(Niveauvolle Überschriften sind zu einfach.)
Dass “soziale Netzwerke” nicht primär dem vorgeblichen Austausch im Freundes- oder Familienkreis dienen, sondern sich in den dortigen Kontaktlisten im Laufe der Zeit vor allem heimliche und weniger heimliche Flammen ansammeln, war nie ein allzu großes Geheimnis. Diejenigen, die post-privacy zur Lebensmaxime erkoren haben, können nun noch einfacher dazu stehen:
“Bang Your Friends” heißt die Anwendung, zu Deutsch “Bums deine Freunde”. Sie soll einschlägig Interessierte ohne große Umwege zu gewünschten Begegnungen verhelfen. Unter den eigenen Facebook-Kontakten kann der Nutzer die begehrten Freunde markieren. Sollte einer dieser Facebook-Freunde umgekehrt einen ähnlichen Wunsch äußern, werden beide via E‑Mail über das gegenseitige Interesse informiert.
Anders gesagt: Wenn im eigenen “Freundeskreis” jemand Bock auf Poppen hat und — jedenfalls zurzeit noch — dem anderen Geschlecht angehört und beide Teilnehmer ihr Begehren der app mitgeteilt haben, bekommen sie vollautomatisch und ohne störende vorherige Kontaktaufnahme untereinander ’ne Mail, dass sie den jeweils anderen doch mal ganz unverbindlich fragen sollten. Wenn’s halt die eigenen Eltern oder Kinder sind, ist das nur vorübergehend peinlich. Ich wüsste allerdings wirklich gern, wie diejenigen, die diese app nutzen, bisher Frauen kennen gelernt haben, wenn bereits eine höfliche, aber direkte Frage (“ey, ficken?”) die Teilnehmer überfordert.
Ach, apropos Eltern oder Kinder; der Unterhaltungswert wurde kürzlich per Aktualisierung beseitigt:
Nun soll dafür gesorgt sein, dass als Familienmitglieder markierte Facebook-Kontakte von der App-Auswahl ausgenommen sind.
Ich nehme ja sowieso an, dass die Zielgruppe der app überwiegend aus Leuten besteht, die mit dem Anbahnen von Sexkontakten im Familienkreis am wenigsten Probleme hätten. Unglaublich.
