Dass “alte, weiße, heterosexuelle Männer” an allem schuld seien und aufgrund ihrer Heterosexualität, statistisch gesehen, leider auch irgendwann mal nullkommanochwas Feministinnen gezeugt haben, ist längst nicht mehr als ein müder Treppenwitz derer, die der Ansicht sind, ihr von Grund auf falscher Charakter sei nur deshalb nicht dazu befähigt, ihnen den Weg in höchste Gnaden zu bahnen, weil sich ihnen das Patriarchat in den Weg gestellt habe, und nicht etwa deshalb, weil sie außer Spracheverhunzen und Quotenfrausein nichts an Eignung vorzuweisen haben.
Etwas seltener ist dies:
Das Problem von “TV total” ist nicht mal mehr der niveaulose Witz. (…) Die Show wirkt wie von alten Männern gemacht, hergestellt mit dem Humor-Werkzeug der Neunzigerjahre.
Alte Männer, so heißt’s dort, seien somit als Urheber von Unterhaltungsmedien nicht geeignet. Jung ist gut, frisch und im Bestfall auch nicht männlich, lese ich daraus, habe schlimme “junge Komikerinnen” wie Carolin Kebekus, Cindy aus Marzahn sowie Martina Hill in ihrer einzigen unerträglichen Rolle als “Tina Hausten” viel zu gut im Gedächtnis und rolle ein wenig theatralisch mit den Augen. Der Jüngste war Heinz Erhardt auch nicht mehr, als er gegen Ende seines Lebens immer noch Menschen amüsierte, und wie auch der Dichter Robert Gernhardt und der, nun, Fernsehkritiker Loriot, allesamt alte Männer, hätte er “TV Total” vermutlich schon damals für viel zu albern gehalten.
Warum das jetzt, drei Monate nach der Veröffentlichung des beschämenden Artikels auf “SPIEGEL ONLINE”, noch von Belang ist? Stefan Raab höre auf, verkündeten die Medien, und nur wenige Stunden zuvor war gerade erst die erste Trauer über den Tod des Literaten Harry Rowohlt verklungen, der erst mit 70 Jahren seinen subtilen, bisweilen auch brachialen Witz nicht mehr zu haben imstande war. Was auf “TV Total” folgt und auf “SPIEGEL ONLINE” als geeigneter Ersatz beschrieben wird, nennt sich “Circus HalliGalli” oder “Neo Magazin Royale” und wirkt wie die Harald-Schmidt-Show (ihrerseits wenig mehr als eine Kopie dessen, was Jay Leno perfektionierte) ohne Harald Schmidt, dafür mit drei Oliver Pochers, die gleichzeitig versuchen, völlig unterschiedliche Witze falsch zu erzählen. Es mutet andererseits tragisch an, dass man Raab und Pocher hinsichtlich ihres Unterhaltungswerts kaum voneinander unterscheiden kann.
Stefan Raab, diese wahrhaftige Inkarnation Troy McClures, ist ein Anachronismus aus einer Zeit, in der man mit personality shows — auch Thomas Gottschalk ist ja mit mehreren Versuchen dazu gescheitert — noch prima Sendezeit füllen konnte. Das indes hatte er mit Harry Rowohlt gemein: Sie sind aus der richtigen Zeit in eine andere gefallen, in der Beschleunigung die Maxime bildet. Zumindest für Rowohlt blieb nur mehr eine Nische, die er allerdings besser zu füllen vermochte als sie ihm Platz bot; er war die Nische.
Stefan Raab hinterlässt im deutschen Fernsehen nichts als ein paar Stunden vakante Sendezeit. Wenn ihm das als Vermächtnis genügt, ist das valide. Harry Rowohlt, der das Fernsehen allenfalls in der “Lindenstraße” beeinflusste, hinterlässt hingegen etwas, was von Jan Böhmermann oder, herrje!, Günther Jauch wohl nur schwer korrigiert werden könnte.
Schade drum.



Ich habe den Hype um J. Böhmermann und Joko/Klaas nie verstanden, ich finde sie weder witzig, noch cool, noch irgendwie “fresh”. Und besonders den Böhmermann halte ich für viel weniger genial, als er sich wahrscheinlich selber sieht. Schon alleine, dass er im ZDF den Kasper machen muss zeigt, wie wenig genial der doch eigentlich ist. Mir sind die alle drei recht unsympathisch. Ich mag aber die meisten “Comedians” nicht, weil ich sie meistens einfach nicht lustig finde. Sie sind mir oft zu platt und zu vorhersehbar.
Stefan Raab war aber immer ein Phänomen, auch wenn man ihn selber nicht mag und seinen Humor nicht teilt. Dass er jetzt aufhören will, finde ich gut, denn das zeigt, dass er scheinbar noch die Kurve kriegt, bevor er gar nicht mehr peilt, dass ihn keiner mehr sehen will. Wahrscheinlich ist dieser Rückzug nicht für immer. Und eine Pause ist immer gut. Ich jedenfalls finde, dass Stefan Raab um weiten unterhaltsamer ist/war, als Joko/Klaas es in ihrer Aufgeblasenheit und gespielten Coolness jemals sein werden. Und so weit ich weiß, hatte es Raab nie nötig gehabt für die Sparkasse Werbung zu machen.
Vor Raab war Harald Schmidt. Nach dem kräht heute auch kein Hahn mehr.
Liegt vielleicht auch daran daß Glotze nicht mehr die Relevanz früherer Tage hat.