Musik
“…, so I’ll be on my way.”

Das Unternehmen Microsoft ist nor­maler­weise nicht zu doof, Lied­texte zu hören und zu inter­pretieren. Für die Wer­bekam­pag­nen zur Mark­te­in­führung von Win­dows 95 wurde damals zum Beispiel “Start Me Up” von den Rolling Stones (wegen des “Start”-Knopfes, wis­senschon) ver­wen­det, das recht gut passte.

If you start me up
If you start me up I’ll nev­er stop

So weit, so naja.

Nun fiel mir heute im lokalen Elek­tro­fach­han­del auf irgend­soeinem Album von Alex Clare der Aufk­le­ber auf, der besagte, dies sei das Album mit “dem Lied aus der Inter­net-Explor­er-Wer­bung”. Ver­ste­he: Wenn man’s schon nicht schafft, Musik zu machen, die irgendwen wirk­lich bewegt, prahlt man eben stattdessen damit, wie toll sie sich als Hin­ter­grundge­dudel eignet.

Bei dem Lied han­delt es sich um “Too Close”, es wird in fol­gen­dem Microsoft-Wer­be­film ver­wen­det:

Tex­tauszug gefäl­lig?

There’s noth­ing to say, noth­ing to do,
I’ve noth­ing to give, I must leave with­out you.
You know we’re head­ed sep­a­rate ways.

Wenn’s halt son­st nichts wird.

Netzfundstücke
Schockierender und abstoßender Content

Ach, YouTube,

da hast du schon so viele tolle Entschuldigungs­bild­chen für jede passende und unpassende Gele­gen­heit für uns schutzbedürftige Schäfchen vor­bere­it­et und acht­est mit­tler­weile sog­ar darauf, dass wir uns auf dir, YouTube, nicht ekeln.

Aber warum sind dann immer noch sämtliche Mitschnitte der Reden Frau von der Leyens prob­lem­los abruf­bar? Drin­gend Abhil­fe schaf­fen!
Den Kindern zuliebe.

Piratenpartei
Warum ich die Piratenpartei nicht in den Bundestag wählen werde

Ich bin lib­er­al. Ich war es immer und ich werde es wohl immer sein.

An Poli­tik haben mich in Kinderta­gen einzig die Hochrech­nun­gen inter­essiert. Ich fand die bun­ten Balken im Fernse­hen immer sehr inter­es­sant, obwohl ich keine Ahnung hat­te, was sie bedeuteten. Die Poli­tik änderte sich ja nicht, Hel­mut Kohl mit sein­er CDU war immer da und ging ein­fach nicht weg.

Als ich mich zum ersten Mal poli­tisch ein­stufen musste, wählte ich aus Überzeu­gung die F.D.P., die damals noch zumin­d­est den Anschein wahrte, frei­heitlich-demokratisch zu agieren. Frei­heit und Demokratie sind bis heute zwei Stützpfeil­er meines poli­tis­chen Han­delns. Während mein­er Selb­stfind­ungsphase — kurz nach Ein­treten mein­er Mündigkeit als Wäh­ler also — wählte ich, abge­se­hen von der CDU, wohl so ziem­lich jede größere und/oder bekan­ntere Partei. Ich gebe zu: Auch die PDS — oder wie auch immer sie damals ger­ade hieß — war schon darunter.

Dann kam das Inter­net.

Das böse Inter­net, das let­z­tendlich das Mit­tel zur Erlan­gung kom­pro­miss­los­er Frei­heit und Demokratie, ungeachtet nationaler Ein­schränkun­gen der­sel­ben, ist, begeis­terte mich nicht nur, weil man dort so toll Musik und Filme klauen kon­nte, son­dern eben auch und vor allem als Instru­ment, sein­er Mei­n­ung unge­filtert Gehör ver­schaf­fen zu kön­nen.

Wie viele Men­schen kam auch ich im Jahr 2009 während der “Zensursula”-Debatte zur Piraten­partei, die sich damals als einzige Partei klar und vehe­ment gegen die geplanten Inter­netsper­run­gen zur Wehr set­zte. Die Ide­ale der Partei überzeugten mich dabei so sehr, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben mehr als nur Wäh­ler ein­er Partei wurde: Ich wurde Mit­glied und brachte mich, so gut es ging, ein. Die Piraten­partei stand damals für Frei­heit, Demokratie, Trans­parenz und dig­i­tale Bürg­er­rechte. Seit­dem hat sich viel getan.

Dass sich so ein Parteipro­gramm auch mal erweit­ern lässt, ist ja noch nicht ver­w­er­flich. Ich war stets “Kern­pirat”, habe die für meine poli­tis­chen Überzeu­gun­gen irrel­e­van­ten Inhalte also stets geduldet, aber ignori­ert. Sie wider­sprachen ihnen ja nicht.

Ich habe das Pech, in einem Bere­ich Deutsch­lands zu wohnen, dessen lokaler Pirat­en-Kreisver­band nicht unbe­d­ingt mit Größe glänzt. So wurde ich irgend­wann — wohl auch man­gels Bewer­bern — zum Beisitzer in dessen Vor­stand gewählt. (Ein Vor­stand in der Piraten­partei — das muss ich für Außen­ste­hende kurz erk­lären — hat lediglich ver­wal­tende Funk­tio­nen, jedoch kein größeres Stim­mgewicht als jedes andere Mit­glied.) Wie x‑beliebig die Vorstände in der Piraten­partei eigentlich zusam­menge­set­zt wer­den, sieht man nicht erst an der Per­son­alie Julia Schramm oder an Bernd Schlömer, der im Vor­feld des let­zten Bun­desparteitages unge­fragt die Piraten­partei als “sozial­lib­erale Partei” definierte: Eine spätere Neuwahl im Kreisvor­stand erhob einen mir unbekan­nten Jür­gen A. (Name bewusst gekürzt) eben­falls als Beisitzer in sel­bi­gen. Dieser Jür­gen A. wurde am Tag der Wahl zum ersten Mal gese­hen und war for­t­an nicht mehr aufzufind­en; nominell ist er bis heute Mit­glied des Kreisvor­standes, weil ihn noch nie­mand erre­ichen kon­nte. Zynis­che Beobachter kön­nten zusam­men­fassen: Es wird Vor­stand, wer ger­ade da ist und nicht schnell genug “Nein!” schre­it. (Fair­erweise möchte ich hinzufü­gen, dass das sicher­lich nicht in jed­er Gliederung der Partei so ist.)

Apro­pos “sozial­lib­er­al”: Lange Zeit war unklar, wo sich die Pirat­en poli­tisch eigentlich einord­nen. Pro­gres­siv woll­ten wir sein, raus aus dem Schema “links oder rechts oder bürg­er­liche Mitte”. Das hat anscheinend nicht nur die Medi­en über­fordert. Die alte Weisheit, gehört wür­den stets die, die am lautesten brüllen, hat sich bewahrheit­et; flugs kamen Eso­terik­er, ehe­ma­lige NPD-Mit­glieder und Antifa-Sym­pa­thisan­ten in die Partei und ver­sucht­en sich gegen­seit­ig zu übertö­nen. Das führte zu bizarren Ergeb­nis­sen wie etwa dem der Umfrage, wie man die Piraten­partei am ein­fach­sten zusam­men­fassen kön­nte: Sie sei radikal, links, linkslib­er­al und vor allem gegen Rechts. Dass das mal eben den Grund­prinzip­i­en zuwider­läuft, auf denen die Partei aufge­baut ist, scheint nie­man­den wirk­lich zu stören. Außen­ste­hen­den, die das lesen und Wahl­pro­gramme für Alt­pa­pi­er hal­ten, den Unter­schied zwis­chen der Pirat­en- und der Linkspartei zu erk­lären war noch nie so schwierig wie heute.

Das zeigte sich auch wieder auf besagtem Bun­desparteitag in Bochum. Ein Antrag, der gesellschaftliche Inklu­sion befür­wortete und somit eigentlich von jedem Linken hätte goutiert wer­den kön­nen (und entsprechend mit über 2/3 der Stim­men — 2/3 der Stim­men waren gemäß der gülti­gen Wahlord­nung notwendig — angenom­men wurde), enthielt in einem Neben­satz den Begriff der Wahrung der nationalen Iden­tität. Wahlleit­er Stephan Urbach fiel das — nach­dem der Antrag angenom­men wor­den war — auf, und er eilte zum Mikro­fon, um sich über diese For­mulierung (offen­bar war er nie in Frankre­ich) aufzure­gen und sich für die Änderung in “kul­turelle Iden­tität” auszus­prechen. Auch in einem zweit­en Wahl­gang wurde der Antrag jedoch bestätigt. Stephan Urbach unter­schrieb seine Aus­trittserk­lärung. Als der Antrag im drit­ten Wahl­gang mit der Hälfte der Stim­men (siehe nochmals die 2/3‑Regelung, um die Absur­dität voll­ständig begreifen zu kön­nen) endlich abgelehnt wurde, bedank­te er sich, dass “endlich richtig abges­timmt wurde” (was sehr viel über sein Demokratiev­er­ständ­nis aus­sagt), und zer­riss seine Aus­trittserk­lärung. Wie gesagt: Wer am lautesten brüllt, der wird gehört.

Wom­it wir auch beim anderen großen Prob­lem der Piraten­partei wären: Dem Per­so­n­enkult. Für den kann sie nicht ein­mal etwas.
Die Piraten­partei set­zt sich seit ihrer Grün­dung für The­men statt Köpfe ein. Einem Pirat­en ist es egal, wer ger­ade Spitzenkan­di­dat ist, denn so etwas ken­nt die Piraten­partei nicht.

Das über­fordert aber die Presse, die gern konkrete und vor allem wenige Ansprech­part­ner haben möchte.

Im Lan­desver­band Nieder­sach­sen wur­den 30 Mit­glieder der Piraten­partei auf die Liste zur Land­tagswahl 2013 gewählt. Auf Platz 1 und 2 ste­hen ein Mann und eine Frau. Wie gut für die Presse, denn so hat sie gle­ich zwei Leute, die sie “Spitzenkan­di­dat­en” nen­nen kann — wären es zwei Män­ner, der auf dem zweit­en Platz würde sie nicht die Bohne juck­en. Die Presse fol­gt hier klas­sis­chen Mustern, sie behan­delt die Piraten­partei wie jede andere Partei auch und ist nicht bere­it, sich mit ihren Beson­der­heit­en auseinan­derzuset­zen. Sie spricht nach wie vor (vere­inzelt) von Delegierten, von Spitzenkan­di­dat­en und von son­stigem Blödsinn, der in ein­er basis­demokratis­chen Partei schlicht keine Rolle spielt.

Wir sind ein­mal ange­treten, um die Welt um uns herum mit pro­gres­siv­er Poli­tik zu ändern. Nun ertappe ich uns immer wieder dabei, wie wir uns der alten, star­ren Welt anpassen. Unsere “Spitzenkan­di­dat­en” haben mit diesem Wort kein Prob­lem, sie wider­sprechen höch­stens noch halb­herzig. Den Ansprüchen der Presse wolle man ja genü­gen, son­st komme sie nicht mehr zu unseren Parteita­gen, das wäre ja furcht­bar, denn das würde uns total daran hin­dern, Poli­tik zu machen.

Auf so etwas wie die Ver­harm­lo­sung von Gewalt durch Mit­glieder der Piraten­partei möchte ich an dieser Stelle nicht weit­er einge­hen, das würde ver­mut­lich zu weit führen. Nur noch so viel: Die Bun­despartei ste­ht momen­tan poli­tisch für nichts, was ich per­sön­lich mit gutem Gewis­sen mit­tra­gen kann. Leute wie Stephan Urbach, der sich eben­falls in den Bun­destag wün­scht, kann und werde ich nicht mit mein­er Stimme unter­stützen. Um es mit Stephan Urbach zu sagen: Das ist nicht mehr meine Partei.

Warum ich — wie auch er — trotz­dem noch Pirat bin?

Erstens: Weil zumin­d­est auf Lan­desebene — der Lan­desver­band Nieder­sach­sen leis­tet immer noch eine wirk­lich beachtliche Arbeit — noch nicht alles ver­loren ist und ich die Piraten­partei hier vor­erst auch weit­er­hin wählen und nach Möglichkeit unter­stützen werde. 2013 wer­den wir wis­sen, ob das ein Fehler war.

Zweit­ens: Weil, Mit­glied­sausweis hin oder her, das, was die Piraten­partei einst aus­machte, nach wie vor das ist, wofür ich mich poli­tisch ein­set­zen möchte und werde. Ob mit hüb­schen Bänd­chen am Arm, wenn mal wieder abges­timmt wer­den soll, oder ohne sie. So bedauer­lich, weil hin­der­lich das manch­mal auch ist: Es gibt momen­tan keine ernst zu nehmende poli­tis­che Alter­na­tive für uns neti­zens.

Ob ich kon­se­quent sein werde, wird sich zeigen. Damit hätte ich vie­len von euch so genan­nten Pirat­en da draußen aber etwas voraus.

Und, ja, die Kom­mentare hier sind absichtlich deak­tiviert. Heult euch woan­ders aus.


(Angeregt von @lev3renz, der allerd­ings ein­er ganz anderen Partei ange­hörte.)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Bilder des Tages (10. Dezember 2012)

Putzig: Nord­ko­rea hat ein Raketen­pro­gramm. Das Kon­trol­lzen­trum sieht auch fast ein biss­chen tech­nisch aus:

Allerd­ings wirken die acht Wis­senschaftler in dem großen Raum an ihren kleinen Schreibtis­chen doch ein biss­chen ver­loren.

In der Ver­größerung erken­nt man, dass sie auf ihren Com­put­ern offen­bar auch nicht viel mehr als auf der Pro­jek­tion an der Wand sehen kön­nen; wo dann eben auch (oben rechts) eine Gruppe Kore­an­er beim Klavier­spiel zu sehen ist. Musik und Raketen­wis­senschaft sind in Nord­ko­rea offen­bar näher beisam­men als manch ein­er wom­öglich glauben mag.

Das Gerät vorn rechts im Bild ist auch recht beacht­enswert. Ist das ein Gel­dau­tomat? Falls nicht: Warum ist es nicht eingeschal­tet, son­dern der Steck­er liegt lose herum? (Und ist das Google Earth auf dem linken Bild­schirm hin­ten rechts?)

Früher haben Regierun­gen beim Bil­der­ma­chen ja wenig­stens noch ver­sucht, gut zu lügen.


Putzig auch: Der Iran eröffnet ein eigenes Video­por­tal. Mit Black­jack und Nut­ten mehr islamis­ch­er Kul­tur, um den Sit­ten­ver­fall aufzuhal­ten.

Laut US-Medi­en soll mehr.ir den Ein­fluss des Islam und der iranis­chen Kul­tur stärken.

Und was läuft dann da so? Nun:

Auf der Start­seite ganz groß: Auss­chnitte eines Cham­pi­ons-League-Spiels des FC Bay­ern

Dann haben wir ja nichts zu befürcht­en.

Montagsmusik
Cinekod — Cry

(… und so ein Woch­enende voller Nichts geht ja auch immer fast so schnell vor­bei wie ein glück­lich­er Moment, ganz gle­ich, wie lang er sein mag; aber man ver­misst es nicht, wenn es vorüber ist.)

Beim Begutacht­en der noch zu sich­t­en­den Musikalben in meinem Archiv stieß ich zufäl­lig auf die instru­men­tale Postrock-Gruppe Cinekod. Ein­er der Titel auf dem Album (“Peo­ple Change, Things Change, You’ll Nev­er Gonna Be The Same For Me”) heißt “Cry” und ist trotz des (kein biss­chen) fehlen­den Gesangs dem Titel entsprechend reich­lich melan­cholisch; wie’s eben auch Death Met­al ist, wenn man nur deprim­iert genug ist.

Zurück­lehnen, ’n Radler öff­nen und sich fra­gen, warum man sich diesen ganzen Quatsch namens Leben Mon­tag eigentlich immer noch antut.

Cinekod — Cry

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXI: Antikorruptionstag? SPD.

Heute wird übri­gens der Welt-Antiko­r­rup­tion­stag der UNO began­gen. Passend dazu wurde Peer Stein­brück heute mit nur etwas mehr als 93 Prozent der Stim­men zum Kan­zlerkan­di­dat­en der SPD gewählt.

Stein­brück? Ach so, der:

Laut SPIEGEL erhielt Stein­brück zudem Hon­o­rare von Fir­men, die während sein­er Zeit als Bun­des­fi­nanzmin­is­ter von Aufträ­gen des Min­is­teri­ums prof­i­tiert hät­ten, und pflegte eine größere Nähe zu Banken­lob­by­is­ten als bish­er bekan­nt.

Und ich hat­te schon gedacht, die Piraten­partei wäre die einzige Partei in Deutsch­land, die einen Wahlkampf mit Selb­stironie führt. Jet­zt müssen sich die Pirat­en offen­bar ran­hal­ten.

In den Nachrichten
Pünktlich wie immer: Die Bahn (wird teurer).

Es ist selb­st schuld, wer mit der Bahn zufrieden ist, denn das wird nun teuer: Höhere Preise für zufriedene Bahnkun­den — für unzufriedene bleibt’s wahrschein­lich unverän­dert zu teuer — ste­hen an. Das allerd­ings nicht über­raschend:

Alle Jahre wieder zu Beginn des Win­ter­fahrplans erhöht die Deutsche Bahn ihre Preise. Darauf kön­nen sich die Kun­den auch in diesem Jahr ver­lassen[.]

Bekan­ntlich ist näm­lich Zuver­läs­sigkeit eine der präg­nan­testen Eigen­schaften der Deutschen Bahn. Dem Kun­den kommt’s zugute:

Die Kun­den­zufrieden­heit ist Grube (Cheffe von­ner Bahn, A.d.V.) bekan­nter­maßen viel wert.

Das Drän­gen auf Kun­den­zufrieden­heit seit­ens der Bahn hat ja bere­its in den let­zten Monat­en so einige Schlagzeilen gemacht: Da wer­den schon mal Kleinkinder aus Zügen gewor­fen, sofern die mal fahren. Das tun sie bekan­ntlich nicht, sobald im Novem­ber plöt­zlich und uner­wartet der Som­mer endet: Die Deutsche Bahn erwartet im Win­ter wieder Ver­spä­tun­gen und Zugaus­fälle. Immer­hin sagen sie das vorher an.

Aber zahlende Kun­den kriegen ja auch was für ihr Geld:

Die Stammkun­den der Bahn reisen vom 1. April näch­sten Jahres an im Fer­n­verkehr umwelt­be­wusster, weil kom­plett kohlen­diox­id­frei. Die Energiemenge für die Fer­n­fahrten aller Bah­n­card- und Zeitkarten­in­hab­er wird als Ökostrom ins Netz einge­speist.

Und die Energie für alle anderen kommt nach wie vor vom Atom­d­ings. Züge beherrschen dabei dank divers­er Umbaut­en eine intel­li­gente Erken­nung ihrer Insassen und schal­ten pro Sitz­platz die Energiequelle um.

Man treibt also eini­gen Aufwand, um sein Ziel (nicht unbe­d­ingt das Fahrtziel, wenn man das Pech hat, in Wolfs­burg aussteigen zu wollen) zu erre­ichen:

Deshalb wer­den jet­zt die Bonuszahlun­gen der Bah­n­man­ag­er auch daran geknüpft — und nicht nur an den Gewinn. Zu diesem Zweck wird die Zufrieden­heit der Fahrgäste regelmäßig gemessen.

Richtig gele­sen: Nicht etwa erfragt oder ander­swie erkundigt, son­dern gemessen. Bekommt man kün­ftig als Fahrgast coole Elek­tro­den an den Kopf geschnallt oder wer­den nur Blut­druckmess­er verteilt? Bei­des wäre ziem­lich lustig.

Wenn’s bei der Bahn eben son­st nicht viel zu lachen gibt.

(Mit Dank an Monti_Jones für die Idee zur Über­schrift.)

PersönlichesNetzfundstücke
Die Emotionen sollen spontan, aktuell und erschwinglich sein.

Mit dem Emo­tion-Sys­tem kann jed­er sein­er aktuellen Gefühlslage Aus­druck ver­lei­hen. Zunei­gung, Ärg­er, Freude, Ver­bun­den­heit. Und das jew­eils zu einem Preis, der im Zehn­tel- oder gar Hun­dert­s­tel-Cred­it-Bere­ich liegt.

Klingt nach Dystopie, ist aber das soziale Net­zw­erk Jap­py.
(Zum Glück gibt’s Beispiele für Emo­tio­nen unten drunter, son­st kön­nte sich eventuell jemand nichts darunter vorstellen.)

Jet­zt ver­ste­he ich das Konzept.

Kaufe Liebe für drei Cred­its. Gibt es Rabatt?

Spaß mit Spam
Hallo!

“Nina” — Absender “sandra@(Domain)” — sandte mir unter obigem Betr­e­ff fol­gende beschauliche Mail (natür­lich im HTML-For­mat, geschrieben mit Win­dows Mail):

Hal­lo
Ich mochte ein inter­es­san­ter Mann zu find­en

Zeilenum­brüche sind das neue Aus­rufeze­ichen.

Ich hoffe, ich bin richtig schriftlich

Na, aber so richtig schriftlich!

Ich schicke Ihnen mein Foto

Nein, Sie schick­ten mir ein photo.zip, in dem sich ein photo.scr, also ein “Bild­schirm­schon­er” (der unter Win­dows aus­führbaren Code enthal­ten kann und wird), befind­et.
Ich schone meinen Bild­schirm und guck’s mir bess­er nicht an.

magst du mich?

Nein.

kussen

kissen
so richtig ins Gesicht
dolle drück­en

Immer wieder gern:
— ich

In den Nachrichten
Die Segnungen des Internets

Am 12. Dezem­ber wird irgend­wo Schnee liegen!

Das ist nicht inter­es­sant? Hm, wie wäre es damit?: Am 12. Dezem­ber wer­den Kinder geboren!

Auch nicht? Dann sich­er auch nicht dies: Am 12. Dezem­ber wird der Papst seinen zweit­en Tweet abset­zen!

Aus mir unerfind­lichem Grund ist zumin­d­est let­zteres aber so unfass­bar bemerkenswert, dass das die Medi­en von Frank­furter Neuer Presse über den Köl­ner Stad­tanzeiger bis zu SPIEGEL Online so sehr bewegt, dass sie dieser Null­nachricht promi­nen­ten Platz ein­räumten. Selb­st ich tu’ das ger­ade, und ihr ver­schwen­det ern­sthaft eure Zeit damit, das zu lesen. Ich bin stolz auf euch.

Ver­mut­lich soll die Welt bewe­gende Neuigkeit sig­nal­isieren, dass die katholis­che Kirche den Mief der mit­te­lal­ter­lichen, mafiös organ­isierten Insti­tu­tion able­gen möchte. Das ist zwar ver­ständlich, aber auch ver­ständliche uner­wün­schte Wer­bung bleibt uner­wün­schte Wer­bung.

Und dann aber ander­er­seits: Ja, der Papst twit­tert — die katholis­che Kirche ist endlich in der Neuzeit angekom­men! Vor­bei ist’s mit der Rück­ständigkeit, zum Beispiel der Hal­tung zur Homo­sex­u­al­ität, zu Sex­u­al­ität, zur evan­ge­lis­chen Kirche, zu Schei­dun­gen, zu Pädophilie, zu -

Schon gut, hab’ nichts gesagt.

Montagsmusik
Gotye — State of the Art

Der bel­gisch-aus­tralis­che Musik­er Gotye ist der gegen­wär­ti­gen Gen­er­a­tion wom­öglich vor allem für das Lied “Some­body That Used To Know” bekan­nt, das, zugegeben, einen nicht üblen Text besitzt (ich zitierte bere­its daraus). Zu diesem Lied gibt es ein ziem­lich lustiges Video, in dem sich Gotye von ein­er nack­ten Frau anschreien lässt, was mich amüsiert.

Weniger bekan­nt ist es, dass Gotye außer MTV-Pop auch wirk­lich bemerkenswerte Lieder im Reper­toire hat.

Ich schätze ja Lieder, die textlich den kul­turellen Ver­fall der Musikin­dus­trie doku­men­tieren, etwa “Four Chords That Made A Mil­lion” von Por­cu­pine Tree. Auch Gotye, iro­nis­cher­weise ja ein Nutznießer besagter Indus­trie, hat auf “Mak­ing Mir­rors” (dem Album mit dem Lied mit der nack­ten Frau im Video) ein solch­es Lied aufgenom­men. “State of the Art” nimmt die neuen Möglichkeit­en auf’s Korn, dass eben Com­put­er heutzu­tage qua­si jedes Instru­ment erset­zen und der Musik somit das Herzblut fehlt.

“State of the Art” by Gotye live in Glas­gow 2012-03-04 — O2 ABC

Now we can’t tell them apart,
but these amaz­ing sim­u­la­tions end up sound­ing even bet­ter than the real thing

Wahr, so wahr.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Holger Stahlhelm, äh, Stahlknecht, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 6 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Ein auf­schlussre­ich­es Gespräch mit Sach­sen-Anhalts Innen­min­is­ter Hol­ger Stahlknecht (CDU, was auch son­st?) hat Tilman Stef­fen “ZEIT ONLINE” kür­zlich geführt. Hol­ger Stahlknecht — wer ihn nicht ken­nt — ist der­jenige, der sich gern zusam­men mit anderen CDU-hard­lin­ern wie Uwe Schüne­mann und Hans-Peter Friedrich ablicht­en lässt, um auch mal in der Zeitung zu sein. Schon im Kinder­garten gab es ja immer Leute, die lieber mit den coolen kids — also den Row­dys — ihre Zeit ver­bracht­en.

Inter­es­sant fand ich die Ein­leitung des Gesprächs: Ein Scheit­ern des näch­sten NPD-Ver­bots würde den Rechtsstaat stärken, teilte Hol­ger Stahlknecht ihrzu­folge mit. Diese Aus­sage, für sich allein ste­hend, erschien mir so grandios grotesk, dass ich mich tat­säch­lich mit dem kom­plet­ten Inter­view befasste. Und es wurde nicht bess­er!

Er — Hol­ger Stahlknecht — fände ein NPD-Ver­bot an sich ziem­lich pri­ma. Ob er dafür die nöti­gen Beweise habe? Neien! Müsse er ja auch nicht:

Aus mein­er Sicht reicht die Erken­nt­nis, dass die Partei zur Umset­zung ihrer poli­tis­chen Ziele Gewalt zumin­d­est bil­li­gend in Kauf nimmt. Ob dies dann pro­gram­ma­tisch ver­ankert sein muss, sei dahingestellt.

Entschei­dend für die Beurteilung der Aggres­siv­ität ist, was in den Köpfen der Parteiführer vorge­ht. Für mich ist klar, dass die NPD physis­che und psy­chis­che Gewalt nutzt, um ihre poli­tis­chen Ziele umzuset­zen. (…)

Es sind uns Tele­fonge­spräche bekan­nt, in denen NPD-Mit­glieder Gewal­tak­te bei Demon­stra­tion gutheißen. Das belegt: Gewalt ist für die NPD ein pro­bates Mit­tel.

Zur Erin­nerung: Der Mann ist in der CDU. Das reicht nicht? Nun:

Und so weit­er und so fort. Wie beurteilen wir nun die Aggres­siv­ität der CDU? Hol­ger Stahlknechts Wort­wahl war offen­bar nicht die klüg­ste. Blöder­weise merkt er das nicht mal, wenn man nach­fragt:

ZEIT ONLINE: Muss aber nicht die ganze Partei und ihre Führung eine solche Hal­tung zeigen und nicht nur einzelne Mit­glieder oder Grup­pen?

Stahlknecht: Ich meine: Wenn es einzel­nen Parteigrup­pen nach­weis­bar ist, reicht das aus, die aggres­siv-kämpferische Grund­hal­tung zu bele­gen.

Schön, dass das endlich gek­lärt ist.

Weit­er im Text. Worauf Herr Stahlknecht genau spekuliert, war bis hier­hin offen. Erfreulicher­weise stellt er anschließend klar, dass ein Ver­bot der NPD eigentlich gar nicht so wichtig sei, eigentlich wäre es auch ganz gut, bliebe sie erlaubt:

Sollte das Ver­fas­sungs­gericht die NPD nicht ver­bi­eten, sähe ich das nicht als Nieder­lage. Auch das Scheit­ern eines NPD-Ver­bots wäre ein Sieg für den Rechtsstaat. Dann müssen wir uns inhaltlich mit der NPD auseinan­der­set­zen.

(Diese Rei­hen­folge lasse ich ein­fach mal so ste­hen; Her­vorhe­bung von mir.)

Das eigene Tun erscheint oft so viel phil­an­thropis­ch­er, wenn man es nur am richti­gen Gegenüber misst.
So ein Rechts-Staat braucht ander­er­seits immer eine geeignete Regierung, nicht wahr?

Nerdkrams
Android 4.2, Tasker und das Problem mit dem Flugmodus

Ich ver­wende seit einiger Zeit die ziem­lich gute app Tasker, um Auf­gaben zu pla­nen und damit etwa von kurz nach 1 bis 9 Uhr den Flug­modus zu aktivieren, um ein wenig Strom zu sparen. Das hat lange (von, wenn ich mich recht entsinne, Android 2.3 bis 4.1.x) ziem­lich gut funk­tion­iert.

Mit Android 4.2 führten die Entwick­ler eine neue Beschränkung ein und ver­bi­eten es Anwen­dun­gen wie Tasker und sein­er bekan­nten Konkur­renz-app Locale nun, direkt auf den Flug­modus zuzu­greifen. Eine entsprechende Änderung wurde in Tasker 1.3.3u2 einge­baut:

Android 4.2+: made Air­plane Mode, Air­plane Radios, Stay On, Wifi Sleep unavail­able (Google restric­tion)

Beste­hende Auf­gaben behält Tasker zwar bei, informiert den Benutzer jedoch darüber, dass Anweisun­gen wie “mach um 2 Uhr den Flug­modus an” for­t­an schlicht ignori­ert wür­den.

Das Pop­up, in dem diese Infor­ma­tion zu find­en ist, wird unmit­tel­bar von Tasker angezeigt und weist oben­drein auf die Lösung hin: Man möge doch bitte ein gerootetes Gerät ver­wen­den (das sollte heutzu­tage ja beina­he der Nor­mal­fall sein; Fra­gen hierzu nehme ich im Kom­men­tar­bere­ich ent­ge­gen) und sich das Secure-Set­tings-Plu­g­in herun­ter­laden.

Tasker besitzt bekan­ntlich ein umfan­gre­ich­es Plu­g­in-Sys­tem, in das sich beliebige Anwen­dun­gen ein­klinken kön­nen; so ist es zum Beispiel möglich, auch Anweisun­gen von anderen apps als Auf­gabe zu pla­nen. Eine solche app ist Secure Set­tings (die kosten­lose Ver­sion genügt hier vol­lkom­men), das Tasker und Locale laut Beschrei­bung um Funk­tio­nen wie “Blue­tooth an/aus”, “Schrift­größe ändern” und eben eine Fein­justierung des Flug­modus’ erweit­ert.

Das klang gut. Also habe ich besagte app instal­liert, in mein­er “Nachtmodus”-Aufgabe die Aktion “Plu­g­in — Secure Set­tings” hinzuge­fügt, drück­te dort auf “Bear­beit­en” und fand — nichts. Schrift­größe, Kam­er­aak­tio­nen, SIP-Anrufe, nur kein Flug­modus vorhan­den. Das frus­tri­erte mich so sehr, dass ich meine naturgegebene Faul­heit über­wand und nach ein­er Lösung für das Prob­lem suchte. Diese fand ich schließlich im XDA-Devel­op­ers-Forum. Der entschei­dende Satz lautet:

Launch Secure Set­tings, go over to the Helper tab and install the helper.

Hier war das Pop­up seit­ens Taskers ein wenig missver­ständlich — ich hat­te somit schlicht nicht daran gedacht, mich vor dem Anle­gen der Auf­gabe mit der app selb­st zu beschäfti­gen.

In Secure Set­tings selb­st also befind­et sich ein Tab namens “Helper”, wo es — root-Rechte voraus­ge­set­zt — genügt, den “Helper” zu instal­lieren:

Nun ist es möglich, in Tasker über Aktion — Plu­g­in — Secure Set­tings über die nun hinzugekomme­nen Ein­träge entwed­er den Flug­modus zu aktivieren/deaktivieren (“Air­plane Mode”) oder zu entschei­den, welche Verbindun­gen in den Flug­modus geset­zt wer­den sollen (“Air­plane Mode Radios”). Ich habe mich für erstere Lösung entsch­ieden:

Sollte noch jemand ein ähn­lich­es Prob­lem haben, kann es gut sein, dass Secure Set­tings es löst. Die Gründe für die neuer­lichen Restrik­tio­nen seit­ens der Android-Entwick­ler sind mir übri­gens unbekan­nt und regen mich ein biss­chen auf.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXX: Vom Schuh zerteilt?

Bei SPIEGEL ONLINE hat wieder jemand ein Gläschen zu viel — oder zu wenig — getrunk­en, bevor er sich ans Über­schriften­basteln geset­zt hat:

Uno-Schlappe entzweit Israelis

Wortk­laubereien betr­e­ffs des Wortes “entzweien” — es han­delt sich doch sich­er um mehr als zwei Per­so­n­en — ein­mal außer Acht gelassen, gibt diese Zeile noch immer Rät­sel auf:

  1. “Uno-Schlappe”: Han­delt es sich um einen ital­ienis­chen Hauss­chuh mit ein­er Eins darauf oder um eine Nieder­lage im gle­ich­nami­gen Karten­spiel? Die UNO ist sicher­lich nicht gemeint — die schreibt man bekan­ntlich groß.
  2. “entzweit Israelis”: Geht es hier­bei um das Zerteilen einzel­ner Israelis oder treibt die Uno-Schlappe eine größere Men­schen­gruppe aus dem Kreise der Ein­wohn­er Israels auseinan­der?

Wenn man etwas mehr Worte ver­wen­den möchte, was man als Schor­nal­ist beim Quatschblatt SPIEGEL ONLINE eigentlich kön­nen und wollen sollte, bleiben also zwei Alter­na­tiv­for­mulierun­gen:

Nieder­lage beim Karten­spiel zerteilt Israelis

Oder eben pas­siv:

Schlappe: Israelis wer­den mit­tels eines Hauss­chuhs zer­streut

Hier­bei sollte man beacht­en, dass der Schreibfehler “ver­streut” nahe läge, jedoch etwas ganz anderes bedeutet.

Gern geschehen.

(mit Genehmi­gung von, Dank an und via L.)