Dass die Vorratsdatenspeicherung — unter welchem Namen auch immer sie derzeit daherzukommen pflegt — nicht nur gefährlich, sondern auch überflüssig ist, hat nun sogar die hessische Polizei bewiesen: Sicherheitskräfte haben im hessischen Oberursel Material zum Bombenbau sichergestellt, jedenfalls potenzielles, und das ganz ohne Vorratsdatenspeicherung. Dass man mit genug Masse aus einer Menge Dingen Bomben bauen kann, sei für den dramatischen Effekt einmal beiseite gelassen.
Schade ist diese Entwicklung allerdings für die Piratenpartei, denn wenn man ihr zu wenig Politisches zu tun gibt, kommen die Förmchen wieder in den Sandkasten: Alles Nazis da, natürlich die üblichen Verdächtigen, denn gewusst hat’s wieder einmal jeder besser. Was ist passiert? Nun, der amtierende Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen, Werbematerial für piratenfremde Gruppierungen wie “die Antifa” im parteieigenen Klamotten- und Fähnchengeschäft “PShop” wieder zuzulassen, was einige Zeit zuvor beendet worden war. Obwohl jede demokratische Partei, um den staatlichen Grundsätzen zu genügen, sich gegen Extremismus stellen sollte und auch der Piratenpartei wohl kaum noch der Ruf einer Partei für Rechtsradikale anhaftet, scheint der Schluss nahezuliegen, dass ein Verein, der nicht für andere Vereine wirbt, automatisch Gegner dieser Vereine ist. Ich finde es ja auch frech von den Grünen, keine CDU-Broschüren herauszugeben, aber die werden sich schon etwas dabei gedacht haben.
Selbstbeschäftigung? Natürlich! Aber wie es in einer basisdemokratischen Partei so ist, stört das zunächst mal niemanden. Es gibt aus Rache für obiges verwerfliches Tun bereits Entwürfe für selbst zu druckende Flaggen, auf denen zum Geschlechtsverkehr mit dem Bundesvorstand aufgerufen wird. Protestsex könnte helfen, ist aber schon ein bisschen albern. Ach, albern: Es ist wieder einmal der 1. Mai, es ist wieder einmal Tag der Krawalle. Laut sein gegen Ungerechtigkeit. Flaschen werfen gegen Rechts. Dumm fickt zu viel.
Anscheinend unterschätzte Marktlücke: Auftragsrants. Wer einen Markennamen hat, kann sich jetzt selbst blöd finden. Die Wirtschaft lebt von diesem Tohuwabohu.

