Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: “heise Security” macht das mit dem subtilen Witz

Mich erre­ichte heute eine Rund­mail seit­ens des heise-Ver­lages, der mir als treuem Kun­den mit­tels ihrer ein Abon­nement ein­er Zeitschrift andrehen wollte, die ich bere­its abon­niert habe, und es zwar hin­bekom­men hat, hier­für meinen Namen und meine Mailadresse in den Mail­head­er zu schreiben, nur, haha­ha, nicht in den Mail­text selb­st:

Ähn­lich pro­fes­sionell arbeit­en auch die Jour­nal­is­ten, die für “heise Secu­ri­ty” Dinge ins Inter­net rein­tun. Zum Beispiel Ronald Eiken­berg. Heute mor­gen erschien näm­lich, veröf­fentlicht unter seinem Namen, diese Mel­dung:

Bei einem Test von heise Secu­ri­ty stellte sich her­aus, dass man What­sApp-Accounts erneut mit geringem Aufwand kapern kann.

Das ist zwar eine böse Sicher­heit­slücke, aber wer seine Kom­mu­nika­tion frei­willig über den Serv­er eines Drit­tan­bi­eters laufen lässt, der sollte schon wis­sen, was er tut. Und wie löst man das Prob­lem mit dem man­gel­nden Daten­schutz bei What­sApp? Ganz ein­fach, schreibt Ronald Eiken­berg:

Wenn man Revue passieren lässt, wie What­sApp bis­lang mit dem The­ma Sicher­heit umge­gan­gen ist, kann man eigentlich nur noch von der Nutzung des Dien­stes abrat­en. Alter­na­tiv­en mit ein­er ähn­lichen großen Nutzerge­meinde sind Skype oder Face­book.

Ich rate übri­gens von der Nutzung des Dien­stes “heise Secu­ri­ty” ab. Alter­na­tiv­en mit ein­er ähn­lich großen Nutzerge­meinde sind Nor­ton Inter­net Secu­ri­ty oder ein Aluhut.

Gehört der heise-Ver­lag eigentlich auch zu den Ver­la­gen, die ein Schutzrecht für ihre “Leis­tung” ver­lan­gen?

NetzfundstückeNerdkrams
PDF und ODT per Userscript und Google Docs direkt im Browser betrachten

(Vorbe­merkung: Aus Daten­schutz­grün­den ist es rat­sam, fol­gen­den Trick nur anzuwen­den, wenn man weiß, wie man eine unter Umstän­den uner­wün­schte “Pro­fil­ierung” durch Google ver­hin­dert.)

Ich bitte die etwas sper­rige Über­schrift zu entschuldigen, ich bin momen­tan etwas abge­lenkt. Ich stieß jedoch während mein­er Touren durch das Inter­net unlängst auf ein inter­es­santes User­script.

(Ein kurz­er Exkurs: User­scripts sind im Wesentlichen im Brows­er ablaufende Javascripts. Nutzer von Opera kön­nen diese von Haus aus nutzen, Fire­fox-Nutzer kön­nen Grease­mon­key ein­set­zen. Für Chrome/Chromium gibt es Tam­per­mon­key [Vor­sicht: Ver­weis führt auf den Google-Web­store], und auch für den Inter­net Explor­er habe ich schon Lösun­gen gese­hen, etwa IE7Pro. Zumin­d­est Grease­mon­key bindet instal­lierte User­scripts in das browsereigene Erweiterungssys­tem ein, so dass automa­tis­che Aktu­al­isierun­gen und Aktivieren/Deaktivieren kein Prob­lem darstellen. Para­noide Zeitgenossen wie ich kön­nen ein wenig beruhigt sein: Nor­maler­weise ver­hin­dert der Brows­er, dass ein User­script Unfug anstellt.)

Ein großes Ärg­er­nis beim Browsen sind manche Plu­g­ins, etwa solche zur Anzeige von Doku­menten wie PDF- und Open­Doc­u­ment-Dateien. Oft sind diese insta­bil und/oder langsam und trüben so die Freude am Lesen im Brows­er ein wenig. Alter­na­tiv kann man die Doku­mente meist auch herun­ter­laden und im jew­eils gewählten Betra­chter öff­nen, aber das wäre ein stören­der Zwis­chen­schritt, da man dafür das Browsen unter­brechen müsste.

Auf Userscripts.org — eine Web­site, auf der Besuch­er selb­st geschriebene User­scripts ein­senden kön­nen, auch von mir sind einige darunter — fand ich nun eine ziem­lich ele­gante Lösung in Form des Docs Online View­ers. Dieser blendet nach der Instal­la­tion (nor­maler­weise: ein­fach auf “Install” klick­en) neben Links zu unter­stützten Dateien ein zusät­zlich­es Sym­bol ein. Klickt man auf dieses Sym­bol, so wird die ver­link­te Datei in einem neuen Tab in Google Docs statt im Stan­dard-Anzeige­plu­g­in geöffnet, Adobe-Read­er- und ähn­liche Plu­g­ins kann man also get­rost entsor­gen:

Zu den unter­stützten For­mat­en zählen ODT, DOCX, PDF, ZIP, RAR und sog­ar das gute, alte WPD. Ich finde das pri­ma. Man sollte allerd­ings tun­lichst davon abse­hen, ver­trauliche und beru­fliche Doku­mente auf diesem Wege zu öff­nen. Ander­er­seits: Wer ver­trauliche und beru­fliche Doku­mente auf ein­er Web­site ver­linkt, hat es wahrschein­lich nicht bess­er ver­di­ent.

KaufbefehleMusikkritikPiratenpartei
Toc.Sin

Am Woch­enende fand ein Bun­desparteitag der Piraten­partei Deutsch­land statt, und wer unge­fähr wis­sen möchte, was dort zwis­chen den kon­struk­tiv­en Anträ­gen so passiert ist, der möge es den wie üblich ten­den­z­iösen Nachricht­en ent­nehmen.

Zwis­chen dem ersten und dem zweit­en Parteitagstag, näm­lich am Sonnabend­abend, wurde eine Ver­anstal­tung zur Präsen­ta­tion GEMA-freier Musik abge­hal­ten. Ich beschloss, statt ein­er Teil­nahme hier­an dem Aufruf eines weit­eren nieder­säch­sis­chen Pirat­en zu fol­gen und einem Konz­ert der nor­drhein-west­fälis­chen Musik­gruppe Toc.Sin in Essen beizu­wohnen; ein Entschluss, den ich im Fol­gen­den nicht bereut habe.

Die mir unbekan­nte schlechte Vor­band (irgend­was mit Punk) hätte nicht sein müssen, aber zum Glück ging die irgend­wann weg, und irgend­wann gegen 23 Uhr — vielle­icht etwas früher, vielle­icht etwas später — betrat ein Teil von Toc.Sin die Bühne. Es fol­gten zunächst nur inter­es­sante Gitar­ren­klänge, die eine Vor­bere­itung auf das sein soll­ten, was der Hör­er zu erwarten hat­te. Ich mag ja diesen leicht dreck­i­gen Postrock mit Verz­er­rung und mächtig Wumms. Den gab es.

Toc.Sin nen­nen sich selb­st ein von unter anderem Tool, Kyuss und Mog­wai inspiri­ertes “Post-Ambi­ent-Rock-Kollek­tiv”. Das ist ein biss­chen über­trieben, schließlich sind es nur vier Musik­er und eine zwar tal­en­tierte, aber völ­lig deplatzierte Tänz­erin. “Post-Ambi­ent-Rock” kann aber passen.

Ein wenig schade war, dass der ergraute Herr am Mis­ch­pult das mit dem aus­ge­wo­ge­nen Klang noch nicht ganz ver­standen hat: Die Vor­band war zu dröh­nend, der Gesang von Toc.Sins recht engagiert­er (allerd­ings nicht in jedem Lied zu hörende) Front­frau “Layn” (schade, dass über sie nur wenig in Erfahrung zu brin­gen ist) zu laut gemis­cht. Schlecht war es trotz­dem nicht. Der geneigte Musik­fre­und hört Isis, Tool und Ocean­size her­aus und freut sich, dass er das in diesem Jahr veröf­fentlichte Album vor­ab nicht gehört hat, denn live ist’s immer bess­er.

toc.sin — cry (live @ Kun­st Periph­erie Ruhrstadt 2012)

Dass vor der Bühne nicht ein­mal ein Dutzend Zuschauer stand, ist ein biss­chen schade. Toc.Sin haben sicher­lich mehr Aufmerk­samkeit ver­di­ent. Mögen sie sel­bige nun bekom­men!

Sonstiges
Ein weiterer Grund für das Aussterben der Printmedien am Beispiel der Zeitschrift c’t

Ach ja, das Zeitungsster­ben. Schlimm, dass die klas­sis­chen Medi­en mit den mod­er­nen Kom­mu­nika­tion­s­mit­teln nicht mehr mithal­ten kön­nen! Davon soll­ten aber doch zumin­d­est die Com­put­er­magazine prof­i­tieren, immer­hin gab es nie so viel zu schreiben wie heute, oder?

Ich habe das mal zusam­mengestellt:

Beziehungsweise eben:

Ich bitte auf die Zeitleiste zu acht­en; da mir frühere Aus­gaben nicht vol­lzäh­lig vor­liegen, kon­nte ich hier nur auszugsweise Zahlen wiedergeben. Die Eurow­erte bis Mitte 2001 (eigentlich 5,50 DM) wur­den umgerech­net. Auss­chläge wie bei Aus­gabe 24/2008 haben meist einen beson­deren Anlass (in besagtem Fall han­delte es sich um eine Jubiläum­saus­gabe). Entschei­dend ist die Ten­denz: Weniger Inhalt für mehr Geld.

Das Inter­net ist schuld!!1

In den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Die Piraten Freiburg im Kampf gegen objektive Erwägungen

Wohin es führt, wenn die Abwä­gung vorge­blich freier gegen pro­pri­etäre Soft­ware von Poli­tik­ern anstelle von EDV-Fach­leuten über­nom­men wird, ist dieser Tage am Beispiel der Freiburg­er Piraten­partei zu sehen. In Freiburg näm­lich wurde jüngst vom Gemein­der­at beschlossen, dass das einge­set­zte OpenOffice.org in der Stadtver­wal­tung wieder durch das zuvor instal­lierte Microsoft Office, allerd­ings in ein­er neuen Ver­sion, erset­zt wer­den soll.

Das war keine ein­stim­mige Entschei­dung:

Mit 25 zu 20 Stim­men beschlossen CDU, SPD, Freie Wäh­ler und zwei Mit­glieder der Grü­nen heute die Rück­kehr zu Microsoft.

Die voll­ständi­gen Begrün­dun­gen für die Abkehr sind mir nicht bekan­nt, die SPD hat sich aber eine recht orig­inelle aus­gedacht:

Die SPD begrün­dete zum Entset­zen anwe­sender Sachver­ständi­ger ihre Entschei­dung mit Beiträ­gen aus dem in IT-Kreisen als leg­endär unsach­lich bekan­nten Heise-Forum.

Das ist an sich noch nicht schlimm.

Schlimm finde ich hinge­gen das Bohei, das die Freiburg­er Pirat­en nun um diese For­malie machen. Direk­tkan­di­dat André Martens gibt hierzu dies zu Pro­tokoll:

Nun entste­ht der Ein­druck, die einge­set­zte Open Source Soft­ware (sic!) sei nicht gle­ich­w­er­tig, was defin­i­tiv falsch ist.

Das stimmt, denn im Gegen­satz zu Microsoft Office wird OpenOffice.org gegen­wär­tig kaum bis gar nicht mehr weit­er entwick­elt, da das Gros der Entwick­ler zum Libre­Of­fice-Pro­jekt abge­wan­dert ist. Lieber freie und schein­tote als pro­pri­etäre und aktiv gepflegte Soft­ware also soll in der Stadtver­wal­tung einge­set­zt wer­den. Ja, so sieht das aus mit dem Fortschritt.

Der­selbe André Martens hat­te auch vor ein­er Woche noch vor Microsoft Office gewarnt:

“Unab­hängig von der Kosten­seite ist das Set­zen auf offene Dateifor­mate auch ein Garant für die dauer­haft mögliche Archivierung von Doku­menten. Der Aus­tausch von Dat­en ist beim pro­pri­etären Microsoft-For­mat sog­ar zwis­chen ver­schiede­nen Ver­sio­nen der Microsoft Office-Pro­duk­te mit Prob­le­men behaftet. Eine wirk­liche Zukun­ftssicher­heit ist damit nicht gegeben”, so Martens weit­er.

…, während das Prob­lem, dass zum Beispiel Libre­Of­fice 3.6 gele­gentlich in kom­plex­eren Open­Doc­u­ment-Dateien, die mit Libre­Of­fice 3.5 gespe­ichert wur­den, das Lay­out zer­stört, natür­lich nicht gegen Zukun­ftssicher­heit spricht.

Die Archivierung von Doku­menten der öffentlichen Ver­wal­tung, die in Baden-Würt­tem­berg geset­zlich vorgeschrieben ist, wäre mit dem ISO-zer­ti­fizierten Open­Doc­u­ment-Stan­dard wesentlich sin­nvoller umzuset­zen als mit dem pro­pri­etären Microsoft-For­mat.

Das “pro­pri­etäre” Office-Open-XML-For­mat, das Microsoft Office seit “Ver­sion” 2007 stan­dard­mäßig nutzt, ist seit 2008 eben­falls ISO-zer­ti­fiziert. Aber warum sollte man sich mit solchen Fein­heit­en herum­schla­gen, wenn es um die gute Sache geht?

Putzig, diese Pirat­en Freiburg.

Netzfundstücke
Mit harter Arbeit zum Erfolg

Jet­zt arbeit­et ihr schon seit vie­len Jahren in eurem Unternehmen, aber der große Durch­bruch, die entschei­dende Beförderung blieb euch bis­lang ver­wehrt? Wom­öglich fehlte euch bis­lang ein­fach nur die zün­dende Idee.

Ich helfe doch gern: Mas­tur­ba­tion ist der Schlüs­sel zum Erfolg.

“Was … was machen Sie da?!”
“Ich mache Über­stun­den, Chef!”
“Oh — ich wollte nicht stören.”

Jet­zt weiß ich, was ich bish­er falsch gemacht habe.

PiratenparteiMontagsmusik
Haggard — The Final Victory

Heute begin­nt offiziell der Wahlkampf der Piraten­partei Nieder­sach­sen. Nun kann man von dieser Partei hal­ten, was man will — die Wahlkam­pagne ist ziem­lich amüsant und wom­öglich überzeu­gend, zumin­d­est aber eine willkommene Alter­na­tive zu dem Ein­heits­brei der etablierten Parteien.

So bringt sie ein wenig Farbe in den trüben Wahlkampf­spätherb­st; oder eben:

The final vic­to­ry has crushed the autumn silence
The final vic­to­ry has crushed the autumn silence

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt CXXIX: Der Krieg als effiziente Wahlkampfmethode

In Palästi­na fliegen die Raketen. Der West­en set­zt sich natür­lich für eine Deeskala­tion auf bei­den Seit­en ein, mit dem neu­tralen Stand­punkt hat er es aber nicht so:

Merkel und Oba­ma stärken Israel den Rück­en

Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefge­hen. Immer­hin ist das alles noch nicht Besorg­nis erre­gend, es ist ja noch kein Krieg, son­dern ein Kon­flikt:

Der Kon­flikt dro­ht sich zu einem Krieg auszuweit­en.

“Mami, Kon­flikt ich ein Eis?”

Aber obwohl der West­en sich hin­ter Israel (wie hin­ter einen Raketen­ab­wehrschirm) stellt, ist nicht er es, der vom Krieg bewaffneten Kon­flikt prof­i­tiert, son­dern es sind andere:

Vor den anste­hen­den Wahlen nutzt der Krieg dem israelis­chen Pre­mier Netan­jahu. Ver­let­zun­gen des Völk­er­rechts sind für ihn kein Hin­der­nis, son­dern ein Argu­ment für seine Wieder­wahl.

Das hat ja bei George W. Bush und Adolf Hitler auch bere­its her­vor­ra­gend funk­tion­iert.

Vielle­icht sollte die Piraten­partei auch einen bewaffneten Kon­flikt her­beiführen? Die anste­hen­den Wahlen wären schon so gut wie gewon­nen!

MusikIn den Nachrichten
“Und wenn dies Lied ihre Lippen verlässt…”: “Xavas” zwischen Gangstaattitüde und Muttersöhnchentum

Eige­nar­tige Forderun­gen wer­den da an das grauen­volle “Musiker”-Duo Kool Savas und Xavier Naidoo herange­tra­gen. Für diejeni­gen unter meinen Lesern, die es geschafft haben, ihr Leben lang bei­den Kün­stlern zu ent­fliehen, fasse ich bei­der Schaf­fen ein­mal kurz zusam­men:

Bei Kool Savas han­delt es sich um einen Rap­per, der sich selb­st als “König des Rap” beze­ich­net, veg­e­tarisch lebt, Pro­jek­te zur Jugend­förderung unter­stützt und auch son­st sein anscheinend Möglich­stes tut, um bei Töchtern aus gutem Hause gut anzukom­men. Xavier Naidoo ist sozusagen sein Soulpop-Gegen­stück, bekan­nt gewor­den mit gottes­fürchtigem Zeigefin­ger­schwin­gen und schreck­lichen Liedern wie “Nicht von dieser Welt”, “Wo willst du hin?” (mit der gram­matikalisch falschen Textstelle “… denn es macht jet­zt keinen Sinn …”) und “Dieser Weg”.

Irgen­dein übler Zwis­chen­fall hat bei­de Solis­ten dazu ver­an­lasst, ein gemein­sames Album namens “Ges­pal­tene Per­sön­lichkeit” aufzunehmen; ein Name, der wirk­lich total gut passt. Noch bess­er wäre allerd­ings “Nur mit der Gabel auf dem Teller zu kratzen ist schön­er” gewe­sen; nun, eventuell wird ja das zweite Album so heißen.

Dabei sorgte doch bere­its das Debüt für eini­gen Trubel. Zwei Monate nach Veröf­fentlichung — hat ver­mut­lich so lange gedauert, sich das Geld für das Album zusam­men­zu­bet­teln — stellte die Linksju­gend (“eine unbab­hängige [sic!] Jugen­dor­gan­i­sa­tion der Partei Die Linken” [sic!], meinrap.de, so unab­hängig dann eben doch nicht) wegen “Homo­pho­bie und Gewaltver­her­rlichung” Strafanzeige gegen die bei­den “Kün­stler”. Der Grund ist das let­zte Stück auf dem Album, in dem es unter anderem in bekan­nt kul­turell anspruchsvollem Duk­tus heißt:

Ich schnei­de euch jet­zt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich euch in’n Arsch, so wie ihr’s mit den Kleinen macht. (…) Warum lieb­st du keine Möse? Weil jed­er Men­sch doch aus ein­er ist.

Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Män­ner? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jet­zt?

Der Vor­wurf der Homo­pho­bie ist insofern schon mal von vorn­here­in entkräftigt, denn die Ankündi­gung, eine Per­son unge­nan­nten Geschlechts in’n Arsch zu fick­en, zeugt vom Gegen­teil. Daran ändert auch die rhetorische Frage “Warum lieb­st du keine Möse?” nichts, die allerd­ings an dieser Stelle deplatziert wirkt: Natür­lich lieben manche Kinder­schän­der auch Mösen, son­st wür­den sie sich ja lediglich an Knaben verge­hen.

Das mit der Gewaltver­her­rlichung hat die zuständi­ge Staat­san­waltschaft jet­zt auch mal ver­wor­fen:

Die Behörde sieht jedoch wed­er den Vor­wurf der Volksver­het­zung gerecht­fer­tigt, (sic!) noch einen Aufruf zur Gewalt. „Zure­ichende tat­säch­liche Anhalt­spunk­te für die Bege­hung von Straftat­en“ lägen nicht vor, hieß es am Don­ner­stag.

Naiv, sagt ihr? Nein, naiv ist, was der drol­lige Herr Naidoo zur Causa zu sagen hat:

Auch der Satz „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Män­ner, wo sind unsere Führer, wo sind sie jet­zt?“, ruft Kri­tik her­vor. Naidoo erk­lärte, der Ruf gelte natür­lich „unseren aktuellen Führern“, also den Ver­ant­wortlichen in Poli­tik, Medi­en und bei den Ermit­tlungs­be­hör­den. „Es ist mir unver­ständlich, wie man das falsch inter­pretieren kann.“

Ich bin davon überzeugt, dass die NPD sich das auch manch­mal fragt.

Aber zurück zum Anfang, näm­lich zu den eige­nar­ti­gen Forderun­gen: Klaus Jetz, der Geschäfts­führer des Les­ben- und Schwu­len­ver­bands in Deutsch­land, gab zu Pro­tokoll, die bei­den “Musik­er” müssten den Song zurück­nehmen. So wenig ich auch von schlechter “Musik” halte, so affig finde ich das prinzip­iell doch. Ein wie auch immer geart­etes Lied kann man eben­so wenig “zurück­nehmen” wie bere­its erfol­gte Tat­en oder getätigte Aus­sagen. Wer heute etwas zurück­n­immt, kann mor­gen genau so gut die Rück­nahme zurück­nehmen. Das wäre feige.

Viele Men­schen haben viel Dummes gesagt und getan, von religiös­er Ver­fol­gung bis zu Weltkriegen. Kön­nten sie es zurück­nehmen, wäre die Welt vielle­icht eine andere, aber wahrschein­lich keine bessere. Die Nach­haltigkeit des eige­nen Tuns würde ver­puffen. Und das wäre alles andere als wün­schenswert.

Sich von sich selb­st zu dis­tanzieren ist kein Zeichen von wahrer Größe, son­dern von, nun, ges­pal­tener Per­sön­lichkeit. Vielle­icht ist diese Forderung in diesem einen Fall doch nur die logis­che Kon­se­quenz.

Die Linksju­gend hat den Her­ren Savas und Naidoo übri­gens einen großen Gefall­en getan: Ohne ihre Anzeige hät­ten viele Leute das gemein­same Schaf­fen nicht ein­mal bemerkt. Das wäre wirk­lich schön gewe­sen.

Sonstiges
Blinder: “Farben sind böse!”

Susan Saran­don so: “Das Inter­net ist für Fam­i­lien ein Fluch!”

Genau; Eltern sollen ihre Sprösslinge lieber vor den Fernse­her set­zen, damit sie mehr Susan Saran­don guck­en kön­nen. Im Inter­net kommt doch nur Blödsinn!

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt CXXVIII: Von Institutionen und Piraten

Ah, endlich passiert mal wieder was in Deutsch­land. Ich hat­te schon ange­fan­gen, mich zu lang­weilen. Es gibt mächtig Zoff in der Medi­en­land­schaft.

Die Pirat­en zum Beispiel — ich selb­st tre­ffe auf Parteita­gen eigentlich über­wiegend fried­fer­tige, har­moniewil­lige Gestal­ten — lassen Johannes Pon­ad­er endlich mal in Ruhe und schießen sich stattdessen wieder ein­mal auf die Recht­en ein. Dass sie dabei die ein­sti­gen Ide­ale (Achtung, unge­wollt nautis­che Meta­pher fol­gt!) über Bord wer­fen wie einst die ehe­mals paz­i­fistis­chen Grü­nen, inter­essiert sie dabei nur wenig:

Befind­en sich die Pirat­en auf einen weg in die total­itäre Ecke?

Das ist nur ein­er der Gründe, wieso ich trotz (oder eben wegen) mein­er Mit­glied­schaft hoffe, dass die Piraten­partei bis auf Weit­eres keinen Einzug in den Bun­destag schaf­fen wird: Wenn schon intern die größten Schrei­hälse die Mei­n­ung­shoheit an sich reißen, ist es dann wirk­lich rat­sam, deren Bühne auch noch auf Bun­de­sebene auszuweit­en? Daran ändert auch eine FlauschCon nichts:

Unflauschiges Ende der #flauschcon: Boden und Wände ruiniert, Möbel gestohlen, explodierende Kosten, Rechtsstre­it

Pirat­en sind eben auch nur Men­schen.


Mit Wat­te­bäuschchen bew­er­fen sich der­weil auch Mit­glieder der deutschsprachi­gen Wikipedia und Autoren des lib­eralen Mag­a­zins “eigen­tüm­lich frei”:

Was für ein Pro­fil muss ein Wikipedia-Autor haben? Er erzeugt kein Wis­sen, er sam­melt es. Er durch­bricht keine For­men, er füllt sie. Er stellt keine Kat­e­gorien in Frage, er ord­net sie. Er for­muliert nicht präg­nant, son­dern er zitiert präg­nante For­mulierun­gen. Er steigt in der Benutzer­hier­ar­chie nicht durch Wag­nis und Tabubruch auf, son­dern durch Fleiß und Wohlver­hal­ten. (…) Ein Wesen aus der zweit­en Dimen­sion find­et das Gerede von der „Kugel“ auch äußerst dubios.

Den Spruch werde ich beizeit­en mal klauen.


Apro­pos “Men­schen, die die Welt um sich herum nicht ver­ste­hen”: Der “Stern” — so etwas wie eine Kreuzung aus BILD und SPIEGEL — macht ger­ade das mit dem Urhe­ber­rechts­getrolle und lässt die F.D.P. verk­la­gen, weil diese im Sinne der “Trans­parenz” (das Wort haben sie ver­mut­lich von den Pirat­en gel­ernt) einen Fra­genkat­a­log über zweifel­hafte Geschäfte von parteina­hen Fir­men, den man ihr seit­ens des “Sterns” zugeschickt hat­te, mit­samt den Antworten ins Inter­net gestellt hat.

Die Begrün­dung mit dem Urhe­ber­recht greift aber zu kurz:

Nehmen wir an, Herr Tillack hat durch Recherche her­aus­ge­fun­den, dass in meinem Keller eine Leiche sein soll. Wenn er mich, jour­nal­is­tisch kor­rekt, mit diesem Vor­wurf kon­fron­tiert, habe ich natür­lich die Möglichkeit, schnell noch in die Offen­sive zu gehen und selb­st der Öffentlichkeit in meinen eige­nen Worten mitzuteilen, dass da eine Leiche in meinem Keller ist, um der Enthül­lung die Wucht zu nehmen und als erstes die Deu­tung­shoheit zu haben.

Das mag für einen Jour­nal­is­ten ärg­er­lich und frus­tri­erend sein, aber das ist so.

Ob die Papierzeitungsin­dus­trie ihren Nieder­gang (jüng­stes Opfer des bösen, bösen Inter­nets ist die Frank­furter Rund­schau) aufhal­ten kann, wenn sie Aller­welts­floskeln als geistiges Eigen­tum zu ver­sil­bern ver­sucht, weiß ich nicht. Aber es ist mir auch egal — der “Stern” ist mir als Leser ein­fach zu boule­vardesk.


Vielle­icht würde einiges davon nicht geschehen, wenn die alten Insti­tu­tio­nen sich endlich der neuen gesellschaftlichen Real­ität anpassen wür­den. Stattdessen erwarten sie von der gesellschaftlichen Real­ität etwas Ent­ge­genkom­men. Das kann nicht funk­tion­ieren.

Der schnelle gesellschaftliche Wan­del hat eine Insti­tu­tio­nenkrise verur­sacht, die in der dig­i­tal­en Welt am deut­lich­sten zu beobacht­en ist.

Ich empfehle — völ­lig unab­hängig davon, dass er von Sascha Lobo geschrieben wurde — ver­link­ten Artikel in Gänze zu lesen.


Einen noch, da wir oben bei Urhe­ber­rechts­getrolle waren: Die Leute von Sam­sung holen sich dann mal die Prozesskosten von Apple zurück, indem sie die Prozes­soren — und somit einige Apple-Geräte — teur­er machen. Tja.

ProjekteMontagsmusik
Stolen Babies — Splatter

Ich witzelte: Twit­ter braucht einen “Anstupsen”-Knopf.
@c2h5oh1 reagierte prompt: Nein! N E I N!!!

Das betra­chtete ich als Her­aus­forderung.
Heißt also den Stups­bot her­zlich willkom­men in der Welt der nüt­zlichen Twit­ter-Acces­soires!


Von der­lei fröh­lichen Din­gen ein­mal abge­se­hen: Die Stolen Babies, von mir vor fünf Jahren bere­its gepriesen, haben endlich ihr zweites Album veröf­fentlicht.

Es ist ziem­lich mon­tagstauglich und klingt unge­fähr so:

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: “Quelle: Internet”

Zu den Ver­la­gen, die das Leis­tungss­chutzrecht (wer zitiert und damit Geld ver­di­enen möchte, muss zahlen) gut find­en, gehört auch der Braun­schweiger Zeitungsver­lag. Natür­lich: Eine der­maßen bedeu­tungslose und überdies meines Eracht­ens (ich berichtete hier mehrfach darüber) qual­i­ta­tiv miss­lun­gene Region­alzeitung muss ja irgend­wie ver­suchen, die paar küm­mer­lichen Leser, die sie noch hat, mit aller verbliebe­nen Kraft an sich zu binden. Dieses Inter­net macht alles kaputt, ein­self.

Die heutige Aus­gabe der Braun­schweiger Zeitung enthält kon­se­quent auch einen Artikel über shit­storms, also “Empörungswellen im Inter­net” (ebd., verk­lagt mich doch!), in dem es darum geht, dass immer mehr Promi­nente sich Häme von Inter­net­nutzern aus­ge­set­zt sehen, wenn sie wieder mal Unsinn anstellen. Als Beispiele wer­den Sascha Lobo, Eri­ka Stein­bach und ähn­liche Opfer ange­führt. Dabei hat man keine Kosten und Mühen gescheut, um diese shit­storms anhand tat­säch­lich erfol­gter Schmähun­gen zu bele­gen.

Selb­stver­ständlich haben die ver­ant­wortlichen Rechercheure sich dabei auf ihr gefordertes Leis­tungss­chutzrecht beson­nen und nicht ein­fach unge­fragt drau­flosz­i­tiert, son­dern sog­ar die Quelle benan­nt: “Foren, Face­book und Twit­ter”.

Ich nehme an, der Braun­schweiger Zeitungsver­lag hat “Foren, Face­book und Twit­ter” an dem Gewinn des Verkaufs der heuti­gen Aus­gabe angemessen beteiligt. Ein anderes Vorge­hen würde ja auch schäbiger­weise den Kreativ­en, den Urhe­bern schaden, nicht wahr?