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Medienkritik in Kürze: Das ist doch kein Weltuntergang.

Ich kann das Licht sehen.Ich schreibe es wirklich nur sehr ungern, aber die Welt ist noch da. Bedrückend, nicht? Keine Sorge, der diesmal wirklich echt dolle korrekte Untergang – und so – ist schon angekündigt.

Woher kommt eigentlich diese Faszination für esoterische Weissagungen von einem nahen Ende der Welt, sei’s nun anhand der alten Bibel, alter Prophezeiungen oder eines alten Kalenders? Sollte man nicht denken, in unseren aufgeklärten Zeiten wären Menschen gerade hierzulande bodenständiger und wüssten, dass der Weltuntergang aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein paar Millionen Jahre lang nicht eintreten wird, da die Sonne bisher noch ziemlich energiereich vor sich hinexplodiert und die anderen Sonnensysteme auch noch nicht danach aussehen, als würden sie in Kürze alles Leben auslöschen?

Nun: Sollte man. Aber wie könnte man?

Momentan liegt an Kiosken die Zeitschrift „Psychologie heute“ herum. Auf dem Titelbild ist eine Frau zu sehen, die einen Lichtball in den Händen hält und dumm in die Kamera guckt. Das ist noch nicht abschreckend genug? Auch der Rest des Titelbildes, nämlich die angekündigten Themen auf der Heftinnenseite, verdient Beachtung.

Aberglaube: Warum magisches Denken das Leben erleichtert

Man interessiere sich, nur nebenbei, für das Wort „Aberglaube“, das in keinem mir bekannten Kontext etwas anderes als Blödheit paraphrasiert. Magisches Denken, eine Erscheinungsform dieser Blödheit, hat zu allen erwähnenswerten Zeiten die Menschen fasziniert, denn es bewahrt sie vor der Erkenntnis ihrer eigenen Unwissenheit. Viele Dinge, für die er nicht genug Bildung besitzt, erklärte sich der Mensch schon seit Jahrtausenden mit einer höheren Macht – praktisch, wenn man einen Gott oder einen Naturgeist für Ereignisse verantwortlich machen kann, dann muss man nicht selbst etwas lernen und hat eine praktische Begründung für seine Blödheit parat. (Heute sind diese höheren Mächte meist Politiker oder das Fernsehen.) Worin unterscheiden sich eigentlich magisches Denken und der Glaube an eine höhere Macht? Der Unterschied zwischen dem Blödheits-Aberglauben sowie dem Glauben und/oder dem Streben nach Seelenfrieden scheint der Redaktion von „Psychologie heute“ unbekannt oder wurscht zu sein. Buddhisten, Esoteriker – is‘ doch alles derselbe Brei, nicht wahr?

Wenn man dann zu viele scharfe Chilischoten gegessen (oder einfach nur zu viel gesoffen) hat, bekommt man schon mal merkwürdige Eingebungen, und weil man nicht wahrhaben will, dass man sich schlecht ernährt, erzählt man dann seinen staunenden Mitidioten, man habe eine Vision gehabt. Aufgrund dieser Visionen sind schon viele Tode geschehen, und so sehr diese Tode Dritter das eigene Leben auch erleichtern können, so sehr lassen sie mich doch an der Sache mit dem homo sapiens, dem weisen Menschen, zweifeln.

Das dritte große Titelthema lautet übrigens:

Kranke Psyche: Nehmen seelische Probleme wirklich zu?

Zählt das mit dem magischen Denken eigentlich schon zu kranker Psyche?

„Psychologie heute“ kostet 6,50 Euro. Ich vermute, das ist ein impliziter Psychotest. Wie muss man eigentlich so ticken, um sich diese Zeitschrift zu kaufen?
Vielleicht muss man ja vorher eine Eingebung gehabt haben.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“
— Helmut Schmidt

Senfecke:

  1. Für 6.50 bekommt man ja auch schon fast ein halbes Jahr verminderte Mitgliedschaft bei eben diesen Piraten :mad:

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