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Ende 1997: Die Vereinten Nationen einigen sich weitgehend auf das „Protokoll von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ („Kyoto-Protokoll“). Die SUV-Narren in den USA unterzeichnen nicht, ihnen genügt ihr 1963 beschlossener Clean Air Act.
14. März 2013: Es wird bekannt, dass verschiedene in der EU (einschließlich Deutschland) verkaufte Automobile sich bei Abgastests anders verhalten als unter reellen Bedingungen. Irgendwo fällt ein Sack nicht näher bestimmten Getreides um.
April 2015: Ferdinand Piëch, Enkel von Ferdinand Porsche und Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, scheitert beim Versuch, seinen einstigen Protégé Martin Winterkorn wegen zu geringer Gewinne in den USA aus dem Vorstand zu drängen, und räumt schließlich seinerseits seinen Posten.
18. September 2015: Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA gibt bekannt, dass verschiedene in den USA verkaufte Audi- und VW-Modelle sich bei Abgastests anders verhalten als unter reellen Bedingungen.
In den folgenden Tagen stürzt die Aktie der Volkswagen AG deutlich ab. Anleger und Käufer sind außer sich, dass VW so doof war und sich erwischen ließ, und fordern Schadensersatz für die durch weniger saubere Verbrennung gewonnene Benzinersparnis. Die betroffenen Modelle werden bis auf Weiteres nicht verkauft.
23. September 2015: Martin Winterkorn tritt zurück.
Was künftige Generationen daraus vielleicht lernen können: Das Bescheißen von Kunden und Staat ist ein Kavaliersdelikt, aber wenn das euren Aktienkurs in den USA beeinträchtigt, seid ihr raus. Der Markt regelt das schon.
Auf Twitter wird heute der „Bi Visibility Day“ zelebriert. Viele gerade junge Menschen fordern, dass die Gesellschaft noch deutlicher zur Kenntnis nimmt, dass sie Männer und Frauen vögeln. Schön, dass die Jugend sich noch für wirklich wichtige Dinge engagiert.
Was macht eigentlich Anne Helm?
Tja, so genau weiß ich das erfreulicherweise auch nicht, halbnackt für mehr Bombardements zu werben ist auch sooo 2014. Apropos 2014: Es ist jetzt ungefähr ein Jahr her, dass die mittlerweile durch den Landesvorstand in die Auflösung getriebene Piratenpartei Hildesheim in einem Sado-Maso-Club tagte und dadurch vielfache Diskussionen darüber auslöst, ob sexuelle Freizügigkeit Grenzen haben sollte. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf komme, eigentlich wollte ich doch diese Meldung (Vorsicht: ungezählte hoffentlich absichtlich lächerliche Versuche, das Wort „Wichsen“ zu vermeiden) kommentieren:
Wer derzeit auf [YouPorn, A.d.V.] surft, der sieht sich (…) plötzlich mit einer Dame konfrontiert, die ggf. dem Wunsch nach sexueller Erleichterung schnell ein Ende setzen könnte: Johanna Miki-Leitner, bisher eher bekannt als Österreichs Bundesinnenministerin denn als Dame, die bei YouPorn (in welcher Form auch immer) in Erscheinung tritt.
„Johanna will dir zuschauen“ heißt es dort auf einem Foto der Innenministerin. Doch der Klick auf die beworbene Seite zeigt nicht etwa intime Einsichten in das Leben der ÖVP-Politikerin oder eine Form der masochistischen Betätigung der YouPorn-Nutzer, die gleichzeitig Geld in Österreiches Kassen spült. Nein, man sieht nur eine Seite der Piratenpartei Österreichs, die hier auf das manchmal recht voyeuristisch anmutende Streben der Ministerin hinweist und die Bedeutung der Privatsphäre hervorhebt.
Natürlich geht diese Aktion völlig an der Lebensrealität der Österreicher vorbei; wer guckt schon auf YouPorn, noch dazu ohne einen Werbeblocker?
Wie nachhaltig sie ansonsten sein mag, wird Österreich vielleicht noch erleben. Grundsätzlich aber ist es löblich, dass schon bald im Kommentarbereich unter der Meldung die Frage aufkam, wieso das eigentlich die Piratenpartei Deutschland noch nicht adaptiert hat. Ich begrüße diesen Vorschlag: Nur wenig wird das einfache Volk so deutlich zum Nachdenken bringen wie das eingeblendete Gesicht von Thomas de Maizière auf einer Pornowebsite. Ich gehe sogar noch weiter und rege hiermit an, Werbeflächen mit diesem Motiv in allen großen Schundmedien (YouPorn, RedTube, xHamster, RTL-Nachmittagsprogramm, BILD, SPIEGEL ONLINE) zu platzieren. Wählen Sie diesen Mann ab und Sie können wieder ungestört masturbieren.
Blöd nur, dass diese Werbung dann keiner gesehen haben will.
Es ist so was von Montag, das glaubt ihr gar nicht. Dieser Tag kämpft mit harten Bandagen; noch härter als Matthias Beermann, der sich am Freitag in der „Rheinischen Post“ darüber beklagte, die „deutsche Seele“ sei zerfressen von einem „Argwohn gegen Amerika“, was durch den „völlig irrationalen Kreuzzug gegen TTIP“ (allesamt: ebd.) belegt werden könne. Ich schlage den „Orden wider den tierischen Ernst“ für Matthias Beermann, einen Troll sondergleichen, vor.
Freiheit hat ihren Preis. Auch ziemlich teuer war übrigens der „neue“ Berliner Flughafen. Aufgrund von Statikproblemen könnte es sein, dass er später fertig wird als, sagen wir, GNU/Hurd. Früher hätt’s das nicht gegeben, da hätte man das den Profis überlassen. Anderes übrigens auch: Saudi-Arabien ist bei den UN nun für Menschenrechte zuständig, Saddam Hussein war leider gerade unpässlich.
Kapituliert haben auch Andere, zum Beispiel die drei Herren von Portico, die 2013 ihr viertes Mitglied, das „Quartet“ im Bandnamen und ihre musikalische Ausrichtung verloren haben und 2015 mit „Living Fields“ ein schnarchlangweiliges Elektropopalbum auf den Markt schmissen. Ihre Vorgängerband indes hinterließ manches Juwel der zeitgenössischen Jazzmusik, zum Beispiel „Ruins“.
Welch treffender Titel für einen Montagmorgen, welch verrückte Benennung angehörs des Wohlklangs!
Guten Morgen.
Tausende Kubaner jubelten dem Papst auf den Straßen von Havanna zu. Gleich nach der Ankunft forderte Franziskus mehr Religionsfreiheit in dem kommunistischen Karibikstaat.
Papst Franz, Staatsoberhaupt eines Landes, dessen Staatsbürgerschaft nur an Katholiken vergeben wird, hat offensichtlich ein gespaltenes Bild von Religionsfreiheit. – Ach, um Religionsfreiheit geht es gar nicht, sondern darum, den Einfluss der Katholiken zu mehren?
Die Kirche wolle das kubanische Volk mit seinen Hoffnungen und seinen Sorgen begleiten, „in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen“, sagte der 78-Jährige.
Dann hab‘ ich nichts gesagt!
Hurra – die Bahn reagiert auf preiswertere Konkurrenz und wird in diesem Jahr ausnahmsweise günst nicht teurer! Also nur ein bisschen und nicht überall.
Der Fortschritt ist nicht mehr aufzuhalten: Es gibt jetzt tragbare Bananen.
Eevee erklärt (bedauerlicherweise auf Englisch), warum Unicode gescheitert ist. Bonus: Im Kommentarbereich steht, wie man sich eine Emoji-Domain registrieren kann.
Wie schön: Die Werbedienstleister betonen die Qualität!
Neues aus dem Land der Freiheit: Du darfst als 14-Jähriger in den USA natürlich schon kreativ und technisch begabt sein, aber wenn du dir eine Uhr baust und dummerweise Ahmed heißt, gibt’s Zellenarrest.
(Und irgendwann wacht man auf und ist zum ersten Mal im Leben älter als man sich fühlt. Was war denn das jetzt? Man ist doch kein bisschen reifer, weiser, besser als noch gestern geworden. Ist das das Leben oder war es das oder wird es das gewesen sein? Man war ja noch lange keine 30 und ist es bis zum letzten Tag auch nicht geworden. Wie alt ist eigentlich zu alt für wen, für was? Vor lauter Perspektiven sieht man sich selbst schon nicht mehr im Spiegel, was mit zusehends voranschreitender Alterung eine immer erfreulichere Aussicht ist. Die grauen Haare auf dem Kissen sind Zeuge genug des eigenen Versagens, des eigenen Verrats an sich selbst. Man sollte, man müsste, man hatte nur nicht. Kein Voran, kein Bestand. Die Evolution der Gesellschaft frisst zuerst die, die sie fürchten. Das Leben überholt immer zweimal, während man kurz rastet. Man hat längst verloren, zuletzt schließlich seinen Humor.)
… und jeder Sonnenstrahl trifft dich wie ’ne Kugel aus Stahl,
schießt Bilder in deinen Kopf, die dir vor Stunden egal,
und alte Wunden fangen wieder zu bluten an,
du starrst nur Löcher in die Luft, hundert Minuten lang …
(Die Fantastischen Vier: Hey!)
(Erschöpft ab.)
Soso, ZEIT ONLINE hat sich ein neues, hässliches Gesicht gegeben: Die Website ist jetzt „responsive“, das bedeutet, dass die grotesk überdimensionierte Werbung, die den eigentliche Seiteninhalt einrahmt und bei Einsatz eines Werbeblockers auf leidlich modernen Bildschirmen unfein aussehende Seitenränder hinterlässt, jetzt mit der Browsergröße wächst. Ich habe ein kleines Userscript (getestet unter Firefox mit Greasemonkey) geschrieben, das die schlimmsten Schmerzen wenigstens oberflächlich zu beseitigen versucht.
Noch ärgerlicher allerdings ist dieser Satz:
Das so genannte mobile Internet, so glauben wir, IST in Zukunft das Internet.
Dass „das Internet“ mit „dem Web“ identisch sein soll, lässt mich aufstoßen. Dafür, dass Usenet, Filesharing, E‑Mail, Gopher und „WWW“ in einen Topf geworfen werden, sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen! – Obwohl sicherlich verschiedene Vertreter der Industrie und Wirtschaft ins gleiche Horn stoßen: Mobile Geräte taugen, allen Klapptastaturen zum Trotz, allenfalls zum Konsum von so genanntem content, das Verfassen von Texten aber macht darauf noch immer nicht besonders viel Spaß. Dass es in Zukunft eine quasi strikte Teilung zwischen Lese- und Schreibweb geben wird, steht zwar zu befürchten, aber eine Gleichsetzung wäre übertrieben.
Dass die „ZEIT“ hier mit der Zeit geht, ist zwar kaum von der Hand zu weisen, aber bedrückend allemal.
Montag. Herrlich. Den „Tagesspiegel“ kann man ja auch nicht mehr lesen. Wenden wir uns also lieber ausländischen Medien zu, zum Beispiel solchen aus Österreich:
Wenn eine Weiterreise nach Deutschland nicht möglich ist, dann könnten in den kommenden Tagen zehntausende Flüchtlinge in Österreich stranden, mehr als je zuvor.
Das Wort „Stranden“ kennt man sonst nur in Verbindung mit einsamen Inseln; vielleicht hat die Zeitung „der Standard“ insofern also einen noch kritischeren Blick auf ihr Heimatland als es die Implikation, niemand sei verzweifelt genug, um ausgerechnet gezielt nach Österreich zu fliehen, bereits andeutet. Punk, Punk allerorten.
Überhaupt, die Revolution: Bei „Blendle“ kann man digitalisierte Zeitungs- und Zeitschriftenartikel nicht nur kaufen, sondern auch zurückgeben (Vorsicht: t3n.de), was wahrscheinlich aber nur geht, wenn man nicht versehentlich ein Eselsohr hineingemacht hat.
Was soll’s? Es ist, wie erwähnt, Montag. Zeit für etwas Ruhe und vielleicht ein kurzes Verreisen.
Zum Beispiel so:
Guten Morgen.
Soll ja keiner sagen, deutscher Punk sei tot:
Pisse hat Schnipo Schranke bekannt gemacht. In dem gleichnamigen Song der Band um Friederike Ernst und Daniela Reis, beide Mitte 20, singen sie Zeilen wie „Hab meine Fürze angezündet“ oder „Dein Handy mit den Arschbacken gehalten, nur um dich zu unterhalten“. Im Musikvideo sieht man einen Penis, auf YouTube ist es gesperrt. (…) Die klugen Texte kreisen vor allem um die Liebe, thematisieren auch mal Körbchengrößen, Spermageschmack, Schamhaare, Pariser, vollgekackte Hosen und eben auch: Pisse.
Andere Leute werden mit einem wichtigen Beitrag zur Gesellschaft oder wenigstens zur Kunst bekannt, hierzulande genügen schon ein blöder Bandname (mir ist allerdings unklar, wieso Zentralheizung of Death des Todes bislang keine nennenswerte Berühmtheit erlangt haben) und Pipikakawitze; man beachte spaßeshalber auch einmal, was Privatsender diesseits des Weißwurstäquators für Kabarett halten, und frage dann mal gleichfalls spaßeshalber nach dem Sinn des Lebens.
„Krautrock“ nennt die Journalistenpfeife Jurek Skrobala („SPIEGEL ONLINE“) diesen Unfug: „Kluge Texte“ – „na nananana nanana na na na“ („Pisse“) – werden zu Kirmesmusik, die bei Foyer des Arts wenigstens noch ironisch wirkte, mehr oder weniger inbrünstig („kaputte Chansons“, J. Skrobala) vorgetragen und bewegen so die Gemüter, weil sie schlüpfrige Wörter enthalten, als sei 1967 nichts passiert. Eine der beiden „Musikerinnen“ erzählt hierzu:
„Pisse“ fällt ja vor allem wegen der Wortwahl auf. Und das, obwohl Pisse noch nicht mal ein besonders schlimmes Wort ist. Jeder sagt das wahrscheinlich mindestens einmal am Tag.
Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, wann genau ich zuletzt mindestens einmal „Pisse“ gesagt habe, aber ich wohne auch nicht in Hamburg und bin auch sonst noch einigermaßen richtig im Kopf. Und dieser Name, dieser Name! SchniPo Schranke, Schnitzel mit Pommes, Ketchup und Mayonnaise, wer von beiden auch immer was davon genau verkörpern soll, und dann kriegt Jurek Skrobala nicht einmal das mit der Umgangssprache auf die Reihe:
Reis und Ernst gründeten eine Band, die sie nach einem Zitat von Kurt Krömer benannten, und zogen nach Hamburg, obwohl sie keine Ahnung von der Hamburger Schule hatten.
(Hervorhebungen von mir.)
Ich wohne übrigens ebenfalls ziemlich unbehelligt in Niedersachsen, ohne ein Pferd zu besitzen, aber ich schreibe auch nur Dinge ins Internet rein und mache keine langweilige Popscheißmusik. Schlimmer sind zumindest die Schweizer geplagt, die Schnipo Schranke im Juni bereits voraussagten, an ihnen in der zweiten Jahreshälfte nicht vorbei zu kommen. Schweizer Radiosender scheinen eine Qual zu sein.
Pisse. Loll. (Natürlich mit Doppel‑L, was dachtet ihr denn?)
Meine Lieblingsstatistik des Tages: Vor allem Menschen aus Ostdeutschland sind der Meinung, dass es wieder stärkere Grenzkontrollen innerhalb Europas geben sollte.
(mit Dank an R.)
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schlägt wieder zu:
Eine weiße Frau, die Klage eingereicht hatte, nachdem sie versehentlich mit dem Sperma eines Afroamerikaners befruchtet worden war, muss ihre Klage nun erneut stellen, nachdem ein Richter aus Illinois ihre Forderungen an die Samenbank abgelehnt hatte. (…) [Jennifer] Crambletts Anwalt erläuterte, dass der Fehler ihr und ihrer Familie Stress, Schmerz, Leid und medizinische Kosten verursacht habe; außerdem führte er aus, dass sie fürchten musste, dass ihre Tochter Payton, inzwischen drei Jahre alt, in ihrem, Frau Crambletts, vorrangig weißen Freundes- und Bekanntenkreis mit dem Gefühl aufwachsen würde, eine „Ausgestoßene“ zu sein.
(Übersetzung von mir.)
Nein, mein Kind, ich habe zwar vor Gericht versucht, dich als Schaden geltend zu machen, weil du schwarz bist, aber weißt du, meine Freunde sind alle so rassistisch.
Es ist Montag. Nach einer mir vorliegenden Mitteilung sind Sie verstorben, ganz allgemein ist das ja noch nichts Schlechtes, wenn das nicht gleichzeitig eben auch ein Drücken vor der Verantwortung wäre. Das Bett ist noch warm. Auch der weltbeste Sommer changiert einmal. Plüsch gefällig?
Einmal nicht den Pimmel zeigen. Was bewegt die Welt stattdessen? Laut „SPIEGEL ONLINE“ ist die Frage, ob Fernsehkrimis wirklich so passiert sind, mehrere Bildschirmseiten wert, obwohl die Antwort in einem Wort gegeben werden könnte.
Wahrscheinlich ist das alles egal und wahrscheinlich gehen die kids in der Schule ab heute wieder voll ab, weil Dr. Luke ein weiteres Gleichform-Liedchen hervorbringen musste. Um manche „Musiker“ ist es schade, weil sie noch nicht aufgehört haben.
Was soll’s, das Leben geht sozusagen weiter. Der Zweck ist unklar.
Mrgn.
Was für eine großartige Idee doch ein Musiklehrer aus Niedersachsen da hatte:
Ein Musiklehrer aus Niedersachsen will ein altes Lied der Band Die Ärzte zurück in die Charts bringen – als Reaktion auf den zunehmenden Hass gegen Flüchtlinge und die Anschläge auf Heime, wie zuletzt beispielsweise in Heidenau, Meißen oder Freital. Seit Sonntag existiert die Initiative „Aktion Arschloch“ mit eigener Webpage und Facebook- sowie Twitter-Präsenz.
Denn nichts, aber auch gar nichts auf der Welt könnte effizienter das zusehends ärger werdende Kulturproblem zwischen Einwanderern und Einheimischen bekämpfen als ein Poprockliedchen, dessen Kernaussage es ist, dass Rechtsradikale allesamt verweichlichte Memmen und, daher der Name der „Aktion“, „Arschlöcher“ seien. Brüllen gegen Rechts, Eierlaufen gegen das Böse.
Nun trägt es zu mehr Sachlichkeit keineswegs bei, dass diejenigen, die diese „Aktion Arschloch“ unterstützen, gleichzeitig ernsthaft darüber debattieren, unter welchen Umständen die mediale Zurschaustellung von aufgrund behördlicher Vernachlässigung verstorbenen Flüchtlingen einen wertvollen Beitrag zur Besserung der Situation darstelle, so dass man über althergebrachte Werte wie Menschenwürde, Privatsphäre und Wahrung der Totenruhe großzügig hinwegsehen könne. Irgendwo habe ich in diesem Zusammenhang erst heute gelesen, dass eine Fotografin nach eigenen Angaben beim Sichten der herumliegenden Leichen erst dann nennenswert erschüttert war, als sie sie als Kinder identifiziert hatte. Den Wert einer Leiche am Alter ihres Körpers zu messen ist vielleicht das, was irgendwer von geringer geistiger Leistung als Menschlichkeit und Mitgefühl versteht.
Professionelle Distanz endet an Wasserleichen; zahlreiche tote Flüchtlinge, die irgendwo ertrinken, sind eben nur eine Zahl, bis sie wehrlose Kinder sind und man einen werbefinanzierten Artikel mit ihnen bebildern kann. Als wäre der Bilderwahn nicht schon dadurch auf eine ausreichend irre Art belegt, dass bei der Berichterstattung über Gerichtsverfahren allzu häufig Fotos aus dem Gerichtssaal, die Angeklagte mit Aktenordnern anstelle ihres Gesichts zeigen, eine Rolle spielen. Seht her, liebe Leser, hinter diesem Aktenordner sitzt ein möglicher Täter und unser Fotograf hat keine Mühen gescheut, euch diesen Aktenordner in Farbe präsentieren zu können.
Mir fällt zu all dem auch nicht viel mehr als ein Lied einer Musikgruppe ein, die vielen Unterstützern der „Aktion Arschloch“ vermutlich auch nicht völlig unbekannt ist.
Sag‘ deine Meinung, übe Kritik,
doch behaupte nicht, dass du die Wahrheit kennst. (…)
Verschon‘ mich mit deiner beschiss’nen Moral;
sie ist nicht mal das Band wert, auf dem du sie besingst!
Aber vielleicht ist das zu reflektiert für die, die stets das Richtige tun.
Heißa, was ist das wieder für ein Rummel: Zuerst hat der US-amerikanische Technologiekonzern Google einen Herrn Sundar Pichai, der wohl seit Jahren darauf gewartet hat, zum Firmenchef gemacht, die Firma Google allerdings etwa zur gleichen Zeit einem noch größeren Konzern untergeordnet (wäre ich Herr Pichai, ich hätte ja den Eindruck, man wolle mich verarschen), der mit „Alphabet“ einen keineswegs tiefsinnigeren Namen trägt, sich dann ein grauenvolles neues Logo (das allerdings zumindest konsequent ist) zugelegt und den stets um unaufgeregte Sachlichkeit bemühten Journalisten dieser Welt dann keineswegs eine Atempause gelassen, denn auch die Seitenrangliste wird mal wieder überarbeitet:
Starting November 1, sites that show app install ads that hide “a significant amount of content on the transition from the search result page” will be penalized by losing their “mobile-friendly” status.
Websites, die also Besuchern auf dem Smartphone oder Tablet statt des gewünschten Inhalts erst mal einen ganzseitigen Werbebanner für die app zur Website einblenden, werden künftig schlechter bewertet und somit von Google-Nutzern nicht mehr so schnell gefunden.
Websites wie, ähm …
Montag. Nicht mal in aller Ruhe durchdrehen kann man hier, ohne dass die Welt das nachmacht. Googles Appsuche zeigt jetzt Apps. Hui! Schnell zurück zu den alten Werten. Das Internet ist die DDR von heute. Einen Eimer Sperma dazu?
Nerv‘ nicht mit deinem Mond. Ich weiß doch auch nicht.
Guten Morgen, glaube ich.