PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXIX: Innerparteiliche Demokratie

Weil Demokratie nicht funktioniertIn Nieder­sach­sen über­schla­gen sich die Ereignisse kurz vor der anste­hen­den Land­tagswahl ger­adezu. Nun ist eine promi­nente “Sozialdemokratin” (merk­würdi­ge, aber his­torisch begrün­dete Eigen­beze­ich­nung von SPD-Mit­gliedern) zur Linkspartei gewech­selt, weil sie gegen Doris Schröder-Köpf, Pio­nierin der Pfer­de­witze, ver­loren hat. Dies aber wohl nicht ganz zu Recht:

Nach dem Votum der fünf Ortsvere­ine hat­te Leuschn­er zwar mit 21 zu 19 Stim­men zunächst vorn gele­gen, die Delegierten hat­ten sich aber nicht an diese Entschei­dung gebun­den gefühlt. Sie hat­ten Leuschn­er am Ende nur 14 Stim­men gegeben.

(Falls noch jemand Gründe brauchte, warum das Delegierten­sys­tem sel­ten eine gute Idee ist.)

Und was sagt der “Spitzenkan­di­dat” der SPD zu diesem Vor­fall? Ach, das sei doch alles nicht so schlimm. Demokratie sei auf Sozialdemokratisch eben nicht unbe­d­ingt das mit der Mehrheit.

“Die Kan­di­datenkür sei nach allen Regeln der inner­parteilichen Demokratie ver­laufen, sagte dage­gen Weil. “Wer das nicht akzep­tiert, der hat ganz am Ende ein Prob­lem mit der Demokratie.”

“Inner­parteiliche Demokratie”. Den Begriff sollte man sich merken.

PersönlichesPolitikNetzfundstücke
Alles Käse, die Ästhese.

Dass das Schön­heit­sempfind­en der Gesellschaft sich in den let­zten Jahrzehn­ten nicht zum Besseren gewen­det hat, habe ich ja hier bere­its des Öfteren the­ma­tisiert. Zusam­men­fassend sei wieder­holt: Der momen­ta­nen modis­chen und ideellen Entwick­lung von Schön­heit­side­alen kann ich nichts abgewin­nen. Ich bin ein visueller Men­sch; andere mögen es ober­fläch­lich nen­nen.

Die men­schliche Spezies ist eine von jahrtausendeal­ten Instink­ten getriebene. Ein bre­ites Beck­en bei Frauen sig­nal­isiert die Fähigkeit, reich­halti­gen Nach­wuchs zu gebären, was erk­lären kön­nte, warum Frauen mit dick­en Hin­tern zu den meis­tum­wor­be­nen gehören. Andere Fak­toren? Der Geruch, die Bewe­gung, die Stimme, der Intellekt. Ein eventuell anschaulich­es Beispiel ist Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er. Ich habe niemals an Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er gerochen, sie nie gese­hen und nie gehört, mich nie mit ihr unter­hal­ten. Ich bin jedoch, wie bere­its erwäh­nt, ein visueller Men­sch, und da Frau Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er für jeden­falls mich optisch in kein­er Weise ansprechend ist, gehe ich fest davon aus, dass ich ihr, bäte sie mich um ein Ren­dezvous, einen Korb gäbe. Warum ger­ade Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er? Geduld, das erk­lärt sich möglicher­weise gle­ich von selb­st.

Denn nicht nur ich bin ein visueller Men­sch, die Vielzahl der Män­ner scheint es zu sein. Wie son­st kön­nen sich Dutzende Tit­ten­heftchen seit Jahren, gar Jahrzehn­ten auf dem hart — hehe, “hart” — umkämpften Markt hal­ten? Geruch, Bewe­gung, Stimme, Intellekt der abge­bilde­ten Per­so­n­en sind nicht von Belang. Irgend­wo muss man die Mess­lat­te — hehe — ja anset­zen.

Bei Men­schen, die sich selb­st zur Klien­tel besagter Heftchen zählen, ist beim Betra­cht­en der­sel­ben lediglich das Sehen von Belang, und das ändert sich auch nicht, wenn diese Heftchen irgend­was mit Poli­tik machen. Das Tit­ten­heftchen “Play­boy” etwa ließ jüngst ermit­teln, welche deutsche Poli­tik­erin auf die Umfrageteil­nehmer den größten visuellen Reiz ausübe. (Ohne die Orig­i­nal­be­fra­gung zu ken­nen, nehme ich an, dass die Fragestel­lung unge­fähr “Mit welch­er deutschen Poli­tik­erin wür­den Sie am lieb­sten mal in die Kiste hüpfen?” lautete.)

Nun kann mir nie­mand glaub­würdig erk­lären, inwiefern das die Wäh­ler­gun­st nicht bee­in­flussen soll. Poli­tikver­drossen­heit in Hochglanz­bildern bleibt Poli­tikver­drossen­heit. Meine per­sön­liche Favoritin stand ver­mut­lich nicht zur Wahl und kommt nur aus diesem Grund nicht ein­mal vor, die Ran­gliste ist entsprechend unaufre­gend.

Die Vorzeige-Piratin Mari­na Weis­band und Sahra Wagenknecht von der Linkspartei sind laut ein­er Umfrage die attrak­tivsten Poli­tik­erin­nen Deutsch­lands.

“Vorzeige-Piratin”, Schnickschnack; die Piraten­partei zeigt nie­man­den vor, auch dann nicht, wenn die Presse nach ein­er repräsen­ta­tiv­en Piraten­frau fragt. (Es scheint ja immer noch die Vorstel­lungskraft der Boulevard-“Journalisten” zu über­steigen, wenn sie auf Parteita­gen der Piraten­partei eine Frau ohne männliche Führung sehen.) Bemerkenswert ist hier das Wort “attrak­tiv”, denn Attrak­tion ist nicht nur ein auf’s Visuelle bezo­gene Begriff. Ob das die Teil­nehmer wussten?

Die übri­gen Resul­tate lassen mich daran zweifeln:

Nur drei Prozent der Befragten nan­nten Angela Merkel (CDU) als “sex­i­este Poltik­erin” (sic!), Schlus­slicht wurde die Bun­desvor­sitzende der Grü­nen, Clau­dia Roth, mit nur einem Prozent Zus­tim­mung.

“Sexy” näm­lich ist schon etwas ganz anderes als “attrak­tiv”. Auf die Grundbe­deu­tung reduziert heißt der zitierte Satz: Etwa 30 von ein­tausend Män­nern wür­den von allen deutschen Poli­tik­erin­nen am lieb­sten eine Nacht mit Angela Merkel ver­brin­gen, etwa 10 mit Clau­dia Roth. (Das sind — mal kurz die Hand aus der Hose und mitrech­nen — weniger als 30. Das möchte ich nur noch mal beto­nen.)

Zweifel­sohne hat Angela Merkel von bei­den Schlus­slichtern die angenehmere Stimme. Mir per­sön­lich würde das aber nicht reichen.

Ich bin ein visueller Men­sch. Ich finde Lind­say Lohan, Miley Cyrus, Scar­lett Johans­son und die anderen Schabrack­en geschminkt zu kün­stlich und ungeschminkt zu hässlich. Ich finde die sex­i­est woman alive — Mila Kunis — unge­fähr so anziehend wie einen Schup­pen­drachen­fisch. Trotz alle­dem stelle ich keine Ran­gliste der attrak­tivsten Poli­tik­er auf. Es ist mir vol­lkom­men gle­ichgültig, in welch­er Partei eine hüb­sche Frau ist, wie es mir eben auch egal ist, ob eine Poli­tik­erin, die viel Gutes und Wahres sagt, gut aussieht oder nicht. Ich werde niemals die CDU wählen, obwohl Kristi­na Schröder es auf Platz 3 geschafft hat.

Und ich möchte, das will ich hier­mit aus­drück­lich beto­nen, nicht mit Angela Merkel schlafen.

In den Nachrichten
Diese Wichser!

Früher, lange vor “Twi­light” und “Har­ry Pot­ter”, sprachen Pro­tag­o­nis­ten in Kinder­büch­ern noch sturzfreies Deutsch. Pip­pi Langstrumpf unter­hielt sich fröh­lich nicht etwa mit der Tochter des afroamerikanis­chstäm­mi­gen Königs, son­dern mit der Negerprinzessin im Taka-Tuka-Land, und Kinder, die ihre Schuhe nicht wich­sen woll­ten, beka­men eine gewichst.

Mit der Negerköni­gin ist es schon lange vor­bei, der Thiene­mann-Ver­lag (“Thiene­mann Ver­lag”, saudoofer Name) arbeit­et nun oben­drein an einem Wichsver­bot:

Der Stuttgarter Thiene­mann Ver­lag stre­icht das Wort “wich­sen” aus den Kinder­buchk­las­sik­ern Otfried Preußlers. In ein­er Erk­lärung heißt es, dass Kinder diesen Begriff heute nicht mehr im Sinn von “putzen”, “polieren” ken­nen wür­den oder gar als Syn­onym für die Prügel­strafe. Früher aber seien Stiefel “gewichst” wor­den — und Kinder wur­den “durchgewichst”. In diesem speziellen Fall, so der Ver­lag, “erscheint es uns sin­nvoll, daraus ‘ver­hauen’ zu machen.”

In jedem anderen Fall wird der Ver­lag kün­ftig von “von der Palme wedeln” sprechen, nehme ich an. Inter­es­sante Schul­hofge­spräche sind denkbar: “Gib uns dein Pausen­brot, oder du wirst gewichst!” — Ach nein, Pausen­brot sagt man ja heute auch nicht mehr. Pausendön­er vielle­icht.

Die für den Sprach­wan­del zuständi­gen Mitar­beit­er des Thiene­mann-Ver­lags (“Thiene­mann Ver­lag”, nochmals; ern­sthaft‽) haben wom­öglich selb­st keine Kinder. Ich hoffe dies inständig. Ein nor­males Kind, das altersmäßig der Gruppe der­er ange­hört, die die Kinder­buchk­las­sik­er Otfried Preußlers (Thiene­mann-Ver­lag [“Thiene­mann Ver­lag”, kann doch nicht wahr sein] über sel­bige) üblicher­weise lesen, ken­nt das Wort “wich­sen” nicht, wed­er als Prügeln noch als Onanieren, sofern elter­liche Aufmerk­samkeit nicht fehlte. Fehlende elter­liche Aufmerk­samkeit durch poli­tisch kor­rek­te — was an “wich­sen” poli­tisch inko­r­rekt ist, möge mir ein Klüger­er erk­lären — Sprache kom­pen­sieren zu wollen halte ich für wenig sin­nvoll.

Klar ist allerd­ings: Wenn diese Sprachver­dreher mir auf der Straße begeg­nen, werd’ ich auch mal wen durch­wich­sen.
Dann gibt’s a Fotzn!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXVIII: Einmauern hätt’ vielleicht geholfen

Wofür wir mehr Überwachung brauchen? Na, um Ver­brechen zu ver­hin­dern!

Zum Beispiel dieses:

Er soll ein sieben­jähriges Mäd­chen miss­braucht haben, nur vier Monate nach dem Ende sein­er Sicherungsver­wahrung. (…) Andreas R. trug eine Fußfes­sel.

Natür­lich: Fußfes­seln tau­gen nix, Verge­walti­gen würd’ auch funk­tion­ieren, wenn die Beine kom­plett ab wären.

Vielle­icht hätte man Her­rn R. stattdessen eine Kam­era an den Penis nähen sollen. Oder gle­ich zehn davon. Viel hil­ft viel, sagt die Regierung.

Netzfundstücke
Schon TAZahlt?

Die Voll­profis des Tages “arbeit­en” bei der “tageszeitung”. Deren Webauftritt taz.de wird von ein­er pay­wall umhüllt, das heißt, wer einen Artikel dort (etwa den hier) lesen möchte, der wird zunächst ange­bet­telt. Löblich: Man kann’s wegk­lick­en.

Schon TAZahlt?

Wirk­lich doof nur, dass man über den Wert des Artikels keine zuver­läs­si­gen Aus­sagen tre­f­fen kann, so lange die pay­wall ihn qua­si unle­ser­lich macht. Ander­er­seits: Der abge­bildete Herr mit dem Shirt, dessen Auf­druck an GEZ-Wer­bung erin­nert, ist vielle­icht ein noch bess­er gewähltes Sinnbild als angenom­men.

Wobei ich öffentlich-rechtlich­es Fernse­hen doch gele­gentlich noch ein wenig bess­er finde als die “taz”.

KaufbefehleMusikkritik
Of Monsters and Men — My Head Is an Animal

Of Monsters and Men - My Head Is an AnimalUnd dann war da noch die isländis­che Musik­gruppe “Of Mon­sters and Men”, der­er Lied “Lit­tle Talks” heute verse­hentlich meinen Weg kreuzte. Es han­delt sich um ein Pop­stück, dessen Text ich mag. Man möge mir nach­se­hen, dass es nicht vor­rangig um Mon­ster und Män­ner geht.

Though the truth may vary, this
ship will car­ry our
bod­ies safe to shore.

Zu dem Lied gehören ein/e EP des Titels “Into the Woods” sowie ein 2011 veröf­fentlicht­es Album namens “My Head Is an Ani­mal” (“Mein Kopf is’n Viech” oder so), das voller so Pop­musik ist. “Ürks, so Pop­musik” sagen nun die Hip­ster unter meinen Lesern. Werte Hip­ster, ich spare mir nun den offe­nen Brief und fasse mich kurz: Ich mag euch. Aber ihr liegt falsch.

Of Mon­sters and Men — “Lit­tle Talks” (Live at WFUV)

Wahr ist, dass “My Head Is an Ani­mal” nicht unbe­d­ingt für den anspruchsvollen Kon­sumenten taugt, der unbe­d­ingt immer und über­all avant­gardesque Beschal­lung benötigt. Wahr ist aber auch, dass das zu Hörende qual­i­ta­tiv so manch­es schlägt, was son­st so in den Hit­pa­raden ist, weil irgendwelche Plat­ten­fir­men viel Geld hinein investieren. (In Deutsch­land hat es zumin­d­est für Platz 4 gere­icht.)

Ver­gle­iche: Arcade Fire, Mum­ford & Sons. Mag ich bei­de nicht — Of Mon­sters and Men mag ich hinge­gen.
Und sei’s nur für “Lit­tle Talks”.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Nicht ganz Dichtung

In der heuti­gen Braun­schweiger Zeitung ist ein “Lesergedicht” über den Schnee abge­druckt, dessen eine Stro­phe inklu­sive Zeilenum­brüchen so geht:

Uner­wartet

lässt er
totes Blatt-Braun
zum Farbpri­mas
mutieren

Aber

ich sage es
nur ungern
aber in mehrere
Zeilen
zer­hack­te

Prosa

ist noch
kein Gedicht
und nicht mal
beson­ders gut
les­bar

auch

nicht
wenn man
einzelne Wörter
als Über­schriften
abtren­nt

son­dern

lässt den
Ver­fass­er
wie einen senilen
alten
Lang­weil­er erscheinen

Das sollte man von Gün­ter Grass eigentlich gel­ernt haben.

Politik
Merkel zeigt Flagge

Die Neu­jahrsansprache der Kan­z­lerin habe ich lei­der ver­passt. Ich möchte mich daher nicht zum Inhalt der­sel­ben äußern, son­dern dieses Bild — beson­ders das rechte Drit­tel — für sich sprechen lassen.

New Year's speech Angela Merkel

(Mit Dank an L.!)

Persönliches
Zweitausendzwölf plusminus eins

Dieser Artikel ist Teil 2 von 15 der Serie Neu­jahr

… und 2013 begin­nt eigentlich auch nicht anders als 2012, mit Sekt und Feuer­w­erk und Bier und Tee und Bier und Feuer­w­erk, mit Sekt in der Hand und Feuer­w­erk im Herzen und Bier im Kopf und Tee in der Blase und Bier im Bauch und Feuer­w­erk vor der Tür, wo die Leute schneefremd ste­hen und offlinechat­ten und rauchen und tele­fonieren oder irgend­wie ver­suchen, mit diesem ver­dammten Tele­fon­net­zd­ings­bums klarzukom­men, während kilo­me­ter­weit ent­fer­nt der Com­put­er so tut, als wäre man zu Hause und würde Texte ins Inter­net rein­tun; es ist eben immer wieder total über­raschend, wenn an Neu­jahr Leute jeman­den anrufen wollen.

Und in diesem Moment der Geschwätzigkeit dann dieses Insichge­hen und Zurück­blick­en und diese ganze elende Herz­scheiße, aber let­ztes Jahr um diese Zeit ging’s auch nicht bess­er. 2012 war ja auch ein math­e­ma­tis­ches Jahr, minus Klam­mer auf x Quadrat plus hun­dert Klam­mer zu plus — min­destens — eine Mil­lion x, mit­ten­drin fast über­trieben und nach unten stets offen, aber son­st 2012: Gewon­nen, genossen, ver­loren, somit zumin­d­est quitt mit sich selb­st. 2012 plus eins ohne die Plu­seins von 2012 erleben, so bleibt’s kon­stant. Anrufen wollen, Num­mer wählen, abbrechen, weg­steck­en, schreien, aber mehr so innen­drin, um nicht das Bum­mzisch zu ver­passen. “Mehr Flausch wagen!” ist ja auch so ein Mot­to, für das ich sog­ar die CDU wählen würde, aber die macht das nicht.

Noch ein Bier auf den Schreck und noch mehr Feuer­w­erk draußen. Sicherin­nern ist, wenn man trotz­dem lacht, und Neu­jahr irgend­wie auch. Prost auf 2013.

Montagsmusik
Icona Pop — I Love It

Eine dieser Popsen­sa­tio­nen von 2012, die an mir völ­lig vor­bei gegan­gen wären, würde ich nicht gele­gentlich in Fil­ialen ein­er ursprünglich US-amerikanis­chen Kette von Schnell­restau­rants ein wenig Zeit ver­brin­gen, ist das schwedis­che Duo Icona Pop. Um welch­es Genre es sich han­delt, möge der kluge Leser selb­st errat­en.

Und dann haben die zwei Sän­gerin­nen trotz des saumäßig bescheuerten Textes, den ich nicht zu zitieren wage, auch noch Melo­di­en, die man tage­lang nicht aus dem Kopf bekommt. So ein Mist.

Guten Mor­gen. Genießt den Tag, so lange ihr dies noch kön­nt.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXVII: “Niemand will zu den Verlierern gehören.”

Mit der F.D.P. mag nie­mand mehr spie­len:

Der FDP laufen offen­bar die Mit­glieder davon. 2013 wird die Partei erst­mals weniger Beitragszahler haben als die Grü­nen. Das dürfte so bleiben, denn “nie­mand will zu den Ver­lier­ern gehören”, so Parteien­forsch­er Oskar Nie­der­may­er.

Dies wird unter anderem auf die verän­derten Gesellschaftsver­hält­nisse zurück­ge­führt:

Bis in die 1960er Jahre hinein habe es noch soziale Milieus — zum Beispiel Arbeit­er oder Katho­liken — gegeben.

Natür­lich — so etwas wie Arbeit­er gibt es heutzu­tage nicht mehr, es gibt nur noch Leis­tungsträger und, nun, die vie­len, vie­len anderen. Besten Dank auch, SPD.


Apro­pos SPD:

Stein­brück sagt schon mal an, dass das Kan­z­lerge­halt zu niedrig für ihn wäre.

Immer­hin sagt er’s vorher!


Apro­pos Idioten:

Der Papst und seine eng­sten Berater soll­ten zum Tode verurteilt wer­den — sie seien für Mil­lio­nen von Aids-Toten ver­ant­wortlich.

Natür­lich liegt’s allein an kirch­lichen Vor­gaben, etwa der Ein­stel­lung zu Empfäng­nis ver­hü­ten­den Maß­nah­men, dass Mil­lio­nen Men­schen an AIDS erkranken und ster­ben. Das ist das Tolle an der Reli­gion: Man kann ihr blind fol­gen und hin­ter­her, wenn alles schiefge­ht, die Schuld auf sie schieben. “Aber der große Schlumpf Papst hat gesagt…”. Das hat in Deutsch­land und Öster­re­ich — der Herkun­ft des Urhe­bers dieser Forderung — ja Tra­di­tion.

Persönliches
Eigentlich.

Eigentlich ver­misst man sie gar nicht. Man ist schließlich nicht zum ersten Mal allein und hat sich im Grunde längst daran gewöh­nt, die läng­ste Zeit des Lebens mit sich selb­st zu ver­brin­gen.

Eigentlich sin­niert man nun über das Wort “ver­mis­sen” und dessen ego­is­tis­che Kom­po­nente. Ist Ver­mis­sen nicht ver­messen, ist Autarkie nicht exk­lu­siv?

Eigentlich weiß man, dass man längst ver­loren hat, ohne je Aus­sicht­en auf Gewinn gehabt zu haben. Beim Spiel des Lebens ist Dabei­sein nicht alles, son­dern allein den Wür­feln über­lassen.

Eigentlich hätte man aus allem, was passiert war, etwas ler­nen sollen. Fehler kann man ver­mei­den oder sie zur Meth­ode erk­lären; und eigentlich hat man sich für den falschen Weg entsch­ieden.

Eigentlich sollte man dem Traum, den man immer wieder träumt, mit­ten in der Nacht hochschreckt und unbe­d­ingt dieses eine Lied hören muss, damit der Traum nicht das Spiel gewin­nt, keine große Bedeu­tung beimessen.

Eigentlich wäre man jet­zt gern bei ihr.