Wenn Neupiraten (ich äußerte mich an anderer Stelle bereits zu diesem Begriff) demonstrieren, tun sie dies natürlich mit orangefarbener Flagge, denn die Annexion politischer Demonstrationen, kommen sie nun von Arbeitskreisen, Anonymous oder anderen Parteien, scheint bei manchen Flaggenpiraten heutzutage Brauch zu sein; „oh, eine Demo, gleich mal Flagge schwenken“, und inzwischen scheint’s dann auch egal zu sein, von wem und/oder wofür und/oder wogegen da überhaupt demonstriert wird; in der Punkszene gibt es da den Begriff des „Modepunks“, und diese Populisten würde ich jetzt einfach mal unter „Modepiraten“ abheften. So viel zur Einleitung.
Und wie ich heute so durch Osnabrück latschte, begab es sich, dass ich konfrontiert wurde mit einigen Piraten, die von weitem an ihren Shirts und Flaggen zu erkennen waren, so dass die Umstehenden grinsten, „ah, eine Piratendemo“ konstatierten und ihrer Wege gingen. Dass Demonstrationen gegen INDECT keine „Piratendemos“ sind, sondern die Piratenpartei sich ihnen lediglich angeschlossen hat, kommt so natürlich nicht vollständig zur Geltung, und obwohl ich Pirat bin, halte ich das für reichlich befremdlich. Es wäre gegebenenfalls für unsere Außenwirkung förderlich, würden die Flaggenschwenker gelegentlich auf das Schwenken verzichten und sich einfach mit bloßer Teilnahme für die gelegentlich gute Sache einsetzen.
Aber das ist noch nicht der eigentliche Grund für meinen jetzigen Schrieb.
Ich schlenderte also, wie bereits erwähnt, durch Osnabrück und landete plötzlich inmitten der lokalen INDECT-Demonstration. Viele Menschen mit bösem Gesichtsausdruck und lustigen Schildern („1984 war keine Anleitung“, stimmt, es ist eine Jahreszahl) standen dort herum und lauschten andächtig dem in ein Megaphon sprechenden, nun, Sprecher. Diese Veranstaltung wurde begleitet von mehreren Personen, die zur Dokumentation des Geschehens Fotografien von selbigem anfertigten.
Dabei haben sie durchaus auch Passanten erfasst, zudem haben sie während meiner Anwesenheit dort nicht einmal die umstehenden Teilnehmer gefragt, ob ihnen eine Ablichtung recht sei.
Es wurde also von Privatleuten fahrlässig in ungezählten Fällen das Recht am eigenen Bild und auf Privatsphäre verletzt.
Auf einer Demonstration gegen ständige Überwachung und ungefragtes Filmen durch Privatleute.
Eigentlich ist das lustig.
Natürlich ist eine Demonstration in einer Innenstadt eine „öffentliche Veranstaltung“, insofern „müssen“ Leute, die unbedacht in Reichweite der Kameras gelangen, damit rechnen, auf diese Weise verewigt – was man eben so „ewig“ nennt – zu werden.
Nach der gleichen Logik ist aber auch gegen Überwachungskameras im öffentlichen Raum nichts einzuwenden. Ich als privatsphärenbewusster Pirat bin der Ansicht, es mache zwar quantitativ, keinesfalls aber qualitativ einen Unterschied, ob Dritte ungefragt fotografiert oder gefilmt werden.
Ich gehe davon aus, dass die angefertigten Fotografien von einem übereifrigen „Piraten“ früher oder später auch auf ausgerechnet Facebook veröffentlicht worden sein werden.
Ich mag solche Pointen. Sie sind so schön bitter.


Ich finde, dass der Zweck die Mittel heiligt. Da ist es auch in Ordnung das man auf facebook und twitter informationen zur Demo weitergibt. Ist ja alles freiwillig. Von den Indectkameras wirst du nicht gefragt, ob du beim Pupsen oder Sonnenbaden auf der Straße gefilmt werden willst. Viel Spaß beim Lachen, und mach es doch bitte besser, dann kommst du auch überzeugend ‚rüber.
Im Endeffekt ist es doch immer noch ein Unterschied ob man die Daten freiwillig weitergibt, oder nicht. Die meisten Leute waren damit einverstanden ‚dass man sie abgelichtet hat, soweit ich das gesehen habe. Und das Event auf facebook etc ist da um die Leute zu informieren, weil eben viele Leute bei fb sind und nicht in irgendwelchen Parteiforen etc. Wie gesagt der Zweck heiligt die Mittel. Die meisten Leute wurden wahrscheinlich auch nicht über die Piraten, sondern von Anonymous aufmerksam und nein Anon. ist keine Gruppe mit einem „Anführer“.
Ich wurde auch von den anwesenden Fotografen nicht gefragt, ob sie mich erfassen dürfen – ich hätte auch abgelehnt. Was also macht sie bessser als INDECT?
Oh, glaub mir, mir musst du das nicht erklären.
Anonymous versucht aber auch nicht, Demonstrationen wie die gegen INDECT zur Eigenwerbung zu missbrauchen. Da liegt der Unterschied.