Ohren betäu­ben­der Inten­si­tät, als hät­te Goog­le gera­de das Inter­net neu erfun­den.

Dabei umgeht die­se „Off­line­funk­ti­on“ eigent­lich nur den Nach­teil, den die diver­sen Dien­ste von Goog­le gegen­über den Pro­gram­men, denen sie Kon­kur­renz machen sol­len, bis heu­te immer noch hat­ten, näm­lich, dass ohne Inter­net­ver­bin­dung alles zum Erlie­gen kommt. E‑Mails mehr oder weni­ger durch­such­bar archi­vie­ren kann mei­nes Wis­sens jedes Mail­pro­gramm, und E‑Mail ist schon älter als das „World Wide Web“ selbst; und, um beim The­ma zu blei­ben, bis zu erwähn­ter Ankün­di­gung von Goog­le schei­nen eini­ge Leu­te ja wirk­lich arge Schwie­rig­kei­ten gehabt zu haben, wenn sie mal eben ohne Inter­net­an­schluss einen Brief oder eine Tabel­le oder so etwas schrei­ben oder erstel­len woll­ten. Off­line genutzt ent­fällt näm­lich der Aspekt des kol­la­bo­ra­ti­ven Edi­tie­rens aus tech­ni­schen Grün­den. (Kein Inter­net = kei­ne cloud, so ein­fach ist die Glei­chung.)

„Hm, wie schön wäre es doch, gäbe es so etwas wie ‚Goog­le Text & Tabel­len‘ auch für Com­pu­ter, die zeit­wei­se oder dau­er­haft nicht im Netz sind“, hat man sich da bei Goog­le viel­leicht gedacht.
Wer weiß, viel­leicht ersinnt man sogar längst den Nach­fol­ger von „Goog­le Text & Tabel­len“ für eben­die­se, der nicht mal mehr einen Brow­ser benö­tigt?

Ande­rer­seits: Gibt es ja schon.

Jau.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt LVI: Flir­ten für Mäd­chen von „Mäd­chen“ (Maga­zin)

Wer sich übri­gens wun­dert, wie­so jun­ge Mäd­chen oft ein so ver­klär­tes Bild von inter­hu­ma­nen Akti­vi­tä­ten (ewi­ge Lie­be mit süßen boys und was man halt so nennt) haben, dem sei es gera­ten, ab und zu mal einen Blick in eines die­ser herr­lich blö­den Mäd­chen­ma­ga­zi­ne zu wer­fen.

Klop­fer hat es getan:

Wenn ich mal eine Toch­ter habe, ver­bie­te ich ihr Face­book; anschei­nend ist es für die heu­ti­ge Jugend ohne Face­book unmög­lich, sich zum Geschlechts­ver­kehr zu ver­ab­re­den.

Ach, des­we­gen wol­len da alle sein … :mrgreen:

Unbe­dingt lesens­wert, da (bedau­er­li­cher­wei­se) amü­sant!

Piratenpartei
Basis­de­mo­kra­tie und ihre Tücken

Und sie haben es doch getan.

Die Wolfs­bur­ger Pira­ten haben, basis­de­mo­kra­tisch mit der Mehr­heit des Vor­stan­des (also mit unge­fähr drei Stim­men), beschlos­sen, wie die ande­ren Par­tei­en auch Erst­wäh­ler­da­ten zu kau­fen, um mit deren Hil­fe Erst­wäh­ler dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass Adress­ein­kauf mög­lich ist und wir als Pira­ten­par­tei das nicht gut fin­den. Das ent­spre­chen­de Flug­blatt stammt ursprüng­lich aus dem Wahl­kampf in Baden-Würt­tem­berg und lässt mich doch an der gei­sti­gen Lei­stungs­fä­hig­keit man­cher Pira­ten zwei­feln.

Wir sind uns, da lässt die gegen­wär­tig lau­fen­de Dis­kus­si­on kei­nen Zwei­fel zu, weit­ge­hend einig, dass Adress­han­del kein Kava­liers­de­likt ist, haben vor zwei Jah­ren auch für den (übri­gens schreck­lich ein­falls­los beti­tel­ten) „Opt-Out-Day“ gewor­ben, also für die gemein­schaft­li­che Unter­bin­dung der Adress­da­ten­wei­ter­ga­be sei­tens der Behör­den. Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass die­ses „Opt-Out“ auf Kom­mu­nal­ebe­ne nichts ver­lo­ren hat, denn die Kom­mu­nen haben auf die­sen Teil der Lan­des­po­li­tik kei­nen Ein­fluss:

Geht’s noch, Wolfs­bur­ger Pira­ten?

Eine Par­tei, die mei­ne Daten kauft, um mich dann schrift­lich dar­auf hin­wei­sen zu kön­nen, dass sie mei­ne Daten kau­fen kann und das eigent­lich voll blö­de fin­det, mag inhalt­lich Recht haben, liegt aber ideo­lo­gisch genau so dane­ben wie Leu­te, die „Micro$uck“ und „Win­doof“ schrei­ben, aber nicht im Traum dar­auf kämen, etwas ande­res als Win­dows zu nut­zen. Wobei die Wolfs­bur­ger Pira­ten ohne­hin ein merk­wür­di­ger Ver­ein sind, hat der Vor­stand doch neben­bei auch noch beschlos­sen, aus­ge­rech­net auf Face­book bezahl­te Wer­bung zu schal­ten. (Face­book ist, wir erin­nern uns, nicht nur das medi­al geprie­se­ne neue Mit­mach-Inter­net, son­dern wegen sei­nes aggres­si­ven Markt­ver­hal­tens auch das rote­ste aller Tücher für uns Kern­pi­ra­ten. [Kern­pi­ra­ten sind, wir erin­nern uns, das Gegen­teil von Voll­pi­ra­ten: Wir leh­nen das „Voll­pro­gramm“ ab und kon­zen­trie­ren unse­re Ener­gien lie­ber auf unse­re Kern­the­men Trans­pa­renz, Basis­de­mo­kra­tie und Daten­schutz.])

Fol­ge­rich­tig fal­len auf der Mai­ling­li­ste Begrif­fe wie „Ver­rä­ter­par­tei“, die übli­chen Gegen-Pira­ten-Hetz­blogs schwa­dro­nie­ren sich ähn­li­chen Unsinn zusam­men, aber halt: Die Pira­ten­par­tei ist eine Basis­de­mo­kra­tie. Wie sonst nir­gends gilt bei der Pira­ten­par­tei nicht das Prin­zip „pars pro toto“. Die Wolfs­bur­ger Pira­ten sind nicht die nie­der­säch­si­schen Pira­ten, die nie­der­säch­si­schen Pira­ten sind nicht die Pira­ten­par­tei.

Kei­nes­falls also dis­kre­di­tiert die­ses Vor­ge­hen die Pira­ten­par­tei als „unwähl­bar“ oder gar als „Ver­rä­ter­par­tei“ (die­sen Sta­tus möch­te ich per­sön­lich der SPD auch nicht neh­men, ist er doch der ein­zi­ge, der ihr noch bleibt); es ist viel­mehr ein wei­te­rer Beleg dafür, dass man beim Wäh­len nicht auf tol­le Pla­ka­te und dum­mes Gesül­ze in den Medi­en ach­ten soll­te, son­dern dar­auf, wofür die­se Par­tei­en eigent­lich ein­tre­ten.

Die Wolfs­bur­ger haben sich ent­schie­den, pira­ti­sche Zie­le (Auf­klä­rung über staat­li­chen Daten­schutz) mit unüb­li­chen Mit­teln (Aus­nut­zen des­sen, was man eigent­lich bekämp­fen möch­te) zu ver­fol­gen. Dass das nun, da es zu spät ist, vor das Lan­des­schieds­ge­richt getra­gen wur­de, kann die­sen Ver­trau­ens­bruch selbst­ver­ständ­lich nicht rela­ti­vie­ren.

In einer Basis­de­mo­kra­tie wie der Pira­ten­par­tei zählt jede Stim­me. Das führt manch­mal dazu, dass die ver­meint­li­che Par­tei­li­nie deut­lich über­schrit­ten wird; man soll­te jedoch nicht ver­ges­sen, dass zu die­sen Stim­men immer auch Gegen­stim­men ertö­nen, etwa die von Miles Möl­ler, mir freund­li­cher­wei­se das aus­zugs­wei­se Zitie­ren geneh­migt habend:

Wenn mich ein Braun­schwei­ger (nur als Bei­spiel) fragt, dann über­zeu­ge ich ger­ne, dass er die Pira­ten wählt.

Wenn mich jetzt ein Wolfs­bur­ger fragt, wird mei­ne Ant­wort die glei­che sein, wie für jede ande­re Ver­rä­ter­par­tei auch!

Wenn­gleich ich hier inhalt­lich d’ac­cord gehe, miss­fällt mir die For­mu­lie­rung doch ein wenig; also etwas mil­der aus­ge­drückt auch so:

Mir sind die Pira­ten­wer­te wich­ti­ger als ein paar Wäh­ler­stim­men! Ich will für das gewählt wer­den, wofür wir ste­hen! Wenn der Wäh­ler das so nicht für „ok, die wäh­le ich“ hal­ten, ist das scha­de, aber damit kann ich leben!

Wir sind Pira­ten, weil wir für etwas ste­hen, was wir nie auf­ge­ben soll­ten. „Wir haben Wer­te und kämp­fen für sie“, was zwar unpo­pu­lär sein mag, aber uns wenig­stens auf­recht für unse­re Zie­le ein­ste­hen lässt: Wer näm­lich sei­ne poli­ti­schen For­de­run­gen je nach Frak­ti­ons­zwang neu defi­niert, der hat zwar gro­ße Chan­cen auf einen gro­ßen Wahl­er­folg, so lan­ge die Wäh­ler nicht bemer­ken, dass er jedem etwas ande­res erzählt, aber er hat kein Pro­fil mehr.

Womög­lich spre­che ich jetzt nur für mich, und man möge es mir ver­zei­hen, wenn das ver­se­hent­lich wie ein Kom­pro­miss­vor­schlag klingt, aber ich ste­he lie­ber hin­ter einer Par­tei, die über vier Pro­zent nicht hin­aus­kommt, als hin­ter einer Par­tei, die Wahl­kampf als Abfi­schen von Wäh­ler­stim­men um bei­na­he jeden Preis miss­ver­steht.

Basis­de­mo­kra­tie bedeu­tet auch, ein­fach mal dage­gen sein zu kön­nen. Ich bin dage­gen, dass Wolfs­bur­ger die­sen frag­wür­di­gen Adress­han­del mit ihrer Stim­me beloh­nen. Ich bin dage­gen, dass die Wolfs­bur­ger Pira­ten auch nur eine ein­zi­ge Stim­me für den Scha­den bekom­men, den sie unse­rer vor­geb­lich gemein­sa­men Sache in der Öffent­lich­keit ange­tan haben. Nichts­de­sto­trotz bin ich dage­gen, außer­halb Wolfs­burgs an der Wahl­ur­ne Sip­pen­haft zu bean­tra­gen. „Mit­ge­fan­gen, mit­ge­han­gen“ gilt in der Pira­ten­par­tei eben nicht.


Das mit dem Adress­han­del übri­gens ist den Wind, den die Blogo­sphä­re dar­um macht, nicht ein­mal wert:

Aus­künf­te über Vor- und Fami­li­en­na­men, aka­de­mi­sche Gra­de sowie gegen­wär­ti­ge Anschrif­ten dür­fen laut dem Vor­stoß für ein Bun­des­mel­de­ge­setz nur noch für Wer­bung und Adress­han­del her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn die betrof­fe­ne Per­son einer ent­spre­chen­den Über­mitt­lung zuge­stimmt hat. Die Spei­cher­frist für Mel­de­da­ten nach Weg­zug oder Tod soll auf fünf Jah­re beschränkt wer­den.

Iro­nie, süße Iro­nie.

Persönliches
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Mor­gens im Sep­tem­ber nach durch­reg­ne­ter Nacht (Ver­such 5)

Noch schlaf­trun­ken, vor der ersten Tas­se Kaf­fee, von zu viel Regen in der ver­gan­ge­nen Nacht zuver­läs­sig dar­an gehin­dert, sich in aus­rei­chen­der Men­ge sanf­tem Schlum­mer hin­zu­ge­ben, beginnt man den Tag mit der lau­en Sep­tem­ber­luft. Es riecht nach Regen, nach Frei­heit, ein biss­chen nach ihr, und man fühlt sich drei Jah­re jün­ger, wenn nicht gar vier; unwill­kür­lich ent­lässt man einen tie­fen Seuf­zer aus Regio­nen des Kör­pers, die man längst ver­ges­sen (oder ver­drängt?) hat­te, in die sanf­te Bri­se, die gera­de, just in die­sem Moment, die Sor­gen auf­nimmt und zer­streut, und man möch­te den Wind gern fra­gen, ob er mit der­sel­ben Leich­tig­keit auch Trä­nen weg­zu­we­hen ver­mag, aber man ist mit den Jah­ren gereift und so ein scheiß­ra­tio­na­ler Mensch gewor­den, der nicht mehr mit dem Wind spricht.

Und als hät­te der Wind das bemerkt, lässt er die Bäu­me ein Lied sin­gen; ein Lied, des­sen Refrain mich ihren Namen nicht ver­ges­sen lässt.

Es ist klar, der Regen wäscht auf jeden Fall
weg, was war, und es erscheint mir über­all -
schenkt er auch neu­es Leben, ’ne neue Chan­ce für jeden,
wenn Son­nen­licht durch Wol­ken bricht wie nach ’nem Som­mer­re­gen.

– Die Fan­ta­sti­schen Vier: Som­mer­re­gen

KaufbefehleMusikkritik
Dis­cor­po­ra­te Records: Quer­schnitt 2011

Wer übri­gens, wie so vie­le ande­re Men­schen, am Sonn­tag noch nichts bes­se­res vor­hat, dem sei der dies­jäh­ri­ge sam­pler der Plat­ten­fir­ma Dis­cor­po­ra­te Records ans Herz gelegt, bei der unter ande­rem exzel­len­te Musi­ker wie etwa The Sea­son Stan­dard unter Ver­trag ste­hen. Wie vie­le ande­re Indie­la­bels – wie auch immer man die­ses „Indie“ zu defi­nie­ren beliebt – gibt es sozu­sa­gen zum kosten­lo­sen Anfi­xen (denn tat­säch­lich ist die­se Art von Musik eher Dro­ge als Kon­sum­pro­dukt) gele­gent­li­che Aus­zü­ge aus ihrem Kata­log zum kosten­lo­sen Run­ter­ho­len.

Auf dem „Sam­pler 2011“, den übri­gens ein wirk­lich hüb­sches Titel­bild ziert, sind The Sea­son Stan­dard zwar nicht zu hören, wohl aber der eben­falls groß­ar­ti­ge Able­ger SchnAAk und Aus­zü­ge aus dem Debüt­al­bum der Öster­rei­cher broken.heart.collector, das, neben­bei, gute Chan­cen hat, die dies­jäh­ri­ge Jah­res­rück­schau zu zie­ren.

Der gan­ze Spaß kostet nichts, jedes Lied ist auf bandcamp.com (scheint das neue MySpace zu wer­den) für lau anzu­hö­ren, her­un­ter­la­den kann man das Gesamt­ar­chiv eben­falls ohne nöti­gen Obu­lus als MP3, FLAC, AAC oder wonach einem gera­de der Sinn steht. Wer sei­ne E‑Mail-Adres­se lie­ber nicht irgend­wel­chen obsku­ren Musik­an­bie­tern zur Ver­fü­gung stellt, der fin­det die MP3-Ver­si­on auch bei eMu­le.

Wärm­stens emp­foh­len!

PolitikLyrik
Lee­re Gesich­ter

Wie aus­drucks­los, wie lebens­müd‘,
wie todes­nah, wie leer
sind, wie man dort oben sieht,
eure Gesich­ter!

Denn über­schwäng­lich, sie­ges­trun-
ken hab’n eure Genos­sen
zur Anse­hens­ver­bes­se­rung
das Auf­hän­gen beschlos­sen.

Dabei haben sie aller­dings die schwar­zen Mar­kie­run­gen eben­so „über­se­hen“ wie die Schrift­zü­ge, die dar­auf hin­deu­te­ten, dass dort, wo ihr, „Lin­ke“, statt eure natur­ge­mäß eher aus den unte­ren Gesell­schafts­schich­ten stam­men­de Kli­en­tel mit so was wie Poli­tik zu über­for­dern, lie­ber die immer­glei­chen Visa­gen („Oskar kommt“ einself) plat­ziert habt, eigent­lich ande­re Par­tei­en, nament­lich Grü­ne und Pira­ten hät­ten pla­ka­tie­ren sol­len; in ande­ren Wor­ten: Ihr, „Lin­ke“, habt ohne Rück­sicht auf Ver­lu­ste – teil­wei­se wur­den auch Pla­ka­te der Pira­ten­par­tei über­klebt – ver­sucht, eurem Per­so­nen­kult Gehör zu ver­schaf­fen, und befin­det euch dabei in bester Gesell­schaft mit der F.D.P. und der SPD, die, statt auf den nun wirk­lich nicht gera­de knapp bemes­se­nen Pla­kat­flä­chen auch nur ansatz­wei­se etwas dar­über zu erläu­tern, wofür sie sich eigent­lich poli­tisch ein­set­zen, ein paar bekann­te Gesich­ter und blö­de Ein­zei­ler hin­ge­pappt haben. Eigent­lich, ihr Par­tei­en, die ihr gar nicht erst ver­sucht, den Ein­druck zu erwecken, ihr hät­tet auch so etwas wie Inhalt, könn­tet ihr statt der übli­chen hoh­len Phra­sen genau so gut „Ein gan­zer Kerl dank Chap­pi“ hin­schrei­ben. Das wür­de auf die­sen Pla­kat­wän­den viel­leicht sogar ein wenig Platz spa­ren: Ein Pla­kat pro Par­tei genügt dann voll­ends.

„Ver­trau kei­nem Pla­kat – infor­mier dich!“