PersönlichesPolitikNetzfundstücke
Alles Käse, die Ästhese.

Dass das Schön­heit­sempfind­en der Gesellschaft sich in den let­zten Jahrzehn­ten nicht zum Besseren gewen­det hat, habe ich ja hier bere­its des Öfteren the­ma­tisiert. Zusam­men­fassend sei wieder­holt: Der momen­ta­nen modis­chen und ideellen Entwick­lung von Schön­heit­side­alen kann ich nichts abgewin­nen. Ich bin ein visueller Men­sch; andere mögen es ober­fläch­lich nen­nen.

Die men­schliche Spezies ist eine von jahrtausendeal­ten Instink­ten getriebene. Ein bre­ites Beck­en bei Frauen sig­nal­isiert die Fähigkeit, reich­halti­gen Nach­wuchs zu gebären, was erk­lären kön­nte, warum Frauen mit dick­en Hin­tern zu den meis­tum­wor­be­nen gehören. Andere Fak­toren? Der Geruch, die Bewe­gung, die Stimme, der Intellekt. Ein eventuell anschaulich­es Beispiel ist Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er. Ich habe niemals an Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er gerochen, sie nie gese­hen und nie gehört, mich nie mit ihr unter­hal­ten. Ich bin jedoch, wie bere­its erwäh­nt, ein visueller Men­sch, und da Frau Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er für jeden­falls mich optisch in kein­er Weise ansprechend ist, gehe ich fest davon aus, dass ich ihr, bäte sie mich um ein Ren­dezvous, einen Korb gäbe. Warum ger­ade Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er? Geduld, das erk­lärt sich möglicher­weise gle­ich von selb­st.

Denn nicht nur ich bin ein visueller Men­sch, die Vielzahl der Män­ner scheint es zu sein. Wie son­st kön­nen sich Dutzende Tit­ten­heftchen seit Jahren, gar Jahrzehn­ten auf dem hart — hehe, “hart” — umkämpften Markt hal­ten? Geruch, Bewe­gung, Stimme, Intellekt der abge­bilde­ten Per­so­n­en sind nicht von Belang. Irgend­wo muss man die Mess­lat­te — hehe — ja anset­zen.

Bei Men­schen, die sich selb­st zur Klien­tel besagter Heftchen zählen, ist beim Betra­cht­en der­sel­ben lediglich das Sehen von Belang, und das ändert sich auch nicht, wenn diese Heftchen irgend­was mit Poli­tik machen. Das Tit­ten­heftchen “Play­boy” etwa ließ jüngst ermit­teln, welche deutsche Poli­tik­erin auf die Umfrageteil­nehmer den größten visuellen Reiz ausübe. (Ohne die Orig­i­nal­be­fra­gung zu ken­nen, nehme ich an, dass die Fragestel­lung unge­fähr “Mit welch­er deutschen Poli­tik­erin wür­den Sie am lieb­sten mal in die Kiste hüpfen?” lautete.)

Nun kann mir nie­mand glaub­würdig erk­lären, inwiefern das die Wäh­ler­gun­st nicht bee­in­flussen soll. Poli­tikver­drossen­heit in Hochglanz­bildern bleibt Poli­tikver­drossen­heit. Meine per­sön­liche Favoritin stand ver­mut­lich nicht zur Wahl und kommt nur aus diesem Grund nicht ein­mal vor, die Ran­gliste ist entsprechend unaufre­gend.

Die Vorzeige-Piratin Mari­na Weis­band und Sahra Wagenknecht von der Linkspartei sind laut ein­er Umfrage die attrak­tivsten Poli­tik­erin­nen Deutsch­lands.

“Vorzeige-Piratin”, Schnickschnack; die Piraten­partei zeigt nie­man­den vor, auch dann nicht, wenn die Presse nach ein­er repräsen­ta­tiv­en Piraten­frau fragt. (Es scheint ja immer noch die Vorstel­lungskraft der Boulevard-“Journalisten” zu über­steigen, wenn sie auf Parteita­gen der Piraten­partei eine Frau ohne männliche Führung sehen.) Bemerkenswert ist hier das Wort “attrak­tiv”, denn Attrak­tion ist nicht nur ein auf’s Visuelle bezo­gene Begriff. Ob das die Teil­nehmer wussten?

Die übri­gen Resul­tate lassen mich daran zweifeln:

Nur drei Prozent der Befragten nan­nten Angela Merkel (CDU) als “sex­i­este Poltik­erin” (sic!), Schlus­slicht wurde die Bun­desvor­sitzende der Grü­nen, Clau­dia Roth, mit nur einem Prozent Zus­tim­mung.

“Sexy” näm­lich ist schon etwas ganz anderes als “attrak­tiv”. Auf die Grundbe­deu­tung reduziert heißt der zitierte Satz: Etwa 30 von ein­tausend Män­nern wür­den von allen deutschen Poli­tik­erin­nen am lieb­sten eine Nacht mit Angela Merkel ver­brin­gen, etwa 10 mit Clau­dia Roth. (Das sind — mal kurz die Hand aus der Hose und mitrech­nen — weniger als 30. Das möchte ich nur noch mal beto­nen.)

Zweifel­sohne hat Angela Merkel von bei­den Schlus­slichtern die angenehmere Stimme. Mir per­sön­lich würde das aber nicht reichen.

Ich bin ein visueller Men­sch. Ich finde Lind­say Lohan, Miley Cyrus, Scar­lett Johans­son und die anderen Schabrack­en geschminkt zu kün­stlich und ungeschminkt zu hässlich. Ich finde die sex­i­est woman alive — Mila Kunis — unge­fähr so anziehend wie einen Schup­pen­drachen­fisch. Trotz alle­dem stelle ich keine Ran­gliste der attrak­tivsten Poli­tik­er auf. Es ist mir vol­lkom­men gle­ichgültig, in welch­er Partei eine hüb­sche Frau ist, wie es mir eben auch egal ist, ob eine Poli­tik­erin, die viel Gutes und Wahres sagt, gut aussieht oder nicht. Ich werde niemals die CDU wählen, obwohl Kristi­na Schröder es auf Platz 3 geschafft hat.

Und ich möchte, das will ich hier­mit aus­drück­lich beto­nen, nicht mit Angela Merkel schlafen.