MusikPolitikIn den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Nachrichtenüberblick, 23. Mai 2015

Die Frieden­sof­fen­sive der Bun­desregierung geht weit­er: Auch das neue Leutetotsch­ießgerät der Bun­deswehr funk­tion­iert nicht.


Mozil­la sei wichtig für “unser offenes Netz”, heißt es. Wie offen? So offen:

Mozil­la möchte (…) beweisen, dass rel­e­vante Wer­bung auch dann möglich sei, wenn die Pri­vat­sphäre der Nutzer geachtet werde (…).

Unge­fragt als williger Empfänger von Pro­duk­t­in­for­ma­tio­nen, als Kunde statt als Nutzer ange­se­hen zu wer­den fühlt sich natür­lich gle­ich viel bess­er an, wenn nie­mand erfährt, dass man es wird.


Ander­er­seits sind entrech­t­ende Konz­erne ger­ade wieder ein­mal im Aufwind: Der augen­schein­lich Kun­den ver­ach­t­ende Scheißkonz­ern Sony (der mit den Inter­netsper­ren und den Tro­jan­ern auf an Kun­den aus­geliefer­ten Ton­trägern) hat­te mit dem Eigen­tum ablehnen­den Unternehmen Spo­ti­fy einen zumin­d­est von 2011 bis 2014 gülti­gen Ver­trag abgeschlossen, dem zufolge nicht nur — wie in Fire­fox — vielfach Wer­be­fläche ver­mi­etet wer­den sollte, son­dern auch Ein­nah­men abge­treten wer­den mussten:

Als eigentliche Tantiemen musste Spo­ti­fy min­destens 60 Prozent seines Brut­toum­satzes an die Label auss­chüt­ten. (…) Dabei wur­den 0,225 bis 0,25 Dol­lar-Cent je wer­be­fi­nanziertem Stream, plus drei Dol­lar pro Monat und nor­malem Abon­nen­ten, plus sechs Dol­lar und Monat je Pre­mi­um-Abon­nen­ten ver­an­schlagt. Diese Sätze gal­ten auch dann, wenn ein Abon­nent Spo­ti­fy in einem Monat über­haupt nicht genutzt hat­te.

Die niedrige anbi­eter­seit­ige Ent­loh­nung von Musik­ern, über deren Höhe seit Jahren geschimpft wird, ist also nicht ein­mal unbe­d­ingt primär die Schuld der­er, die sich in solche Knebelverträge fügen müssen, um ihr Ange­bot erweit­ern zu kön­nen. Nichts­destotrotz ist der tat­säch­liche Besitz von Musik auch aus diesem Grund eine gute Idee — es sieht nicht nur schön­er im Regal aus, man trägt zudem weniger zur Aus­beu­tung der Inter­pre­ten bei.


Deutsch­land fiebert mit: Heute Abend wer­den wir alle wieder ein­mal durch einen herz- und belan­glosen englis­chsprachi­gen Schlager im Aus­land vertreten. Freut ihr euch auch schon so sehr wie ich?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Das bisschen Überwachung.

Die Gew­erkschaft der Lok­führer, so liest man vielerorts, habe jeden Grund zu streiken, da die Deutsche Bahn AG ihre gigan­tis­chen Ein­nah­men für eigene Zwecke horte, statt sie unter ihren Mitar­beit­ern aufzuteilen. Nun ver­füge die Gew­erkschaft der Lok­führer allerd­ings selb­st über mehr Geld, als sich (…) die Reisenden wün­schen, das für die Streiks gehort­et werde (zumal’s sowieso um Schlim­meres geht), statt es unter den Mit­gliedern aufzuteilen, gab ihr Vor­sitzen­der zu Pro­tokoll. Vielle­icht ist dies ein guter Anlass, ein­mal die Pri­or­itäten der Gew­erkschaft zur Diskus­sion zu stellen.

Das muss aber noch ein wenig warten, denn eine andere Mel­dung erregte meine Aufmerk­samkeit: Abge­ord­nete fürcht­en: Amerikanis­che Geheim­di­en­ste greifen uns an, was mich ein­er­seits freut, denn zwei Jahre nach Snow­den und Jahrzehnte seit Aus­bruch des Kalten Krieges wäre es doch ein wenig beschä­mend, würde man sich im Bun­destag noch immer gegen die Vorstel­lung wehren, aus­ländis­che Geheim­di­en­ste wür­den in Deutsch­land Geheim­di­en­star­beit­en ver­richt­en (einen “Fehler” nen­nt man das seit­ens der deutschen Hand­langer lap­i­dar); ander­er­seits hät­ten die Abge­ord­neten dann aber schon gern die Vor­rats­daten­spe­icherung, also die anlass­lose Totalüberwachung der Kom­mu­nika­tion ihrer Bürg­er, denn Aushorchen ist hier immer noch Chef­sache. Der Staat ver­traut euch nicht und ihr dem Staat eben auch nicht; aber was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr scheuert? Die Rev­o­lu­tion der leisen Töne scheit­ert seit ’68. Ich werde zu eur­er Sicher­heit videoüberwacht, verkün­det ein Schild in ein­er Fast-Food-Fil­iale.

BND-Affäre drückt Ver­trauen in Merkel, es mögen die Bedrück­ten kün­ftig wieder SPD wählen, denn die hat ein biss­chen mehr Ver­trauen drin­gend nötig. Ander­er­seits: Die F.D.P. ist wieder da, die in der Zeit, als der umstrit­tene US-amerikanis­che Mil­itärstützpunkt “Dag­ger Com­plex” gebaut wurde, den Bun­de­spräsi­den­ten stellte und sich über sechzig Jahre später fragte, was die da eigentlich genau machen.

Hier, dieser Amerikan­er da, der irgend­was von Überwachung faselt: Lasst den mal nicht in Deutsch­land aus­sagen. Aber was ist mit unseren Com­put­ern los?

:facepalm:

Netzfundstücke
Auf den Punkt

Habt ihr mor­gen ab 19:30 Uhr schon etwas vor? Anson­sten hat das Mag­a­zin “Leben!” (“Fachzeitung für Gesund­heit Well­ness, (sic!) geistiges Heilen, Psy­cholo­gie, Prax­is-Infor­ma­tio­nen und Erfol­gstrain­ing”), das bere­its Koryphäen wie Gesa Rusche (“Ho’o­pono­pono”, das “Verge­bungsritu­al speziell für die Wirbel­säule”) und Anke Weimer (“Über­tra­gung der Er-Lösungs-energien aus dem Chris­tus­licht­feld”) eine Bühne bieten durfte, ein Ange­bot für euch, das ihr nicht auss­chla­gen kön­nt:

Access The BARS® Alles im Leben kommt zu mir mit Freude, Leichtigkeit uns Her­rlichkeit
san­fte Berührung von 32 Punk­ten am Kopf Block­aden lösen so ein­fach wie “LÖSCHEN” drück­en am PC

(Rechtschrei­bung und kreative Zeichenset­zung unverän­dert.)

Aus langjähriger Erfahrung mit PCs und Leuten, die einen solchen benutzen, kann ich bericht­en, dass das Drück­en von “Löschen” nicht nur schw­er ver­ständlich (“woher weiß der denn dann, dass er nicht den ganzen Com­put­er löschen soll?”), son­dern oben­drein manch­mal gar nicht so ein­fach durchzuführen ist. Meine Tas­tatur hat jeden­falls keine Taste namens “Löschen”.

Aber das ist nicht genug Metaebene, denn es geht um ein hehres Ziel:

Es gibt eine Möglichkeit, die Gedanken, Vorstel­lun­gen, Stand­punk­te, Sichtweisen und Emo­tio­nen, die uns davon abhal­ten, ein Leben in Freude, Leichtigkeit und Fülle zu leben, ganz ein­fach zu verän­dern. (…) Dabei hal­ten wir bei unseren Klien­ten im entspan­nten Liegen 32 Punk­te am Kopf, die bes­timmten Lebens­bere­ichen zuge­ord­net sind und lösen gespeiecherte Lim­i­tierun­gen aus allen Leben­szeit­en ein­fach auf.

Um näm­lich Fol­gen­des zu erre­ichen:

• mehr Freude und Frieden
• mehr Wohlbefind­en
• gesteigertes Wohlbefind­en

Freude! Frieden! Mehr Wohlbefind­en, und das auch noch gesteigert! Da kön­nte man ja fast die Dro­gen weglassen, bräuchte man sie nicht, um diesen Irrsinn noch irgend­wie ertra­gen zu kön­nen.

“Access The BARS®”. “Geht an die Bars”. Einge­tra­genes Waren­ze­ichen. Prosit.

If you were a Hin­du, I could aim for the dot.
Blood­hound Gang: Yum­my Down On This

MusikIn den Nachrichten
WiMP, TIDAL, Grooveshark: Das neue Überall?

Apro­pos Musik.

Let­zte Woche bemerk­te auch der ten­den­ziell eher langsame Nachrich­t­en­di­enst golem.de, dass die kalkulierte Entwer­tung von Musik durch ver­meintlich attrak­tive Ver­mi­etung an Leute, denen der Besitz von Musik einst einiges bedeutete, ein Geschäftsmod­ell ist, dessen Beliebigkeit es nach und nach zer­stören wird: “Spo­ti­fy schreibt tiefrote Zahlen, die ersten Dien­ste machen dicht” oder wer­den wie WiMP von skru­pel­losen Unternehmern aufgekauft und mit einem hässlichen Namen neu gelauncht (üblicher­weise launcht man im anglo­pho­nen Raum ja auch Raketen und ähn­liche Tötungs­dinge). Im Falle von WiMP — ein Dienst, um den es wirk­lich schade ist, immer­hin gibt es dort ein Ange­bot zum Strea­men im FLAC-For­mat — wurde nicht nur der Name hässlich.

TIDAL

“Avail­able on all sys­tems”, “ver­füg­bar auf allen Sys­te­men”, sei TIDAL, und während das für WiMP noch stimmte, ist das, was man bei TIDAL unter “allen Sys­te­men” ver­ste­ht, nur ein biss­chen deprim­ierend. Best viewed with Inter­net Explor­er 4. Vielle­icht ändert sich das ja noch. — Während­dessen trotzt der von mir bere­its mehrfach erwäh­nte Dienst Groove­shark stür­mis­chen Gezeit­en: Nach ein­er Zwangsräu­mung hat ein ange­blich ehe­ma­liger Mitar­beit­er zunächst unter altem Namen eine schreck­liche Kopie mit stark eingeschränk­ter Funk­tion­al­ität ins Netz gestellt; unklar bleibt, was fol­gt.

Auf golem.de wird abschließend ein Man­ag­er des längst durchkom­merzial­isierten Dien­stes Nap­ster zitiert:

Der Kunde möchte nicht vorgeschrieben bekom­men, wie und wo er seine Musik nutzen kann.

Und das, genau das ist der Grund, warum der Besitz von Musik Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukun­ft bleiben wird.

MontagsmusikIn den Nachrichten
John McLaughlin & The 4th Dimension (live)

Hi.GEHEIMDIENSTE SIND MÖRDER! GEHEIMDIENSTE SIND ÜBERFLÜSSIG! GEHEIMDIENSTE GEHÖREN ABGESCHAFFT! GEHEIMDIENSTE SIND SCHEI- was?

Der Bun­desnachrich­t­en­di­enst soll den Amerikan­ern einen entschei­den­den Hin­weis gegeben haben, der zur Ermor­dung Ergrei­fung von Osama Bin Laden führte.

GEIL! GEHEIMDIENSTE HELFEN BEIM MEUCHELN BÖSER MENSCHEN! MEHR GEHEIMDIENSTE JETZT!

:aufsmaul:

Krisen­jazz! Schnell!

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den NachrichtenMir wird geschlecht
[TW: GNTM]

Bis­lang war ich der Ansicht, die grauen­hafte Fernsehsendung “Germany’s Next Top­mod­el”, in der ent­ge­gen ihrem Namen aller­lei eher mit­telmäßig ausse­hende junge Frauen ohne Scham- oder Selb­st­wert­ge­fühl darum wet­teifern, sich für die max­i­male Dauer ein­er Staffel nach Kräften blamieren zu dür­fen, belei­di­ge lediglich die Intel­li­genz der Zuschauer, Ver­wandten und Teil­nehmerin­nen. Offen­sichtlich ist mir da ein wichtiger Aspekt ent­gan­gen, wie mir die Fol­gen der gestri­gen Bomben­dro­hung — als wäre die nicht schon bescheuert genug — aufgezeigt haben:

Die Jury — samt Thomas Hayo und Wolf­gang Joop — soll an einem geheimen Ort unterge­bracht wor­den sein. (…) Zunächst sei auch ihnen von ein­er “tech­nis­chen Störung” berichtet wor­den, erst etwa 20 Minuten nach dem Abbruch sei mit der Evakuierung der Halle begonnen wor­den, sagt der Insid­er unter Beru­fung auf einen Pub­likums­gast. (…) “Wenn die 10.000 Men­schen ver­reck­en, ist es nicht so schlimm, wie wenn die Promis (sic! A.d.V.) ver­reck­en”, sagte dem­nach eine 23-Jährige aus Lud­wigshafen.

Zumin­d­est kann man den Mach­ern der Sendung nicht vor­w­er­fen, ihren Zuschauern vorzus­pie­len, sie seien ihnen wichtig und kein aus­tauschbares Ele­ment im Konzept, weil’s ja eben schon egal ist, wie die Kinder heißen, die ihr Taschen­geld für den Unsinn ver­plem­pern.

Apro­pos ver­plem­pern: Hat Hans-Peter Uhl eigentlich schon die Vor­rats­daten­spe­icherung gefordert?


Trig­ger­war­nung des Tages: Lateinis­che Klas­sik­er.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik: Daten zählen mit der ZEIT

Kai Bier­mann stellte auf ZEIT ONLINE gestern im Zusam­men­hang mit den immer sump­figeren Untiefen der Spi­onage durch unsere amerikanis­chen Fre­unde (c/o SPD, schon mehrfach dabei, bitte nicht wieder wählen) die richtige Frage:

Aber wie viele Dat­en liefert der BND als Ergeb­nis an die Amerikan­er?

“Wie viele?” ist bekan­ntlich eine Frage nach der Stück­zahl. Ein guter Jour­nal­ist würde vielle­icht nun in Erfahrung brin­gen wollen, was für Dat­en aus­ge­tauscht wur­den und um welch­es Größen­ver­hält­nis es geht; aber die Anzahl — rel­e­vant! — ist ja auch mal schön. Also, Kai Bier­mann, wie viele waren’s denn?

ZEIT ONLINE hat­te bere­its im Feb­ru­ar aufgedeckt, dass der BND in aller Welt unge­fähr 220 Mil­lio­nen Meta­dat­en pro Tag abhört und spe­ichert. (…) Laut (…) neuen Akten wer­den “bis zu 1,3 Mil­liar­den Dat­en pro Monat” weit­ergeschickt.

Die Zahl sieht jet­zt zwar schön konkret und recher­chiert aus, aber sie enthält keine tat­säch­liche Infor­ma­tion. Wie viele “Dat­en” enthält meine IP-Adresse, wie viele “Dat­en” bilden die über mich gespe­icherten Infor­ma­tio­nen ab? Sind “Dat­en” Daten­sätze, Wörter oder Zeichen? Wie viele Gelds kostet die Über­tra­gung ein­er Date den Staat pro Stück? Was Kai Bier­mann ver­mut­lich aus­drück­en wollte: Es sind bere­its ver­gle­ich­sweise viele Byte zwis­chen BND und NSA aus­ge­tauscht wor­den. Lei­der schreibt er nicht auf, worauf sich dieser Ver­gle­ich bezieht, wohl aber zumin­d­est einen vagen Anhalt­spunkt:

Außer­dem erstellt der BND aus abge­saugten Dat­en und Inhal­ten “Mel­dun­gen” genan­nte Berichte, die er an ver­schiedene Stellen schickt. (…) Das wären ins­ge­samt 1.317 Mel­dun­gen, die eben­falls auf Selek­toren basierten und 2012 an aus­ländis­che Geheim­di­en­ste oder an die Afghanistan-Truppe Isaf gesandt wur­den. Für 2013 ist die Zahl ähn­lich hoch.

“Mel­dun­gen” beste­hen also aus diesen vie­len “Dat­en” und eben­falls unklar definierten “Inhal­ten”. Angenom­men, die 220 Mil­lio­nen “Dat­en” wür­den zu einem großen Teil zu “Mel­dun­gen” ver­ar­beit­et, so ist die Zahl 1.317 über­raschend klein. Entwed­er sind “Mel­dun­gen” sehr groß oder “Dat­en” tat­säch­lich sehr klein. Der Leser erfährt hier also dreier­lei:

  1. Der deutsche Geheim­di­enst BND leis­tet Geheim­di­en­star­beit.
  2. Es wer­den Dinge in großer Stück­zahl versendet.
  3. Der Ver­sand erfol­gt in Paketen namens “Mel­dung”.

Wie es heißt, gehörte es ein­mal zum Selb­stver­ständ­nis eines Jour­nal­is­ten, nicht vorhan­dene Infor­ma­tio­nen auch nicht aufzuschreiben. Aber was beklag’ ich mich — es hätte immer­hin auch in Fußballfeldern angegeben wer­den kön­nen.


Was machen diejeni­gen Pirat­en, die aus linken Grün­den die Partei ver­lassen haben, inzwis­chen eigentlich so? Nun, einige von ihnen (etwa der hier) engagieren sich laut ihren Twit­ter­pro­filen nun in Vere­inen wie der “Emanzi­pa­torischen Linken”. Das sind die hier:

Honig im Kopf

Damit dürfte auch erk­lärt sein, wieso eine als Nerd­partei gegrün­dete Gemein­schaft eigentlich plöt­zlich ein “bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men” gefordert hat. Sein Geld mit Arbeit zu ver­di­enen ist offen­sichtlich une­manzi­pa­torisch. :aufsmaul:

Mir wird geschlecht
myself (Symbolcover)

Cover myself 05.15

Echte Frauen haben sexy Kur­ven! (Und sind fett. Bäh! Wir erk­lären Ihnen, wie Sie das ändern kön­nen.)

In den NachrichtenMontagsmusik
Ciccada (live)

SonnenkauzErnüchternd: Ein Mon­tag. Die Rufe der Käuzchen heißen nicht grund­los Schreie. Apro­pos: Die “Schleswiger Nachricht­en” (wollen dank LSR nicht mehr ver­linkt wer­den) berichteten am Sonnabend, die GEMA habe die Schließung eines Seniorens­ingkreis­es, in dessen Rah­men Klas­sik­er wie “Hoch auf dem gel­ben Wagen” intoniert wür­den, zu ver­ant­worten, da es sich um eine uner­laubte öffentliche Auf­führung han­dle. Rechtlich gese­hen ist diese Auf­fas­sung zutr­e­f­fend, rechtlich gese­hen ist allerd­ings eine angemessene Reak­tion auf die Exis­tenz der GEMA auch unzuläs­sig.

Hören wir stattdessen lieber ein paar tal­en­tierten Griechen zu.

Cic­ca­da live @ Music Works — 25/6/2011 — part 2

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Brem’s bessere Hälfte

Vor eini­gen Jahren sah ich in ein­er nieder­säch­sis­chen Stadt das Graf­fi­to “Grün wie Gras und weiß wie Schnee / das ist der SV Werder Bre­men”. In den fol­gen­den Jahren lernte ich, dass die let­zte Silbe des Namens des Lan­des Bre­men tat­säch­lich eigentlich nur geschrieben existiert und ihre Aussprache qua­si beliebig scheint. In diesem facetten­re­ichen Land fand heute wieder ein­mal eine Bürg­er­schaftswahl — Land­tage sind sooo Nor­drhein-West­falen — statt, an der unge­fähr die Hälfte der wahlberechtigten Bürg­er teil­nahm; die andere Hälfte ist ver­mut­lich über­wiegend diejenige, die in den kom­menden vier Jahren wieder Leser­brief­s­pal­ten mit dem Satz “die da ohm machen doch eh, watse woll’n” in ver­schiede­nen Vari­a­tio­nen füllen wird. Dafür spricht eine aktuelle Umfrage:

TODO

“Ich gehe bewusst nicht zur Wahl, um meine Unzufrieden­heit mit der Poli­tik zu zeigen” (jet­zt haben sie es denen da oben aber mal so richtig gezeigt!) ist wahrschein­lich das Blödeste, was jemals ein Bre­mer in ein Mikro­fon hineinge­sprochen hat; zudem ist es eigentlich ziem­lich ärg­er­lich, denn wer nicht wählt, wählt Hitler oder Schlim­meres:

Seit dem Ende des Zweit­en Weltkriegs stellt die SPD in Bre­men den Bürg­er­meis­ter — und das bleibt offen­bar auch in den näch­sten vier Jahren im kle­in­sten deutschen Bun­des­land so.

Von Berlin zu ler­nen heißt sich­er auch irgend­was. In Stadt­staat­en wählt man heutzu­tage selt­sam. Die F.D.P. ist auch wieder da, was den Parteivor­sitzen­den zu ver­muten ver­an­lasste, die F.D.P. habe “den Nerv der Stadt getrof­fen”, und wer schon mal beim Zah­narzt war, der hat jet­zt eine unge­fähre Vorstel­lung davon, was Chris­t­ian Lind­ner für wäh­lenswert hält. Aus dem Wieder­erstarken der F.D.P. zieht vor allem die AfD einen Nachteil, aus deren Dun­stkreis nun vielfache Gerüchte zu hören sind, Bernd Lucke, der promi­nen­teste verbliebene Vertreter des lib­eralen Partei­flügels, plane seinen Aus­tritt oder auch nicht. Die Geschichte der Piraten­partei durch­läuft die AfD im Zeitraf­fer.

Wir wis­sen, wohin das noch führen wird.

MusikKaufbefehleMusikkritik
The Hirsch Effekt: holon : agnosie / Die Devolution der Popmusik

Musik, die wir hören, Musik, die uns begeis­tert; je neuer sie ist, desto schlechter scheint sie zu wer­den. Stimmt das? Gemäß ein­er jüngst veröf­fentlicht­en Studie über die Entwick­lung der Pop­musik in der schlim­men US-amerikanis­chen Hit­pa­rade von 1960 bis 2010 zumin­d­est zum Teil: Zwar scheint der New Wave endlich über­wun­den, aber auch der Jazz geht zurück.

Genres

Der Trend geht zur Ver­flachung. Der Kropf links und in den charts ist der Hip-Hop. Woher die Ret­tung nehmen?

The-Hirsch-Effekt-Holon-AgnosieDie Ret­tung kann nur in Schüben erfol­gen. Auch aus Deutsch­land? Ach, Helene Fis­ch­er und Heino; nein, Han­nover. Doch, wirk­lich! Das ver­rück­te Trio The Hirsch Effekt, das hier schon häu­figer The­ma war, schließt in diesem Jahr mit “holon : agnosie” (“das Seiende: Erken­nt­nis”) seine erste Alben­trilo­gie würdig ab. Im April 2014 kündigten die Musik­er an, das dritte Album werde “eingängiger”, sie wür­den ja auch nicht jünger. Zum Glück haben sie ihre Dro­hung nur sehr kurz wahrgemacht.

Du wirst Staub / bap bap badap, bap bap badap,
wie ich auch / bap bap badap, bap bap badap
Bezoar

Es gab bei allen Ähn­lichkeit­en inklu­sive der kryp­tis­chen Liedti­tel allerd­ings tat­säch­lich einige Änderun­gen bei The Hirsch Effekt: Philipp Wende gab kurz nach der Veröf­fentlichung von “holon : anam­ne­sis” das Schlagzeug an Moritz Schmidt ab und die Texte haben fast vergessen, dass der Ich-Erzäh­ler 2010 noch sein­er Ver­flosse­nen nachgeweint hat. Wie einst King Crim­son vol­lziehen auch The Hirsch Effekt auf “holon : agnosie” eine Hin­wen­dung zur Gesellschaft­skri­tik, exem­plar­isch etwa auszu­machen in “Jayus” (“Statt nach links und rechts / guckt jed­er nur / in seine Scheiß-Hand”, die grass­esquen Zeilenum­brüche sind Teil des Konzepts). Dankbar ist man den drei Her­ren dann zumin­d­est für das Textblatt, denn wo auf dem Debüt noch zu sacht­en Melo­di­en geschwel­gt wurde, gibt’s inzwis­chen das volle Brett.

Die Agnosie, gle­ich­sam eine Erlö­sung, ist trotz all­dem beherrschen­des The­ma. Genug der invertierten Trauer. Dass “Fix­um”, der Abschluss des eigentlichen “Holon”-Themas, bere­its seit über einem Jahr auf Konz­erten zu hören war und somit wohl das älteste Lied auf dem Album ist, mag erk­lären, wieso es den ele­gan­ten Brück­en­schlag von den “alten” zu den “neuen” Liedern schafft:

Schau dich noch zweimal /
jet­zt um und /
lass bloß nichts liegen /
wenn du gehst /
Jedes Ende /
hat seinen /
Preis

Eingängig? Ach, woher denn! Es math­rockt die Gitarre, dass man vor lauter Tak­tzählen ver­gisst, sich beim Sitz­tanzen nicht wehzu­tun. Han­nover. Da kriegt man früher oder später einen Haschmich.

Die Zumu­tung des Jahres und schon jet­zt eines der Alben des­sel­ben, aber hal­lo. Und das Vinyl ist auch noch hüb­sch. Rein­hören? Rein­hören!

Rockt.

In den NachrichtenNerdkrams
Abgeguc’t

1974: Das Betrieb­ssys­tem Mul­ti­ple Vir­tu­al Stor­age (MVS) für IBM-Großrech­n­er bringt mit SMP/E eine mod­u­lare Paketver­wal­tung für das Sys­tem mit, mit der eine Aktu­al­isierung jed­er Sys­temkom­po­nente möglich ist.

1983: Das Mag­a­zin “c’t” wird zunächst als Zeitschrift für tech­nikbegeis­terte Bastler gegrün­det.

1984: Der US-amerikanis­che Telekom­mu­nika­tion­skonz­ern AT&T, Inhab­er aller Rechte am Betrieb­ssys­tem Unix, veröf­fentlicht eine frühe Ver­sion von pkgadd.

1993: Der freie Unix-Abkömm­ling FreeB­SD erscheint in der Ver­sion 1.0, bere­its einige Wochen zuvor hat­te Jor­dan Hub­bard den Grund­stein für die im August 1994 begonnene “FreeB­SD Ports Col­lec­tion” — eine Art quell­code­basierte Paketver­wal­tung — gelegt. Bere­its diese erste Ver­sion lässt sich mit­tels ein­fach­er Patch­es aktu­al­isieren.

1994: Das im Vor­jahr gegrün­dete Debian-Pro­jekt erhält mit dpkg erst­mals eine eigene Paketver­wal­tung, Debian Lin­ux springt somit auf den bere­its in voller Fahrt befind­lichen Zug auf.

1998: Win­dows 98, das erste Microsoft-Betrieb­ssys­tem mit Win­dows Update, erscheint.

2000: Das Mag­a­zin “c’t” hat seinen Fokus in den let­zten paar Jahren vom Nerd- auf den Massen­markt ver­legt. End­nutzerthe­men wie Office 2000, Freemail­er und das MP3-For­mat zieren die Heftrück­en.

2003: Microsoft stellt sein Updatesys­tem auf den Monat­szyk­lus um, der “Patch Tues­day”, also ein monatlich­er Dien­stag, an dem Win­dows-Updates verteilt wer­den, wird einge­führt.

2010: Mit NuGet erscheint erst­mals eine Win­dows-Paketver­wal­tung von Microsoft. Noch arbeit­et diese nur auf Anwen­dungsebene. Zu den bekan­ntesten Paketver­wal­tun­gen für Win­dows gehört vier Jahre später — 2014 — neben NuGet das darauf auf­set­zende choco­latey.

2015: Microsoft Win­dows 10 soll noch dieses Jahr erscheinen und erst­mals die neue Paketver­wal­tung “OneGet” an Bord haben, auch soll der monatliche “Patch-Day” durch sofor­tige Sicher­heit­sup­dates erset­zt, der Update­tur­nus also eigentlich auf den Stand von 1998 zurück­ge­set­zt wer­den. Das Nachricht­en­por­tal “heise online” veröf­fentlicht hierzu einen Kom­men­tar eines Redak­teurs des inzwis­chen lin­ux­durch­set­zten Mag­a­zins “c’t”, in dem es heißt:

Microsoft kupfert Update-Tech­nik bei Lin­ux ab

Nun ja; knapp daneben.


Woran erken­nt man eigentlich Asyl­be­wer­ber? Ganz ein­fach:

Diese “tra­gen meis­tens Klei­dung aus zweit­er Hand und sprechen nicht gut Deutsch”.

Ach so.

MontagsmusikIn den NachrichtenWirtschaft
Between the Buried and Me — Astral Body

SchuhuuuuhEs ist Mon­tag. Kaum hat man sich müh­sam aus dem Bett geschält, schon pras­seln die Schreck­en­snachricht­en auf einen hernieder. Ian Ander­son mag keine Hip­pies. Entschuldigung, das war jet­zt die falsche Mel­dung: Die Deutsche Bahn wird bestreikt, und zwar nicht nur per Streik, son­dern per “Extrem-Streik” (“SPIEGEL ONLINE”); die Züge ste­hen also nicht nur still, son­dern äußerst still. In Teilen Nord­deutsch­lands ist wegen des Konkur­ren­zkampfs auf den Nahverkehrsstreck­en nur der Fer­n­verkehr betrof­fen; Fern­bu­san­bi­eter, die seit dem Zusam­men­schluss von Mein­Fern­bus und Flixbus auch mit Vor­sicht zu genießen sind, ziehen den Vorteil daraus. Ich bin so empört, ich kön­nte glatt SPD wählen; der es um den Arbeit­nehmer eben­sowenig geht wie der GDL, die schon 2014 bemerkt hat, dass es noch andere Gew­erkschaften gibt, gegen die man sich nur wehren kann, indem man noch rig­oros­er vorge­ht. Schlich­tung ist was für Fei­glinge.

Man kön­nte mit Krawallen reagieren, der Deutsche erhebt sich ja gern zum Auf­s­tand, wenn es um Nichtigkeit­en geht, während er die wirk­lichen Prob­leme des Lan­des durch Nichtwählen zu bekämpfen glaubt.

Man kön­nte auch Musik hören.

Between the Buried and Me — Astral Body (OFFICIAL VIDEO)

Guten Tag.

In den NachrichtenPiratenpartei
Förmchen klauen gegen Rechts

Dass die Vor­rats­daten­spe­icherung — unter welchem Namen auch immer sie derzeit daherzukom­men pflegt — nicht nur gefährlich, son­dern auch über­flüs­sig ist, hat nun sog­ar die hes­sis­che Polizei bewiesen: Sicher­heit­skräfte haben im hes­sis­chen Oberursel Mate­r­i­al zum Bomben­bau sichergestellt, jeden­falls poten­zielles, und das ganz ohne Vor­rats­daten­spe­icherung. Dass man mit genug Masse aus ein­er Menge Din­gen Bomben bauen kann, sei für den drama­tis­chen Effekt ein­mal bei­seite gelassen.

Schade ist diese Entwick­lung allerd­ings für die Piraten­partei, denn wenn man ihr zu wenig Poli­tis­ches zu tun gibt, kom­men die Förm­chen wieder in den Sand­kas­ten: Alles Nazis da, natür­lich die üblichen Verdächti­gen, denn gewusst hat’s wieder ein­mal jed­er bess­er. Was ist passiert? Nun, der amtierende Bun­desvor­stand der Piraten­partei Deutsch­land hat sich mehrheitlich dage­gen aus­ge­sprochen, Werbe­ma­te­r­i­al für piraten­fremde Grup­pierun­gen wie “die Antifa” im parteieige­nen Klam­ot­ten- und Fäh­nchengeschäft “PShop” wieder zuzu­lassen, was einige Zeit zuvor been­det wor­den war. Obwohl jede demokratis­che Partei, um den staatlichen Grund­sätzen zu genü­gen, sich gegen Extrem­is­mus stellen sollte und auch der Piraten­partei wohl kaum noch der Ruf ein­er Partei für Recht­sradikale anhaftet, scheint der Schluss nahezuliegen, dass ein Vere­in, der nicht für andere Vere­ine wirbt, automa­tisch Geg­n­er dieser Vere­ine ist. Ich finde es ja auch frech von den Grü­nen, keine CDU-Broschüren her­auszugeben, aber die wer­den sich schon etwas dabei gedacht haben.

Selb­st­beschäf­ti­gung? Natür­lich! Aber wie es in ein­er basis­demokratis­chen Partei so ist, stört das zunächst mal nie­man­den. Es gibt aus Rache für obiges ver­w­er­flich­es Tun bere­its Entwürfe für selb­st zu druck­ende Flaggen, auf denen zum Geschlechtsverkehr mit dem Bun­desvor­stand aufgerufen wird. Protest­sex kön­nte helfen, ist aber schon ein biss­chen albern. Ach, albern: Es ist wieder ein­mal der 1. Mai, es ist wieder ein­mal Tag der Krawalle. Laut sein gegen Ungerechtigkeit. Flaschen wer­fen gegen Rechts. Dumm fickt zu viel.


Anscheinend unter­schätzte Mark­tlücke: Auf­tragsrants. Wer einen Marken­na­men hat, kann sich jet­zt selb­st blöd find­en. Die Wirtschaft lebt von diesem Tohuwabo­hu.