In der Weihnachtszeit soll sich ein österreichischer Vater bei der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich gemeldet und eine Beschwerde vorgebracht haben. Seine Schwester habe seinem Sohn den Lego-Bausatz “Jabbas Palace” des dänischen Spieleherstellers Lego gekauft, “in guter Absicht”. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass die Lego-Verpackung “pädagogischen Sprengstoff” enthalte. (…) Die Kulturgemeinde ist den Bedenken des Vaters offenbar nachgegangen und erhebt nun ihrer Webseite zufolge gegen Lego den Vorwurf der Volksverhetzung. Begründung: “Jabbas Palace” gleiche einer Moschee, der Wachturm einem Minarett. Die Figuren seien Orientalen nachgebildet, mit Gewehren, Schwertern und Kanonen.
Ein hübsches Bild hat die Türkische Kulturgemeinde in Österreich da von den eigenen Mitgliedern, wenn sie Figuren mit Gewehren, Schwertern und Kanonen automatisch für die Ihren hält. Warum genau ein offenbar also dem Islam nahe stehender Vater seinem Kind ein Weihnachtsgeschenk macht, weiß ich leider nicht. Vielleicht mit der Absicht, die Kaufkraft des verhassten Westens zu schwächen.
Bei genauerer Betrachtung sei das fertig zusammengebaute Lego-Haus und der dazugehörige Turm tatsächlich “ein 1:1‑Abklatsch der Hagia Sophia in Istanbul oder der Moschee Jami al-Kabir in Beirut und eines Minaretts. Kurz, das Model ähnelt Sakralbauten, egal ob Kirche, Moschee, Synagoge oder Tempel.”
Zur Hagia Sophia hält die Wikipedia ein paar in diesem Kontext amüsante Anekdoten bereit, besonders erwähnenswert ist es vielleicht, dass es sich um eine ehemalige byzantinische (also christliche) Kirche handelt, die im 15. Jahrhundert von plündernden Türken quasi gewaltsam zur Moschee umgebaut wurde und heute ein Museum ist. Es ist wirklich eine pietätlose Unverschämtheit von Lego, dieses Gebäude zu entweihen.
(Dass das Vorbild, nämlich Jabbas Palast, gar nicht von Lego stammt, sei mal dahingestellt. Ein frommer Vater guckt eben keine bösen Kriegsfilme und kann so was nicht wissen. Allerdings stimmt zumindest der Vorwurf, dass Ähnlichkeiten zu Sakralbauten bestehen: Das haben Paläste eben so an sich.)
Und weiter:
Und weiter: Es sei offensichtlich, dass man sich für die Figur des “hässlichen Bösewichts Jabba” rassistischer Vorurteile und gemeiner Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten bedient habe.
“Offensichtlich” hat der Anklagende noch nie einen Asiaten gesehen. Oder einen Orientalen. Oder die alten Star-Wars-Filme. Das ist zwar nicht schlimm, immerhin sind die ziemlich langweilig, aber Lego deswegen Rassismus vorzuwerfen ist absurd. Ich werfe den Machern von “Avatar” ja auch keinen antischlumpfigen Rassismus vor, obwohl die Figuren auch blau sind. (Außerdem habe ich den Film nie gesehen.)
Die Kombination aus Tempelbau und Bunkeranlage, aus der geschossen werde, könne für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren sicher nicht geeignet sein, “vor allem in Hinblick auf ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen in Europa”.
Und daher:
“Wir fordern Eltern und Pädagogen auf, kein Kriegsspielzeug oder diskriminierendes Spielzeug zu kaufen oder zu schenken, geschweige denn es zu verwenden!”
Und um den Druck ein bisschen zu erhöhen, kündigt die Kulturgemeinde mögliche juristische Konsequenzen an. Sie behalte sich juristische Schritte vor und überlege, in Deutschland, in Österreich und in der Türkei Klage bei der jeweiligen Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung einzureichen.
Die Geschichte der Hagia Sophia sollte man spätestens jetzt noch mal nachlesen, um das mit dem friedlichen Zusammenleben im Kontext erfassen zu können. Aber auch, wenn man die Prämisse setzt, dass die heutige Türkische Gemeinde in Österreich sich von den damaligen Vorgängen distanziert: Irgendein verrückter Filmemacher erfindet Jabba the Hutt und seinen Palast. Jahrzehntelang passiert nichts. Ein Spielzeughersteller baut die Szenerie nach. Eine türkische Gemeinde findet diese Darstellungen rassistisch, nennt Lego einen Volksverhetzer und droht mit Klage.
So ganz normal sind die da alle nicht in Österreich, oder?
(Mit Dank an L. und B.!)
