Netzfundstücke
Das Auge des Betrachters

Dem­nächst begin­nen dann wieder die elend lan­gen Wochen, in denen viele Frauen und Mäd­chen die reich­haltige Wei­h­nacht­skost (Schoko­lade und Ente und Schoko­lade­nente) wieder runter bekom­men müssen, um ihr Ide­al­gewicht von höch­stens 50 Kilo­gramm zurück­zugewin­nen und endlich wieder auszuse­hen wie Hunger­tote in Äthiopi­en.

Zeit­en ändern sich.

Eta-Tragol-Bonbons

(via)

PolitikNetzfundstücke
Kurz verlinkt CXXXVI: Vierzig Fragen zu Europa

Ziem­lich großar­tig:

Hans Mag­nus Enzens­berg­er stellt vierzig hin­ter­hältige Fra­gen zu Europa.

Haben Sie den Ein­druck, dass unser Kon­ti­nent nach wie vor existiert, obwohl im Lauf der let­zten zweitausend Jahre das Tal­ent, der Denar, der Gulden, die Lira, das Lep­ton und die Reichs­mark unterge­gan­gen sind?

Falls noch wer nicht in der richti­gen Wei­h­nachtsstim­mung ist.

(via Nachtwächter)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXV: Mariolands Zukunft

Ach gucke, “Super-Mario” mag nicht mehr:

Mario Mon­ti, Ital­iens schei­den­der Regierungschef, will bei den Neuwahlen nicht kan­di­dieren.

(Hihi, “Schei­de”.)

Das heißt nicht, dass er über­haupt kein Inter­esse daran hätte, weit­er­hin das Land zu führen:

Er werde sich bei den Wahlen im Feb­ru­ar nicht selb­st zur Wahl stellen. Aber eine Absage an die Poli­tik sei das nicht. Denn wenn “einige poli­tis­che Parteien”, die hin­ter sein­er Anti-Krisen-Poli­tik ste­hen, ihn nach der Wahl bit­ten wür­den, sich erneut an die Spitze der Regierung zu stellen, werde er das Ange­bot prüfen.

Natür­lich — Ital­ien weiß, dass Ital­ien Mario Mon­ti braucht, und er würde sich unter Umstän­den gnädig erweisen, seinen Unter­ta­nen aber­mals ihren Wun­sch zu erfüllen, wenn sie sich nur tief genug bück­en. Das Selb­st­bild Berlus­co­nis hat er immer­hin schnell adap­tiert.

Beziehungsweise dies:

Die einzige Alter­na­tive wäre: Mon­ti bleibt dem poli­tis­chen Getüm­mel fern und lässt sich nach der Wahl von einem bre­it­en Bünd­nis aus Chris­ten, Lib­eralen und Recht­en ins Amt bit­ten.

Nö, eine weit­ere Alter­na­tive wäre: Mon­ti bleibt dem poli­tis­chen Getüm­mel fern und been­det sein diven­haftes Getue, um sich einem anständi­gen Beruf zu wid­men. Beruf­stätige kön­nte die ital­ienis­che Wirtschaft näm­lich momen­tan dem Vernehmen nach dur­chaus benöti­gen.

Hat ihm das schon jemand mit­geteilt?

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Das ist doch kein Weltuntergang.

Ich kann das Licht sehen.Ich schreibe es wirk­lich nur sehr ungern, aber die Welt ist noch da. Bedrück­end, nicht? Keine Sorge, der dies­mal wirk­lich echt dolle kor­rek­te Unter­gang — und so — ist schon angekündigt.

Woher kommt eigentlich diese Fasz­i­na­tion für eso­ter­ische Weis­sa­gun­gen von einem nahen Ende der Welt, sei’s nun anhand der alten Bibel, alter Prophezeiun­gen oder eines alten Kalen­ders? Sollte man nicht denken, in unseren aufgek­lärten Zeit­en wären Men­schen ger­ade hierzu­lande boden­ständi­ger und wüssten, dass der Wel­tun­ter­gang aller Wahrschein­lichkeit nach noch ein paar Mil­lio­nen Jahre lang nicht ein­treten wird, da die Sonne bish­er noch ziem­lich energiere­ich vor sich hin­ex­plodiert und die anderen Son­nen­sys­teme auch noch nicht danach ausse­hen, als wür­den sie in Kürze alles Leben aus­löschen?

Nun: Sollte man. Aber wie kön­nte man?

Momen­tan liegt an Kiosken die Zeitschrift “Psy­cholo­gie heute” herum. Auf dem Titel­bild ist eine Frau zu sehen, die einen Licht­ball in den Hän­den hält und dumm in die Kam­era guckt. Das ist noch nicht abschreck­end genug? Auch der Rest des Titel­bildes, näm­lich die angekündigten The­men auf der Heftin­nen­seite, ver­di­ent Beach­tung.

Aber­glaube: Warum magis­ches Denken das Leben erle­ichtert

Man inter­essiere sich, nur neben­bei, für das Wort “Aber­glaube”, das in keinem mir bekan­nten Kon­text etwas anderes als Blöd­heit para­phrasiert. Magis­ches Denken, eine Erschei­n­ungs­form dieser Blöd­heit, hat zu allen erwäh­nenswerten Zeit­en die Men­schen fasziniert, denn es bewahrt sie vor der Erken­nt­nis ihrer eige­nen Unwis­senheit. Viele Dinge, für die er nicht genug Bil­dung besitzt, erk­lärte sich der Men­sch schon seit Jahrtausenden mit ein­er höheren Macht — prak­tisch, wenn man einen Gott oder einen Naturgeist für Ereignisse ver­ant­wortlich machen kann, dann muss man nicht selb­st etwas ler­nen und hat eine prak­tis­che Begrün­dung für seine Blöd­heit parat. (Heute sind diese höheren Mächte meist Poli­tik­er oder das Fernse­hen.) Worin unter­schei­den sich eigentlich magis­ches Denken und der Glaube an eine höhere Macht? Der Unter­schied zwis­chen dem Blöd­heits-Aber­glauben sowie dem Glauben und/oder dem Streben nach See­len­frieden scheint der Redak­tion von “Psy­cholo­gie heute” unbekan­nt oder wurscht zu sein. Bud­dhis­ten, Eso­terik­er — is’ doch alles der­selbe Brei, nicht wahr?

Wenn man dann zu viele scharfe Chilischoten gegessen (oder ein­fach nur zu viel gesof­fen) hat, bekommt man schon mal merk­würdi­ge Einge­bun­gen, und weil man nicht wahrhaben will, dass man sich schlecht ernährt, erzählt man dann seinen staunen­den Mitid­ioten, man habe eine Vision gehabt. Auf­grund dieser Visio­nen sind schon viele Tode geschehen, und so sehr diese Tode Drit­ter das eigene Leben auch erle­ichtern kön­nen, so sehr lassen sie mich doch an der Sache mit dem homo sapi­ens, dem weisen Men­schen, zweifeln.

Das dritte große Titelthe­ma lautet übri­gens:

Kranke Psy­che: Nehmen seel­is­che Prob­leme wirk­lich zu?

Zählt das mit dem magis­chen Denken eigentlich schon zu kranker Psy­che?

“Psy­cholo­gie heute” kostet 6,50 Euro. Ich ver­mute, das ist ein impliziter Psy­chotest. Wie muss man eigentlich so tick­en, um sich diese Zeitschrift zu kaufen?
Vielle­icht muss man ja vorher eine Einge­bung gehabt haben.

“Wer Visio­nen hat, soll zum Arzt gehen.”
– Hel­mut Schmidt

Sonstiges
“Ist eh’ kein Unterricht mehr.”

Beden­kliche Begeben­heit:

Eine Gym­nasi­astin berichtete heute in meinem Bei­sein von ihrem Schul­t­ag: Der Lehrer sei reingekom­men und habe gefragt, was denn gemacht wer­den solle. Ein Schüler habe zum Glück sein Net­book “oder so” dabei gehabt, auf dem eine Vielzahl an Fil­men gespe­ichert gewe­sen sei, so dass sich die Klasse zwei Schul­stun­den lang “How I Met Your Moth­er” reinge­zo­gen habe.

In ein­er anderen heuti­gen Schul­stunde habe der Lehrer sowieso keine Sachen dabei gehabt, also habe man gemein­sam “Austin Pow­ers” gese­hen. In der let­zten Woche vor den Ferien sei eh’ kein Unter­richt mehr, es gebe ja keinen Stoff mehr, sie seien ja durch.

Viele Lehrer — Aus­nah­men sind mir bekan­nt — ver­suchen offen­sichtlich nicht ein­mal mehr, ihre Schüler für Dinge außer­halb des Pflichtcur­ricu­lums zu begeis­tern.

Und da wun­dert sich noch jemand über den man­gel­nden Bil­dungs­stand und fehlen­den Wis­sens­durst des Nach­wuch­ses?

(Keine Pointe.)

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2012 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 10 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Noch bis zum 31. Dezem­ber 2012 läuft auf Plattentests.de der “Jahre­spoll”, und ich kenne nur einen sehr, sehr kleinen Teil der dort aufge­führten “Kün­stler”. Ich hat­te 2012 nun mal bessere Musikalben zu hören als den immer­gle­ichen Indiepop-Mist.

Und da schon wieder Jahre­sende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt her­aus­ra­gen­der Gram­matik den zweit­en Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefal­l­end­sten Alben 2012 zu präsen­tieren. Keine Sorge, selb­stver­ständlich trägt jedes aufge­führte Album das übliche Güte­siegel: Ohne Phil Collins. ‘Musik 12/2012 — Favoriten und Analyse’ weit­er­lesen »

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXIV: Das nackte Grauen

Übere­in­stim­mend bericht­en heute SPIEGEL ONLINE und DIE WELT über einen Fah­n­dungser­folg:

Weil er über Jahre hin­weg die Com­put­er und E‑Mails von US-Promis aus­ge­späht und sen­si­ble Bilder ins Web gestellt hat, ist ein Hack­er in den USA zu zehn Jahren Haft verurteilt wor­den.

Was genau hat er eigentlich angestellt? Nun:

Dem Mann wur­den unter anderem ille­gales Abhören, Iden­titäts­dieb­stahl und der uner­laubte Zugang zu Com­put­ern zur Last gelegt.

Ja, das ist tat­säch­lich ziem­lich schlimm. Man stelle sich vor, eine deutsche Behörde würde so etwas tun! Ach, Moment… — wir schweifen ab. Was hat der Mann denn nun auf den frem­den Com­put­ern getan? Offen­bar vor allem Bilder kopiert:

Er hack­te ihre Kon­ten, griff auf pri­vate Fotos und Infor­ma­tio­nen zu und ver­bre­it­ete sie im Inter­net. So taucht­en Nack­t­fo­tos von Schaus­pielerin Scar­lett Johans­son im Netz auf. Die Schaus­pielerin hat­te die Bilder selb­st zu Hause vor einem Spiegel mit ein­er Handykam­era aufgenom­men.

Scar­lett Johans­son fand das merk­würdi­ger­weise weniger befriedi­gend als das Anfer­ti­gen der Bilder selb­st:

Schaus­pielerin Scar­lett Johans­son hat­te nach der Veröf­fentlichung der Bilder in einem Inter­view gesagt, sie füh­le sich jet­zt “ver­wund­bar­er als jemals zuvor”[.]

Warum solche Bilder über­haupt existieren, hat sie lei­der nicht bekan­nt gegeben. Warum fer­tigt Scar­lett Johans­son Nack­t­fo­tos von sich selb­st an, wenn nicht in der Absicht, sie jeman­dem zu zeigen? Sich nackt im Spiegel anzuse­hen kann ich bei ein­er Frau ja noch ver­ste­hen; “hihi­hi, Brüste”.
Über die Moti­va­tion, darüber hin­aus­ge­hen­des zu tun, kann ich nur spekulieren. Mein Urteil fiele voraus­sichtlich nicht pos­i­tiv aus.

(via L.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Piraten, Y U NO FIGHT?

Vor ein­er Woche erk­lärte ich, wieso ich die Piraten­partei nicht in den Bun­destag wählen werde. Ich möchte dem nun noch etwas hinzufü­gen.

Es ist nicht so, dass Pirat­en nicht für ihre Überzeu­gun­gen auf die Straße gehen wür­den. Wenn der AK Zen­sur oder eine ähn­liche Inter­essens­ge­mein­schaft Demon­stra­tio­nen gegen ACTA und/oder INDECT organ­isiert, wehen dort Piraten­flaggen. Wenn irgendwelche Aktions­bünd­nisse gegen Rechts demon­stri­eren, wehen dort Piraten­flaggen. Die Piraten­partei, eine Mit­mach­partei: Jemand organ­isiert etwas, die Pirat­en machen mit. Hin­ter­her hal­ten dann die Spitzenkan­di­dat­en und/oder Vor­standsmit­glieder ihre Gesichter in Kam­eras und freuen sich wie ein Schnitzel, dass sie so toll “wir auch!” schreien kön­nen. “Oh, eine Demo, gle­ich mal Flagge schwenken.”

Es ist eben nur so, dass sie aus eigen­em Antrieb her­aus nichts geback­en bekom­men.

Ich erwäh­nte in oben ange­sproch­en­em Beitrag, dass mich der Kampf für ein freies Inter­net vor drei Jahren zur Piraten­partei gebracht hat. Nun ist es mit dem freien Inter­net dieser Tage nicht weit her: Die inter­na­tionale Fer­n­melde­u­nion ITU würde gern Staat­en mehr Kon­trolle über das Inter­net gewähren, der Bun­desrat set­zt sich der­weil für eine stärkere Telekom­mu­nika­tion­süberwachung ein.

Nicht, dass die Piraten­partei das noch nicht selb­st gemerkt hätte. Bere­its vor vier Tagen wurde über den Twit­ter­ac­count der Piraten­partei ein Hin­weis darauf ver­bre­it­et, was für Scheiße die Poli­tik da eigentlich ausklün­gelt.

Und was tut die Piraten­partei dage­gen?

Sie schreibt erboste Pressemit­teilun­gen, dass sie die Vorgänge aufs Schärf­ste verurteilt, ein­self, wid­met sich dann weit­er den inner­parteilichen Per­son­alde­bat­ten und grün­det alberne Kaf­feekränzchen, bei­des begleit­et von großem Pres­se­tam­tam. Und wenn der doofe Bun­desrat die schöne Pressemit­teilung ein­fach über­li­est, dann schreibt sie eben noch eine. Das hat der Bun­desrat dann davon.

Blog­gerin “DanielaKayB” platzt zu Recht der Kra­gen:

Leute, mal ern­sthaft: wenn die damit durchkom­men, und wir nix dage­gen getan haben, dann war der ganze Pirat­en-Scheiss echt umson­st.

Dann haben wir ein­und­drölfzig Abge­ord­nete im Bun­destag und eine rauchende Ruine, wo früher unser dig­i­tales Zuhause war.

Sagt mir, Pirat­en: Warum sollte man uns wählen? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bil­dung ein­set­zen und weil wir irgend­was mit sozial im Pro­gramm haben?

Echt jet­zt?

Lasst es mich in ein­er Sprache aus­drück­en, die auch ihr ver­ste­ht, ihr Süße-Kätzchen-Blog­ger und Face­book-Teil­er:

Piraten, Y U NO FIGHT?

“Es ist Wahlkampf” geben die etwas Besonneneren von uns zu Recht über die Mail­inglis­ten bekan­nt. Sie ste­hen — so weit nicht zu bean­standen — bei (inzwis­chen) ziem­lich­er Kälte draußen herum und informieren Wäh­ler über die Partei, die sich irgend­wann mal für ein freies Inter­net einge­set­zt hat, jedoch der­weil durch bloßes Nicht­stun ihr Bestes gibt, ihre eige­nen Ziele zu ver­fehlen.

Leute, Wahlkampf ist schön und gut, aber was wollen wir mit Stim­men, wenn sie nicht mehr frei sprechen kön­nen?
Wir lassen so let­z­tendlich die im Stich, die auf unsere Unter­stützung ver­trauen sollen.

Der Wäh­ler will nicht mehr mit Worten geködert wer­den, er will mit Tat­en überzeugt wer­den. Für ein freies Inter­net kämpft man nicht mit scharf for­mulierten offe­nen Briefen und Pressemit­teilun­gen, da braucht es mehr.

Ich wäre dabei — wer macht mit?

Montagsmusik
The Babies — Baby

Wir haben großes Glück gehabt: Der Amok­läufer von Con­necti­cut (“wir brauchen Waf­fen!” geben Ein­wohn­er der betrof­fe­nen Stadt heute zu Pro­tokoll) hat doch kein Com­put­er­spiel gespielt, son­dern er litt eventuell am Asperg­er-Syn­drom. Das muss als Erk­lärung genü­gen. Warum darf so jemand wie Cinthia Briseño (c/o SPIEGEL ONLINE) eigentlich über­haupt noch frei rum­laufen?

Aber es ist Mon­tag früh, da wollen wir uns noch nicht aufre­gen, davon bekommt man nur Krähen­füße. Und damit kann man doch nicht mehr vernün­ftig laufen. Hören wir lieber Musik. Auf guteshoerenist­wichtig fand ich die Pop­gruppe The Babies. Schön, unauf­fäl­lig und har­monisch. Ide­al für einen Mon­tag­mor­gen.

The Babies — “Baby” (Offi­cial Music Video)

Guten Mor­gen.

MusikNetzfundstücke
Leider etwas spät: Geschenke für’s Schrottwichteln.

Warum man übri­gens mit Superla­tiv­en immer etwas vor­sichtig sein sollte, zeigt Amazon.de. In einem Rund­schreiben erfuhr ich soeben, dass “die beste Musik 2012” nun reduziert im Ange­bot sei. Gewagt, immer­hin wer­den in diesem Jahr noch einige Musikalben erscheinen, aber vielle­icht weiß Ama­zon da mehr als ich.

Nach einem Klick wird Amazon.de allerd­ings etwas klein­laut und gibt zu, dass “die beste Musik” nach eigen­er Angabe die ist, die sich auf Amazon.de am allerbestesten verkauft, nicht unbe­d­ingt die, von der man am wenig­sten das Kotzen bekommt:

Die beste Musik 2012

Falls ein Opti­mist unter meinen Lesern davon aus­ge­ht, dass die “ganze Liste” (unten im Bild ist ein Ver­weis hier­auf zu sehen) diesen Faux­pas wettmacht: Viel bess­er wird’s nicht. Im Gegen­teil: Mit ange­fügter Num­merierung offen­bart sich erst das ganze Grauen.

Xavier Naidoo

Irreführende Wer­bung mag’s nicht sein; beängsti­gend ist es jedoch alle­mal.
Offen­bar lohnt sich Radio­hören auch Ende 2012 noch nicht.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt CXXXIII: Ernsthafte Schritte

Der US-amerikanis­che Präsi­dent Barack Oba­ma hat heute etwas gel­ernt.

Es gab dort mal wieder einen Amok­lauf, dies­mal allerd­ings in ein­er Grund­schule, also mit Opfern, die niedlich­er guck­en kön­nen als Erwach­sene. Wenn in den USA Erwach­sene getötet wer­den, ist das halt doof, aber kein Grund für Staat­strauer. Dies­mal hat’s den Präsi­den­ten jedoch zum Weinen gebracht:

Der US-Präsi­dent Barack Oba­ma kämpfte mit den Trä­nen, als er nach dem Mas­sak­er an ein­er Grund­schule im Bun­desstaat Con­necti­cut vor die Presse trat. Die USA müssten nun ern­sthafte Schritte unternehmen.

Um was für Schritte es sich han­delt, hat er nicht gesagt. Vielle­icht möchte er Grund­schüler geset­zlich bewaffnen lassen, damit sie sich im Ern­st­fall selb­st wehren kön­nen? Das würde jeden­falls her­vor­ra­gend zu sein­er bish­eri­gen Frieden­spoli­tik (siehe zum Beispiel hier) passen.

Eins ist sich­er: Dies­mal wer­den es so richtig ern­sthafte Schritte, nicht so wie nach den let­zten größeren Amok­läufen!!1 Ein eingeschränk­ter Waf­fenbe­sitz vielle­icht? Nein, das wäre mit dem Sen­at nicht zu machen. Aber vielle­icht hat der Amok­läufer ja vorher ein Com­put­er­spiel…

Vielle­icht haben sie Glück.

(Und falls sich jemand fra­gen sollte, ob ich lieber einen Repub­likan­er im Amt sehen wollen würde: Nein, auch in den USA gibt es lib­erale Parteien. Informiert euch bitte.)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXXII: Artgerechte Speisung

Was macht eigentlich der Bun­destag ger­ade so? Nun, gegen Com­put­ersab­o­tage im Auf­trag des Staates, die schrit­tweise Aufwe­ichung der Bürg­er­rechte oder auch nur für den Ver­brauch­er­schutz tut er ger­ade nichts, ver­mut­lich ist’s zu kalt.

Nicht zu kalt ist es offen­bar zumin­d­est, den Tier­schutz zu reformieren:

Trotz der Proteste von Tier­schützern hat der Bun­destag am späten Abend ein neues Tier­schutzge­setz ver­ab­schiedet.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Dabei wurde unter anderem beschlossen, dass Betäubung bei Kas­tra­tion von Fer­keln erst ab 2019 notwendig sein wird. Warum Fer­kel über­haupt kas­tri­ert wer­den? Ganz ein­fach:

Deutsch­landweit wer­den jährlich rund 20 Mil­lio­nen Fer­kel kurz nach der Geburt kas­tri­ert, damit ihr Fleisch später nicht streng riecht oder unan­genehm schmeckt.

Ob das irgend­was mit der Beschnei­dung von Jun­gen in eini­gen Sek­ten zu tun hat, weiß ich lei­der nicht. Schmeck­en beschnit­tene Jun­gen auch bess­er?

Apro­pos: Die Tier­schutzge­set­zes­nov­el­le ver­bi­etet außer­dem Sodomie, also das Vögeln von Vögeln und das Fer­keln mit Fer­keln. Dies erfol­gt zumin­d­est aus einem nicht ganz bescheuerten Grund:

Sex­uelle Hand­lun­gen von Men­schen an Tieren sind geeignet, den Tieren regelmäßig zumin­d­est Lei­den im Sinne des Tier­schutzrechts zuzufü­gen, da hier­durch die Tiere zu einem artwidri­gen Ver­hal­ten gezwun­gen wer­den.

Art­gerecht­es Ver­hal­ten von Tieren: Sich nicht von einem Men­schen sex­uell pen­etri­eren lassen, son­dern jungfräulich und kas­tri­ert gegessen wer­den. Tote Tiere lei­den nicht.

“Das ist nicht art­gerecht. Das über­lebt er nicht.”
– Roger Cicero

KaufbefehleMusikkritik
Pixel — Reminder

Pixel - ReminderIrgendw­er — ver­mut­lich das Mag­a­zin eclipsed (Aus­gabe 10/2012) — ließ mich von “Reminder” Ken­nt­nis nehmen, dem Debü­tal­bum des nor­wegis­chen Jaz­zquar­tetts Pix­el, das ich inter­essierten Lesern ein­fach mal kurz empfehlen möchte.

Den Anfang macht mit “Pre­lude”, eben dem Präludi­um, ein Solostück der Kon­tra­bassistin und Sän­gerin Ellen Andrea Wang. Es ist ein biss­chen lang­weilig. Mit “Home” fol­gt ein etwas energiere­icheres Instru­men­tal­stück, das eben­solche “Esset” wird vor­angetrieben von Schlagzeug und Bass und von Sax­o­phon­ist Har­ald Lassen bemerkenswert und mitunter schräg ergänzt. Ich mag schräg.

Das energiere­ich­ste Stück auf “Reminder”, “Call Me”, lässt wieder ein­mal (wie lei­der noch zu sel­ten) Frau Wang ans Mikro­fon, allerd­ings ganz anders als im Präludi­um. Irgend­wie bess­er. Dass das dazu gehörende Musikvideo eher mau ist, tut dem Lied selb­st keinen Abbruch:

Pix­el — Call me (Music video, 2013)

Dass der Gesang hier stel­len­weise als zusät­zlich­es Instru­ment und nicht als einzeln ste­hen­des Ele­ment einge­set­zt wird, ist lobenswert.

Das fol­gende “She Knows” ist wiederum ein melodiös­es Instru­men­tal­stück, “Wake Up” (weitest­ge­hend dominiert von Schlagzeug, Bass und Gesang und dur­chaus auch für Postrock­fre­unde inter­es­sant) in sein­er Ruhe und Aus­geglichen­heit sozusagen das Gegen­stück zum hek­tis­chen, aufge­dreht­en “Call Me”.

Auf “Reminder” spie­len Pix­el ins­ge­samt eine hörenswerte Mis­chung aus Pop, Jazz und so manch anderem Stil; schw­er zu klas­si­fizieren ist das Darge­botene alle­mal, aber was inter­essiert uns Musik­fre­unde schon der Schubladen­quatsch? Ganz richtig schreibt auch Bruce Lind­say:

Pix­el bring a unique cre­ative mix to the scene: dif­fi­cult music to cat­e­go­rize, easy music to enjoy.

Der größte Makel des Albums: Bis auf “Hvor ble Den Avi” ist jedes der zehn Stücke kürz­er als fünf Minuten. Wenn Pix­el aber auf den näch­sten Alben ihren Stil beibehal­ten oder sog­ar weit­er ver­fein­ern, haben sie auf jeden Fall einen großar­ti­gen Erstling vorgelegt, und man sollte ihre Geschicke weit­er­hin aufmerk­sam im Auge behal­ten.