Fotografie
Drei Bil­der, drei Geschich­ten

(Die Bild­un­ter­schrif­ten sind aus­ge­dacht, die Moti­ve lei­der nicht.)

Was moch­te der Autor damit aus­drücken wol­len?
Mög­lich ist, dass ein fin­di­ger Geschäfts­mann, um die homo­se­xu­el­le Sze­ne in sei­ner Hei­mat­stadt wirt­schaft­lich zu för­dern, jüngst ein Eta­blis­se­ment eröff­ne­te, es pla­ka­tiv mul­ti­kul­tu­rell „Gay-Town“ nann­te und nun nur noch ein gutes Mot­to benö­tig­te. Viel­leicht sind dies also die ersten Geh­ver­su­che eines zukünf­tig berühm­ten Wer­be­tex­ters?
Mög­li­cher­wei­se woll­te der Schrei­ber aber auch nur in einem Anflug puber­tä­rer Hei­ter­keit die Nach­bar­stadt ver­un­glimp­fen. Es ist jedoch lei­der nicht ersicht­lich, um wel­che es sich han­deln möge, wes­halb der Vor­wurf, sie sei schwul und wür­de oben­drein ora­le Akti­vi­tä­ten voll­füh­ren, unwi­der­spro­chen blei­ben muss. Ganz schön gewitzt, der unbe­kann­te Ver­fas­ser.


Die Bau GmbH in Bal­len­stedt war ver­zwei­felt: Das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men, des­sen Kun­den seit jeher das geschäft­li­che Mot­to „Bewusst bes­ser bau­en“ zu schät­zen wuss­ten, hat­te sich eine teu­re Ver­mark­tungs­kam­pa­gne gelei­stet und sogar in fer­nen Innen­städ­ten pla­ka­tiert, und den­noch blie­ben Neu­kun­den aus. An der Kam­pa­gne selbst, des­sen war man sich sicher, konn­te das jeden­falls nicht lie­gen.


Das Wort „sva­du“ bedeu­tet auf Sans­krit unge­fähr „wohl­schmeckend“. Was aber ist ein Dack­ster­spien?
Ich emp­feh­le, in näch­ster Zeit das Süß­wa­ren­re­gal des ört­li­chen Super­markts im Auge zu behal­ten. Lobens­wert ist es jeden­falls, dass die Jugend noch immer zu sprach­li­cher Krea­ti­vi­tät imstan­de ist.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LIII: Mit Lin‑, äh, VDS wär‘ das nicht pas­siert.

Nach dem Anschlag in Nor­we­gen hat die Par­tei mit dem „C“ (wie Cukunft?) sich nicht etwa dar­über gefreut, dass es einer der Ihren (ein kon­ser­va­ti­ver Christ eben) war, der sei­ne Mis­an­thro­pie offen aus­leb­te, son­dern mal wie­der mit­tels ihres innen­po­li­ti­schen Spre­chers mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gewinkt:

„Wir brau­chen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung“, sag­te der CSU-Poli­ti­ker der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“. „Im Vor­feld muss die Über­wa­chung von Inter­net­ver­kehr und Tele­fon­ge­sprä­chen mög­lich sein. Nur wenn die Ermitt­ler die Kom­mu­ni­ka­ti­on bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie sol­che Taten ver­ei­teln und Men­schen schüt­zen.“

Denn selbst­ver­ständ­lich redet ein Amok­läu­fer vor der Tat erst via Chat mit sei­nen Mit­men­schen: „Ey, ich lauf dann gleich mal Amok, ne? BRB!“ Und wenn man das dann auf Vor­rat spei­chert, weiß man wenig­stens hin­ter­her, was er vor­her alles gemacht hat.

Blöd nur:

Das nor­we­gi­sche Par­la­ment führ­te die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung am 29. März 2011 ein, hat­te die Nor­way Post berich­tet.

Ja, die­ses Instru­ment hat sich wirk­lich bewährt. War­um machen wir das eigent­lich in Deutsch­land nicht auch?

PolitikIn den Nachrichten
Der irre Atten­tä­ter von Oslo

Oh, es gab mal wie­der einen ter­ro­ri­sti­schen Anschlag auf die Regie­rung, und zwar aus­nahms­wei­se mal in Nor­we­gen. Was die Her­ren Bos­bach und Schü­ne­mann davon hal­ten, ist mir nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, sie tre­ten just in die­sem Moment vor aus­rei­chend vie­le Repor­ter­mi­kro­fo­ne und for­dern Ver­bo­te.

Aber was soll­te man ver­bie­ten? Dazu muss man wis­sen, was der mut­maß­li­che Täter über­haupt für eine Per­son ist. Der Mann besitzt die Frech­heit, weder einen lan­gen Bart zu tra­gen noch Mos­lem zu sein, also müs­sen wir woan­ders nach Anhalts­punk­ten suchen:

Anders Beh­ring Brei­vik beschrieb sich selbst als „kon­ser­va­tiv“ und „christ­lich“. Er sei Lei­ter eines Gemü­se­ho­fes, was erklä­ren wür­de, dass er durch sei­ne Tätig­keit in einem Agrar­be­trieb leicht an grö­ße­re Men­gen Dün­ge­mit­tel hät­te her­an­kom­men kön­nen, aus denen sich Spreng­stoff her­stel­len lässt.

Kla­rer Fall: Agrar­wirt­schaft muss künf­tig stär­ker video­über­wacht wer­den, grund­sätz­lich müs­sen alle Agrar­ar­bei­ter künf­tig regel­mä­ßig ihre Befä­hi­gung zum ver­ant­wor­tungs­vol­len Gebrauch von Dün­ge­mit­teln nach­wei­sen.

Oder fin­den wir noch was bes­se­res?

Er sei Jung­ge­sel­le und inter­es­sie­re sich für die Jagd sowie für Com­pu­ter-Kriegs­spie­le wie „World of War­craft“ und „Modern War­fa­re 2“.

Ah – na also. World of War­craft, das bekann­te Kriegs­spiel. War ja abzu­se­hen, dass das Basi­lis­ken­meu­cheln irgend­wann eska­lie­ren wür­de! Gleich auf den Index set­zen, sofern Frau von der Ley­en das nicht schon längst bean­tragt hat; und über­haupt: Jung­ge­sel­le, also Ein­zel­gän­ger; kla­res Zei­chen dafür, dass er von einem tie­fen Hass auf die Gesell­schaft erfüllt ist.

Und was sagt der nor­we­gi­sche Mini­ster­prä­si­dent dazu?

„Das ist ein Alb­traum“, sag­te er. Die Anschlä­ge wür­den Nor­we­gen ver­än­dern. Die Ant­wort des Lan­des müs­se „noch mehr Demo­kra­tie und Offen­heit“ sein, so Stol­ten­berg.

Mit so einer Ein­stel­lung wird das nie was mit der Auf­nah­me in die EU. ;)

NetzfundstückeNerdkrams
GNU und Linux: Fünf Miss­ver­ständ­nis­se

(Vor­be­mer­kung: Aus aktu­el­lem Anlass noch mal was zu Betriebs­sy­ste­men; das reicht dann aber auch für die­se Woche.)

Für mei­nen Bei­trag über Mac OS X „Lion“ hat­te ich zwar eini­ge Recher­chen ange­stellt, um nur kei­nen inhalt­li­chen Feh­ler zu machen. Was ich aber nicht bedacht hat­te, war, dass ich auch eini­ge Leser habe, die Linux min­de­stens so sehr ver­eh­ren wie ein Mac-Nut­zer Ste­ve Jobs ver­ehrt, und so nahm sich etwa Didi im dor­ti­gen Kom­men­tar­be­reich die Frei­heit, all jene, die nicht aus­schließ­lich auf kosten­lo­se Soft­ware set­zen, als „mit dem Klam­mer­beu­tel gepu­dert“ zu bezeich­nen; anders gesagt hält er uns, die wir nicht aus­schließ­lich Linux oder Reac­tOS oder wenig­stens BSD ein­set­zen, für ziem­lich doof.

Also habe ich beschlos­sen, mich noch mal einem lang­wei­li­gen Com­pu­ter­the­ma zu wid­men. Dem Bei­trag über „Mac OS X gegen Win­dows“ könn­te ich nun einen Bei­trag „Mac OS X gegen Linux“ oder so etwas fol­gen las­sen, aber das wäre doch arg lang­at­mig.

Wie es der Zufall jedoch so will, stieß ich vor ein paar Tagen auf ein wirk­lich ziem­lich schlech­tes Linux-Tuto­ri­um für Win­dows-Umstei­ger (ich twit­ter­te es bereits) und möch­te das nun zum Anlass neh­men, eini­ge grund­le­gen­de Miss­ver­ständ­nis­se zum The­ma GNU und Linux auf­zu­klä­ren. ‘GNU und Linux: Fünf Miss­ver­ständ­nis­se’ wei­ter­le­sen »

Nerdkrams
Das fort­schritt­lich­ste Betriebs­sy­stem der Welt

(Vor­be­mer­kung: Im Fol­gen­den zer­pflücke ich App­les neue­stes Betriebs­sy­stem. Etwa­ige Mac-OS-X-Apo­lo­ge­ten bit­te ich von Bekeh­rungs­ver­su­chen Abstand zu neh­men.)

Wäh­rend Micro­soft zu Linux‘ Zwan­zig­stem sich lei­sen Sti­che­lei­en hin­gibt, haut man bei Apple mit gro­ßem Getö­se und Tam­tam auf den Putz und stellt außer dem neu­en „Mac mini“ – ohne opti­sches Lauf­werk, wer braucht schon DVDs? … – auch das pas­sen­de, nur als Down­load erhält­li­che neue Mac OS X vor (Leu­te mit lang­sa­men Inter­net­ver­bin­dun­gen sind Ste­ve Jobs anschei­nend zuwi­der), sei­nes Zei­chens das „fort­schritt­lich­ste Com­pu­ter-Betriebs­sy­stem der Welt“ und somit Win­dows und Linux selbst­ver­ständ­lich haus­hoch über­le­gen. ‘Das fort­schritt­lich­ste Betriebs­sy­stem der Welt’ wei­ter­le­sen »

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 5)

… Es war schon selt­sam, dach­te er; es waren erst weni­ge Tage ver­gan­gen, seit er sie zuletzt gese­hen hat­te, und doch kam es ihm vor, als lägen Jah­re dazwi­schen.

Je mehr Zeit aber ver­strich, um so deut­li­cher sah er sie vor sich, sah das Café, in dem sie sich ken­nen gelernt hat­ten, blick­te tief in ihre Augen; und wach­te doch immer wie­der auf und sah sich ins Lee­re star­ren.

Sie hat­te eine eigen­ar­ti­ge Fas­zi­na­ti­on an sich. Ihr Lächeln hat­te ihn von Anfang an ver­zau­bert. Und sie war so nah und doch für ihn kaum greif­bar. Wie so oft woll­te er alles bes­ser machen, sie nicht ver­schrecken aus blo­ßem Miss­ge­schick. Nur kei­nen Stress, nie wie­der, das hat­ten sie sich ver­spro­chen. Den Moment genie­ßen, ohne an den näch­sten den­ken zu müs­sen. Und doch begann er zu zwei­feln. Hat­te er den rich­ti­gen Weg ein­ge­schla­gen?

Viel­leicht soll­te er end­lich han­deln. Es schien so ein­fach, ein Griff zum Tele­fon­hö­rer, eine Num­mer wäh­len und end­lich wie­der ihre Stim­me hören.

Aber war es nicht gera­de die­se Unge­duld, die ihn schon Jah­re zuvor um sein Glück gebracht hat­te? Er wür­de sie jetzt gera­de, in die­sem Augen­blick, so vie­les fra­gen oder ihr schwei­gend beim Lächeln zuse­hen, das war ihm jetzt gera­de, in die­sem Augen­blick, voll­kom­men gleich­gül­tig, wenn sie nur bei ihm wäre. Er wuss­te, die Ant­wort wür­de er ohne­hin nicht hören wol­len; doch wor­auf soll­te er noch hof­fen? Nur ein Wort von ihr, und es wür­de vor­bei sein. All die unge­wis­sen Stun­den, Tage wür­den der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Und viel­leicht wür­de das auch bedeu­ten, dass ihm bewusst wur­de, dass sie ihn längst abge­wie­sen hat­te.

War es das wert?

Ihm wur­de plötz­lich klar, wie wenig er eigent­lich über sie wuss­te. Wo sie jetzt wohl war? (War sie allein?) Er kam sich so klein vor wie seit Jah­ren nicht mehr.

Aus dem Inter­net­ra­dio knö­del­te Mike Pat­ton:
„That’s why I’m easy; I’m easy like Sun­day mor­ning …“

Nie zuvor war ihm ein Sonn­tag so schwer gefal­len. …

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Immer sind’s nur die ande­ren.

Richard Stall­man hat dem SPIEGEL einen lesens­wer­ten Text ins Inter­net getan, der unter einer frei­en Lizenz steht.

Eini­ge Aus­zü­ge:

Das Netz über­nimmt die Daten­ver­ar­bei­tung, der Nut­zer gibt die Kon­trol­le dar­über ab. Die­ses neue Web ist vol­ler Ver­lockun­gen – doch wir müs­sen ihnen wider­ste­hen.

Und dann ist da die Sache mit der Daten­spei­che­rung auf den Ser­vern von Unter­neh­men. Die größ­ten die­ser Unter­neh­men haben kei­nen Respekt vor der Pri­vat­sphä­re der Nut­zer. Wenn ein Nut­zer Face­book sei­ne Daten über­lässt, bezah­len ande­re Fir­men für die Nut­zung die­ser Daten Geld. Sie bezah­len Face­book – und nicht den Nut­zer – dafür, mit sei­nem Gesicht zu wer­ben.

Face­book-Nut­zer sind nicht Kun­den, sie sind Ware

Das alles bedeu­tet nicht, dass Inter­net­nut­zer kei­ne Pri­vat­sphä­re genie­ßen kön­nen. Es bedeu­tet auch nicht, dass Nut­zer gar kei­ne Kon­trol­le mehr über ihre Daten­ver­ar­bei­tung haben kön­nen. Es bedeu­tet nur, dass sie gegen den Strom schwim­men müs­sen, um das alles zu bekom­men.

So weit, so rich­tig und wich­tig.
Und was fol­gert man also als SPIE­GEL-Online-Leser aus die­sem neu gewon­ne­nen Wis­sen?

Na ja – den Ver­such war es wert.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt LII: Herr Zucker­berg und sein Daten­schutz

Qua­si ohne Wor­te:

Apro­pos Goog­le jeden­falls: Mark Zucker­berg, Face­book-Ober­kas­per und qua­si der Ant­ago­nist Juli­an Ass­an­ges, ist einer der mitt­ler­wei­le über 10 Mil­lio­nen Nut­zer von Goog­le+. Mark Zucker­berg war der hier:

(…) beant­wor­tet Zucker­berg eine wich­ti­ge Fra­ge nicht: War­um zwingt sein Unter­neh­men Men­schen dazu, bestimm­te Infor­ma­tio­nen offen­zu­le­gen, wenn sie wei­ter­hin den Dienst nut­zen wol­len? Schließ­lich könn­te man die Nut­zer wei­ter­hin bewusst ent­schei­den las­sen, was sie im Detail mit aller Welt, was mit aus­ge­wähl­ten Freun­den und was mit nie­man­dem tei­len wol­len.

Die­ser Mark Zucker­berg jeden­falls fin­det Daten­schutz so duf­te, dass er erst mal sein Google+-Profil abge­sperrt hat. In den ein­schlä­gi­gen Blogs macht man sich dar­über lustig; es kön­ne ja nicht sein, dass der Grün­der von Face­book eine Mög­lich­keit ein­for­dert, die er selbst sei­nen Kun­den ver­wei­gert. Das macht er aber nicht.

Goog­le+ ver­pflich­tet sei­ne Nut­zer eben­so wie Face­book zur Nen­nung ihres Real­na­mens, was für den Ver­mark­tungs­wert der eige­nen Nut­zer­da­ten­bank gewis­se Vor­tei­le haben dürf­te. Auch Mark Zucker­berg kann in Goog­le+ also nicht mit fal­schen Daten auf­tre­ten, ohne einen Aus­schluss zu ris­kie­ren. Apro­pos „Ver­mark­tungs­wert“: Dass Face­books Wer­be­part­ner Ein­blick in Pro­fi­le erhal­ten, wur­de mehr­fach kri­ti­siert. Der Irr­glau­be ent­stand, dass Goog­le, um sich für poten­zi­el­le Google+-Nutzer noch attrak­ti­ver zu machen, von ähn­li­chen Plä­nen Abstand neh­men wür­de. War aber nix:

Künf­tig sol­len Wer­ber bei Goog­le den Zugang zu bestimm­ten Ver­brau­cher­grup­pen kau­fen kön­nen – fein säu­ber­lich nach Inter­es­sen sor­tiert.

Natür­lich ist das an sich erst mal nicht ver­kehrt, immer­hin steht es jedem Benut­zer frei, zu ent­schei­den, wie detail­liert und wahr­heits­ge­mäß sein Pro­fil aus­ge­füllt sein soll. Unter­neh­men wie Face­book und Goog­le aller­dings leben davon, dass die­sen Grund­satz mög­lichst vie­le ihrer Benut­zer mög­lichst umfas­send igno­rie­ren. Mark Zucker­berg weiß das; Max Muster­mann weiß es aber nicht.

Übri­gens: Zu den „10 Din­gen, die ein Mann nie sagen soll­te und auch nicht posten darf“, gehört angeb­lich außer Skur­ri­li­tä­ten wie „Prö­ster­chen“ oder „Tschüs­s­ikow­ski“ auch das in frei­er Wild­bahn meist in brül­len­der Laut­stär­ke geäu­ßer­te Lach­s­ur­ro­gat „lol“. Ich wür­de es im Inter­es­se mei­ner Hör­fä­hig­keit sehr begrü­ßen, wür­de die­se Infor­ma­ti­on sich auch unter ÖPNV fah­ren­den Her­an­wach­sen­den all­mäh­lich ver­brei­ten.

KaufbefehleMusikkritik
Welt­pin­guin­tag

Obwohl der all­jähr­li­che Welt­pin­guin­tag – tra­di­tio­nell am 22. Febru­ar – von mir die­ses Jahr tra­di­tio­nell ver­schla­fen wur­de und der näch­ste – laut Wal­ter Moers am 11. Novem­ber – noch in qua­si wei­ter Fer­ne liegt, hal­te ich es für ange­mes­sen, das Debüt­al­bum der Jazz-Metal-For­ma­ti­on Welt­pin­guin­tag, deren Key­boar­der Jörg Sand­ner mitt­ler­wei­le „solo“ (in einer sehr frei­en Aus­le­gung des Begriffs „Solo­al­bum“ ) musi­ziert und neben­bei den Ver­trieb von Ton­trä­gern der inzwi­schen lei­der auf­ge­lö­sten Band mit dem sym­pa­thi­schen Namen über­nimmt, hier zu wür­di­gen.

Und ich wür­di­ge mun­ter drauf­los:

Bereits 1996, acht Jah­re vor der Grün­dung der ungleich bekann­te­ren Musik­grup­pe „Pan­zer­bal­lett“, kom­bi­nier­te die Ber­li­ner Band „Welt­pin­guin­tag“ Jazz und Metal mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Humor. Das erste Stück vom zwei­ten und letz­ten Album „Pin­gui­ne in der Bronx“ heißt zum Bei­spiel „Die Rück­kehr der Stief­schwe­ster des Arbeits­kol­le­gen von King Kong“. Noch Fra­gen?

Fast ist es da scha­de, dass die fünf Welt­pin­guin­ta­gen­den kei­ne Tex­te zu ihren Lie­dern erson­nen. Aber auch ohne sie ist es ziem­lich erfri­schend, was auf dem Debüt­al­bum aus den Laut­spre­chern erklingt.

21 Stücke zeigt mir der CD-Spie­ler an, ver­teilt auf unge­fähr 52 Minu­ten, das sind nicht mal drei Minu­ten im Durch­schnitt, obwohl zwei der Stücke die Vier-Minu­ten-Mar­ke über­schrei­ten. Man fasst sich kurz. Das ist gut. Kurz und prä­gnant statt aus­ufernd episch wer­den die Kom­po­si­tio­nen auf den Punkt gebracht. Saxo­phon trifft auf Metal­gi­tar­re, und kaum glaubt man das Prin­zip ver­stan­den zu haben, ist der jewei­li­ge Abschnitt auch schon wie­der so schnell vor­bei, wie er ange­fan­gen hat. Ver­glei­che? Pan­zer­bal­lett, hin und wie­der auch die fin­ni­sche RIO-Band Höy­ry-Kone, die aller­dings auch mal wie­der kei­ner kennt. Welt­pin­guin­tag sind (nun, waren) alles ande­re als lang­wei­lig.

Scha­de nur, dass Ama­zon die­se pri­ma Band nur im MP3-For­mat ver­schleu­dern will. Wer hin­ge­gen die CD kauft, bekommt ein hand­schrift­li­ches Dan­ke oben­drauf:

Rein­hö­ren kann man unter ande­rem auf Last.fm. Man dre­he hier­für die Laut­stär­ke etwas höher und genie­ße die man­nig­fal­ti­gen Hör­ein­drücke.

Ich wün­sche hier­bei viel Ver­gnü­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LIV: Der SPIEGEL und die fünf Pro­zent

Ich habe es hier schon mehr­mals ange­deu­tet: Um für den SPIEGEL zu schrei­ben, muss man nicht unbe­dingt wis­sen, wovon man eigent­lich spricht.

Dass man sich im Inter­net nicht son­der­lich gut aus­kennt, ist den dor­ti­gen Jour­na­li­sten, zuge­ge­ben, nicht all­zu nach­tei­lig aus­zu­le­gen, immer­hin ist der SPIEGEL vor­geb­lich ein vor­ran­gig poli­ti­sches Nach­rich­ten­ma­ga­zin, wenn er nicht gera­de, wie etwa in der dies­wö­chi­gen Print­aus­ga­be, das Pri­vat­le­ben von Poli­ti­kern zum Titel­the­ma kürt (und das dann aber auch immer­hin als „unap­pe­tit­lich“ erkennt, so etwa aus­ge­rech­net SPIEGEL Online am Mon­tag die­ser Woche). Dann näm­lich besticht er durch fun­dier­tes Hin­ter­grund­wis­sen und tref­fen­de Ana­ly­sen zur aktu­el­len poli­ti­schen Lage.

Zum Bei­spiel hat das Umfra­ge­insti­tut For­sa jüngst mal wie­der her­um­ge­fragt, was die Leu­te denn gera­de so wäh­len wür­den, wenn sie wäh­len wür­den. Das Ergeb­nis ist nur wenig über­ra­schend: Die alt­be­kann­te Koali­ti­on aus SPD und Grü­nen – sofern sich die­se ergä­be – wür­de die abso­lu­te Mehr­heit errei­chen, CDU/CSU 31 Pro­zent, die F.D.P. mit vier Pro­zent lie­ße man gar nicht erst mit­spie­len, womit der CDU/CSU der, laut SPIEGEL, offen­bar ein­zig mög­li­che Koali­ti­ons­part­ner fehlt, denn eine längst nicht mehr undenk­ba­re Koali­ti­on aus CDU/CSU und den Grü­nen wür­de die lächer­li­chen 47 Pro­zent von „Rot/Grün“ locker über­trump­fen. (Man sieht sehr schön, wie sug­ge­stiv man im Poli­tik­res­sort des SPIEGEL an man­che Fra­gen her­an­geht.)

Wir fas­sen also zusam­men:

Die Uni­on sinkt im Ver­gleich zur Vor­wo­che um zwei Punk­te auf 31 Pro­zent, die FDP gibt einen Punkt ab und liegt mit vier Pro­zent wie­der unter der Fünf­pro­zent­hür­de für den Ein­zug in den Bun­des­tag. Die SPD gewinnt einen Punkt hin­zu und kommt auf 24 Pro­zent. Sie liegt den Anga­ben zufol­ge erst­mals seit Anfang April wie­der vor den Grü­nen, die bei 23 Pro­zent ver­har­ren. Die Lin­ke klet­tert um einen Punkt auf zehn Pro­zent.

(Her­vor­he­bung, wie meist, von mir.)

Nun gilt es zu über­prü­fen, ob die Leser die­se Zah­len auch ver­stan­den haben. SPD und Grü­ne: 24 + 23 Pro­zent, das ergibt 47 Pro­zent. SPD und Lin­ke: 24 + 10 Pro­zent, das ergibt 34 Pro­zent und ist somit eher unwahr­schein­lich. CDU/CSU (31 Pro­zent) und F.D.P. (nimmt nicht teil) ergibt…?

Uni­on und FDP kom­men zusam­men nur noch auf 35 Pro­zent

Scha­de – durch­ge­fal­len.

Es wird täg­lich schwie­ri­ger, den SPIEGEL noch zu ver­tei­di­gen. :|

In den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt LI: Zwei Flie­gen mit einer Klap­pe

Mal ganz blöd gefragt, Alex­an­der Hage­lü­ken, c/o „Süd­deut­sche Zei­tung“:

Die ita­lie­ni­sche Regie­rung muss sofort strikt spa­ren und die Euro-Zone dem Land viel Geld zur Ver­fü­gung stel­len. Anson­sten ist die Gemein­schafts­wäh­rung in Gefahr.

Den Unter­schied zwi­schen „anson­sten“ und „des­halb“ hat man in Ihrer Jour­na­li­sten­schu­le aber schon mal durch­ge­nom­men, oder?

Übri­gens: „Wer Ber­lus­co­ni hilft, ret­tet den Euro“. Gut gesagt.
Wer kennt es nicht, das geflü­gel­te Wort von den zwei Flie­gen und der einen Klap­pe?

Spaß mit Spam
Akti­vie­ren Sie Ihr Veri­fi­ed by Visa – Master­Se­cu­re Code.

Etwas über­rascht war ich ja schon, dass mich laut Thun­der­bird aus­ge­rech­net die Spar­kas­se anmail­te, hat­te ich doch zeit­le­bens kei­nen pri­va­ten Kon­takt mit ihr. Aber eine Bank hat einem meist etwas Wich­ti­ges zu sagen, und so ist es auch hier der Fall:

Ihre Kre­dit­kar­te wird aus­ge­setzt, weil wir gemerkt haben, haben Sie nicht
Akti­vie­ren Sie Veri­fi­ed by Visa – Master­Se­cu­re Code.

Akti­vie­ren Sie Veri­fi­ed by Visa – Master­Se­cu­re Code, um Sie gegen unbe­fug­tes Eink?ufe, wenn shop­pin Online schnell und ein­fach.

Das ist jetzt aber gemein: Die Spar­kas­se will mei­ne Kre­dit­kar­te irgend­wo aus­set­zen, weil ich nicht akti­viert habe Veri­fi­ed by Visa – Master­Se­cu­re Code, und das sogar dop­pelt, um mich gegen unbe­fug­ten Ein­kauf, sofern Online­ein­kauf schnell und ein­fach ist.

Das ist nett von der Spar­kas­se, dass sie die Master­Card von Kun­den ande­rer Ban­ken von Visa veri­fi­zie­ren las­sen will. Man kann ja heut­zu­ta­ge nicht sicher genug gehen. Ich soll­te also schnell han­deln! Nur wie?

Zu Ihrem Schutz haben wir Ihre Kre­dit Waren­korb aus­ge­setzt. So akti­vie­ren Sie Ihre Kar­te her­un­ter­la­den Befe­sti­gung und das For­mu­lar ausf?llen und fol­gen Sie den Anwei­sun­gen zur Aktua­li­sie­rung Ihre Kre­dit­kar­te.

Ich muss also ledig­lich die Befe­sti­gung her­un­ter­la­den und das For­mu­lar aus­fül­len und danach den Anwei­sun­gen fol­gen. Wird gemacht! Zwar fin­de ich kei­nen Ver­weis dar­auf, wo ich die­se Befe­sti­gung fin­den kann, aber als Schlau­fuchs, der ich bin, neh­me ich an, im Anhang – eine .html-Datei wur­de mit­ge­sen­det – fin­de ich die ent­spre­chen­de Infor­ma­ti­on.

Tat­säch­lich scheint es sich dabei um das gesuch­te For­mu­lar zu han­deln, das mit gewohnt pro­fes­sio­nel­ler Auf­ma­chung besticht:

Aber halt – was ist das? Man zeigt mir an, Ele­men­te sei­en wegen abge­schal­te­ter Java­Script-Funk­ti­on blockiert wor­den. Ver­zei­hung, mein Feh­ler!

Mit akti­vier­tem Java­Script sieht die Sei­te schon viel hüb­scher aus, ledig­lich eini­ge wei­te­re Sei­ten­ele­men­te wer­den von einer IP her­un­ter­ge­la­den und ange­zeigt, wie es ein kur­zer Blick in den umständ­lich ver­schlei­er­ten Quell­code zeigt:

Schon viel bes­ser! Und wie ich sehe, wird mei­ne Master­Card aus­drück­lich eben­falls unter­stützt. Erleich­tert also tip­pe ich die gefor­der­ten Daten ein, klicke auf „Wei­ter -»“ und gelan­ge auf sparkasse.de. Anschei­nend wur­de mein Anlie­gen also erfolg­reich über­mit­telt. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Mei­ne Kre­dit­kar­te ist geret­tet, noch bevor sie mei­ne Kar­te:

Hin­weis: Wenn nicht von 11. Juli 2011 abge­schlos­sen ist, wer­den wir gezwun­gen sein, Ihre Kar­te, weil sie f?r betr?gerische Trans­ak­tio­nen ver­wen­det wer­den k?nnen.

Dan­ke, lie­be Spar­kas­se! Viel­leicht soll­te ich doch zu euch wech­seln.

Wir bedan­ken uns f?r Ihre Koope­ra­ti­on in die­ser Ange­le­gen­heit.

Gern gesche­hen! :)


(Ver­mut­lich ange­brach­ter Hin­weis: Vom Öff­nen von Datei­an­hän­gen zwei­fel­haf­ter Her­kunft ist ohne vor­he­ri­ge (!) gründ­li­che Über­prü­fung ihres Inhalts abzu­ra­ten. Und wer ernst­haft glaubt, sei­ne Bank wür­de per Mail sei­ne Kre­dit­kar­ten­da­ten erfra­gen, muss sich nicht wun­dern, wenn ihn das teu­er zu ste­hen kommt.)