(… und wieder einmal macht man den Fehler, sich vorübergehend nicht mit anderen Dingen zu beschäftigen, und hat sofort wieder dieses beklemmende Gefühl, das sich einstellt, wenn der Kopf nicht da ist, wo er sein sollte, an der Schulter oder auf dem Bauch nämlich, und man solle sich doch mal ranhalten, damit es endlich wieder deprimierende Texte zu lesen gäbe, weil man inzwischen zum Unterrichtsmaterial avanciert sei, wahrscheinlich geht es um Tragikomödien oder so, aber man weiß es nicht und ist verstört, wie es dieses elende Jahrzehnt ja auch bzw. nicht besser verdient hat. Ein Königreich für ein Tier (zum Beispiel Großbritannien) und endlich etwas Ruhe; wieder nicht genug vergnügt für einen extrovertierten Ausdruck der Traurigkeit, ein Zittern auf den Lippen und zum Teufel mit dem elenden Immunsystem, so wird das nichts mit einem anständigen Herrentod (i.e. Männergrippe). Glück und Gesundheit. Vor allem Glück.)
Red nicht.
Kennt ihr RedTube?
RedTube ist eine Website, auf der Männer, Frauen und Sonstige sich in mehreren Videos zeigen, gelegentlich auch beim Geschlechtsakt. RedTube ist nicht unbedingt für Qualität bekannt, wie es heißt; die Qualität der dortigen Medien variiert deutlich, aber der interessierte Konsument wird, wie es heißt, auch nicht mit Bezahlbitten belästigt, weil sich das Angebot allein durch Werbung finanziert.
Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben:
Kennt ihr YouTube?
YouTube ist eine Website, auf der Männer, Frauen und Sonstige manchmal sich, manchmal Fremde, manchmal Dinge in mehreren Videos zeigen, niemals allerdings beim Geschlechtsakt. YouTube ist nicht unbedingt für Qualität bekannt, wie es heißt; die Qualität der dortigen Medien variiert deutlich, aber der interessierte Konsument wird, wie es heißt, auch nicht mit Bezahlbitten belästigt, weil sich das Angebot allein durch Werbung finanziert. Äh, finanzierte:
YouTube hat (zunächst nur für die USA) sein Premiummodell Red vorgestellt: Video-Konsumenten zahlen optional 9,99 US-Dollar im Monat, um die Werbung auf der Plattform zu entfernen.
YouTube wird somit an Google Play Music gekoppelt und um eine Netflix-Alternative erweitert, was angesichts der fehlenden Verträge mit den Rechteinhabern zumindest in Deutschland kaum ernst genommen werden dürfte. Ich sehe das insofern positiv, als die nahe Zukunft von YouTube so zumindest gesichert sein dürfte; Google neigt ja dazu, kostenlose Dienste trotz hoher Beliebtheit zu schließen, wenn sie zu wenig Geld einspielen. Dass die angebotenen Videos (Klick, Klick, ihr erkennt das Muster sicherlich) auch gegen Geld nicht besser werden, ist der Pferdefuß bei diesem „Angebot“.
Dass man für ein werbefreies YouTube kein Geld ausgeben muss, sollte bekannt sein, und auch das Herunterladen von YouTube-Videos – eines der Argumente für ein Abonnement – ist gratis zu bewerkstelligen. Kein Wunder, dass YouTube es gern sähe, wenn möglichst viele Nutzer sich trotzdem beugen:
Wer nur auf Werbeeinnahmen scharf ist und sich YouTube Red deswegen verweigern will, muss mit drastischen Konsequenzen leben. So entfernt YouTube nämlich als Folgemaßnahme die Videos der jeweiligen Videomacher aus der öffentlichen Ansicht – auch in der werbefinanzierten Version der Plattform.
Wenn doch nur jemand eine andere Videoplattform erfände!
Pharaoh Overlord – Mystery Shopper
Montag. Das Smartphone verkündet, es sei stark bewölkt, und genau so fühlt es sich auch an. Zäunen wir doch einfach Österreich ein, vielleicht löst das ja ein Problem.
Apropos Probleme: Öffentlich, nicht frauenöffentlich. Aber manchmal sind sie ja schon für einen Lacher gut: barbusige Femen stürmen Sex-Messe, das war bestimmt schockierend für alle Anwesenden, beim Lustwandeln unverhofft mit Nacktheit konfrontiert zu werden. Die Grünen beschäftigen sich mit sich selbst und die Regierung pervertiert derweil die Freiheit, die Vorratsdatenspeicherung ist noch immer nicht besiegt. Ist es nicht wunderbar, Tag für Tag etwas zu haben, für das sich das Kämpfen lohnt?
Der eigentliche Kampf ist ja ohnehin der, der sich nur gewinnen lässt, wenn man ihn gewinnen lässt. Auf dem eigenen Schweinehund ins Verderben zu reiten verspricht zumindest noch frischen Wind um die Nase, aber man verzichtet dankend und schmachtet. Der magische Montag birgt manchmal auch Überraschendes.
Augen zu und durch.
Guten Morgen.
„Umstritten“ und andere Euphemismen
Erinnert ihr euch noch an den SPD-Politiker Heiko Maas, seines Zeichens Bundesjustizminister und als solcher ein Nachfolger der großartigen Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, für deren politische Integrität man eigentlich ein paar neue Orden erfinden müsste, der sich im Dezember 2014 „entschieden“ (Heiko Maas) gegen die anlasslose Überwachung aller Bürger aussprach?
Heute hat der Bundestag ein von Heiko Maas initiiertes Gesetz beschlossen, das „SPIEGEL ONLINE“ folgendermaßen zusammenfasst:
Das umstrittene Vorhaben ist durch den Bundestag: Die Abgeordneten haben die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Künftig werden die Verbindungsdaten der Bürger mehrere Wochen lang gespeichert.
Ich darf die Twitterdiskussion hierzu kurz resümieren: Hahaha, 404 Abgeordnete haben für das Gesetz gestimmt. 404! Hahahaha! Nicht gefunden! LOLOLOL! – Aber darum geht es nicht.
Die vom Bundesverfassungsgericht bereits vor einigen Jahren für unwirksam erklärte Kriminalisierung aller Bürger in Form der verdachtsunabhängigen „Vorratsdatenspeicherung“ ist also „umstritten“, und man fragt sich, wieso man dort noch nichts von dem „umstrittenen Angriffskrieg auf Afghanistan“ lesen konnte. Dass die heutzutage relevante Kommunikation per E‑Mail seit vielen Jahren schon von euren E‑Mail-Anbietern vorratsgespeichert wird, Mobilfunkanbieter sich sicherheitshalber ebenfalls merken, wann ihr wo wie lange mit wem telefoniert, und eine Konzentration der Proteste auf Formalien also nicht allzu konsequent scheint, ist wahrscheinlich nur Erbsenzählerei. Es wäre allerdings auch naiv anzunehmen, dass Strafverfolger denen, die sie verfolgen sollen, technisch irgendwie voraus wären. Vor CDU und SPD kann sich selbst ein Bürger verstecken.
Der CDU-Abgeordnete „Dr.“ Jan-Marco Luczak twitterte kurz vor dem Beschluss, man bekäme damit endlich ein „wichtiges Instrument zur Bekämpfung schwerer Kriminalität“, aber mir ist nicht ganz klar, wie die Vorratsdatenspeicherung die CDU an weiteren Verbrechen hindern soll. Die nutzen doch alle gar keine modernen Medien.
Insofern ist auch unklar, inwiefern dasselbe „SPIEGEL ONLINE“ es für berichtenswert hält, dass mittlerweile 46 Prozent der Bürger das vom SPD-Nachlassverwalter Sigmar Gabriel vorangetriebene umstrittene geplante Freihandelsabkommen „TTIP“ ablehnen; ich bin überzeugt davon, dass auch ein großer Teil der Bürger nur wenig erfreut über die Erfassung seines gesamten Kommunikationsverhaltens ist. Wer außer Nazis, Irren und Terroristen könnte schon dagegen sein?
Wenn wir jeden, der bei uns mal Blödsinn erzählt oder uns Probleme macht, ausschließen, dann wird’s auf die Dauer einsam.
Sigmar Gabriel, SPD, 2008
Sie. (Fragment 9 dreiföddel)
„Kisses for me, save all your kisses for me.“
– Brotherhood of Man: Save Your Kisses For Me
… Er wusste nicht, was all das zu bedeuten hatte. Sicher, er hatte vieles falsch gemacht. Sie hatte ihm beigestanden, er hatte es ihr nie gedankt; schlimmer noch: er hatte nie verstanden, selbst beizustehen. Aber war sie nicht schon so oft fort gewesen, hatte er nicht trotzdem nie lange auf sie verzichten müssen?
Diesmal schien es anders, so lange waren sie selten getrennt. Etwas schien zu glühen, als er einen kurzen Blick auf sie erhaschen konnte. War sie in der kurzen Zeit noch schöner geworden? Dennoch mied sie ihn. Es war ein sauberer Abgang, natürlich, etwas anderes konnte man ihr kaum nachsagen, aber es war trotz allem ein Abgang. Der Tag der toten Ente. Er wurde nicht schlau aus ihr.
Sie würde ihn niemals seinem Schicksal überlassen, dessen war er sich sicher. Trotz allem war da immer mehr gewesen als ein Nebeneinanderleben, jedenfalls hatte er das immer gehofft. Nun aber war es zum ersten Mal sie, die ihn brauchte; und er hatte wieder einmal versagt.
Sie hatte die vermeintlich letzte offene Tür zugeschlagen. Er fühlte sich allein. Aber gerade, als er den Faden für gerissen hielt, tauchte sie wieder auf. Wenige Zeilen genügten, die ihn zum Strahlen brachten, weil sie von ihr kamen, bevor sie wieder verschwand und ihn mit all den Monden allein ließ.
Sein Harren blieb ziellos. Was sollte er tun? …
„Es ist mir absolut egal, ob du nur noch mit mir spielst; tu, was du willst.“
– Die Ärzte: Mach die Augen zu
2015. (Symbolprodukt)

Telefonieren. Fotografieren. Tolle, hochauflösende Videos aufnehmen. Unsere Smartphones erledigen vieles – aber was ist mit einem Telefon, das überhaupt nichts tut?
Das ist die Idee hinter dem ZERO, einem neuen „Smartphone“ von der New Yorker Firma NoPhone. (…) Warum würde jemand einen telefonartiges Klotz kaufen, der nur herumliegt? (…) Das ZERO funktioniert wie technisches Methadon, es befriedigt die Sucht eines Nutzers zu der gewohnten Form und dem gewohnten Gewicht des echten Dings. Die durchdachte Konstruktion füllt den gleichen Teil Ihrer Jeans wie Ihr eigentliches Telefon aus, aber sie hält Sie davon ab, es herauszunehmen, in ein digitales Loch zu fallen und die Welt um Sie herum zu verpassen. Es ist eine einfachere Alternative zum kalten Entzug, indem es Ihre Gewohnheiten simuliert und Ihnen gleichzeitig dabei hilft, sie allmählich zurückzulassen.
(schlecht übersetzt von mir; Quelle)
Black Space Riders – Give Gravitation to the People
Es ist Montag. Habt Angst! Angst!
Aber wovor? Vor Kim Kardashian, vor der CDU oder vor der Apokalypse? Nah‘ dran: Fürchtet euch vor Robotern! Zumindest scheint diese Angst verbreitet zu sein; so verbreitet, dass Stephen Hawking höchstselbst, seinerseits ja längst auf Robotik angewiesen, beschwichtigte, ihr müsstet euch vor manchen Dingen fürchten, aber nicht vor Robotern. Fürchtet den Kapitalismus und tötet den Thermomix!
Die Politik, so postuliert Henrik Müller vom ewig seichten „SPIEGEL ONLINE“, sei „gefangen in einer Abfolge von Ausnahmezuständen“, und vielleicht könnte man vieles davon lösen, wenn man endlich Sigmar Gabriel aus dem Land jagen würde, vielleicht aber auch nicht. Krise? Welche Krise?
„Google Incorporated“ schickt mir eine „vertrauliche“ Gewinnnachricht von einer *.or.id-E-Mail-Adresse. Das klingt seriös, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das, was fehlt, in keinem Gewinnspiel jemals errungen werden könnte.
Erst mal wach werden.
Guten Morgen.
In aller Kürze: Alles Nazis außer Amerika!
Habt ihr heute auch an einer der von Sigmar Gabriel weitgehend ignorierten Demonstrationen gegen TTIP teilgenommen? Dann hat Alexander „Alex“ Neubacher, „Journalist“ beim USA-Hausblatt „SPIEGEL ONLINE“ (wo auch sonst?), schlechte Nachrichten für euch: Euretwegen gewinnen die Rassisten!
„JOY“ und die 9 schönsten Peniszeichnungen
Helene Fischer, so fand man beim „Playboy“ heraus, ist derzeit die erotischste und nervigste Sängerin. Das ist ein bisschen unfair, denn besonders hübsch finde ich sie nun nicht gerade, aber vielleicht bin ich auch nicht Teil der Zielgruppe des „Playboys“, was ich wiederum sehr (an mir) schätze.
Was aber ist das Geheimnis von Helene Fischers Aussehen? Fragen wir die Profis für – fragen wir „JOY“.
Denn die „JOY“ weiß, wie man in nur 3 Minuten perfekt geschminkt ist und zumindest auf Fotos endlich super aussieht: Dünn nämlich („Die 25 größten Abnehm-Irrtümer“, Seite 40 bis 42) sollte man sein und sich auf selfies nicht etwa natürlich zeigen, sondern hinter dem richtigen Filter und mit der richtigen Bemalung und im richtigen Winkel präsentieren („die Zauberworte lauten: üben, filtern und ein klein wenig tricksen!“, Seite 54 bis 58), denn wer will schon das echte Leben sehen?
Wenn man diese Tricks berücksichtigt, kann man sich daran machen, einen „Wahnsinns-BLOWJOB!“ zu praktizieren. Natürlich kommt dafür nicht jeder Penis in Frage, es muss schon mindestens ein Johnny sein:
Und wie geht so ein „Wahnsinns-BLOWJOB!“? Nun, zuerst muss man üben, zum Beispiel so: „Eine Banane schälen und sie oral liebkosen“. Oder so: „Kaugummi in den Mund – dann knallen lassen“. Oder so: „die Tonleiter auf und ab singen“. Wenn man sich nach ausgiebiger Übung dann dazu durchringen kann, es mal mit einem richtigen Penis zu probieren, werden als Stimmungsaufheller Eiswürfel und Sprühsahne empfohlen, was gegenüber einer Grapefruit („JOY“, Ausgabe vom Mai 2015) immer noch eine geringe Verbesserung der Aussichten darstellt. Wenn jetzt einer meiner männlichen Leser Angst vor der „JOY“-Klientel bekommen haben sollte: Gut so!
Weniger Furcht hat Marvin (21) aus Mannheim, der sich sicherlich später einmal sehr dafür schämen wird, hier aber noch den Rat gibt, es „törne“ Männer „immer an“, wenn man Sprühsahne vom Penis lecke, nachdem er den perfekten Blowjob als sportliches, würziges Ritual geschildert hat:
Die Kombination aus Lecken, Handjob und Hodenkraulen. Ich nenne das den One-Handed-Egg-Twister. Auch gut: die Pfeffermühle – das Mädel nimmt meine Eichel in den Mund und dreht dabei leicht mit beiden Händen an meinem Penis in verschiedene Richtungen.
Ich hoffe für Marvin (21), dass er bisher von den Techniken „Stepptanz“ und „Gurkenreibe“ verschont geblieben ist.
Im gleichen Heft der „JOY“ versichert die Redaktion der designierten Leserin, dass sie ja „kein kleines Dummchen“ sei (Seite 45), gibt aber Nachhilfe (Seite 35), mit welchen Nachrichten sie ihren „Traummann“ – abgebildet ist ein typischer Hipster – erobern könne, zum Beispiel:
„HILFE! Riesenspinne im Bad!“ Emanzipation hin oder her – Männer wollen gebraucht werden.
Bleibt zu hoffen, dass dieser Traummann nicht vorher die „JOY“ liest. Sonst ist er gewarnt.
Safe Pearl Harbor
Hurra! beziehungsweise Ach‽:
Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat das Safe-Harbor-Abkommen zwischen den USA und der EU für ungültig erklärt. Persönliche Daten europäischer Nutzer seien in den USA nicht ausreichend vor dem Zugriff von Behörden geschützt.
In den Vereinigten Staaten ist man enttäuscht, von einer „Jagdsaison“ ist die Rede; was ja bei deren Statistik betreffs der Morde mit einem Gewehr nicht allzu absurd klingt. Aber worum geht es eigentlich genau?
„Safe Harbor“, einige von euch haben das vielleicht schon gelesen, ist der Szenebegriff für qua Gesetz sichere Herkunftsländer flüchtiger Daten, wie auch De-Mail qua Gesetz für sicher erklärt wurde, und besagt im Wesentlichen, dass eure Daten aus der EU gefahrlos auf US-amerikanische Server weitergeleitet werden dürfen, weil denen dort ja nichts Gravierendes passiere. Im Juli 2000 hatte zumindest die Europäische Union, um ausbleibenden Datenverkehr (dazu gleich mehr) zu verhindern, beschlossen, US-amerikanischen Unternehmen freizustellen, sich diesem Abkommen anzuschließen, um sich dadurch als Datenschützer zu erkennen zu geben. Damit wurde schon früh der Grundstein für das geplante „Freihandelsabkommen“ zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten gelegt. Die transatlantische Partnerschaft, so sagte Bundespräsident Gauck heute, sei „das essenzielle strategische Bündnis unserer Tage“, wie man das eben so gelernt hat, wenn man als „Bürgerrechtler“ in einem Überwachungsregime seine erste Karriere gemacht hat.
Zu den das „Safe-Harbor“-Abkommen unterzeichnenden Unternehmen zählten Facebook, Google und Microsoft; jedes dieser Unternehmen ist aufmerksamen Lesern vielleicht schon im Zusammenhang mit dem PRISM-Programm der verbrecherischen Widerlinge von der NSA aufgefallen, an dem sie ebenfalls im Rahmen der dortigen Verbrechergesetzgebung teilgenommen haben. Datenschutz und nationale Interessen sind miteinander eben oft nicht zu vereinbaren. Die Älteren unter euch kennen das vielleicht noch aus einem ihrer früheren Heimatstaaten.
Und was passiert „jetzt“ mit „unseren“ Daten? Das jedenfalls wollen Fabian Reinbold und Christian Stöcker – beide sind regelmäßigen Lesern hier nicht unbekannt – für das hippe Techmag „SPIEGEL ONLINE“ wissen und erklären:
Dürfen jetzt keine Daten mehr in die USA weitergegeben werden?
Doch. Aber wer dies tut, ist nicht mehr automatisch durch „Safe Harbor“ vor Überprüfung durch nationale Datenschutzbehörden geschützt.
Mit dem neuen Urteil ändert sich also in der Praxis erst einmal nichts, zumal der sichere Hafen ja nur einer der Tunnel war, während die anderen bis auf Weiteres wohl nicht zugeschüttet werden:
Es gibt neben „Safe Harbor“ noch zwei weitere Wege, mit deren Hilfe Unternehmen personenbezogene Daten in die USA übertragen dürfen: Sogenannte verbindliche Unternehmensregeln (…), die von Datenschutzbehörden abgesegnet werden, und bestimmte Klauseln, die die EU-Kommission zu diesem Zweck als Vertragsbausteine zur Verfügung stellt.
Man muss also als Kunde eines US-amerikanischen Unternehmens auch weiterhin davon ausgehen, dass die „eigenen“ Daten zwecks Terrorabwehr geheimdienstlich erfasst werden, man darf darüber nur nicht mehr belogen werden. Verklag‘ uns doch! Es würde sich indes, dies hat die Europäische Union unmissverständlich klargemacht, schädigend auf die Volkswirtschaft auswirken, wären EU-Bürger künftig den US-amerikanischen Hunger auf Personendaten weniger zu stillen bereit: Diese seien „das Rückgrat unserer Wirtschaft“.
Eure Wirtschaft muss mal zum Orthopäden, sie ist kaputt.
John Zorn (live)
Ein Montag, und er beginnt abermals mit einem Paukenschlag ins Gemächt. Weißt du noch, damals, der Bär? Leben funktioniert so nicht und kommt einem auch nicht so vor.
Was tun? Vielleicht den Promis nacheifern und – festhalten, Brüder – arbeiten gehen. Ach so, das tut man sowieso, aber das interessiert die ZEIT nicht, weil man noch nie dafür bekannt war, als Gesicht zu agieren. Man würde sich aber gern wieder vereinen.
Oh, „Wiedervereinigung“, da war ja was:
Wenn ein fickriger alter Mann mit Schlapphut in die Kameras nuschelt, dass sein Sonderzug nach Pankow der Anfang vom Ende der DDR war und ihm dabei auch noch Fans bestätigend zujubeln und die Presse das unkommentiert abdruckt, dann ist es keine Zeit dafür, über die Chancen zu sprechen, die uns entgangen sind.
Möchte man ja, andererseits, auch gar nicht.
Jazz gefällig?
Guten Morgen.
Von Hamstern und Toten (sowie: Electric Wizard – Time to Die)
Ah, es ist mal wieder Feiertag; nicht irgendein Feiertag, sondern der Feiertag:
Alarrrrma! Hamsterkäufe. Panik. Morgen gibt’s nix mehr. Übermorgen auch nicht. Nie wieder. Wir werden alle verhungern. Der Laden voll. Die Nerven blank. Die Honks in Hochform. Und der Wichser hinter mir fährt in meine Hacken. Könnt ja schneller gehen wenn er das tut.
Deutschland, du Land der liebenswerten Irren! Man sollte euch Kalender schenken, die zwei bis drei Tage vor einem eigentlich verkaufsoffenen, aber Feiertag in unregelmäßigen Abständen laut piepen und wild blinken und erst damit aufhören, wenn ihr eingekauft habt. Der Deutsche mag es nicht, wenn etwas laut piept und wild blinkt.
Wogegen der Deutsche allerdings nur wenig einzuwenden hat, denn sonst würde er aufhören, Parteien zu wählen, die die außenpolitische Nähe zu den USA befürworten, ist ja so was hier:
Während eines US-Luftangriffs in Kunduz wurde ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen getroffen, mindestens 19 Menschen starben. (…) Die US-Armee hatte am Morgen eingestanden, man habe in der Nähe des Hospitals Luftschläge ausgeführt, dabei könne es zu zivilen Opfern in dem nahegelegen Hospital gekommen sein. (…) Das Ziel der Luftangriffe in der nordafghanischen Stadt seien „Personen, die eine Gefahr für die Streitkräfte darstellten“ gewesen.
Das kann ja mal vorkommen. Muss man ja verstehen – da sitzen irgendwo Talibankämpfer im Gebüsch, da kann man auf so was wie ein Krankenhaus keine Rücksicht nehmen, da muss das Gebiet weiträumig eingeebnet werden. Sonst überlebt noch wer.
Was ja für ein Land mit durchschnittlich etwa einer Schießerei pro Tag (und das sind nur die erfassten) keine besonders radikale Haltung ist. Waffen schützen nun mal vor den Bösen, und ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass jemand, der kein Jäger ist und trotzdem eine Waffe trägt, ein Arschloch und kein Guter ist. Der zweite Zusatzartikel zur US-amerikanischen Verfassung implizierte im 18. Jahrhundert, dass jeder eine Muskete besitzen darf. Wie ungefährlich es doch in den Vereinigten Staaten wäre, besäße jeder nur eine Muskete!
Dazu passt vielleicht etwas Musik.
In England, dem Land des Magiers Merlin, formierte sich 1993 eine Doom-Metal-Band namens „Electric Wizard“, „elektrischer Zauberer“ also. Inzwischen spielt die Gruppe mit dem vierten Schlagzeuger und dem fünften Bassisten ziemlich erfolgreich mit ihrem image, das trügt: Hinter Albumstiteln wie „Witchcult Today“ (2007) und „Legalise Drugs and Murder“ (2012) steckt letztlich Musik, die auch uns, die wir mit den meisten Spielarten des Metal nur bedingt etwas anfangen können, zu gefallen vermag. Vom guten Doom Metal zum guten Stoner-Rock ist es musikalisch nicht besonders weit. Ich persönlich nehme den Doom Metal einfach nicht ernst, dann macht er am meisten Spaß.
Auch auf dem aktuellen, 2014 veröffentlichten Studioalbum „Time to Die“ wird die Freude befeuert: Titel wie „Destroy Those Who Love God“ und „Lucifer’s Slaves“ amüsieren mich, wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht tatsächlich Leute gibt, die das alles furchtbar ernst nehmen. Dabei steckt hinter der Attitüde wirklich Hörenswertes:
Das Album beginnt mit dem Plätschern eines Baches. Allmählich setzen Schlagzeug und Orgelklänge ein, ein Erzähler hält einen kurzen Monolog und es wird schlagartig düster: „Incense for the Damned“ ist eine schneidende Gitarre über treibendem Bass- und Schlagzeug-Fundament, Frontmann Justin Oborn steuert verzerrten Gesang bei: “ I don’t give a fuck about anyone / or your society. I just need / incense for the Damned“, die Sex Pistols hätten es nicht besser ausdrücken können. Doom Metal ist vielleicht letztlich auch nur eine Spielart der Punkkultur, aber da kenne ich mich nicht besonders gut aus.
Das folgende Titelstück „Time to Die“ bleibt ohne weitere Auffälligkeit, interessanter ist das elfeinhalbminütige „I Am Nothing“, das mit seinem hypnotischen Rhythmus und der repetitiven Melodie, die beinahe vom Gesang, der in der zweiten Hälfte allerdings gar nicht mehr vorkommt, ablenken, denjenigen belohnt, der einen guten musikalischen trip zu würdigen weiß, aus dem man von den Sprachfetzen in „Destroy Those Who Love God“ nur vorübergehend herausgerissen wird, bis man in „Funeral of your Mind“ wieder in den Strudel gerät und dort bis zum letzten Stück, dem krautrocklastigen „Saturn Dethroned“, das wiederum mit einem Bachplätschern endet, in ihm gefangen (obwohl sich das wirklich gut anfühlt) bleibt. Das muss dieser „Höllentrip“ sein, von dem alle reden.
Prima Album, das.
Bring Your Own Fäkalnachweis
Das mit diesen Wertcoupons, die man auf Bahnhofstoiletten bekommt, ist so teuflisch, dass ich selbst gern darauf gekommen wäre und im Wortsinne mit Scheiße Geld verdient hätte.
Für die, die das nicht kennen: Wenn man auf einem durchschnittlichen deutschen Bahnhof einen Euro einwirft, um seine Notdurft verrichten zu dürfen, bekommt man dafür einen Gutschein über 50 Cent zurück, den man dann in bahnhofseigenen Geschäften einlösen kann – natürlich beschränkt auf einen Gutschein pro Person und Bestellung, denn sonst kann man seine Verdauungsbelege ja einfach lange genug sammeln und sich dann irgendwann bei Burger King quasi gratis in den Herztod schlemmen. (Sagt man das bei Burger King eigentlich so, „schlemmen“?) Der Versuch, einen solchen Wertcoupon einzulösen, besagt doch eigentlich nur: Seht her, ich habe ausgiebig gekackt und möchte nun meinen Lohn erhalten!
Mein ausdrücklicher Glückwunsch hierbei geht an die Frau, die gestern vergebens versuchte, fünf dieser Gutscheine in einer Fast-Food-Filiale einzulösen, und dabei recht aufdringlich Unverständnis über die Beschränkung sowie Befürchtungen über die Gültigkeitsdauer äußerte. Stimme und Habitus erinnerten mich dermaßen an die Figur der Lorraine Swanson aus der US-amerikanischen Serie „MADtv“, dass es mir vergleichsweise schwer fiel, dem Vorgang keine übermäßige Aufmerksamkeit zu widmen. Im Krieg waren Essensmarken noch mit weniger Überwindung von Scham verbunden.
Bahnhofstoiletten werden bereits seit mehreren Jahrzehnten an Toilettenbetreiber verpachtet, da die Betreibung von Toilettenanlagen nicht zwingend zum Kerngeschäft eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens gehört. (…) Eine wirtschaftliche Betreibung der Anlagen macht die Erhebung eines Nutzungsentgeltes erforderlich. (…) Eine Betreibung auf diesem Niveau ist nur mittels eines angemessenen Nutzungsentgelts in Höhe von einem Euro je Nutzer umsetzbar.
Was dann ja andererseits erklärt, wieso das Niveau von Zugtoiletten so niedrig ist. Das Sauberhalten gehört nicht zwingend zum Kerngeschäft der Bahn. Die haben ja kein Geld.
So lange bleiben sie hängen, wie es nach den Gesetzen der Hygiene möglich ist.
Adolf Hitler, 1922
Gute Nachrichten übrigens: Jemand hat endlich RFC 1149 implementiert!
Discipline. – Before the Storm
Mont-argh. Holterdipolter, da kullert das Niveau unter’m Wochenende hervor. Wenn die Piratenpartei wählt, dann wählt sie gern von der Getränkekarte. Da geht wenigstens nichts kaputt. Wir sind ja nicht zum Spaß da.
Andererseits: Spaß? Bei jedem „Tor!“-Ruf im Fernsehen befürchtet man, dass gleich sein Gesicht zu sehen ist, wenn man es schon schafft, entscheidende Elfmeter in ein Eigentor zu verwandeln, und sich der Ouroboros nicht zu drehen aufhört; der Konsequenz aus der Konsequenz kann man nicht mit Umkehrschlüssen begegnen. Es funktioniert nur, wenn man es nicht versucht, und es schlägt pompös fehl, wenn man sich anstrengt, es aktiv nicht zu versuchen. Das magische Feuer brennt wohl nur einmal im Leben, danach zählt, was man selbst zu leisten vermag. Wie hat man das damals eigentlich geschafft? Manchmal, nur manchmal ist der freie Fall noch aufzuhalten, und man streckt die Arme aus und streift zumindest weiches Fell, das sich einfügt wie dafür gemacht. Perfekte Momente kennt man ja auch nur als „hoppla, da war wieder einer“, wie Sternschnuppen und Vollmonde, man ist ja nicht mehr nur nicht der Schnellste, sondern nun auch noch nicht mehr der Jüngste.
Recht hast du, klagendes Käuzchen in der Ferne. Dir fehlt sie auch, nicht?
And I can’t remember before the storm or the ocean.
I can still see the sun in your eyes,
and I can see you there like it’s yesterday.
Morgen.
Hello. Re: Maria (ID15896374) 27 y.o changed photos…[hlslvb]
So eine Betreffzeile hat den Vorteil, dass man sofort sehen kann, was der Verfasser eigentlich vom Empfänger zu wissen begehrt. In diesem Fall bin ich ratlos.
Aber der Text selbst ist auch nur bedingt hilfreich:
[jwkgtyyg]
Hello.[rovjgx]
I am Maria (ID15896374) ‚27 y.o , I changed photos ,
can we chat now?
sweet kiss,
yours Maria
My e‑mail:ledirus2015@(zensiert).ru
[wuvflbg]
„Ich habe mein Bild geändert, hast du jetzt Lust auf eine Unterhaltung mit mir?“
Die Attitüde zu ändern wäre womöglich zielführender.
gfuthguthgf.















