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Medienkritik: Daten zählen mit der ZEIT

Kai Bier­mann stellte auf ZEIT ONLINE gestern im Zusam­men­hang mit den immer sump­figeren Untiefen der Spi­onage durch unsere amerikanis­chen Fre­unde (c/o SPD, schon mehrfach dabei, bitte nicht wieder wählen) die richtige Frage:

Aber wie viele Dat­en liefert der BND als Ergeb­nis an die Amerikan­er?

“Wie viele?” ist bekan­ntlich eine Frage nach der Stück­zahl. Ein guter Jour­nal­ist würde vielle­icht nun in Erfahrung brin­gen wollen, was für Dat­en aus­ge­tauscht wur­den und um welch­es Größen­ver­hält­nis es geht; aber die Anzahl — rel­e­vant! — ist ja auch mal schön. Also, Kai Bier­mann, wie viele waren’s denn?

ZEIT ONLINE hat­te bere­its im Feb­ru­ar aufgedeckt, dass der BND in aller Welt unge­fähr 220 Mil­lio­nen Meta­dat­en pro Tag abhört und spe­ichert. (…) Laut (…) neuen Akten wer­den “bis zu 1,3 Mil­liar­den Dat­en pro Monat” weit­ergeschickt.

Die Zahl sieht jet­zt zwar schön konkret und recher­chiert aus, aber sie enthält keine tat­säch­liche Infor­ma­tion. Wie viele “Dat­en” enthält meine IP-Adresse, wie viele “Dat­en” bilden die über mich gespe­icherten Infor­ma­tio­nen ab? Sind “Dat­en” Daten­sätze, Wörter oder Zeichen? Wie viele Gelds kostet die Über­tra­gung ein­er Date den Staat pro Stück? Was Kai Bier­mann ver­mut­lich aus­drück­en wollte: Es sind bere­its ver­gle­ich­sweise viele Byte zwis­chen BND und NSA aus­ge­tauscht wor­den. Lei­der schreibt er nicht auf, worauf sich dieser Ver­gle­ich bezieht, wohl aber zumin­d­est einen vagen Anhalt­spunkt:

Außer­dem erstellt der BND aus abge­saugten Dat­en und Inhal­ten “Mel­dun­gen” genan­nte Berichte, die er an ver­schiedene Stellen schickt. (…) Das wären ins­ge­samt 1.317 Mel­dun­gen, die eben­falls auf Selek­toren basierten und 2012 an aus­ländis­che Geheim­di­en­ste oder an die Afghanistan-Truppe Isaf gesandt wur­den. Für 2013 ist die Zahl ähn­lich hoch.

“Mel­dun­gen” beste­hen also aus diesen vie­len “Dat­en” und eben­falls unklar definierten “Inhal­ten”. Angenom­men, die 220 Mil­lio­nen “Dat­en” wür­den zu einem großen Teil zu “Mel­dun­gen” ver­ar­beit­et, so ist die Zahl 1.317 über­raschend klein. Entwed­er sind “Mel­dun­gen” sehr groß oder “Dat­en” tat­säch­lich sehr klein. Der Leser erfährt hier also dreier­lei:

  1. Der deutsche Geheim­di­enst BND leis­tet Geheim­di­en­star­beit.
  2. Es wer­den Dinge in großer Stück­zahl versendet.
  3. Der Ver­sand erfol­gt in Paketen namens “Mel­dung”.

Wie es heißt, gehörte es ein­mal zum Selb­stver­ständ­nis eines Jour­nal­is­ten, nicht vorhan­dene Infor­ma­tio­nen auch nicht aufzuschreiben. Aber was beklag’ ich mich — es hätte immer­hin auch in Fußballfeldern angegeben wer­den kön­nen.


Was machen diejeni­gen Pirat­en, die aus linken Grün­den die Partei ver­lassen haben, inzwis­chen eigentlich so? Nun, einige von ihnen (etwa der hier) engagieren sich laut ihren Twit­ter­pro­filen nun in Vere­inen wie der “Emanzi­pa­torischen Linken”. Das sind die hier:

Honig im Kopf

Damit dürfte auch erk­lärt sein, wieso eine als Nerd­partei gegrün­dete Gemein­schaft eigentlich plöt­zlich ein “bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men” gefordert hat. Sein Geld mit Arbeit zu ver­di­enen ist offen­sichtlich une­manzi­pa­torisch. :aufsmaul:

Senfecke:

  1. “Sein Geld mit Arbeit zu ver­di­enen ist offen­sichtlich une­manzi­pa­torisch.” Mit anderen, schlichteren Worten: Du meinst also Arbeit macht frei? :ups:

    Buchtipp: “Feier­abend — 11 Attack­en gegen die Arbeit”, Gruppe Kri­sis (früher auch mit Robert Kurz +), Konkret-Ver­lag.

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