(Vorbemerkung: Es folgt keine Pointe.)
Wenn die Grünen gerade nicht Krieg und/oder Kinderficken befürworten und die Ehe für Homosexuelle, medial oft griffig, aber sachlich völlig falsch auch “Ehe für alle” genannt, ablehnen, werfen sie mit Feigenblättern nach ihrer Stammklientel:
Haschisch und Marihuana sollen im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bald in zwei Coffeeshops legal verkauft werden dürfen.
Dies solle wie in Uruguay, so heißt es, den offenbar florierenden Berliner Schwarzmarkt für derlei Drogen, von dem ich annehme, dass die Stadt ihren Ruf als “Künstler”-Hochburg ihm zu verdanken hat, eindämmen. Das ist, wie man es von den Grünen nicht anders erwarten kann, allerdings etwas zu kurz gegriffen. Dass die Gleichsetzung von “Coffeeshop” — mehr oder weniger ein “Kiffercafé” — und apothekenähnlicher “Abgabestelle” blanker Populismus ist, sei den schlimmen Grünen ja beinahe verziehen, allerdings ist ihr Vorhaben auch aus anderen Gründen skeptisch zu betrachten, denn denjenigen, die Cannabis konsumieren, geht es normalerweise nicht nur darum, unter bestimmten Umständen möglicherweise welches beantragen zu dürfen. Es geht um Freiheit, Bruder.
Zunächst müsste — wie in Uruguay — bei einer kontrollierten Abgabe hingegen ein zuverlässiges, durchsetzungsfähiges Kontrollverfahren entwickelt und installiert werden. Um Missbrauch — wie auch immer man sich “Missbrauch” in Abgrenzung zum “Konsum” genau vorzustellen hat — vorzubeugen, müssten Käufer zentral erfasst werden. Entkriminalisiert zu werden, indem man in mindestens einer weiteren staatlichen Datenbank aufgenommen und in einem weiteren Aspekt seines Lebens kontrolliert wird, ist vermutlich ein Gefühl, um das ich die Friedrichshain-Kreuzberger wie auch um ihren furchtbar hässlichen Stadtbezirk wahrlich nicht beneide.
Worum ich sie im höchst unwahrscheinlichen Falle der Cannabisfreigabe übrigens auch nicht beneide, ist die schon jetzt abzusehende Beschränkung von Menge und Wirkung, die als mindester Kompromiss mit der elenden CDU nicht allzu weit hergeholt scheint. Kiffen dürfense, aber nur so viel und so schwaches Zeug, dass sie völlig den Spaß daran verlieren. Immerhin ist guter Stoff teuer, und während das einen Konsumenten oft nicht stören sollte, ist es bei aus öffentlicher Kasse bezahlten Drogen nicht so leichtfertig zu handhaben. Fünf Gramm sind eben auch fünf Gramm, wenn sie nichts bewirken. Aber um den bloßen Rausch ging es nie und wird es auch nie gehen, wie in denjenigen Ländern, die sowieso kein Problem mit Cannabiskonsumenten haben, zu beobachten ist, wo Kiffen keiner expliziten Genehmigung bedarf, etwa in Jamaika.
Dass ein anderer sozialer Aspekt ebenfalls den privaten Austausch interessanter macht als Apothekenhanf, sei vielleicht aus eigener Erfahrung beigefügt: Cannabis schmeckt, nicht völlig verschieden vom Whiskey, deutlich besser, wenn man es in Gesellschaft genießt. Die mentale Sterilität von staatlich und bürokratisch kontrolliert abgegebenem Cannabis ist wohl nur vergleichbar mit Weltliteratur, die man sich aus der Schulbücherei ausleiht, oder Musikstreaming statt Plattenkauf. Vor 11 Jahren teilte die junge Lena Beyerling ihrem Filmvater Ingo Naujoks mit, sie wolle, wenn sie groß sei, auch mal Spießer werden. Eine Neuauflage würde sich anbieten. (Das war jetzt etwas unsachlich.)
Deutschlands Drogenpolitik sei rückständig, befand Dennis Schulz heute auf Twitter. Vielleicht ist sie aber auch das, was Cannabis aus den dunklen mit Tabak und billigem Schnaps befüllten Ecken der Gesellschaft weitgehend fernzuhalten vermag.