Das eher weniger erfolgreiche Abschneiden der Piratenpartei bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen lässt die Medien wieder süffisant fragen: Wie lange wird das Piratenschiff noch segeln, und warum ist Johannes Ponader noch im Amt?
Ich möchte den lächerlich verquasten Blogeinträgen der Für- und Widerredner nun nicht mehr allzu viel hinzufügen, und das, obwohl ich als einer derer, die ein Verharren unter fünf Prozent für den idealen Ansporn zur produktiven Arbeit halten, in die Defensive gedrängt werde. Kommt kurz her, Kinder, setzt euch um mich herum und hört mir zu. Ich möchte nur drei kurze Anmerkungen machen, danach lasse ich euch in Ruhe weiter mit Förmchen werfen, versprochen.
1. Personelles
Ihr Presseheinis, die ihr sabbernd und geifernd den ganzen Tag vor Twitter hockt und auf die neuesten ungeheuerlichen Verfehlungen des Bundesvorstands wartet, geht jetzt alle an die Tafel und schreibt hundertmal:
Der politische Geschäftsführer der Bundespartei, der sich im Wahlkampf in Niedersachsen viele Stunden lang den Hintern an Infoständen im ganzen Bundesland ab- und wieder drangefroren hat, ist nicht “schuld” daran, dass die Bürger Niedersachsens von den Piraten nicht ausreichend überzeugt waren.
2. Transparenz, Sexismus und was alles dazugehört
Piratenpartei: Etwa zwei Prozent. Ein uralter Tweet eines Mitglieds wurde bis kurz vor der Wahl von der Presse warm gehalten und rechtzeitig ausgepackt. Resultat: Buh, den sexistischen Haufen kann man doch nicht wählen!
F.D.P.: Etwa zehn Prozent. Spitzenkandidat äußert sich vor der Wahl sexistisch. Resultat: Ja, hm, schade.
Weil die Piratenpartei sich öffentlich und transparent gibt, gelangen solche Vorfälle natürlich meist sofort an die Öffentlichkeit. Aber nur, weil im Internet mehr Verfehlungen von Piraten als von traditionell eher offline agierenden CDU- oder SPD-Mitgliedern stehen, heißt das nicht, dass letztere sich besser benehmen können. (Dass “Sexismus”, wie auch immer man ihn definiert, eine zutiefst menschliche Eigenschaft ist, die nicht an Parteien, Geschlechter oder Generationen gebunden ist, führt an dieser Stelle wahrscheinlich zu weit.) Aber ich verstehe schon, ihr Presseheinis seid es ja gewohnt, beim Kasperletheater mitzuwirken — die Hände in den Hintern der Puppen verstören euch nur. Kein Wunder, dass euch die Piratenpartei überfordert.
3. Was die Piratenpartei lernen sollte
Was die Piratenpartei in Niedersachsen nun falsch gemacht hat, würdet ihr sicher gern wissen. Ich kann euch das ungefähr so gut und zuverlässig beantworten wie jeder andere Bürger, aber wenn ich einen Tipp abgeben muss: Kein zurechnungsfähiger Bürger — ich wiederhole mich — wählt ausgerechnet die Piratenpartei, die auf dem Papier mit Transparenz, Internetfreiheit und digitalen Bürgerrechten wirbt, nur wegen ihrer tollen Umwelt‑, Finanz‑, Sozial- oder Bildungspolitik. Lernt daraus und macht es nächstes Mal richtig.
So, und nun zurück in den Sandkasten mit euch.

