Nach all dem Ärger mit den nicht funktionierenden Gewehren zieht, so liest man, unsere Lieblingsministerin Ursula von der Leyen die einzig logische Konsequenz und verknüpft ihr jahrelanges zielloses Engagement gegen Bösewichte im Internet mit ihrem jahrelangen ziellosen Engagement gegen Bösewichte in der freien Natur:
Der Cyber-Krieg, sagt die Verteidigungsministerin, sei “indeed very important”. (…) Um Faktor fünf seien die feindlichen Attacken auf indische Computer-Netzwerke gestiegen, schon 2013 habe man den Schaden auf vier Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend. (…) Deshalb habe man (mit dem indischen Premierminister, A.d.V.) vereinbart, “sehr viel enger zusammenzuarbeiten”, um den neuen Krieg zu gewinnen.
Frau von der Leyen, die vor ein paar Jahren traurige Cyber-Berühmtheit erlangt hat und nun der Bundeswehr vorsteht, möchte aus der Bundeswehr also nun Cyber-Krieger machen. Filmfreunde, die nun an “Tron” denken, liegen aber wahrscheinlich falsch:
Gleichzeitig will sie die Bundeswehr mit indischer Expertise besser für Computer-Angriffe rüsten, ein Austauschprogramm ist angedacht. (…) Seit Monaten plant ihr Haus eine Art Kompetenzteam für den elektronischen Krieg.
Wer schon einmal im EDV-Bereich mit Indern zu tun hatte, der wundert sich vielleicht ein bisschen über den Begriff des Kompetenzteams, ist jene doch in deren Heimatland zwar preiswert, aber oft auch nicht gerade überwältigend gut; sei’s drum: In einer Zeit, in der Deutschland nur noch in der Vasallenrolle Krieg spielen darf, bis das nächste Kosovo sich erhebt, ist jedes Mittel recht, um nicht die Mittel zu verlieren.
Was hat sie denn eigentlich im Sinn? Nun, natürlich noch Illegales:
Für eine echte Abwehr, die nur durch aktive Attacken auf feindliche Rechner funktionieren kann, gibt es bisher kein Mandat.
Angriff. Verteidigung. Wir sind Kollateralschaden, müssen künftig nicht nur die NSA, den BND und die Chinesen, sondern obendrein digitales Militär fürchten, das dann wenigstens — hoffentlich — wie gewohnt danebenschießt.
Von einem “Hightech-Krieg gegen Computer-Viren” ist in der Einleitung auf “SPIEGEL ONLINE” die Rede. Winzige Panzer, die das Internet durchfahren, sind zumindest, vom Ernst der Lage abgesehen, eine amüsante Vorstellung. Vielleicht sind auch winzige Soldaten an Bord, die jedem Virus, dessen sie habhaft werden, ein Stoppschild vor die winzige Nase setzen. Damit die Viren wissen, dass sie da nicht durchdürfen.
Ich bleibe aber bei meiner Position, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Freiheit der Massenkommunikation Grenzen hat, wo die Würde anderer Menschen verletzt wird.
Ursula von der Leyen (CDU), 2009



“…der wundert sich vielleicht ein bisschen über den Begriff des Kompetenzteams,…” Nein, kein bisschen!
Mich erschreckt es nur eben heftig, einen Zusammenhang zw. UvL und Kompetenz zu sehen! Das kann man ihr nun wirklich nicht vorwerfen!