PolitikNetzfundstücke
You­Tube und die Staats­ver­trä­ge

Heyo auch, You­Tube,

dass die GEMA euch zwingt, hin und wie­der Vide­os schlech­ter und weni­ger schlech­ter Musi­ker (zum Bei­spiel Bob Dylan) in guter alter deut­schen­feind­li­cher Tra­di­ti­on län­der­spe­zi­fisch aus­zu­blen­den, wie ihr ja auch für Besu­cher aus ande­ren Tei­len der Welt gern mal irgend­was sperrt, ist alt­be­kannt. Der Grund für zumin­dest erste­res ist ja, dass ihr der GEMA kein Geld zah­len wollt; raff­gie­ri­ger Hau­fen, der das nun mal ist, sagt der Volks­mund.

Eben­falls alt­be­kannt ist es ja, dass es Deutsch­land finan­zi­ell eher mau geht, und die Schuld tra­gen Grie­chen­land und der Euro und die Ban­ken und ver­mut­lich Hit­ler höchst­selbst, wenn man nur lan­ge genug her­um­fragt. Neu ist aber, dass sich das Geschäfts­mo­dell der GEMA – Erpres­sung von deut­schen Bür­gern, um von US-ame­ri­ka­ni­schen Groß­kon­zer­nen dann doch noch irgend­wie Geld zu bekom­men – als loh­nen­de Alter­na­ti­ve auch in der Regie­rung her­um­ge­spro­chen hat.

Jetzt mal ganz unter uns, You­Tube, uns könnt ihr’s doch sagen: Will die Regie­rung etwa auch Geld von euch, zum Bei­spiel zum Schul­den­ab­bau? Und wel­ches düste­re Geheim­nis barg das ent­fern­te Video – womög­lich ein Musik­vi­deo der CDU?

Dann bedan­ke ich mich natür­lich herz­lich.

(Der Voll­stän­dig­keit wegen: Mit aus­län­di­schem Pro­xy oder aus­län­di­schem VPN ist das Video natür­lich pro­blem­los abruf­bar, eben­so in der 2DF-„Mediathek“; und ich kann Ent­war­nung geben: Zu sehen ist kei­ne sin­gen­de CDU.)

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt LIX: Face­book / Senf­au­to­ma­tis­men

Sascha Lobo, von dem man nicht viel hal­ten muss, hat eine trotz­dem eigent­lich ganz inter­es­san­te Kolum­ne auf SPIEGEL Online mit ziem­lich viel Text zum The­ma „Face­book ist an allem schuld“ befüllt, um die­ser The­se aus­führ­lich zu wider­spre­chen. Ich neh­me sei­ne Poin­te schon mal vor­weg:

Face­book ist nicht Trei­ber, son­dern Pro­fi­teur einer all­ge­mei­nen Daten­be­gei­ste­rung. Und die ist die logi­sche Fol­ge der digi­ta­len Ver­net­zung.

Und das ist das eigent­lich Erschrecken­de; dass die „all­ge­mei­ne Daten­be­gei­ste­rung“ als natur­ge­ge­ben akzep­tiert wird, wäh­rend Medi­en­schaf­fen­de unfass­bar viel Geld dafür bekom­men, die Sym­pto­me aus­führ­lich nicht gut zu fin­den. Ande­rer­seits: Ich benei­de sie ein biss­chen dar­um.


Noch ein kur­zer Hin­weis in, mehr oder weni­ger, eige­ner Sache:

ix hat ein Word­Press-Plug­in geschrie­ben, das Kom­men­ta­to­ren das immer wie­der­keh­ren­de Schrei­ben von „Hät­te von mir sein kön­nen“, „Vol­le Zustim­mung!“ oder „LOL“ erleich­tern soll­te, indem es sel­bi­ge Bemer­kun­gen als Schalt­flä­chen an das Kom­men­tar­feld anhef­tet.

Inspi­riert von Nerd­core und einem mei­ner Kom­men­ta­to­ren miss­brau­che ich es nun­mehr für Albern­hei­ten und poli­ti­sche Zita­te. Ergän­zungs­wün­sche bit­te ein­fach unten hin­ein­sen­fen!

Montagsmusik
Her Name is Cal­la – Maw

Da schau her, schon wie­der ist „Tag der deut­schen Ein­heit“. Vie­le mei­ner Leser wis­sen schon gar nicht mehr, dass es so etwas wie eine Tei­lung mal gab, eini­ge ande­re Leser mei­nen, es habe sich um eine „Wie­der­ver­ei­ni­gung“ gehan­delt, und so man­cher US-Ame­ri­ka­ner, so will es das Kli­schee, ver­mu­tet, die Mau­er sei immer noch da.

Pas­send zu die­sem Tag gra­ben Musik­blogs jeder Cou­leur nor­ma­ler­wei­se so Mau­er­lie­der aus; wis­sen­schon, „Ano­ther Brick In The Wall“, „I’ve Been Loo­king For Free­dom“ oder, mei­net­hal­ben, „Won­der­wall“.

Und weil wir den gan­zen Mist alle schon lan­ge nicht mehr hören kön­nen, hören wir statt­des­sen etwas ande­res:

Her Name is Cal­la – Maw

Ist ja auch mal ganz schön.

Musik
„Regel­recht schlecht“

Sie der­weil, Chris Mar­tin von „Cold­play“, spra­chen in ein unbe­dacht plat­zier­tes Repor­ter­mi­kro­fon hin­ein, Ihnen wür­de „regel­recht schlecht“, wenn Sie im Radio Ihre Lie­der hör­ten:

Wenn ein Song im Radio läuft, habe ich das Gefühl, ent­we­der gleich in Ohn­macht fal­len oder jeman­dem eine rein­hau­en zu müs­sen.

Sie begrün­den das damit, dass Sie an den Lie­dern nichts mehr ändern kön­nen. Mit den Ergeb­nis­sen, mit denen Sie, Chris Mar­tin, Mil­lio­nen schef­feln, müs­sen Sie also eben­so leben wie wir alle, was wir alle, da kön­nen Sie sich sicher sein, sehr bedau­ern.

Ich möch­te nun kei­nes­falls behaup­ten, dass wir, die ein­fa­chen Musik­freun­de, die Pein eines Musi­kers beim Hören Ihrer Lie­der nach­voll­zie­hen kön­nen, aber dass mir regel­recht schlecht wird, wenn ich sel­bi­ges dann doch ein­mal ver­se­hent­lich nicht unter­las­se, dies zumin­dest kann ich Ihnen ver­si­chern.

Und da haben wir sogar noch etwas gemein­sam: Auch ich wür­de gern etwas an Ihren Lie­dern ändern kön­nen, näm­lich Ihren, Chris Mar­tin, Gesang raus­schnei­den. Viel­leicht ist das ja sogar der Aspekt, der auch Ihnen Unwohl­sein berei­tet, so wäre sogar uns bei­den gehol­fen.

Nur so ein Vor­schlag! Und gute Bes­se­rung.

KaufbefehleMusikkritik
broken.heart.collector: Sam­melt gebro­che­ne Her­zen und Sti­le

Wäh­rend ich also eben gera­de die Sta­ti­sti­ken für Sep­tem­ber 2011 in einen akzep­ta­blen Text ein­flie­ßen zu las­sen ver­such­te, rotier­te in der Musik­an­la­ge das Album „broken.heart.collector“ des öster­rei­chi­schen Quin­tetts sel­ben Namens, eigent­lich ein um Sän­ge­rin und Bass­kla­ri­net­ti­stin erwei­ter­ter Abkömm­ling des Tri­os Bul­bul, von dem ich eben­falls nie zuvor gehört hat­te; das Quin­tett jeden­falls schaff­te es auf den Baby­blau­en Sei­ten zum Tipp des Monats, und das ist eigent­lich meist ein gutes Zei­chen. Die Musi­ker ste­hen übri­gens bei Dis­cor­po­ra­te Records unter Ver­trag, regel­mä­ßi­ge Leser mei­nes Geschwa­fels ken­nen also eini­ge ihrer Stücke bereits vom Discorporate-Records-„Sampler“ 2011.

Was mir da gera­de gewalt­frei ins Ohr drang, war jeden­falls wirk­lich beein­druckend. (Erwähn­te ich schon, dass Gen­res und gute Musik mit­ein­an­der nur sel­ten har­mo­nie­ren?) Bereits der eröff­nen­de „Love Recla­ma­ti­on Song“, etwas mehr als elf­ein­halb Minu­ten lang, über­rascht: Kam­mer­mu­sik­ar­tig set­zen lang­sam und sanft und aber auch ein biss­chen bedroh­lich die Instru­men­te ein, Sän­ge­rin Maja Oso­j­nik into­niert mit Bedacht und melo­disch in sol­cher Form, dass man an die Stro­phen im Mei­ster­stück „The End“ der legen­dä­ren Doors denkt, stimm­lich dann auch an die deut­sche Chan­teu­se Nico, die sel­bi­ges Lied irgend­wann mal geco­vert hat­te. Schön düster und nur vor­der­grün­dig schlicht, denn die Instru­men­te sind zwar zurück­hal­tend, aber doch abwechs­lungs­reich bedient. Wer sich aber jetzt ver­se­hent­lich auf fast eine Stun­de beschau­li­cher Hin­ter­grund­be­schal­lung ein­stellt, der soll­te sei­ne Ner­ven­pil­len bereit hal­ten, denn bei etwa 9:00 Minu­ten erfolgt eine Zäsur und die fünf – plus, in eini­gen Stücken, Didi Kern als Gast am Kla­vier – rocken mit viel Bass und ver­zerr­tem Gesang los. Kennt noch jemand „Open Your Eyes“ von den Gua­no Apes? Ganz so lär­mend wird es nicht, aber so ähn­lich klingt es doch, bedenkt man, dass broken.heart.collector von denen, die auf Gen­re­schub­la­den Wert legen, oft als „RIO/Avant“, expe­ri­men­tel­le Avant­gar­de-Musik also, geführt wer­den.

Dabei geht es ihnen nicht nur um die Lust am Krach. Das zwei­te Stück, „Ano­ther Heart Bites The Dust“, eröff­net mit brum­men­den Tief­tö­nen, ist aber trotz des Titels kei­ne Queen-Cover­ver­si­on, son­dern fein­ster Alter­na­ti­ve. Den Anfang habe ich schon mal irgend­wo gehört; nur wo? Andre­as Hof­mann unter­stellt auf den Baby­blau­en Sei­ten klang­li­che Nähe zu Pla­ce­bo, das infer­na­li­sche Gejau­le von Bri­an Mol­ko bleibt aber zum Glück fern, viel­mehr kommt mir spon­tan ein Ver­gleich mit Bel­le & Seba­sti­an in den Sinn.

Die Band unter­nimmt auf dem Album sozu­sa­gen einen Streif­zug durch die Gen­res. Von den auf­ge­lö­sten Avant­gar­de-Metal-Kaba­ret­ti­sten Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um („Eisen­wal­zer“) über The Kills („Get The Dog“) und Dono­van („Boat­wisch­mu­sik“) bis hin zum Can­ter­bu­ry und zeuhl­schwan­ge­ren Jazz­rock („Cest­ni črv“) reicht die sti­li­sti­sche Band­brei­te. Das abschlie­ßen­de „Wol­ves“ (ein Wolf ziert als den Kurz­fil­men im DDR-„Sandmännchen“ nicht unähn­li­che Zeich­nung auch das Titel­bild des Albums) run­det das Album schließ­lich ab: Der ein­gän­gi­ge, unauf­ge­reg­te Pop stei­gert sich eben­so wie der Gesang all­mäh­lich zu einer gera­de­zu irren Kli­max in Form eines impro­vi­sier­ten Lärms mit Gekreisch, sozu­sa­gen als eine nicht instru­men­ta­le Ver­si­on der letz­ten Sekun­den von „A Day In The Life“ der über­be­wer­te­ten Beat­les und auch als eine Art Fazit, Zusam­men­fas­sung des bis dahin Gehör­ten. All das – alle 10 Stücke – wird dar­ge­bo­ten in einem eigen­stän­di­gen Klang­ge­wand aus Bass­flö­te, Kla­ri­net­te, Gitar­re, Bass, Schlag­zeug und der­glei­chen; wer also behaup­tet, das alles sei längst ein alter Hut, dem unter­stel­le ich so lan­ge Irr­tum, bis er es belegt, denn mir ist es letzt­lich nicht wich­tig, ob pri­ma Musik nun zum ersten oder zum hun­dert­tau­send­sten Mal in die­ser Form vor­liegt. Die Haupt­sa­che soll­te doch, neben einem Min­dest­maß an Anspruch, immer sein, dass sie gefällt. Und das tut sie für­wahr.

„Schep­pern / Rau­nen / Avant-Noi­se“ schreibt man im Maga­zin „Intro“ und hat damit voll­kom­men Recht. broken.heart.collector machen dort wei­ter, wo Sonic Youth längst auf­ge­hört haben. Und das ist auch gut so.

Internes
Sta­ti­sti­ken Sep­tem­ber ’11

Da schreibt man mal einen Tag lang nichts und hofft, dass in der Zeit etwas pas­siert, über das man eben am über­näch­sten Tag schrei­ben könn­te, aber Puste­ku­chen. Statt­des­sen erreicht mich die Fra­ge, wie­so ein Nicht­blog, das the­ma­tisch mit Linux nur spo­ra­disch zu tun hat, auf „tuxproject.de“ liegt. Die Ant­wort ist sim­pel: Ich ersann die Adres­se, als ich über eine Inter­net­sei­te nach­dach­te, auf der ich mei­ne damals aktu­el­len diver­sen Pro­jek­te vor­stel­len woll­te. Als Nach­fol­ger mei­ner ersten, mitt­ler­wei­le auf­grund undurch­dach­ten Han­delns mei­ner­seits nicht mehr exi­sten­ten ersten Inter­net­sei­te „The Sumpf­kuh Pro­ject“ erschien mir der Name nur kon­se­quent – von Sumpf­kü­hen zu Pin­gui­nen ist der Schritt nicht weit. Eigent­lich dient tuxproject.de immer noch dem­sel­ben Zweck, Dreh- und Angel­punkt ist aber das Nicht­blog gewor­den. Konn­te damals noch kei­ner ahnen, bleibt jetzt aber auch dabei. Tja.

Und so wenig Leu­te lesen ja hier nun auch nicht mit. Sta­ti­stik­freun­den prä­sen­tie­re ich im Fol­gen­den eine Rück­schau auf den Sep­tem­ber. Der ist noch nicht vor­bei, aber viel pas­sie­ren wird da wohl nicht mehr. Die Zah­len lie­fer­te mir das groß­ar­ti­ge Piwik, daten­schutz­freund­lich und über­sicht­lich auf­be­rei­tet.

Die mei­sten Besu­cher schau­ten hier am 13. Sep­tem­ber 2011 vor­bei, ins­ge­samt 283 von ihnen. Ver­mut­lich hat da wie­der irgend­je­mand einen Link in irgend­ei­nem Forum hin­ter­las­sen, wahr­schein­lich war ich es selbst. Im gan­zen Monat hat es bis­her für unge­fähr 3.000 ein­deu­ti­ge Besu­cher genügt, wovon etwa die Hälf­te mit Fire­fox unter­wegs ist. Der neue Fire­fox 7 ist noch nicht oft ver­tre­ten, in den letz­ten Tagen stieg die Zahl sei­ner Benut­zer aber bereits. Chro­me ist bei mei­nen Lesern genau so beliebt wie der Inter­net Explo­rer, näm­lich zum Glück pro Ver­si­on nur im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich, was für ein gesun­des Urteils­ver­mö­gen eurer­seits, lie­be Leser, spricht.

Mein Bei­trag über die Betrugs­ma­schen von Strea­ming­an­bie­tern – ver­öf­fent­licht immer­hin bereits im Juni – führt immer noch die Liste der meist­ge­le­se­nen Bei­trä­ge an. Das ist gut, denn je mehr Leu­te ihn lesen, desto weni­ger fal­len auf Cine24.tv, KinoX.to und den Rest der Betrü­ger­ban­de her­ein.

Wor­auf ich aber eigent­lich hin­aus woll­te: Etwa 70 Pro­zent mei­ner Besu­cher benut­zen Win­dows, nur neun Pro­zent Linux oder Android. An mei­nen gele­gent­li­chen Com­pu­ter­bei­trä­gen kann das nicht lie­gen, denn die­se sind in der Regel nicht gezielt auf ein bestimm­tes Betriebs­sy­stem zuge­schnit­ten. Von eini­gen linux­be­zo­ge­nen Inter­net­por­ta­len weiß ich, dass die Sta­ti­stik dort unge­fähr gegen­tei­lig aus­sieht. Ich fol­ge­re: Linux­nut­zer inter­es­sie­ren sich eher für The­men, die Win­dows­nut­zer aus­gren­zen, anders­her­um gilt das aber nicht.

Das kann ich selbst­ver­ständ­lich nicht unter­stüt­zen. Und des­we­gen wird es hier auch wei­ter­hin nur am Ran­de um Linux gehen.
Selbst schuld.


(Nach­trag vom 14. Janu­ar 2012: Habe den ersten Absatz inhalt­lich ver­voll­stän­digt.)

Fotografie
Wenn der klei­ne Hun­ger kommt

Beein­druckt von dem Erfolg der Pro­duk­te eines gro­ßen US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­du­zen­ten unge­sun­den Fra­ßes, der, des­sen war er sich sicher, auch auf den prä­gnan­ten Pro­dukt­be­zeich­nun­gen fuß­te, beschloss Lebens­mit­tel­händ­ler N. N., der seit eini­ger Zeit schwä­cheln­den Pro­dukt­spar­te der Geträn­ke neu­en Auf­wind zu geben.

(Na, dann prost Mahl­zeit.)

PiratenparteiMir wird geschlecht
Die Rück­kehr der Gen­der­rit­ter

Ich hat­te ja bereits ange­merkt, dass die aktu­ell geführ­te Dis­kus­si­on über die Kli­en­tel und womög­lich mas­ku­li­ne Aus­rich­tung der Pira­ten­par­tei längst kal­ter Kaf­fee ist. Aus aktu­el­lem Anlass möch­te ich dar­auf noch­mals etwas genau­er ein­ge­hen.

Vor andert­halb Jah­ren, lan­ge vor den Wah­len in Ber­lin, beschäf­tig­te sich die Pres­se bereits aus­führ­lich mit dem The­ma Sexis­mus in der Pira­ten­par­tei, aus­ge­löst von der hier bereits mehr­fach erwähn­ten Mai­ling­li­ste der „Pira­tin­nen“, die der angeb­li­chen Bevor­zu­gung von Män­nern in der Pira­ten­par­tei mit­tels der Bevor­zu­gung von Frau­en in der Pira­ten­par­tei ent­ge­gen­wir­ken soll­te. Hier­für ging die Vor­den­ke­rin der „Pira­tin­nen“, Lena Simon, so weit, dass sie ihren sexi­sti­schen Stand­punkt öffent­lich als Mei­nung eines beträcht­li­chen Teils der Pira­ten ver­kauf­te und die­se Mai­ling­li­ste nur Frau­en zugäng­lich mach­te; was dann übri­gens auch die ein­zi­ge Mai­ling­li­ste im Pira­ten­um­feld war und ist, die die Anmel­dung nur mit dem rich­ti­gen Geschlecht zuließ, womit wir das mit der Geschlech­ter­feind­lich­keit dann auch noch mal deut­lich vor Augen geführt bekom­men hät­ten. Dabei hat es Lena auch nicht son­der­lich inter­es­siert, ob sich die Frau­en in der Pira­ten­par­tei wirk­lich ange­fein­det vor­kom­men oder nicht:

Es gibt noch zu weni­ge Frau­en in der Pira­ten­par­tei, da sind wir einer Mei­nung. Aber die­se Frau­en sind in den Vor­stän­den sogar über­re­prä­sen­tiert, wo kannst du da Benach­tei­li­gung sehen? Ich sehe Män­ner und Frau­en, die ganz selbst­ver­ständ­lich inte­griert und als Men­schen beur­teilt wer­den, nicht als Penis­trä­ger oder Nicht­pe­nis­trä­ger, ich kann die von dir behaup­te­te (und durch nichts beleg­te) Dis­kri­mi­nie­rung nicht sehen.

Lan­ge war es ange­mes­sen ruhig gewor­den um Lena und ihre „Pira­tin­nen“, so ruhig, dass man sich in der Pira­ten­par­tei end­lich mal wie­der auf inhalt­li­che Arbeit kon­zen­trie­ren konn­te, statt stän­dig Fra­gen nach Lena und ihren Beweg­grün­den aus­ge­setzt zu sein. „Ihr als Nerd­par­tei mögt doch sicher eh kei­ne Frau­en, wa?“. (Das ist, natür­lich, eine ver­kürz­te, aber inhalt­lich über­ein­stim­men­de Dar­stel­lung.) Das hat sich mit dem Tohu­wa­bo­hu um den Frau­en­an­teil auf der Ber­li­ner Liste (14 Män­ner, eine Frau) dann nun end­lich auch mal wie­der geän­dert, Pira­ten haben ja nach so einer Wahl auch nichts inter­es­san­te­res zu tun als Fra­gen zu beant­wor­ten, die seit einem (Geschlech­ter­fra­ge) bis zu fünf („Ein­the­men­par­tei“) Jah­ren in ermü­den­den Wie­der­ho­lun­gen unter­schied­lich­sten Mit­glie­dern, Vor­stän­den und Ver­bän­den immer wie­der gestellt und immer wie­der sehr ähn­lich beant­wor­tet wur­den. Recher­che ist des Jour­na­li­sten Lebens­zweck dann wohl doch nicht.

Und wäh­rend sie so olle Kamel­len auf­wärm­ten, fand die von dem Ber­li­ner Wahl­er­geb­nis auf unter­schied­li­che Wei­se beein­druck­te Öffent­lich­keit, die bis dahin noch kei­ne Zeit oder kei­ne Lust hat­te, sich mit den Pira­ten zu beschäf­ti­gen, dann natür­lich auch wie­der Lena Simon und ihre „Pira­tin­nen“; „fand“ ist viel­leicht das fal­sche Wort, zurück­hal­tend und unschein­bar sind die Betei­lig­ten ja bis­her noch nicht auf­ge­tre­ten. Das gro­ße media­le Inter­es­se nun ver­an­lass­te Lena zu einem gro­ßen Schritt, den sie in ihrer Mai­ling­li­ste ver­kün­de­te; ich zitie­re aus der mir zuge­spiel­ten E‑Mail aus­zugs­wei­se:

Irgend­wie scheint es uns kei­ne® abzu­neh­men, dass nur „zufäl­lig“ nur eine Frau auf der Liste ist.
Wir könn­ten uns ja gemein­sam auf die Suche nach der Ursa­che und mög­li­chen Lösun­gen für die­ses Pro­blem bege­ben.

Eine Mai­ling­li­ste, die gegrün­det wur­de, weil ihre Initia­to­rin sich auf­grund ihres Geschlechts dis­kri­mi­niert fühlt, will Ursa­chen dafür suchen, dass „nur“ eine Frau auf der Liste ist. Das ist selbst­ver­ständ­lich ein uner­war­te­ter Schritt, und auf das Ergeb­nis bin ich schon sehr gespannt. Ihr auch?

(…) jetzt hier fol­gen­der Vor­schlag:

Wir öff­nen die Liste für Män­ner (ein ver­trau­ens­vol­ler Kreis ist das hier ohne­hin nicht), die an dem The­ma gen­der ein Inter­es­se haben.

Was bedeu­tet die­ser Vor­schlag?

  1. Das ein­zi­ge Organ der Pira­ten­par­tei, das Men­schen nach ihrem Geschlecht sor­tiert und Men­schen des fal­schen Geschlechts Zugang und Mit­ar­beit ver­wehrt, gibt die­se Mono­pol­stel­lung auf und passt sich zum Bei­spiel der AG Män­ner an, in der selbst­ver­ständ­lich auch Frau­en mit­ar­bei­ten dür­fen (und wol­len). Damit ist die ursprüng­li­che Auf­ga­be die­ses Organs, einen vir­tu­el­len Raum zu schaf­fen, in dem Frau­en, die sich über ihr Geschlecht und nicht über ande­re Eigen­schaf­ten defi­nie­ren wol­len, unter sich sein kön­nen, Geschich­te.
  2. Nichts­de­sto­trotz betrach­tet Frau Simon Män­ner unver­än­dert nicht als gleich­be­rech­tigt, denn sie wer­den in ihrem Vor­schlag nur gedul­det („zuge­las­sen“); ob sie tat­säch­lich die­sel­be Rang­fol­ge bekom­men sol­len, was sie ihnen ja bis­her ver­wehr­te, lässt sie offen. Tat­säch­lich betrach­tet sie Män­ner impli­zit als „nicht ver­trau­ens­voll“: „Wenn hier eh Leu­te drin sind, denen man nicht trau­en kann, kön­nen wir auch Män­ner rein­las­sen.“
  3. Auch Frau­en stößt sie so vor den Kopf, denn sie zeigt, dass sie auch ihren Mit­strei­te­rin­nen nicht ver­traut. Kom­men­ta­re wie „ein ver­trau­ens­vol­ler Kreis ist das hier ohne­hin nicht“ sind zwar zutref­fend, wie ver­schie­dent­lich Blog­bei­trä­ge betei­lig­ter „Pira­tin­nen“ und Kri­ti­ke­rin­nen an die­sem Kon­zept bele­gen, aber nicht ziel­för­dernd.

Die „Piratinnen“-Liste wird also aus ihrem Tief­schlaf erweckt, um belang­los zu wer­den. Sie möch­te nie­man­den mehr reprä­sen­tie­ren, sie möch­te eine wei­te­re Liste sein, auf der Inter­es­sier­te „über die Gen­der­fra­ge reden“ kön­nen; der ver­blei­ben­de Unter­schied zu den ande­ren AG, die das­sel­be bie­ten, ist ver­mut­lich der auto­ri­tä­re, rea­li­täts­fer­ne Füh­rungs­stil von Frau Simon. Pro for­ma fragt sie immer­hin:

Seid ihr damit ein­ver­stan­den? Dann wür­de ich jetzt auch Män­ner auf die Liste zulas­sen.

Es soll­te mich nicht über­ra­schen, wenn die Mehr­heit zustimmt, denn die übri­gen mir bekann­ten „Pira­tin­nen“ sind bis­her mit einem weni­ger sexi­sti­schen Welt­bild auf­ge­fal­len, vom „Pira­ten­weib“ ein­mal abge­se­hen.

Lena weiß wohl um die­se Pro­ble­ma­tik, denn sie schließt die Mail mit einer „Bit­te“:

Ant­wor­ten, die ich nicht möch­te sind ein Wie­der­auf­ko­chen der dei­ne-akti­on-damals-war-total-schei­ße-schimpf­e­rei. Erstens sind dies­be­züg­lich die Argu­men­te schon aus­ge­tauscht, zwei­tens sind wir dar­über hin­weg, drit­tens ist das total unpro­duk­tiv und vier­tens könnt ihr die liste ja ver­las­sen, wenn euch das so lan­ge nicht los lässt.

„Nur, weil ich das alte The­ma wie­der hoch­ko­che, heißt das nicht, dass ihr das auch dürft. Kri­tik ist nicht erwünscht, lebt damit und hal­tet die Klap­pe.“ :mrgreen:

Es hat uns, Lena, seit Mit­te 2010 „los gelas­sen“. Es wäre uns allen ganz recht, wenn es das wie­der tun könn­te. Wäre das wohl mög­lich?

Nein?

Scha­de!

Montagsmusik
Gra­ven­hurst – Vel­vet Cell

Eine neue Woche beginnt und bringt, wie jede Woche, viel­fa­chen Irr­sinn mit sich. In einer immer deka­den­te­ren Gesell­schaft, deren Ide­al sie selbst ist, möch­te man ja schon manch­mal und tut es dann doch nicht.

Gra­ven­Hurst – The Vel­vet Cell

And I had always thought
the desi­re to kill was a dise­a­se you caught,
but it’s dor­mant in the hearts of ever­yo­ne,
wai­ting for a spark, an emo­ti­on.

Gut ist, was bleibt. Tief­sin­nig und zeit­los.

Netzfundstücke
Schuh allein macht auch nicht glück­lich

Kaum ist der Papst abge­reist und auch noch vom letz­ten Pro­vinz­blatt meist für eigent­lich ganz gut befun­den wor­den, herrscht wie­der Dür­re in den Medi­en des Lan­des. Damit die über­be­zahl­ten Schmier­fin­ken aber trotz­dem irgend­wie ihr Pen­sum ablie­fern kön­nen, wech­seln sie vom so genann­ten „Jour­na­lis­mus“ kurz zur Wer­bung und ver­su­chen sich als Psy­cho­ana­ly­ti­ker.

Das kon­ser­va­ti­ve Quatsch­blatt DIE WELT beschäf­tigt zu die­sem Zweck min­de­stens eine Frau, und die­se Frau darf dann heu­te auch mal Welt.de befül­len und behaup­tet auf der Basis irgend­wel­cher kru­den Stu­di­en von „eBay-Wis­sen­schaft­lern“ (ich wuss­te nicht ein­mal, dass es sol­che Per­so­nen gibt), dass Glück­lich­sein eigent­lich gar nicht so schwie­rig ist.

Denn nichts hat bei Frau­en so einen Ein­fluss auf die Zufrie­den­heit wie der Kauf von neu­en Schu­hen. Und nichts hat bei Män­nern einen der­ar­ti­gen Ein­fluss auf die Zufrie­den­heit wie zufrie­de­ne Frau­en.

Glück­li­che Paa­re: Män­ner, die ihren Frau­en wöchent­lich neue Schu­he kau­fen.

Die Wis­sen­schaft­ler von Ebay (das klingt wie „Der Zau­be­rer von Oz“, fin­det ihr nicht? A.d.V.) haben her­aus­ge­fun­den, dass der Bay­er (zufrie­den) 18 Pro­zent mehr schwar­ze Schu­he kauft als der Bun­des­durch­schnitt. Schwar­ze Schu­he schei­nen also schon mal etwas glück­lich zu machen.

Viel­leicht macht es auch glück­lich, einen alber­nen Dia­lekt zu spre­chen oder auch ein­fach jeden Tag frän­kisch zu früh­stücken: Einen Tag, der mit Weiß­bier beginnt, kann selbst mir als ein­ge­bo­re­nem Nie­der­sach­sen eigent­lich nichts mehr ver­mie­sen. (Je mehr Weiß­bier, desto zufrie­de­ner wer­de ich. Gibt es dazu schon eine Stu­die?)

Und war­um sind Ham­bur­ger so zufrie­den? Ganz ein­fach: Ham­bur­ger tra­gen die höch­sten Absät­ze (mehr als acht Zen­ti­me­ter). Und von oben betrach­tet sieht die Welt ein­fach schö­ner aus.

Und sind Ham­bur­ger also unglück­li­cher als Ham­bur­ge­rin­nen, weil sie in die­sen gesund­heits­schäd­li­chen „Schu­hen“ meist nicht lau­fen kön­nen und also auch kei­ne tra­gen? Die Autorin schweigt dazu. Einen Anhalts­punkt lie­fert viel­leicht das „Modell Blow“, das als eines der Bei­spie­le für weib­lich ori­en­tier­tes Schuh­werk den Arti­kel „ziert“:

Das Modell „Blow“ stellt eine gebück­te Frau dar. Die ange­win­kel­ten Bei­ne bil­den den Absatz und die Zehen fin­den in einem rot umran­de­ten Peep­toe Platz, wel­cher den Mund dar­stellt.

Da gehen sie hin, die Jahr­zehn­te weib­li­cher Eman­zi­pa­ti­on. Das Glück, heißt es, hat oft einen bit­te­ren Humor.

Genau wie ich.

Spaß mit Spam
Ein siche­rer und seriö­ser E‑Mail-Veri­fi­zie­rungs-Dienst­lei­ster.

Eine doch etwas merk­wür­di­ge, uner­war­te­te E‑Mail erhielt ich nächt­lich, wäh­rend ich schlief, von einem Herrn oder einer Frau E‑Mail Veri­fi­zie­rung. Das ist ein eini­ger­ma­ßen eigen­ar­ti­ger Vor­na­me, aber ande­re Men­schen hei­ßen ja auch Jimi Blue, Cos­ma Shi­va oder Diet­mar. Die­se E‑Mail gebe ich im Fol­gen­den – selbst­ver­ständ­lich mit unbrauch­bar gemach­tem Link – im Klar­text wie­der, um den Leser an mei­nem Amu­se­ment teil­ha­ben zu las­sen.

Sehr geehr­ter Nut­zer

Du hast Dich gera­de bei einem Ange­bot im Inter­net regi­striert wel­ches die Bestä­ti­gung Dei­ner eMail Adres­se erfor­dert.

Bit­te nut­ze fol­gen­den Link um Dei­ne eMail Adres­se zu bestä­ti­gen:

http://emailverifizierung.de/verify.php?verify=(…)

Vie­len Dank für Dein Ver­trau­en

eMailverifizierung.de – Der siche­re Ser­vice für Dei­ne Regi­strie­rung

Mit freund­li­chen Grü­ßen,

eMail­ve­ri­fi­zie­rung GmbH
Mar­tin Kahn Str. 77
D‑28359 Bre­men
Deutsch­land

Fax: +41 (0)421 6265 100
Email: support@emailverifizierung.de
Web: http://www.emailverifizierung.de/

Inter­punk­ti­ons­schwä­chen ein­mal bei­sei­te: Ich soll also, dies ver­langt der Schrei­ber von mir, einem Ver­weis auf eine Inter­net­sei­te fol­gen, um zur Nut­zung eines Ange­bo­tes unbe­kann­ter Iden­ti­tät, für das ich, des­sen Namen oder wenig­stens Pseud­onym der Betrei­ber des Ange­bots offen­bar nicht ein­mal kennt, mich schla­fend, viel­leicht im Schla­fe wan­delnd, regi­striert haben soll, zu bestä­ti­gen, dass die ange­ge­be­ne E‑Mail-Adres­se (es heißt doch wohl immer noch E‑Mail und nicht eMail, zefix!) auch wirk­lich mei­ne E‑Mail-Adres­se ist oder zumin­dest von irgend­je­man­dem abge­ru­fen wird.

Es ist aber sehr nett, dass ein mit­tel­mä­ßig aus­führ­li­cher Absen­der unten drun­ter­steht, denn das unter­schei­det bekannt­lich seriö­se von unse­riö­ser E‑Mail: Man weiß, mit wem man es zu tun hat; zumin­dest wahr­schein­lich.

Eine DENIC-Abfra­ge war es mir dann aber schon wert, denn ich wüss­te ja schon gern, ob der Betrei­ber wirk­lich E‑Mail Veri­fi­zie­rung heißt. Und eiderd­aus:

Es zeich­net kei­ne Frau E‑Mail Veri­fi­zie­rung ver­ant­wort­lich, son­dern ein Herr Micha­el Beck (ver­mut­lich nicht iden­tisch mit Micha­el „Dee Jot Haus­mar­ke“ Beck), der trotz des Fir­men­sit­zes in Bre­men in Stutt­gart und/oder der Schweiz wohnt. Ich kann mir also zumin­dest schon mal sicher sein, dass es sich um kei­nen rus­si­schen Spam­bot han­delt, son­dern schlimm­sten­falls um einen der Schi­zo­phre­nie anheim gefal­le­nen Geschäfts­mann (oder drei Leu­te, die an völ­lig unter­schied­li­chen Orten woh­nen, aber zufäl­lig iden­tisch hei­ßen), denn die DENIC ist eigent­lich bis­her nicht dafür bekannt, belie­bi­ge Daten zu akzep­tie­ren, die jeder wie auch immer gear­te­ten Grund­la­ge ent­beh­ren.

Die­ser Herr Micha­el Beck jeden­falls bie­tet einen siche­ren Ser­vice – klingt ja, wenn ihr mich fragt, schon ein biss­chen nach Rot­licht – für Regi­strie­rung an, was auch immer da regi­striert wer­den soll. Viel­leicht hilft mir ja die ange­ge­be­ne Inter­net­sei­te – http://www.emailverifizierung.de/ – dabei, Licht in die­ses unver­än­dert nicht erhell­te Dun­kel zu brin­gen.

Nee, Puste­ku­chen:

Aber der erfah­re­ne Inter­net­be­nut­zer weiß: www. is depre­ca­ted – „www.“ ist über­flüs­sig. Um dop­pel­ten Inhalt („dupli­ca­te con­tent“) zu ver­mei­den, der eini­ge Inter­net­such­ma­schi­nen dazu ver­lei­ten könn­te, die eige­ne Web­site für Spam statt hoch­qua­li­ta­ti­ven Jour­na­lis­mus zu hal­ten, wird die in der Regel stan­dard­mä­ßig ein­ge­rich­te­te Umlei­tung auf die „www“-Subdomäne mit­un­ter tech­nisch unter­bun­den. Also gucken wir mal nicht dort, wohin die E‑Mail ver­weist, son­dern schnei­den das „www.“ ab – und sie­he da, es „funk­tio­niert“:

Dies also ist die Inter­net­sei­te des siche­ren Ser­vices. Mein Lieb­lings­teil ist ja der hier:

Ihr siche­rer und seriö­ser eMail Veri­fi­zie­rungs Dienst­lei­ster.

© Alle Rech­te vor­be­hal­ten.

Sicher und seri­ös:

Feh­ler­haf­te oder kei­ne Para­me­ter

Der Copy­right-Hin­weis – in Deutsch­land gibt es übri­gens kein „Copy­right“ – ist natür­lich immens wich­tig; so wird ver­hin­dert, dass gleich­falls min­der­be­gab­te Drit­te, die das mit dem Copy­right auch nicht wis­sen, die­sen Stro­kel­schrott auch noch kopie­ren wol­len. Was für „Para­me­ter“ die­se Sei­te erwar­tet, war lei­der nicht ersicht­lich, ande­re als die Datei verify.php, die ich laut der E‑Mail auf­ru­fen soll­te, sind es aber sicher­lich, es sei denn, der Betrei­ber hat als „Index­sei­te“ (heißt stan­dard­mä­ßig meist index.php oder ähn­lich) eben­die­se Datei verify.php ange­ge­ben und es also genau so vor­ge­se­hen, dass man sei­ne Inter­net­sei­te, über die er immer­hin Dienst­lei­stun­gen anbie­tet, gar nicht auf­ru­fen kann, ohne erst in einer Mail wie der, die ich erhielt, her­um­zu­klicken. Dann aber fragt sich, wie der Betrei­ber des mir übri­gens immer noch unbe­kann­ten Ange­bo­tes in der Lage war, von die­ser Dienst­lei­stung über­haupt Gebrauch zu machen.

Ver­steht übri­gens irgend­ei­ner von euch, lie­be Leser, wor­in die­se Dienst­lei­stung genau bestehen soll? Der Betrei­ber schickt eine womög­lich uner­wünsch­te E‑Mail an eine irgend­wo – noch immer ist mir die­ses „irgend­wo“ unbe­kannt – ein­ge­tra­ge­ne E‑Mail-Adres­se, um zu ver­hin­dern, dass irgend­je­mand ande­res eine womög­lich uner­wünsch­te E‑Mail an die­se Adres­se schicken kann?

Das mag nach Spam klin­gen, aber es ist, so schreibt Micha­el Beck oder einer sei­ner Mit­ar­bei­ter, kein Spam, zumal Spam­mer unter deut­scher Juris­dik­ti­on (.de-Adres­se) es alles ande­re als ein­fach haben, dass ihre Mails das Ziel errei­chen, bevor die ver­link­te Inter­net­adres­se im vir­tu­el­len Lokus gelan­det ist. Und aber jeden­falls:

Es wird damit sicher­ge­stellt, dass kein Spam an eine eMail Adres­se ver­sen­det wird mit der sich regi­striert wird.

Spam­schutz mit Spam­me­tho­den also; willst du Frie­den, berei­te den Krieg. Es steht aller­dings zu befürch­ten, dass auch die­se lobens­wer­te Spam­ver­sen­der in Bäl­de sei­ne letz­te Schlacht schla­gen wird, denn trotz all des Auf­wan­des, den er betrie­ben hat, um eine anschau­li­che Inter­net­prä­senz wir­kungs­voll zu ver­mark­ten, fehlt ihm ein Impres­sum – für ein Gewer­be bewer­ben­de Dienst­lei­ster (anders als zum Bei­spiel für uns Ins­in­ter­net­rein­schrei­ber) ein unver­zeih­li­cher Feh­ler. Soll­te dies hier also einer die­ser Abmahn­an­wäl­te, von denen man immer auf so Inter­net­sei­ten hört, lesen, so bit­te ich dar­um, Herrn Beck zu ver­scho­nen. Er ist ein leuch­ten­des Vor­bild für alle Exi­stenz­grün­der im Web 2.0.

Und zwar ein schlech­tes.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LVI: Gefähr­lich!

Ach, noch was, „Braun­schwei­ger Zei­tung“:

Dich lese ich ja eher zur Unter­hal­tung als zur Infor­ma­ti­on, denn das kann dei­ne Redak­ti­on nach­weis­lich bes­ser. Aber in letz­ter Zeit mache ich mir etwas Sor­gen. Dein Über­schrif­ten­aus­den­ker wur­de doch nicht etwa gefeu­ert?

Man lebt schon gefähr­lich im Braun­schwei­ger Umland; dort gibt es sogar Löwen!

(Tut mir Leid, ich habe aus Pro­test den Poin­ten­aus­den­ker gefeu­ert.)

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LV: Der Papst und die Leu­te

Was für ein Auf­wand: Der Papst kommt nach Deutsch­land und wird umwor­ben wie sonst nur Fidel Castro und Barack Oba­ma, wenn sie sich dann mal hier im Reich der poli­ti­schen Mit­te ein­fin­den, das radi­ka­le Fun­di­spin­ner nur all­zu gern hofiert, so eini­ge Vor­den­ker aus der Uni­on erin­nern mich ohne­hin sehr an die Tea-Par­ty-Bewe­gung, nur eben mit Weiß­bier statt mit Tee.

Und er wird trotz all der Kin­der­schän­de­rei­en sei­ner Kir­che, sei­ner mora­li­schen Wert­vor­stel­lun­gen zum The­ma Homo­se­xua­li­tät („eine Gefahr für die Mensch­heit“), der ins­ge­samt dann doch erfreu­lich hohen Zahl an Kir­chen­aus­trit­ten und, gera­de in Deutsch­land nicht zu ver­ges­sen, der mili­tä­ri­schen Juden­aus­rot­tung im Namen des Kreu­zes bis noch vor weni­gen Jahr­hun­der­ten (und kon­se­quent der gei­sti­gen Part­ner­schaft mit Herrn Hit­ler höchst­selbst) nicht nur ein­ge­la­den und unter­wür­fig gefei­ert, als wäre er der wie­der­ge­bo­re­ne Jesus „Chri­stus“ und hät­te soeben die Deut­schen in einem Rutsch wie­der zu jubeln­den und vor allem gläu­big prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken gemacht, son­dern bekommt selbst­ver­ständ­lich auch die höch­ste Sicher­heits­stu­fe, Fen­ster zu und Wink­ver­bot, damit nicht ver­se­hent­lich Krü­mel vom Früh­stücks­bröt­chen auf des Hei­li­gen Vaters geweih­tes Haupt hin­ab­rie­seln mögen; wegen Atten­tä­tern kann’s nicht sein, denn Gott ist mit ihm und wird schon auf­pas­sen, und wer wür­de unse­rem Papst schon Böses wol­len?

Immer­hin: Demon­stra­tio­nen wer­den nicht poli­zei­lich gesi­chert, son­dern von der Poli­tik aus­drück­lich gebil­ligt, was durch­aus kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist; nur wird’s den päpst­li­chen Pri­ma­ten eben nicht sche­ren, was so ein paar gott­lo­se Gestal­ten von ihm und sei­ner Kir­che hal­ten, denn so recht gläu­big-katho­lisch sind sel­bi­ge ver­mut­lich über­wie­gend eh nicht.

Die Braun­schwei­ger Zei­tung jeden­falls fragt ihre Leser, weni­ger sug­ge­stiv als üblich, knall­hart nach ihrer ehr­li­chen Mei­nung: Papst­be­such super­gut, gut oder so mit­tel?

„Natür­lich ver­tritt er ein kon­ser­va­tiv-ana­chro­ni­sti­sches Welt­bild, natür­lich ist er Ober­haupt einer mafi­ös orga­ni­sier­ten, Jahr­tau­sen­de alten Struk­tur von Men­schen, die viel Fal­sches tun und ihre Anhän­ger ideo­lo­gisch in eine Zeit zurück­wer­fen, als Kant und Vol­taire noch nicht mal gebo­ren waren; aber er ist doch unser Papst!“ – Was aber kön­nen wir nun eigent­lich für eine Leh­re dar­aus zie­hen? Viel­leicht zumin­dest die­se: Hät­te Geor­ge W. Bush Deutsch statt Eng­lisch gespro­chen, sein letz­ter Besuch in Deutsch­land wäre von jubeln­den Mas­sen beglei­tet wor­den. Das hat ja schon mehr­fach funk­tio­niert.

„Wer Deutsch spricht, kann kein schlech­ter Mensch sein.“ (c/o „Die Simpsons“)

Spaß mit Spam
Ihre Kre­dit­kar­te wird aus­ge­setzt.

Die Master­Card-Akti­vie­rer von der Spar­kas­se („Spar­ka­see“) machen sich wie­der Sor­gen um mich. Lieb von ihnen.

Allein – abge­se­hen von dem geän­der­ten Absen­der („Spar­ka­see“) – der Adres­sat ist nun ein ande­rer:

Sehr geehr­te Spar­kas­se Card,

Ich fin­de ja, E‑Mails soll­ten auch für Leu­te, die nicht jeden ihrer Mail­ser­ver selbst betrei­ben, eine Mög­lich­keit beinhal­ten, den Emp­fang mit „Emp­fän­ger unbe­kannt ver­zo­gen“ zu quit­tie­ren.

Was ist eigent­lich aus dem „E‑Post-Brief“ gewor­den?

PolitikNetzfundstückePiratenpartei
Pira­ten­par­tei: Neben­wir­kung Mei­nungs­bil­dung

Die gest­ri­ge Wahl in Ber­lin hat­te wie immer kei­nen Wahl­ver­lie­rer, von der F.D.P. (1,8 Pro­zent der Stim­men und somit weni­ger als die NPD) ein­mal abge­se­hen. Auch Wahl­ver­lie­rer Klaus Wowe­reit, des­sen SPD ohne jeg­li­ches Pro­gramm ange­tre­ten ist und dafür im tra­di­tio­nell SPD-regier­ten Ber­lin nicht ein­mal 30 Pro­zent der Stim­men bekam, ließ sich wie selbst­ver­ständ­lich als bestä­tig­ter Ober­motz fei­ern, immer­hin waren all die ande­ren Par­tei­en noch schlech­ter.

Inso­fern gab es eigent­lich nichts span­nen­des über die Wahl zu berich­ten, also wand­ten sich die Medi­en wie schon anläss­lich der Bun­des­tags­wahl 2009 der Pira­ten­par­tei zu, die mit Pau­ken, Trom­pe­ten und 8,9 Pro­zent der Stim­men ins Abge­ord­ne­ten­haus ein­zog. Und als hät­te man nicht das gan­ze Port­fo­lio an Unsinn über die Pira­ten­par­tei damals schon abge­feu­ert, macht man es gleich noch mal. Bei Nerd­core gibt es das Bull­shit-Bin­go für die heu­ti­gen Leit­ar­ti­kel, und ich neh­me an, läse ich mehr als eine Tages­zei­tung, ich könn­te den Zet­tel heu­te voll­stän­dig abha­ken:

Und immer wie­der tau­chen die längst zur Genü­ge beant­wor­te­ten Fra­gen auf. Die grü­ne „Libe­ra­le“ Zora Hocke etwa hält es für ein Unding, dass die Pira­ten­par­tei kei­ne Frau­en­quo­te lan­ciert; sich mal ein wenig zu infor­mie­ren und fest­zu­stel­len, dass Frau­en in der Pira­ten­par­tei sogar Lan­des­vor­sit­zen­de wer­den dür­fen, gar Bun­des­vor­sit­zen­de, wenn sie sich nur zur Wahl stell­ten, war wohl gera­de nicht drin, so eine grü­ne Wahl­par­ty ist eben anstren­gend. In die glei­che Ker­be schlug übri­gens Clau­dia Roth, die die Pira­ten „an Bord will­kom­men“ hieß, „Pira­tin­nen“ gebe es ja nicht so vie­le; ganz anders bei den Grü­nen, die kon­se­quent Geschlech­ter tren­nen und somit eini­ger­ma­ßen absto­ßen­den Sexis­mus prak­ti­zie­ren, übri­gens.

Unver­än­dert steht in der Bun­des­sat­zung der Pira­ten:

Die in der Pira­ten­par­tei Deutsch­land orga­ni­sier­ten Mit­glie­der wer­den geschlechts­neu­tral als Pira­ten bezeich­net.

Wer Poli­tik machen will, soll­te dafür zunächst ein­mal Ahnung mit­brin­gen. Brü­ste statt Befä­hi­gung – nun, das mag bei den Grü­nen funk­tio­nie­ren, aber eine Wahl gewinnt man so ja nicht. (Eigent­lich ist es erstaun­lich, dass ein Herr Fischer Außen­mi­ni­ster wer­den durf­te, ohne auf jedem Par­tei­tag der Grü­nen als Sexist beschimpft zu wer­den, der gefäl­ligst Platz für eine Frau machen soll, wis­sen­schon, Frau­en­quo­te.)

Die, wir erin­nern uns, strah­len­den Sie­ger in der SPD, deren „wählt lie­ber uns statt irgend­wel­cher Pro­test­par­tei­en“ den Pira­ten eini­gen Zuspruch gege­ben haben dürf­te, machen sich der­weil dar­über lustig, dass Kan­di­da­ten der Pira­ten­par­tei Fra­gen, auf die sie nicht vor­be­rei­tet sind, nicht mit irgend­wel­chem lee­ren Geschwätz, son­dern ehr­li­cher Unwis­sens­be­kun­dung beant­wor­ten, und stel­len damit eher sich selbst bloß, denn Scha­den­freu­de ist kei­ne Gegen­maß­nah­me, ist die eige­ne Mehr­heit in Gefahr. Ganz anders aber, und das erstaunt mich am mei­sten, die Hal­tung von Chri­sti­an Sicken­dieck, des­sen Hetz­blog ich hier aus tra­di­tio­nel­len und poli­ti­schen Grün­den auch wei­ter­hin unver­linkt las­se, der am 10. Mai 2010 noch schrieb:

Die Pira­ten­par­tei wird eine klei­ne Split­ter­par­tei blei­ben. (…) Die Pira­ten­par­tei segel­te einen Som­mer durch das poli­ti­sche Deutsch­land, nun ist die Tita­nic auf den Eis­berg der Irrele­vanz auf­ge­lau­fen.

Die­se irrele­van­te Split­ter­par­tei nun bedach­te der­sel­be Chri­sti­an Sicken­dieck gestern Abend mit die­sen Wor­ten:

Der sozi­al-libe­ra­le Lan­des­ver­band der Ber­li­ner Pira­ten hat viel­leicht kein All-Inklu­si­ve-Ange­bot, aber sie bie­tet durch­aus eine poli­ti­sche Alter­na­ti­ve. Die­se heißt nicht Pro­test, son­dern ist eine neue Form der Poli­tik: Ehr­lich­keit, Trans­pa­renz, Sozia­les und Bür­ger­rech­te. (…) Die Ber­li­ner Pira­ten haben den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern eine Alter­na­ti­ve, kei­nen Pro­test, ein Pro­gramm ange­bo­ten. Damit haben sie einen sen­sa­tio­nel­len Erfolg errun­gen.

Der „sen­sa­tio­nel­le Erfolg“ ist hier viel­leicht viel­mehr, dass Chri­sti­an Sicken­dieck kurz­zei­tig ver­ges­sen hat, dass er die Pira­ten­par­tei eigent­lich gar nicht mag.

Jetzt gilt es, dem Wäh­ler zu zei­gen, dass sei­ne Stim­me nicht „im Gul­ly“ (Gui­do Wester­wel­le 2009 über die Pira­ten­par­tei) ist. Dass da ver­mut­lich Ent­war­nung gege­ben wer­den kann, haben die Medi­en jetzt immer­hin schon ver­stan­den.

Nach­dem wir die For­ma­li­en nun also fünf Jah­re nach Par­tei­grün­dung end­lich bei­sei­te schaf­fen konn­ten: Ein drei­fa­ches Arrr! für die 15 Enter­pi­ra­ten – und all­zeit eine Hand­breit Was­ser unterm Kiel!