In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXLI: Jabba the Turk?

Prust:

In der Wei­h­nacht­szeit soll sich ein öster­re­ichis­ch­er Vater bei der Türkischen Kul­turge­meinde in Öster­re­ich gemeldet und eine Beschw­erde vorge­bracht haben. Seine Schwest­er habe seinem Sohn den Lego-Bausatz “Jab­bas Palace” des dänis­chen Spiele­herstellers Lego gekauft, “in guter Absicht”. Es habe sich jedoch her­aus­gestellt, dass die Lego-Ver­pack­ung “päd­a­gogis­chen Sprengstoff” enthalte. (…) Die Kul­turge­meinde ist den Bedenken des Vaters offen­bar nachge­gan­gen und erhebt nun ihrer Web­seite zufolge gegen Lego den Vor­wurf der Volksver­het­zung. Begrün­dung: “Jab­bas Palace” gle­iche ein­er Moschee, der Wach­turm einem Minarett. Die Fig­uren seien Ori­en­tal­en nachge­bildet, mit Gewehren, Schw­ert­ern und Kanonen.

Ein hüb­sches Bild hat die Türkische Kul­turge­meinde in Öster­re­ich da von den eige­nen Mit­gliedern, wenn sie Fig­uren mit Gewehren, Schw­ert­ern und Kanonen automa­tisch für die Ihren hält. Warum genau ein offen­bar also dem Islam nahe ste­hen­der Vater seinem Kind ein Wei­h­nachtsgeschenk macht, weiß ich lei­der nicht. Vielle­icht mit der Absicht, die Kaufkraft des ver­has­sten West­ens zu schwächen.

Bei genauer­er Betra­ch­tung sei das fer­tig zusam­menge­baute Lego-Haus und der dazuge­hörige Turm tat­säch­lich “ein 1:1‑Abklatsch der Hagia Sophia in Istan­bul oder der Moschee Jami al-Kabir in Beirut und eines Minaretts. Kurz, das Mod­el ähnelt Sakral­baut­en, egal ob Kirche, Moschee, Syn­a­goge oder Tem­pel.”

Zur Hagia Sophia hält die Wikipedia ein paar in diesem Kon­text amüsante Anek­doten bere­it, beson­ders erwäh­nenswert ist es vielle­icht, dass es sich um eine ehe­ma­lige byzan­ti­nis­che (also christliche) Kirche han­delt, die im 15. Jahrhun­dert von plün­dern­den Türken qua­si gewalt­sam zur Moschee umge­baut wurde und heute ein Muse­um ist. Es ist wirk­lich eine pietät­lose Unver­schämtheit von Lego, dieses Gebäude zu entwei­hen.

(Dass das Vor­bild, näm­lich Jab­bas Palast, gar nicht von Lego stammt, sei mal dahingestellt. Ein from­mer Vater guckt eben keine bösen Kriegs­filme und kann so was nicht wis­sen. Allerd­ings stimmt zumin­d­est der Vor­wurf, dass Ähn­lichkeit­en zu Sakral­baut­en beste­hen: Das haben Paläste eben so an sich.)

Und weit­er:

Und weit­er: Es sei offen­sichtlich, dass man sich für die Fig­ur des “hässlichen Bösewichts Jab­ba” ras­sis­tis­ch­er Vorurteile und gemein­er Unter­stel­lun­gen gegenüber den Ori­en­tal­en und Asi­at­en als hin­terlistige und krim­inelle Per­sön­lichkeit­en bedi­ent habe.

“Offen­sichtlich” hat der Ankla­gende noch nie einen Asi­at­en gese­hen. Oder einen Ori­en­tal­en. Oder die alten Star-Wars-Filme. Das ist zwar nicht schlimm, immer­hin sind die ziem­lich lang­weilig, aber Lego deswe­gen Ras­sis­mus vorzuw­er­fen ist absurd. Ich werfe den Mach­ern von “Avatar” ja auch keinen anti­s­chlump­fi­gen Ras­sis­mus vor, obwohl die Fig­uren auch blau sind. (Außer­dem habe ich den Film nie gese­hen.)

Die Kom­bi­na­tion aus Tem­pel­bau und Bunker­an­lage, aus der geschossen werde, könne für Kinder zwis­chen 9 und 14 Jahren sich­er nicht geeignet sein, “vor allem in Hin­blick auf ein friedlich­es Zusam­men­leben ver­schieden­er Kul­turen in Europa”.

Und daher:

“Wir fordern Eltern und Päd­a­gogen auf, kein Kriegsspielzeug oder diskri­m­inieren­des Spielzeug zu kaufen oder zu schenken, geschweige denn es zu ver­wen­den!”

Und um den Druck ein biss­chen zu erhöhen, kündigt die Kul­turge­meinde mögliche juris­tis­che Kon­se­quen­zen an. Sie behalte sich juris­tis­che Schritte vor und über­lege, in Deutsch­land, in Öster­re­ich und in der Türkei Klage bei der jew­eili­gen Staat­san­waltschaft wegen Volksver­het­zung einzure­ichen.

Die Geschichte der Hagia Sophia sollte man spätestens jet­zt noch mal nach­le­sen, um das mit dem friedlichen Zusam­men­leben im Kon­text erfassen zu kön­nen. Aber auch, wenn man die Prämisse set­zt, dass die heutige Türkische Gemeinde in Öster­re­ich sich von den dama­li­gen Vorgän­gen dis­tanziert: Irgen­dein ver­rück­ter Filmemach­er erfind­et Jab­ba the Hutt und seinen Palast. Jahrzehn­te­lang passiert nichts. Ein Spielzeugher­steller baut die Szener­ie nach. Eine türkische Gemeinde find­et diese Darstel­lun­gen ras­sis­tisch, nen­nt Lego einen Volksver­het­zer und dro­ht mit Klage.

So ganz nor­mal sind die da alle nicht in Öster­re­ich, oder?

(Mit Dank an L. und B.!)