KaufbefehleMusikkritik
Kürzestkritik: Arenna — Beats of Olarizu

Beats of OlarizuOlárizu ist, so vermeldet’s das Inter­net, der Name ein­er Grün­fläche in Spanien, die vor eini­gen Jahrhun­derten ein­mal ein Dorf war. Mir ist nicht bekan­nt, wie es dort klingt, allerd­ings hat bere­its 2011 die gle­ich­falls spanis­che Band Aren­na — aktuelles Album: “Giv­en to Empti­ness” — mit ihrem Debü­tal­bum “Beats of Olar­izu” dies zu ver­to­nen ver­sucht.

Sechs Stücke zwis­chen fünf und 31 (davon etwa 11 Minuten Stille und einige Geräusche) pras­seln hier auf den Hör­er ein; wobei “Pras­seln” wahrschein­lich auch schon wieder das falsche Wort ist, denn die fünf Her­ren denken sich etwas dabei, was nicht nur eher untyp­is­che Liedti­tel wie “Meta­mor­pho­sis in Ic [0​,​9168 g​/​cm³]” — es han­delt sich, wie’s das Inter­net weiß, um die Dichte von Wass­er bei 0 Grad Cel­sius — in Verbindung mit einem überdies dazu passenden Text implizieren. Zu hören ist knack­iger Ston­er Rock mit einem stil­fer­nen Gesang, der über weite Streck­en Jethro Tulls Ian Ander­son in Erin­nerung ruft, als er noch gut bei Stimme war.

Es scheint wirk­lich schön zu sein auf der Wiese.

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
KoMaRa

:-(Schon wieder Mon­tag, schon wieder ent­täuscht. Die diesjährige Demon­stra­tion “Frei­heit statt Angst” gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung, die am jüngst ver­gan­genen Woch­enende auch in Han­nover, wo es die Regierung sicher­lich nur min­der bewe­gen wird, wenn ein Grüp­pchen Ver­rück­ter (Grüne/Linke) und nur wenige Ambi­tion­ierte (AK Vorrat/Piratenpartei) die Straßen säu­men und schüchtern verkün­den, dass ihnen die Überwachung durch den Staat eher weniger gut gefalle, stat­tfand, ver­läuft eher mau. Ändert ja eh’ nichts.

Ander­er­seits lernt man so neue Seit­en von Han­nover ken­nen, zum Beispiel das unglaublich inten­siv nach Toi­lette riechende Uri­nal am Rasch­platz. Han­nover mit allen Sin­nen erleben, schönes Ambi­ente und beispiel­hafte Hygiene, wis­senschon. Das ist kein Durcheinan­der, das ist kün­st­lerische Impro­vi­sa­tion.

Nein, das ist kün­st­lerische Impro­vi­sa­tion:

Pat Mas­telot­to, David Kol­lar, Pao­lo Raineri — KOMARA

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPiratenpartei
Kurz notiert: Leihdateien

Julia Reda, die für die Piraten­partei Deutsch­land im Europäis­chen Par­la­ment sitzt und sich dort vornehm­lich mit dem Urhe­ber­recht befasst, hat es geschafft, ein europäis­ches “Leis­tungss­chutzrecht” sowie eine weit­er als bish­er gehende Ein­schränkung der Panora­mafrei­heit bis auf Weit­eres zu ver­hin­dern. Das ist schön, das ist gut, das ist aber nicht alles:

Zum ersten Mal fordert das Par­la­ment verpflich­t­ende Min­dest­stan­dards für die Rechte [von Kon­sumenten], die auch nicht durch tech­nis­che Kopier­schutz­maß­nah­men oder restrik­tive Verträge eingeschränkt wer­den dür­fen. (…) Für Bib­lio­theken und für wis­senschaftliche Zwecke sollen neue Befug­nisse im Umgang mit dig­i­tal­en Medi­en geprüft wer­den – etwa zum Ver­leih von E‑Books.

E‑Books, die in der Regel als einzelne Datei ver­trieben wer­den, sollen also, wenn alles nach Plan läuft, kün­ftig auch ohne Kopier­schutz (etwa durch eine DRM-Imple­men­tierung, wie sie Ama­zon ein­set­zt) in Bib­lio­theken ver­liehen wer­den kön­nen.

Ich frage mich ja ger­ade, wie die Rück­gabe dann abläuft. Und wie viele Exem­plare eines E‑Books soll eine Bib­lio­thek dann eigentlich vor­rätig haben? :mrgreen:

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Medienkritik extern: So fällst du Jungs auf

Während ich gele­gentlich Frauen­zeitschriften lese, liest Klopfer gele­gentlich die BRAVO und ihre Ableger, aktuell mit diesen Tipps, wie man seinen Schwarm erobert:

16 Wer aufrecht geht und ste­ht, wirkt nicht nur größer, son­dern auch reifer. Und Jungs wer­den von reifer­en Girls magisch ange­zo­gen.
20 Der Klas­sik­er: Stolpere in Deinen Schwarm hinein. Entschuldige Dich über­schwänglich bei ihm. Er wird Dich total niedlich find­en, weil Du ein klein­er Toll­patsch bist.
23 Geh langsam und aufrecht an deinem Schwarm vor­bei. Ruhige Bewe­gun­gen lassen Dich älter und selb­st­be­wusster wirken!
24 Wenn Du mit einem Jun­gen sprichst, spiele dabei mit ein­er Strähne Deines Haares. Das wirkt mäd­chen­haft und ziem­lich süß!
31 Halte Deine Hände ruhig, wenn Du mit einem hüb­schen Typen sprichst. So wirkst Du gefasst und sich­er und nicht so kindisch wie andere Girls.

Das klappt sich­er! :irre:


Da sag’ noch ein­er, Pornografie sei stets plump: Two Hot Invis­i­ble And Silent Les­bians Fuck On The Floor.

MusikkritikMir wird geschlecht
HMPLFRN: Miss Platnum lacht nicht zuletzt

1993 san­gen Ille­gal 2001 auf ihrem Debü­tal­bum in einem beachtlichen Refrain: “Mäd­chen sind doof / Mäd­chen sind doof, alle doof”. Von diesem Schock haben sich deutsche Musik­erin­nen sehr lange nicht erholt, bis schließlich Miss Plat­num kam und deren Ehre zu vertei­di­gen ver­suchte.

Miss Plat­num, die Älteren unter uns erin­nern sich wom­öglich noch an ihre klu­gen Gesangs­beiträge (“yeah / oh”) in Mar­te­rias über­durch­schnit­tlich gelun­genem Gassen­hauer “Lila Wolken”, ist laut Pres­se­in­for­ma­tio­nen “ein nicht wegzu­denk­ender Teil der urba­nen deutschen Musik­szene”. Für sie (wie für mich) sei “das alles Pop­musik”, den­noch seien “Schubladen” für sie “genau­so unin­ter­es­sant wie Gen­dertalk”.

Wirk­lich? In ihrem derzeit vielerorts zu hören­den “Lied” “MDCHN (Mäd­chen sind die besseren Jungs)” (sic!) — lei­der lässt sie die Vokale beim Intonieren nicht weg — hört sich das ganz anders an.

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In den NachrichtenMontagsmusik
Chris Squire. Aus Gründen.

Och nööööEs ist Mon­tag, und möglicher­weise sollte man den Blick in die Nachricht­en noch um eine weit­ere Woche auf­schieben, son­st wird man miss­mutig und das bekommt der Ver­dau­ung bei diesem Wet­ter nicht. Aber Neugi­er, du Schelm! — Die Griechen, diese Schlaw­in­er, haben schon wieder Europa mit ihrer lästi­gen Demokratie beschämt. Guck­en wir also lieber auf die Prob­leme im eige­nen Land, zum Beispiel auf den Ruck von irgendwem nach irgend­wo. Die AfD lernt von der SPD und treibt den linken Flügel aus dem Saal. Pfff, gemäßigte Poli­tik. Damit wird man nichts in diesem Land.

Vielle­icht geht das mit Wasser­spray ja auch wieder weg. Was lei­der mit Wasser­spray mit ziem­lich­er Sicher­heit nicht ungeschehen gemacht wer­den kann, ist der doch etwas über­raschende Tod Chris Squires, des einzi­gen dauer­haften Mit­glieds der Band Yes. Dieses Jahr ist ver­flucht, was die Über­leben­schan­cen von Berühmtheit­en sein­er Klasse ange­ht, wie es scheint.

Obwohl er Yes in den 1980er Jahren in eine Zeit der wirk­lich schauder­haften Pop­musik geführt und Bil­ly Sher­woods Beteili­gung nicht ver­hin­dert hat, war sein Bassspiel doch eins der prä­gen­den Ele­mente von Yes und indi­rekt auch vie­len Bands, die ihnen nacheifer­ten und zum Teil bis heute nacheifern; sein Solow­erk, das einzig daran krank­te, dass er nie ein beson­ders her­aus­ra­gen­der Sänger war, verblasste dahin­ter völ­lig.

Aber heute sind wir mal nicht so.

Guten Mor­gen.

PersönlichesFotografie
Türkisch für Anfänger

Dem aufmerk­samen Leser dieser Zeilen ist wom­öglich mein unüblich­es Schweigen der let­zten Tage auf dieser Inter­net­präsenz nicht ent­gan­gen. Die Zeit, die ich anson­sten mit welt­män­nis­ch­er Attitüde und hoher Kun­st ver­bringe, habe ich indes dies­mal ander­weit­ig zu füllen beschlossen und mit der besten, liebreizend­sten Begleitung, die ein alter Gries­gram wie ich eigentlich kaum ver­di­ent haben dürfte, eine Reise in ein fernes Land ange­treten.

Während das stets unzufriedene Volk des Heimat­lands sich dieser Tage also, über­wältigt davon, dass sich ihr Sehnen nach einem Som­mer, wie er früher ein­mal war (R.C.), let­ztlich in Form ein­er Wärmephase (“Hitzewelle”, die Medi­en) erfüllt hat, entset­zt stöh­nend in küh­le Schat­ten zurückzieht, liegt der Ver­fass­er dieser Zeilen, aus­ges­tat­tet mit Schirm­chengetränk und Son­nen­brille, am Pal­men­strand und ver­ste­ht das Prob­lem nicht; überdies in einem Land, das jedes Klis­chee mit hof­fentlich unbe­ab­sichtigter Selb­stironie wahlweise zunichte macht oder voll und ganz bestätigt. Zwar gibt es wed­er Feze noch Kopftüch­er, dafür aber viele schnauzbär­tige Her­ren auf Plakat­en und an der Straße, an der andere Touris­ten mit dem oto­büs oder einem tak­si zum Hotel gefahren wer­den, das neben ARD und ZDF einen Fernsehsender namens Süper RTL ken­nt. Was bei Haller­vor­den noch poli­tis­che Spitze sein durfte, genügt hier noch immer zur Neuaus­rich­tung von Welt­bildern (lies: des meinen).

Süper RTL

Genug Erleb­nis darf’s bei all der angenehm son­ni­gen Entspan­nung dann doch sein, und so zieht es den Reisenden an einem stran­dar­men Tag in die Stadt (Antalya), wo es zu viel Eis und einen Basar gibt, an dessen Ein­gang man vor “getürk­ter Ware” gewarnt wird. Erwäh­nte ich, dass dieses Land Klis­chees zu ver­nicht­en imstande ist? Antalya, bis auf Weit­eres die Welthaupt­stadt der Selb­stironie, zeigt sich hier von sein­er besten Seite.

Daniel Klein

Döner

Echt ist allerd­ings die Kul­tur dahin­ter, viele Jahrhun­derte Tra­di­tion ste­hen west­lich­er Verir­rung diame­tral ent­ge­gen:

Kitsch Gewürze

Über­haupt ist in Antalya vieles größer, selb­st der Spam denkt in größeren Dimen­sio­nen. Via­gra-Cialis-Mails? Ach, i wo! Schnöde Mails sind der west­lichen Indus­trie ver­ma­cht, dieser Adres­satenkreis ist ein weit weit­er­er:

Viagra Cialis

Und trotz all­dem: Eigentlich ist es ja doch ganz schön, dieses Land.

Antalya 1 Antalya 2 Antalya 3 Antalya 4

Warm hier heute, nicht wahr?

In den NachrichtenMontagsmusik
Pixies — Bagboy

Hi, na?Manch­mal ist so ein Mon­tag­mor­gen dann ja doch noch etwas Schönes, wenn man mit den Gedanken dort ist, wo das Leben nicht rotiert, son­dern gemäch­lich seine Bah­nen zieht, und man eigentlich viel zu entspan­nt ist, um sich um die Angst vor griechis­ch­er Demokratie und fem­i­nis­tis­chen Non­sens zu scheren, weil genug Schönes in Sicht- und Reich­weite ist und man vor Wohlig- und Zweisamkeit verse­hentlich das Mor­gen­muf­feln ver­gisst.

Auch Schwule dür­fen in den USA jet­zt unglück­lich ver­heiratet sein. Leichter haben es jet­zt immer­hin Idioten: Piz­za auf Knopf­druck, was kann da schon schiefge­hen? Unsere­ins macht sich noch Gedanken darüber, welche Unter­hose er heute anzieht, aber die Vere­in­fachung des Lebens wird seit eini­gen Jahren pop­kul­turell als Maxime aus­geschlachtet. Sim­pli­fy your Mon­tag­mor­gen. Dabei kann es so ein­fach sein.

Und gegen das Aber helfen noch immer Liebe und etwas Rock­musik.

Pix­ies — Bag­boy — Live At AB Brus­sel 03-10-2013

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Viel Rauch um nichts

(Vorbe­merkung: Es fol­gt keine Pointe.)

Wenn die Grü­nen ger­ade nicht Krieg und/oder Kinder­fick­en befür­worten und die Ehe für Homo­sex­uelle, medi­al oft grif­fig, aber sach­lich völ­lig falsch auch “Ehe für alle” genan­nt, ablehnen, wer­fen sie mit Feigen­blät­tern nach ihrer Stammk­lien­tel:

Haschisch und Mar­i­hua­na sollen im Berlin­er Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bald in zwei Cof­feeshops legal verkauft wer­den dür­fen.

Dies solle wie in Uruguay, so heißt es, den offen­bar flo­ri­eren­den Berlin­er Schwarz­markt für der­lei Dro­gen, von dem ich annehme, dass die Stadt ihren Ruf als “Künstler”-Hochburg ihm zu ver­danken hat, eindäm­men. Das ist, wie man es von den Grü­nen nicht anders erwarten kann, allerd­ings etwas zu kurz gegrif­f­en. Dass die Gle­ich­set­zung von “Cof­feeshop” — mehr oder weniger ein “Kif­fer­café” — und apothekenähn­lich­er “Abgabestelle” blanker Pop­ulis­mus ist, sei den schlim­men Grü­nen ja beina­he verziehen, allerd­ings ist ihr Vorhaben auch aus anderen Grün­den skep­tisch zu betra­cht­en, denn den­jeni­gen, die Cannabis kon­sum­ieren, geht es nor­maler­weise nicht nur darum, unter bes­timmten Umstän­den möglicher­weise welch­es beantra­gen zu dür­fen. Es geht um Frei­heit, Brud­er.

Zunächst müsste — wie in Uruguay — bei ein­er kon­trol­lierten Abgabe hinge­gen ein zuver­läs­siges, durch­set­zungs­fähiges Kon­trol­lver­fahren entwick­elt und instal­liert wer­den. Um Miss­brauch — wie auch immer man sich “Miss­brauch” in Abgren­zung zum “Kon­sum” genau vorzustellen hat — vorzubeu­gen, müssten Käufer zen­tral erfasst wer­den. Entkrim­i­nal­isiert zu wer­den, indem man in min­destens ein­er weit­eren staatlichen Daten­bank aufgenom­men und in einem weit­eren Aspekt seines Lebens kon­trol­liert wird, ist ver­mut­lich ein Gefühl, um das ich die Friedrichshain-Kreuzberg­er wie auch um ihren furcht­bar hässlichen Stadt­bezirk wahrlich nicht benei­de.

Worum ich sie im höchst unwahrschein­lichen Falle der Cannab­is­freiga­be übri­gens auch nicht benei­de, ist die schon jet­zt abzuse­hende Beschränkung von Menge und Wirkung, die als min­dester Kom­pro­miss mit der elen­den CDU nicht allzu weit herge­holt scheint. Kif­f­en dür­fense, aber nur so viel und so schwach­es Zeug, dass sie völ­lig den Spaß daran ver­lieren. Immer­hin ist guter Stoff teuer, und während das einen Kon­sumenten oft nicht stören sollte, ist es bei aus öffentlich­er Kasse bezahlten Dro­gen nicht so leicht­fer­tig zu hand­haben. Fünf Gramm sind eben auch fünf Gramm, wenn sie nichts bewirken. Aber um den bloßen Rausch ging es nie und wird es auch nie gehen, wie in den­jeni­gen Län­dern, die sowieso kein Prob­lem mit Cannabiskon­sumenten haben, zu beobacht­en ist, wo Kif­f­en kein­er expliziten Genehmi­gung bedarf, etwa in Jamai­ka.

Dass ein ander­er sozialer Aspekt eben­falls den pri­vat­en Aus­tausch inter­es­san­ter macht als Apotheken­hanf, sei vielle­icht aus eigen­er Erfahrung beige­fügt: Cannabis schmeckt, nicht völ­lig ver­schieden vom Whiskey, deut­lich bess­er, wenn man es in Gesellschaft genießt. Die men­tale Steril­ität von staatlich und bürokratisch kon­trol­liert abgegeben­em Cannabis ist wohl nur ver­gle­ich­bar mit Weltlit­er­atur, die man sich aus der Schul­bücherei auslei­ht, oder Musik­stream­ing statt Plat­tenkauf. Vor 11 Jahren teilte die junge Lena Bey­er­ling ihrem Film­vater Ingo Nau­joks mit, sie wolle, wenn sie groß sei, auch mal Spießer wer­den. Eine Neuau­flage würde sich anbi­eten. (Das war jet­zt etwas unsach­lich.)

Deutsch­lands Dro­gen­poli­tik sei rück­ständig, befand Den­nis Schulz heute auf Twit­ter. Vielle­icht ist sie aber auch das, was Cannabis aus den dun­klen mit Tabak und bil­ligem Schnaps befüll­ten Eck­en der Gesellschaft weit­ge­hend fernzuhal­ten ver­mag.

PolitikNetzfundstückeMontagsmusik
Juleah — Beautiful For You

Bitte drückenEs ist Mon­tag. “Auf­ste­hen, Krönchen richt­en, weit­erge­hen”, so lautet eine ver­bre­it­ete Twit­ter­weisheit, aber die Monar­chie ist abgeschafft.

Wenig­stens tut endlich jemand etwas für die Kinder: Jugend gefährdende E‑Books dür­fen nur noch nachts online verkauft wer­den, weil Jugendliche zwis­chen 22 und 6 Uhr bekan­ntlich nicht im Inter­net sind, son­dern brav mit einem Märchen­buch im Bett liegen. Entschuldigung, Ihre Kun­st ste­ht im Hal­te­ver­bot.

Und son­st so? Der SPD-Abge­ord­nete und ‑Min­is­ter Rein­hold Gall verzichtet gern auf ver­meintliche Frei­heit­srechte, was über die Qual­ität der SPD 2015 alles Notwendi­ge aus­sagt. Immer­hin wird so die Energiewende gefördert, allein die Rota­tion­sen­ergie Willy Brandts in seinem Grab reicht für Hun­derte solch­er Idi­o­tien. Eine Rede, eine Rede!

Schnell ab- und ein­tauchen, bevor es noch schlim­mer wird.

Juleah — Beau­ti­ful For You

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeNerdkrams
Verqueere Entwicklerlogik

Open Source scheit­ert regelmäßig auch daran, dass seine Entwick­ler nur Men­schen sind. Dass Linus Tor­valds und Theo de Raadt nicht unbe­d­ingt zu den beson­nen­sten Disku­tan­ten gehören, ist bekan­nt; man muss ja auch wed­er OpenB­SD noch Lin­ux nutzen, wenn man lieber Soft­ware von Men­schen nutzen möchte, denen San­ftheit aus jed­er Silbe quillt. Mir per­sön­lich ist es bei ein­er Soft­ware übri­gens eigentlich auss­chließlich wichtig, wie gut sie den von mir gewün­scht­en Zweck erfüllt, weshalb ich mich auch nicht auf ein Sys­tem fes­tlege und auch Sys­teme von Unsym­pa­then nicht zu nutzen auss­chließe, wenn sie funk­tion­ieren.

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PolitikIn den Nachrichten
Verbrechen aus Waffenbesitz

Seit gestern wird wieder ein­mal wild spekuliert: Ein Nichtschwarz­er betrat eine Kirche und erschoss dort diverse Schwarze beim Beten. Die zynis­che Anmerkung, dass ihr Glaube sie damit wohl getötet hat, kön­nte ich hier anbrin­gen, mir damit die alt­bekan­nten Anfein­dun­gen ein­fan­gen und alles wär’ beim Alten. Ras­sis­mus sei doch schreck­lich, Ras­sis­mus sei das Prob­lem.

Wenn jemand in den USA irgend­wo hinge­ht und schein­bar wahl­los Leute umbringt, dann ist es eigentlich erst ab ein­er zweis­tel­li­gen Zahl von Opfern von beson­derem Nachricht­en­wert. Da tra­gen ja alle Waf­fen und schießen ständig auf wen, haha­ha, ken­nt man ja, diese Amerikan­er. So doof. — Bis es jeman­den trifft, dessen Haut­farbe nicht der des Angreifers ähnelt.

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SonstigesIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik extra: Altherrenwitze

Dass “alte, weiße, het­ero­sex­uelle Män­ner” an allem schuld seien und auf­grund ihrer Het­ero­sex­u­al­ität, sta­tis­tisch gese­hen, lei­der auch irgend­wann mal nul­lkom­manochwas Fem­i­nistin­nen gezeugt haben, ist längst nicht mehr als ein müder Trep­pen­witz der­er, die der Ansicht sind, ihr von Grund auf falsch­er Charak­ter sei nur deshalb nicht dazu befähigt, ihnen den Weg in höch­ste Gnaden zu bah­nen, weil sich ihnen das Patri­ar­chat in den Weg gestellt habe, und nicht etwa deshalb, weil sie außer Sprachev­er­hun­zen und Quoten­frau­sein nichts an Eig­nung vorzuweisen haben.

Etwas sel­tener ist dies:

Das Prob­lem von “TV total” ist nicht mal mehr der niveaulose Witz. (…) Die Show wirkt wie von alten Män­nern gemacht, hergestellt mit dem Humor-Werkzeug der Neun­ziger­jahre.

Alte Män­ner, so heißt’s dort, seien somit als Urhe­ber von Unter­hal­tungsme­di­en nicht geeignet. Jung ist gut, frisch und im Best­fall auch nicht männlich, lese ich daraus, habe schlimme “junge Komik­erin­nen” wie Car­olin Kebekus, Cindy aus Marzahn sowie Mar­ti­na Hill in ihrer einzi­gen unerträglichen Rolle als “Tina Hausten” viel zu gut im Gedächt­nis und rolle ein wenig the­atralisch mit den Augen. Der Jüng­ste war Heinz Erhardt auch nicht mehr, als er gegen Ende seines Lebens immer noch Men­schen amüsierte, und wie auch der Dichter Robert Gern­hardt und der, nun, Fernsehkri­tik­er Lori­ot, alle­samt alte Män­ner, hätte er “TV Total” ver­mut­lich schon damals für viel zu albern gehal­ten.

Warum das jet­zt, drei Monate nach der Veröf­fentlichung des beschä­menden Artikels auf “SPIEGEL ONLINE”, noch von Belang ist? Ste­fan Raab höre auf, verkün­de­ten die Medi­en, und nur wenige Stun­den zuvor war ger­ade erst die erste Trauer über den Tod des Lit­er­at­en Har­ry Rowohlt verk­lun­gen, der erst mit 70 Jahren seinen sub­tilen, bisweilen auch brachialen Witz nicht mehr zu haben imstande war. Was auf “TV Total” fol­gt und auf “SPIEGEL ONLINE” als geeigneter Ersatz beschrieben wird, nen­nt sich “Cir­cus Hal­li­Gal­li” oder “Neo Mag­a­zin Royale” und wirkt wie die Har­ald-Schmidt-Show (ihrer­seits wenig mehr als eine Kopie dessen, was Jay Leno per­fek­tion­ierte) ohne Har­ald Schmidt, dafür mit drei Oliv­er Pochers, die gle­ichzeit­ig ver­suchen, völ­lig unter­schiedliche Witze falsch zu erzählen. Es mutet ander­er­seits tragisch an, dass man Raab und Pocher hin­sichtlich ihres Unter­hal­tungswerts kaum voneinan­der unter­schei­den kann.

Ste­fan Raab, diese wahrhaftige Inkar­na­tion Troy McClures, ist ein Anachro­nis­mus aus ein­er Zeit, in der man mit per­son­al­i­ty shows — auch Thomas Gottschalk ist ja mit mehreren Ver­suchen dazu gescheit­ert — noch pri­ma Sendezeit füllen kon­nte. Das indes hat­te er mit Har­ry Rowohlt gemein: Sie sind aus der richti­gen Zeit in eine andere gefall­en, in der Beschle­u­ni­gung die Maxime bildet. Zumin­d­est für Rowohlt blieb nur mehr eine Nis­che, die er allerd­ings bess­er zu füllen ver­mochte als sie ihm Platz bot; er war die Nis­che.

Ste­fan Raab hin­ter­lässt im deutschen Fernse­hen nichts als ein paar Stun­den vakante Sendezeit. Wenn ihm das als Ver­mächt­nis genügt, ist das valide. Har­ry Rowohlt, der das Fernse­hen allen­falls in der “Lin­den­straße” bee­in­flusste, hin­ter­lässt hinge­gen etwas, was von Jan Böh­mer­mann oder, her­rje!, Gün­ther Jauch wohl nur schw­er kor­rigiert wer­den kön­nte.

Schade drum.